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M 223.
MuLöa, Samstag, den 27. September 1902.
29. Jahrgang. *
-O Nicht zu vertrauensselig!
So möchten wir im Hinblick auf die nächst« jährigen Rrtchstagswahlen unser» Freunden im ganzen Lande eindringlich zurufen. Vertraue man nicht zu sehr darauf, daß alles in bester Ordnung sei, daß die Wählerschaft im letzten Augenblick immer noch frühzeitig genug zuiammengetrommelt werde» könne, um stch den Gegnern gegenüber behaupte» zu können. Man bedenke auch, daß es nicht genügt, sich mit knapper Noth zu be- Haupte», sondern daß auch auf die Zahl der Wählersttmmen sehr viel ankommt, daß jeder Verlust an Stimmen einen Verlust an Ansehen und Einfluß in politischer und namentlich in sozialpolitischer Hinsicht bedeutet. Also: nicht zu vertrauensselig! Wir habe» um so weniger Grund dazu, als unsere Gegner von rechts und links sich zu einem ganz besonders heftigen Ansturm auf das Cmtram rüste»; und auch der größte Optimist dürfte stch wohl bald keinem Zweifel mehr darüber hingeben, daß es hart hergehen wird.
Die Anhänger der Centrumkpartei müsie» stch rrnstl'ch die Frage vorlegen: Wie steht es mit unserenW ahlvorbereitungen? Wie steht es mit der Parteiorganisation in den einzelnen Wahlkreisen? Wo man sich gestehen muß, daß es mit diesen Wahlvorbereitungen bis jetzt noch gehapert hat, da muß schleunigst das Versäumte mit allen Kräften nachgeholt und energisch die Reorgani. sation und Agitation ausgenommen werden. ES könnte doch sonst gar zu leicht der Ausfall der nächstjährige» Wahl für daS Centrum mancher- orts derart werden, daß man sagen müßte: Wären wir doch etwas weniger vertrauensselig und — bequem gewesen.
Gewiß brauchen wir unsere Gegner nicht zu überschätzen; die große Aufmerksamkeit, die sie gerade dem Centrum widme», ist ein Beweis dafür, daß sie stch mit ihrem „Ansturm" nicht allzu fiegeSgewiß fühlen. Aber die wirth- schaftlichen Streitfragen, di« gegenwärtig in der politischen Areva auSgekämpft werde« müssen, «eben unseren Gegner» Waffen in die Hand, die sie geschickt gegen unsere Partei zu verwende» wiffen, um Verwirrung und Beunruhigung in die Reihen der Centrumswähler hinrinzutragen. TS ist nicht- verkehrter, als mit der bequemen Begründung: Auf unsere Leute können wir »ns verlaffen! in der langen Zeit zwischen de» Wahlen sich um die Wähler und ihre Jnterrffen so gut wie gar nicht zu kümmern. Die Wähler müssen rege erhalten, eS darf der gegnerischen Agitation gar keine Gelegenheit und Zeit gelaff'N werden, sich einzunisten, die Ausklärungsarbeil darf nicht ruhen, wenn nicht bald Unzufriedenhett und Um etnigkeit Platz greifen soll.
Und daS Mittel, diese unerläßliche Vorbe- reitungsarbeit auf die Wahlen zu schaffen und gut im Gang zu halten? Abgesehen von einer guten und jederzeit schlagfertigen Parteiorganisation, deren Hauptthätigkeit mehr in be« unmittelbaren Wahlvorbereitungen liegt, gibt es kein
HiS Wechenschcrst.
Roman von Paul vom Wildbach.
<18 ------(Nachdruck verboten.)
.Auf Aktie» die Bergwerke — ach, wie prächtig, ganz vorzüglich," rief Löwenthal. .Wirklich, eine ausgezeichnete Idee, Herr Graf. Die Kohlenpreise find in Folge des Streiks «norm gestiegen, da «erden Sie ein großartiges Geschäft machen."
„Es wäre nicht allein wegen des Geschäfts, sondern auch wegen gewiff <r Unannehmlichkeiten," erwiderte der Graf. „Sie wiffen, ein Mann von meiner Stellung hat da allerlei Rücksichten zu nehmen, wo ein Anderer allein das Geschäft sieht."
„Ich verstehe, Herr Gicas, ich verstehe — nobleue oblige — Ja, ja, man hat bei den letzten Streik-Affären manchen klangvollen Namen nennen hören, waS nicht immer angenehm ist. Nichts Bequemeres da, als Aktien. Der Edelmann muß seinen Name», seine Ehre wahren, dir Aktie braucht da» nicht. WaS ist einer Aktie der Name und die Ehre? Sie Hot keine» Name» und hat keine Ehre; drum braucht sie auch dafür nicht aufzukommen. ... Nur dafür muß der Vorstand aufkommen, daß die Inhaber keinen Schade« nehmen. Nichts Einfacheres, nichts Besseres daher, als eine Aktiengesellschaft. Ich kann Ihnen nur zur Gründung ratben.....
Soll ich die Emission besorgen? Wie hoch soll daS Grundkapital sein? Zwei his drei Millionen Gulden dürfte nicht zu viel sei». . . ,"
besseres, dauerndes Mittel als den Volksverein für da» katholische Deutschland. Auf ihn muß gerade in der gegenwärtigen Zeit immer wieder hingewiesen werden. Der VolkSoeretn ist selbst zwar kein politischer Verein, keine Centrums- organisation, aber seine ganze Wirksamkeit, seine Organisation, V?rsammlungen, Schriften und Flugblätter sind dazu angetha«, politische Schulung im Volke zu verbreiten und lebendig zu erhalte«. So ist es erklärlich, daß der Volksverein vielfach erst be» Boden für eine gut fmrktionirende Parteiorganisation schafft. Den« biejet igen katholischen Männer, welche im Volksverein auf sozialpolitischem Gebiete eifrig thätig sieb, werden stch auch freiwillig in den Dienst der neben dem Volksverein selbständig wirkenden politischen Crntrvmsorganiiation stellen. Für die deutschen Katholiken ist somit der Bolksverei» der Träger deS öffentlichen Lebens; wo er eifrig wirkt, da steht es auch dauernd gut mit den Aktien des Centrums. Wo der Volksveiein tüchtige Vertrauensmänner hat, da hat man auch für das Centrum sofort tüchtige Agitatoren, in Fällen, wo man sie nothwendig braucht. Wo aber der Volks verein fehlt oder unzulänglich organlstrt ist, da findet man auch in der Regel den Mangel an einer planvolle« und dauernde« Organisation der CentrumSpartei. Daher auch die so geringe Wahlbetheiligung in manche« fast ganz katholische» und „sicheren" Centrums-Wahlkreise», infolge deren die Grsamm zahl der Centrumsstimme« bei den letzten Wahlen keinen Zuwachs auf weist.
Eine eifrige Wirksamkeit deS Volks Vereins für das kath. Deutschland erscheint als ein so wichtigeres und befferes Mittel, die Wahlen gut vorzuberette«, als dieselben im nächsten Jahre mehr denn je unter dem Zeichen wirthschaftltcher und sozialer Jntereffrnbestrebungen stehen werde«. Da ist es gerade der Bolksverei«, in welchem die Angehörige« aller Stände sich zusammenfinden und neben den großen gemeinsamen Aufgaben auch bte Interessen ber einzelnen Stände zur Sprache und zur Geltung kommen, der so dahin- wirkt, daß die Sonberbestrebungen ber letzteren nicht in erbitterte Interessen kämpfe auSarten, sondern eine für den gedeihlichen Fortgang der soziale« und wirthschaftlichen Reformen unentbehrliche Einigkeit erhalten bleibt. Es sei in dieser Hinsicht nur an daS naheliegende Beispiel der Thätigkeit des BolkSvereinS in der Zollfrage erinnert, worüber im letzten Jahresberichte deS Vereins mit Recht gesagt werden konnte:
„Mit besonderem Nachdrucke hat der BolUvereln sich der Äufgabe gewidmet, Aufklärung zu verbreiten über jene aktuelle, soziale Fragen, welche zur Zeit im Vordergründe des öffentlichen Jntereffes stehen. Die Jntereffen der Landwirthschaft sind seit Jahren auf» innigste verknüpft mit der Forderung einer Erhöhung der landwirthschasiliche, Schutzzölle; gegen dieselbe ist im ganzen Lande unter der nichtbSuerltchen Bevölkerung, vor allem unter den Industriearbeitern, eine heftige Agitation von freihändlertscker und sozialdemokratischer Seite entfaltet worden. Auf katholischer Seite blieb ei dem Volksverein allein überlaffen, dieser Agitation planmäßig entgegenzutreten. Er darf da» Verdienst in Anspruch nehmen, hier in weitgehendstem Maße und mit gutem Erfolge seine Thätigkeit in den Dienst der Landwirthschaft gestellt zu haben."
Andererseits hat sich bet BolkSoerei« auch stets mit bemfelbe« Eifer, mit denselben Mitteln i« bett Dienst der Handwerker, Arbeiter, Kauf-
„Zwei bis drei Million«» Gulden" — wie Musik klangen die Worte des Bankiers dem Grafen in bett Ohren. Die Summe war noch höher, als er selbst gedacht hatte, die dabei her- aurkomme« könne.
Damit waren aber auch alle Bedenke« behoben, die er vielleicht gegen den Plan noch gehabt hatte, und als Ostmark eine halbe Stunde später vo« dem Kommerz enrath sich verabschiedete, da hielt dieser verg»ügt da« Schriftstück in den Händen, durch welches er von dem Grafen zur Vornahme aller vöthige» Vorbereitungen zum Vollzug des „feinen" Geschäftes Auftrag und Vollmacht hatte.
♦ ♦
Zwei Tage später saß Graf Ostmark in seinem luxuriös eingerichteten Arbeitszimmer, als der Oberrentmeister Ehrbach sich bei ihm melden ließ.
„Er möge nur komme«, was hat er denn?" befcbieb der junge Graf den meldenden Diener.
Gleich darauf trat der alte Beamte herein, eine» halb ernste», halb besorgte» Zug über dem ehrlichen Gesicht, und ein leiser Seufzer entglitt seinen Lippe», alS er «»Hub:
„Der Herr Graf wisse», daß ich beinahe ein halbes Jahrhundert im Dienste ihres HauseS gestanden, und niemals zu etwas meine Zustimmung gegeben habe, waS gegen die Interessen meiner Herrschaft gewesen."
„Ja, Sie find stets ein treuer Beamter ge» wesen, und es wird Ihnen nicht vergessen werden," erwiderte Ostmark.
„Als Ihr seliger Herr Vater die Augen zu- gethan und Sie die Herrschaft Übernommen hatten, da fragte ich mich, ob meine Kraft den An
leute rc. gestellt; er hat für die Lage und be- rechtigtenForderungen jedeseinzelne «Stand es bei seinem aus allen Ständen zusammengesetzten Bersammlungs- brzw. L^sepublikum mehr und mehr Verständniß geweckt und die Ueberzeugung gestärkt, daß es ohne gerechte Berücksichtigung der Interesse« der anderen Stände für keinen Stand eine gedeihliche wirthschaftltche und soziale Tnt- Wickelung gibt. So hat fich der Volksoerein für das katholische Deutschland in der That als ein vorzügliches Mittel der Wahlvorbereitung bewährt. Mächte er als solches nur überall erkannt werde». Und wenn man trotzdem noch mancherorts erklärt: Wir brauche« keinen Volksoerein! so muß immer wieder gesagt werden: Nicht zu vertrauensselig!
Berlin, 26. September 1902.
+ Die Aerliner Mürgermeisterfeage hat am letzten Donnerstag di« B-rliner Stadtverordneten beschäftigt. Die Stadtverordneten- Versammlung nahm Kenntniß von dem Verzichte de» Stadtraihe» Kauffmann auf den ihm zugedachten Postm eine» zweiten Bürgermeister» — und zwar mit völligem Stillschweigen, ohne auch nur ein einzige» Wort noch über den Fall zu verlieren, was auch da« Beste war. Darauf wurde eine Kommission von fünfzehn Mitgliedern eingesetzt, die die erneute Wahl eine» zweiten Bürgermeister» vorbereiten soll.
X Schaff«»- votrMärtyrer«. Die polni- sche« Gymnasiasten auS Thorn, deren jugendliche Schwärmerei und Abenteuerlust sie dazu verleitet hatte, an einsame« Waldplätzen gemeinsam polnische Schriftsteller zu lesen, solle« «och weiter büße« für ihre Juge«deselei. Die Berechtigung zum einjähig-freiwilligen Militärdienst soll nämlich derjenigen unter ihnen abgesprochen werden, bi« zu länger als eine Woche Gefängniß vernr- theilt wurden. Es werben bavon sechs Gymnasiasten unb acht Kleriker unb Studenten betroffen, bie nun natürlich ihr ganzes Lebe« lang Verbitterung im Herzen tragen gegen bte Regierung, die sie t« dieser harten Weise straft, diese Verbitterung auch in weitere Kreise tragen und die gleichzeitig in den Augen ihrer polnische« La«dSleute durch die harte Behandlung, die man ihnen angedeihen läßt, den Nimbus national-r Märtyrer erhalten. Eine «och falschere Behänd- lu«g der jungen Leute ka«« man sich kaum vor- stelle«. Da ist man in Rußland milder und versöhnlicher: Alle die Studenten, die wegen der letzten Unruhe» zu Strafen verurtheilt wurden, sind von dem Zaren begnadigt worden; und diese Unruhen waren doch ohne Zweifel ungleich strafwürdiger, als die nationalen Schwärmereien der Thorner Gymnasiasten!
X* Kündig«»»- de» dentsch-rnsfffchen Kandetsverlrage»? Ein bekanntes Wiener Blatt hatte sich ans Paris berichten kaffen, daß der rufsische Finanzminister von Witte den
forderungen meine« Amtes noch gewachsen, oder ob eS besser sei, daß ich einer jüngeren, frischen Kraft Platz mache. Nach gewissenhafter Selbst. Prüfung — unb der Her Graf bestärkten mich anSbrücklich in meiner Auffassung — glaubte ich, einstweilen noch auf meinem Posten ausharren zu solle», bis eine ruhige Ueberleitung in bte neuen Verhältnisse stattgefunden habe."
„Ganz richtig, mein lieber Shrbach. Sie sollten vorläufig «och 3—4 Jahre an Ihrer Stelle bleiben; wir sinb bisher doch auch leiblich mit einanber auSg ^kommen, bächte ich; wenigstens habe ich Ihne« häufig genug »achgegebe«."
„Leider, Herr Graf, habe ich jedoch i« der letzte« Zett Anzeichen bemerkt, daß Ihnen meine Dienste nicht mehr so willkommen sein möchten . . . So erhalte ich heute früh eine Zustellung des Bankgeschäftes Löwenthal, daß dasselbe von dem Herrn Grafen beauftragt sei, die Ueberleitung der böhmischen Gruben in eine Aktiengesellschaft zu veranlassen. . . / ’
„Nun — unb?"
„Also ist eS doch wahr! O Gott! Die schönen Güter, waS soll daS werden.... Sie verzechen, Herr Graf, ich habe es nicht glauben können, nicht glauben wollen — aber da Sie es bestätigen, so muß es ja wohl doch so sein."
„Nun freilich ist eS so," erwiderte Ostmark unwillig.
„Ach Sott, ach Gott!" seufzte der alte Mann, dessen Herz mit den Gütern seiner Herrschaft enger verwachsen war, als mit seinen eigene« Angelegenheiten. „Daraus muß ich denn auch schließe«, daß der Herr Graf glauben, meine Dienste entbehre« zu können .... und deshalb möchte ich
Handelsvertrag mit dem Deuttchen Reiche kündigen wolle. Dazu hatte die .Deutsche Tageszeitung' bemerkt, daß sie bestimmte Kenntniß habe von den Bemühungen einflußreicher russischer Kreise, den Minister von Witte zu diesem Entschlüsse zu bringen, und daß diese Kreise auch auf einen Erfolg ihrer Bemühungen rechnen. I« einem ander» Berliner Blatte, das mitunter Nachrichten aus amtlichen Quellen erhält, kann man folgende Notiz über dasselbe Thema lesen: „Von einer Absicht des russischen Finanz- Ministers, den Handelsvertrag mit Deutschland rechtzeitig, also bis zum 31. Dezember 1902 zu kündige«, ist an hiesiger amtlicher Stelle nichts bekannt. Immerhin wird diese Möglichkeit inS Auge gefaßt, wenn auch nicht abzusehen ist, zu welchem Zwecke gerade Rußland die Initiativ« zu einer Neuordnung der handelspolitischen Ver- tragSverhältniffe ergreifen sollte". Inzwischen hat Minister von Witte die längst von ihm geplante Reise nach der Mandschurei angetreten, so daß man wohl annehmen darf, er beschädige fich jetzt nicht in ernsthafter Weise mit solchen wichtige« handelspolitische« Maßnahmen, sondern sei zurückgekommen vo« de« Kündigungsabstchten, vorausgesetzt, daß sie thatsächlich auch bei ihm selbst bestände« haben sollten.
X Der i«ter»»atto»»ale Gnverkulose- Kongreß wird in den Tage« vom 22. bis zum 26. Oktober in Berlin stattfinden u«d in den Räumlichkeiten des preußischen Abgeordnetenhauses stattfinden. Viele ausländische Autoritäten haben ihr Erscheinen zugesagt, darunter namentlich auch sranzöstsche Gelehrte. Im Vordergründe des Interesses wird die Frage von der Identität der Tuberkulose beim Menschen unb beim Rindvieh stehen, die neuerdings in Folge der Stellungnahme Robert Koch'S dazu so umfangreiche Auseinandersetzungen und Forschungen veranlaßt hat.
x Aever bie chetreidezölle sollte stch di« RetchSregterung mit einige» auswärtige» Staats- regteru»ge» bereits verständigt habe», wie die .Frankfurter Zeitung' »ach einer Mttthetlung von ernsthafter Sette verstcherte, so daß nunmehr die RetchSregterung gezwungen sei dazu, auS Rücksicht auf diese Abmachungen daran unveränderlich sestzuhalten. Die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung' hat in offiziösem Tone versichert, daß „die deutsche Regierung fich weder in dieser, «och in irgend einer ander» Weise einer ausländischen Regierung gegenüber für die Zukunft zollpoltttsch gebunden habe." Na, Verhandlungen darüber werben wohl aber nichtsdestoweniger statt- gefunden haben. „Sich binden" und „sich verständigen" find zwei verschiedene Begriffe. Immerhin ist eS lobenswerth, baß ber Reichskanzler ber Oeffentlichkeit diese Aufklärung gegeben hat. Daß, wie die »Freisinnige Zeitung' wisse« wollte, Graf Bülow vom Kaiser nicht bie Genehmigung dazu erhalte« habe, „den Agrariern eine Erhöhung der Getreidezölle um 50 Pfennige über die Regierungsvorlage hinaus zu bewilligen", wird vo« demselben offiziösen Blatte „alS müßiges Gerede" bezeichnet. Die ,Freist«»ige Zeitung' hatte hinzugefügt: Graf Bülow habe dafür ebenso wenig die Beistimmung des Kaisers erlangen könne«, wie bei seiner Be-
um meine Entlassung auS dem bisher versehenen Amte allerunterthänigst bitten.*
„Mein lieber Shrbach," erwiderte der Graf, alS das schwere Wort endlich heraus war, „wir wolle« die Dinge nehmen, wie sie find. Di« Grube« sollen allerdings auf Aktien gestellt werden, und wenn Ihnen die Last der Verwaltung zu schwer wird, so will ich Sie nicht gegen Ihren Wille« fest halte«. Setzen Sie fich bequem z«r Ruhe, wie Sie es wohl verdient habe«, mein« beste« Wünsche begleite« Sie. Der Bergdirektor Fi«dt«g i« Kohlstetten wird Ihnen die Last der Geschäfte einstweilen abnehmen könne«, btS ich eine definitive Entschließung gefaßt habe."
Der alte Mann wollte «och etwas sage»», aber bie Stimme versagte ihm. Er ergriff bie Hand, welche ihm der Graf gleichgilttg hinstreckt«, und wandte fich zum Gehen.
„Also den alten Murrkopf bin ich loS," rief Ostmark erleichtert auS, als die Thüre stch hinter der hagere« Gestalt Ehrbach'S geschlossen hatte, u«b er schnalzte vergnügt nut dem Finger. „Paßt nicht mehr für meine Ziele, unb waS fich entgegenstellt, daS zermalme ich!
„Also entlassen — kurzer Hand entlassen,* murmelte der alte Rentmeister, als er fich alle« in dem lange« Korridore sah, u«d eine bittere Thräne ra«n über seine weite« Backen. „Der Nachfolger war schon bestellt, ehe ich selbst eS wußte. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getha«. . . . Doch Pfui, Shrbach," unterbrach er fich selbst, „schäme Dich, daß Du so a« Dich denkst; bast Du 50 Jahre lang Dein Brod bei Deiner Herrschaft gehabt und willst jetzt murren? . . ,