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M 231

JuL'öct, Dienstag, den 7. Oktober 1902.

29. Jahrgang.

«2

zz: Die Ausgleichs-Krisis in Oesterreich-Ungarn.

Ungeachtet aller BeschwichtigangSnoten der jnteresfirten Wiener Preffe nehme« die Verhand- lungen zwischen de« Ministern der beide« Reichs- häljten Oesterreich-Ungarns einen Verlauf, der je länger desto weniger erkennen läßt, wie man den tobten Punkt, auf welchem die ganze AuS- gleichSfrags angelangt ist, zu überwinden gedenkt. Auch die Berathung, die am Sonntag in Ofenprst stattfand, ist wieder ohne greifbares Er- gebniß geblieben. Der ungarische Minister­präsident' v. Szell erklärte noch im liberalen Klub, daß in dieser Berathung wohl mehrere schwebende Frage« geordnet wurden, daß aber «och mehrere sehr wichtige Streitfragen offen seien, zu deren Erledigung er sich im Laufe der nächsten Tage nach Wir« begeben werde. Die österreichischen Minister reisten bereits am Sonntag nach Wien zurück, wo sn diesem Montag Herr v. Körber wohl schon dem Kaiser Franz Joseph Vortrag gehalten heben wird. Man erwartet wichtige Entscheidungen. Vielfach spricht ma« sogar von dem Rücktritt der beiderseitigen Ministerien als dem -inzigen Mittel, um über den tobten Punkt hinaus­zukommen.

Dieses Mittel scheint unS doch lediglich ein Produkt der völligen Rathlosigkeit der Politiker in Pest und Wien zu sein, lernt eS ist schlechterdings nicht abzusehen, wie dadurch die Situation gebessert werden könnte. Ja, wenn die Meinungsoerschiedenhette« zwischen Szell und Körber sich persönlich zugespitzt hätten, dann könnte man vielleicht erwarten, daß andere Männer eher zu einer Beilegung des Widerstreits kommen würden. Aber dem ist nicht so. Herr v. Körber hat keine anderen Forderungen auf­gestellt, als sie jeder andere österreichische Mi­nisterpräsident auch stellen müßte, um die Jntereffen Oesterreichs bei Aufstellung des ge- meinsame« Zolltarif«, die früher arg vernach­lässigt wurden, wenigstens einigermaßen zu wahren. Thäte er das nicht, so wäre an eine Durchsetzung de« Ausgleichs im österreichischen Reichsrath nicht zu denken. Umgekehrt aber ist auch Herr v. Szell, oder wer auch immer sei« Nachfolger sein mag, gegenüber seinen von früher her allzu sehr verwöhnten Landsleuten in der schwierigsten Lage, wenn er auch nur ein einziges der von Oesterreich verlangten größeren Zu- geständnifle sich abringen läßt.

Immerhin könnte nach unserer Ueberzeugung der ungarische Ministerpräsident noch eher noch- geben, als sein österreichischer Kollege. Hinter ihm steht wenigstens eine große Partei, welche daS ungarische Parlament sicher in der Hand hat. Allerdings würde es schwer fein, diese Partei, die liberale, geschloffen zusammenzuhalten, wenn das liberale Ministerium den Oesterreichern nach ungarischen Begriffen zuviel nachqibt, aber eS ist doch recht zweifelhaft, ob die Mehrheit dadurch

Hiö Wechenfchcrst.

Roman von Paul vom Wildbach.

26 ------(Nachdruck verboten.)

Die Herren von dem virlköpfizen Löventhal- schen Geschäftepersonal trafen schon nach und nach ein, und da« Comptoir hätte nach der gewöhn­lichen Regel in wenigen Minuten eröffnet werden müßen, al« Emil Löwenthal in da« väterliche Hau« eintrat.

Er hatte die Nacht auswärts zugebracht und sah recht abgespannt und mißgelaunt au«. E« machte auf ihn den Eindruck, al« wenn auf den Gängen und in den Gemächern nicht Alle« in der gewohnten Ordnung wäre, aber, sei e», daß e« ihm nicht der Mühe werth schien, oder daß er seinen Sinnereindrücken selbst nicht recht traute — ohne weiter nach. dem Grunde zu forschen, begab er sich auf sein Zimmer, um nach seiner Gewohnheit noch etwa« von dem versäumten Schlafe nachzuholen.

Jndeß lange war ihm die Ruhe nicht ver­gönnt; denn kaum war er eingetreten, al« auch schon der Diener de« alten Bankier« Einlaß be­gehrte und dem Sohne die Mittheilung brachte, daß seine Schwester und seine Großmutter nach ihm geschickt hätten, und gleich nach seinem Rach­hausekommen ihn zu sehen wünschten.

„®a« ist ja recht früh-, erwiderte der junge Mann nachlässig.

„Herr Löwenthal wissen noch nicht, daß traurige Ereignisse heute Nacht eingetreten find", erlaubte Ach der Diener zu bemerken.

so geschwächt würde, daß der Ausgleich und m.t ihm Herr d. Szell ins Waffen fiele. DaS Partei- tntereffe spricht freilich auf all- Fälle gegen solche schwere Belastungsproben der Einigkeit; aber darf das Parteiintereffe ausschlaggebend sein, wo es sich um das Wohl und Wehe des ganze« Reiches, um die Grundlage seiner Existenz handelt? K . Anders liegen die Dinge in Oesterreich. Wohl war man hier in früheren Zeiten unendlich be­scheidener und nachgiebiger in den Ausgleichs- frage«. Aber auch dem gutmüthigsten Orster- reicher ist inzwischen der Geduldfaden geriffen, und h?ute ist nicht wehr daran zu denke«, daß ein Ausgleich, der Oesterreich zu Gunsten Un­garns schwer benachtheiligt, in Oesterreich die Billigung der Volksvertretung sinken könnte. In­zwischen sind außerdem die radikalen Parteien in Oesterreich so lebendig und gewaltlhätig geworden, daß auch ein guter Ausgleich noch immer als ungenügend angefemdet werden wird. Endlich aber find jene Parteien auch nur zu sehr geneigt. auS dem AusMchsbedürfmß Kapital für ihre speziellen politikchen Wünsche zu schlagen, in­dem sie mit Obstruktion drohen, fall« diesen nicht willfahrt wird. Und da mit dieser Drohung sowohl die Jungtschechen wie die Deutschradikalen hartnäckig auf ihren entgegengesetzten Forderungen beharren, so ist schon kaum eirzusehen, wie selbst ein virnünftiger Ausgleich in Oesterreich Gesetz werden soll, zumal neuerdings auch ter volks- parteiliche Führer Ptade, allerdings im Wider­spruch mit seinen Parteifreunden, mit Obstruktion droht. Diese an sich schon bedenkliche parlamen­tarische Situation würde sofort unhslibar, wenn infolge eine« für Oesterreich zu ungünstigen Er­gebnisses der An«gleicht Verhandlungen dis radikalen Parteien von anderen, gemäßigten Parteien wie z. B. den Christlichsozialen, noch Zuzug und Unter­stützung erhielten.

Herr v. Körber kann also gar nicht mehr wesentlich nachgrbcn, wenn er nicht die mühsam mit bergewonnene parlamentarische Ordnung in Oesterreich aufs Neue vollständig über den Hausen werfen will. Wenn die ungarischen Staatsmänner nicht geradezu auf die Zerrüttung Oesterreich« hin- atbeiten wollen, werden sie dieser Sage in Oester­reich Rechnung tragen und versöhnlichere Saiten anfziehen müssen.

• Berlin, 6. Oktober 1902.

4- Der Kaiser wird, wenn man einem Berichterstatter Glauben schenken darf, die Burengenerale noch am Tage ihrer Ankunft in Berlin, d. i. am 17. Oktober, in Audienz em­pfangen. Die Hrtzerei der englischen Blätter hätte also ihren Zweck verfehlt.

* Die Avreise des Kaisers von Rominten erfolgt morgen früh um 9 Uhr über Stallupönen und Insterburg nach Königsberg. Hier nimmt der Monarch das Frühstück im Kasino des Regiment« Kronprinz ein. Die Weiterfahrt findet Nachmittag statt. Der Kaiser wird seine bevorstehende Eng-

„Traurige Ereignisse?" rief der Jüngling, indem eine fahle Bläffe Über fein übernächtigte« Gesicht zog. „Was ist passilt? Machen Sie keine Umschweife, sondern sprechen Sie deutlich!"

„Der alte Herr Kommerzienrath hat heute Nacht einen schweren Anfall erlitten.“

„Einen Anfall — in welcher Weise?“

„Einen Schlaganfall.“

„Einen wirklichen Schlaganfall--ober."

Der Sohn, welcher Morgens noch dem alte« Vater mit hämischer Miene den Rath gegeben, Hand an sich selbst zu legen, konnte nicht weiter sprechen. Wenn es auch seine moralische Der- derbtheit zugegeben hätte, so ließ es ihn die Natur doch nicht in glatte Worte kleiden, was er sürchtete, — rämlich, daß fein Rath befolgt worden fei! Die Zunge klebte ihm am Gaumen, und er konnte nichts mehr hervorbrtngen.

Der Diener schien etwas davon zu ahne«, was i« dem Innern deS jungen Mannes vor­ging, und -rwroerte mit Nachdruck: „Emen wirk­lichen Schlaganfall, dem der alte Herr nach kurzer Zett erlegen ist.“

„Also tobt?"

„Todt."

„Sagen Sie meiner Schwester, daß ich sofort komme« würde."

Der Diener verschwand, und die Thüre fiel geräuschlos hinter ihm ins Schloß. Der junge Mann aber warf sich aufathmend in einen Seffel. „Also nicht erschossen — Gott Dank! Es wäre doch fürchterlich gewesen. — — Aber . . . wen« er sich vergiftet hätte?" — — Der kalte Schweiß trat ihm bei dem Gedanken aus

landreise neuerer Bestimmung zufolge zum größten Theile zu Lande zurücklegen. Er wird, soweit bisher bekannt, am 9 November per Bahn in Mtssingen eintreffen und von dort au» an Bord der inzwischen eingetrvffenen Kaiseryacht „Hohen- zollern" die Weiterfahrt fortsetzen. Der Kreuzer „Nymphe“ wird die „Hohevzollern" auf der Eng- landreise begleiten. E« ist nicht ausgeschlossen, daß der Kaiser gelegentlich seiner Fahrt durch die Niederlande einen Abstecher zum Besuche der Königin Wilhelmina unternehmen wird.

* I« dem nächstjährigen Reichshaus- haltSetat dürste beim außerordentliche« Etat der Militärverwaltung wieder der AasSa« de» AandesSefestigaage« eins große Rolle spiele«. Schon seit Jahren werden beträchtliche Summe« zu diesem Zwecke gefordert. Man dürfte an dem Modus festhalten, die Einnahme« aus den ver- kauften Festungsgrundstücken unmittelbar zu diese« Bauzwecke« zu verwende«, während str früher unter de« allgemeinen Einnahmen verrechnet wur­de«. Eine gewisse Entlastung wird dieser außer­ordentliche Etat dadurch erfahren, daß der Posten für die Kriegsausrüstung, der seit verschiedene« Jahre» stets mit recht ansehnlichen Summe« im Etat erschien, nunmehr die in Aus ficht genommene Gesammtsumme llewilligt worden ist, in Wegfall kommt.

4- Die Iolk.arif • Aommisstoa trat am Montag zur Feststellung des Berichtes zusammen. Die Reihenfolge, in welcher das Plenum die ein­zelnen Thrile des Entwurfes beraten wird, hat der Senioren - Konvent vokzuschlagen. — Ver­schiedentlich wird bestätigt, daß die Minister- Präsidenten der größeren Bundes­staate« mit dem Reichskanzler noch einmal i» Berlin zurBerathung deSZolltarises j ammen» komme« werden, und zwar ungefähr zur Züt des Wiederbeginnes der Reichstags Verhandlun­gen. — Wenn ein Posener Blatt den Havplträzer der RegierungS«Politik, den Grase« Posa- dowS ky, als Oberpräsidenten von Posen lande« läßt und zu diesem Zwecke den jetzigen Ober» Präsidenten v. Bitter nach Danzig versetzt, so ist das natürlich nur ein schlechter Scherz.

+ Die Zfolerr hatte» für die Wahl der Gemeindevertretung der katholischen Herz Jesu- Pfarrei in Charlottenburg eine eigene Kandidatenliste aufgestellt; sie find mit etwa 25 Stimmen weniger unterlege«. Es wirft kein gutes Licht auf die Polen, daß sie ihre nationale Sonderbrstrebung auch auf das kirchliche Leben übertragen.

+ A»archistettauschrag will die Polizei von New-Aor k auf die Spur gekommen sei«. Sie entdeckte angeblich ei« kolossaler Dynamitlager und verhaftete fünf Italiener, die behaupte«, daS Dynamit hätte «ur „technischen Zwecken“ dienen solle«. Zugleich wird gerächt- weife aus Kopenhagen von einem Komplott ita­lienischer Anarchisten gegen die Kaiserin- Wittwe von Rußland berichtet. Doch wird dieses Gerücht bereits widerrufen. Eher wäre es denkbar, daß [in New-Ivr! anarchistische Toll­häusler daran dächte«, oie Erregung wegen der Kohlennoth daselbst zu Schnckensthaten zu benutze«. Doch wird man auch solche Vermuthungen einst­weilen mit ebensoviel Vorsicht, wie alle derartigen Meldungen selbst behandel« müssen.

die Stirn; er selbst hatte ja auch zu Gift ge- rathen. --

„Ah bah!“ tief et bann, wieder aufspringend, „für was Grillen fangen! Der Alte sagte ja ausdrücklich, Schlaganfall, wirklicher Schlaganfall. Das genügt, muß genügen. — — Und doch, wenn sie ihm die Wahrheit nicht gesagt, »en« sie sich geirrt hätten — wen« ks doch Gift wäre ... auf meines Rath hin, — mich schaudert . . . Wenn es bekannt würde — doch nein, ich lasse keinen Arzt zum Todlenbett, um jeden Preis muß das verhindert werden. — Und wie ist es mit de« fehlende« Depots? Ja, ja, sofort muß ich zu de« Frauen hin, daß sie keine Dummheiten machen."

Die achtzigjährige Mutter des verstorbenen Bankiers saß auf ihrem Zimmer i« dem ge- wohnte» Sessel. Ihre Auge« zeigten keine Thränen, aber ihr Gesicht schien noch älter und runzliger geworden zu fein, und die schmalen Lippen waren «och fester auf einander gepreßt als sonst. Sie hatte bei der Leiche deS einzigen Sohnes gesessen, bis die bestellten Männer eingetroffen waren, um die vorgeschriebenen ritu­ellen Waschungen und Zeremonien vorzunehme«, genau nach dem all jüdischen Ritus; so hatte sie ausdrücklich brsohten. Dan« halte sie sich in ihr Gemach zurückgezogen. Schlaf schien die alte Fran nach den letzten erschütternden Ereignisse« nicht von Nöthen zu haben, den« ihre Augen gingen unstäl durch das Zimmer.

Anders war es bei Jesfica, der j-tzt ganz verwaisten Tochter des Bankiers, welche der

X Die Aohlennoth ist tn Amerika f° bedrohlich geworden, daß nach einer AeußernnS des PostmtnisterS Peyne bereits mit der Mög- lichkeit von Kohlenkrawalle« in Boston und New- Dork gerechnet wird. Um so weniger hat daS Verlangen der Grubenbesitzer von Pennsylvanie«, Bundestruppen in das Streikgebiet zu schicken, Aussicht auf Erfüllung. Ohnehin ist Präsident Roosevelt schlecht genug auf die Trustbarone zu sprechen, weil sie durch ihre Weigerung, mit der Union der Bergarbeiter zu verhandeln, die Be­mühungen des Präsidenten, einen Ausgleich her­beizuführen, einstweilen zum Scheitern gebracht haben. Einen Augenblick soll Roosevelt sogar geschwankt haben, ob er nicht gegendie Ver­fassung sich in die inneren Angelegenheiten de« Staates Pennsylvanien mit starker Hand ein­mischen solle. So wird wenigstens behauptet, und unmöglich ist es nicht. Inzwischen bemüht man sich, möglichst viel englische Kohle einzn- führen. Ob mit genügendem Erfolg, bleibt ab- znwarten. — In Frankreich hatte, wie hier sicher vorauszusehen, Herr Combes als das den« ex macjma erst recht keinen Erfolg. Im Be­zirk voll Pas de Calais streiken bereits über 20 000 Bergleute. Auch Ausschreitungen find vorgekommen. Herr Combes oppelltrt an die Streikende«, doch nicht durch „äußerste Ent­schließungen“ einen Tyetl der Sympathien, die fie erworben hätten, zu verscherzen. AIS wenn die radikale Regierung noch einen Einfluß auf die von der Sozialdemokratie beherrschten Arbeiter- massen hätte!

* Juristisches Studium. Die Zahl der beim Berliner Kammergerichte und bei den 12 preußischen Oberlandesgerichts-Bezirken im Jahre 1902 insgesammt beschäftigte« Referendare be­trug nach einer Feststellung vom 1. August d. I. 5319. Der Zudrang zum juristisch n Studium läßt sich aus der Vergleichung dieser Ziffer mit den weiter rückwärts liegenden statistischen An­gaben mit einer Zuverlässigkeit entnehmen: er hat sich seit dem Jahre 1890 fast verdoppelt. Im letztgenannte« Jahre betrug die Zahl der bei den preußische« Justiz-Behörden beschäftigte« Referen­dare nur 2975; die folgende« 2 Jahre ist sogar eine Abnahme dieser Zahl auf 2960 und 2978 zu verznchnen; daS Jahr 1892 brachte eine kaum nennenSkverthe Zunahme. Vom Jahre 1893 geht die Steigerung indessen in einem schnellere« Tempo, von 3060 auf 3230 im Jahre 1894, daun auf 3315, 3506, 3767, 4062 4314, 4602. 4954 bis auf die oben ermähnte Zahl 5319, w^von das Kammergericht allein den 6. Thril, 890 Referen­dare, beschäftigt. Der mit Referendaren am schwächsten besetzte Oberlandesgerichts - Bezirk ist Kiel mit 159. dann folgt Marienwerder mit 171, Kastel mit 192, Posen mit 206, Frankfurt a. M. mit 234, Stettin unb Königsberg mit 264 und 266. In weitem Abstande zu einer höheren Z iffer folgt dann Naumburg mit 494, Celle, Hamm und BreSIau mit 506, 586 und 616; Köln bleibt dann endlich mit 735 noch um 155 gegen daS Berliner Kammergericht zurück.

+ Dom de« »e«e» Iranenzeitscheist, welche im Verlag des CharitasverbandeS für daS katholische Dm schlank (Freiburg i. Br.) unter dem Titel ,Die. christliche Frau' erscheint, ist mit dem Begin« des Oktober das erste Heft

Großmutter bisher getreulich Gesellschaft ge­leistet hatte. Bie Natur forderte ihren Tribut, und der Kopf de« junge« Mädchens lag regungs­los auf der L-hne eines Seffels, während ei« tiefer Schlaf die müden Lider gefangen hielt.

Sie wurde auch nicht wach, als jetzt ihr Bruder eintrat, und ohne viele einleitende Worte mit rauher Stimme die Großmutter anfuhr: „WaS denkst D«, daß mit der Leiche geschehen soll?“

„Was soll gischehen? — nichts anderes, als was Vorschrift ist."

„Nun ja, natürlich,“ erwiderte Emil, dem das Ungeschickte seiner Fragestellung allmählich eivleuchtete. „Aber sag' an, wie ist daS Alles so plötzlich gekommen?“

„Wie es gekommen? Dein Vater wurde unwohl, man holte de« Arzt, der keinen Zweifel über de« Ernst des Anfalls ließ, und zwei Stunden später war Dein Vater eine Leiche.“

„Ein Arzt war also da und konstatirte eine« wirklichen Schlaganfall — wer war der Arzt?"

„SanitStsrath Dr. Rothbill“, erwiderte die alte Frau kurz.

„Und hat der Vater das Bewußtsein noch wieder erlangt — hat er nichts für mich aufge­tragen, nichts getagt über fehlende.... ich wollte sage«: — lieber den Stand des Ge­schäftes?“

„Doch, er sagte, es fei Alles in Ordnung!“

„Alles in Ordnung? Aber er hatte doch fremde Depots als Pfand ausgegeben.“

„Er selbst sagte, daß Alles in Ordnung sei.

„Ei, das wäre ja günstig! Dan« werde ich selbstverständlich das Bankgeschäft weiter führen!"