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Irrwa, Domerstag, den 2. Oktober 1902.

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29. Jahrgang.

K. Der Kaiser und die Buren-/ generale.

Nachdem vor einiger Zeit den Burengeneralen von Berlin aus sehr deutlich zu verstehen gegeben war, daß ihre Absicht, Deutschland zu besuchen, den dortigen Regierungskreisen nicht sehr erwünscht fei, mußte es — zumal in Hinblick auf den Nichtempfang des Präsidenten Krüger — einiger» maßen überraschend wirken, als versichert wurde, der Kaiser habe den Burengenerälen anstandslos eine Audienz bewilligt. Allerdings wurde hin­zugefügt, man erwarte von den Generalen, daß sie durch ihre Verhalten zu keinerlei englandfeind. lichen Kundgebungen Anlaß gäben. Anscheinend wurde von den BurenfelLherren auch erwartet, daß sie selbst sich derartige Kundgebungen jeweils ausdrücklich verbitten solle».

Inzwischen ist das ganze Projekt als noch nicht feststehend bezeichnet worden. Eine endgiltige Antwort vom Berliner Hofrnarschall- amt sei noch nicht erfolgt; der Termin des Be­suches müsse von den Dispositionen des Kaisers abhängig sein. Auch beständen lebhafte Bestre­bungen, Frankreich den Vortritt vor Deutschland zu sicher» u. s. w. Kurz, es ist wähl etwas tm 'Werk, aber etwas Gewisses weiß man nicht — zum Mindesten nicht über den Zeitpunkt des BesuLes der Burengenerale in Berlin, der auf fünf Tage bemessen sein soll.

Die englische Presse hirwieder intriguirt und agitirt gegen einen etwaigen Empfang der -Generale durch den Kaiser mit Leibeskräften. Ei» Londoner Blatt, das de» Konservativen, also der regierenden Partei, nahesteht, behauptete, der Kaiser" habe die Bedingung gestellt, daß dir Burengenerale erst förmlich von der englischen Regierung zu ihrem Besuche ermächtigt wer­de» müssen! Als wen» die Burengenrrale eng. Aschen Beamte wäre», und als ob es dem Kaiser nicht freistäude, Privatleute, wie es die drei Generale nach dem Aushören ihrer Republiken find, ganz nach eigenem Gutdünken zu empfangen! Der Kaiser soll wohl erst bei Chamber­lain um Erlaubniß fragen, ob er Botha, Delarey und Dewet empfangen darf oder nicht? Man weiß wirklich nicht, ob bei unsexen »Vettern" jenseits des Kanals die Anmaßung größer ist oder die Dummheit.

Die Sttone wird dem Ganzen aufgesetzt durch folgende Drohnote der ,TimeS':

»Wir würden gezwungen sein, unsere An- fichten über die persönliche Freund­schaft des Kaisers zu unS, sowie unser Urtheil über die Loyalität und Ehrungen der Burengenerale einer Revision zu unter­ziehen."

Ist es dom den Buren illoyal gegen England, daß sie dem deutsche« Kaiser, t» dessen Reich sie für ihre bedrängten Landsleute sammeln, ihren Höflichkeitsbesuch machen, dann kann das nur heiße«: sie «ollen mehr von Deutschland, als nur materielle Hilfe für ihre Nothleidenden. Und ebenso wird der Kaiser verdäch igt, Freundschaft gegen England nur zu heucheln, heimlich aber Ränke gegen England zu schmieden. Das ist der Lohn für die Freundschaft, die der Kaiser den Engländern so sehr bewiesen, daß er dadurch

Hiö Rechenschaft.

Roman von Paul vom Wildbach.

22 ------(Nachdruck verboten.)

Da trat der Kammerdiener wieder herein und fragte, ob der Geh. Sanitätsrath Dr. Roth- bin, welcher der Frau Gräfin Beistand geleistet hatte, den Herr» Grafen sprechen könne.

»Ec möge kommen," lautete die kurze Ant­wort.

„Die Umstände müssen eS entschuldigen, Herr Graf, daß ich zu so ungünstiger Zett störe/ sagte beim Eintreten der Geheime Sanitätsrath, eine schöne auffallend stattliche Gestrlt, der man eS keineswegs ansah, daß fi? schon ihre sechzig Jahre trug.

Er war Hausarzt in der gräflichen Familie, wie er es schon bei den Eitern des jungen Herrn gewesen war, und mit seinen lebhaften klugen Augen, die so durchdringend durch zwei scharfe Brillengläser lugten, hatte er, obschon niemals ein Wort darüber verloren worden, es längst bemerkt, daß daS Vrrhältniß des Grafen zu seiner Gemahlin nicht das beste war. Heute konnte von einem üblen, selbst von einem unbe­dachten oder auch nur mißverstandene» Worte aber unendlich viel abhängen, und drShalb hielt er es als Arzt für seine Pflicht, de« Grasen darauf aufmerksam zu machen.

»Bitte, womit kann ich dienen?" fragte Ostmark, indem er mit einer leichten Hand­bewegung den GanitätSrath zum Sitzen einlud.

„Zunächst also meine Gratulation, Herr Mras!"

sogar in einen schlimme» Gegensatz zum deutschen Volke gerieth — der Dank vom Hause Albion! Ob nun den vereinzelten Engländerfreunden in Deutschland nicht doch endlich die Auge» auf. und übergehen? Hoffentlich ist die nächste Folge der englische» Drohung die, daß die Buren­generale vom deutschen Kaiser nzrnmehr ganz bestimmt und ohre all« Demüthigung em­pfangen werden. Die Burenfeldherren aber werde« durch ihre Haltung alle englischen Ver­dächtigunze« zu Schauben mache» — bei alle» ihren Versammlungen in Deutschland wird von England keine Rede sein, wen« auch keineswegs aus — Achtung vor England!

Berlin, 1. Oktober 1902.

+ Der AieiHvtag wird also nun sicher am 14. Oktober zusammentreten und de» Zoll­tarif fertig vorfinden, nachdem die Tariskom- Mission in den letzten Tagen rasche Arbeit ge- macht und eS in der Hauptsache bei den Beschlüssen der ersten Lesung belassen hat. Im Plenum kann man sich aber auf umso schärfere Kämpfe gefaßt machen, da sowoül von rechts wie von links die Kommisstonibeschlüffr hart angefrindet, von der Regierung aber obendrein abgelehnt werden, während andererseits die Regierungsvorlage nicht die Mindesten Aussichten hat. Nur die national- liberalen «ollen sich, so scheint es. zum größten Theile aus sie vereinigen. Wenigstens läßt da« raus ein Präludium der .Natltb. Korresp/ zum Eisenacher Parteitag der Nationalliberale» schließe«. Wie dem auch sei, auf alle Fälle wird der Reichs­tag ein Bild völliger Ohnmacht darbiete«, wenn er nicht fortwährend beschlußfähig er. halten wird. Mögen sich daS unsere Abgeord­neten um so mehr gesagt sei» lasse«, als die Aussichten auf ein früheres Zusammentrete« des preußischen Landtages, dessen diätenbegabte Mitglieder ja großentheils auch dem Reichstag angehören und so leichter auch an dessen Sitzungen theilnehme» könne», offenbar sehr gering sind.

* Der Abgeordnete Sieger» Aichter kündigte auf dem Parteitage in Hamburg an, daß er de« diesmalige« Wahlkampf noch mitmache«, die spätere Arbeit aber der neuen Jugend überlassen werde. Die ,Köl«. Ztg/ hält diese Erklärung mehr für eine Redensart von der Art derer, die nur gebraucht «erde«, um schmeichelhafte« Widerspruch hervorzurufen. Die .Germania' bemerkt dazu: Thatsächlich soll Eugen Richter nicht mehr der fiaunenswerth rüstige und arbeitsstarke Mann von früher fein, der es wie kein Anderer verstand, seine Partei «ach seinem Geiste zu modeln und etwaige Wider­spräche mit rücksichtsloser Thatkrast niedrrzuhalten. Es scheint daher erklärlich, wenn er daran denkt, sich in absehbarer Zeit aus den AUentheil zurück- zuziehen.

* In der Sitzung der Aolttarif-Kommis- fion wurde heute Morqen § 1 des Tarif-Gesetzes mit der Bindung der Grtreioe- und Viehzölle an.

„Ich danke, Herr Gehetmrath — wenn sie mir auch unter andern Umständen lieber ge- wesen wäre."

„Sie habe« i» dieser Nacht einen großen Schrecken und vielleicht auch eine« bedeutenden Verlust erlitten ..."

„Was den materiellen Verlust anbelangt, so würde er sich schon verschmerzen lassen . . . aber e« gibt andere Dinge ..."

„Ich versteh« schon — Sie hätten lieber einen Sohn begrüßt, als da« kleine Mädchen."

„Ein recht natürlicher Wunsch, denke ich."

»Al« Wunsch allerdings leicht verständlich", erwiderte der Sanitätsrath. „Aber ein unverständ­liches Verlangen, wen« man vor vollendeten That- fachen steht, und sogar eine Ungerechtigkeit, wenn man Unschuldig« dafür verantwortlich machen wollte."

„Immerhin bleibt da» natürlich« Gefühl der Enttäuschung." ~

„Wer hat Sie denn getäuscht, Herr Graf? Ihr« Gemahlin, da« grundgütige Wesen, hat sie Ihnen vielleicht nicht voll und ganz gehalten, wa« sie Ihnen am Altäre geschworen? Oder hat Sie getäuscht bloß eine allzu lebhafte und selbstsüchtige Phantasie? Da« natürliche Gefühl ist, daß der Vater sein eigen Fleisch und Blut an sich nimmt ohne hochstrebende Hintergedanken."

„Sie vergessen, Herr Geheimrach, wa» ich zu repräsevtiren habe . . . Nach Ihren Anschauungen mag der Zigeuner denken, der im fahrenden Zelte Vater wird. Wo c« aber einen Namen und ein Hau« gilt, wie da« der Grafen Ostmark . . ."

„Dadurch werden solche Ansprüche um nicht« vernünftiger und entschuldbarer."

genommen. — Die Centrums.Fraktion hat heute ihren bekannten Antrag über die Verwen­dung der Zoll-Ueberschüffe für die Wittwe«- und Wassen-Versorgung wieder eingebracht.

* Hine« wichtige« Kescheid hat der Eisen - bahnminister Budde auf Grund einer vom DeutschenUhrmacherbundanda-Ministerium gerichteten Anfrage gegeben. Seiten« der deutschen, insbesondere der Berliner Uhrmacher wurde es unangenehm empfunden, daß die Mehrzahl sämmt- kicher öffentlichen Uhren ungenau gehen und selbst die Postuhren, welche täglich durch bestimmte telegraphisch nach allen Aemtern gegebene bestimmte Zeichen requlirt werden, blffniren. Die Ursache dieser Differenz bei den Postuhcen wird hervor­gerufen dadurch, daß die Beamten theils die Be­stimmungen über die Feststellung der Zeitangabe nicht genau kennen, theils aber auch in der Auf­gabe der Zeitangabe nicht genug sorgfältig vorgehen. Da den Uhrmachern aber die Feststellung der Zeit auf Sekunden dringend rothwrndtg ist, so hatte sich, wie die deutsche Uhrmacherzestung meldet, der deutsche Uhrmacherbund mit einer Eingabe an da« Ministerium der öffentlichen Arbeiten gewandt wegen Uebermittelung der genauen Zeitangaben durch die Bahnverwaltung an die Uhrmacher. Hier­auf ist unter b«m 16, d. M. folgender Bescheid eiugegangen: „Es findet sich nicht« dagegen zu er. inner», die vom Schlesi chen Bahnhöfe täglich Morgen« acht Uhr an alle Stationen der preußisch- hessischen Eisenbahnen übermittelte Zeitangabe (Mitteleuropäische Zeit) auch Privaten durch besondere Einrichtungen außerhalb der Telegraphen­zimmers kenntlich zu machen, wenn die Beschaffungs-, Unterhaltung«' und Betriebskosten dieser Einrich- tunge« erstattet werden." Rach diesem Bescheide sicht jedermann das Recht zu, gegen E:stattung der Anlage- und Unterhaltungskosten sich an di« bis auf einen Bruchtheil der Sekunden regulirten Bahnuhren anschlichen zu lassen.

* Die 14. allgemeine Konferenz hier dentsche« KjMichK itsvereine findet vom 5. bi« 7. Oktober in Heidelberg Katt. Die Kon­ferenz hat e« sich zur Aufgabe gesetzt, die großen öffentlichen Schäden auf dem Gebiete der Sitt- ltchkeit offen darzulegen und Mittel für iyre Ab­stellung zu gewinnen. Auf der reichhaltigen Tage«- ordnung de« diesjährigen Kongresses stehen folgende Themata: Gottesfurcht und Sittlichkeit. — Sitt­lichkeit und Volkswohlfahrt. — Zerstörende Mächte in unsere« Volksleben. — Der Kampf gegen di« Unsittlichkeit durch Familie und Schul«. — Der Kampf gegen di« Unsittlichkeit durch Kirche und Staat. — Mutterpflicht und Mutterrecht. — Ein­same Frauen. — Theater und Urberbrettl. — Ansichtskarten und Mutoskop«. — Kontrolle und Brüsseler Konferenz. — Die sittliche Bewahrung der männlichen Jugend bi» zum Eintritt in die Armee.

+ Die SpielSiartenfieSrikatirm «ob -Wrrfleuervug. Da» 3. Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs, Jchrgang 1902, enthält eine Ueberstcht über die Spielkarten­fabrikation und -Versteuerung im Deutsche« Reich für das Rechnungsjahr 1901. Die Anzahl der Spielkartsnfabriken behüt 29 (gegen 30 im Jahre 1900), und zwar im Königreich Preuße« 7 (je 2 in den Provinzen Sachse« und Hessen-Nassau,

„Herr Geheimraih! — vergessen Sie nicht, mit wem Sie sprechen."

„Durchaus nicht — ich denke mit Jemand, dem sein eigene» und auch andere Menschenleben doch noch mchr gelten al« all der Tand, den glück­lichen Zufall — oder vielleicht auch nur menschliche Eitelkeit mit seinem Namen verknüpft."

„Eitelkeit — Tand — der Name der Grafen v. Ostmark? Herr Geheimrath . . ."

„Gegenüber den Pflichten der Natur, die jetzt rufen, ist e» Tand, Herr Graf! Es handelt sich jetzt um Menschenleben."

„Um Menschenleben? Ist e« denn wirklich so­weit?"

„Er ist soweit gewesen, daß zwei Menschen­leben auf dem Spiele standen. Die erste Gefahr ist vorüber, Herr Graf. Jedoch sie kann »ieber» kommen — ein unbedachte« Wort, ein Blick, ein Ruck an dem zarten Lebenrfaden Ihrer Gattin und er kann durchbrochen fein für immer. — An Ihnen vor allem ist e«, Herr Graf, nicht frevent­lich wieder auf« Spiel zu fetzen, wa« soeben durch gütige Fügung der Vorsehung und vielleicht einige ärztliche Kunst gewonnen ist."

„Und wa« soll ich thun, Herr Geheimrath?" „Nichts, al« wa« die Natur Ihnen gebietet. Zeigen Sie sich Ihrem Kinde als Vater."

„Und die Mutter?"

„Wenn die Mutter sieht, daß di« Tochter da« Herz de« Vater« gewonnen, wird sie kaum noch einen weiteren Wunsch hegen."

„Und glauben Sie wirklich, daß sie mir ver­zeihen wird?"

„Eine Mutter, dem Vater ih es Kinde« nicht verzeihen? Sie kennen die weibliche Natur wirk-

je 1 in Pommer», Hannover und Rheinland), in Bayern und Sachse» je 8, in Hesse» 2 und je 1 in Bade», Mecklenburg, Thüringen und Braun­schweig. Hergestellt wurde» 5,427,321 Spiel« von 36 oder weniger Blättern und 1,067,605 Spiele von mehr als 36 Blätter»; al» Bestand waren am Schloß des Vorjahres «och vorhanden 881,636 und 194 804 ungestempelte Spiele dieser Arte». Hiervon wurden versteuert und im Im« lande abgesetzt 5,069,729 Spiele von 36 oder weniger Blättern und 175,282 Spiele von mehr als 36 Blättern, ausgeführt nach dem Ausland« 362,519 Spiele der kleineren und 876,357 der größeren Art; eingeführt wurden dagegen vom Ausland und nach Versteuerung in de» freien Verkehr gefetzt 24,367 bezw. 23.402 Spiele.

4- GsvaLSa« $ucb Lava kernte. Das 3. Vierteljahrs heft zur Statistik des Deutschen Reichs, Jahrgang 1902, bringt einen Nachweis über den Tabakbau und die Tabakernte des deutschen Zoll­gebiets im Jahre 1901, wonach 120490 Pflanzer eine Gesammtfiäche von 16963 ha mit Tabak bepflanzt (1900: 114 656 Pflanzer, 14 751 ha) und 40 013 t Tabak in dachretsem, trockenem Zustande, also durchschnittlich 2359 kg aus 1 ha geerntet haben (1900: 34 790 t 2359 kg aus 1 ha). Der Durchschnittspreis für 1 dz dieser Ernte betrug 85,43 Mk. (1900: 89,13 Mk.) einschließlich der Steuer, so daß der Gekämmt« werlh der Tabakernte sich aus 34,2 Millionen Mark (1900: 31,0 Millionen Mark berechnet.

* Mainz, 1. Okt. 1902. Die hessische Cen­trums presse veröffentlicht heute de» Aufruf zum siebte» hessischen Katholikentag. Der« selbe trägt die Unterschriften der CentrumS« mitglieder beider Häuser des Landtages, der Vertreter des Domkapitels, der Pfarrgeistlichkeit sowie einer großen Anzahl hervorragender Katho­liken des Hsssenlandes. Zunächst wird auf den glanzvollen Verlauf des Mannheimer Katholiken­tages hingewiesen und die Nothwendigkeit betont, die dort gefaßte» Beschlüsse in den Einzelstaaten zur Durchführung zu bringen. Die bevorstehen­den Landtagswahlen in Hrffen machen es dem katholische» VolkStheil zur gebieterischen Pflicht, gerade angesichts dieser wichtigen Entscheidung zu gemeinsamer Berathung zusammenzutreten. Auch der täglich sich steigernde Kampf gegen die katholische Kirche und daS Centrum mahnen zur Einheit und geschloffenem Vorgehen. „Wenn irgend eine Zett", heißt es, „die Einheit und Einigkeit der Katholiken erheischte, dann ist eS dse gegenwärtige, in der wir unsere Kirche ringS von Feinden umgeben sehen. Auf religiösem Gebiete bekämpft man uns durch Entstellung der katholischen Glaubens- und Sittenlehre, durch schmachvolle Verleumdung des geistlichen Stande». Man will die Katholiken trennen von dem lebendige» Felsen, auf den der Herr feine Kirche gebaut." Der Aufruf weist ferner auf die leidenschaftlichen Kämpfe hi», die um die Zoll- tarifomlage entbrannt find. DaS Centrum könne nur einer Politik zustimmen, die das Wohl aller VolkSklaffen auch in dieser Frage berücksichtige. Auch hierzu müsse der Katholikentag das Bild geschlossener Einheit gebe«. Die Versammlung wird zweifelsohne wieder eine glänzende Kund­gebung der hessische« Katholiken werden. Eine

lich schleckt, Herr Graf! Und erst Ihre Gattin, das edle Wes»'., welches bisher immer nur eine Sorge kannte — diejenige um ihren Gatten, um den sich alle ihre Groarken webe» ... sie und nicht verzeihen . . .!"

„Sie glauben wi:ilich? Dann will ich gehen — gleich, sofort!"

DerGraf schritt hastig auf die Thür zu, aber der Arzt vertret ihm den Weg:

„Nicht so stürmisch, Herr Graf, wenn ich bitten darf. Die Hauptsache ist, daß die Gräfin keine Aufregung erfährt. Machen wir deshalb keine Scene, sondern erledigen Alles In Ruhe und Ordnung."

„Nun, wie Sie befehlen, Herr Geheimrath. Ich überlasse mich ganz Ihrer Anordnung."

Eine halbe Stunde später trat Graf Ostmark in di« Gemächer seiner Gattin.

Im Vorzimmer kam ihm die Wärterin ent­gegen und legte ihm ein kleines Wesen in die Arme, welches in einer großen Woge vox blühend weißen Spitzen saft verschwand. Ein leises Zit­tern ging durch den Körper des ManneS, als er die kleinen Gliederchen betrachtete und leise mit seinen Lippen darüber hinfuhr: „Ja, es war doch nicht nur Einbildung daS Gefühl, Vater zu sein, von welchem der Arzt vorhin gesprochen hatte.

Zugleich regte sich in ihm noch mächtig ein anderes Bewußtsein.

Ohne ein Wort zu sagen behielt der Vater die kleine Spitzenwoge mit dem kostbaren Inhalt auf seinen Armen und trat in das anstoßende Zimmer, in welchem die junge Gräfin lag. Die zweite Wärterin, welche schweigend in der Nähe -