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MuLöa, Dienstag, den 21. Oktober 1902.
M 243.
29. Jahrgang.
.0 Dem französischen Ministerpräsidenten Combes scheint es doch allmählich etwas unheimlich zu werden bei seinen „Siegen" gegen die katholischen Ordensleute. Es steht saft so aus, als fürchte er, die Geister, die er rief, könnten ihn vielleicht doch zu weit mit sich fortreißen. Kürzlich wurde mit aller Bestimmtheit gemeldet, den Bischöfen, welche die Protestkundgebung unterzeichnet haben, werde ihr Gehalt gesperrt werden. Jetzt ist davon „einstweilen" nicht mehr die Rede. Dagegen hat der Minister deS Innern den Direktor im Kultusministerium angewiesen, jene Bischöfe so lange nicht zu empfangen, dis der Ministerrath sich über die Angelegenheit schlüssig gemacht habe, was am nächsten Dienstag geschehen soll. Dir Bischöfe werden das zu ertragen wissen; indem sie den Protest gegen das ungesetzliche Vorgehen der Regierung hinaus gaben, wußten sie, daß diese sich dafür rächen werde. Sie haben den Muth gehabt, diese Folgen in klarer Erkenntniß der Sachlage auf sich zu nehmen, und so werden sie auch den Muth haben, den Kampf bis zu Ende durchzufechten.
Inzwischen suchen die Radikalen und Sozialdemokraten ihre Regierung immer weiter in den Kamps hineinzuhetzen. Der Sozialist Ernest Rdche hat erklärt, in der Montag-fitzung der Kammer einen Antrag auf Trennung der Kirche vom Staat, Streichung des KultuSbudgetS, Kündigung des Konkordats und Aufhebung der Botschaft Leim Vatikan einzubringe». Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die Kammermehrheit diesen Antrag, der nur die Konsequenz ihrer bisherigen Haltung ist, annehmen wird, wenn sich das Ministerium nicht ganz entschieden dagegen wehrt. Ob das jetzt noch möglich ist, wird man ja sehen. Der,Mati«' will wissen, der Ministerpräsident werde den Antrag bekämpfen mit dem Hinweis, daß die Re- gierung sich in ihrer AntrtttSerk.ärung für die Aufrechterhaltung des Konkordats ausgesprochen hcche.
Auf der andern Seite scheint die französisch« Regierung zu hoffen, daß der Papst ihr helfen werde, die Katholiken und ihre Oberhirten in Frankreich zur Unterwerfung unter die Kultur- kamps-Sefetze zu bewegen. Der .Figaro' will sogar bereits aus dem Vatikan erfahren haben, daß die französische« Katholiken seine Rathschläge nicht befolgten und allzu häufig religiöse Fragen in die Politik hineinzögen. In dieser Form entspricht die Nachricht wohl mehr einem Wunsche der französische« Regierung als der WillenSmetnung deS heil. Vaters. Wer religiöse Fragen in die Politik hineinzieht, das find in Frankreich doch nicht die angegriffenen Katholiken, sondern die radikalsozialistischen Kirchenstörer. Richtig ist, daß die Katholiken Frankreichs zu lange den Rathschlägen deS hl. Vaters kein Gehör geschenkt, auf politische und nationale Streitigkeiten mehr Gewicht als auf die religiöse Einigung und Neubelebung gelegt haben. Aber jedenfalls darf den Worten des hl. Vaters keine Fassung oder Deu-
OiS Wechenfchast.
Roman von Paul vom Wildbach.
AS ------(Nachdruck verboten.)
„Nur nicht den Muth verlieren," erwiderte der Seheimrath. Zunächst wollen wir einmal sehen, wo eS eigentlich fehlt." Er löste die Kleidungsstücke, soweit es nöthig war, und begann seine Untersuchung, welche dem Kranken große Schmerzen verursachte.
„Sin ziemlich schwerer Fall, Herr Graf," sagte der Geheimrath, der alsbald seine schlimmen Befürchtungen bestätigt fand, aber dem Kranken nicht qleich alle Hoffnung nehmen wollte.
„Täuschen Sie mich nicht, rS geht zu Ende," erwiderte Ostmark.
„Bitte nochmals, de« Muth nicht zu verlieren, Hrrr Graf. Um uns jedoch für alle Fälle zu rüsten: wenn Sie etwas zu ordnen haben, — der Transport nach Hause wird sehr schwierig sei« — so wird eS sich vielleicht empfehlen, jetzt gleich daran zu denken."
„Was soll ich «och viel ordnen? Wenn ich nicht mehr da bi«, wird das von sachverständige« Händen schon geschehen. Ich habe mit dem Lebe« abgeschlossen."
„Und habe« Sie der Frau Gräfin nichts zu bestellen? — Würden Sie dieselbe nicht gerne einmal sehen?"
„Meine Frau? Meinen Sie, daß es möglich wäre? — Wissen Sie,--ich bin in der
letzten Zeit etwas kalt gegen sie gewesen. Sie Hat nicht viel Grund, mir gut zu sein. Freilich,
tung gegen werden, durch welche die jetzige Aktion der Bischöfe verurteilt und sie womöglich gar dem Kulturkämpfer Combes gegenüber in's Unrecht gesetzt würden. DaS ist natürlich ausgeschlossen.
Berlin, 20. Oktober 1902.
* KrafKSkow ««d die N«rengerrerale. Die,Nordd. Allg. Zig.' schreibt offiziös: „Der .Reichsbote' verbreitet folgende gehässige Bemerkung gegen den Reichskanzler Grafen Bülow:
Man sagt sich: wenn der Reichskanzler Traf Bülow, wie der »Berliner Lok.-Anz/ berichret, Zeit dazu hatte, einen ganzen Abend dem Bunten Theater, einer Art Tingeltangel, zu wiomen, so hätte er auch ein Biertelstllndchen übrig haben können, um, ganz ab»e- feheu von seiner persönlichen Stellung zu,den Buren, wenigstens den Empfindungen deS deutschen Volke- so weit Rechnung zu tragen, daß er, wie die französischen ersten Minister, diesen Männern einen Empfang gewährte.
„Die Angabe, daß der Reichskanzler einen ganzen Abend im Bunten Theater verbracht habe, ist falsch. Graf Bülow hat dieses Theater überhaupt nie besucht. Er würde sich vielleicht ebenso gern die gelegentliche Erholung eines Theaterbesuchs gönnen wie andere Leute, aber dazu fehlt ihm die Zeit. „Die Burengenerale Haben, entsprechend dem vo» ihnen betonten unpolitischen Charakter ihrer Reise, keinen Empfang bei dem Reichskanzler nachgesucht. Daß sich Gras Bülow, der gewiß die allgemeine Hochachtung für die Tapferkeit und daS menschliche Mitgefühl mit dem Schicksal der Generale theilt, seinerseits ihnen hätte nähern solle«, war schon «ach dem durch die Generale veranlaßten Scheitern einer Audienz bei dem Kaiser ausgeschlossen. Urbrigens haben auch die französischen Staatsmänner zu de« kurzen von ihnen den Generalen bewilligten Empfängen, so viel wir wissen, nicht die Initiative ergriffen."
Der „ArmeeSefeßl fegest He Krtren" der nach einer M.tchrilung des.Vorwärts' den „Vertretern der Regierung und deS Militärs" verboten habe» soll, an den Festlichkeiten zu Ehren der Burengenerale thetlzu- nehmen, ist von uns als unzutreffend bezeichnet worden. Jetzt meint die.Nationalzeitung', der Befehl sei „dem Wortlaut nach wohl kaum korrekt", aber sachlich zutreffend. Den Umstand, daß an der Versammlung in der Philharmonie einige Offiziere in Uniform theilze- nommen habe», erklärt si; daraus, daß der Befehl manche», zu keinem Berliner Truppeutheil gehörenden, sondern nur hierher kommandirten Offiziere« wohl nicht rechtzeitig bekannt geworden sei. Die Sache wird wohl so liegen, daß ei« vertraulicher Wunsch deS Kaisers unter der Hand 6« die OffizierkorpS weitergegeben wurde, daß aber ein eigentlicher Armeebefehl nicht vorliegt. Jedenfalls müsse« wir dab-st bleiben, daß es einen Armee-Beseh!, der de« „Vertretern der R«gierung" ein Verbot auferlegt, nicht
eS ist ja zum Abschied für immer. — Glauben Sie, daß sie gern kommen würde?"
„Aber ich bitte Sie, Herr Graf! wie können Sie zweifeln an einem so edle« Herzen, wie es die Frau Gräfin hat; ich bin überzeugt, sie ist schon auf dem Wege und harret mit Sehnsucht deS Augenblicks, wo sie Sie sehen darf."
Der Arzt trat zu dem alten Laurenz, welcher sich ganz im Hintergründe gehalten hatte, so daß ihn sei« kranker Herr nicht sehen konnte, und flüsterte ihm etwas ins Ohr, »ährend der Graf, angestrengt von dem Gespräche mit dem Geheimrath. wieder müde die Augen schloß.
Gleich darauf trat die Gräfin ins Zimmer — bleich, die Augen »oll Thränen, und doch wieder mit einer heroischen Fassung und einer übernatürlichen Ruhe in den feinen Zügen.
Der Arzt winkte ihr, leise näher zu treten, worauf sie sich auf eine« Stuhl neben dem Bette niederließ und mit ihre« schlanken Fingern leicht die regungslose kalte Hand des Gatten umschloß
Eine Weile hatte sie iso gesessen, während man in de« kleinen Zimmer nichts hörte, als die stöhnenden Athemzüge des Kranke«, da trat der Arzt wieder näher und dielt sein Fläschchen wieder unter die Rase des Ohnmächtigen.
Die scharfe Flüssigkeit that wieder ihre Wirkung, und Ostmark schlug die Auge« auf. Sein erster Blick fist diesmal auf die Gattin, und unwillkürlich zuckte er zusammen,
„Bald ist'- zu Ende," flüsterte er, nachdem mehrere Augenblicke banges Schweigen geherrscht hatte.
„O, sprich nicht so, Rudolf," erwiderte fie. „Noch kann ja Alles wieder gut werden."
geben kann. Sonst müßten ja schon recht heitere Zustände bei uns bestehen! Soweit find wir denn doch wohl noch nicht.
4- Die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' meldet: Dem BundeSratbe ging der Entwurf einer Verordnung über den Kleinhandel mit char« zu. Dieser Entwurf yat lediglich eine unwesentliche Ergänzung der unterm 20. November 1900 ergangenen und am 1. Januar 1903 in Kraft tretende« Bekanntmachung, welche für den Einzelverkauf von Garne«, die Innehaltung bestimmter Gewichtseinheiten und Angabe der GewichtSmenge vorschreibt, zum Gegenstände. Es sollen nämlich von diesen Vorschriften ausgenommen werde» neben baumwollenen Nähgarnen, die aus Holzkellen aufgemacht sind, auch baumwollene Nähgarne, die auf Papierhülsen und Pappkops aufgemacht find. Die einschlägige Vorschrift in § 1 Absatz 2 der Bekanntmachung vom 20. November 1900 würde hiernach laute«: Die Vorschriften dieser Verord- nung finden keine Anwendung a) auf Garne, die zu« Zweck der Fertigstellung von halbseitigen Waarrn in Verbindung mit diesen seilgehalten werden, b) auf baumwollene Nähgarne, die auf Holzrokttn oder auf Papier hülse« und Pappkops aufgemacht find, c) auf Garne, die dem Käufer angemessen oder zugewogen werden.
* Aus den deutsche« Kisenüay««», vo» denen im September 75 mit einer Gesammt- länge von 45,496,21 Kilometer im Betriebe waren, wurde« im genannten Monat eingenommen: Aus dem Persone«»Verkehr 48,718 830 Ä (1,616,018 A mehr al« im September 1901) und aus dem Güter • Verkehr 994,648,984 Jt. (4- 2,360 991 Jk). Eröffnet wurde« am 1. September Wildpark-Nauen 31,27 Kilometer (Direktion-- Bezirk Berlin), Deutsch-Eylau-Nredeck 32,42 Kilometer und Schlochau • Zrchlan 17,60 Kilometer (Direktion- - Bezirk Danzig), Braun- schweig-Nordb.-Brunsrode-Flechtorf 14,80 Kilometer (Braunschweigische Landes • Eisenbahn), Wiel-enbrück-Gennelager 32,43 Kilometer (Westfälische Landes-Eisenbahn), Sallgast-Lauchhammer 12,76 Kilometer (bisherigeKleinbahn derZschipkau- Finsterwalder E senbahn Gesellschaft).
+ Mite sozialdemokrstisHs Mehrheit wird der 16 Mitglieder zählende Landtag des Fürstenthums Sch»arzburg-Rudolstadt habe«, falls die Sozialdemokratie, die nach der Hauptwahl bereits sieben Mandate ihr eigen nennen, auch die beiden, nach dem .Vorwärts' für fie aussicht-vollen Stichwahlen gewinnt- Wir finden das gar nicht fo entsetzlich und erinnern uns mit gewißer vergnügter Schadenfreude der Bismarck- schen Worte», daß er den „Genoffen" recht gern eine ganze Provinz al« Versuchsfeld anwe.sen wollte, wenn e« ging. Immerhin kann die Sachs in Schmarzburg ganz «eit «erden.
o WtesSabs«, 20. Ott. 1902. Der erste Na,fauifche Katholikentag am gestrige« Sonntag hat einen ungeahnt großartige« Verlauf genommen. Da- ,W. Volksb!.' schätzt die Zahl der Thrilnehmer auf 5000. Alle Stände waren vertreten, vornehmlich das Landvolk und der Arbeiterstand. Herr Prälat Dr. Keller eröffnete als Ortspfarrer die Versammlung mit dem katholischen Gruße. AiS Vorsitzenden schlug Herr Prälat Dr. Keller Herrn Justizrath Halbe vor.
„Ein verlorenes Leben — wie kann daS noch gut werden I — Die Welt wollt' er um- krhre« — den Himmel stürme« — nun liegt er am Boden, der vermeintliche T-tan! — Ja, ja, da» Niedrige und Allgewöhnliche hat gesiegt. — Du hast wieder einmal Recht gehabt, Kassandra — liebe Frau wollte ich sagen — wie die UnglückSprophele« ja immer Recht behalte« . ."
ES war wieder der alte bittere Groll, der Ostmark auch im Angesichte des Todes «och einmal packte, und der feiner Gemahlin j tzt doppelt durch die Seele schnitt.
„Rudolf, wie magst Du nur so sprechen?" erwiderte sie flehend.
„Ja, »es Triumph hast Du, daß Du ei« traurige- Ende immer vorausgesagt hast. Das Theater ist verbrannt, der Löwenthal Hot sich vergiftet und der Graf — nun, er stirbt auf der Landstraße. — Wie konnte er sich auflehnen »olle« gegen die hergebrachte. Ord- rueg, gegen die altväterliche unabänderliche Regel der Jahrhunderte, von der j-de Abweichung sich grausam rächt; wie konnte er etwa« Anderes sich vornehmen, als auf der breiten, ausgetretenen Straße zu gehen — nun hat er seine« Lohn . . ."
„Gott, mein Gott, welche Worte!"
„Tröste Dich, bald bist Dn frei — frei von dem ungeliebte« Manne, an dessen verhaßte» Joch ei« hartes Schicksal Dich geschmiedet .
„Um Deiner Kinder willen bitte ich, schweige, Rudolf, führe nicht solche Rede», die mir das Herz durchschneiden."
Eine lange Pause folgte dem verzweifelten Ausrufe der Gräfin. Auch Ostmark schien sich
Der Vorsitzende begrüßte dann seinerseits nochmals die Versammlung und endigte feine Ansprache mit einem begeistert aufgenommenem Hoch auf Papst und Kaiser. Als erster Redner verbreitete sich sodann Herr Reichs- und Landtags- abgeordneter, OberlandeSgerichtSrath Roeren- Köln, eingehend über daS Thema: Die Pflichte« des katholischen Mannes in politischer Hinsicht. U.a. sagte er, el fei Pflicht jedes guten Katholiken, die katholische Presse thalkiäftigst zu unterstützen. Sie sei das einzige Mittel, um die Verleumdungen und Entstellungen der Gegner zurückzuweisen. Wen« je, so ist jetzt die Bitte angebracht: auf ein katholisches Blatt zu abonniren! Das katholische Vereinslebe« muß gefördert werden; an erster Stelle ist der Volksverein für das katholische Deutschland zu nenne«. Der Volksverein soll der Sammelpunkt aller katholischen Männer, hoch und niedrig, jung und alt, fein. Im Vereinsleben mit gleichgesinnte« Männern steigt der Muth und das Vertrauen zur Sache! Feigheit und Schmach wäre es, wenn man sich schämen wollte seines Glaubens; jenes Glaubens, der vo« Christus selbst gestiftet ist. Tosender Beifall wurde Herrn Roeren für seine begeisterten Worte gespendet. D-.r folgende Vortrag, von dem hochw. Herrn Geistl. Rath Pfarrer Schäfer- Offenbach gehalten, galt den Pflichten der Katholiken in wirthschaftlicher Hinsicht. Jeder Katholik ist verpflichtet, die Errungenschaften der Neujett zu benutzen, wie eS für fei« leiblicher Wohl zukömml ch fei, ohne das ewige zu gefährden. Auch diesem Redner wurde reicher und anhaltender Beifall zu tbeil. Zuletzt sprach Herr Kaufmann Nikola Racke-Mainz über die Aufgaben der Katholiken gegenüber der modernen ungläubige« Zeitrichtung. Er zog auch die Abwehr jener Lügen- und Skandalchronik einer gewissen Presse in de« Rahme« seiner Betrachtung und bemerkte u. A. (wohl auch i« anderen Thülen Deutschlands dringend zu beherzigen. D. Red.) Folgendes: Welche Schauergeschichten find nicht i« den allerletzten Tagen erst wieder i« der .Frankfurter Zeitung' aufgetischt worden, der »Frank urter Zeitung' die so empfindlich, so vorsichtig, so skeptisch, so tolerant ist, wen« es sich um Israeliten und Judenthum handelt! Aber freilich, die Juden rühren sich und wehren sich und lasse« sich nichts gefallen und ich sage: Respekt davor! Aber wir Katholiken?! Nehmen Sie eS mir nicht Übel, wen» mir die Galle überläuft — ja, geschieht« uns den« nicht recht, wen« man uns auf den Köpfe» herumtrampelt, so lange es noch Hundert und Tausende, säst hätte ich gesagt — katholischer Dummköpfe gibt, welche die Gemeinheiten, womit man sie traktirt, auch noch mit ihrem Geld bezahlenAm Morgen ober läuft man auf die Post und bezahlt ohne mit der Wimper zu zucken, daS Abonnement fit die Frankfurterin oder die Kölnerin u. f. w. Wo bleibt den« die Konstquknz und Würde »nd Ehrgefühl? Der Bursche, der in mein Haus einSririzt und mich uns meine Kinder und meine Frau und meine Mutter beschimpft und verleumdet — dem gebe ich wahrhaftig nicht noch ei« Trinkgeld hierfür und lade ihn ein, täglich
dem erschütternden Eindruck nicht entziehe» zu können.
Ein tiefer Seufzer entrang sich wider Wille» seiner Brust.
„Arme Kinder I" murmelte er trostlos vor sich hi«. „Der Makel eures DaterS klebt a« euch, drs Mannes, der verwegen frevelnd hin- ausstrebte über daS Ziel, welches enge Beschränktheit ihm setzte, und endete als — ein Abenteurer — ei« Spekulant . . . atme Kinder!"
Des Grafen Stimme wat milder geworden, wenn auch die bittere Stimmung noch anhielt.
Die Gräfin hatte die Hand vor die Augen gepreßt, und dicke Thränen quollen zwischen den feinen Fingern durch; »ar es denn gar nicht möglich, das Herz des Mannes zu rühre«, der ihr einst so feierliche Schwüre geschworen! O, wie weit war «S gekommen!
Da durchzuckte fie plötzlich ei« Gedanke. Sie ließ sich vor dem Bette auf die Knie nieder, und die Hände abermals zum Himmel emporstreckend rief fie feierlich: „Herr im Himmel, Allwiffender und All gerechter, wenn ich denn fo verworfen bin, daß selbst der Gatte mich nicht hört, so bitte ich Dich, nimm mich hinweg an feiner Statt und gib ih» frei — ihn, den Vater meiner Kinder!"
Ostmark horchte erstaunt auf, al- er diese feierlichen Worte vernahm. War das »och seine Satti», die sanfte, milde, duldende? Sie ries die Gerechtigkeit Gotte- an, weil fie bei dem Gatte« lei« Gehör gefunden. I» der That, was konnte er ihr «otwerfen? Allerdings hatte er in letzter Z-it einen schwarzen Verdacht gehegt, aber was hatte er sür Beweise?--Wie, wen« er ihr
Unrecht getha»?--Die Gerechtigkeit Gottes