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> .».>>.»..» „THustnrle Sonntags-Zeitung , „Juldaer ßeschichtsblättet* und Cofterie-risfe.
JK 226. Juköa, Mittwoch, beu L Oktober 1902. 29. Jahrgang.
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K. Das Recht der Gnade
wird nicht ohne guten Grund als das schönste Borrecht der Könige gepriesen. Es ist ein Vorrecht, welches wie kein anderes geeignet ist, an das Gottesgnadenthum des historischen KönigthnmS zu erinnern. Wie der König von Gottes Gnaden ist, so ist ihm gleichsam auch ein göttliches Gnaden- recht verliehen, daS frei, wie es der Begriff der Gnade erfordert. Über menschlicher Satzung und Gerichtsbarkeit stehend, zum Besten des Volkes feine Wirksamkeit entfaltet. DaS Recht muß für alle gleich sein; eS leidet keine Ausnahmen, und nur in einem sehr beschränktem Umfange ist es dem Richter gegeben, durch Annahme mildernder Umstände die besonderen Verhältnisse des einzelnen Falles, die Art der Beweggründe, inneren oder äußeren Zwang, Reue und Ergebenheit des Angeklagten gebührend mit in Rechnung zu stellen. Es ist gut so; denn wäre es dem Richter gestattet, «eben dem Rechte und gegen das Recht auch Gnade zu Üben, so wäre der Willkür Thür und Thor geöffnet, und bei der Verschiedenheit der subjektiven Auffaffung würden die richterlichen Erkenntnisse bald so weit auseinandergehen, daß Niemand mehr sich in diesem EhaoS zurechtfände und daS Vertrauen auf Recht und Gerechtigkeit in feinem Fundamente erschüttert würde. Hier nun tritt das Begnadigungsrecht der Krone ergänzend und mildernd ein, es glättet die Härten deS starre« Rechtes, ohne doch baS Vertrauen in deffe« Festigkeit und Unparteilichkeit zu erschüttern.
Daraus ergeben sich aber auch gewiffe Grenz« und Richtlinien, ohne deren Beachtung die Handhabung des Gnadenrechtes in Widerstreit mit der Rechtspflege und Rechtsauffaffang deS Volkes geräth. Zunächst verlangt es das Wesen der Gnade, daß sie nicht alS etwas Gewöhnliche« und Gewohnheitsmäßiges, sondern als etwas Außerordentliches, als ein freies Geschenk der höchsten Gewalt im Staate erscheint. DaS Recht der Gnade darf nicht, auch nicht durch Gewohnheit, zum Recht auf Gnade werden, die Gnade nicht gleichsam als etwas Selbstverständliches einer gewissen Kategorie von Gesetzesübertretern in den Schooß fallen. Leider aber scheint diese stnnwidrige Auffaffung deS Gnadenrechte« immer mehr stch einzubürgern in Bezug auf gewiffe Arten von Verbrechen und Vergehen. E« find daS einerseits die Ausschreitungen von Schutzleuten im Amte, andererseits die Duellverbrechen. Ist doch erst in diesen Tage« wieder ein Duellmörder, der jugendliche Leutnant Thieme, der nach einer durchkneipten NenjahrSnacht mit dem Studenten Held in Jena eine unbedeutende Rempelei hatte und deswegen seine« Gegner zum Zweikampf heranSforderte und erschoß, nach acht Monaten Festungshaft begnadigt worden. Und warum? Besondere Umstände, die den Mord in milderem Lichte erscheine« kaffe« könnten, find nicht erkennbar; sonst hätte daS Kriegsgericht den
KiS -Rechenschaft.
Roman von Paul vom Wildbach.
21 ------(Nachdruck verboten.)
10. Kapitel.
Ein Wiederfinden.
Einige Stunden hatte der Brand de« neuen Volketheaier« gewüthct. Die Feuerwehr »ar mit Ausbietung aller Kräfte thätig gewesen und hatte manch gefährdetes Leben in Sicherheit gebracht, auch zur Rettung des der Vernichtung geweihten Gebäude- alles mögliche versucht. Schließlich aber mußte man doch jede Hoffnung aufgtben. und in Folge der Erschöpfung trat allmählich eine Pause in der fieberhaft betriebenen Löscharbeit ein.
Auch Graf Ostmark wandte endlich dem ttostlosen Aschenhaufen den Röcken und schlug, todtmüde vor Anstrengung und Aufregung, den Weg nach seiner Wohnung ein.
Es war noch sehr früh am Tage, die Schatten der Nacht waren noch nicht einmal ganz entwichen, und doch schien man ihn schon erwartet zu haben.
Der alte Laurenz tut ihm entgegen mit einer so ernsten Miene, daß der Gras unter andern Nmstänsen sofort nach der U fache gefragt haben würde. Aber heute lng die Erklärung ja fe nahe. Daß sein eigenes Leben in nächster Gefahr gewesen, konnte freilich kaum Jemand ahnen; aber wer sollte nicht w.ffe«, daß Graf Ostmark beim Neue« Theater mit Huni erttausende« be-
Mörder wohl auch schwerlich zu der unter den heutige« Verhältnissen al« schwer geltenden Strafe von 21/* Jahren Festungshaft verurtheilt.
Damit ist schon gesagt, daß hier auch die zweite wesentliche Voraussetzung der Anwendung deS Gnadenrechtes zu fehlen scheint, nämlich jene Voraussetzung, die sich au8 dem Zwecke des Gnadenrechtes ergibt: eine Härte in der Rechtsprechung zu mildern, wen« das Verhalten des Verurtheilten dazu Grund gewährt. Aber weder ist ix dem Verhalten des Leutnants Thieme ein Grund zur Begnadigung zu finden, noch darf eine Strafe von 21/* Jahren Festungshaft, die ja als „honorig" gilt, als hart bezeichnet werden gegenüber einem Verbrechen, daS wegen eines wahren Nichts ein blühendes Menschenleben gefordert hat.
Der Fall hat eine fatale Ähnlichkeit mit dem Fall be« Leutnant« Hildebrand, der, nachdem er einen jungen Kameraden, der im Begriffe war, eine liebe Gattin heimzuführen, gleichfalls nach einem Wortwechsel im Rausche im Duell erschaffen und erst wenige Monate seiner Strafe verbüßt hatte, begnadigt wurde. Da« Erstaunen der öffentlichen Meinung hierüber, da« zu einer vollen Empörung würfe, al« Hildebrand gar noch von seinen Kameraden wie zum Hohns auf da« zivile Recht«- bowußtsein im Triumphzug au« der Haft zur Bahn geleitet wurde, hat also nicht vermocht, von der verfehlten gewohnheitsmäßigen Anwendung be« Gnadenrechte« gegenüber Duellmördern in diesem neuen Falle abzuhalten. Man wird fich daran gewöhnen müssen, daß da» Votum der öffentlichen Meinung, mag es auch fast einmütig sich erheben, an gewisser Stelle keinen Eindruck macht. Da« entbindet aber weder die Organe der öffent- llchen Meinung, noch die gewählten Vertreter be« Volke« von der Pflicht, gegen eine solche Verkehrung be« schönsten Fürstenrechtes zu einer Karrtkatur Einspruch zu erheben und die verantwortlichen Rathgeber der Krone, deren VerantWortlichkeit für die Handhabung be« Begnadigungsrechte« be« preußische Jxstizminifirr im Jahre 1897 voll anerkannt hat, zur Rechenschaft zu ziehen. Bor allem aber muß > »t Protest gegen da« Duell immer kräftiger gersd-- auch in jenen Volksschichten erschallen, in denen sie Duell- uv fitte bisher heimisch war. Und da« t um «ich besser geschehen al« durch Beitritt zu de- Antiduellliga, welche Gegner de« Duell« verschiedene« Bekenntnisse», an ihrer Spitze Fürst Löwenstein, im »origen Jahre gegründet habe«. Vielleicht wird dann auch an den leitende« Stellen die Einsicht immer mehr fich Bahn brechen, daß gegen den Duellunfug weder schöne Reden noch halbe Verordnungen nütze«, sondern lediglich ein volle«, strenge« Verbot mit den nachtheiligsten, durch kein zur Gewohuhett gewordenes Begnadigen evtwertheten Folgen. Mord bleibt Mord, ob er nun durch einen besonderen Kodex der oberen Zehntausend in Regeln gefügt und zu gesellschaftlicher Gesetzeskraft erhoben ist oder nicht.
He«1fches Keich«
Berlin, 30. September 1902.
X Der Akeicholsg soll bekanntlich schon am 14. Oktober wieder zusammentreten. Rach der heiligt «ar? Rein Wunder, wenn auch der lang- ährige treue Diener a» ter Katastrophe eine rn-.hr al« gtwöhnliche Thrilnahme verri.'th.
Indessen, eS war nicht nur Theilaahme an den materiellen Inten ffm deS Hanfes. Der alte Laurenz ging hinter seinem Herrn mit einem so gravitätischen Schritte her, daß man erkennen konnte, er sei der Träger «och wichtigerer Posten. Und so war es auch.
Er trat hivter dem Grafen in daS Zimmer und blieb an der Thür in einer Haltung stehen, welche deutlich sagte, daß er nur den Beseh! zum Reden erwarte. DaS sah auch Graf Ostmark, und durch das Ereigniß dieser Nacht und die Theilnahme des alten Dieners milde gestimmt, sagte er: „Nun, Laurenz, was gibt es?"
Dem Angeredeten schien es, als ob diese Stimme seit Monaten nicht mehr so herablassend geklun- gen hätte, und auch in seine Brust zog ein weicheres Gefühl.
„Gnädiger Herr Graf," erwiderte er, „ich habe eine wichtige Mittheilung zu machen." — Und ohne auf eine Entgegnung zu warten fuhr er fort: „Die Frau Gräfin find heute Nacht von einem Kinde entbunden worden. Der Herr Graf find Vater geworden. . ."
„WaS sagst Du? . . . . Allmächtiger Gott, wie ist doch Glück im Unglück. . . Und 'S ist ein kräftiger Junge? Gesund und mit einer tüch- tigen Stimme. . . ? Komm, führe mich gleich hinüber zu meiner Frau . ... o, ich muß ste sehe« ... ich glaube... ich habe fie in der letzten Zeit etwas vernachläsfigt..." Die l> tz'en Morte erstarken ihm auf den Lippen, so daß fir der Diener nicht hörte.
Beschleunigung zu urtheilrn, mit welcher die Tariskommisfion feit einigen Tagen arbeitet, bar man vielleicht hoffen, daß der Zolltarif bald dem Plenum deS Reichstags oorgelezt werden kann. Dagegen scheint eS mit der Fertigstellung deS ReichShsushaltSetatS etwas zu hapern. Wenigstens glaubt eine Korrespondenz' melden zu könne«, der Umstand, daß der ReichSschatz- ftkcetär Frhr. v. Thiel mann durch de« Tod seines Schwiegersohnes feit einiger Zeit von Berlin ferngehalten worden fei, habe lähmend auf den Fortgang der oorbsreitenden Brrathungen des RrichShanSHalts eingewirkt. Herr v. Thiel- mann wird erst Ende dieser Woche auf feinen Posten zurückkehren. Wenn übrigens kürzlich der Fehlbetrag bei nächstjährigen Haushaltung-- planes für das Reich auf 150 oder gar 180 Millionen beziffert wurde, so sehen fich die,Berl. Pol. Nachr.', deren Beziehungen zu den leitende« Finanzämter« im Reiche und in Preußen wenig, stens früher unbestritten waren, dadurch veranlaßt, die Meldung nicht etwa zu dementiren, sondern indirekt zu bestätigen, indem er daraus wieder einmal die Folgerung zieht, die eigenen Einnahmen des Ruches müßten entsprechend erhöht werden. Sollen etwa Bier und Tabak bluten? Ein Defizit kann bekanntlich auch dadurch verringert werden, daß man die Ausgabe« tzerabmindert. Im Reichstage wird man nöthigen- falls vor einem „Streichkonzert" nicht zurück- schrecken; soweit dies aber nicht ausreicht zur Beseitigung des Defizits, müssen eben die Beiträge der Einzelstaaten um so mehr herangezogen werden. Ist dies den einzelflaatlichrn Finanzministern unangenehm — unS gewöhnliche« Steuerzahlern ist eS noch unangenehmer, wir lösnen aber unseren Finanzkxjellenz« nur den guten Rath geben: im Bundesrath haltet die Taschen zu, oan« werdet ihr auch am Reichstag eine kräftige S'ütze haben!
* Netto riegMrtHUl für daS Heer hat der Kaiser lo t der .Köln. Ztg/ unterm 22. September 1902 genehmigt, die, 28 an der Zahl, an Stelle der 55 KriegSartikel vom 31. Oktober 1872 zu treten habe«. Zugleich hat der Kaiser bestimmt, daß diese neuen KriegSartikel bei jeder Kompagnie, ESla^ro« und Batterie sogleich nach ihrer Bekanntmachung und demnächst alljährlich mehrmals, sowie auch einem jeden «eu eintre tendenSo l baten vor derAbleistung deS Fahneneides langsam und deutlich vor- gelesen werden sollen, de« der deutsche« Sprache nicht kundige« Soldaten in ihrer Muttersprache vorzulesen und zu idiesem Zweck die nöthige« Uebersetznngen alsbald anzufertigen sind. Die neue« Kriegsartikel lauten i« ihren Hauptparagraphen:
Eingedenk seines hohen Berufs, Thron und »ater« land zu schlitzen, muß der Soldat stet« eifrig bemüht feto, f-tne Pflichten zu erfüllen Der Dienst bet der Fahttk ist bte Schule für den Krieg; war der Soldat »ährend seiner Dieofizrtt gelernt bat, soll er auch tot Beurlaubter stände fich erhalten. Die unverbrüchlichste Währung der im Fahneneide gelobten Treue ist die erste Pflicht deS Soldaten Nichstoem erfordert der Beruf »es Soldaten: KriegSferttgkett, Rnttz bet allen Dtenst- obliegenheiten, Tapferkeit tm Kriege, Gehorsam gegen die Borgefttzten, ehrenhafte Führung in und außer Dienst, gute- und redliches Berhalten gegen die Kameraden. Jeder rechtschaffene, unverzagte und ehrliebende Soldat darf der Anerkennung und deS Wohlwollens SMSVtMWl I ——m —■
Aber Laurenz regte sich nicht von der Stelle: „Die Frau Gräfin find p-hr angegttffe« und der Arzt hat jede Aufregung strengstens verboten. Die kleine Komtesse ist auch ein sehr zartes Wese«, und wie der Arzt sagt, ist eS als ein groß S Glück zu preisen, daß der Schrecke« dieser Nacht nicht Matter uni, Tochter daS Leben gekostet hat."
„Also nur ein MärchenI" klang es enttäuscht von den Lippen deS Hausherrn.
Er hatte immer so stolz an den Träger feint« NamenS gedacht — wofür hatte er fich beim geplagt und gearbeitet, sich in die taufend große« Unternehmungen gestürzt — und ruh war auch diese Hcffaung zu Wasser geworden I — O, wie hatte er fich doch mit dieser Heirath getäuscht! — Tiefe Falten legten fich auf die Stirn de« Graf en, rührend er schweigend mit lange« Schritte« das Zimmer maß.
„Darf ich her Frau Gräfin melden, daß der Herr Graf zurückgekebrt find und fich des besten Wohlseins erfreuen. Die Frau Gräfin hatte sich sehr geängstigt. . unterbrach endlich der Diener Vie peinliche Stille.
„Sich geängstigt — meinetwegen?" erwiderte ntter der Graf. „Warum denn immer so tagst, ich fein? Die Gräfin weiß doch, daß ich daS nicht gerne habe."
„tUb darf ich den Herrn Grafen rufen, wenn >er Arzt e« gestattet, 6er augenblicklich noch um die Fra« Gräfin und das Kind beschäftigt ist?"
„Das magst Du thun!" klang eS in fast gleichgiltigem Tone von be« Lippe« des Grafen. -Das weichere Gefühl, welches vorhin über ihn ekommen, war alsbald wieder verschwunden, a!S sein Stolz nicht seine Genüge gefunden hatte.
seiner Vorgesetzten verfichert feto. Dem Soldaten steht «ach seinen Fähi.ketten und kenntniffen der Weg selbst zu den höchsten Stellen im Heere offen. Wer fich durch Tapferkeit und Muth hervorthut oder in langer Dieustzett gut führt, hat für feine treue Pflichterfüllung die verdiente Belohnung durch ehrenvolle Auszeichnungen zu ermarten. Wer nach längerer vorwurfsfreier Dienstzeit die Besch», rdrn des Dienste« nicht mehr zu ertragen vermag, »er durch Verwundung vor dem Feinde dienstunfähig wird oder sonst tm Dienste zu Schaden kommt, erwirbt den Anspruch auf Pension oder Anstellung tm Ctvtldienste. Freiheitsstrafen von mehr al- 6 Wochen »erde» auf die aklive Dienstzeit nicht an- gerechuet. Die Feigheit ist für den Soldaten besonder» schimpflich und entehrend; niemals darf er sich durch Furcht vor persönlicher Gefahr von der Erfüllung seiner BerufSpflichte» abwendig machen laff n. Der feige Soldat hat schwere Freiheits, und Ehrenstrafen, im Kriege Zuchthaus oder die Todesstrafe zu erwarte». Der ehrenvolle Beruf des Soldaten darf durch ehrenwidrige Behandlung desselben nicht herabgewürdtgt werde». Wer die Untergebenen vorschriftswidrig behandelt, beleidigt oder gar mißhandelt, oder »er seine Dienstgewalt dazu mißbraucht, um auf Kosten seiner Untergebenen fich Borlheile zu verschaffen, wird nach» drücklich bestraft. Glaubt der Soldat, Veranlassung zur Beschwerde zu habe«, so ist er dennoch verbunden, seine Dienstobliegenheiten unweigerlich zu erfüllen und erst demnächst seine Beschwerde auf dem verordneten Wege anzubringen. Wer eine Beschwerde auf unwahre Behauptungen stützt oder unter Abweichung von dem vor« geschriebenen Dienstwege »«bringt, wird mit Freiheitsstrafe belegt. Gemeinsame Brrathungen von Soldaten üver militärische Angelegenheiten, Einrichtungen oder Befehle ohne dienstliche Genehmigung, sowie daS Sammeln von Unterschriften zu einer gemeinsamen Beschwerde find mit der militärischen ManneSzucht nicht vereinbar und »erde» bestraft. Schwere Strafe trifft denjenigen, welcher e» unternimmt, Mißvergnügen in Beztehaug auf den Dienst unter feinen Kameraden zu erregen.
Jrn Vergleich zu den bisherigen Kriegsartikeln macht eS einen wohlthuenden Eindruck, daß zu- nächst die Anerkennungen für treu geleistete Dienste, dann erst die Verbote und Strafen aufgezählt werde«, bei denen die Todesstrafe erheblich eingeschränkt ist und die Freiheitsstrafen nicht mehr «ach ihrer Zeitdauer angegeben werden. Hierdurch ist eine erwünschte Vereinfachung eingetreten, welche für oe« Soldaten ein leichteres Verfländniß der KriegSartikel beim Vorlesen zur Folge habe« wird. Die neuen Artikel find in zeitgemäßer Weise erheblich verbessert worden und zeichnen stch durch eine wohl- tbuenbe Kürze und große Klarheit aus. Einzelne A tikel, wie z. B. die gewaltsame oder bedrohliche Hinderung eines Vorgesetzten an der Ausführung eines Dienstbefehles, find ganz fortgefallen. Da die Artikel den der deutsche« Sprache nicht Mächtigen in ihrer Muttersprache vorzelesen werden müssen, werden fie beim 1. Armeekorps in die litauische, beim 5. in die polnische, beim 9. in die dänische und beim 15. Armeekorps in die französische Sprache übersetzt. Man hält ihr Derständniß also für so wichtig, baß sogar die blinde Germanifirungswuth der gegenwärtigen Regierurgsmän«er vor ihnen Halt macht. Und die Religion? Hält nun beten Verständniß für minder wichtiger als das der Kriegsartikel?! Fast scheint eS so, denn man verweigert de« Religionsunterricht in der Muttersprache. Das paßt fteilich schlecht zu den Worten drS Kaisers, >er gerade auch fein Heer unter das Zeichen deS Kreuzes stellte!
X Inbttßrie «rrd WoH«tt«g»ttoih brauchen nicht nothwendig mit einander in ursächlichem
Damit mar auck Alles wir der v-rgessen, waS ihn zu ernstem Nachdenken hätte veranlassen müssen.
E: mußte warten, bis der Diener Antwort azen würde, aber feine Nerven wate« zu erregt, als daß tr hatte ruhig fein können. Mit den Stiefel« warf er fich aus'S Sopho, gleich darauf aber erhob er fich schon wieder und ging mit großen Schritten durch das Zimmer, als sollte dadurch der innere Krurm niedergehalten werde«.
Aber es gelasg ihm nur schlecht. Er hatte in seinem Fmnilienlrbrn die öefriebiguna bisher r icht gesunden, die er früher davon erhofft hatte. Daß die Schuld an ihm selbst lag, und daß er die Ruhe in seinem Jauern noch nie recht gesucht hatte, sab er nicht ein.
Wie hatte er vor wenig Stunden geglaubt, endlich am Ziele feiner Wünsche zu sein, Reich« thum, Ehre und Ansehen oben und unten, ja bei der gesummten Mitwelt in reichem Maße einheimsen zu dürfen: da sah er ix dem Fruermeer der entsetzlichen Katastrophe alle diese AuSfichte« in Dunst und Rauch aufzehen!
Jetzt kam auch noch die Täuschung bezüglich deS erhoffte« Kindes. Er hatte eS für selbstverständlich gehalten, daß ihm von feiner Satti« ei« männlicher Leibeserbe geschenkt würde. Ec Hüfte auch alle materielle« Verluste und Enttäuschungen leicht überwinden rolle«, für de« Glanz des Hauses und bet Familie gern alle Unternehmungen wieder von vorn angefangen: da ört er jetzt, daß ihm eine Tochter geboren ist!
Diese unb ähnliche Grbanke« gingen dem Grafe« fortwährend durch de« Kopf, und sie machten feine Stimmung immer bitterer.