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M 230
Jutöa, Montag, den 6. Oktober 1902.
29. Jahrgang.
• Immer langsam voran!
Durch dir offiziöse »Berliner Korrespondenz^ wird jetzt der Wortlaut der Aeußerunge« des Staatssekretärs Grafe« PosadowSky bekannt gegeben, welche dieser in der Zolltarifkommijfiou zu dem Anträge aus zollfreie Einfuhr der von deutsche« Kartellen ans Ausland b lliger verkauften Maaren -etha« hat. Natürlich steht au der Spitz; die Betonung, daß die RrtchSoer» waltuug die Vorgänge auf dem Gebiete des Kartellwesens „mit der größten Aufmerk» samkeit" verfolge, dann aber folgt das gewöhnliche „Aber": bei Behandlung dieser volks- wirthschaftltch so außerordentlich schwerwiegenden Frage sei die „größte Vorsicht" geboten.
Dagegen habe« wir nun an sich gar nichts einzuwenden. Vorsicht ist überhaupt bei allen Eingriffen in daS wirthschaftliche Leben recht sehr am Platze. Aber die Aeußerungen drS Grafen PosadowSky machen doch ganz den Einbruch als sollte damit von vornherein allzu hoch gespannten Erwartungen vorgebeuzt und eine erste tatsächliche Entscheidung möglichst lange hinauSgrschoben werden. Gin gewisses Miß- trauen gegenüber den Ankündigungen von ministerieller Seite ist bei uns überhaupt immer sehr zu empfehlen. Das langsame Tempo in 4er Sozialpolitik läßt auch in wirthschastlichen Fragen, die wie die SyrdikatSfrage so enge mit den wichtigsten sozialen Fragen verknüpft find, kein sehr energisches Vorgehen erhoffen.
Aehnlich steht es mit den „umfangreichen" Erhebungen, welche Graf PosadowSky für die „nächste Zeit" in Aussicht stellt, zu dem Zwrcke, „sich volle Klarheit über die Wirksamkeit und die Wirkungen der Kartelle zu verschaffen". Auch das ist an sich gewiß löblich, obwohl man vielleicht schon etwas früher daran hätte denken Wunen; denn die Klagen über die Kartelle stad zwar heute lebhafter den« jr, aber doch nicht gerade allerneuesten Datums. Daß wir in Deutschland nicht erst in den Anfängen deS Kartellwesens stehen, wenn dasselbe auch noch nicht diejenigen Riesenformen und Bedeutung wie in der nordamerikantfchen Union gewonnen hat, beweist die Zahl von 400 Kartellen, welche die den versprochenen Erhebungen vorangegangene Rundfrage an die Bundesregierungen für das Deutsche Reich ergeben hat. Vierhundert Kartelle und Sy-tdikate sind gewiß nicht von gestern auf heute entstanden.
Verdächtig erscheint uns auch ble Art und Weise, wie der Staatssekretär die Kartelle selbst mit Glacehandschuhe anfaßt und nicht verfehlt, ihnen einige LiebenSwürrigkeiten zu sagen. Es „ist damit begonnen worden, den Leitern größerer Kartelle Gelegenheit zu vertraulicher Darlegung ihrer Verhältniffe zu geben". „Die Kartelle, mit denen bis jetzt solche Fühlung genommen ist, haben sich durchaus entgegenkommend erwiese» und in weitem Umfange zur Darlegung ihres GeschäftSgebahrenS bereit erklärt; ihre Vertreter äußer« sich vielfach dahin, daß ihnen eine Darlegung ihrer Verhältniffe nur angenehm fein könne, da sir geeignet fei, aufklär'end und beruhigend zu wirken."
Kib Rechenschaft.
Roman von Paul vom Wildbach.
25 ------(Nachdruck verboten.)
Die Komikffe verließ auf einige Augenblicke das Zimmer und kam dann zurück mit einem Päckchen Bar knoten, welche sie ganz gefchäfls- mäßig der früheren Gespielin hinzäblte.
Vor einigen Tagen «ar Carola großjährig ei klärt worden, und ihr Vormund, der alte Gras Weflkirch, hatte ein unbeschreibliches Vergnügen empfunden, als er vor seinem Mündel die kostbaren Schein« hinzählen konnte, welche sie zu einer der begehrteste» Erbinnen der Landes machen mußten.
„Aber was soll ich mit dem Mammon denn machen?" hatte Cora lachend gefragt. „Ich weiß ja gar nicht damit umzugrhen."
„Drum eben sollst Du e» lernen," hatte West- kirch erwidert voller Stolz auf die ansehnliche Vermehrung, welche das ursprüngliche Erb, unter seiner umsichtigen Verwaltung erfahren hatte.
„Ich möchte mich doch lieber noch eine Zeitlang unter Deinen Schutz stellen, lieber Onkel," hatte E,ra gemeint, „sonst möchte für die Meisterschaft in der Geldverwaltung doch am Ende ei« allzu hohe» Lehrgeld gezahlt werden."
Da hette denn Weflkirch eingewilligt, daß er die Verwaltung noch weiter führe, bis einst eine umsichtige Männerhand die Leitung des Vermögens und der Geschicke der jungen Gräfin über- «ehme. Zugleich aber hatte er darauf bestanden.
Das hingt ganz so, als ob di-se natürlich auf die Manzdügelet der Kartellgibohrung berechnete« Darlegung auf dieReichsoerwaltungselbst bereits sehr „beruhigend" gewirkt hätten. Hegt doch auch j-tzt schon, wie Graf PosadowSky be» merkte, „die Erquete manche irrthümltche Auffassung über die Erwartung, daß die Kartelle beseitigen und sowohl die wohl- tdätigen Wirkungen wie die Auswüchse und Mißstände drö Kartellwesens deutlicher in die Erscheinung trete» laffen wird." Der Nach- druck scheint hier auf den vorangestellte« „wohl- thätige«' Wirkungen der Kartelle zu liegen Tlniße kleine „Schönheitsfehler" mögen zuge- geben werden; mit einigen ebenso kleinen Mitteln wird man sie beseitigen. Und das angesichts der riefizen Preissteigerung in Kohlen, die in Amerika zu einer wahren Kalamität geworden ist, aber auch bei uns nach kurzem Athemholrn von Nmem cinsktzen wird!
Es ist recht, daß man, wie der Staatssekretär faßte, auch unabhängige Sach »er ständige zu den Erhebungen zuziehen und den Kreis der befragten Personen recht weit, bis in die Reihe der fünften und sechsten Abnehmer auS>ehnen will, Möge man sich auch h anders« Ländern erkundigen und namentlich die Verhältniffe in Amerika studtren! Für den Reichstag aber erscheint es unter solchen Erwartungen und Ungewißheiten doppelt geboten, bei Bemessung der industrielle» Schutzzölle recht vo sichtig zu verfahren, damit diese nicht die bequeme Schutzdecke für wucherische Manöver großkapitalistischer Ringbildung werden.
Auch hier wieder sollten uns die Erfahrungen der Amerikaner aber auch unsere eigenen (Kohlen, Panzerplatten, ThomaSschlacke) vor jeder Vertrauensseligkeit gegen die beteiligten Industriellen bewahren!
Berlin, 4. Oktober 1902.
+ D-r Bericht der IoStartskommission wird schriftlich nur über da« Tarifgesetz erfolgen; Generalberichterstalter hierfür ist bekanntlich der Oberzollinsprktor Speck (Cir.). Außerdem werden über die einzelnen Theile de» Tarif« 35 mündliche Referate erstattet; daran find 21 Mitglieder der Kommission, darunter die Centrumsabgeord- nelen Herold, Letocha, Spahn und Trimborn, be- theiligt.
X Ale AationaMveralen sind In einer etgenthümlichen Lage. Der Gegensatz, der zwischen de» maßgebenden Regierungsstellen und den Konservativen sich feit der Kanalfrage unb besonders auch in den Zollsragen herausgebildet hat, wäre an sich geeignet, den Nationalliberalen den Wind in die Segel zu treiben. In parlamentarisch regierten Ländern hätten sie jetzt alle Anwartschaft, in einem Ministerium der Linken die Führung zu übernehmen, sofern das Staatsoberhaupt noch eine gewiffe „gemäßigte" Traditio«
daß sie gleich eine, größere Summe zurückbehalte, um sich an selbständige» Versüßen zu gewöhnen. Cora hatte da« Geld seitdem achtlos da liegen gehabt und sich manchmal darüber gewundert, wie manche Menschen mit Leib und Seele so an dem tobten Metall hängen können.
Jetzt, da sie die entsetzliche Roth ihrer Jugendfreundin sah und sie ihr mit dem «erachteten Mammon helfen konnte, ging ihr plötzlich eine ganz andere Einsicht über die Bedeutung derselben auf, und sie »ar fast stolz darauf, mit einer solchen guten Ttzat ihre Verwaltung einleiten zu können.
Sie» hätte ihrer Wohlthäteriu vor Rühmng und Dankbarkeit die Hand küffe« möge«, allein die junge Aristokcati« duldete etwas derartiges nicht, und als sie eine« Schuldschein schreibe« wollte, ließ sie auch die» nicht zu.
„Rei«, fegte sie, „mal jetzt geschehen ist, bleibt ganz so unter uns, wie es auch früher im Pensionat bei de« lieben Schwestern gewesen $ Als die Tochter deS Bankiers das HauS oerlaffen hatte, schüttelt» Carola von Ostmark das Haupt und flüsterte leise vor sich hin: „Also auch dort eine solche Veränderung!" Sie gedachte der Zeit, da ihr Bruder von ihr verlangte, daß sie mit Löwenthal und seiner Tochter zusammen in der Loge deS neuen Theaters sitzen solle, was sie energisch »erweiterte. Der Bankier spielte damals mit Millionen, und nun ging feine Toch- ter mit ihren Schmucksache« von HauS zu HauS, um sie sür einen Spottpreis zu versilbern, den ihr Niemand zahlen wollte.
Dem armen Kinde, wie sie S'cr nannte, konnte die Komteffe jetzt ihr Mitleid nicht vrr-
fchzuhattes wünscht. In. Preußen langt's den NatioriaAiberalrn aber nur sehr selten einmal zum Mmistrrwerden, und ein Ministerium der Linker-, ist durch die Verhältniffe im Landtage noch auf lange hinaus eine baare Unmöglichkeit. So find beim die Rationalliberalen froh, wenn sie wenigstens die nächstniedere Staffel, die Ober» Präsidien, in dem einen oder andern ihrer h-roorrazenden Leute erklimmen dürfe«. Selbst Bennigsen war ja mit einem Oberpräfibinm zufrieden. I tzt gebt sei« Nachfolger in Hannover, der konservative Graf Stolberg in Pension, und zugleich ist Westpr-ußen durch den Tod deS ehemaligen Kultusministers o. Gcfler, eines ®e< mäßigt-Konskroattte«, frei geworden. Also Er- legenhett sür die Nalionalliberkrl-n, gleich an zwei Beispielen zu erproben, ob sie Ausstch haben, in Preußen Trumpf zu werden. Auf Hannover aber, ihre Stammburg, mache« sie sich selbst, wie die refignirte Haltung ihres dortige« Parteiorgans beweist, k we großen Hoff«u«tzen mehr. Dagegen erblüht ihnen in Westpreuße», wen« eine sich offiziös geberdende Korrespondenz, der das freisinnige ,Berl. Tageblatt' eine „Be stäligung" angedrthen läßt, recht berichtet, ein gewisser Ersatz: der natlosalliberale Oierdürger- meister non Danzig, Herr Delbrück, soll zu« Ode'Präsidentin dieser Provinz susecsehen sei«. Die .Nattonallib. Korrespondenz' scheint es sogar für möglich zu halten, daß Delbrück Minister werden soll — „früher oder später", setzt sie allerdings vorsichtshalber hinzu. Dagegen ist daS Berliner nationalliberale Organ, die .National- zeitunz', mißtrauisch. Zwar gibt sie zu erkenne«, d::ß auch sie Herrn Delbrück gern auf einer hohen Staatsstelle sehen möchte, aber sie scheint z« fürchten, die vorzeitige Nennung seines NamenS könne au der maßgebendsten Stelle die entgegengesetzte Wirkung Hervorrufen, und sie wittert daher hinter der gedachten, sich offiziös gebenden Meldung eine antiliberale Jnttigzte. Vielleicht hat sie nicht Unrecht, vielleicht aber gibt sie sich selbst mißtrauischer, als sie in Wahrheit ist — um etwaigem Mißfullen an leitender Stelle vorzubeugen oder dasselbe von de« Nationalliberalen ab» u«b auf die Konservativen hinzulenken. Mine und Gegenmine! Hinter den Kouliffen wird offenbar wieder viel gearbeitet, und die Nationalltberalen sind in der Sage des Mannes, der vor Begierde brennt, äußerlich aber sich die ängstlichste Zurückhaltung auferlege« muß, um feine Wünsche nicht durch plumpes Zugreifen zu gefährden. Auf die Besetzung der beiden Ober- Präsidien darf man unter diesen Umständen aller- dingS gespannt sein.
+ Sine Neich-1agvn«chwahl ist durch den Tod des Stadtrath« Kauffmann in Berlin, der al« Mitglied der freisinnigen Volkspartei den Wahlkreis Liegnitz-Goldberg-Haynau vertrat, noihrvendig geworden. Die Freisiunigen dieses Wahlkreise» haben bereit« vor einiger Zeit den Justizrath Pohl in Gleiwitz al« Nachfolger Kauffmann« bezeichnet; sozialdemokratischer Bewerber ist der Breslauer Stadtverordnete Bruhn«, der kürzlich eine längere Freihelt«flrafe zudiktirt bekam wegen Beschimpfung der christlichen Religion.
* Dänische» Gold. Kürzlich ging durch die Zeitungen die Nachricht, daß im TaunuS Gold
weiger«, und nachträglich.freute eS sie noch doppelt, daß sie der früheren Schulgeroffiu den gewünschten Sesallen hatte thun können.
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Jessica war inzwischen wieder zu Hause an- gelangt und hatte ihren Vater noch immer in seinem Lehnstuhl sitzend und schlafend angetroffen.
ES schnitt ihr durch die Seele, daß sie den alten Mann »rcken sollte, wenn es nicht unumgänglich nothwrndig war. Konnte sir nicht auch allein handel« ? Wie oft hatte sie ja gesehen, wir er mit dem eigenthümllch geformten Schlüssel, den er stets an einem feinen Bändchen um den Hals trug, den schweren Kaffenschrank in seinem Zimmer öffnete. Sollte sie daS nicht anch können?
Ihrer leichten Hand gelang eS ohne Mühe, den Schlüssel vom Halse de» Schlafenden abzu- nehmen, ohne ihn zu stören, und prompt öffnete sich ihr auch die Thür des feuersicheren SchrankeS. Ein Blick in das Buch, welches sie fo oft in »en Händen deS Vater« gesehen, belehrte sie über sie Höhe der Summe, welche der Vater von der Banksirnra Gebhard gegen Verpfändung von Werthpapieren entliehen hatte. Sie zahlte auch die Geldrollen, welch, in dem Schrank aufge» iapelt lagen, und wirklich, es fehlten 20 000 Bulben an dem Bettage de« Darlehens.
Mit den Banknoten, welche sie von Karola von Ostmark erhalte«, war also die Auslösung des Pfände» von der Firma Gebhard möglich, und sie machte sich sofort auf den Weg, um das Nöthtge zu vollziehe«.
Das Bankgeschäft Gebhard hatte zwar seine Bureauräume schon geschloffen, als Jessica eintraf, aber da der Ches des Hauses die Tochter
gefunden sei. I« Schlesien, wo tm Mittelalter und bi« in die neuere Zeit hinein ein ziemlich ergiebiger Goldbergbau betrieben wurde, entdeckte man vor mehrere« Jahren beim Ban der Bahnlinie Gceifenberg-Löwenberg zwischen den Ortschaften Schmottseife« und Liebenthal neue, früher nicht brk^ute Goldlagerstätten. Auch im bayerisch-böhmischen Greuzgebirge stillte man ungefähr zu derselbe» Zeit daS Vo kommen diese« edlen Metalles fest. Vo« den deutschen Flüssen führt vor allem der Rhein in feinem Sande Gold mit sich, urd zwar in größerer Menge, als man gewöhnlich anr immt. Daubrör berechnete, daß in der goldführenden Schicht zwischen Rheinau und Philippsburg, die 123 Kilometer lang, 4 Kilometer breit und 5 Meter tief ist, gegen 36,000 Kilogr. Gold liege«. Die Gesammtmaffe des Goldes zwischen Basel und Mannheim schätzte er auf 52,000 Kilogr. im Werthe von etwa 166 Millionen Franc-, sodaß man sich bei dem Worte „Rheingold", La8 durch Richard Wagner einen so hohe« poetischen und musikalischen Klang erlangt hat, wirklich etwas Greifbares vorstellen la««. An Goldgehalt kommt der Sand der Eder in Hessen etwa dem des Rheivlsndes gleich.
X Kl« soziale» AachtSUd nennt die Berliner Presse mit Recht eine Gerichtsverhandlung, die sich gegen 3 Knaben von 12—13 und ein Schulmädchen von 14 Jahren wandte, die schwerer Sittlichkettsverbrechen, z. B. sogar der Blutschande, bezichtigt waren. 118 Zeugen wate« mehrere Kinder beiderlei Geschlechts geladen, die sich derselben verbrechen schuldig gemocht, aber noch nicht das strafmündige Alter besaßen! Das am meisten belastete Mädchen erhielt ein Jahr, die Knaben 3, 3 und 9 Monate Gefäugniß. Dir Berliner Presse führt diese schreckliche Dinge auf daS WohnnngS- elend der atmen Leute zurück. Die Ursache liegt natürlich auf einem anderen Gebiet, aber daß die sittliche Verwilderung in der furchtbarsten Weise gefördert wird, wenn kinderreiche Familien in engen Wohnungen, die nur au8 e-nem oder zwei Räumen bestehe«, ist leider eine bekannte Thatsache. Diese gerichtliche Berurthellung lehrt daher nur zu deutlich, wie sehr nächst einer ernsten und liebevollen religiösen Erziehung eine Besserung des WohnungselendS der Großstädte — aber auch vielfach der kleineren Städte und deS flachen Landes — eine dringende Noch- wendtgkeit ist.
* An« de« Gerichtofaake. Darf ein Vertheidiger während der Hauptverhand- lunfl sich mit einem Klienten unterhalten? Der Vorsitzende bei Schöffengerichts IV in Hannover nahm am Donnerstag einen Rechtsanwalt in eine Ordnungsstrafe von 50 Mk, weil dieser sich nach der Vernehmung von Zeugen während der Verhandlung mit dem Angeklagten über weitere Fragestellung unterhalten hatte. DaS Gespräch war leise und in einer die Verhandlung nicht störenden Weise geführt geworden. AIS dem Rrchtkanwalt zunächst eine Verwarnung zn theil wurde, erklärte er, er halte sich zu der Unterhaltung mit dem Angeklagten berechtigt, noch der Strafprozeßordnung stehe ihm ein unbeschränkter schriftlicher und mündlicher Verkehr mit
des langjährigen Geschäftsfreundes kannte, und et auch von bet Krarkheit des Kommerzien- Rathrs wußte, so that er weitet keine umständlichen Frage«, sondern holte persönlich die gewünschten Pepiere und lieferte sie gegen daS Geld und die übliche Quittung aus.
S'ca aber fiel es wie ein Stein vom Hetzen, als sie endlich noch vollbrachter That den Kaffen- schlüssel wieder um den HalS des Vaters hängen konnte.
13. Kapstel.
Der neue Chef.
E« war einige Stunden später, beinahe Mitternacht, al« in dem Har fe de« Bankier» Löwenthal plötzlich eine ungewohnte Bewegung entstand. Thüren wurden hastig aufgeriffen und behutsam wieder zugemacht. Hastige Schritte huschten durch die mit dicken Teppichen belegten Gänge, Boten verließen eiligen Laufes dar Haus, und bald hielt vor demselben der Wage« des Geheimen Sani- tätsrathes Dr. Rochbiü, welcher, wie bet den Vertretern des Hohr« Adel», so auch bei denen der hohen Finanz Hausarzt zu sein pflegte. Unter Begleitung bei Diener« begab sich der Sanität»« rath sofort in da» Schlafzimmer de» Hausherrn, welcher noch in den Kleidern regungslos auf dem Sopha lag, während Jessica in Thtänen gebadet zu feinen Häupten kniete und mit in Eiswc ffer zetauchten Tüchern Umschläge auf die blaffe Stirn >e« Vater« machte. Za den Füßen de« Bankier« aber saß, die Hände tu einander geschlungen und >ie nützlichen Lippen fest auf einander gevreßt, regungslos wie ein Steinbild, die alte Mutter be« Bankier«, nur durch einen Wink ober durch