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Kutöcl, Samstag, den 4. Oktober 1902.
M 229.
29. Jahrgang.
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„ulustrirte Sonntags-Zeitung“, „Suldaer 0esdwW>lältef' tmd Coflefir-n^.
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kicher privater Briefwechsel zwischen Kaiser xnb Reg ent habe eine versöhnlichere Stimmung herbeigeführt, so daß Prinz Ludwig eine zweite Einladung de- Kaisers zu den Manöver» annahm u. s. w. DaS klingt ja recht schön, aber eS kommt zu spät, als daß eS »och einen erheblichen Eindruck in Bayern machen könnte. Und wer hat das Wiener Blatt ermächtigt zu seinen .Enthüllungen"? Jedenfalls ist seine Autorität nicht so hoch zu bewerthen, daß daraufhin da» Cent rum auf die vonDr. Schädler in Tuntenhausen angekündigte Besprechung der Kaiser-Depesche int bayerischen Landtag und im Reichstag verzichten könnte.
DaS Centrum hat überhaupt alle Ursache, allen solchen scheinbar inspirirten Meldungen, die darauf berechnet zu sein scheinen, daS gesunde Mißtrauen unserer Partei, daS durch Vorgänge wie den Sturz des Ministers Landmann in Bayern erheblich verstärkt wurde, zu beschwichtigen und in süße Vertrauensseligkeit zu verkehren, erst recht zu mißtrauen. Auch in Baden war eS sehr wohl angebracht, allen Andeutungen, daß die Regierung in der Ordensfrage .dem Centrum", soll heißen: Der katholischen Mehrheit deS Landes Zugeständniffe machen wolle, nicht blindlings zu vertrauen. Es mag sein, daß es der Regierung nicht an einigem gutem Willen gefehlt hat. Dagegen durste man im Zweifel sein, ob die Willens- und Charakterstärke der
hernmsttzend« ober lehnende Gesellschaft bildet. Schön, aber theuer. Der offene Kamin frißt eine große Maffe der kostspieligsten Brennmaterial«, und bei srhr großer Kälte reicht er trotz stärkster Heizung nicht aus, weil zu viel Hitze durch den großen Rauchfang entweicht. Unsere geschloffenen Oefen nutzen da« Brennmaterial viel besser au«; str bieten aber einen prosaischeren Anblick, weil ste dem Ange da» schöne Spiel de» flammenden und praffelnde» Holzfeuer« nicht gewähren können. Sinen kleinen E satz sucht man wohl in durchscheinenden Mika-Scheiben oder durch da« sichtbare Feuer der Cadö Oefen zu erreichen. Die alten Berliner Kachelöfen haben insofern mit den Kaminen Aehnlichkeit, al« sie auch sehr viel Brennmaterial verpulvern; sie halten sich trotzdem, «eil sie nach einer gewissen Brennzeit zngeschraubt werden können und dann vollständig ihre Feuergefährlichkeit verloren haben. Eine weitere Aehn- lichkett findet fich darin, daß auch die Kachelöfen nicht den Mohrenaublick in eisernen Oefen bieten, sondern in ihrer weißen oder bunten Ein- faffung zu lichten Zierden de« Zimmer« werben können.
Wr« nutzt nun aber alle äußere Herrlichkeit der Heizungsanlage, wenn ste inwendig nicht in Ordnung ist? In dem Zola'schen Kamm wollte da« erste Feuer nicht recht brennen. Statt nun gleich nachzusehen, wo e« fehlte, ließ man da« Feuer schweben, so gut oder schlecht e« ging, und da« Ehepaar legte sich zu Bett in der Absicht, das Feuer die Nacht über fich langsam ausbrennen zu laffen. Run «ar aber das Abzugsrohr so schlecht, daß die giftigen Verbrennungsgase in da« Zimmer drangen. Da« Kohlenoxydgas hat bekanntlich die hochgesährliche Eigenschaft, nicht zu riechen. Die berufene Gesundheitrwäch eün Rase versagt also gegenüber diesem Feinde. Oft verfällt bei Schiäser in Bewußtlosigkeit, ohne inzwischen zur Besinnung gekommen zu sein; manchmal »eckt ihn auch der Kopfschmerz au« dem Schlummer, aber auch da« verbürgt noch keine Rrttung. Im vorliegenden Falle wurde das Erwachen der Frau Zola geradezu verhängnißosll. Sie hatte noch so viel Kraft, um ihren Mann aufzuwccken und zum Fensteröffnen aufzusordern. Ec erhob fich auch, fiel dann aber vor dem Bette nieder, und sogleich fiel die Frau in Bewußt- lofigkeit. So lagen sie bi« zu« späten Morgen. Frau Zola konnte noch in'« Leben zurückzerufen werden, »eil dar Schlafzimmer sehr geräumig war und also die giftigen Gase in der Höhe de« Bette« keine allzugroße Dichtigkeit erreicht hatten. Zola «ar tobt, weil sein Kopf auf dem Fußboden gelegen hatte und da« Kohlenoxyd, da« schwerer al« Luft ist, fich am Fußbaden besonder« an- sammelt. Wäre auch er tm Bette liegen geblieben, so würde er wahrscheinlich ebenfalls mit dem Leben davongekommen sein.
Nebenbei zeigt fich hier, daß man von Alters her instinktiv da« richtige getroffen -hat, als man die Bitten oder die sonstigen Ruhelager nicht tief auf dem Fußboden artete, sondern etwa in Kniehöhe. Niemand liegt gen. auf dem Boden, selbst wenn die Unterlage noch schön ist, und ebenso liebt Niemand die hohe Lager Jätte, zu der man erst htnausklettern muß. Dabet wirken ver- schiebe« Gefühle und Erwägungen mit, die wichtigste dieser Niveau Wahl ist aber bie, daß der Ruhende fernen Mund in der zuverlässigsten Luftschicht des Zimmers hat. Bon der heißen und verdorbenen Luftschicht im oberen Ttzetle des Zimmers bleibt er fern; die kalte Luft, die von den Wänden und Fenstern niederströmt oder durch die Ritze und Poren eindringt, finkt zu- nächst auf den Boden und trifft also den Schläfer nicht unmittelbar. Bilden fich schlechte Safe im Z rnmer, so haben dieselben in der Regel ein anderes spezifisches Gewicht, als die Stift, und werden da» Bestreben haben, zu steigen oder zu finken. Sie sammeln fich also in besonderer Stärke unter der Deck« und am Fußboden an, während die mittlere Luftschicht weniger stark vergiftet ist. Daraus folgt, daß mau die hergebrachte Sitte der erhöhten Lagerstätte beibehalten soll. Manchmal »erden Kinder auf dem Boden gebettet, »eil ste bann „nicht herausfallen körnen". DaS ist aber nicht richtig: gegen das HerauSfalleu gibt es andere Mittel, und daS zarte Kind muß erst recht die BortheÜe eines erhöhten, auf Füßen stehenden Lagers genießen.
Nun fogen manche Gesundheitseiferer, man solle immer bei offenen Fenstern schlafen, bann könne man nicht ersticken. Ob ein bischen Fenster- Ventilation gegen alle Gefahren schlechter Oefen schützt, »ollen wir dahingestellt fein laffen; sicherlich »aßt das offene Fenster mit der kühlen und vielfach guebeligen Nachtluft nicht für ave Leute. Wer nicht jung und gesund und abgehärtet genug ist, kann fich in einer rauhen Nacht eine schlimme Krankheit holen. Bester ist fc^on eine mittelbare Lüstung, indem man die tbtre zum Neben- raum offen stehen läßt; ja nach Körv-rverfaffang und Bedarf kann man bann im Nebenzimmer
Unpolitische Zeitläufe.
verb-tc».)
® Berlin, 2. Okt. 1902.
Bor 14 Tagen haben »ir über die Ofenpflege gesprochen. Jetzt hat der Pariser Uuglück«fall ge- zeigt, «a« ein vernachlässigter Ofen anrichten kann. Der vielgenannte Romanschriftsteller Zola ist erstickt und seine Frau ist an den Rand bet Grabe« gekommen, weil sie da« Feuer in ihrem Schlaf- ihn »er angemacht hatte, ohne sich vor der ersten Heizung um den Zustaub de« Kamin« zu kümmern.
Wie die Blätter berichten, hatte Zola einen groß« Pracht-Kamin in seine« Schlafzimmer. In Frankreich hat man bekanntlich in den befferen Wohnungen noch die offenen Kamine beibehalten. Die Gemüthlichkett de« freien Holzfeuer«, wie man ste früher in unserer Bauera-Küche überall fand, ist dadurch in bie Salon« übertragen. So ein Salonkamiu wird dann recht prächtig eingefaßt, mit Pendnlen und sonstige« Aafsitzen »ersehen, sovaß er einen reffinirten Zierrath de« Zimmer« und zugleich einen anziehenden Mittelpunkt für die
Wochen-N«ndscha«.
(Nachdruck verböte».)
X Fulda, 4. Okt. 1902.
Der rauhe Oktoberwind wirbelt draußen die dürren, raschelnden Blätter zusammen und durcheinander — der Sommer ist zu Ende, nachdem wir ihn kaum verspürt! Und ebenso rasch neigt sich die politische Windstille der schönen Sommerszeit ihrem Ende entgegen. Bereits am 14. Oktober tritt der deutsche Reichstag wieder zusammen, und wenn auf der Tagesordnung der ersten Sitzung auch nur Petitionen stehen, so weiß doch alle Welt, daß hinter ihnen sofort die schwere Artillerie der Zolltarifvorlage auffahren wird. Denn überraschend schnell hat die Tariskom- misfion die zweite Lesung der Vorlage zu Ende gebracht. Nur gering noch war da« Widerstreben gegen solche Beschleunigung, nur der landbündlerische Abgeordnete Dr. Hahn wünschte, unterstützt vornehmlich von den — Sozialdemokraten, eine genauere Beratung namentlich der Eisenzölle. Aber Alles drängte zum Ende, und nur geringe Aenderungen wurden an dem Resultat der ersten Lesung vorgenommen. Die Bahn läge also glatt und eben vor uns, wenn — ja wenn der Gegensatz zwischen den Mehrheitsparteien und der Regierung nicht ungemindert fortbestände. Eine Verständigung ist nicht möglich, solange die Regierung nicht einsehen will, daß dazu zwei gehören, die zur Versöhnlichkeit geneigt find. Einseitig nur von der Reichstagsmehrheit verlangen, daß sie ihren Standpunkt vollständig fallen läßt, zu Gunsten des ursprünglichen RegierungSentwurfes, dar heißt dem Reichstage eine unwürdige Rolle zumuthen, die er nicht übernehmen kann, wenn er sein ganzes Ansehen nicht dauernd vernichten will.
eine Fensteröffnung eintreten laffen, ober bet rauhem Wetter fich auch mit der Vergrößerung »es AthmungsraumeS durch Heranziehung deS Nebenzimmers begnügen.
Andere werben fugen, man solle überhaupt m Schlafzimmer nicht Heizen. Das geht auch zu weit. SS gibt sonnige, luftige, trockene Schlaf- immrr, die ohne j-de Heizung im Winter erttäg- ich bleiben. Aber in anderen bildet fich unter dem Eirfluffe der Ausdünstungen, Ausschwitzungen ec. eine Dumpfheit, u»d eine Klammhett, die dringend zu einer Auffrischung ?urch He'zen, wenigstens zeitweilig, auffordert. Vielfach genügt es schon, wenn am Tage, in Verbindung mit der Reinigung und Lüftung, etwas Feuer angemacht wird. Ist Abends beim Schlafengehen das Feuer noch nicht vollständig ausgebrannt, so ist reilich bie größte Vorsicht geboten. Eine nächt- iche Ofengluth darf man nur riskiren, wenn man seines Ofens nach jeder Richtung hin voll- iändig sicher ist.
Dazu ist vor Aüem nöthig, daß man im Herbste bie HeizungSanlagen von einem Sachverständigen nachsehen und auSbeffern äßt. Hätte Zola vor der Wiederanheizung seines Kamins diese Regel befolgt, so würde er wohl noch leben. Die Prüfung und AuSbefferung muß sich sowohl auf die Abzugsrohre als auf Den Ofen selbst erstrecken. Erstere müffen offen, letzterer muß dicht fein. Ist daS Rohr verstopft ober hat der Ofen Riffe, so treten natürlich Ver- brennunzSgase in die Stube. Ferner muß der Ofen sauber gehalten werden; sonst führt die Luft, die vom Ofen fortwährend durch das Zimmer streicht, schlechte Stoffe mit fich und in unsere Lu» gen hinein.
„Der Ofen zieht nicht," ist eine sehr häufige Klage. Man schiebt es gern auf den jeweiligen Wind oder Sonnenschein; meist liegt bie Schuld tiefer. Wenn der AdzugSkanal durch Ruß, Asche ober Schlacken verstopft ist, kann es natürlich nicht gehörig ziehen. Also grünblich rein machen! Für bie aufsteigende Esse pflegt ja der Schornsteinfeger zu sorgen; die Zuleitungskanäle ober -Röhren an der Kochmaschine ober am Ofen kann man selber kontrolliren und pflegen. Eine einfache Probe auf bie Zugkraft kann man in der Weise machen, daß man die FeuerungSthür ein wenig öffnet und vor den Spalt einen flammenden Gegenstand (Licht ober Holzstück ober FibibuS) hält. Die Flamme muß alsbald nach innen gezogen werden; sonst stimmt'« nicht. Manchmal wird der Zug dadurch behindert, daß in der auSgekühlteu Effe fich eine kalte Luftsäule befindet, bie schwerer ist als die Außenlust. Dem kann man dadurch begegnen, daß man trockene Holzsplitter möglichst weit hinten im Abzugskanal verbrennen läßt. Wenn auch das nicht Hilst, so muß der Fachmann heran.
In Mietskasernen kann man unter Umständen ersticken, ohne daß der eigene Ofen brennt. Dort gehen nämlich manchmal noch die Oefen der übrrrinanderliegenben Wohnungen in ein gemeinsames Abzugsrohr; wird nun unten geheizt, so kann der Rauch unter Umständen in bie angeschloff-nen oberen Oefen und durch bie« felben in die Zimmer gebrückt »erben. Darum fällte man bie Thüren von unbenutzten Oefen geschloffen halten.
Eme besondere Gefahr bringen noch die eisernen Oefe« mit fich, nämlich wenn sie glühend werben. Das glühende Eisen strömt schädliche Gase aus. Ein guter Ofen darf nicht glühend werben Will das Zimmer nicht eher warm werben, als bis nun den Ofen bis zum Erglühen seines Bauches überangestrengt hat, so ist er ent»eb(t für das Zimmer zu klein ober mangelhaft eingerichtet. Kann man es nicht ändern, so ist eine geringe Temperatur noch ein kleineres U«-bek, al« ein glühender Eisenofen.
Die Kachelöfen verlocken bie Leute vielfach dazu, Zwischenräume zwischen Ofen und Wand, sowie bie Hohlräume im Ofen (bie sog. Röhren) als Trocken- und Wärmeplätze zu benutzen. Da werben nun alle möglichen Sachen um und in dem Ofen untergebracht: Schuhe, Pantoffeln, Kleidungsstücke, Kinderwäsche, und nicht blos reine, sondern auch schmutzige Sachen, die bet dem Trocknen und Braten schlechte Düfte ans- hauchen mflffen. Am schlimmsten wirb bas natftr» Uch im Schlafzimmer, und darum solle jede Hausfrau aufpaffen, daß fis und ihre dienstbaren Geister nur harmlose Sachen nm und in bett Ofen und in die Röhren bringen.
Zum Schluß könnten wir nun an diese trockenen Rathschläge für bie Gegenwart ein interessante» Zukunftsbild knüpfen. Vor hundert Jahren hatte jedes Haus seinen eigenen Brunnen; jetzt hat man schon in kleineren Otten die gemeinsame Wasserversorgung Zur Zeit pflegt jede Wohnung noch ihre eigenen Oefen zu heizen; nur wenige Gebäude haben schon häusliche Central- Heizung. Nach hundert Jahren wird man bie Wärme vom Eentralosen der Gemeinbe beziehen.
Regierung auch ausreichen werde, die bei ihr etwa vorhandenen Ansätze einer befferen Einsicht und Absicht auch allen Widerständen zum Trotz in die That umzusetzen. Heute ist dieser Zweifel um so mehr berechtigt, als immer zuversichtlicher die Organe der Profefforenklique und der nationalliberalen Kulturkämpfer von einer Ablehnung auch der bescheidensten Wünsche des katholischen badischen Volkes durch seine protestantische Regierung sprechen. Immerhin scheint man in diesem Lager seiner Sache noch nicht ganz sicher zu sein, darauf deutet die ordensfeindliche Resolution des nationalliberalen badischen Landesaus- schuffes hin, die sich unmittelbar an die Regierung wendet, um ihr den Nacken zu steifen. Die national - liberale Partei ist eben wie ein liberaler Katholik im liberalen .Heidelberger Tageblatt' bemerkt hat, „immer mehr eine protestantische" geworden; oder vielmehr sie war es seit jeher, nur daß ge- wiffe „liberale Katholiken" es nicht merken wollten!
Die österreichisch-ungarischen Au»- gleichsv erhandlnngen sollen ihrem Abschluffe nunmehr wirklich nahe sein. In Gegenwart des Kaisers Franz Joseph, der seine ganze Autorität für einen Ausgleich der Gegensätze einsetzt, haben die letzten Sitzungen anscheinend ein rascheres Tempo in die Verhandlungen gebracht. Hoffentlich bestätigen sich die guten Nachrichten, und zwar in einem Sinne, welcher leit gerechten Ansprüchen Oesterreichs wenigstens einigermaßen zu einem Erfolg verhilft. Davon dürste auch dar Schicksal deS Herrn v. Körber abhängen.
In Oesterreich-Ungarn find im Uebrigen die Augen mit Recht ans den Balkan gerichtet, wo einerseits die Schipkaseier die rnffisch-bulgarische Freundschaft bekräftigt und andererseits ein Echo geweckt hat in den losgehenden Flinten bulgarischer Banden inMaze - donien. Diese sowie die Kämpfe zwischen Arnauten und Serben in Altserbien machen der türkischen Regierung schwere Sorge, und sie hat daher eine imponirende Streitmacht aufgeboten, um der unruhigen Geister Herr zu werden. Dazu die drohende Sprache der ruffischen Preffe — die Sache wird unheimlich trotz der freundschaftlichen Bersichemn,en, die auf der Rückreise vom Schipkapaß Großfürst Nikolaus dem Sultan abgeben soll.
Der drohende große Bergarbeiterstreik in Frankreich scheint auf unbestimmte Zeit vertagt zu werden, da der sog. Bergarbeiterkongreß in Tom- mentoy sich zwar „im Prinzip" für den Generalstreik erklärt hat, jedoch nur mit 45 gegen 41 Stimmen und zudem ohne Festsetzung des Zeitpunktes für den Beginn des Ausstande«. Anstatt mit ihren Magen- und Standesfragen beschäftigen die Sozialdemokraten fich jetzt eben nur mit der „hohen Politik": Jaur»s predigt den Chauvinisten Frieden und Abrüstung, und die Genoflen rüsten um so mehr mit zum Kriege gegen die katholische Kirche. Wahrscheinlich werden sie von dieser Beschäftigung eher satt, al« von der Sorge für dar Wohl ihrer Familien- und der Arbeiter- standes . . .!
Der Reichskanzler hat sich durch sein Leibblatt in einer Weise, die mehr scharf als überzeugend ist, sehr empfindlich gegen den Vorwurf gewahrt, daß er an dem Schicksal der Tarifvorlage nur lauen Antheil nehme und fich deswegen an den Berathungen der Zollkommisfion gar nicht betheiligt habe. Thatsache ist jedenfalls, daß Graf Bülow selbst bisher vor dem Reichstage 'noch nicht so klare und unzweideutige Stellung zu den Zollsragen genommen hat, wie es die Wichtigkeit des Gegenstandes erfordert. Und ebenso ist eS Thatsache, daß Graf Bülow er liebt, hinter den breiten Rücken Anderer Stellung zu nehmen. In jener offiziösen Kundgebung selbst schiebt er den Grafen Posadowsky vor, indem er dessen energische und kennt- nißreiche Bertheidigung der Vorlage rühmte. Bei anderer Gelegenheit hat er noch ausgiebigere Deckung gesucht und gefunden, indem er al« Kronzeugen seiner Handelspolitik die einzelstaatlichen Ministerkollcgen auf- marschiren ließ. Und gerade jetzt kommt ein Wiener Blatt, ,Die Zeit' mit einer Münchener Meldung, die den Grafen Bülow und seine Leute al» Schützlinge de« ersten der Mittelstaaten, Bayerns, erscheinen läßt. Wo er im Bundesrathe Schwierigkeiten zu überwinden gebe, werde die «Vermittelung Bayerns angerufen, das jetzt allein der Wortführer im Bundesrathe feil Dasselbe Blatt versichert, aur bester Quelle mittheilen zu können, daß die Zolltarifvor'age bei einzelnen Positionen auf starke Opposition der einzelnen Staaten im Bundesrathe gestoßen sei. Dar ist nn« nichts Neues. Wenn aber dann weiter behauptet wird, in dieser schwierigen Situation habe Bay er «vermittelnd einbegriffen, unb unter Führung de« Prinzregenten Luitpold fei ein Ausgleich gefunden worden, so dürfte das Blatt seine Quelle, die wohl nicht weit von dem neuen bayerischen Kulturminister v. Podewils zu suchen ist, doch einigermaßen mißverstanden haben, sodaß keine Mittheilungen, trotz eine« wahren Kernes, über daS Ziel hinausschießen. Aehnlich dürste es mit der weiteren Behauptung stehen, unter der Hand würden von Bayern mit der CentrumSpartei Unterhandlungen wegen eines Kompromisses geflogen. Es mag fein, daß hie und da Versuche und „Fühler" in dieser Richtung vorgekommen sind, aber im Ernste kann von einem Kompromiß solange nicht die Rede fein, als die Männer an der Sitze darunter nichts anderes verstehen al« eine einseitige Unterwerfung de« Reichstages unter ihren Willen.
Uebrigen« verfolgt die erwähnte Mittheilung der Wiener Leit' zweifellos keinen anderen Zweck als den, die leitenden Männer in Bayern in den Augen de« bayerischen Volkes in eine« möglichst glänzenden Lichte erstrahlen zu lassen. „Bayern macht Alles", das klingt au« jeder Zeile heran«, mit unverkennbarer Absichtlichkeit gegenüber der in Bayern festgewurzelten Anschauung der weitesten Volkskreise, daß Bayern, eben durch die Schuld seiner Minister, im Bundesrathe nicht diejenige Rolle spiele, zu welcher es nach seiner Bedeutung und feiner historischen Stellung berufen ist. I« Bayern wird man sich schwerlich so schnell zu einer entgegengesetzten Auffassung bekehren, auch nicht durch den sehr post festum kommenden Versuch, auf de« gleichen Umwege über Wien die Geschichte der bekannten Ewiuemüuder Kaiserdepesche so zu stilifiren, daß dabei eine große Annäherung zwischen »er Volksanschauung in Bayern und der Haltung feiner Regierung herausspringen soll. Wie bekannt, hatte die Saiserd^esche am Hofe de« Prinzregenten einen nichts weniger al« freudigen Eindruck gemacht. Da« ergänzt die Leit' nun durch die weitere Mit- theilnng, Prinz Ludwig habe auf da« Kaiser- telegramm hin sofort seine Theilnah«e an den Kaisermanövern abgesagt. Erst ein neuer-