Mocherr-Rrmdschrm.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 27. Sept. 1902.
Zwei Kaiser-Telegramme haben viel von sich reden gemacht: noch immer das so viel schon besprochene Telegramm von Swinemünde an den Prinzregenten von Bayern, und außerdem ein Telegramm, das der Kabinctschef v. LucanuS auf kaiserlichen Befehl an den Major v. Tiedemann gesandt Hit, den Vorsitzenden des sogen. Deutschen Tages in Danzig. Dieser Deutsche Tag war veranstaltet von dem Ostmarken-Verein. Diese Versammlung hatte ein Huldigungstelegramm an den Kaiser gesandt und darauf durch Herrn v. Lucanus eine Antwort erhalten, in der der Satz vorkommt: „Seine Majestät freuen sich, über die treue Mitarbeit des Vereins an der Erhaltung und Stärkung deutscher Art und Sitte . .* Herr Geheimrath v. Lucanus ist mit dir Abfassung dieses Telegramms augenscheinlich ein wenig eilig vor- gegangen; denn dieser Satz darin steht in offenbarem Gegensätze zu einer Stelle der Posener Kaiserrede. In Posen hat der Kaiser sich nachdrücklich dagegen verwahrt, daß den Polen ihre Stammeseigenthümlich- keiten mißgönnt oder gar geraubt werden sollten. Zu diesen Stammeseigenthümlichkeiten gehört aber in allererster Reihe die polnische Sprache, und in einer Entschließung, die der Deutschentag in Danzig faßte, ist der Kampf gegen die polnische Sprache so deutlich angekündigt, wie nur irgend möglich, so daß sogar Zeitungen, die sonst den Hakatisten recht freundlich zegenüberstehen, ihr Mißfallen darüber aussprachen. Der Jubel der Hakatistenpresse über diese» Kaisertelegramm hat also augenscheinlich nur recht geringe Berechtigung.
Das Swinemünder Telegramm ist noch einmal in Versammlungsreden der bayerischen CcntrumS- abgeordnetcn Dr. Pichler und Dr. Schädler besprochen worden. Domkapitular Dr. Pichler sprach darüber in einer vom Centrumsverein in Straubing veranstalteten Versammlung. Er sprach dabei unter anderem:
„Wir verwahren und verbieten uns jede Einmischung von jeder Seite, sei sie, wer sie wolle. Der Kaiser ist der Vorsitzende des Bundesrathes und sonst nicht». Wir erinnern uns so recht wieder an die schönen Worte, die Prinz Ludwig in Moskau sprach: Wir sind Verbündete und keine Vasallen . . Reservatrecht um Reservatrecht wurde uns genommen. So geht die Entwickelung ihren Weg. Durch des Kaiser» rastlose Thätigkeit werden die Sympathien für ihn immer größer, überall thut er mit und ist dabei . . . Da» ganze bayerische Bolk wünscht, daß unsere Prinzen vom Königrhause mehr al» bisher unter das Volk heraustreten und mit dem Volke leben, al» sie bis jetzt gethan haben . . .*
In theilweise ähnlicher Art hat sich Domdechant Dr. Schädler in der Generalversammlung de» Bauernvereins in Tuntenhausen ausgesprochen.
„Der Kaiser — sagte er — hat die schärfste Kritik an einem legitimen Beschluffe der bayerischen Kammer geübt. Wie kommt er dazu, in einer bayerischen Angelegenheit, die nicht persönliche Sache des Prinzregenten war, Stellung zu nehmen und zwar solche Stellung. In innere Verhältnisse der Bunderstaaten einzugreifen hat der Kaiser kein Recht ... Die einzelnen Fürsten find nicht Basalen sondern Verbündete. Was würde der König von Preußen sagen, wenn sich Jemand in innere Angelegenheiten Preußens mischen würde? . . . Auf solche Weise wird die Autorität nicht gefestigt I"
Außerdem sprach Abg. Dr. Schädler in Tünten- tzausen über die Zoll frage, die damit in eine neue Entwickelung»stufe getreten ist, daß die Zolltarif« Kommisfion deS Reichstage» die zweite Lesung der Zollgesetzentwürfe am letzten Donnerstag begonnen hat.
„Wir sind gewiß keine Feinde der Industrie — sagte Dr. Schädler. — Wir find kein Industriestaat und kein Agrarstaat. Aber unsere Landwirth- schaft verlangt mit R^cht den gleichen Schutz wie die Industrie. Ich glaube, daß bei diesen Be« rathungen überhaupt nicht» zu Stande kommen wird, da die Regierung den nöthigen guten Willen nicht hat.*
Ucber diesen letzteren Punkt hat fich in etwa» anderer Weise der Centrum»abg. Dr. Spahn in einer Versammlung zu Bonn geäußert. Er meinte dort, aller Voraussicht nach würden die Verbündeten Regierungen den Mindestzvllen für Getreide zustimmen, so wie fie von der Kommisfion in der ersten Lesung angenommen worden find. Aber von den Vertretern der Regierung selbst hat man bi»her noch nicma's etwa» Anderes vernommen, al» dar berühmte „Unannehmbar*. Die Schicksale des Zolltarife» liegen als» »och genau ebenso im Dunkeln, wie bi»her. Da» Eentrum und die Freikonservativen werden an den Beschlüffen der ersten Lesung festhalten. Die konservative Fraktion de» Reichstages hat eine Entschließung angenommen, in der sie die Beschlüsse der ersten Lesung der Kommisfion «l» nicht genügend bezeichnet und mindesten» eine namhafte Herabsetzung der Jndustriezölle verlangt, wenn die Forderungen der Landwirthschaft nicht eine wesentlich weiter gehende Berücksichtigung finden.
Eine unangenehme Ankündigung brachte in diesen Tagen ein Münchener Blatt: danach würde der F ehl- Letrag im nächstjährigen ReichShauShalte auf gut 150 Millionen Mark zu schätzen sein. Da wird
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Jul'öa, Samstag, den 27. September 1902.
29. Jahrgang.
es heißen müssen: Sparen wie nie! Namentlich auch die Finanzminister der einzelnen Bundesstaaten werden ihre Maßnahmen danach einrichten müssen.
In Sachsen-Meiningen hat ein Ministerwechsel stattgefunden: Staätsminister Dr. v. Heim ist aus dem Amte geschieden, ohne daß man die Gründe kennt, die ihn dazu veranlaßten; an seine Stelle ist der Wirkliche Geheime Rach von Ziller berufen worden, bisher Vorstand der Finanzabtheilung deS Staatsministeriums. Herr Heim ist 66, Herr Ziller bereit« 70 Jahre alt. Dieser Letztere wird das Finanzfach auch als Staatsminister weiter verwalten.
Die Frage der Vieh- und Fleischpreise hat auch während der zuletzt abgelaufenen Woche noch immer eine bedeutende Rolle gespielt Nunmehr sollen, wie schon in den süddeutschen Bundesstaaten, auch in Preußen Erhebungen veranstaltet werden über die Gründe, den Umfang und die Wirkung der Erhöhung der Fleischpreise. In der Zolltarif-Kommission des Reichstages ist davon die Rede am letzten Dienstag gewesen. Dabei haben übereinstimmend der preußische Regierungsrath Dr. Kapp und der bayerische Ministerialrath von Geiger festgestellt, daß die ganze Sache mit den Grenzsperren nichts zu thun hat. Genauere Ausschlüsse werden ja nun die ^ngeleiteten Erhebungen ergeben.
Auch beim sozialdemokratischen Parteitage in München hat man fich über die„Schweine- noth* unterhalten. Bebel meinte dabei, die Sozialdemokratie habe ein „Schweineglück*, daß die ohnehin schwierige politische Lage durch die „Schweinenoth* voch schwieriger gestaltet werde ... Im Trüben fischen! das war ja von jeher der Wahlspruch der Sozialdemokratie. Deswegen will sie auch nach in München erfolgter erneuter Ankündigung mit allen Mitteln Obstruktion gegen den Zolltarif im Reichstage treiben. Der nächste Parteitag soll im folgenden Jahre in Dresden stattfinden. Im Königreich Sachsen hat die Sozialdemokratie für die nächsten Reichstag-Wahlen schon 23 Kandidaten aufgestellt, darunter im Wahlkreise Mittweida Limbach den früher» protestantischen Prediger Göhre, von dem man lange Zeil hindurch nichts wissen wollte. Von Interesse ist die Tbatsache, daß die Behörde es gestattet hat, an einem Portale des Münchener Hauptbahnhofes zu Ehren der sozialdemokratischen Gäste Blumen- und Fahnenschmuck anzubringen.
Die Königin Marie Henriette von Bel- aien ist am Abend des 19. September in Spa gestorben. Sie war am 23. August 1836 als Tochter des Erzherzogs Joseph von Oesterreich im Schlosse Schönbrunn bei Wien geboren und vermählte sich mit dem König Leopold von Belgien am 22. August 1853. Ein herber Zwist war in der königlichen Familie auS- gebrochen: Die Königin lebte getrennt von ihrem Gatte» und im Unfrieden mit ihrer jüngsten Tochter Klementine in stiller Zurückgezogenheit. Die Zuneigung des Volker besaß fie aber von der ganzen Königsfamilie am stärksten und e» hat den größten Unwille» in Belgien erregt, daß der König seiner zweiten Tochter Stephanie, der Wittwe des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich und jetzigen Gräfin Lonyay, nicht einmal die Theilnahme an der Beerdigung ihrer Mutter gestattet hat. Nicht einmal »er Allbezwinger Tod hat den König dazu gebracht, eine würdige und vornehme Haltung zu bewahren, nachdem er dem Monate hindurch dauernden Krankenlager seiner still duldenden Gattin hartnäckig fern geblieben war und nicht einmal angesichts der Trennung durch den Tod eine Versöhnung anzubahne» versucht hatte!
Den Holländern war nachgesagt worden, fie suchten neue politische Bündnisse. Ministerpräsident Kuyper hat »un noch einmal in der zweiten holländi» scheu Kammer in ganz Nachdrücklicher Weise festgestellt, daß alle Gerüchte auf reiner Erfindung Keruben, und daß auch uiemal» ähnliche Pläne bestanden haben.
Nm 20. September hat das amtliche Rom wiederum den Jahrestag der „Eroberung Roms* festlich begangen. Vertreter der Behörden und des Heere» haben daran theilgenommen und Fürst Colonna, der Bürgermeister von Rom, hielt eine Rede dabei, in der er von dem „italienischen" Rom sprach im Gegensätze zum päpstlichen Rom. Wenn man im modernen Italien wirklich, wie man versichert, den Wunsch hegte, eine Ueberbrückung der Kluft zwischen Vatikan und Königrpalast herbeizuführen, müßte man doch allermindesten» diese anstößige JahrettagSfeier unterlasse». Daran aber hat »och Niemand gedacht.
Die österreichische und die ungarische Regierung beschäftigten sich neuerdings wieder einmal in gemeinsamen Ministersitzungen mit dem altberühmten Ausgleiche. Man versichert wiederum, man wolle nunmehr ernstlich damit zu Ende kommen. Aber da» hat man vorher auch schon sehr oft versichert, ohne daß die nachfolgenden Thatsachen den vorauSgegangenen Versicherungen entsprochen hätten. Wer weiß also, wie jetzt der AuSgang sein wird! Kürzlich hieß e» in alldeutschen Blättern, der Sturz de» österreichischen Ministerpräsidenten von Körber stehe nahe bevor. Da» klingt aber höchst unwahrscheinlich.
Rußland und die Türkei find durch nicht» weniger al» durch Freundschaft verbunden. Sie wünschen einander alles mögliche Unglück; von Zeit zu Zeit aber sagt man fich äußerlich Höflichkeiten, und nächstdem wird ein russischer Großfürst nach Konstantinopel reisen, um wieder einmal dem Sultan einige leere Redensarten der — „Freundschaft* zu machen. Der Sultan hat sogar den Zaren seiner „unerschütterlichen* Freundschaft versichern lassen, was den Zaren sicherlich in sehr heitere Stimmung versetzt haben wird. Außerdem gestattete der Sultan die Durchfahrt russischer Torpedoboote durch die Dardanellen — das heißt, es blieb ihm ganz einfach nicht» Anderes übrig; und hätte er die Erlaubniß '
nicht gegeben, bann würde bet Transport eben mit ber Eisenbahn erfolgt fein. Endlich haben sich die Mächte wieder einmal ein wenig nm die Armenier-Frage gekümmert: Sie haben bestimmte Wünsche über die Besetzung des Gouverneurpostens im Libanon und haben der türkischen Regierung die Erwartung ausgesprochen, daß diese Wünsche erfüllt werden.
Der Schah von Persien war ber Gast des Zaren bei den russischen Kaisermanövern. Bei einer Prunktafel zu Ehren des Schahs haben die beiden Herrscher Trinksprüche ausgetauscht, die wegen ihres freundschaftlichen ToneS am allerwenigsten den Engländern gefallen mögen, denn sie kündigt noch festere Verbindung Rußlands und Persien» an.
Unpolitische Zeitläuse.
(Nachdruck »ertöten.)
® Berlin, 25. Sept. 1902.
Heute sing' ich das Lob drS Bettes, recht kurz und kröftig, w d zwar aus einem einfache» unb durchschlagende« Grunde. Ich habe nämlich et»« Jr flaenza im Leibe uib fühlte mich heute Morgen, nachdem ich anscheinend v.rgnügt da» nächtliche Lager verlassen halt?, bald recht miserabel gh Leib und Seele. Darauf wurde im Familienrath beschlossen, daß der V rter tn'S Bett müsse. Gesagt, gerhan, und ich muß gestehen, daß ich mit dem Gefühle bet Erlösung und wahrem Behagen mich in die Riffe» staken ließ. Wie erfrischt di« Befreiung von allen be- engenden und undurchlässige» RleidungSstücken! Wie können die Glieder sich frei strecken und dehnen! Und welch' eine behagliche Wärme orr- breitet fich bald über be» ganzen Körper, auch über die Hände unb Füße, die vorher zu frösteln anfisgen! Als leibender Mensch fühlt man fich im B.tte wirklich wunderbar geborgen und glaubt schon gleich de» Anfang der Besserung zu spüre».
Die Bettwärme und der Schlaf brachte» mich so weit wieder zu Kräften, daß ich NachmfttagS ausstehen to».ite, um die fälligen „Unpolitischen" fertig zu stellen. Plaudern wir al,o vom Bett, und zwar recht kurz, weil ich große Sehnsucht nach der Rückkehr zu meinem Bette verspüre
Mil dem Bettchen sür das neugeborene Kind fängt der Lebenslauf an, und mit dem schmale», einschläfrigen, harte« und kalten Bett, daS man den Sarg nennt, hört der Zwischenfall auf. Sine eigenthümliche Arhnlichkeit besteht noch darin, daß der ankommende Erdenbürger ein Hemdchen bekommt, daS Hinte» offen ist, und daß im Sarge auch manchmal die Rückseite des Todtenhemdes gespart wird.
Die Wiege mit ihrer Schaukelei ist abgeschafft; aber die Kindervettchen habe» sich inne« vervoll- kommnet. Ma» hat gelernt, sie war« und doch zugleich luftig unb leicht zu halten, unb diese Bettungskunst kam auch be» Erwachsene» zu Gute. I» meiner Jugend fand man auf dem Lande noch Betten von mehreren Metern Höhe, in deren Federnschlund der muthtge Schläfer versank, wie der Taucher bei Schiller im Waffer. Jetzt heißt eS: Fort mit dem protzigen Urberfl aß! Nicht mehr Feder» u«ö Decken, als wirklich »othwendig sind. Der Schläfer soll «arm gehalten werden, aber nicht bei gesundem Leibe zum Schwitzen gebracht werde«.
Die Unterlage soll bequem, aber nicht weichlich sei». Für gesunde Leute, namentlich für Kinder, nimmt man lieber eine etwas derbe Unterlage, während man bei älteren Leuten schon mehr auf das Behagen der spröden Knoche» sehen kann und bei Kranke» die Unterlage mit ganz besonderer Vorsicht und Sorgfalt nach den Borschriften deS Arzte» besorge» muß. Denn zu bett allerschrecklichsten Heimsuchungen gehört da» Durchliefen; dadurch wird das himmlische Bett in ein Qualmittel der Hölle verwandelt.
„Himmelbett" war früher ein ganz gewöhn- licheS Wo t und Ding. Der Ausdruck sollte nicht besage«, daß man fich im Bett wie im Himmel fühle, sondern sollte de» zierlichen Uüberbau über der Lagerstätte alS Himmel kennzeichne«. Jetzt find die Betthimmel seltener geworden, und wo man noch eine Art Reaenschirm über dem Kopftheil angebracht hat, da find doch die Seiten- ttzetle fortgefallen, damit frische Luft von allen Seiten a« die Schläfer kommen kann. Darum find auch die Betten auS den Alkoven herauS- fienommen worden, in denen ma» früher eine ürchterlich schlechte Luft mit Vergnügen Nacht für Nacht einathmete.
Besser ist es geworden mit der nächtliche» Gesundheitspflege, aber gut »och längst nicht. Die WohaungSnoth hat uns wieder die schlechte» Schlafstellen mit der oerdorbette» Küche»- oder Arbeiterstuben-Lust bescheert. Sie bringt auch viele ärmeren Leute um den Genuß eines eigenen Bette»; „man m»ß mit einliege»*, damit die Koste» nicht zu hoch »erben, unb bas ist weder für de» Körper »och für die Seele gut. Die Eltern sollten auch gegenüber den Kmberbette» so bald al» möglich die Parole befolgen: Klei», aber fein! Wir gebe» jedem Kinde seine eigene \
Lagerstätte, und wenn sie auch einiges zu wünsche» übrig lassen sollte, so wird sich das Kind doch darin viel wohler fühlen, als wen* es mit anderen zusantmenliegen, um die Decken ringe» und durch jede Bewegung sich auf Gegenseitigkeit stören muß.
Ueberhaupt körnen die Eltern nicht opferwillig genug jür daS Kinderbett sein. Wir Er. wachsenen brauchen das Bett höchstens für ein Dritttheil des Tages. Das Kind aber muß fein junges Leben vorwiegend im Bettchen zubringen; man kann sagen, es wächst im Bette empor. Und wenn nur die größere« Kinder auch noch recht lange im Bette bliebe» l
Die Poesie des Kinderbettes sollte man so lange als möglich frstzuhalten suchen. ES ist ja wahrlich et» wunderschöner Anblick, ein auf- blühendes Kindchen in feinen saubere» Riffen liegen zu sehen, wie es sich rothe Bäckchen an- geschlafen hat und ein seliges Lächeln über fein knospendes Gesicht husche« läßt, als ob es mit ben 14 Engeln Zwiesprache hielte, die gestern Abenb zitirt worbe« sind. Ja, es ist kein Aberglaube, daß bie Schutzengel sorgend an dem Kinderbett stehe»; beten der ruhige Schlaf ist eine wesentliche Grundlage für die Gesundheit und die Sittlichkeit des »achwachsenken Geschlechtes. Darum ist es schändlich, wen» man bett Kinber- schlaf mordet. Die Elter» sollen nicht aus Bequemlichkeit ober Eitelkeit ihre Kinder wach erhalten bis zu später Stunde, sonder» fie zu ihrer richtigen Zeit ins Bett bringen, auch wen» «S lästig ist. Eine Ausnahme darf höchstens dann gemacht werden, wenn die Kinder am andere» Morgen daS Versäumte nachholen können, z. B. bei einem Ausflüge in den Ferien. Unb wen» man bie Rinbet rechtzeitig' ins Bett bringt, so muß man auch bafflc sorgen, daß fie wirklich schlafen können. Die ältere« Geschwister und die Elter» selbst müsse» fich daran gewöhne», daß fie bie nöthige Rühe halten, fobalb bie Rinder im Bett find. Und bann Morgens gehörig ausschlafen lassen! Es ist bebauerltch, daß bie Schulen vielfach zu früh anfangen unb also bie Nachtruhe ber Kinder ungebührlich verkürze». Die Lehrer sagen natürlich, man könne ja die Kinder um so viel früher ins Bett bringe»; aber unsere ganze Lebensweise, namentlich in be» Großstädte», geht auf eine späteORuhrstunbe hinaus, und unter bitfet Verschiebung nach Mitternacht hi» leiden auch die Kinder. Für die ärmeren Klassen lommt nun noch hinzu daS grausame HerauSreißen der Kinder auS dem Bett zum Austragen von Frühstück oder Morgen- zeitungen. Diesen Frevel an der Gesundheit der Kinder sollte die Polizei unbarmherzig abstellen, indem fie be« Arbeitgeber in hohe Gelbstrafe» nimmt unb ben Vater zu Sesängnißstrafe ver- bonnern läßt.
Aber eS ist nicht genug, wenn bie Kinder bis 14 Jahren tüchtig schlafen; in der folgende» EtttwickelungSzeit braucht man auch eine gehörige Nachtruhe, unb für das spätere Lebe« gibt eS kein besseres Heilmittel gegen Nervofität unb die bazu gehörige« Zritkrankheite«, als eine» ausgiebige«, ruhigen Schlaf. ES kommt nämlich auch auf bie Art des Schlafes a«; wenn Jemanb sich »ach Übermäßigrm Genuß von Bier unb Branntwein mit ber ganzen „Bettschwere" ans fei« Lager wirst, so ist baS kein erquickender Schlummer, sondern ein ermattender Ringkampf deS Körpers mit dem Alkohol. Ein gute- Gewisse« ist bekanntlich ein guteS Ruhekissen; ei» überlasteter Magen ist ei« schlechtes Ruhekissen. Besser wäre eS uns, wenn wir allezeit ein SlaS weniger tränken, eine Sigarre weniger rauchten und dafür eine Stunde früher ins Bett gingen.
Welch' eine Wohlthat der Schlaf ist, lernt man erst recht schätz"«, wenn man Leute kennen lernt, die an Schlaflosigkeit leiden und Nacht- vergeblich ben Schlummer auf ihre Lider herab- sehne». Das ist eine schreckliche Qual. Wem gleich »ach dem Avendsege« die Lider zufallen, der kau» Gott nicht genug danken unb bas erquickende Bettchen nicht genug in Ehren halten.
Daß ein Belt kein Ungeziefer beherberge» darf, weiß jede anständige Hausmutter. Aber weniger beachtet man häufig die Staub frage. DaS Bett wird ungesund, wenn bei jeder Bewegung die Staubwolke» aufsteigen, mögen auch bie Staubwolken für gewöhnlich unfichtbar sei» und nur im Sonnenschein ihre fichtbaren Tänze aufführen. K l o p f e n zur Beseitigung des Staube- und lüften und sonnen zur Erfrischung der Decken unb namentlich der Federbetten ist durchaus «öthig.
Dazu kommt die Sorge für daS Schlafzimmer. In dem Raum, wo wir uns 7 bis 8 Stunden ununterbrochen aufhalte«, muß eine ausreichende, reine besonnte Athemluft vorhanden sei«. Möge Jeder sich zu der guten Regel be» I kehren: daß daS größte, luftigste, sonnigste und