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.Ulustrirte Sonntags "Zeitung*1, „Fuldaer 6eschrchtMLttefE und Eotofe'Cbft.

[] Zur Eröffnung der Reichstags- seffion,

welche heute stat!findet, bringt die .Soziale ProxiS' (Nr 2) einen bemerkenswerthen Artikel, der fich mit den nächsten sozialpolitischen Aufgaben des Reichstages beschästizt. Der Artikel erhebt zunächst die Frage, ob nicht der Kampf um de« Zolltarif und die Mtßlichkeit der Finanzlage «in Hemmniß für die Förderung / bet Sozialreforrn bilden würde, vertritt dann aber mit Recht die Anficht, daß gerade die jetzige politische Lage mit verstärkter Wucht auf Maßnahmen zum Schutz der Schwachen hin­drängen müffe. Unter den gegenwärtige» Ver- hältniffe« würde „gleich einer ehernen Nothwendig- keit an Regierungen und Reichstag die Pflicht herantreten, den vierten Stand in ftiner Lebens­haltung und Leistungsfähi keit zu bewahren. Und daß dieser Ruf der Pflicht nicht ungehört ver­hallt, dafür liegt eine gewisse Bürgschaft in der Nähe der Neuwahlen, bei denen man fich scheue» muß, mit leeren Händen vor die Massen zu treten."

Unter den sozialpolitischen Fragen, mit denen sich der Reichstag zu befasse» habe« wird, steht mit Recht an erster Stelle die Schaffung eines einheitliche» deutschen Vereins- und Versammlungsrechter. Tine hierauf be> zügliche Eingabe wird nämlich Anlaß zur Er- örteruug über diese Frage biete«, welche für die Sicherung und Erweiterung der durch die einzel- staatlichen Gesetze vielfach eingeengten KoalftionS- freiheil von so hoher Bedeutung ist. Auch wird, wie die.Soziale ProxiS' betont, beim Etat des Reichsjufiizamts und Beim Etat des ReichSamte« des Innern tu der allgemeinen Debatte über Sozialpolitik, die sich hier stets entspinnt, Gelegen­heit genug gegeben sein, mit allem Nachdruck für den Ausbau und die Verbefferung des Koalitions­rechtes einzutreten. An gutem Willen hierzu dürste eS im Reichstag wohl nicht fehlen, denn, so glaubt auch das genannte Blatt feststellen zu tonnen, die Strömung für die Arbeitervereini- gungen ist stärker geworden, selbst führende konser­vative Blätter äußerten fich zu ihren Gunsten. Die Regierungen aber sollten aus den bitteren Erfahrungen vergangener Jahre hinreichend ge­lernt haben, um einzusehe», daß nur noch eine Erweiterung, aber keine Einschränkung des Koalitionsrechtes am Platze ist.

Was das Gebiet der Arbeiter-Versiche- rung betrifft, so hält eS die .Soziale Praxis' zwar für zweifelhaft, ob die schon längst ange­kündigte Revision des Krankenkassen-Ge­setzes gerade jetzt durchgeführt werden tonne, da eine so schwierige Aufgabe in einem Reichstage, der unter d m Drucke leidenschaftlicher Jnterrffrn- kämpfe und kurz vor den Neuwahlen stehe, kaum mit Aussicht auf Erfolg zu behandel» sei. Immer­hin sei zu hoffen, daß man auch in manchen Ar- beitervnficherungsfragen wenigstens einen Schritt weiter komme, so hinsichtlich der vom Bundesrath geplanten Ausdehnung der Kranken.Versicherung auf die Haus-Jndufirie, ferner einer Ver­sicherung für Arbeitslose, welche bei der sicher zu erwartenden ArbeitSlosen-Debatte wieder zur Sprache kommen dürfte, endlich der W t tt w e n - und Waisen - Versorgung, bezüglich deren

Hiö Wechenfchcrft.

Roman von Paul vom Wildbach.

82 ------(Nachdruck verboten.)

Wenn vor wenigen Jahren ein solcher Brief dem Grafen in di« Hände gekommen wäre, so würde er für den Verfasser, al« einen Toll Häusler, nicht« Andere« gehabt haben, al« ein mit­leidige« Lächeln. Jetzt brachte er cs nicht einmal zu einem kräftigen Zorn über den charakterlosen Emporkömmling, der, selbst baar jeder höheren Regung, lediglich im Vertrauen auf einen wohl­gespickten Geldsack und seine zweideutigen Finanz- künste «S wagt«, seine Hand nach einer Dame au« den ersten Geschlechtern de« Landes aurzustrecke».

Nur ein Gefühl beherrschte ihn: die Angst, daß er fich den Unwillen des Genosse», Pfleger« und Förderer« seiner Leidenschaft zuziehen könne. Was sollte der Graf beginnen, wenn er auf Löwenthal'» Genossenschaft beim Spiel verzichten mußte? — Und »och etwa«: Wie sollte e« gehen, wenn jener plötzlich von ihm Abrechnung ver­langt« wegen all der ungedeckten Geldvorschüsse, die er von ihm erhalten?

Es schwindelte Ostmark bei diesem Gedanke»; er wußte schon lange nicht mehr, wie es hiermit eigentlich bestellt war und wie viel er dem Bankier schuldete. Absichtlich hatte er ja die Augen ge­schloffen gehalten, denn er hätte sonst längst a»f dem beschrittenen Wege Umkehr machen müffeu. So aber hatte er immer gehofft »nd gehofft auf den glücklichen Zufall, der ihm endlich und mit

M 237.

Iuküa, Dienstag, den 14. Oktober 1902.

der bekannte KommisfionS-Beschluß über Brrwen- du»g der Mehrerträge auS de» SebenS mittel Zölle» vorliegt. Auf dem Gebiete der ArbeiterfchutzeS wird hoffentlich noch in dieser Session ein wesent- kicher Fortschritt durch Erledigung des Kinder- schütz-Gesetzes erreicht «erden, über welches prinzipielle Meinungsverschiedenheiten kaum noch bestehen. Auch andere Fragen find längst spruch- reif, so u. A. die Regelung der Heimarbeit i» der Cigarren'Fabrikation, der Rechtsoerhältniffr im Särtner.Sewerbe, die gesetzliche Herabsetzung des Moximal-Arbeitstages der Fabrikarbeiterinnen von 11 auf 10 Stunden. In Aussicht steht das gesetzliche Verbot der Verwendung der weißen Phosphors in der Zündholz.Fabri- kation und damit die Beseitigung einer Fabrik«- tionS-Methode, die Leib und Leben der Arbeiter in schlimmster Weise gefährdet. Seitens der Re« gierung ist sodann eine Vorlage über Errichtung kaufmännischer Schiedsgerichte im An- schluffe an die Gewerbegerichte zu erwarten.

„Es ist ganz ausgeschloffen", — darin pflichten wir dem Cenrralblatt für Sozialpolitik bei — „daß das positive Ergebniß der Berathungen gleich umfangr-ich sei; wir werden schon zusrie. den fein müssen, wenn die Gesetz- über den Kinderschuh, das Phosphorverbot, die kauf­männischen Gewerbegerichte sowie die (schon i» der vorigen Session durch Beschluß des Reichs­tages verlangte) Kommission zur Untersuchung der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit als fertige Thatsache» am Sesfionsschluffe sorliege«. Außer­dem hoffentlich aber «och Resolutionen zur Koalitionsfreiheit, zur Witwen- und Waisenver- sorgung und zum Zehnstundentag, deren Gewicht und Eindruck die Regierungen bald zu Thaten treibe». Die sozialpolitische» Aussichten des letzten ReichStagsabfchnitteS vor den Neuwahlen sind nicht ungünstig, mögen das Pflichtbewußtsein der ge,etzgebenden Faktoren und die eifrige Unter­stützung der w-iteste» Kreise der Nation auch die »öthige» Thaten schaffen."

Wir möchten namentlich diese letzte Mahnung des angesehenen sozialpolitischen Bl« res recht eindringlich wiederholen. An eisrr -r Unter- stützung auch seitens der weiteste« Volks kreise darf es der Sozialresorm nicht fihler , wenn es mit ihr recht vorangehen soll. Es ist daber eine Aufgabe unserer Versammlungen und Vereine — vor allem sei an den Volks verein sür da« katholische Deutschland erinnert —, fich auch mit den praktischen Frage» der Sozialreform gründlich zu beschäftigen und immer wieder die bezüglichen Forderungen in die Oeffentlichkeit zu tragen. Möge man diese nothwendige Unter, stützung aber auch durch energische und umsichtige Vorbereitungen der nächstjährigen Wahlen be­tätigen, damit durch dieselben die sozialpolitische Reichstagsmehrheit, deren Kern das Centrum bildet, erheblich verstärkt werde.

Derrtschrs Keich«

Berlin, 13. Oktober 1902.

+ A» feier int Hsserr, ASfeler im Messen. Der Kaiser soll, der Königsberger ,Harb. Ztg.' zufolge, am Dienstag in einem dortigen Offizier kafino den kommandirenden

einem Schlage die Erlösung au« allen Nöthen bringen sollte — und nun fühlte er fich auf einmal unrettbar «ingeschloffen in der Schlinge, welche der schlaue Bankier immer enger und enger um ihn gezogen hatte.

Ostmark sah nirgend« mehr einen Ausweg — und er wollt« auch keinen sehen; denn das hätte Kämpfe gekostet, — Kämpfe mit dem unentbehr­lichen Spielgenoffen und Kämpfe mit seiner eigene» Leidenschaft, vor denen beiden er sich fürchtete, weil er sich ihnen nicht gewachsen fühlte.

E« bot wirklich einen traurigen Anblick, wie der Graf so da saß, das bleiche Gesicht schien noch einmal so lang geworden, der Brief der ge- fürchteten Freier« zitterte in feiner Hand, selbst da« trügerische Heilmittel, welche« er an der Uhr­kette trug, und welches er sonst bei jeder Er- schütterung anzuwenden pflegte, hatte er diesmal zu nehmen vergeflen.

„Ich will einmal mit meiner Gattin sprechen." So kam e« endlich nach einer langen Zeit dumpfen Brüte»« über di« bläulich angelaufenen Lippen.

Die Gattin — o wie lange schon batte sie in dem Geistesleben de« Grafen gar keine Rolle mehr gespielt. E« war der Ausdruck de» höchsten Grades seiner Verlegenheit, daß et jetzt sich ihrer erinnerte.

16. Kapitel.

Schwere Kämpfe.

Die Gräfin befand sich allein in ihrem Zimmer. Ihre beiden Kinder, welche sie tagsüber fast immer um sich hatte, waren soeben von der Bonne zur Rahe gebracht worden, und indem ste noch

Senerat des 1. Armeekorps v. d. Goltz also gefeiert haben: „Nun kann ich ruhig schlafen, jetzt habe ich einen Häseler im W-ste», einen Häseler im Osten." Diese Worte, die jenseits der Ost- und West- grenze wohl mit etwas gemischten Gefühlen auf- genommen werden dürften, waren schwerlich für die Oeffentlichkeit bestimmt und werde« daher vielleicht mit einem Dementi bedacht werden.

4- Die «eite« HöerprSsidettie«. Graf Stolberg ist nunmehr unter Verleihung de« Kronen- Orden« 1. Klaffe verabschiede worden. An seiner Stelle soll der Regier nngrprästdent in Wie« baden, Dr. Wenzel, von dem birher in der Presse noch nicht die Rede war, zum Oberpräfidenten von Hannover ernannt worden fein. Für Westpreußen soll thatsächlich Oberbürgermeister Dr. Delbrück von Danzig bestimmt sein, den die,Kreuz Ztg.' al« freikons ervatio bezeichnet und dem Ver­trauen ihrer konservativen Gesinnungsgenossen mit einer Wärme empfiehlt, die wohl den vor­zeitigen Jubel der liberalen Presse, die Delbrück al« den Ihrigen betrachtet, dämpfen soll.

X Der Zst«ichst«g hat seine t» diesem Jahr« stark verkürzten Sommerserien beendet. „Setten" ist hier der richtige Ausdruck, denn nicht geschloffen wurde die Seffion, als die müde» RrickrSbvten vor wenigen Morden den Staub der Reichshauptstadt von ihre» Füßen schüttelten, sondern nur „vertagt", domst nicht dir Arbeit der Wintermonate, namentlich hinsichtlich des neue» Zolltarifs, vergeblich wäre. Ist nämlich eine geietzgeberisch« Arbeit, ein Antrag u. f. w. »och nicht ganz erledigt, wen« die Seffion ge- f(blaffen wird, so ist sie für die nächste Seffion nicht vorhanden und muß in dieser »och einmal von vorn angefangen werde«. Wird die Seffion dagegen nur vertagt, dann behält alle, wenn auch nur angefangene Arbeit ihre Giltigkeit, und der Reichstag k.«n einfach da fortjahre», wo er aufgehört hat. Das klingt nun ganz hübsch, so daß vielleicht mancher Zeitungsleser fich denkt: „Ei, warum macht man eS dann nicht immer so? Da würde doch sicher viel Arbeit gespart werden." Sir^rltch würde manche Arbeit fich vereinfachen, t'vr andererseits hat eine Ver­tagung die üble Folge, daß auch viele Anträge, um die es gar » cht schade wäre, weitergeschleppt werden und so gleich wieder jede frische Tagung belasten. An manchen Anträgen liegt selbst den Antragstellern nicht mehr viel, wenn schon länger« Zeit seit ihrer Einbringung verstrichen ist, weil fie bann vielleicht in eine veränderte Situation gar nicht mehr recht paffen oder ihr aktuelles Interesse inzwischen längst verloren habe». Trotzdem werden solche veralt« tr oder unzeitgemäße An­träge gewöhnlich nickt zurückgezogen, sei eS des­wegen, um nicht den Schein einet Sinnesänderung zu erwecken, oder aus anderen Gründen. Nun wäre ein solcher Ballast nicht einmal so schlimm, wenn nicht im Reichstage die Regel bestände, daß die Anträze in der Reihenfolge ihrer Ein­bringung berathen werden müffe», von den aller­ersten abgesehen, bei denen sich die Reihenfolge «ach dem Stärkeverhältniß der Parteien richtet. Liegen nun noch, wie eS auch jetzt wieder der Fall ist, viele alt« Anträge unerledigt da, so verlohnt eS fich kaum, neue einzubringen, weil eben die alte» doch noch auf lange Zelt hinaus

den letzte» Blick zärtlicher Mutterliebe auf sie ge­worfen, hatte sie ihnen zugleich da« heilige Zeichen de« Mutlersegens auf die reinen Stirnen gemacht.

O welchen Troü und welche Befriedigung ge­währte ihr all- Mühe, die sie auf die beiden Kleinen verwenden durfte. War e« doch fast da« Einzige, was fie noch von ihrem Gatten halt«, denn ach, fein Sinnen und Treiben gehört: ganz anderen Kreisen an.

Wo er während ganzer Tage und oft auch während ganzer Rächie war, und was er trieb — sie ahnte e« nur. Fragen durfte fie nicht, wenn fie den Grafen nicht In maßlose Wuth versetzen wollte. So hatte fie fich denn längst daran ge- wöhnt zu schweige» und zu dulden und ihrem Gatten zu Willen zu fein, so weit e» in ihren Kräften stand. ., _ _

Da sie von ftüher wußte, wie viel Werth et darauf legte, daß fie in bet Gesellschaft erschien, so hatte sie fich daran gewöhnt, ihn bei alle» nur paffende» Gelegenheiten zu begleiten, so schwer es ihr auch manchmal fiel. Sie tröstete fich dann mit dem Gedanken, daß fie ihn wenig- stens für diese Zeit von der schlimmste« Gesell- schäft und von der schlimmsten Ausartung des Spiels fern halte« konnte. Freilich sah fie dann die Löwenthal und Blowitz, die ihr ein Greuel waren, um so eifriger in ihrer und des Gatten Nähe fich herumdrängen, aber so lange fie an- wesend wat, konnte fie deren verderblichen Ein­fluß doch in etwa entgegenwirken,

Auch ihre Schwägerin hatte sie veranlaßt, öfter als es derselben sonst lieb gewesen, an de« herkömmlichen Festen theilzunehrne«, und

29. Jahrgang

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de« Vortritt haben. DaS ist gewiß kein wünschens- werther Zustand, man braucht aber deswegen noch lange nicht an eine Umstoßung deS wohl­erzogenen bisherige« Brauches oder a« eine Aendetung der Geschäftsordnung zu denke«. Wir vermögen wenigstens nicht einzusehen, warum nicht der Senioren lonoent des Reichs­tages sich über eine Bevorzugung einiger neue» Anträge einige* könnte. Vielleicht könnte man «ach dem Stärkeverhältniß der Parteien jeder Partei eine gewiss« begrenzte Zahl neuer Anträge mit Vorzugsstellung eimäumen. Diese Frag« würde bei dem kardialen Verhältniß, das in unserem deutsche« Parlament im Ganzen doch gottlob noch zwischen den verschiedenen Fraktionen trotz aller Meinungsverschiedenheiten herrscht, ge­wiß nicht schwer zu lösen sei».

X Ma« wird ar» der» Iolttaris? Diese Frage drängt sich beim Wieoerzusammentrete« des Reichstages unwillkürlich auf. Viele Abge­ordnete und andere Politiker — wir sprechen hier nicht vorn Centrum, sondern ohne Rücksicht auf die Parteistellung — halten eine Durchberathung des Zolltarifs mit seinen unzähligen Einzelsätzen, die jeder für sich zur Diskussion gestellt werden müssen, ohne eine Aenderung der Geschäftsordnung für ganz unmöglich. Das kann schon sein, wenn einerseits die Sozialdemokraten, andererseits der Bund der Landwirtbe mit der mehr oder minder verhüllt oder unverküllt angekündigte» Obstruktion Ernst mache« wollen. Das kann aber heut« noch dahingestellt werde». Bon Obstruktion kann überhaupt erst die Rede sei«, wenn nur auf gewaltsame« Wegen das Zustandekommen einer Einigung über die Tarisfrage« »och verhindert werde« könnte. Soweit find wir aber leider noch lange nicht. Wie die Dinge heute stehen, bedarf es wahrlich keiner Obstruktion, um den Zolltarif zu Fall zu bringen. Das Erste also, was heute Jeder, der schwere Erschütterungen unseres Volks­lebens vermieden wissen will, anstreben muß, ist daL: Zunächst Über die Hauptfrage« des Tarifs selbst zwischen de« Mehrheitsparteien unter fich und mit der Regierung eine Verständigung herbei« zuführen. Wir wolle» auch unsererseits dazu unsere Mitwirkung nicht versaee«, weil wir bieS für eine ernst« patriotische Pflicht halten — mag auch unsere Hoffnung auf ein Gelinge» noch so schwach sei»! Kommt der Taris nicht zu Stande, dann wird di« Verantwortung dafür und für alle Folgen sowohl bte Extremen rechts und links, wie auch die Regierung treffen, die, anstatt ax eine rechtzeitige Fühlung mit den großen Parteien zu denken, einerseits gegenüber dem Ausland, andererseits gegenüber verschiedenen industriellen Gruppe» allem Anschein »ach mora­lische Verpflichtungen übernommen hat, die ihr jetzt die Händ« jeffeln.;

+ Aar AoKfrsge nahm der national- liberale Delegirtentag in Eisenach gegen 49 von ca. 700 Stimme» eine Ent­schließung an, die fich auf de» Boden der Re­gierungsvorlage stellt; keinesfalls soll die Fraktion über bete» Minbesizölle hinausgehen. Ein Antrag von bayerischer Seite, diese Worte zu streichen, wurde gegen 81 Stimmen ab gelehnt. Und im bayerischen Land­tage verlangte die ganze nationalliberale Fraktion eine beträchtliche Erhöhungder RegierungSsätze!

auch diese hatte dadurch den bedenklichen Um­gang des Grasen, Emil Löwenthal und v. Blo­witz, näher kennen gelernt. Sympathisch war ihr weder der Eine noch der Andere gewesen, doch hotte Cora ihrem Unwillen über de» Bruder keineswegs mehr in der früheren scharfen Weise Ausdruck gegeben, wie fie überhaupt all- mählich fast «och stiller und zurückhaltender ge­worben war, als selbst die Gräfin Hildegard. — Ob darauf die Berechnungen Emil Löwen- thal's fich gründete»?

Als Graf Ostmark jetzt zu seiner Gattin in's Zimmer kam, blickte fie erstaunt auf, den» der Fall war ihr schon lange nicht mehr vorgekommen. Die nicht ganz natürliche Freundlichkeit bei Grasen und da» leise nervöse Zittern, welche- durch seine Stimme klang, als er „Guten Abend" wünschte, zeigte ihr sofort, daß er ein ganz be­sonderes Anliegen haben müffe.

Als kluge Frau bemühte fie fich jedoch, von ihren Ahnungen nichts merken zu lassen, und so unbefangen al» möglich ging fie ihm entgegen, seine» Gruß in gewohnter Herzlichkeit erwidernd.

„Sind die Kinder schon zu Bett?" fragte der Graf, um nicht gleich mit der THÜre in's Haus zu fallen.

„Soeben hat Lisbeth fie in ihr Zimmer ge. bracht. Wenn Du fie noch sehen willst, so brauchen wir nur hinüber zu gehen . . ."

„Ja, ja, sofort," erwiderte der Graf, dem es Angst war, von seinem Thema wieder ab« zukommen. „Gleich wollen wir hing'he«; erst wollte ich Dich jedoch um Deine Meinung fragen in einer wichtigen Angelegenheft . . ."