.IDustrirte Sonntags-Zeitung*, Juldaer 6esd>id)fsblättct' und Eofletfe-IM.
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Ju0öa, Mittwoch, den 15. Oktober 1902.
29. Jahrgang
Hsntsches Weich«
Berlin. 14. Oktober 1902.
+ Are Besetzung der freie« HSrr. PrSftdie« ist im .Reichsanzeiger' immer roch nicht bekannt gegeben, sodaß schon wieder Zweifel an der Richtigkeit der letzten Meldungen entstehen. Zwar gilt die Ernennung Delbrücks für West, pieußen als sicher, dagegen wird diejenige de« Wierbadener Regierungspräfidenren Dr. Wentzel für Hannover im ,Berl Tageblatt' als noch nicht feststehend bezeichnet. Gleichwohl hält dasselbe Blatt für Wentzel in Wiesbaden schon einen Nach folger bereit in der Person des „Oberpräfidenten" (soll wohl heißen: Oderp äsidtalrathr) Hengstenberg in Bretlau. Al« Oberplästüent von Hannover soll neben Dr. Wentzel auch der Vortragende Rach in der Reich«kanzlet, der Wirkliche Geh. Ober- regierungSrath Conrad in Betracht kommen. L.tzterer wäre den Liberalen wohl roch lieber?
* Zur Kölner Krzvifchsf-frsge wird der .Deutschen Retchszeitung' aus glaubwürdiger Quelle gemeldet, daß der Abt von Maria Laach, von Erotzinger, sich demnächst rach Berlin zur Vorstellung beim Kaiser begeben wird. D'ese Mise hänge mit der Besetzuug des e z bischöflichen Stvhlcr zu Köln zusammen. Der Kaiser protrgire den Abt aufs Entschiedenste. Ferner erfahren wir von zuverlässiger Sette, daß r« zu einer Wahl durch da« Domkapite. nicht kommen werbe, daß vielmehr die Regierung die Besetzung de» erzbischöfliche» Stuhle« auf diplomatischem Wege zu erreiche» sucht. Al» einer der ersten komme, wie oben gesagt, Abt von Stotzinger al« persona gratissima beim Kaiser in Betracht.
+ Die Merst«atlichu«g folgender Eisenbahnen beabsichtigt die preußische Regierung: 1) Ostpreußtsche Südbahngesellschaft, 2) Marienburg-Mlaokaer Eisenbahn Ges., 3) Altdamm Kolbe» ger Eis -Ges.> 4) Star gard- Küstrtner E.-G., 5) Kiel-Eck rnförder Flensburger Gis.-Ges., 6) BreSlau-Warschauer Eis.Ges. Die Regierung hat diesen Gesellschaften schon bestimmte Vorschläge gemacht, über die der ,Reich«- anzeiger' im Einzelnen berichtet.
+ s« chrvtzherzogttznm Hldentznr, haben Freisinnige und Sozialdemokraten für die beoorstehenden Landtagswahlen «in Kartell abgeschloffen, wonach erstere zwei, die Sozialdemokraten aber drei Abgeordnete bestimmen sollen. Also auch in Oldenburg werden die Frei- sinnigen durch die soztaldemokratische „Unter» stützung" nicht« al» Trabanten der Sozialdemo ikratie. Diese wird dann im oldeuburgischen Landtag 6 Mandate haben.
• Die „Ileischnsth" ist Gegenstand einer Interpellation der Sozialdemokraten, sowie auch einer Interpellation der Freisinnigen beider Linien. Letztere fragt speziell nach den Maßnahme» betreffs der Grenzsperre und der „schleunigen Beseitigung oder Herabsetzung
von Futtermittel-Zöllen". Beide Interpellationen kommen am Donnerstag zur Erledigung. Wie nach dem.Berl. Tagebl/ „bestimmt verlautet«, wird der Reichskanzler dieselben nicht beantworten, so daß am Donnerstag dann bereits der Zolltarif zur zweiten Lesung gelangen könnte. Wir kaffen dies dahin gestellt; aus jeden Fall bleibt die vollzählige Anweseicheit der Ernirums-Abgeordneten nothwe«dig.
* Aage», 12. Ott. 1902. Die Tagung des Eoangel. Bundes in unserer Stadt, bei welcher der erste Bürgermeister Cuno Namens der Stadt Hagen die bekannte Begrüßungsansprache hielt, hat den Katholiken Hagens Veranlassung zu einer Protest-Versammlung gegeben, die heute Nachmittag im Wridenhofe Hierselbst stattfand. Die Polizei schloß schon eilte Viertelstunde vor Beginn der Versammlung wegen Ueberfüllung des Lokals die Saalthürr»; mehr als 1000 Personen mußten wieder umkehren. Die Versammlung, welche vom Volksverein für dos katholische Deutschland einbrrufr» war, gestaltete sich zu einer großartig»», gewaltigen uni) einmüthigen Kundgebung gegen die Mschauungsn des ersten Bürgermeisters der Stadt Hagen über den Katholizismus und die katholische Bevölkerung. Der flammend« Protest, de» die imposante Versammlung gegen die Angriffe des Stadtoberhauptes auS- sprach, zeugte von der Einmükhigkeit, mit der das unvorsichtige Auftreten des ersten Bürgermeisters Cuno nicht nur in allen katholischen Kreisen vrr- urthrilt wird, sondern auch von Andersgläubigen, die sich ihre Ruhe und Besonnenheit bewahrt haben. Denn es waren, cd schon die Einladung zu der Versammlung nur katholischen Kreisen galt, auch viele Andersgläubige anwesend, die mit dem Auftreten des Ersten Bürgermeister- auf der Versammlung des Evangelischen Bundes nicht weniger als.einverstanden sind. Es ist zu betonen, daß die Versammlung keinerlei politische» Charakter trug, daß sie vielmehr lediglich der Ausdruck des Protestes war gegen einen ebenso unmotivirten wie deplazirtrn Angriff auf die Katholiken. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die heute im Weiden» Hofe versammelten katholischen Männer — 2000 an der Zahl — habe» mit tiefster Entrüstung von der Rede Kenntniß genommen, welche der erste Bürgermeister Herr Cuno am Begrüßung?- abend der 16. General Versammlung des Evangelische» Bundes gehalten hat. Sie erblickt in dieser Rede den Ausdruck einer konfessionellen Voreingenommenheit, die man bei einem Privatmann schon im Interesse deS guten Geschmackes höchst bedauern muß, die aber aus dem Munde des Obei Hauptes einer konfes» sionell gemischten Stadtgemeinde kaum zu ertragen ist. Die Versammlung erklärt, daß der Erste Bürgermeister Cuno durch sein Verhalten des Vertrauens der Hagener Katholiken bis auf den letzten Rest verlustig gegangen ist, und gibt der Erwartung Ausdruck, daß die berufene» Faktoren e- versuchen werde», dem so schwer gekränkten katholische» Bewußtsein in geeigneter Weise Senugthuung zu verschaffen. Die Versammlung glaubt schließlich die bestimmte Erwartung auSsprechen zu dürfen, daß die bis- her im ganzen befriedigenden Beziehungen zwischen
den beide» christlichen Konfessionen unter dem vom Gtadtoberhaupte gegebenen schlechten Beispiele nicht zu leisen haben werden und daß, wie bisher, so auch i» Zukunft beiderseitig mehr das ins Auge gefaßt wird, was uns eint, olS daS. waS dir beide« trennt.«
• Stuttgart, 14 Oft. 1902. Die dritte Konferenz der Trinkerheilanstalten des deutsche» Sprachgebiets nahm heute einstimmig eine Resolution an. welche die Noihwendigkeit eines Trinkersürsorgegesetzes ausspricht.
Parlamentarische Nachrichte».
X Der Meichstag wäre also glücklich wieder einmal in Berlin versammelt. Die Fraktionsführer zählen die Häupter ihrer Lieben, und sieh! eS fehlt noch manch treues Haupt. Drinnen im Saale werden nach den Begrüßung-worten des Präsidenten Petitionen berathen und dabei besonders mit großer Ausführlichkeit das Vereins, recht der Frauen besprochen. All-uviel regt man sich darüber nicht auf. Mehr interessiren die Privatunterhaltungen, zu denen man sich in de» lauschigen Ecke» der inneren Waudelgänge, in der große» Halle oder auch in der Restauration zusammenfindet, und in deren Mittelpunkt die Zolltarif Frage steht. Vor Bgmn der Plenarsitzung waren die „Senioren" deS HauseS versammelt, um über de» Geschäftsgang zu be> rathen. Der Präsident, der gestern schon eine Unterredung mit dem Reichskanzler hatte, schlug vor, alsbald in mediae ree einzutreten und zwar das Tarif,es: tz vor de« Tarif selbst zu be> rathen, jedoch unter Verbindung der zusammen« gehörige» Dingen, wozu außer den Mindestzöllen auch die einschlägigen Petitionen zu rechi.cn find. Darin liegt wenn man die in der Kommission und letzthin roch in der Presse hervorgetretenen Anschauungen und Wünsche vergleicht, ein Ent« aegevkommen gegen die linke Seite de- HauseS. Aber die Sozialdemokraten, die schon am (Dienstag-)Bormittag eine FraktionSfitzung abgeholten, hatte» es anders beschlossen. Sie scheinen zu sürchte», daß trotz oller Differenzen eine Verständigung zwischen der Regierung und den Mehr« hettSparteie« im Zuge sei, und haben daher ihre ultimo ratir, die Verhinderung einer Erledigung des Tarif« durch obstruktionistische Mittel, schon jetzt hervorgeholt. Herr Singer verlangte daher im Seniorenkowerit, daß der Tarif znerst durchberathe» werde und auch die alten, nun schon reichlich abgelagerte« und theilweise gar nicht mehr zeitgemäßen Initiativanträge und Interpellationen alsbald zur Berathung kommen; er meinte, sonst würden all diese schönen Dinge wieder bis an de» Schluß der Session zurückgedrängt und dann in dem großen Papierkorb verschwinden. Das find natürlich nur Ausflüchte, um die Berathung des Zolltarifs zu verschleppen und nebenbei Gelegenheit zu einigen AgitationS- reden zum Fenster hinaus — nach BebelS Se- pändniß der eigentliche Beruf der sozialdemokratischen Abgeordneten — zu erhalten. So wurde denn der Tarif einstweilen zurückgestellt. Uebrigens hat daS »och wenig zu bedeute», da eS den Fraktionen ohnehin nur erwünscht sein kann, i« engerem Kreise die Lage zu besprechen.
Gib -Rechenschaft.
Storno» von Paul vom Wildbach.
88 ------(Nachdruck verboten.)
®rfift» Hildegard leite, ganz betroffen von diesen Ansichten de« Satten, resignirt die Hände in den Schooß und meinte, während sie betrübt daS Haupt schüttelte: „Ich weiß wirklich nicht, waS ich ihn» soll. Zureden kann ich Carola nicht zu einer solche» Verbindung.«
Dock gleich darauf fuhr sie erschrocken in die Höhe. Eine solche Wirkung hatte sie von ihren ruhigen Worte« sicher nicht erwartet. Der Graf stand hochaufgerichtet vor dem Tische und ließ seine geballte Faust wnchttg darauf niederfivken:
„Also auch Du willst meinen Untergang« schrie er, fast sinnlos vor Zorn. „Bo lickst Du Deinen Gatten, daß Du nicht einmal ei» Wort zu seine» Gunsten rebex willst! Ja. so find die Wecker! Da rede» sie groß von Name, Hau« und FamUie. aber wen» sie einen Finger regm solle», um ihre Worte zur Wahrheit zu machen, dann versagen sie schnöde den Dienst ... So fahr' den» hi», r>u leeres Gepränge deS Hauses Ostmark. Laß de» Juden kommen und dich zerschmettern, wenn seine Mttglieder nicht mehr für dasselbe eintreten «olle» ..."
Sc wollte «och wettet reden, aber Hildegard «ar aufgesprungen, hatte seine Hände erfaßt und rief im flehentlichsten Tone:
„Ich bitte Dich, Rudolf, wo« in meinen Kräften steht, soll ja gern geschehen. Aber Dn haft ja selbst gesagt, daS Cora ihren freien
Wollen habe und ihre Entscheidung selbständig treffen müffe. Da Du es wünschest, will ich ihr die Botschaft gern »überbringen.«
Eine halbe Stunde später saß Gräfin Hilde- gard bei ihrer Schwägerin in deren Boudoir, und lange verhaltene, bittere Thräaen rannen von ihren Wangen herab.
Unter Worten der E-ttschnldigung hatte sie ihr den Brief Löwenthal's überreicht und zugleich einige Andentunge« über die Anschauungen des Grafen gemacht.
Cora war über Erwarte» ruhig geblieben, nur um ihre feinen Nasenflügel und um den energisch geschloffenen Mund zuckte es von Zett zn Zeit, während sie lange sinnend vor sich hinsah.
»Ja. ja," sagte fie leise vor sich hin, „ich habe e« kommen sehen. Mein Bruder hat jeden Hall verloren. Er gleicht dem Ertrinkenden, der nach einem Strohhalm greift; ach, er kann ihn ja nicht rette«; — Ich kann ihm auch dies Opfer nicht bringend
Hildegard ergriff die decke« Hände der »cken ihr Sitzenden. „Du hast doch nicht im Stefl geglaubt, daß ich Dir etwa solches en- fUne« wolle?«
„Nein, liebe Hildegard, es wäre mir anch ^cht möglich. - Allein, was hilft daS lange Smaen und Klagen? Mache» wir lieber der Sache ei« schnelles Ende. Ich habe von meinem früher« «or«und, dem Grase» Westkirch, ei»e Ei»lad»ng auf eckige Woche« erhalte«. Sein schöne« Schloß legt weit genug von hier, um mich aus allem Gerede herauszuheben. und nahe genug, daß wir nicht ganz von einander getrennt sein müssen.
Ich hoffe, dap Du hie und da einmal zu mir hinau«kommst.«
„Du hast recht, Cora. G che dem Strett auS dem Wege. Ich werde inzwischen sehen, rote ich dem unvermeidlichen Sturme begegne. Ich weiß nicht, was eS bedeutet; aber ich habe eine Ahnung, al- wen» uns noch Schweres beoorstände. Vor den unstäten Augen d«S jungen Löwenthal habe ich immer ei« geheimes Graue« gehabt; wollte Gott, mei« Satte könnte sich auS seiner Gewalt befreien.«---
Cora von Ostmark that, wie sie gesagt hatte. Andern Tages reiste fie zu dem Grafen Westkirch, einem Edelmann von altem Schrot und Reni, schon vorgerückt an Lebensjahre«. doch rüstigen Körpers und frischen SeisteS. Sein freies Landleben über alles schätzend, war er ein abgesagter Feind von all' de« modernen Be- strckuugen. u«en manche seiner Standesgenoflen neuerdings zu huldige» begänne», und bei Aeußeruug dieser seiner Ansicht nahm er durchaus kein Blatt vor den Mund, so daß er schon manchem anders Grfinnten empfindlich auf den Fuß getreten hatte.
Besonders sein junger Vetter Ostmark mit seinen ausschweifenden Neueruagdplänen hatte die abweichende Meinung des alte» Orkels schon wiederholt ck beißendster Weise zu hören bekommen, und daS Verhälckiß zwischen Beide» war darum keckeswegS daS freundschaftlichste. Unter West» k rch's Schutze war daher auch Cora rox O hmn k vor allen wetteren Anttägen Löw« chal's ebenso wie vor Bedrängungen durch ihren vkuver vollständig ficher.
Für Hildegard dagege» begann eine Zeit wahrer Höllenqualen.
, + Aie Dane« der jetzige« Ateichotag». sessto« ist sehr ungewiß. Reben dem Zolltarif rst die Erledigung de« Ettt« für 1903/4 die Hauptaufgabe der Session, die voraussichtlich, wenn diese beiden Sachen erledigt find, rasch zum Schluffe drängen wird. Manche glauben, daß der Reichstag nicht über Ostern zusammenbleiben wird. Der Präsident sprach im Seniorenkouvent allerdings von.Mitte Juni Wie dem auch sei, sedenfall« ist mit einem frühen Abschlüsse der Session und demgemäß auch mit der Möglichkeit »u rechnen, daß die nächsten Wahlen schon ziemlich zeitig im kommenden Jahre stattfinden. Darin liegt eine ernste Mahnung an alle unsere Parteigenossen im Lande, schon jetzt darauf bedacht zu fein, ihre Wahlvorbereitungen zu beginnen, ihre Organisation zu prüfen und zu vervollständigen. Bet der Unsicherheit der ganzen Lage müssen wir auf alles gefaßt fein!
X Die Iraüliove« «nd der Zolltarif. Wahrend die Fraktionen der Stile« und die Nationalliberalen, sowie auch die Polen heute (Dienstag) schon Fraktionsfitzunge« abholten, hat das Centrum eine S-tzung für Mittwoch Vormittag, die Konservative» eine solche erst für Donnerstag Gsberßumt Inzwischen wird morgee im Plenum die sozialdemokratische Interpellation über die Arbeitslosigkeit besprochen werden, der dann sogleich die sogenannte Fleischvoth» Interpellation folgen soll. Das soztaldemok atssche Rede- und Odstruktionsbedürfniß läßt erwarten, daß diele Gegenstände mindestens die Sitzungen von Mittwoch und Donnerstag in Anspruch nehmen. Elfi am Freitag kann daher, wen« eS den Sozialdemokraten gefällt und ein beschlußfähiger Reichstag allzu weite Abschweifungen zu verhindern in der Lage ist, mit der zweiten Berathung deS Zolltarifs be» gönnen werden. — Jedenfalls rst eS aber noth» wendig, daß schon am Mittwoch und erst recht am Donnerstag alle Centrumsabgevrd- neten zur Stelle sind, einerseits, damit ein beschlußfähiges Haus da ist, daS fick von den Sozialdemokraten nicht Alles gefalle« zu lassen braucht, andererseits aber, um bei be« voraussichtlich nothwendig werdenden Abstimmungen über de« Seschäftspla« deS HauseS der Obst>-uktton eine Schranke setzen zu könne«. 88 ist kiu schweres Opfer, daS von unseren Abgeordneten verlangt wird, aber es muß fein! Um so eher wird es bei vollbesetztem Hause möglich sein, die Entscheidung herbeizuführen. Der Vorschlag deS Präsidenten hinsichtlich der Se- schäftSbehaudlung deS Zolltarifgesetzes und deS Zolltarifs eröffnet die Aussicht, daß in wenigen Wochen die großen Entscheidungen gefallen sind, von welchen das Schicksal des ganzen EitwurseS abhängt. So lange können und müffe» die Parteien, die eine Verständigung wünschen, vollzählig zusammenhalte«.
Emtl LSwenthal zögerte nicht, dem Grafe« von Ostmark zu verstehen zu geben, daß er die Reise Cora's angeordnet ooer doch nicht verhindert habe, um eine Annäherung seinerseits unmöglich zu machen. Er fügte hckzu, daß er unter diesen Umstände» auch keine Lust mehr habe, dem Grafen den bisherigen weitgehende« Kredit zu gewähren.
Ostmark traten die Haare zu Berge, als er hörte, bis zu welcher Summe er in der Schuld de- Barkiers stand. Aber wie sehr er auch feine Bereitwilligkettzu einer Verbindung seckerSchwester mit Löwenthal versicherte, so konnte er diesen hoch nicht umstimme». Sr gab seinem Rentmeister Anweisung, alles flüssige Geld an den Bankier abzuführen; auch die verfügbare« Werthpapiere wurde« verkauft, aber Alle- verschwand wie ck einem Abgruude gegenüber der gewaltige« Rech- »u»g, welche d»S Bankhaus aufgestellt hatte. Schließlich verstand er sich dazu, Wechsel von Löwenthal zu acceptireu und auch selbst solche auszustellen, die »ach kurzer Frist eingelöst werden mußte» — aber Alles war umsonst, auS der Knechtschaft, in welche er gerathe« war, kam er nicht heraus. Ja, gerade daS Unterschreiben der Wechselpapiere machte ihn von seinem Peiniger noch mehr abhängig.
Wochenlang war die Stimmung de« Grafen fast zum Verzweifel«. Da ihm auch Löivmchal'« Spielgesellschaft fehtte, fand er sich die meiste Zett zu Hause, »• die Satti» seine üble Lau«« e«t- gelten mußte; oder aber et fuhr mit vlowitz, der im Hinblick auf seine eigenen Wünsche bezüglich der Schwester Löwenthal'« ganz auf dissr» Seite stand, nach irgend einer ausvärttgen Spielhölle,
Ans dem Reichstage«
193. «Sitzung vom 14. Oktober 1902.
Der Präsident Graf Batt,streue begrüßt di« Kollege», die heute erst in sehr mäßiger Zahl er- schienen find, und entledigt fich dann de« ihm in be» sonderer Audienz in Dresden gewordenen Auftrages, den Dank deS Königs Georg von Sachsen für