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IRustrirte Sonntags-Zeiteng*,
5uM«r (ksdridjtsblätief und rcflö6«ns
M 235.
IurSa, Samstag, dm 11, Oktober 1902.
29. Jahrgang.
besfteundschaftlichen Besuches, den Großfürst Nikolai
Reklame«- rrrrd A«zeige«theil.
Tun
Römische Briefe.
XXVII.
Rom. 7. Oktober 1902.
Fast g'eichzeitig find zwei Persönlichkeiten, die eine nach Rom, die andere nach Italien zu. rückgekehrt, deren Fahrten mit großer Span, nunß seitens der Italiener verfolgt wurden. Der Herzog der Abruzzen hat seine Reise, welcher in seiner Eigenschaft als Kommandant des Kriegsschiffe- „Ltguria" nach einigen Häfen Frank. reichS und Spaniens unternahm, glücklich beendet. Sie hat indefien keineswegs den erhofften Ecfslg gehabt und das ganze Unternehmen hat fich als ein recht schwerer Fehler der italienische« Diplo. matie entpuppt. Anstatt daß der Besuch deS Vetters des Königs von Italien in Spanien zu einer Auffrischung freundlicher Verhältnisse zwischen beiden lateinischen Völkern sührte, bemächtigte fich bekanntlich die katalanische antidynastische und separatistische Oppofition deS Prinzen (welcher an. scheinend nicht genug Reserve besaß) und benutzte de« Umstand, daß er als Sohn deS damaligen Königs vor Spanien, Herzogs Amadeus von Aosta, in Madrid geboren war. um ihn als den „spanischen Prinzen und KönigSsohn" zu feiern, ja dieser Enthusiasmus «ahm eine derartige poltti- sche Färbung an, daß der spanische Köutgshof verschnupsre und den Besuch des fremden, ihm recht unbequemen Prinzen vollständig ignortrte. Dadurch find natürlich die ohnehin wegen der „römischen" und andere« „Fragen" nicht glän. »enden Beziehungen zwischen Rom und Madrid nicht gebeffert worden.
r/k der Reise des Königs Viktor Emanuel «ach Berlin nur etwa 10.000Worte gewidmet hatte. «Mi?» .Mage des hl. Franziskus fand in der Nationalktrchr der Anima der herkömmliche Fest« gottesd e«st mit nachfolgendem Tedeum statt, ^.«lebrirte der Titularerzbischof de Necke«. Einige Kardinälr wohnte» der hl. Funktion i« Chore bei. Unter den zahlreich Erschienenen be. merkte man einige Botschaftsmitglieder in großer Uniform, viele deutsche Geistliche, di- Rektoren der östeneich,scheu Kollegien und Institute und eme große Vertretung der hiefigeu deutsch reden, de» Kolonie.
dl« gleiche» Tage wurde in der SeneralatS. strche der Mtnderbrüder eine Pontifikats. Jubiläumsfeier veranstaltet, bei welcher alter Sitte gemäß der General der Dominikaner unter Asfistenz seiner Orden-geistliche» crlebrirte und am Nachmittage der ehemalige Grnrralminister der Franziskaner, jetzige Tttularerzbischof Luigi da Parma daS Tedeum anstimmte und den sakra, mentalen Segen ertheilte.
x.?".. ^ter empfing am Sonntag im vatikanlsche» Thronsaale eine aus o Persone» »stehende Anordnung der Vereinigung der r anzöfischen katholische» Jugen;,wrlche chm durch den französischer! Kardinal bet Curie Mathie« vorgestellt wurde. Der heil. Vater er. ieß durch dru Kardinal V. Vannutelli, Präfekten der Kongregation drS Konzils, eine strenge Vrr. ord«u»g betreffend die hier überhand nehmende» Dispensationen der römische» Domherren vom Chorgebet.
In der Politik schweigt noch Alles, nur >ie polttischrn Hintertreppe» fangen bereits an » Thätigkeit zu trete». Biele Senatoren und Deputirte find wieder i« Rom eingetreffen und bis zur Eröffnung be8 Parlaments in Monte« ctiotio gibt e- Hunderte kleiner Parlamente in >en CaffeeS oder de» Konverfationsfäle» der Zotels. Es schlint. daß u»s demnächst eine neue Ernennung von 30 Senatoren bevorfleht. Die bis jetzt genannte» Kandidaten gehören — mit einigen Ausnahmen aus der hohen Beamte», schäften — durchwegs de» demokratischen Partei-« an. DaS «acht selbst verständlich viel böses Blut unter der konservativen Mehrheit des Senats, welche schon jetzt dabei ist, diese Kandidaturen zu bekämpfen.
Die Stadt Rom bietet dem Fremden gegen« wärtig keinen sehr angenehme» Anblick dar: Ueberall wird gebaut und abgeriffen, der schöne Bogen die Septi«ius Severus steckt in einem Baugerüst, dar Pantheon ist ebenfalls fast un« zugänglich, die Piazza Kolonne ist theilweise auf« geriffen u. s. w. *
die unruhigen slawischen Brüder südlich der unteren Donau ausübt, eine immerwährende Drohung für die Türkei, und Rußland wird, mag e« auch wirklich den Fc'eden wünschen, nicht zugeben, daß die christlichen Mazedonier von den Türken „zerschmettert" werden. Mit Nachdruck fordert Rußland daher auch die etliche Durchführung der längst versprochenen Reformen in der türkischen Verwaltung und Rechtsprechung, die ja auch nur im Interesse der Türkei selbst gelegen wäre. Frankreich verstärk den Druck seines Bundesge« »offen, indem es aufs Neue schwere Geldforderungen an die Kasse der hohen Pforte anmeldet. Und damit >- trifft ei gerade die eigentliche Krankheit des „kranken 'n STOnnn»a‘<
Mochen'Rnndscha«.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda. 11. Okt. 1902.
* Wo trinkt man am meisten Bier? Die englische Handelskammer hat eine Statistik herauSgegeben, aus welcher man erfährt, wieviel Wein, Bier und Schnaps n den europäischen Staaten und in den Bereinigte» Staaten Amerikas erzeugt und getrunken wird. Am meisten Bier erzeugt Deutschland. Dann kommt England und dann die Vereinigten Staaten Amerikas. Im Trinken aber war Belgien voran; denn da kamen im Jahre 1900 auf einen Bewohner 219 Liter, in England 144, in Deutschland 125, in Dänemark 106, in der Schweiz 70, in den Bereinigten Staaten 60, in Schweden 50 und in Oesterreich-Ungarn 46 Liter, in Frankreich bloß 28, in Norwegen 23 und in Rußland nur 4 Liter und in Italien gar bloß 0,6 Liter.
Inzwischen spähen die Liberalen nach jedem Zeichen, dai oahin zu deuten wäre, daß das Regime des Grafen Bülow mit den Konservativen end- giltig gebrochen und sich zu einer „liberaleren" Politik entschlossen habe. Ans der schiefen Ebene der Kanal- und ZollkrifiS soll die Regierung in Preuße» wie im Reiche in liberale Bahnen gleiten. ES trifft fich nun gerade, daß durch den Tod der wrstpreußischt» Oberpräsidenten von Goßler und die Zurücksetzung deS hannoverschen ProvinzialoberhaupteS t-Li Solberg in be« Ruhestand zwei Oberprä- L*steigeworden sind. Werden diese mit konser» vanben oder mit liberalen Männern besetzt werden?
.Schicksalsfrage, die besonders in der mit Hangen und Bangen ”$rtert *Hr6e- N«n, lange kann die Antwort je Ä 5t w»ten lassen. Vielleicht ist sie. *ran Melden «»fern Lesern vor Augen komm«, chon erfolgt.
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I man der wissenschaftlichen Thätigkeit der Katholiken in anmaßenden Worten zu verweigern pflegt, urs dennoch immer mehr erzwingen!
Wenn der Reichstag am 44. Oktober wieder in seinem mehr Prunkenden als praktischen Palast am I Königsplatz in Berlin zusammenkommen wird, mag er trotz der eminent wichtigen Beratungen, in die er alsbald eintreten wird, doch vermuthlich nicht allzuviel Beachtung in Berlin finden. Denn er hat eint sehr schwere Konkurrenz zu bestehen: die drei Burengeneräle, Botha, Dewet und Delarey werden gerade in jenen Tagen in Berlin weilen und natürlich die Löwen dieser Tage sein. Sie werden gewiß kaum j geringeren Erfolg erzielen, tote jetzt in Brüssel, wo übrigens Dewet zwar sein Erstaunen nicht unterdrücken konnte, daß bei soviel Begeisterung für die gerechte Sache der Büren eine europäische Intervention nicht mög- lich war, aber dann versicherte, daß die Buren jetzt loyale Untertanen des Königs von England fein wollen. DaS wird vielleicht etwas dazu beitragen, die aufgeregten Nerven der Engländer wieder etwas zu be- ruhigen. Die englische Jingopresse hatte wegen der Absicht des deutschen Kaisers, die Generäle in Ber- lin z» empfangen, eine wüste Hetze inszenirt. Auch deshalb dürfen sie wieder beruhigt fein: Die Audienz findet nicht statt. Die - Burenführer hatten anscheinend Gründe, um eine Vermittelung des englischen Botschafters in Berlin zu verschmähen. Welche Gründe, bleibt abzuwarten. Mehr ruhige Festigkeit wäre jedenfalls unserer auswärtigen Politik zu wünschen.
| Ruhige Festigkeit ist auch jene Eigenschaft, welche alle Oesterreicher, die ihr Vaterland lieb haben, ihrem Ministerpräsidenten von Körber wünschen, da- s mit die Verhandlungen über den Ausgleich mit Un9°rn nicht wieder zu Ungunsten Cisleithaniens ' ausfallen. B,S jetzt scheint diese Erwartung von Herrn I von Körber auch gerechtfertigt worden zu sein. Zwar „etwas Gewisses weiß man nicht",aber man munkelt doch daß Oesterreich, Wünsche in Bezug auf den Zolltarif in den wesentlichsten Punkten befriedigt sein sollen. Trotzdem ist noch keine eudgiltige Vereinbarung erzielt worden, auch nicht in der letzten Konferenz, die am SamStag in Pist stattfand. Wie es heißt, ist I eine wichtige staatsrechtliche Frage noch nicht entschie- den. Die österreichische Regierung soll da, Recht ver« langt haben, im Nothfalle den Ausgleich auch auf Grund de, § 14 der Verfassung zu oktroyiien, d. h. ihn durch einfache kaiserliche Verordnung, ohne- Pak- lamentSbeschlußfassung, einzuführen, wenn da, Parlament durch Obstruktion wieder ardeitsunfähig werden sollte; Ungarn soll dies «blehnen. Man sollte füglich bezweifeln, ob Herr v. Körber wirklich an den 8 14 benft, der in so üblem Gerüche steht. Denn wenn der Ausgleich wirklich günstig ist für Oesterreich, sollte man e, doch kaum für möglich halten, daß österreichische Pa^eien durch Obstruktion ihn iu* Scheitern bringen werden. Freilich, bei den radikalen Parteien ist Biele- möglich da, mchft möglich sein sollte, und thatsächlich bS,?Qm” & ^eitVhn tschechischen wie im Ätsche» Lager die radikalen Demagogen mtt Obstruktion. ESA“ «Ä damit ist? - Auch in Ungarn droht die Sofluthpartei mtt Obstruktion, weil Szell "'Z.ebl'ch unter einem Drucke des Kaiser, die ungarischen Interesse» verrathen habe» soll. S, hat deswegen sch,» eine* Skandal ttn Reich,tage gegeben. Aber auch hier wttd die Suppe wohl nicht so beiß
»i. st- gekoZ ist. W W Während sich s, der Pnttdeckel»
I! Es ist b-merkenlwerth, daß kein Mensch danach ! im Reiche des Halbmond, lustig »eiter Trotz fragt, ob es denn gerade konservative oder liberale des fteuudschaftlichen Besuches, den «roßwrst Nikolaus
Csra ^^^dvsten ge> | nach der Schipkafeier dem Sultan abgeftattet hat
! ,tvohl die bleibt dar faktische Protektorat, da« Rußland über
Frage, ob die preußische Regierung diese Gelegenheit,1 ‘-1------...... -
de« katholischen Bolkstheil ihre so oft betheuerte paritätische Gesinnung durch die That zu beweisen, unbenützt vorübergehen lassen wird. So kühne Ideen, wie die, daß nicht bloß ein Katholik, sondern ein „ultramontaner" Katholik, ein CentrumSmann, es auch einmal zum Oberpräsidenten bringen möge, kamen uns selbst ja nicht einmal in den Sinn. Von »ultramon« tonen" Ministern und Staatssekretären ganz zu schweigen! Und doch hört man so oft von „klerikaler Anmaßung", „Herrschsucht", „Friedensstörung" und dergleichen, wenn die Mannen vom Gustav-Adolf.
Verein oder vom evangelischen Bund beV. „ a
lammen sind. Jungst waren die, so unter dem NamenS- I Mannes".
I Mol des schwedischen Eroberers und Deutschen- Uebrigen« ist die auswärtiae Rolitik Kran^.ickta feindes „deutsch-protestantische" Bestrebungen und „Los auch im fernen Osten sehr reae und erfolareitfi ffs S in Koffelversammett; hatmtt Siam L '«JÄ Z
jeljt waren e, dieselben und noch einige andere einen Gebietszuwachs von 3000 Quadratkilometer Herren Pastoren und streitbare Laien, die als Evan-1 bringt. Diesen Erfolg verdankt e, offenbar der iümiffe» gelischer Bund l« Hagen ihre Hauptversammlung i Besetzung des siamesischen TributfürstentbumS Kalan-nnn hielten. Immer wieder hört man dieselbe pharisäischen du ch die Englänber DarbadieSi.mei-n^ Redewendungen, an denen fich auch der Oberbürger-1 die Arme der FrEsen .-trieben ilnbSr.iA mnfter der Stadt Hagen, uneingedenk der Thatsache, hat, anstatt ben englischen Vorschlägen folgend fiA nngen katholischen Mitbürger beansprucht, m hervor- Siam« Kosten zu verständigen e, voraernaen mit nndw Wfe MMIM u. «„ di-!-- Stete & Stern birft p &SSLH»SSta nugt es, von der Versammlung tn aller Kürze Akt i was e, kriegen konnte. Siam tauscht dafür die un- ~e* »st I<» «nmer dasselbe unerftenliche ausschließliche Herrschaft über einige andere bisher ®tlb! Wir stechen dagegen durch unsere katholischen bestrittene Grenzgebiete und auch wirthschaftliche Bor-
möchten wir unsere protestantische« Mitbürger einla- ben, boch einmal die Verhandlungen der GörreS« Gesellschaft in Breslau zu verfolgen. In wie würdiger Weise werden hier vor Allem die eigenen Pflichten der Katholiken gezeichnet und z. B. von Frhr. von Hertling die Paritätsfrage behandelt, der Ansturm der „Boraursetzungslosen", mit geradezu imponirender Ruhe zurückgewiesen! Solche Tage geben un, die Ge-
I l'ch dem Schicksale entgehen, ein Vasall Frankreich, zu werden; ein Streitobjekt zwischen diesem und Eng« land »st es ja faktisch jetzt schon.
Geringere Lorbeeren als sein gemäßigter Kollege vom „Auswärtigen" Delrosso holt sich der radikale Ministerpräsident EombeS. Seine Einmischung in | den Streik der Kohlenarbeiter hat nicht vermocht, dem Ausstand zu steuern, und noch weniger, die Grubenbesitzer uachgibiger zu machen. Freilich kann er fich bf^n<ttoe mit dem Mißerfolg de, amerikanischen Präsidenten Roosevelt trösten, dem e, auch nicht gelungen ist, zwischen ben Bergarbeitern von Pennsvl- vamen und ihren Arbeitgebern einen Ausgleich herbei- zuführen. So bleiben denn die Sorgen wegen der Folgen jener riesigen Arbeitseinstellungen vorerst noch ungemindert bestehen. In Pennfylvanien ist das Truppenaufgebot um 7000 Mann verstärkt wor- den. Das kennzeichnet den Ernst der Lage. Ss ist fraglich, ob dadurch die Arbeiter, wie der Gouverneur «ne Kreatur der Kohlenbarone wohl bezweckte, einge- schüchtert, oder ob sie nicht vielmehr erst recht dadurch gereizt werden.
Die Stille vor dem Sturm — so könnte man die gegmwärlige politische Windstille bezeichnen, daS bezieht sich natürlich nur auf die innere Politik im Deutschen Reiche, denn „draußen vor dem Thor" gibt es wahrlich Leben und Lärm genug. In Deutschland aber befindet sich die politische Welt im Zustande .* ®rto.ari“n®- und der Himmel hängt un, zwar mcht voller Baßgeigen, aber voller Fragezeichen: Was wird mit dem Riesenloch in den Reichssinanzen, mit • m w^che dunklen Pläne wälzt unsere wdlsche Vorsehung in Gestalt unserer „leitenden Staatsmänner in ihrem Hirn, tote denkt man sich zu den Parteien, und wie diese zu der Regierung zu stellen? Und ganz im Hintergründe sieht man immer mehr schon die Morgenröthe der kommenden Wahlen Heraufziehen. Sturmzeichen genug — einstweilen j aber noch stille, schwüle Erwartung! Nun, lange wnn es nicht mehr dauern, bis die ersten Blitze das Dunkel erhellen; denn dem Reichstag wird bei seinem „Wiederzusammentreten", um das schöne Wort des parlamentarisch-politischen GewohnheitSstiles ein. «al mit einer gewissen Feierlichkeit zu gebrauchen, o , Entscheidungsfrage dieser Tagung, der | fertig vorliegen auf Grund einer gründ- uche« Kommiffionsberathung, die über 100 Sitzungen genommen hat, trotzdem aber eine Klärung der Streitfragen und der enbgiltigen Stellung ber Kontrahenten zu ihnen nicht gebracht hat. Die Regierung hat noch nicht erkennen lassen, daß sie zu irgend einem Entgegenkommen über die von ihr vorgeschlagenen Zollsätze zum Schutze der heimischen Landwirthschaft hinaus bereit fei. Andererseits r - . ----.--------------
beharrt der Bund der Landwirthe auf seinen hoben vorankommen werden, trotz aller
Forderungen, er und die Konservative» verlanaen natürlichen Hemmnisse; durch rastlose
mindesten,, daß bei Annahme weniger hoher" land^ I ”nb Achtung, die
LEchOlicher Schutzzölle auch die industriellen Schutzzölle entsprechend ermäßigt werden müßten. Die Nationalliberalen wollen sich auf den Boden der Regierungsvorlage stellen, ihnen ist es im Gegensätze zu den Konservativen hauptsächlich um starke Jndustrie- zolle zu thun — soweit sie in diesen Fragen überhaupt eine einheitliche Meinung haben. Freisinnige und ^Sozialdemokraten nebst ben demokratischen Zwischenfraktiönchen gehen auf einen völligen Umsturz des vorgelegten Taris« aus, sind unter sich aber auch luieder nicht einig: Die Sozialdemokraten wollen alle Zölle ablehnen, die Freisinnigen und Demokraten wurden sich eventuell Zölle in Höhe des bisherigen BertragstanfS gefallen lassen. Und — bescheidenerweife reden wir von uns selbst zuletzt — daS Zentrum beharrt einhellig auf den Kommissio»«- veschlüssen, b*e zwischen dem Regierungsentwurf und den extrem-agrarischen Forderungen eine vernünftige mittlere Linie bedeuten, die sicherlich kein Hinderniß wäre für den Abschluß von Handelsverträgen. Da- gegen macht das Eentrum die schließliche Annahme des ganzen Zolltarifgesetzes davon abhängig, daß der von ihm in der Kommission nur mit einer Stimme Mehrheit durchgesetzte Antrag, welcher die Mehr- e^eäge de« neuen Tarifs ganz für eine Wittweu« und W»aisenversicherung reservirt, auch im Plenum des Reichstags und im BundeSrath schließlich Annahme findet. Bisher hat sich fteilich die Regie- rung noch sehr gegen diesen Antrag gesträubt, welche die Arbeiterbevölkerung für die von ihnen wenigstens theilweise zu tragende Mehrbelastung durch höhere Schutzzölle auf andere Weise wieder in glücklichster v e' sm schädlich halten würde; sie spekulirt auf die Mehrerträge ber Zölle zunächst, um das »." hkn Reichsfinanzen zu stopfen ,. wirklich 150 Millionen, wie der ReichS-
schatzsekretar von Thielmann in der Kommission ver- ba<51? über auch um ihre noch immer nicht oufgegebenen-Finanzresorm".Pläne und spätere m unl>. Marineforderungen der
Bttwirklichung zuzuführen. Doch damit ist es nichts; or6 fc»Ben Forderungen im
^nteresse der Arbeiterbevölkerung abgehen. Die Regierung hat hier Gelegenheit, ihre staatSmäunische Einsicht und ihre sozialpolitische Gesinnung zu be« weisen und zugleich bei Werk be« Zolltarifs zu fotbern und vielleicht zu sichern. Verpaßt sie diese Gelegenheit, so wird sie fich über die Folgen nicht I beschweren dürfen und die Verantwortung tragen
ieitung
Rabatt
Der zweite Zurückgekehrte ist Zanardelli, welcher die Segrnde« der Bafilikata bereiste. Sei«e Fahrt glich ei»er unaufhörliche« Folge vo» Bankett», vchaustellungen und — Reden, letztere voller Trost und schönster Versprechnnge», sowie BrrkündtgLUgen einer glänzende» Zukunft. U» auch nur den hundertste» Theil aller der gute» Adfichten Zanardrlli'S anzuführe», müßte er aber »üudestenS «och 10 Jahre Minister bleibe» und ungezählte Millionen zur Verfügung habe»! Also schrumvst der praktische Werth dieser Reise wohl gewaltig znsammen. J»tereffa»1 ist er übrige«-, wie die httfize» Reptiltr» beurüht wäre», die Wunder sdieler mi«tsterpräfidentschastliche» Reife •5? «elt kundzuthu«. So versendete die offi« teK» »tete« » i«fd» ta I Suchte, M, Pf««™ tte TTjro “ort»
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