mit den Beilagen
JtS. 238,
Jutta, Mittwoch, dm 15. Oktober 1902.
Frankfurt gepflogen haben, werden für eine gleich.
Händler strafbar, sondern auch Anderes, was den
schiedene» Ländern begangen sind. De« Minder-
Höfen, in den überseeischen Hafenorten und be-
MarKtöerichte.
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Rekta»«,- und Avzeigerrtheil.
Es ist nicht nöthig, alle Beschlüsse, von denen in den Zeitungen berichtet wurde, hier zu wieder« holen. Es wird vor allem dahin gearbeitet werden, in der Strafgesetzgebung der verschiedene» Länder den Bkgriff de» Mädchenhandels einheit-
und in ihre Heimath zurückgebracht werde«.
Welche Lehren werden nun aus alldem
Ausland sich begebe«. Schreiber dieser Zeile« erfuhr vor einigen Wochen vo« einem deutschen Geistlichen in Paris, daß durch eine unter dessen Leitung steheude Stellenvermittelung allein im vorigen Jahre 507 stellenlos gewordene deutsche Dienstmädchen von neuem untergebracht wurde«, und diese, die sich an ihn wandte», stellten nur eine» geringen Prozentsatz der 0e- sammtzahl dar. Seine Schilderung der Gefahre«, dene« deutsche Dienstmädche« bei anderen Vermittlern und in Paris überhaupt ausgesetzt find, . .... - w-t—, —,------, sowie seine Angaben über die große Anzahl der
bere« europäischen Nationen zum Kreuzzuge gegen I jenigen, die dort thatfächlich moralisch völlig zu
| manchen hört man, daß fie sich z. B. in Frank- I furt oder i» der Umgegend verheirathrt haben. Daneben gibt eS auch anders — es sind namentlich solche, deren Familien in der Heimath besonders schlecht gestellt sind oder sich aufgelöst haben — von dene» man schließlich gar nichts mehr hört. Ihre Bekannten wußten wohl, wo sie zuerst ,i» Stellung gegangen" waren; aber später mußte aus irger d einem Grunde ei« Wechsel eintrete«; fie bedienten fich dazu vielleicht eines Vermittlers, dessen moralische Zuvrrläsfigkeit fie nicht erprobt habe» ko»nte»: konnte nicht schon dieser erste Wechsel fie ihrem Unglücke entgegen- führen?
Und waS speziell daS Ausland angeht, so bekommt man erst im Auslande selbst «ine» Begriff davon, wie viele deutsche Mädchen, namentlich von unsere» großen Städten auS, in
wärts in die beklagenswrrthesten Verhältnisse ge- rathen sind, wird man in der Heimath nalurge. mäß am wenigsten erfahren. Den Gefahren, am die es sich hier handelt, sind ja die meisten Mädchen ausgesetzt, die überhaupr von zu Hause in eine größere Stadt fich begeben, um fich bor: Stellungen zu suchen — und deren Zahl ist doch auch im Fuldaer Lande bisher nicht gering ge-
' i. Vrele kehren allerdings »ach kürzerer
wärtS aus so vielen Töchtern unseres Volker geworden ist. Gerade von denjenigen, die auS-
Es wäre gewiß thöricht, wenn jemand sagen wollte, daß dieses alles für unsere Gegenden von geringer Bedeutung sei, weil man hier bis jetzt wenig oder gar nichts von solchen beklagens- werthe« Opfern gehört habe. Es liegt in der Natur der Sache, daß man jene schaudererregende Zustände nicht hier in unserer Heimath studiren kann. Dari« liest unseres Erachtens der Hauptgewinn deS Frankfurter Kongresses, daß jetzt einmal die öffentliche Meinung mehr als je auf diesen Gegenstand htngelenkt, und daß, wie de« übrigen Nationen, so besonders auch unS deutlich vor Augen gestellt wurde, was aus-
für den Leserkreis der ,Fuldaer Zeitung' zu ziehen sein?
zügltch der Miethsbureaus. Fremde Frauen und Mädchen, die sich der Unstttlichkeit dir geben, dürfen über ihren Herkunftsort und die Personen, die sie zur Reise veranlaßt haben, vernommen
Die Berathunge«, welche die Vertreter dieser Komitees nebst anderen Interessenten jetzt in
jenes fluchwürdige Verbrechen aufgerufen hat. Er wandte fich zuerst nach Berlin, wo seine Be- strebunge« sogleich viel Anklang fanden. Zu dem von ihm angekündigten Vortrage erschienen viele hervorragende Persönlichkeiten vom Hofe, vo« der Regierung und vom Parlament. Ein hoher Re- gierungs - Beamter bestätigte auf Grund eigener Erfahrungen Coote's düstere Schilderungen. Bei der Berliner Polizei allein lägen 84 Photographien von Mädchenhändlern, gegen die man aber keine gesetzlichen Schritts «niesten könne, weil die schlaue» Füchse mit fabelhafter Vorsicht verführen. Sofort bildete sich in Berlin unter dem Vorsitze der Kaiserin ei» nationales Komitee, dem durch Coote's persönliche Bemühungen bald andere in Schweden,
hre Töchter niemals in solche ziehen lasse», oh»e ih»e« vorher den A»schluß an das dortige katholische Dienstmäd- chenheim zur Pflicht gemacht und die Adresse desselben ihnex verschafft zu !laben. Sie können diese Adresse jederzeit leicht erfahren, wenn fie fich an das Marienheim in Fulda oder an den geistlichen Präses der Dienstmädchenkougregation in Fulda, Prof. Dr. Richter, wende», der zugleich Vertrauensmann des St. Rüphaelsvereins für die
die religiös-sittliche Haltung jedenfalls viel ruhiger sein können, wen» »iefelben jenem Verein angehörte». Venn solche, die der Kongregation nicht beirrten, gleichsam zu ihrer Entschuldigung augeben, ie hätten keine Zeit, den Versammlungen beizuwohnen, so dürfte dieses doch kaum als hinreichender Grund gelten können; denn strenge Forderung ist nur, daß die Mitglieder nach Möglichkeit alle vier Woche« der für Dienst. Mädchen eigens berechneten Predigt und Nach- mittagSandacht beiwohne», und daS wird wohl von keiner Herrschaft verwehrt werde«.
Viel wichtiger noch ist fteilich dieser Anschluß n anderen, größeren Städte«, wo die Herr- chaften selbst im Durchsch«itt nicht so, wie daS
Wir würden aber alle die vorstehenden Erwägungen nicht niedergrschrieben haben, wenn wir nicht neben dieser allgemeine» Lehre noch eine ganz besondere im Auge gehabt hätten.
Ganz wird man nämlich das Auswärtsgehen von Mädchen trotz aller Bemühungen nicht verhüte» könne». Die sozialen Zustände unserer Zeit und unserer Gegenden nöthigex geradezu manche, ihre Heimath zu verlassen und ihren Lebensunterhalt auswärts zu suche». Und selbst wenn fie ohne zwingenden Grund sich hierzu entschlossen hätten, dürfte man doch dir Fürsorge sür sie nicht unterlassen. Längst hat darum die katholische CharitaS dieser Mädchen sich angenommen, um fie vor de» ihnen in de» Städten drohenden Gefahren zu bewahre». Diesem Zwecke diene» namentlich die Dienst- mädchenheime oder Marienhäusrr, wie sie gr- wöhlilich fich nenne«, die jetzt in fast allen bedeutende« Städten fich finde». Dieselbe» bieten nicht nur eine zuverlässige Stellenvermittelung, fie bieten auch stellenlose» Mädchen vorübergehende Unterkunft uud alle« katho-1 lischt» Dienstmädche«, die dort Anschluß suche», eine Stätte für ehrbare Erholung an den freien Sorntagnachmittage«. Auch in Fulda besteht bekanntlich ein solcher Marienheim, eine Gründung de- seligen Herr» Professors Schick, die i« vielfacher Beziehung sehr segensreich wirkt. Allerdings dürfte der hier bestehende Verein, die Martanifche Dienstmädchenkongregation trotz seiner annähernd 200 Mitglieder noch viel stärker sein: Viele katholische Eltern, deren Töchter als Dienstmädchen in Fulda sich au'fhalten, würden über
P Ci« lehre e»s de» Nttheidlmp« des-rindfirtn Md<h«slh»tzdi>Mffe».
jährigen soll ei» besonderer Schutz gewährt werden. Die Ueberwachungsthätigkeit der Polizei soll verschärft werden, namentlich an de« Bahn-
lich zu charakterisirs». Nicht nur erwiesene Zwangs- und Betrugsmittel mache» de» Mädchen-
Grunde gehen, will ich an dieser Stelle nicht wiedergeben. Und ähnliches ließe sich wohl sagen von de» großen Städte» Englands, Hol- landS, Belgiens, Italiens usw. Es ist eine er- staunlich große Zahl deutscher Mädchen, die alljährlich von unseren größeren Städten au8 durch ehrliche und unehrliche Vermittler ins Ausland gelockt werden. So lange darum viele Mädchen aus unseren Gegenden in größere deutsche Stäste sich begebe«, muß ma« auch, wenigstens sür einen Theil derselben, jene schrecklichen Gefahren be» fürchten, dene« fie nach Ausweis des Frankfurter Koxgriffes im Ausland ausgesetzt find. Dabei erinnern wir uns aber von selbst auch daran, daß für die viele« Mädchen, die in uxseren eigenen Großstädten bleiben, die Gefahren ebenfalls zahlreich und groß genug find.
Solle« also aus de« Verhandlungen des Frankfurter Kongresses die rechte« Lehren gezogen werden, so ist es zunächst die allgemeine längst bekannte Lehre: Der Drang zur Aus- Wanderung muß bei unsere« jungen Mädchen so viel als möglich bekämpft werden. Man warne fie, wenn man dazu i» der Lage ist, immerfort I vor dem Aufgsben der Heimath. Man suche sie womöglich im Heimathsorte selbst zurückzuhalten, wo fie am meisten von herzlicher Für. sorge und aufrichtigem Interesse umgeben find. Es braucht kaum eigens hervorgehoben zu werden, wie wichtig dies zugleich für die Lösung der in den letzte» Jahren immer brennender gewordenen ländlichen Arbeiterfrage ist. Mögen wenigstens alle, denen hier ein Einfluß zu Gebote steht, es zu verhüte» suchen, daß Mädchen aus kleineren j Orte» die große», volkreiche« Städte aufsuche«, wo fie sehr bald de« unglückfiligsten Ralhgebern in die Hände fallen und in die größte» Gefahre», i» die elendesten Lagen kommen können.
Zwecke» seiner Verführung dient. Das Verbrechen soll i» jedem Staate strafbar fein, selbst wen» die verschiedene« Handlungen, die den Thatbe- stand der Gesetzesübertretung bilden, in ver-
mäßige gesetzliche Bkkämpfung jene Uebelstände in den verschiedenen Ländern schr förderlich sein.
m allgemeinen in Fulda noch der Fall ist, für ie höheren Interessen ihrer Dienstboten besorgt »d. Möchte» doch katholische Eltern
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katholische» Auswanderer unserer Diözese ist. Erne einfache Postkarte genügt für diesen Zweck, und wem auch das noch zu umständlich ist, der braucht fich bloß an seinen Ortsgeistlichen zu wenden, der diese Korrespondenz gern besorge» , Zr ganz geringen Bettag kan«
solche» Mädchen auch ein gedruckter Führer etngehändigt werben, der vom Internationalen katholischen Mädchenschutzverein IS« Freiburg in der Schweiz herausgegeben
« V^ .irnden sie neben einigen sehr wichtige» „Rathschlägen und praktischen Winken" für alle bedeutenden Städte in den verschiedenen Länder« Europas und Amerikas zuverlässige Adressen | angegeben, bei deren Benutzung fie niemals fixem ! Mer geriebenen gewiffeNlosen Agenten in die Hande fallen werden, die, wie in Frankfurt vor aller Welt kund gsthan worden ist, alljährlich so viele ins Verderben stürze«. Man möge fich diese Auskunft auch dann verschaffen, wenn durch Bekannte oder sonst auf irgend eine Weise schon vor der Abreise ette bestimmte Stelle in einer größeren Stadt ix Aussicht gestellt ist, um näm- lich stets eine« sichere« Rückhalt zu haben, auch für den Fall, daß nachträglich doch einmal eixe anders Stelle ausfindig gemacht werden muß.
Kein Vater und kein Vormund kann es heute verantworten, ein seiner Ob- Hut anvertrautes katholisches Mädchen auswärts eine Stellung suchen oder an« nehme» zu lassen, ohne von den Einrichtungen Gebrauch zu mache», welche die katholische Charitas für dessen xoth« wendigen Schutz geschaffen hat.
* Nicht zu widerlege«. Als vor nicht sehr langer ■ Zeit Sir Wilfred Saurier, der Premierminister von Kanada, sich während einer Wahlkampagne, in der eS heiß herging und auch die Religion mit in den Kampf gezogen wurde, auf einer Rundreise befand, erhielt er ein Telegramm von einem liberalen Gesinnungsgenossen, der mit dem Premier nur durch die Politik bekannt war. Die Depesche lautete: „ES ist hier ein Bericht im Umläufe, daß Ihre Kiuder nicht getauft find. Widerlegen Sie dieses umgehend durch Telegraph." — Sir Wilfred antwortete: „Der Bericht ist leider richtig. Ich habe nämlich keine Kinder."
* Em nettes Pflänzchen. Mutter: „Fritzchen, wo bist Du?" — Fritzchen: „Im Garten, Mama." — Mutter: „Aber Junge, Du steckst ja bis über die Kme im Schmutz!" — Fritzchen: Ich habe mich selbst emgepflanzt und will nun sehen, ob ich auch wachse."
* Genaue Auskunft. Herr: Können Sie mir keine Notiz geben, wie eS mit der Firma Schwindelmacher steht?" — Kaufmann: „Die Firma steht gar nicht mehr — die fitzt bereits!"
i h-j. —
29. Jahrgang.
* 13. Okt. 1902. Amtliche Notiruna be
viehmarkt-Preise. Zum Berkaus standen: 419 Ochse«, 28 Bullen, 875 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 272 Kälber, 449 Schafe und Hämmel und 1091 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht Ochse»: ». vollfleischige, auSgemästete höchsten Schlachtwerths bis zu 6 Jahren 71-73 M., b. junge fleischige, nicht auSgemästete und ältere ausgemästete 66—68 M., o. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 62—64 M , d. gering genährte jeden MterS 00—00 M. Bullen • ». vollfleischige höchsten Gchlachtwerthes 62-64 M. b. mäßig genährte jüngere und gut genährte älter« 58—60 9L » germg genährte 00—00 M. Kühe und Färse, (Stiere und Rinder): ». vollfleischige, auSgemästete Färsen» (Stiere und Rinder) höchsten SchlachtwerthS 66—68 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten SchlachtwertheS bis zu 7 Jahren 62—64 M., c. Mer, auSgemästete Kühe und wenig gut entwickele jüngere, Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 54—56 M., d. ^LS-nahrie Kühe und Färse» (Stiere und Rind«) 45-43 e. gering genährte Kühe und Färsen (Stiere mW Rinder) 00—00 M. Bezahlt wurde für 1 Pfund Schlachtgewicht: Kälber: ». feinst- Mast- (Bollm. Mast- und beste Saugkälber 80—82 Pf., b. mittlere Mast- urd 73-76 Pf" «• ««ringe Saugkälber 62 mS 65 Pf., d. ältere gering genährte Kälber (Fresser) 00—00 Pf. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel 63-65 Pf., b. ältere Masthämmel 59-61 Pf, o. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Mär,schale. 60—52 Pf. Schweine: a. vollfleischige der feineren Raffen und deren Kreuzungen im Atter biS zu Vit Jahren 69-00 Pf., b. fleischige 67-68 Pf., o. gering entwickette, sowie Sauen und Sber 00—00 Pf., d. ausländisch« Schweine (unter Angabe der Herkunft)
Bl- Bezahlt wurde für ein Pfund Lebend, gewicht: Kälber a. 50-00 Pfg. b. 44—46 Pfg^ vchwein» k 54-00 Pf," b. fleischige 54 Pf,. Geschäft in Hornvieh gut, Ueberstand unbedeutend, i« Kleinvieh gut, Markt geräumt. — Aus Oesterreich stand« 149 Ochse« und 1 Bnlle zum «erkauf.
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G- ist klar, daß eine wirksame Bekämpfung solcher Zustände nur durch eine internationale Organisation in die Wege geleitet wer- de» kann. Daß eine so!che u den letzten Jahren entstand, ist hauptsächlich das Verdienst eines Engländer-, William Alexander Coote, der zuerst in feiner englische» Heimath eine sogen. .Rationale llrberwachung-. Gesellschaft" organi- firte, dann aber, seit vier Jahre», auch olle an-
Unter de» mancherlei Kongressen der vorigen Woche hat jedenfalls der zu Frankfurt a. M. abgehaltene „Kongreß zur internationalen Bekämpfung deS Mädchenhandels" am meisten die allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Eine ganze Reihe hoch- angesehener Mitglieder der höchste« Gesellschafts- r*««« «•>««.» »> vujwmtu, Klaffen, darunter viele Vertreter deutscher und Norwegen, Dänemark, Belgien, Holland, Schweiz, auswärtiger Regierungen waren hier aus den Rußland, Frankreich und Oesterreich-Ungar« nach- verschiedenste» Ländern Europas zusammengekom»! solgten.
me», um ein liebel zu bekämpfen, dessen Vor- handensein i« weiten Kreise« des Volkes »och viel zu wenig bekannt ist. Ein Redner des Begrüßungs- Abends, Herr Kammerherr Graf o. Keller aus Berlin, Borfitzender des deutsche» National- Komitee'-, der de» Kongreß im Namen des Kaisers begrüßte, hat diesen Kampf mit folgenden Worten geschildert: „Für die Allerelendesten der ganzen Welt wollen wir uns hier bemühen und wir denken, damit eine gute Sache zu verfechten. Ihre Theilxahme stärkt und ermuthigt für die Arbeit und für den Kampf. Denn ein Kampf »st es- und zwar ein solcher höchst eigener Art: e« ist ein Bürgerkrieg, in dem wir uns befinden; eS ist ein Völkerkrieg, in dem der Sieg des einen j Kolkes nicht die Niederlage eines andern bedeutet, | sondern in dem jeder Vortheil des Einen auch | ®er Vortheil des Andern ist; es ist ein Dauerkrieg, der bereits weit länger währt als der 30jährige oder irgend ein Krieg, den die Geschichte kennt; es ist ein Krieg von beispielloser Grausamkeit, den« die Verwundeten begräbt man lebendig und die Todten werden nicht geehrt; es ist schließ, lich ein Krieg, in dem eixe Handvoll Angreifer auf der einen Seite steht und ihnen gegenüber Millionen und aber Millionen, die fich nicht ver- theidigen oder doch bis vor Kurzem nicht verthei- digt haben. Aber diese kleine Schaar besteht nicht aus Helden, nein, aus den erbärmlichsten Feiglinge«. Sie kämpfen nicht am Hellen Tage und fie streiten nicht mit ehrlichen Waffen; im Dunkel der Nacht schleichen fie sich i« unter Lager und erwürge« wehrlose Fraue». Dem Mädchenhandel muß ein Ende gemacht werden. Die alte Kulturwelt ist an zwei liebeln untergegangen: an der Sklaverei und an der Unstttlichkeit. Der Gegen- stand, der uns beschäftigt, enthält beides. Das eme Wort „Mädchenhandel" umschließt die höchste Unstttlichkeit und die grauenvollste Sklaverei. Ette Mahnung von erschütterndem Ernst ergeht an uns Alle, an alle modernen Kulturvölker, daß wir nicht durch längere Duldung solch' himmelschreiende« Verderbens dasselbe Gericht auf uns herab- beschwören, das die Alten ereilt hat. Lassen Sie uns darauf vertraue», aber auch alles daran setzen, daß unsere Arbeit, nnser Kongreß dazu beiträgt, I die Stunde der Befreiung zu beschleunigen!"
Wer schon bisher auf jene schändliche Sache geachtet hatte, wird an diese» Ausführungen nichts UebeririebeneS finden. Aber freilich ist das Un- ternehmen, hier Abhilfe zu schaffen, mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Diese wrißenSklavenhändler, denen nachzuspüren ist und denen ihr___, ,
unsauberes Handwerk gelegt werden soll, find, wesen. !«ltlc nUa) kürzerer
m „?s lüugft in einer Schilderung der.Köln, oder längerer Zeit in ihre Heimath zurück. Von VolkSztg.-(io. Juli 1902) hi-ß, leider gar schlaue' ' " - -
Füchse, die fich in den verschiedensten Gestalten ihren Opfern nähern und fie mit allerlei Ver- fpre.^uxgen zu locken verstehen. „Bald trete« fie alS AuSwaxdenmgs-Agenten auf, bald als Ver- mittler non Gouvernanten- und Dienstmädchen- Stellen. Sie veranlasse« ihre Opfer in Stadt w* die Zusicherung hoher Löhne und
Gehälter für ehrbare Anstellungen ihnen in fremde Länder gu folge«. Wenn die Bethörten, wett vo« der Heimath entfernt, ohne Schutz und Geld, der Sprache nicht mächtig, endlich zur Kenntniß ihrer Lage gelange«, kaffen fie fich ost wie die Schafe zur Schlachtbank führe« und werde« auf den Märkte», wo Schönheit, Jugend und Unschuld feilgeboten werden, a» die Meistbietenden ver- steigert. Sobald der Handel abgeschlossen ist I »erschwinden die Unglücklichen vom Schauplätze i der Civilisation. Ihr weiteres Leben ist Schmach und Schande, aus der fie meisten- nur der Tod I befreie« kam»."
B Fuldaer
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„Illusfrirfe Sonntags-Zeitung",