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„ffluslrirte Sonntags-Zeitung", „iuldaer Geschichtsbläftet' und rotierte-riste.
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JE 224.
Jutöa, Montag, den 29. September 1902. .
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29. Jahrgang.
AeßrMge» auf das 4. Kartal 1902 der ,F «ldaer Zeitung«werde« fortwährend von alle« Postanstalteu, Landbriefträger« uud vo« unserer Expedition (Harmonie) entgegengenommeu.
G Toleranz.
Kürzlich hat ein evangelischer Geistlicher in Breslau ein vortreffliches Wort gesprochen. Es war der protestantische Propst Decke, der diese Worte in einer Rede sprach, die er an den in der Bernhardt-Kirche versammelten evangelischen Gesellenverein richtete. „SBBenn ein Katholik in unsere Mitte kommt, soll er kein Wort hören, dar ihn verletzen könnte. Jedem Menschen ist fein Glaube heilig und theurr. Wem der Glaube nicht heilig und theuer ist, dem ist weder Vater noch Mutter, noch der Allerhöchste da droben theuer. Die Uebrrzeugung des Andern muß man achten; darum darf kein Wort der Feindschaft und des Haffes gegenüber einem Katholiken über unsere Lippen kommen. Friede ernährt, Unfriede verzehrt."
Das ist wirklich Toleranz. Die wirkliche Toleranz hört aber schon auf, wenn man gefliffent- lich die eigene Konfession als ein Muster der Toleranz hinstellt und ebenso geflissentlich die andere Konfession der Intoleranz verdächtigt. Der Geh. Kirchenrath Professor Pank aus Leipzig hat in diesen Tagen die Hauptversammlung des Gustav Adolf > Vereins in Raffel mit einer Rede eröffnet, die vielfache Besprechung in der Preffe findet und u. A. auch von der Toleranz handelt. „Die erste Grundbedingung der Toleranz" nannte Herr Geheimrath Pank »die innere Toleranz, die Achtung anderer religiöser Ueber- zeugung"; damit hatte er, ja ganz recht, auch damit, daß er sagte: „Wer diese Toleranz besitzt, kann eine andere Kirche nicht verunglimpfen." Mit Genugtyuung verzeichnen wir auch eine beifällige Bemerkung, welche die konservative.Kreuz- ztg/ an diese Worte des GrheimratheS Pank knüpft. „In der heutigen Zeit, wo sich Bestrebungen geltend machen, die auf eine Spaltung des deutschen Volkes in zwei feindliche Lager hinauslaufen, ist eine derartige Mahnung durchaus am Platze. Wir haben mehrfach Anlaß gehabt, sie an unsere evangelischen Glaubensgenosse» zu richten und sind dabei von der Auffaffung ausgegangen, daß gerade die evangelische Kirche die Toleranz in besonderem Maße zu pflegen berufen ist. . . ." So schreibt die ,Kreuzzig.', die diese Worte an dteAdreffe des Evangelischen Bundes richtet, von dem auch Profeffor Pank nicht allzu viel wissen will. Denn er verwahrte den Gustav Adolf- Verein dagegen, daß man „eine verdächtige Liaison konstruire zwischen ihm und dem Evangelischen Bunde."
DaS alles ist sehr schön und gut und muß den Beifall jedes Menschen haben, der von der bewußten „inneren Toleranz" durchdrungen ist. Aber Seheimrath Pank hat in Kassel auch noch andere Worte gesprochen.
KiS Rechenschaft.
Roman von Paul vom Wrldbach.
19 ------(Nachdruck verboten.)
Wenn da« Unternehmen einschlug — und daran war ein Zweifel ja gar nicht mehr möglich — dann winkten den Unternehmern Reichthum und Ehren, wie sie bi« jetzt noch keinem Sterblichen zu Theil geworden.
Und dach schienen diese Aufsichten denjenigen, welchem sie in erster Linie galten, den Grafen Ostmark, keineswegs glücklich zu machen.
Gerade eben faß der mit allen Glücksgütern so überschüttete Mann in seinem luxuriösen Arbeitszimmer und hielt mißmuthig dar Haupt in die linke Hand gestützt. Einige Schriften lagen vor ihm und harrten seiner Unterschrift, durch welche ihm wieder Tausende und Abertausende in den Schooß fallen konnten, aber seine Gedanken waren nicht dabei. War nutzte ihm aller Reichthum, Glanz und Ehre, wenn ihm die innere Befriedigung fehlte, welche allein den Menschen glücklich macht? Wie ein Ekel überkam e« ihn vor dem hohlen Treiben, und er hätte ihm am liebsten für immer entfliehen mögen, wenn er nur gewußt hätte, wohin.
Ja, wohin? — War er nicht ein glücklicher Familienvater, hatte er nicht ein Weib, das ihm Liebe und seinen Unternehmungen Verständniß entgegenbrachte? — O doch, an der Liebe fehlte es bei seiner Gattin nicht, das mußte er selbst ihr zugeben, und auch am Verständniß für sein Thun und Treiben fehlte es ihr nicht — nein, im Gegentheil, eher hatte sie zu viel Verständniß für die Sache, aber fie widerstrebte ihr.
„Wir stellen — sagte er — zwei Anträge an die Leiter und Vorsteher der katholischen Kirche. Der erste betrifft die Mischehen und damit im Zusammenhänge die Kindererziehung.. Herrschen in dieser Beziehung gleiche Grund- sätze (bei beiden Konfessionen)? Mit Nichten, sondern man gewährt die Trauung nur in solchen Fällen, wo man sicher ist, daß die Erziehung der Kinder in der katholischen Religion erfolgt; man fordert alle Kinder für sich .. . Dasselbe gilt von dem kirchlichen Begräbniß. Während die Evangelischen den Katholiken Aufnahme in Reihe und Glied ihrer Gr- meindemitglieder gewähren, weist die katholische Kirche den Protestanten in der Diaspora die Selbstmörderecke zu . . ."
Damit hat nun Seheimrath Pank selbst das Gebiet der „inneren Toleranz" und leider auch das Gebiet der vollen Wahrhaftigkeit verlassen. Denn seine Behandlung der Kirchhofsfrage widerspricht der Wahrheit. Erstens haben sich in vielen Fällen gerade protestantische Prediger und Gemeinden ganz entsetzlich intolerant gezeigt gegen die Beerdigung von zerstreut lebenden Katholiken; und zweitens kann eS dem Redner unmöglich entgangen sein, daß er mit seiner Aeußerung in der vorliegenden ganz allgemeinen Fassung den Katholiken und der katholischen Kirche unrecht gethan hat. Die grausige Geschichte von der „Selbstmörderecke" ist doch ganz einfach umdahr; und wenn in einzelnen Fällen von Katholiken so gehandelt worden ist, dann haben sie eben auch unrecht gehandelt, und dann ist ihre Handlungsweise vom Standpunkte der wahren Toleranz aus ohne weiteres zu verur- theilen. Darin wird uns jeder gebildete Katholik ohne weiteres zustimmen. Herrn Professor Pank aber kann man nur Bedauern aussprechen, daß er feinen voraufgegangenen schönen Lehrsätzen gleich selbst im Verlaufe seiner eigenen Rede in so schroffer Weise widersprochen hat.
Das Thema von den Mischehen braucht wohl nicht erst weiter behandelt zu werden. Wenn die katholische Kirche die innere Disziplin übt, so hat daS mit Toleranz und Intoleranz doch nicht das Mindeste zu thun. Es ist doch » tter allen Umständen besser, daß innerhalb ev r Familie eine und dieselbe Konfession herrscht, uib wenn die evangelischen Landeskirchen in der B Handlung der Mischehen ebenso verfahren wollen, wie die katholische Kirche, so wird kein Katholik etwas dagegen einzuwenden haben.
Nicht Profeffor Pank selbst, sondern einige Zeitungen benützen diese Gelegenheit zu einem neuen Feldzuge gegen die katholische sowohl als auch protestantische Orthodoxie und beschuldigen diese Letztere der „härtesten Intoleranz" und dergleichen mehr gegen die Freigeisterei. Auch daS ist natürlich eine falsche Anwendung des Wortes „Toleranz". In der Lehre muß man doch unbedingt streng fein; sonst macht man sich nicht zum Werkzeuge wahrer Toleranz, sondern pflegt bedauerliche» Jndifferentismus, tadelns- werthe Gleichgiltigkeit in religiösen Dingen. Und solche Gleichgiltigkeit ist der erste Schritt zum völligen Abfall vom Glauben. Ungläubige Personen fallen nicht in den Begriff der guten und straffen Kirchenzucht nach den Auffassungen
Bei der Gründung der Aktiengesell.chaft war die Gräfin die Gegnerin ihres Sotten gewesen, und Alles, was seitdem geschehen war, hatte eben so wenig ihren Beifall gefunden.
Freilich hatte die Gräfin niemals dagegen gepoltert, wenn fie von einem neuen, die alten Grundlagen umkehrenden Unternehmen hörte; daS hätte ihrem sanften Naturell wenig ent- sprachen. Nein, ihr Widerstreben äußerte sich in Ruhe und Zurückhaltung, aber eS war deshalb nicht minder deutlich.
„Willst Du das denn nicht den Leuten Über- kaffen, welche den Beruf zu derlei Dingen haben, den Geldmännern, den Geschäftsleuten?" pflegte sie dzn Gatten zu fragen. „Mir deucht, unser Beruf, der Beruf unseres adeligen Standes, stellt unS andere Aufgaben. Auch unsere Ahnen haben ihren Ruhm auf anderem, idealerem Gebiete gesucht, und unser HauS ist dadurch groß und angesehen worden."
Er konnte solche Rede nicht widerlegen, noch weniger aber mochte er ihr beipflichte«, denn sonst hätte er Alles aufgeben müssen, wonach sein Sinn strebte: Die bedeutungsvolle Rolle bei allen großen Unternehmen und damit auch die hervorragende glänzende Stellung in der Gesellschaft. Er aber wollte etwas gelten, er wollte glänzen und gefeiert fein. So befand er sich in einem ununterbrochenen Zwiespalt mit dem Wesen seiner Gattin, der mehr das stille, bescheidene Wirken zusagte, und die ihren Ruhm darin gesehen hätte, alle ihre Untergebenen glücklich zu machen, aber möglichst wenig Vortheil von ihnen für sich selbst zu ziehen.
Sie widersetzte sich auch keiner seiner An-
unserer Zett. Aber die Lchre muß mit aller Strenge rein gehalten werden, von jedem Bekenntnisse in feinem eigenen Gebiete; und die Ausübung dieser heilsamen Strenge tm eigenen Hause hat auch nicht einen einzigen Berührungspunkt mit dem, waS unter Toleranz gegen andere Bekenntnisse zu verstehe» ist.
Berflin, 27. September 1902.
+ Dir freifi««ige MslÜoparlei hat sich in Hamburg zu einem Parteitage versammelt, der bei seinen Mitgliedern augenscheinlich als etwas sehr Wichtiges gilt. Fast alle Abgeordneten aus dem Reichstage und aus den einzelnen Landtagen, die der Partei angehören, sind in Hamburg er- erschienen, und die Verhandlungen de« Parteitages finden unter dem strengsten Ausschlüsse der Oeffentlichleit statt. Auch Vertreter der Presse sind nicht zugelassen worden. Mindestens sollte die Volkspartei der Oeffentlichkeit etwa« von ihre» Beschlüssen mittheilen. Sonst könnten mißtrauische Menschen leicht auf den Gedanken kommen, daß es zu Einigungsbeschlüffen gar nicht kommen konnte.
* Aßarlemag«e Garver, der neue amerikanische Botschafter am Berliner Hofe, ist am 17. April 1848 in Philadelphia geboren und genoß in verschiedenen Schulen und höheren Lehranstalten, zuletzt auf der Harvard-Universität, eine vorzügliche Ausbildung. Von 1872—1876 studirte er in Europa Geschichte, Sprachen und Literatur und ging nach Philadelphia, um sich für die Rechtipraxir weiter auszubilden. Darm verzog er nach dem Nordwesten und lebte in Duluth, Minnesota von 1882—87. Im Jahre 1897 ernannte ihn Mac Kinley zum Gesandten in Wien, und im Januar 1899 wurde er zum Botschafter in Petersburg befördert Auch al» Schriftsteller hat sich Herr Tower bereits einen Namen gemacht, vor allem durch feto zweibändige« Werk „Der Marquis de la Fayette to der amerikanischen Revolution". Der bisherige Botschafter in Berlin, Herr Andrew D. White, bet Anfang« November seinen 70. Geburtstag feiert, tritt in den Ruhestand.
+ Ilutzkarrd mrtz der As«del»vertr«g. Die Nachricht, Rußland wolle den Handelsvertrag mit Deutschland mit dem letzten Dezember 1902 kündige», findet nirgends Glauben. Zunächst kommt die Thatsache irk Betracht, daß ver russische Finanzminister nachOstafien abgereist ist; nach neueren Meldungen deswegen, weil bei den Bahnbauten in der Mandschurei und in dem angrenzenden chinesischen Gebiete allerhand „Unregelmäßigkeiten" vorgekommen find, also Unterschlrise, in klarem Deutsch auSgedrÜckt. Dann aber machen selbst sreidändlerische Blätter darauf aufmerksam, daß die Nachricht an innerer Unwahrscheinlichkeit leidet, weil Rußland eine viel größere Ausfuhr nach Deutschland hat als umgekehrt, also mit Zollkrieg«» und ähnlichen harten Maßnahmen vornehmlich in'S eigene Fleisch schneiden würde. Noch in der neueren Zeit ist die Einfuhr nach Deutschland aus dem Zarenreiche nicht unerhed-
otbnungen in gesellschaftlicher Beziehung, obgleich ihr du« zerstreuende Festtreiben ebenso unsympathisch war, wie die geschäftliche» Spekulationen. Sir zeigte sich ihrem Gatten zu gefallen bei alle» Feste», fie war stets heiter und freundlich, sie repräsertirte, wo er eS wünschte und der gute Ton es erforderte, so schwer es ihr au h manchmal a»k«m.
So konnte er ihr keinen Vorwurf mache«, aber gerade ihre Ruhe, die olle Verhältnisse beherrschte und sich durch nichts an fechte» und beherrschen ließ, war für ihn eine ständige Predigt, daß seine eigenen Ziele eitel seien. Dieser Zwiespalt vergiftete fein Dasein, und er übte Rache an seiner Gattin durch die Kälte, mit der er ihr begegnete, und indem er ihr möglichst wenig von feinen Pläne» mittheilte.
Heute Abend sollte ft? ihn zu der Vorstellung im Volkstheater begleite». — Wie fie urtheilen würde über die seichten Produkte des modernen Geschmacks, für welche so viel Zeit, Mühe und Geld verschwendet worden war?
Und wie würde erst seine Schwester Cora urtheilen? DaS Widerstrebe» gegen sein Gehabten, welche« bei seiner Gattin in sanfter Zurückhaltung sich kundgab, äußerte sich bei ihr oft genug in lauten Vorwürfen. DaS Mädchen war ihm überhaupt ein Räthsel geworden. Seit Hohenthal's Besuch im vorigen Jahre war das früher so übermüthige leichte Blut wie umge- wandelt, so ernst und zurückhaltend, fast verschlossen war fie geworden.
Ostmark hatte dies anfangs, ebenso wie seine Gattin, auf den Eindruck des ernsten Hohen- thal zurückgeführt und geglaubt, daß Pläne
lich gestiegen; unter den Verbrauchern russischer AuSfuhr-Waaren steht Deutschland jetzt an erster Stelle, nahzu der vierte Theil der ganzen russischen Ausfuhr geht nach Deutschland. Umgekehrt hat die deutsche Einfuhr nach Rußland in neuerer Zeit abgenommen, so daß wir solchen russischen KündigungS-Gelüsten, wenn fie überhaupt bestehen, mit großer Gelassenheit begegnen können.
4- I«r Aeyandl««, der Ileischkrage. Für diesen letzten Sonntag ist eine gemeinsame Berathnng der Minister des Innern von Sachsen, Baden und Württemberg in Stuttgart über die Frage der Fleiichtheuerung angekündigt worden. Da die Zusammenkunft in Stuttgart stattstnden sollte, ist die Einladung dazu wobl von der Württembergs chen Regierung ausgegangen.
+ Einfuhr «o« levesde« Schweine«. Die Stadtverordneten in Aachen haben beschlossen, in einer Eingabe an den preußischen Landwtrth« schaftsminister um die Einfuhr von wöchentlich 250 lebende» Schweinen aus Belgien und Holland nach dem Schlachthofe in Aachen zu bitten. Die Einfuhr geschlachteter Schweine steht doch ohnehin frei. Da nun Aachen so nahe an der Grenze liegt, könnte das Bedürfnis auch durch die Einfuhr geschlachteter Schweine gedeckt werden. Warum geschieht das nicht? Vermnthlich deswegen, weil in Holland und Belgien nicht so viele Schweine vorhanden find, wie die Aachener es wünschen; und dann würde auch dieGrnehmi- gung der Aachener Wünsche nichts nützen, gegen deren Erfüllung auf eine bestimmte beschränkte Zeit hinaus grundsätzliche Einwände kaum erhoben werden können. Natürlich müßten dabei sehr strenge VorfichtSmaßregeln getroffen werden gegen die Seucheneinschleppung; denn Holland ist sogar sehr stark verseucht. Die entgegengesetzten Behauptungen lassen sich sofort als irrthümlich nachweisen.
* Die zweite Lesuug des Zolltarifs wird in der Kommission vvrausfichttich am Dienstag ober Mittwoch zu Ende geführt »erden. Ob da« Zolltarifg esetz ähnlich rasch wird erledigt werde» können, darüber gehen di« Vermuthungen auseinander. Rur zweifelt man nicht mehr, daß man bis zum Wiederbeginn der Reichstagssttzungen, die am 14. Oktober ihren Anfang nehmen solle», gut und gern fertig werden wird. Wenn die «Deutsche Tagesztg/ bereit« meint, die äußerste Linke scheine die Absicht, die Erledigung des Tarif» möglichst zu verzögern, aufgegeben zu haben, so dürfte sie sich leider täuschen. Den Sozialdemokraten liegt ja gerade daran, die Vorlage bald an'» Plenum gelangen zu lassen, um dort Agitation«- reden halten zu können und das Verschleppungs- Werk fortzusetzen.
• Zur Reform he« Arankenkasse«--- fetze«. Als eine« der Haupthindernisse für da» neue Krankenkassengesetz galt, wie die Leser sich erinnern werden, die beabsichtigte Verdoppelung der Karenzzeit von 13 auf 26 Woche». Wie nun die ,Nat.>Lib.-Korresp/ hört, haben sich jetzt alle Einzelregierungen mit dieser Verdoppelung einverstanden erklärt. — E« ist übrigen» durchaus falsch, wenn die ,Nat.-Lib.-Korr/ von einer „Verlängerung der Karenzzeit" redet. Es handelt sich um die Verlängerung der Unter« stützungSzeü in Krankheitsfällen, so daß alsdann
einer ehelichen Verbindung mit seinem Jugendfreund« bei Cora freudigste Zustimmung finde» würden. Um so größer war feine Enttäuschung, als er, wie er feiner Zsit versprochen, bei günstiger Gelegenheit einmal „auf den Busch zu klopfen" versuchte. Die erhaltene Antwort war so entschieden abweisend, daß man Hohenthal gar nickt zu einem weiteres Besuche einlud.
Seitdem waren Monate vergangen. Hohenthal hatte seine neue Expedition in Afrika angetreten, und zum Erstaunen Aller, welche von den Vorgängen im Donau club bei dem ersten Besuch Hohenthal's Kenntniß erhalten, hatte fich ihm auch sein damaliger Gegner, Leutnant Kurt dbn Scharfenegg, angeschloffen. Dies Ereigniß bildete eine lange Zeit den Gesprächsstoff in der Gesellschaft, aber weiter hatte man doch nicht» Besonderes darin g-funben und es schließlich wieder vergessen. Daß nach Hohenthal's Ablehnung die Gedanken der ernst gewordene» Rota doch mit nach Afrika gezogen sei» könnten, ver- mutbete kein Mensch.
Ostmark hatte dann dem einen oder anderen der jungen StandeSger offen eine Ermnthigung zu Theil werden lassen, sich seiner Schwester zu nähern, aber Alles war an ihrem entschiedenen Widerspruche gescheitert. »WaS hatte das zu bedeuten, und was sollte daraus noch werden?
Plötzlich fuhr der Graf aus seinem Brüte» auf . , . Er zog die Uhr, welche die elfte Morgen- stunde zeigte. Es war Zeit, um zum Bankier Löwenthal zu fahren und noch die letzten Anordnungen wegen der Feier im Theater zu besprechen.
Der Bankier schwamm in vollem Jubel, —