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Fuldaer
Jutöa, Donnerstag, den 9. Oktober 1902.
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mählich kamen dazu bald längere Ausflüge «ach de« Städte« der Umgegend, wo einmal ein fröhliches Gelage, ei« andermal ein aufregendes Spiel, meistens aber Beides zusammen, gehalten wurde.
So ging der Sommer hi«, und als der Winter hrrannahte, wurde der gräfliche Haushalt wieder in die Hauptstadt verlegt. Die Ereignisse des vorigen Jahres waren in der lebenslustigen Gesellschaft längst vergesse«, und bald herrschte in den Oftmark'sche» Salo»« wieder dasselbe ausgelassene Lebe«, wie früher.
Der Gräfin war eS in der Seele zuwider, all' die zahllose« Gesellschaften und Zrrstre>m»gen mitmachen zu müffen. Viel lieber hätte sie sich mehr ihren häuslichen Pflichte« und der Erziehvnz ihres Töchterchens gewidmet, welches fich, so zart cS war, in erfreulichster Weise ent« wickelte. Jedoch mit Rückficht auf ihren Gatten setzte fie cUe diese LieblingSpfl chter; hintenan und begleitete ihn, wohin eS nur immer angäsgig war.
Jetzt war fie seit Langem zum ersten Male zu Hause geblieben, und nun kehrte der Gatte nicht wieder! Was mochte vorgefalle« feie?
Hildegard vermochte die fich anftzräagendr« Gedanke« gar nicht auszudesken. Um allzu großes Aufsehen zu vermeiden, hatte fie fich auch gescheut, öffentliche Nachforschungen anzustellen. Wie lange konnte fie eS aber noch geheim holten . . . ?
All' diese Gedanken jagten durch daS zermarterte Gehirn der Beteri«, und eS wollte ihr gar nicht gelingen, ihrem Geiste einen festen Haltepunkt zu geben. —
Da plötzlich — was «ar daS? Hatte fie
Delarey nach Berlin kommen würden, erging am 18. September der Allerhöchste Befehl, die Generale dahin zu verständigen: Seine Majestät sei bereit, sie zu empfangen, vorausgesetzt, daß fie fich" in Deutschland von jeder «»ti- englischen Agitation fernhalte» und bei Seiner Majestät durch Vermittlung deS englischen Bot- schasterS anmelden lassen würden. Hierauf erklärte General Dewet für fich und seine Kameraden, daß fie mit de« Bedingungen, unter denen ein Empfang bei Seiner Majestät dem Deutsche« Kaiser stattfiode« könnte, einverstanden wären. Rach einer am 6 Oktober au« dem Haag eingegangenen amtliche« Meldung find die Generale jedoch inzwischen anderen Sin«es geworden; fie erheben jetzt Bedenken dagegen, eine Audienz nsckzusuchen, und erwarten »ielmehr eine Berufung durch Seine Majestät den Kaiser. Dem- rach ist die Angelegenheit in negativem Sinne entschieden und erledigt.
* Der ,Nordd. »llg. Zig.'zufolge gibt die .Libre Parole' nach dem Madrider.Heraldo' den Ji halt eines $kileibsfdegm«a«* wieder, das der Kaiser a« die Witlwe Zolas gerichtet habe« soll. Erne solche Bepefche kxistirt nicht, es gehört ein ungewöhnliches Maß von Dreistigkeit dazu, um eine scheinbar genaue Inhaltsangabe einer Überhaupt nicht ergangenen kaiserliche» Kundgebung schlankweg zu erst den.
+ HleS-r die Neuvesetz«Lg der @8<r- präfidie» von Hannover und WrstpreuHen dürfte, wie schon telegrophtsch gemeldet, die Entschließung zwischen dem König und dem Ministerpräfidente« schon vereinbart sein; „man werde seiner Zeit sehen, — fügt die .Nttionalztg.' dieser Meldung bet — wieviel mäßige Kombinationen in der Orffentlichkeit bei diesem Anlaß aufgetaucht find". Wer hat fich denn die meisten Sorgen um die Besetzung jener Armier gemacht? Doch niemand anders als gerade die G<fin«ungsge»offen der linkSnationallibfralen .Nationalzeitimg' l
* Der Ab§. F««g-r, Pfarrer in Warth, und Vertreter us schlesischen Wahlkreise« Frank n- stein-Münsterberg im Reich«- und Landtage hat vom Fürstbischof Kopp die behuf« Eintritt« in den Redemptoristenorden erbetene Genehmigung »um Austritt cur der Diözese Bre«lau erhalten; seine Parlanrerm Mandate hat Herr Langer bi« jetzt nicht uievergelegt, wird e« aber zweifellos thun.
+ Die ministerielle Iolkkouferenz spukt noch immer in de« Blätter«. Während euerseits die oberoffiziöse »Nordd. Allg.' de« Wieder» ruf derselben bestätigt, theilt andererseits die gleichfalls preußisch-offiziöse Münchener ,Allg. Zig.' mit, daß der Reichskanzler die bundesstaatlichen Ministerpräsidenten gebeten habe, ihm bei der Vertretung des Zolltarifs im Reichstage Assistenz zu leisten. Auf etwas AehnlicheS wird die Sache wohl hinauskommen.
* Ai« KirmarAvuud Hal sich gebildet und seinen ersten Bundestag in So«lar abgehalten. Er war nur von 17 äRttflliebern besucht. Nach der ,Magdeb. Zig/ wurde mitgetheilt, daß die Zahl der Obelisken und Denkmäler für Bismarck in Deuifchland gegenwärtig 301 beträgt, wozu noch verschiedene Brücken und Feuersäulen zu zählen feie«. Dem Bismarckbuude gehören 29 Vereinigungen und 41 einzelnstehende Mitglieder
und Stärkung heischend in de« schweren, ach gar so schweren Kampfe, der hier gekämpft werden mußte.
Jetzt «ar schon die dritte Nacht, daß ihr Gemahl nicht «iedergekehrt «ar, und e« fehlte jede Nachricht über sein Verbleiben. Sie selbst, durch ein leichte» Unwohlsein verhindert ihn zu begleiten, hatte ihn gebeten, allein zu dem Feste in einem befreundeten Hause zu gehen, denn fie wußte, daß er nicht gern stille zu Hause blieb. Er war auch bl« zu später Stunde bei dem Feste gewesen, wo er fich dann aber hinbegebe«, wußte Niemand zu sagen.
Nur ehe düstere Ahnung hatte fie: der Graf hatte im Rauchzimmer gespielt, und zwar, wie eS hieß, ziemlich eifrig gespielt . . . Auch Herr von Blowitz war dagewesen, dessen Spielwuth keine Grenzen kannte. Auch ihn hatte man seit jenem Tage «och nicht wtedergesehen .... Sollten die beiden Männer zum Schluß noch in irrend ehe Spielhölle getethen sein, oder war ihnen sonst et»a8 zugestoßen?
Als im vorige« Jahre daS Theater nieder- gebrannt war und so viele stolze Pläne unter feinen Trümmern begraben hatte, war der Graf, sobald eS der Zustand seiner Satti« und der kleinen Tochter gestattete, mit seiner Familie nach einem seiner Schlösser aufs Land gezogen und hatte dort auch für einige Zeit die Ruhe gefunden, die in dem Trubel der Hauptstadt ver- geblich zu suchen war.
Aber der Friede war nicht von langer Dauer. Das Lebe« in der Einsamkeit wurde dem lebhaften Geiste langweilig. Er suchte Zerstreuung bei einigen Freunden der Nachbarschaft, und all-
Q Nationalliberale Konzenttirung.
»Liberale Morgenluft" wittert eine „Stimme aus dem nationaüiberalen Parteilager" — gezeichnet Dr. Hugo Böttger —, die iw einem der Scherlblätter zu Worte kommt. Wer fich eine vergnügte Viertelstunde bereiten will, der opfere einen Nrckel für die Nr. 471 deS .Tag' und lese besagten Artikel. Der berühmte Heidel- Berger Ausschwung war offenbar gar nichts gegen dar, waS von der bevorstehenden Eisenacher Tagung der Nationalliberalen von ihre« jugendlichen Optimisten erwartet wird. Herr Böttger hat daS Vorspiel zu „(Sage« Richter« Schwanengrsasg" auf dem freisinnigen Parteitag mit etwas sensitiverem Ohre ausgenommen", soll heißen: Er hat bei den F-e fiinigen etwas krache« höre«. Scheint das Ohr des Herrn Böttger schon hierdurch als ei« Gehörorgan von jener Feinheit fich zu erweise«, von der man sonst wohl sagt, sie höre das Gras wachse« und die Flöhe husten, so erstaunt man noch vielmehr über die hellseherische« Eigenschaften deS Herrn Böttger, der auch von dem „Zerfall des sozia- listlsche« 9tobitaIiSmu8* als von eher sich bereits vollziehenden Thutsache redet. Fast könnte es uns befremden, daß Herr Wttger nicht such das Eentrnm in vollster AufiüMng begriffe« sieht. Wir körnen uns offenbar etwas darauf einbilden, wen« rin so hellhöriger und hellseherischer politischer Prophet von einem Krachen deS CentrumSthurmeS, der doch sonst eh beliebtes Javentarstück der liberalen Phraseologie ist, noch nichts bemerkt bat.
Herr Böttger konstatirt also, daß «nr der Liberalismus eine Zukunft hat. Natürlich eh Liberalismus, wie er ihn sich vorstellt, nicht radi° kal, aber doch ein wenig mehr links, als bis jetzt den NationaAberale« eigen war; eh Qarntchrn mehr Sozialreform und eh bische« Mannesnukth vor Königsthronen. Damit hofft Herr Böttger dann sowohl die Freisinnigen als auch die, wie er meint, «ach rechts 'schwenkenden Sozialdemo- traten nach und nach alle m de« «ationallidera- le« Schasstall zu vereinigen. Für's erste denkt er aa eh „Junker - Treibjagen" und „im Noch falle" au ein Wahlbündniß mit der Sozialdemokratie. Bei so kühne« und weit ausgreffende« Ideen spricht Herr Böttger dann «och von einer Politik als der Kunst des Möglichen und sieht nicht Schwärmerei, sonder« im Gegentheil Kongentrirung in alledem, was er «ns da vorgezaubert hat:
„Darüber sollte« also meines Erachten- die Gegner der Nationalliberalen «icht im Zweifel seh, daß in dieser Partei Niemand daran denkt, zu Gunsten des extremen Liberalismus abzudanken. Es findet lediglich eine Truppe««Konzen- trirung statt, die allzu weit au8ge« schwärmte« Posten werden eingezoge« und zugleich wird eine Armee-Verjüngung angestrebt, wobei möglicherweise einige ehrenvolle Pensionirunge« herauskommen können. Auf diese Weise hofft die Partei die in der Aera der SarnmlungS-Politik verlorene Geschlossenheit und Selbständigkeit zurückzu- ge winne« und damit den Einfluß auf unsere Politik auSznübe«, welcher trotz allem Geschrei
immer noch eine feste, klare Meinung in die Wagschale der wirthschastlichen und sozialen Entwickelung zu werfen hat."
Man sieht: Herr Böttger weiß Einiges von dem, woran eS der nationalliberalen Partei bisher gefehlt hat. Ob feine schriftstellerische Leistung aber dazu angethan ist, auf größere Klarheit i« der nationalliberalen Partei der Zn- kunft, die vermuthlich durch die nationalliberalen Jugendvereine und auS ihnen heraus „verjüngt" werden soll, hoffen zu [affen, möchten wir ehstmeilen «och dahingestellt feh lassen. Herr Böttger verwünscht die ewige Rücksichtnahme, die immer mit Ja »der arbeitet und auf Filz- socken ehherschleicht; diese soll sich nun ver- flüchtige«, dann wird alles gut werde«: „Also mit Gottvertrauen und frischem Muth hinein h die liberale Morgenluftl"
Diese forschen Wendungen kommen unseren Lesern vielleicht scherzhaft vor. Aber auch weniger optimistische, phantafiebegabte und schneidige Wort- führer deS Rarionalliberalismus arbeiten mit M^cht darauf los, daß der Eisenacher Parteitag einen Ruck nach links und eine Verjüngung der Partei bewirke. Mehrere ihrer Preßorgane mucken gegen die Parteileitung und bereis parteiosfiMse „Mittheilungen an die Vertrauens- männer" auf, die sich gegen die „verfrühte Festsetzung von Richtlinie«* gewandt, d. h. $ox den Delegirten verlangt haben, den Abgeordneten freie Hand zu lassen. Dir offiziellen Parteigrößm wolle« fich keine Vorschriften mache«, namentlich aber sich nicht auf jenen Ruck «ach links schlagen lassen. Und das t-ft natürlich nicht geeignet, das ohnehin schon rege Mißtrauen der mehr nach links gra- sitirende« nationalliberalen Blätter gegen de« guten Willen der Parteibonzen zu beschwichtigen. In diesem Sinne stimme« z. B. der »Hannov. Kourier', die Magdeburger Zeitung', die .Nationalzeitung' u. »» überein in dem Verlangen einer klaren und entschiedenen Stellungnahme insbesondere gegenüber den Agrariern.
„Die Botschaft hör' ich, doch mir fehlt der Glaube." Bei früheren Gelegenheiten h iben fich innerhalb des NattonalliberaltimuS bi- Agrarier und „Filzsockenschletcher" erheblich stär'- c gezeigt, als die Linksrückrr. Wir wollen fefcr, welche Richtung t« Eisenach die Oberhand gewurnt.
) et Ausnahme der :fcow«nb Seiet« ! taat. vierleljährt.
I phneVnnfterlohv , «nd Bestellgeld in I siulda und auS-
Berlin, 8. Oktober 1902.
e* Die Aureugeuerale werden vom Kaiser «icht empfangen. I« einer Reihe vy« Blätter« wurde am Dienstag, und zwar auf Grund der Nachrichten eher parlamentarischen Korrespondenz, behauptet, daß die Audienz der Burengenerale bei dem Kaiser nunmehr endgiltig feststehe. Demgegenüber ist die »Nordd Allg. Ztg.' in der Sage, Folgendes mitzutheilen: Nachdem es zur Kennt- niß Seiner Majestät gelangt war, daß die Führer der ehemaligen Buren-Armee Botha, Dewet und
• Madrid, 8. Ott, 1902. Der Minister- ratb hat beschlossen, den Belagerungszustand in Barzelona auszuheben. — Das spanische Parlament wird am 20. Oktober zulammevtreten.
• ^efersSttre, 8. Ott. 1902. Wie nachträglich bekannt wird, hat der Zar gelegentlich der Anwesenheit des Schahs bei den Manöver« in Kursk dem persischen Großwefir Asgbar- Chan den Andreas-Orden verliehen. Man btinot die Verleihung dieser höchsten und seltene« russische« Auszeichnung mit dem günstige« Verlaus der in letzter Zeit zwischen Raßland und Persien^ abgeschlossenen Verhandlungen in Zusammenhang, von denen sich die wichtigsten auf Erweiterung und Ergänzungen des fett Jahren bereits bestehende« EisenbahnabkommesS und auf bm Uebergang der Landstraße von Teheran nach Refcht am Kafpifee in die Hände der rufstfchen Regierung, oder wie es heißt, der „Rassisch- persische« Gesillscha,t für Verkehrswege" sowie aus Vermehrung zwischen Odessa und den persische« Hafen beziehe«. Zur Verstärkung des Verkehrs auf der russisch-persische« Dampferlinie sind von den russischen DampfschifffahrtS-Gesellschafte« i« Odessa bereits zwei neue große Dampfer in Bestellung gegeben worden.
® Kelgrad, 8. Ott. 1902. Der Besuch des serbische« KönigSpaareS beim Zaren wird in Lhadia erfolgen. Mitte Oktober begibt sich Graf LambSdorf nach Livadia, um beim Empfang b-S serbischen KönigSpaareS durch das Zarenpaar zugegen zu sein. König Alexander hat sich in Stoabia auf mehrere Tage zum Besuch anaemeldet.
• ArwyorÜ, 8. Ott. 1902. An der Grenze von Brasilien und Bolivien hat fich ein ernster Zwischenfall ereignet. Dem ,Rew- Dark Herold' wird auS Rio de Janeiro gemeldet: Telegraphischen Nachrichten aus Para zufolge find bolivianische Truppen in brasilianisches Gebiet eingedrunge«, habe« mehrere Dörfer angegriffen und zwei fich nicht getäuscht? Es «ar ihr, als werde ei« Schlüssel t« die HauSthüre gesteckt. Ja, wirklich, j.tzs wurde aufgeschlossen, und gleich darauf wurden Schritte hörbar, welche leise Über den Flur schliche«. Sollte« rs Diebe sein? Aber nein, dafür waren die Schritte doch zu schnell, sie schienen genug vertraut mit den V-rhältniffe« des Hauses — ja, fie konnten nur Einem zu- gehören, dem Herrn deS Hauses .... und h dieser Frkenntntß beschloß die Gräfin, rasch zu handel«.
Sie machte die Tbüre weit auf und trat ihrem Gemahl entgegen: „O, wie freue ich «ich, Rudolf, daß Du wieder do bist," sagte fie, freundlich lächelnd, als wenn nichts »orgefallen wäre. „Soll ich Dir schnkll noch eine Taffe Thee aufgieße«?"
„Ich danke," sagte er mit rauher Stimme. „Gehe |U Bette. Warum durchwachst Du die Nächte?"--
Mit diesen Worten schritt er an ihr vorbei nach seinen Gemächer«. Aber die Ruh« floh ihn. Er war müde und abgespannt in allen Gliedern, und doch mochte er sich nicht zu Bette begebe«, fr warf fich in den Sessel; aber gleich darauf mußte er wieder aufstehen und durchmaß mit hastigen Schritten das Zimmer.
Was fehlte ihm eigentlich? Er selbst konnte es am wenigsten angeben. Er war unzufrieden — unzufrieden mtt sich, mit Blowitz, der ihn zu der Stufe und zum Spiel «erführt, mit dem Spiel, in welchem er verloren, unzufrieden auch mit seiner Frau, deren ruhig herzlicher Empfang ih« am allermeisten betroffen httte.
Es war das böse Gewisse«, was ihn bedrückte aber er wollte seine Schuld nicht anerkenne«
' ■ mit den Beilagen
; jiiusfritte Sonntags--Zeitung0, „Fuldaer ßescbichtsblättet* und rotterie-Tisfe.
Roman von Paul vom Wildbach.
28 ------ (Nachdruck verboten.)
Mitternacht war längst vorbei, doch in dem Gemache der Gräfin Ostmark brannte noch die Lampe, wenn auch ihr Licht durch eine« dichten Schirm gedämpft war.
In der einen Ecke de« Zimmer« befand sich ein kleiner Hau«altar: zwei Kerzen, einige Blumen- oafen, in welchen die letzten Eprößlinge de« Herbste« einen kräftigen Feldblumenduft aushauchten. Er waren nur schlichte Blüthen, wie fie der liebe Gott in Feld und Haide zwanglos wachsen läßt. Die Gräfin pflegte fie aus ihren Spaz<ergä»gen selbst zu pflücken und für da« kleine Heiltgthum mit Siebe und Hingebung zu binden: die einfache« Produkte der Natur, an welchen die pietätlose Hand de« Menschen noch nicht ihre eitle Kunst versucht hat, meinte fie, müßten ja dem Schöpfer derselben doch immer da« Liebste sein.
Den Mittelpunkt de« ganzen Arrangement« bildete eine herrliche Kreuzigungs Gruppe au« Alabaster: Christus im letzten Todeskampfe, fein Antlitz nach oben zu i>em himmlischen Vater richtend, wie er spricht: Gott, mein Gott, warum hast Du mich «er kaffen; und zu den beide« Seiten des Kreuzerstammes Maria und der Lieblings- jünger, die von dem sterbenden Gottmenschen gegen- fettig fich al« Mutter und Sohn befohlen werde«.
Auf dem Betschemel vor diesem schlichten Hausaltar knieete die Gräfin, den Blick «nabläfßg nach dem Antlitz des sterbenden Heilande« gerichtet.
29. Jahrgang.
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an. In der Verhandlung wurde betont, daß bec Bi«marck-Bund eine Notwendigkeit fei, „der als da« festeste Bollwerk gegen den Ultra- montanismu« betrachtet »erden müffe".
+ Die Wasre«tzS«frr lassen sich durch die preußische WaarenhauSsteuer nicht im Mindeste« imponire«. I« Breslau ist dieser Tage «in neue« groß.'s Waarerhaus, das sechste seiner Art in dieser Stadt, errichtet worden. Ans diesem Anlaß scheibt die .Schles. Zeitung':
„Die Hoffnungen des Handels- und gewerbetreibenden Mittelstandes, daß daS Gesetz wenigstens da« »eitere Anwachsen dieser ihm nachtheiltgrn Konkurrenz verhindern werde, erweise« fich immer mehr als verfehlt".
Wir haben von diesem Gesetz nie viel erwartet. Viel besser ist die bayerische Umsatzsteuer, die freilich gut und gern auch noch erheblich verschärft werden dürfte.
Ausland