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JuLött, Mittwoch, den 24. September 1902.
29. Jahrgang.
He Die Stellung der Regierung.
Da steh' ich nun, ich armer Thor, und bin so klug, als wie zuvor! Daß die Regierung eS nach wie vor Unterlasten hat. weitere Erklärungen über ihre Stellung zur Zollfrage abzugeben, ist bereits hervorgehoben worden. Nichtsdestoweniger hatderStaatssekretär Graf Posadowsky, wenn er als berufener Vertreter der Verbündeten Regierungen eine Rede in der Zolltarif-Kommission Les Reichstages hält, Anspruch auf Beachtung, auch bei denjenigen, die dem Sinne dieser Rede aus vollster Urberzeugung widersprechen.
Schon äußerlich kennzeichnete es das, was «Graf Posadowsky sagen wollte, daß dieser in beifälligem Tone an voraufgegangene Neußrrungerr des freisinnigen Abg. Dr. Pachnicke anknüpste. Man ist es zwar schon gewohnt, daß die Ver» tretet der Regierungen bei ihrer Bmrtheilunz der verschiedenen Zollfragen sehr häufig fich auf einem Boden mit den Rednern der Freisinnigen und Sozialdemokraten zusammenfindsn. Aber man wird doch stets von neuem unangenehm davon berührt, und daß das alte Spiel am letzten Montag von neuem von dem Herrn Staatssekre» tär ausgenommen wurde, könnte man fast so deuten, als wollte dieser mit voller Absicht und Planmäßigkeit der zollsreuudlichen Mehrheit der Kommission und des Reichstages den Fehdehandschuh dm werfen — derselben Mehrheit, die in den Grundsätzen mit dem Bundesrathe übereinstimmt, derselben Mehrheit, mit der allein der Bundesrath die Zollgesetze überhaupt machen kann. Wer den Sinn dieser Regirrungspolitik verstehen kann, muß mit ganz besonders scharfen Sinnen ausgerüstet sein — oder aber man müßte gerade annehmen, daß die Verbündeten Regierungen es gar nicht ernst meinen mit ihren Zollgesttzent- würfen, daß sie vielmehr nur Komödie spielen wollen und wünschen, eS möge auS der ganzen Sache gar nichts werden, sondern Aller beim Alten bleiben. Thatsächlich ist Graf Posadowsky am letzten Montag auch mit der Ankündigung hervorgetreten, daß die Handelsverträge auf der Grundlage des noch gtlttgen Zolltarifs abgeschlossen werden würden, wenn kein neuer Tarif zu Stande kommen sollte. Es könne sich — so meinte der Staatssekretär — bei unserer handelspolitischen Zukunft nur darum handeln, einen neuen, vom Reichstage und vom Bundesrathe genehmigten Zolltarif, oder aber den jetzt bestehenden alten Zolltarif den neuen Verhandlungen zu Grunde zu legen. Und in demselben Athemzuge gab Graf PosadowSky zu, daß bei dem Fortbestehen unseres jetzigen autonomen Tarifs, der vollkommen veraltet sei, unsere handelspolitische Lage ungünstig sein würde!
Die Verbündeten Regierungen versperren fich hartnäckig gegen alle Vorstellungen und Ermahnungen der Mehrheit deS Reichstages, mit der allein sie einen neuen Zolltarif machen können. Sie verstoßen damit gegen die parlamentarischen «nd verfassungsmäßigen Haupigrundsätze, indem
KW Wechenfchast.
Roman von Paul vom Wildbach.
16 ------(Nachdruck verboten.)
So las Ercker vor fich hin. „Nun, das wäre ja die schönste Gelegenheit, die ganze Strikgrschichte beizulegen. — Soll ich die Ankunft der jungen Herrschaft gleich durch Boten bei den Belegschaften ansagen lassen und zum Antreten aus- fordern? Wir halten dann beim Eintreffen des 8- äflichen Paares eine hübsche Parade mit der Mannschaft, alle Häuser werden festlich geschmückt, Abends illuminirt und im Anschluß an da« Fest wird die Arbeit wieder ausgenommen, als wenn nichts pasfirt wäre. Ich bin sicher, daß sich kein Mann aussperren wird."
„Bist Du des Teufels?" rief Finding. „Wo wir einmal die günstige Konjunktur haben, sollen wir sie so auS der Hand geben? Welch ein Einfall, uns durch solch einen hereingeschneiten Besuch Alles aufs Spiel zu setzen!"
Ecker schwieg, denn wenn er auch redete, so wußte er doch, daß er mit feinen Friedensplänen nicht durchdringen würde. Er gab also den Gedanken daran auf und beschäftigte fich wieder mit den nächsten Aufgaben, welche durch die bevorstehende Ankunft des Gräflichen Paares ge- geben waren.
„Wie soll die junge Herrschaft denn empfangen werden?" fragte er nach einer Weile, während welcher auch Finding das Stillschweigen nicht gebrochen hatte. „Sollen wir am Eingang zu dem Städtchen und zu den Gruben einige Ehren-
sie ganz allein für fich ein maßgebendes Unheil über die Handelspolitik in Anspruch nehmen und der Volksvertretung die ihr zufieherhe Mitwirkung an der Gestaltung unserer Gesetze burig versagen. Sie bringen dadurch unfern nationalen Wohlstand und unsere ganze wirthschastlich? Entwickelung tn Gefahr, wie Graf Posadowsky am vergangenen Montag es ausdrücklich zugegeben hat; wenn die neuen Handelsverträge auf der Grundlage des alten Tarifs abgeschlossen und dadurch neue und schwere wirthschaftliche Schädigungen über Deutschland heraufbeschworen werden, dann wird dafür allein den Verbündeten Regierungen die Verantwortung zufallen. Jn's Fäustchen werden sich nur die Sozialdemokraten lachen. Denn wenn durch eine ungünstige wirchschaftliche Entwickelung bei uns in Deutschland neue Unzufriedenheit entsteht, wird diese Unzufriedenheit, wie stets bei solchen Gelegenheitm, ihren Ausdruck in einer Zunahme der sozialdemokratischen Wahlfiimmen finden.
In manchen Regierungrkreisen scheint man fich der Ansicht hinzugeben, als könne das Emkum vielleicht geködert werden durch Uebernahme Emer der Ihrigen in ein höherer Amt. So ging in diesen Tagen das Gerücht, für die Stelle eine« Unterstaatrfkretärs im Reichsamte des Innern sei ein CentrumSabgsordneter in Autsicht genommen, entweder der Abg. Dr. Spahn ober der Abg. Freiherr von Hertling. Daß das wirklich maßgebende Persönlichkeiten innerhalb der R'gie rungen glauben ober auch nur vorübergehend geglaubt haben sollten, ist schwer anzunehmen. Wenn ein Cenirumrführer sich in ein Siaatrami verlocken lassen sollte, würde er doch aushören, Centrumsführer zu sein. Und wenn getrost mehrere Centrumssührer denselben Kur« segeln wollten, würde doch die große Mehrheit der CentrumS- wäyler diesem Kurse nicht folgen, sondern bei der allernächsten Gelegenheit den Gehorsam diesen Führern verweigern. Im Ernste kann man also nicht recht glauben, daß Jemand politische Rechen- exempel wilklich mit der Möglichkeit eines solchen politischen Centrumrselbstmoide« angestellt haben sollte.
Heber die Dauer der zweiten Lesung in der Kommission schon jetzt Vermuthungen anzustellen, ist müßig. Nur ist zur Beurtheilung dieser Frage die Thatsache von Interesse, daß Herr Stadthagen von der Sozialdemokratie am letzten Montag eine Rede von drei Stunden Dauer gegen die Getreidezölle gehalten hat. Wenn dar so fort geht, kann die zweite Lesung ganz gut bis zum Dezember dauern. Hervorzuheben ist ein Gerücht, wonach der Reichstag gar nicht zum 14. Oktober zusammenberufn werden soll, wenn bi» dahin die zweite Lesung nicht von der Kommission beendet wird. Der Sitzungssaal würde in der Thal noch leerer als jemals vorher sein, wenn die Anziehungskraft des Zolltarifs den in Autsicht genommenen Oklobersitzungen fehlen sollte!
!■ IIIIII JMBt
Deutsches Keich«
Berlin, 33. September 1902.
♦ Apologet» für die gevildetr« Laie«, das ist eine immer mehr erkannte und aner-
pforten aufrichten lassen? Mit einiger Anstrengung ließe fich in den Stunden bis zur Ankunft »och Manches Herstellen. Etwas muß doch geschehen, um den Empfang einigermaßen würdig zu gestalten, und der Fall, daß die Gräfin hierher kommt, ist schon lange nicht mehr dagewesen. Ich erinnere mich noch dunkel — ti find bald dreißig Jahre, der selige Graf kam gerade von der Hochzeitsreise . . ."
„Festlich empfangen?" unterbrach ihn Finding ungeduldig, „am liebsten möchte ich sie gar nicht empfangen, wie ich für meinen Theil Überhaupt die ganze Wiener Gesellschaft nicht brauchte. Du freilich mit Deinem angeborenen Devotionssinn denkst schon wieder vor den hoheitSoollen gräflichen Füßen allerunterthänigst zu ersterben . . . Ha, ha, Hal . . . Am liebsten möchte ich sie auf 100 Meilen weit fahren lassen bis hinein inS Türkenreich auf Nimmerwiedersehen ..."
„Nun, etwas müssen wir doch thun, um die Ehre und den Respekt vor der gräflichen Familie zu wahren."
„Wenn Du es so dringlich hast, um in den Besitz eines gräflichen Händedruck« zu gelangen, kannst Du vielleicht in meiner Vertretung den Herrn Grasen mit Deinen Pferden abholen lassen," bemerkte Finding boshaft.
„Du weißt doch, daß mein Schimmel, da» Handpferd, lahmt und kaum vom Platze kann."
„Darum eben solltest Du die Abholung besorgen. Oder meinst Du, ei würde zur besonderen Erbauung der jungen Herrschaft beitragen, wenn ihre Herren Beamten sie mit feiner Equipage und Vollblutpferden abholen, während die Abführungen an die Centralkaffe keineswegs den herrschaftlichen
kannte Nolhwendrgkeit für unsere Zeit. Der Religionsunterricht aus den mittleren und höheren Schulen ist vielfach hinter den Anforderungen der Zeit zurückgeblieben, ist zu wenig apologetisch, allerdings auch durch die Knappheit der ihm zugemessenen Unterrichtsstunden behindert. Aus den Universitäten und im praktischen Leben fehlte die religiöse Festigung und Vertiefung für den Laien bisher so gut wie ganz. Hier find ja glücklicher Weise Ansätze zum Besseren vorhanden. Indessen für die große Maste der gebildeten Sai?n find die neu geschaffenen ober zu schaffenden Gelegenheiten zu tieferer Erkenntniß ihres Glaubens nicht ober nicht mehr erreichbar. Hier muß die Prkffe eintreten, md die katholische Tagespreise hat diese Aufgabe auch wohl begriffen. Es fehlt nicht an auf- klärenden Artikeln und Zurückweisungen gegnerischer Angriffe, insbesondere seit der Volksverein für das katholische Deutschland und schon vorher die „Central- auskunststelle der katholischen Pciff" der katholischen Tagespreise in dieser Beziehung zu Hilfe kommen. Immerhin kann die apologetische Thätig- fit der politischen Tagelpceffe stets nur in ge« wissen Grenzen sich halten, und die Eindrücke ihrer Arbeit find naturgemäß bei der Flüchtigkeit der heutigen Zeitungslektüre nicht so tief und nach, haltig, wie es r.othwendig ist. Daher hat die soeben erwähnte Auskunftsstelle der katholischen Presse das Richtige getroffen, als sie im Frühjahr 1902 unter dem Namen „Magazin für volksthümllche Apologetik" eine besonders auf die gebildete Laienwelt berechnete apologetische Monatsschrift begründete, in welcher zugleich das von ihr für die Tagespreise gewonnene Material eine dauernd brauchbare Sammlung ftn et. Auf Grund der bisher erschienenen 6 Hefte können wir diese Zeitschrift unseren Lesern wärmstens empfehlen.
* De» nächste IeHkvekrag. Wie die offiziöse Münchener ,Allg. Zig.' aus Berlin er- fährt, ist man im BundeSratbkrelfen geneigt, den Fehlbetrag im nächstjährigen ReichshaushMvor- anschlag; auf gut 150 Millionen Mark zu schätzen. — „Gut 150 Millionen" ist gut gesagt. Es werden also noch einige hinzukommen, Es wird immer schöner im Deutschen Reiche. Wahrscheinlich soll die Meldung des Münchener Blattes auf neue Steuerforderungen vorbereiten.
+ Die ,Nordd. Allg. Ztg/ meldet: Ein Londoner Bankhaus, das zu denzweifel- haften Geschäften gehört, die nicht der Kontrolle des Börsenvorstandes unterliegen, fordert in letzter Zelt in deutschen Blättern und durch Prospekte zur Spekulation iss M-rlhpapier-« auf, wobei unter Anpreisung eines sicheren Gewinnes von 20 Prozent eine Einzahlung als Dcckang verlangt wird. Thatsächlich bleibt fast immer der versprochene Gewinn aus. Steigt wieder Erwarten einmal der KurS, so wird der Berkaus so lange hingezogen, bis ein Rückschlag eingetreten ist. Das Publikum kann nur dringend gewarnt werden, mit derartigen Bankhäusern in Geldgeschäfte sich einzu'affen, ohne über deren Vertrauenswürdigkeit genau unterrichtet zu sein.
4- Kein jüdischer Hvervürgermeister.
Kürzlich hieß eS, nach dem von Posen scheiden-
Wünschen entsprochen haben dürften. Wir werden Mühe genug haben, ihnen klar zu machen, daß die Ausstattung unserer neuen Dienstwohnungen in dieser Opulenz unumgänglich nöthlg war. Hoffentlich wird der alte Fuch« von Oberrentmeister nicht auch mitkommen, sonst ist e« um un« geschehen." „So, so, da« Gewissen drückt Dich von dieser Seite! Ich dachte, wer Alle« au« Interesse für die Herrschaft gethan hat, wie Du doch immer vorgibst, kann auch Alles verantworten und braucht fich nicht zu fürchten."
Finding warf einen giftigen Blick auf den Sprecher, der feit langen Jahren eine Mieth - wohnung in dem Hotel des Städtchen» inne hatte und von ihm und den Anderen, welche bei der Sache mitredeten und fich die schönen Dienstwohnungen eingerichtet hatten, immer etwas hintangefetzt worden war. Ecker selbst hatte auch nie das Bedürfniß einer Arnderung empfunden und deshalb ineidlos den eigennützigen Kollegen jede Bequemlichkeit des Lebens gegönnt. Jetzt fand er, daß dies alles auch seine Kehrseite hatte, und mit offener Schadenfreude sah er den sonst so stolzen Direktor in feiner Verlegenheit sitzen.
„Das Beste wäre, man könnte den Herren Grafen in eine Miethkutsche fetzen und so lange draußen auf den ausgestorbenen Gruben herum- fahren, bis es wieder dunkel und Zeit zur Abfahrt ist", meinte Finding nach einer Pause. „Die Gräfin darf ohnehin unter keinen Um- ständen hierherkommen, dafür will ich schon sorgen . . ." ,
Der Tag, für welchen Graf Ostmark den Besuch auf den Gruben ungesagt hatte, war angebrochen.
den Oberbürgermeister Witting wolle sich Justizrath Dr. Lewinski um das frei werdende Amt bewerben. Derselbe ist j tzt Vorsteher der Stadt- verordneten-Versammlung. Nach Gerüchten, die auch ihren Weg in dis Presse gefunden haben, soll vertraulich in Posen darauf aufmerksam gemacht worden sein, daß ein jüdischer Oberbürgermeister in Posen keine Aussicht auf die Bestätigung der Regierung haben würbe.
Hc Ialsche Arrgaöe«. Die liberalen Händlerblätter behaupten mit Vorliebe, daß namentlich in Oberfchksien eine starke Schweine- noth vorhanden sei, und verlangen deswegen die Oeffnung der Grenze auch für lebende russische Schweine. Dabei wird in den vorgebrachten Behauptungen Unsinn geleistet, wie er kaum ärger anSzudenken ist. „Ohne den kernigen Russen- speck" — so. schrieb in diesen Tagen die freisinnige »Vossische Zeitung' in Berlin — „kann der schwer arbeitende oberfchlefische Grubenarbeiter nun einmal nicht exmiren . . Die Wahrheit lautet aher ganz anders. Für die Einfuhr von Schweinen nach Oberschiesten ist ein bestimmtes Jahreskontirrgent vorgeschrieben, also eine bestimmte Höchstziffrr der zur Einfuhr erlaubten Schweine. Nach den Schilderungen der Viehhändlerpreffe müßte dieses Kontingent nicht ausreichen zur Befriedigung der oberschlestschen Bedürfnisse. Aber das Gegentheil ist die Wahr- Helt: die Einfuhr nach Oberschlesien hat in diesem Jahre noch nicht einmal das Kontingent erreicht. Vom Januar bis zum Juli hätten 41250 Schweine nach Oberschlefien ein- geführt werden dürfen. Es wurden aber wirklich nur eingeführt 40670 Stück, nämlich um 1180 Stück weniger gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres. So sieht eS mit den Behauptungen der liberalen und sozialdemokratischen Händlerpreffe aus! Eine solche Behauptung nach der anderen wird als unrichtig nachgewiesen, nichtsdestoweniger aber von ihren Erfindern bei der nächsten Gelegenheit wieder vorgebracht, all ob eS sich um die wichtigste und großartigste Entdeckung handelte. Dazu gehört auch die völlig unrichtige Darstellung, als ob gerade bei uns in Deutschland die Preise ganz besonders hoch wären. Wie unrichtig auch dal ist, kann man ersehen aus einem Vergleiche mit der Bewegung der Preise im Auslande. Vom Juli 1900 bis Juli 1902 find die Schweine Im Preise gestiegen in den Vereinigten Staaten von Amerika um 32 v. H., in Dänemark um 35, in Deutschland aber nur um 22 v. H. Außerdem ist nach den unzweifelhaften amtlichen Zahlenangaben die Einfuhr lebenden Viehes und auch die Fleisch- einfuhr nach Deutschland gerade in diesem Jahre sehr stark gewesen, weit stärker als in den früheren Jahren und auch stärker als im Vorjahre. Man ersieht daraus mit großer Deutlichkeit, daß gerade die einschränkungslose Oeffnung der Grenze gar nicht erforderlich ist und unter den gegenwärtigen Umständen gar nicht den gewünschten Zwecken entsprechen würde. Man würde keinen Nutzen für die Verbraucher deS Fleisches erzielen, wohl aber großen Schaden anrichten bei allen den vielen Leuten, die bei unS in Deutschland Schweine züchten ober auch nur großziehen.
Eine Viertelstunde, ehe der Wiener Schnellzug die Station Kohlstetten berührte, fuhr Direktor Finding in einer Lohnkutsche zum Bahnhof und ließ sich in dem Wartesaal I. Klaffe nieder.
Die Bergleute, an welchen er vorüberkam, grüßten ihn mit mißmuthiger Miene, und machten in der Tasche eine Faust; denn in diesem Manne sahen sie den Grund all ihrer Beschwerden leib» lich verkörpert. Wohin wollte der Direktor reifen? Wollte er vielleicht den Verhandlungen mit ihnen aus dem Wege gehen, nur um den Streit zu verlängern? Warum fuhr der stolze Mann heute in dem schlichten Mieths wagen, er, der sonst sich in der stattlichen Karosse mit dem gräflich von Ostmark'schen Wappen zu blähen verstand, mehr als wäre er der Herr Graf selber?
Die Antworten, welche fich die Bergleute auf ihre eigenen Fragen gaben, waren der mannigfaltigsten Art und widersprachen sich zum guten Theile, aber etwas Gutes verrnuthete Keiner hinter den Unternehmungen des Direktors. Am meisten war jedenfalls der Wunsch vertreten, er möge nur verreise«, um nie wieder zu kommen.
Jndeß war Finding sicherlich derjenige, welcher am wenigsten darnach fragte, was seineUntergebenen über ihn dachten. Er fragte überhaupt nicht gerne nach Jemand, und jede Weisung, welche ihm zukam, fei es von der Centralverwaltung oder von der Herrschaft selber, wurde vo.i ihm von jeher nur mit innerem Knirschen ausgenommen ; doch war er so schlau, davon nichts zu verrnthen, well es ihm hätte schaden können.
Der heutige Besuch war ihm erst recht zuwider. Bisher hatte er fich bei seiner Gruben-