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.Wustrirte Sonntags-Zeitung*, „Suldaer ßescbkbkblätef' und totlerihnsR.

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JS 239.

0 Arbeitslosigkeit.

Im vorige« Winter gab eS in Berlin, aber auch In anderen Großstädten sehr viel Arbeit-- lose, und die Sozialdemokraten, immer auf die Gewinnung neuer Anhänger bedacht, brachten daher im Reichstage eine Interpellation ein, die auch sehr gründlich, drei Tage lang, erörtert wurde. Aber eS kam nicht zum Schluß der Besprechung. Und das benutzten nun die Sozialdemokraten, um dem Zolltarif Steine aufs Geleise zu wälzen, indem st- sofort nach Wiederbeginn der RetchStagsverhandlungen die Wiederaufnahme jener Debatte durchsetzten.

Man sollte meinen, nach neun Monaten wäre das Jutereffe an der Sache erschöpft, und eS ließe sich nicht mehr allzuviel darüber sagen. Aber die Sozialdemokraten verstehen es, über Alles viel, ja „allzuviel" zu sagen. Man hatte daher am Mittwoch im Reichstag den Ge­nuß, eine ganze Garnitur sozialdemokratischer Dauerredner über die Arbeitslosigkeit im vorigen Winter, die tdeilweise auch im kommenden Winter zu erwartendeArbeitSlofigkeit, Arbeiter?ntlaffungen, Arbeitslosenversicherung u. s. w. fick verbreiten zu hören. Den Nachdruck legten sie auf die Forderung einer Arbeitslosenversicherung, obwohl sie, wie Abgeordneter Dr. Bachem ihnen mit Recht entgegenhalten konnte, selbst noch nicht einig darüber sind, auf welche Wrise und von wem (Reich, Gewerkschaften) diese Ver« ficherung bewerkstelligt werden soll. Dr. Bachem erkannte die große Wichtigkeit dieser Frage im Uebrigen vollkommen an «und wünschte daher weitere praktische Versuche seitens der Gemein 'en. Für die nächste Zeit stellte der Sprecher des Centrums eine Regelung der Arbeitsnachweis- Frage in den Vordergrund und wies nachdrück­lich darauf hin, daß die Sozialdemokraten, indem sie den Zolltarif, der bekanntlich auch kräftige industrielle Schutzzölle Vorsicht, zu Falle zu bringen suchen, dadurch die Industriearbeiter schädigen und ihre Arbeitsgelegenheit vermindern.

Staatssekretär Graf PosadowSky, der ebenso wie nachher der kons. Abg. Graf Kanitz in der industriellen Ueberproduktion. die mehr Arbeiter an sich gezogen, als sie dauernd be- schäfttgen konnte, die Hauptursache der Arbeits­losigkeit erblickte, theilte mit, daß die Verbündeten Regierungen demnächst zur Frage einer ArbettS« losenverficherung, die aber noch mehr praktisch und wissentlich vertieft «erden müffe, Stellung nehmen werden.

Im Uebrigen war die Debatte im Reichstage recht eintönig und brachte, so endlos sie sich hinschleppte, so gut wie gar keine neuen Gesichts­punkte zu Tage.

Berlin, lii. Oktober 1902.

* In der »Nordd. Allg. Zig.' lesen wir: „Nachdem sich die Audienz der ^«rettgenerale bei Sr. Majestät dem Kaiser aus den bekannten

Hrb Wechenschafl.

Roman von Paul vom Wildbuch.

84 ------(Nachdruck verboten.)

Sobald Finding nämlich erfahren, daß bei Lswen- thal fremde Depots f.hlten, hatte er in seinen Büchern falsche Antragungen gemacht. Vor Kurzem war eine hohe Summe in Wrrthpapieren bei der gräflichen Kaffe eingegangen, die er noch in Händen hatte. Nun packte er dieselben ein, um fie dem­nächst nach England zu senden, wo er seine eigenen Ersparnisse auzulegen pflegte, um fie dereinst in Ruhe genießen zu könne». In die Bücher aber trug er ein, daß er die Papiere an Löwenthal abgeliefert habe, und eine Quittung darüber mit Löwenthai's gefälschter Unterschrift fertigte er selbst und legte fie zu den Gräflichen Akten.

Wenn Löwenthal doch Unterschlagungen ge­macht habe, meinte er, bleibe eS sich gleich, ,b man ihm 50,000 Gulden mehr oder weniger zur Last legte. Und daS J^terrffe des gräflichen Hauses? — Pah, jeder ist sich selbst der Nächste!" rief er. War es doch nicht da« erste Mal, daß er auf solche Weise seinen Bortheil wahrte. Und er fühlte sich so sicher, ja fast übermüihig über das Plän- chen, welches er ausgeführt hatte, daß er, dem sonst jede Kontrolle wider die Natur «ar, heute sogar mit einer Art Ungeduld die Ankunft des Grafen erwartete.

Zwei Tage schon waren seit der Katastrophe im Haus'- Löwenthal'« verflossen, ohne daß der Ostmarkiche Rentmeister etwas von seinem Herrn, den der Fall doch nahe genug anging, gehört hätte.

Iuköa, Donnerstag-

Gründen zerschlagen hat, werden auch die amt­lich e n K r e i s e von der Anwesenheit der Generale in Berlin keine Notiz nehmen."

» Di- Dor stäub« Ur christlich«« deut­sche» Aau-ruv-reiu« waren heute aus Gin- ladung des zeitigen Vorortes, des Westsälischen Bauernvereins in Berlin im Reichstagsgebäude zusammengeireten, um namentlich bei dem jetzige» Stande der Zollverhandlungen sich nochmals über die ZollvoUage auszusprecherr. Nach ein» gehenden Beratungen stimmten, wie die.Ger­mania' meldet, die Vorstände sämmtlicher Bauern­vereine, mit Ausnahme des Rheinischen Bauern- Vereins, der folgenden Resolution zu: „Die unterzeichneten christlichen Bauernvereine, (näm­lich der Westfälische, der Heffische, der Hessen- Nassauische, der Badische, der Elsaß-Lothringische, der Bay-rische, der Schlesische, der Tüerische, der Ost- und Westpreußische Bauernverein) be­dauern, daß die von ihnen gestellten Forde- rungen zum Schutze der heimischen Landwirth- schäft keine Aussicht auf Realistrung haben. Um so entschiedener müssen dieselben aber bean­spruchen, daß wenigstens die KommiffionsbesÄüffe, wenngleich dadurch der Landwirthschaft noch kein ausreichender Schutz zu Theil wird, bestehen bleiben. Insbesondere sind die Mindestzölle für Getreide, sowie für Vieh und Fleisch aufrecht zu erhalten. Die unterzeichneten Vereine er­warten daher die Zustimmung seitens deS Reichs­tages und der Verbündeten Regierungen." — Der Rheinische Bauern verein hatte folgende Resolution eingebracht und befürwortet: „8Bir stehen nach wie vor auf dem Standpunkte, daß die in der Eingabe der christlichen Bauernvereine vom Juni 1901 im J»tereffe der Gesundung des deutschen Bauernstandes als uothwendig bezeichneten und begründeten Zollsätze süc Ge­treide, Vieh, sowie sonstige Produkte der Land- und Forstwirthschaft unter genereller Ausstellung eines Doppeltarifs weder die Interessen anderer Berufsstände schädigen, noch den Abschluß von langfristigen Handelsverträgen verhindern würde». Wir sprechen die feste Erwartung aus, oaß der Reichstag und die Verbündeten Regier .: aen den Wünschen der Bauernvereine nach Möglichkeit entgegenkommen werden."

AD-rfr-istnnig-A-se-rst«-t«D»

hat bekanntlich erklärt, daß er im ReichStag-wahl- kreise Wittenberg Schweinitz nicht mehr kandidire. Jetzt wird bekannt, daß er im Danziger Kreise an Stelle de« Abg. Rickert ausgestellt werden soll, der sich wegen Kränklichkeit und hohen Alters vom politischen Leben zurückziehen will.

X Die evangelischen Astadker i» Aage» wurden bekanntlich dort von dem Oberbürger­meister Cuno in einer Rede begrüßt, die voll der gehässigsten Angriffe gegen die Katho­liken war. Die Katholiken von Hagen, die ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, haben darauf, wie gestern gemeldet, mit einer großen Protest­versammlung geantwortet. Nun meint dar „freisinnige" .Berliner Tageblatt', von dem man sonst eher die Vertretung jüdischer als protesta»- tischrr Jntereffen erwartet, Cuno habe nur das­selbe gethan wie der Bürgermeister von Mann­heim, der den Katholikentag begrüßte, und eS nennt die Protestrede deS Centrumsabgeordneten

„Wahrscheinlich fitzt er wieder m Monte Carlo oder in Spa, oder wo eS sonst ein interessantes Spielchen gibt und man alle Grillen vergessen kann," lachte der Rentmeister verschmitzt vor sich hin. „Was wird der Herr Graf. für Augen machen, wenn er hört, daß er neben den alten Schulden, die jetzt bezahlt werden müffen, auch noch etwa eine viertel Million an Depots ringe- büßt hat!--Ja, ja, einen besseren Streich

hättest Du mit gar nicht spielen können, Emil Löwenthal, als Du Dich zur rechten Zeit fort» machtest in das schöne Land, wo die Kourse nicht mehr sollen und eS auch keine Pleite mehr gibt. . ."

Fiuding legte sich in seinem bequemen Arbeits- seffel zurück und wollte seinen selbstgefälligen Träumen noch etwas nachhängen, als draußen hastige Schritte ertönten und gleich darauf Graf Ostmark hereintrat.

Der Rentmeister hatte sich erhoben und stand katzbuckelnd vor seinem Herrn, während die ge­wohnte Verschmitztheit in verstärktem Maße nm seine Mundwinkel spielte.

In der Thal war der Graf in Monte Carlo durch die Nachricht von Löwenthal's Selbstmord überrascht worden. Der Fall machte ein solches Aufsehen, daß selbst die weltentrückten Spieler an den grünen Tischen betroffen in die Höhe fuhren und sich fieberhaft um die Zeitungen dräng- ten — unter ihnen Graf Ostmark, der gerade wieder den Versuch machen wollte, sei» Glück und seine Befreiung aus den Händen des Bankiers bei der rollenden Kugel zu suchen. .

Ein gemischtes Gefühl überkam ihn bei der kaum glaubhaften Nachricht. Seinen Bedränger war er los — aber wie fland eS mit der Rück­

bat 16. Oktober 1902.

FuSangel eine „plumpe" Hetze. Oho, verehrter Herr Dr. Ltvylohn, was Sie da schrei­ben, ist eine plumpe Fälschung. Gehetzt hat der Oberbürgermeister Cuno, und die Kotholiken haben dies lediglich zurückgewiesen; in Mannheim aber hat der Bürgermeister (nicht der Ober­bürgermeister, wie das .Tagebl.' schreibt), der selbst evangelisch ist natürlich keine antiprote- fiantische Hetzrede gehalten; das wäre auch ganz Sem Geiste der Katholikenversammlungen entgegen gewesen. Um jenen. ungewöhnlich plumpen falschen Vergleich möglich zu machen, mußte da« .Tageblatt' verschweigen, wie Herr Cuno die Bündler in Hagen „begrüßt" hat. Eine so plump unehrlicheKampfeSwrise ist man frei lich von den Blättern dieses Schlages längst gewohnt.

» Die Arbeiten an der Nachweisung der Zrechn««s» K'aeS«rss«tz«rN«r«f»-che*oss«» schsfterr für 1901 find im ReichsverftcherungS- Amte so weit gefördert, daß die Unterbreitung der Vorlage an B-ndesrath und Reichstag späte- stiSs für den Monat Dezember in Aussicht steht. Die Nachweisung wird gerade für daS letztver- floffene Jahr em allgemeineres Jntereffr erwecken, weil in ihm z im ersten Male Die Bestimmungen deS neuen UnfalloerficherungS - GesrtzrS über die Wiederauffüllung des berufsgenoflenschasfiichen Reservefonds in Geltung getreten waren und durch Nachweisung des Reichsverficherungs-Amtes über die Höhe dieser den Berufs Genossenschaften auf­gebürdeten Neubelastung zahlenmäßig Auskunft gegeben werden wird.

* Streik». Wie im Kaiserlischen Statistischen Amte sestgestellt ist, haben im zweiten Viertel­jahre dieses Jahres im Ganzen 382 Streiks in Deutschland stattgehabt. Davon waren 341 neu begonnen und 311 beendet worden. Es waren von diesen Ausständen 884 Betriebe in Mitleidenschaft gezogen; 281 davon mußten völligen Stillstans eintreten laffen. Als Höchst- zabl der gleidjvUig streikenden Arbeiter wird die Zahl 13,732 a^egeben. Erfolg hatten 69 Aus- stände, theilwei;:n Erfolg 88, die übrigen, also über die Hälfte blieben erfolglos.

K Di« „BMiee Mosa", Rosa Luxem­burg alias Lübeck war nach dem Tode Dr. Schön- lanl'S mit der C.efredaktion der ,Leipz. Volksztg.' betraut worden. Ader die Herrlichkeit hat schon ein Ende; fie ist aus der Redaktion de» Leipziger Sozialistenblatte» ausgeschieden.

* Bei den old«nvnrgische« Laudlag»- wahl«« wurden 6 Sozialdemokraten ge­wählt. Damit ist die bisherige agrarische Mehr­heit gestürzt. Im Fürstenthum Lübeck sind die Sozialdemokraten unterlegen. Es wurden dort 4 Bürgerliche gewählt. Die Sozialdemokratie war bisher im Landtage durch einen Abgeord­neten vertreten.

Parlamentarisch« Nachricht««.

4- Das Kentert« wird am Donnerstag Bor- mittag in der Fraktion die Berathung deS Zoll­tarifs fortsetzen; dergleichen die Polen, bei denen die agrarische und antiagrarische Richtung bisher noch keine Verständigung gefunden haben

zahlung seiner Schulden? Das Gericht mußte die Ordnung deS Nachlasses in die Hand nehmen und dann war an Nachsicht und einen weiteren Ausstand nicht zu denken. Was sollte auS all' denUnternchmungenLöwenthal'S werden, bei denen der Graf brtheiligt war? Kein Zweifel, daß Alles einen beispiellosen Sturz erleiden würde und alle Gläubiger LÜrden Deckung bei ihm suchen, dem andern Hauptbetheiligten.

Noch eins, das Drückendste von Allem: Wie war es m't den Wechseln, die er »Heils an Löwen- thal ausgestellt, theils von diesem acceptirt hatte — hohe Wechsel, von denen er sein-m Rent­meister, dem verschlagenen Finding, noch nicht einmal Nachricht gegeben hatte. . . Die Haare stiegen Ostmark zu Berge, wenn er an die Ge­fahren dachte, die ihn von allen Seiten bedrohten. Was dagegen zu thun sei, wußte, er nicht. Nur eins war ihm klar: er mußte zurück zur Haupt­stadt, wenn er nicht in der Katastrophe mit unter­gehen wollte.

So hatte sich denn der Graf in den nächsten Eilzug geworfen und stand jetzt, übernächtigt und der inneren Aufregung fast unterliegend, vor seinem Rentmeister.

„Sie haben Kenntniß von der Katastrophe bei Löwenthal, und was ist geschehen, um ihren Folgen zu begegnen?" fragte er mit einer Stimme, welche Finding auS einer fremden Kehle zu kommen schien.

„Ich habe am selben Abend Alles gehö t und auch alle Schritte gethan, welche in menschlicher Gewalt lagen; die ganze Nacht habe ich . . ."

„Vorgestern Abend schon haben Sie es ge

29. Jahrgang,

sollen. Jedenfalls find aber auch bei den Polen die „Agrarier" in der Mehrheit.

4- Das Befinde« des Abg. v. Levetzow, des Vw sitzenden der konservativen Fraktion, der schwer krark ist, hat sich neuerdings sehr ver­schlechtert.

n De. Deltzeück, der neue Oberp'äfident von Westpreußen, wird dem ,B. T.' zufolge sei» Amt schon am 1. November antreten.

+ Der Mrmd der Laudwiethe hat seine über die landwirthschaftlichen Zollsätze der Re« gierungs-Vorlage hinausgehenden Anträge be­reits eingebracht und hofft dadurch eine rasche Entscheidung herbüsühren zu können.

+ Für Donnerstag stehen im Reichstage die Interpellationen der Freisinnigen und Sozialdemo­kraten über die „Ikeischnolh" auf der Tages- orbnung. Wie bestimmt verlautet, wird die Re­gierung es ablehnen, sie zu beantworten. Alsdann könnte sofort in die zweit- Lesung der Zolltarif-Vorlage eingetreten werden, wenn nicht etwa unvorhergesehene Zwischenfälle entstehen.

Arrs dem Reichstage.

194. Sitzung vorn 15. Oktober 1902.

An Stelle d-S Abg. Pachnicke, (freif. Bgg.), bet fein Amt niebergelegt, wirb Abg. Freese (stets. Bgg.) zum Schriftführer gewählt.

Die im Januar b& IS. nach dreitägiger Debatte abgebrochene Besprechung bet fezialbemokratischen Inter­pellation über Maßregeln gegen bie Arbeits­losigkeit wirb hierauf fortges-tzt

Abg MotkenSnhr (Sog) behauptet, zwar hätten einige Gewerbe inzwischen wieder einen Aufschwung genommen, in anberen aber fei bie Arbeitsgel-genheit noch f rzlechter geworben, und geht bann bis Näheren auf bie von ben sozialdemokratischen Gewerkschaften vorgenommene Arbeit«losenzählung(vom vorigen Winter) ein. Schließlich forbert Webner eine Arbeitslosen-Ber- fichecung, beten Lasten das Reich tragen müffe und könne.

Abg. Dr. Aachem (Str.) gibt zu, daß bet bevor­stehende Winter vielleicht noch größeren AibeitSmmrgel bringen werbe. Wie schon Abg. Hitze im Januar bar« gelegt, bleibe baS Wichtigste eine geeignete Ausbildung des Arbeitsnachweise«, auch auf dem Lande. Die Ar« beit«losen-Berficheru»g sei eines bet wichtigsten, aber auch 'ineS bet schwierigsten Probleme der Neuzeit. Wie der Borredner doch wissen müsse, seien über die Art dieser Berficherung, namentlich über die Frage, wer sie übernehmen und durchführen müsse, bie Sozialdemo­kraten selber noch uneinig. Wünschenswerth sei eS, daß bie hier nnb ba gemachten Versuche mit kommunalen Arbeitslosenversicherungen fortgesetzt würben, um weitere praktische Erfahrungen zu sammeln. Das Nothwenbigste aber sei, bet Jnbustrie Arbeit zu sichern, wie baS auch bet Zolltarif bezwecke. Die Sozialdemokraten heben immer nur bie lanbwirthschaftlichen, nicht bie industriellen Schutzzölle hervor; mit ihrer Politik werbe man bie Arbeitslosigkeit nicht verringern, fonbern nur vermehren. Die Eozialbemokraten verlangen ja überall Zollfreiheii, sogar für LhampignonS, Ballschuhe, Smyrnateppiche, Setbenkleiber 1 Ihr Prinzip: Zollfreiheit für Industrie- Produkte. schäbige die Industrie und sei darum ben industriellen Arbeitern verderblich. Möge es also ge­lingen, ben Zolltarif recht halb zu Stande zu bringen I (Lebh. Beifall im Centrum.)

Abg. Anveik (sozd.) behauptet, durch bie Schutz­zölle bekämen bie Arbeiter keine höheren Löhne, unb verbreitet sich bann weitschweifig, unter befonberem Hinweis auf Chemnitz unb ben Plauen'fchen Grund, über Arbeitslosigkeit, Arbeiterentlassungen usw.

Abg. Aösteke-Dessau (freif. Bgg.) glaubt, bie »en bältniffe seien seit dem Jmuar doch besser geworben. Nur wenn bei Winter sehr kalt sein werbe, sei eine größere Arbeitslosigkeit (wegen beS Stillstandes bet Bauten) zu erwarten. TS müsse für mehr öffentliche

hört? — Warum haben Sie mich nicht sofort benachrichtigt?"

„Ich habe in die Wohnung deS Herrn Grafen geschickt, aber der Herr Graf waren nicht zu Hause; eS war auch keine Auskunft darüber zu erhalten. . ."

„Hm, hm, ja, ja," räusperte sich der Graf, «ährend ihm tiefte!, daß er bei seiner Abreise allerdings nicht an Geschäftliches gedacht habe. „Und was für Schritte haben Sie gethan, um allzu großem Schaden vorzubeugen?"

„Ich habe gethan, was nur zu thun möglich war. Zunächst bin ich beim ersten Verlautbaren von dem Vorfall selbst bei dem Bankier Borge« fahren, um die dort liegenden Depots schleunigst zu erheben ..."

„Nun, der Erfolg?" forschte der Graf, als der Verwalter einen Augenblick innehielt.

„Leider fand ich nur verschloffeve Thüren, da da« Geschäft sofort in gerichtliche Ver­wahrung genommen worden war. Gerade dadurch dürsten die Depots indessen auch sicher verwahrt sein ... d. h. natürlich, soweit fie noch vor­handen find."

„Unb Sie habe» Zweifel, daß fie nicht mehr ganz vorhanden seien?"

Finding ließ einen tiefen Seufzer hören, wäh­rend er seine Augen scheinheilig zu denen deS Grafen emporgleiten ließ. „Ach, wer kann daS sagen heute, wo die Welt so voller Ungerechtig­keit ist. Löwenthal sollte ja wegen fehlender^ Depots verhaftet werden, als er fich seinen irdi­schen Richtern entzog und Gift nahm."

„Unb wie hoch beläuft fich die Summe, welche bei Löwenthal untergebracht ist?"