Einzelbild herunterladen
 

Mttbtlnl HgfidL

>e». 8ttftdÜ6tt B'4»s«»"i» 6d|o#en*ptrlo1ie

Hold«Hb ««»- WrUllÄ^Oet

O

II ......

»«anteertll»: Bit M<- IrtatlUw 3#t. Sleflfc fit Jeferat« 3. P«ti«IUr in L-Ida.

mit den Beilagen

Tllusfrirte Sonntaqs--Zeflung",Fuldaer ßeschicbtsblätter" und roflene=ri$fe.

M 219.

Jutöa, Dienstag, den 23. September 1902.

®4 einspaltige DeUk» «eile ober bert< RauinlSPfg..R» Hamen bie Petit, »eile 25 Pfg.; bei SBieberbolungen wirdenlsprecheu» Rabatt gewLhtß

D Combes gegen Pelletan.

Die Männer, welche das gegenwärtige Mini­sterium in Frankreich bilden, bieten der Welt ein wunderliches Schauspiel dar. Der Kriegsminister Andr 6 läßt keine Gelegenheit vorübergehen, ohne an die Pflicht zur Rache gegen Deutschland zu erinnern. Sein Amtsgenofle von der Marine, Pelletan, überbietet ihn noch, indem er in Korsika gleichzeitig auch gegen Italien die Mün­dung der schweren Marine-Geschütze richtet. Herr Delcass«, der Minister des Auswärtigen, läßt in den Zeitungen, die ihm zur Verfügung stehe», die beiden Säbelraßler aus's grausamste verspot­ten, und zum Schluffe kommt das Haupt des Ganzen, der Herr Ministerpräsident Combes, und bittet um Entschuldigung für Herrn Pelletan und seine kriegerischen Extratouren.

In Frankreich müffen die Minister gleichzeitig als parlamentarische Vertreter irgend eines Wahl­kreises ein Äbzeordneten-Mandat besitzen. Herr Combes hat seinen Wahlkreis dazu ausersehsn, um am letzten Sonntage vor seinen Wählern das zu sagen, was er gegen ober über die Herren Pelletan und AndrL zu sagen für nöthig und ge» schmackooll hielt. Außerdem benutzte er diese Ge- legenheit, um wieder einmal seine und feiner Ge­sinnungsgenosse« Härte gegen die Kongrezattone« und Klosterschulen zu vertuschen, indem er sich so anstellte, als verstehe sich dieses Verfahren ganz von selbst und al« loste die Regierung der Re­publik der Kirche alle nur mögliche Gerechtigkeit Widerfahren!

Von dem Marin« kollegen Pelletan aber meinte der Herr Ministerpräsident: es sei ihmim'Fener der Improvisation, in der warmen mittheilsktmen Stimmung eines Banketts ein ein wenig seusatio- «eller Wort entschlüpft", das nurben Werth einer stilistischen Ausschmückung, eine« rednerischen Bilde« haben sollte". Man solle doch nicht gar zu viel Gewicht darauf legen, dennbie Regierung sei niemals durch individuelle Erklärungen eine« Ministers gebunden". Sie werdenur gebunden durch die Erklärungen des Chefs der Regierung", und in Angelegenheiten der auswärtigen Politik habenur der Minister des Auswärtigen die Auf­gabe, im Namen der Regierung zu sprechen und zu handeln".

Bei uns in Deutschland hat sich wegen der rednerischen Ausschweifungen einer Andrö und eine« Pelletan auch nicht ein Hälmchen gerührt. Mit gelaffenem Spotte oder mit vollendeter Gleich­giltigkeit hat die deutsche Preffe darüber quittirt. Wenn aber Minister in dieser Weise von ihrem Kabinetrleiter als Menschen bezeichnet werden, auf deren Redensarten man gar nichts weiter zu geben braucht, dann sollte man meinen, daß diese Minister sich recht überflüsstg in ihrem Ministerium vor­kommen und sich seitwärts in die Büsche des Privatlebens schlagen müßten. Sonst labet ja Herr Combes selbst den Fluch der Lächerlichkeit auf stch und auf sein ganze« Ministerium, in dem er Mitglieder duldet, die er selbst vor der breiten Oefftntlichkeit als politische Nullen hinstellt.

Gerüchtweise nennt man in Paris bereits den Nachfolger Andrs's. Es soll der General P e r c i n sein, bereite unter AndrL im Krieg« Ministerium fett mehreren Jahren thätig.

KiS -Rechenschaft.

Roman von Paul vom Wildbach.

L4 ------(Nachdruck verboten.)

Na, das ist ja ganz gut, da muß die Sache auch zum Ende kommen, wenn Eure Forderungen nicht gerade tzanz unannehmbar sind. Wie lauten sie denn?"

Es ist schon etwas Wasser in den Wein gethan worden. Aus die Lohnerhöhung wurde für diesmal verzichtet, doch wenn wieder Herab­setzungen stattfinben sollen, müffen vorher die Arbeiter angehöt werden."

Das scheint mir nicht unbillig," erwiderte der Pfarrherr.TS ist jedenfalls nicht zu leugnen, daß die plötzlichen Lohnherabsetzungen im letzten Gommer, wo kein Bedarf an Kohlen ist, und die Verwaltung freie Hand gegenüber den Arbeitern hat, viel böses Blut gemacht haben."

Sodann verlangen wir Schonung unserer Weiber. Es sollen keine Frauen mehr für die schweren Arbeiten verwendet und dadurch den Männern der Broderwerb genommen werden."

Ganz zu billigen," erwiderte der Pfarrer: Am besten wäre es, die Frauen brauchten über- Haupt nicht unter die Erde, aber einstweilen wird sich dies doch nicht erreichen loffen."

Sodann wünschen wir eine bessere Behand­lung durch die Beamten und Wegfall der Strafen, wenn ohne Verschulden des Bergmanns die Förderung nicht ganz rein ist."

Das letzte scheint mir etwas zu allgemein gehalten," meinte der Pfarrer nach kurzem Be-

(!) Wie das katholische Oesterreich protestantisirt wird.

Mit welchen schmutzigen Mitteln die Los von Rom-Bewegung in Oesterreich betrieben wird, zeigte eine Schwurgerichtsverhandlung in Graz. Angeklagt war der Redakteur eines katholischen Blattes, weil er dieLos von Rom"-Bewegung als elenden Seelenschacher bezeichnet hatte. Er wurde aber auf Grund des von seinem Verthei- feiger, Dr Nester, erbrachte» folgenden Wahr­heitsbeweises sreigesprochen. Denn es bekundeten, wie wir der .Sächsischen Volksztg/ entnehmen:

1. Die Zeugen Rudolf Maierhofer, Jos-pH Monsteger, Franz Gaffer, Siegfried Schöpfer und Joh. Sattler, daß der abgefallene und heute evangelische Vincenz Stuhlpfarrer im Epital zu Mürzzuschlag seine Zimmergenoffen wiederholt zum Abfall vom katholischen und zum Uebertritt zum protestantischen Glaube» zu verleiten suchte, mit der Versicherung, daß sie Geld dafür be­käme»; er selbst habe 30 Gulden erhalten.

2. Die Zeugen Franz und Anna Jost und Joh. Wellner in Graz, daß der abgefallene und heute evangelische Uhrmacher Tchweighofer sie zum Abfall vom katholischen Glauben verleite» wollte mit der Zusicherung, daß dieselbe» »ach vollzogenem Abfall je 4u Gulden erhalten wer- den, welche Summe auch er für feinen Abfall erhalten habe. Zeuge Schweighofer bestätigt diese Angaben.

3. Der evangelische Zeuge Simon Huber, daß in seiner frühere» Kirchenqemeinde Landkron in Kärnthen mehrere Katholiken für den Abfall zum Protestantismus Geld erhalten haben.

4. Zeuge Fürst-m von Fürstenberg, Herrenhausmitglikd in Wie», daß ein Abfalls­agent i» einem Dorfe die Bauern bewirthete und schließlich durch Schenkung von je 5 Gulden zum Abfall beroogen habe.

5. Endlich bekundete der Statthaltereirath Eugen von Schickh, daß eS bei der BezirkShaupt- mannfchaft in Graz aktenmäßig festgestellte Fälle gebe, in welchen Uebertrittserkläcungen zum Protestantismus in unzurechnungsfähigem Zu­stande abgegeben oder mißbräuchlich unterzeichnet waren (WirthShauspropaganda).

Im weiteren Verlaufe bezeugt der katholisch getaufte, zum Protestantismus abqefallene Joseph Preidel in Turn (bei Teplitz) öffentlich, daß er frei und ungezwungen, aus innerer Ueberzeugung zur katholischen Kirche mrückkehre, nachdem er nur durch ihm g machte Versprechungen erhaltener lohnenden Beschäftigung sich zum Abfall habe verleiten laffen.

Zu de» schmutzige» Mitteln, womit die Protestantisirnng iw Oesterreich betrieben wird, gehören weiter die Preßerzeugniffe, die von Lügen gegen die katholischen Priester strotzen. Es sei nur hervorgehobe«, daß der österreichische Priester- rechtsschutzverei» in seinem Rechenschaftsberichte seststellte, er habe auf Grund des Berichtigungs- Paragraphen die gegnerische Preffe i« kürzester Frist zu 140 Berichtigungen gezwungen, in welche» zusammen etwa 700 Lüge» und Ver­leumdungen »achgewiesen wurde».

denken.Jndeß kann ja auch die Verwaltung das ihrige zur Klärung der Sachlage beitragen. Ihr Bergleute müßt aber auch nicht aus Rand und Band kommen, wenn nicht gleich alle Forde­rungen in ihrem ganzen Umfang Erfüllung finden."

Das wird sich schon geben," entgegnete der Bergmann,wenn wir nur erst einmal zum Verhandeln kommen. Aber das scheint seinen bösen Haken zu haben. Wie wäre es, wenn eine Deputation zu dem Herr» Grafen reiste?"

Der Vorschlag läßt sich hören. Ich merke daraus, daß Ihr mit de» hiesigen Beamten nicht gern zu thun habet, und finde es nicht ganz unbegreiflich; aber Ihr werdet doch immer zunächst noch einmal hier anklopfen müffen. Wenn Ihr gleich nach Wien geht, ist das eine offenbare Mißtrauensbezeugung gegen die hiesige» Leiter, die Euch schwer Übel genommen werde» könnte. Auch ist es fraglich, ob man Euch in Wien überhaupt anhört, oder ob man Euch ein­fach wieder an die hiesigen Beamten verweist."

Leider ist daS nur zu richttg," stimmte der alte Bergmann bei. Wenn nur der Finding nicht wäre, oder wenn wir mit Herrn Ober« Ingenieur Ecker zusammenkommen könnten. Aber der scheint sich um die Sache fast gar nicht zu kümmern. Er ist sonst ein Mann, der Ver- ständniß hat für das, was den Arbeiter drückt. Gerade deshalb darf er nicht viel sagen. Der Direktor Finding bevormundet ihn, und so geht er um Streit zu vermeiden, jeder Berührung mit den Arbeitern aus dem Wege."

Nun laßt Euch durch Euer Mißtrauen nicht irre machen," ermuthigte der Pfarrer,

Berlin, 22. September 1902.

+ Die Merline» Bürgermeister Irage schien noch einmal i» de« Vordergrund des politi­schen Jntereffes durch die Heilung und Rückkehr des Stadtrathes Kauffmann »ach Berlin ge­rückt werden zu sollen. Herr Kauffmann hat aber zum zweiten Male auf das ihm zugedachte Amt des zweiten Bürgermeisters von Berlin verzichtet. Die Berliner Siadtväter müffm stch also nach einem andern Bürgermeister umsehen.

+ Are Ireistrmigerr «nd die Ileisch- frage! Die freisinnige Volk-partei will einen allgemeinen Parteitag in Himburg abhalten. Zu dieser Versammlung ist nun auch ein Antrag ein» gebracht worden, der sich mit der Fie.schfrage be­faßt und verlangt, durch regelmäßige Zählungen in kurzen Zeiträumen festzustellen: 1) wie groß der Bestand an Zuchtvieh ist, 2) wie groß die daraus erzielte Produktion ist und 3) wie viele Thiere in Abgang gekommen sind für die ver­schiedenen Verwendung«; - ecke. Das Streben nach ernstlicher und eingehender Prüfung der Ver- hällniffe, auf die es ankommt, kann man nur loben, und man kann nur wünschen, daß diese Prüfung wirklich in streng sachlicher Weise durch­geführt werde.

X Die I-lttarif-Kommisst-« des Reichstages bat am heurigen Montag, Mittags 12 Uhr die zweite Lesung des Zolltarif-Entwurfes der Reg' ?u»g be­gonnen, ohne daß ein einziges ihrer Mitgtteoc- vorher auch nur um eine« Deut mehr gewußt hätte über die Absichten der Regierungen, als vorher. Reichskanzler Graf Bülow hat soeben erst seinen Sommersttz auf der wogenumbrandeten Nordsee-Insel Norderney verlasse« und natürlich hat man nicht eher auf erneute ein­gehende Berathungen der Verbündeten Regierungen über die Zvllfragen zu rechnen, bevor nicht wieder der Kanz­ler an diesen Berathungen theilnehmen kann. Inzwischen aber hat stch doch eine Klärung der Sachlage vollzogen. Die Berathungen der konservative« Fraktion des Reichs­tages haben ein Ergebniß geliefert, auf das man viel­fach nicht gefaßt »ar, wenigstens nicht im liberalen Lager. Denn die Beschlüsse der konservativen Fraktion widersprechen ganz einfach der Haltung, die im allge­meine« ihre Vertreter in der Zolltarif-Kommisston ein­genommen haben. Nach diesen Beschlüssen

steht die konservative Partei nach wie vor fest auf dem Boden deS ausreichenden Schutzes der gelamm­ten nationale« Arbeit. Daher so wurde be­schlossen ist

1) der Zolltarif-Entwurf der Vrrbündeten Regie­rungen nicht annehmbar.

2) Auch die Beschlüsse der ersten Lesung in der Kommission berücksichtigen die berechtigten Wünsche der Londwirthschaft nicht genügend. An der Bindung der Getreide- und Biehzölle ist unbe­dingt festzuhalten.

3) Sollten die Forderungen der Landwlrthschaft nicht eine wesentlich weiter gehende Berücksichtigung finden, so ist eine namhafte Herabsetzung der Jndustriezölle nothwendig."

Man muß stch klar darüber »erden, bafc damit inner­halb der konservative« Fraktion des Reichstages die Richtung deS Bunde? der Landwirthe einen Sie« er­rungen hat über die Elemente, die zu bedeutender Nach­giebigkeit gegenüber der Regierung bereit waren. Bon den Verbündeten Regierungen kann man aber nur entweder sagen, daß fie wieder einmal den Anschluß versäumt haben, oder daß ihnen an dem Zustandekommen ihres sonder» thut biijmigen Schritte, welche die Ord­nung und die Vernunft von Euch fordern, dann wird auch wohl Alles wieder inS richtige Geleise kommen."

*

Zu derselben Zeit, wo der Pfarrer Kapvner die Unterredung mit den Bergleuten hatte, befand sich der technische Letter der Ostmark'fchen Werke, Herr Oberiugenieur Ecker, in dem Geschäftszimmer des Direktors Finding, um ebenfalls zu hören, wie der Stand der Sirikeangelegenheit sei, und dieser berichtete, wa» er von feinen geheimen Kundschaftern vernommen, daß gestern Abend eine Versammlung der Arbeiter stattgesunden hätte und eine Depu­tation mit der Einleitung von Verhandlungen be­traut worden fei.

Sie scheinen also so langsam zur Vernunft zu kommen," sagte Ecker, eine kleine robuste Ge­stüt mit kurzem schwarzen Vollbart um dar volle Gesicht.Es ist gut, daß die Geschichte bald wieder in Gang kommt. Den Maschinen ist es auch kein Vorthril, daß sie so lange still st-hen, und in den Gruben haben die paar Beamten alle Hände voll zu thun, daß ihnen das Wasser nicht über den Kopf wächst."

Mir ist die Sache gar nicht so eilig," er­widerte Finding, indem er seine lange Gestalt ge­waltsam in die Höhe reckte und einen scharfen Blick auf den streikmüden Kollegen richtete. Sein listiger, verschlagener Gesichtsausdruck, zu welchem da« brandrothe Haupt- und Barthaar die passende Umrahmung bildete, wirkte dabei »och abstoßender, al« man e« sonst an ihm gewohnt war.Im G'gentheil, der Stillstand ist uns nur von Nutzen. Die Kohlenpreise steigen rapid, und den kleinen!

®nur an» v-rl-r 6rr Jattari IdknörUW P<t<r*eege Nr. 8 (UareumUL

...............if

29. Jahrgang.

eigenen Tarifentwurfes gar nichts zu liege« scheint. Den« durch diese« Vorstoß der konservative« Reichstags- fraktton ist die Wahrscheinlichkeit, daß im Laufe dieser Tagung des Reichstages überhaupt etwas zu Stande komme, wiederum um einige Grade mehr-dem Gefrier­punkte näher gerückt. Di« konservative Partei ist durch dies« ihre Beschlüsse nunmehr fest gelegt und kann der Regie­rung gar nicht mehr entgegenkommen, auch wenn fie eS wollen würde. Die Freikonservattven aber wollen, ebenso wie daS Centrum, nach ihrem einstim­migen Beschluffe an den Beschlüssen fefthalten, die die Kommission in ihrer erstenLesurg gefaßt hat Dann« die Vertreter der Verbündeten R.gierunge« bisher noch nie etwas Anderes gesagt haben, als daß diese Be­schlüsse der ersten Lesungunannehmbar" für sie seien, kann man im gegenwärtige« Augenblicke die Lage der Dinge gar nicht anders als so ziemlich aussichtslos bezeichnen. Die eine Thatsache wenigstens ist vollkommen klar und zweifelsohne, daß der unveränderteEnt» wurf des Bundesrathes auch ganz und gar keineAuSficht mehr aufAnnahme imReichS» tag e hat. Allgemein hatte man gehofft, daß die Frak­tionen, wenn sie zur Berathunz der Zollgesetze zusammen­treten würden, an neue Erklärungen des BuudesratheS oder doch an Aeuherungen von dessen berufenen Ver­tretern würden anknüpfen können. Diese Hoffnung hat fich nicht erfüllt. Die Regierangen habe« in ihrem starren Schweigen verharrt. S,e allein tragen die Schuld daran, daß ihr Gesetzentwurf um einen neuen großen Schritt dem Sturze in den Abgrund näher ge­rückt ist.

X Ar»» AntSerfrage ist nachträglich in einer halbamtliche» Darlegung der ,Südd. ReichSkorresp/ bestätigt worden, daß nur England eine ablehnende Antwort erteilt Hal auf Die russische» Anregungen. Weder Frankreich noch Deutschland hat bis jetzt geantwortet. Im übrigen bemerkt der OsfiziosuS noch das Folgende:

Wir brauchen näher intereffirten Mächte» nicht vorzugreifen,um so weniger,als der russische Schritt keineswegs gerade Deutschland beson« ders nahe angeht. (?) Es heißt den Dingen Gewalt anthun, wen» man der internationalen Regelung der Zuckerfrage für das Verhältniß zwischen Deutschland und Rußland eine folgen­schwere Bedeutung beimeffen will. Der dunkle Punkt in der Zukunft Der deutsch-russische» Wirtschaftsbeziehungen find die Getreidezölle."

Mit solchem Speck wird man keine Zollmäuse im Reichstage hinter dem Ofen hervorlocken. Die russische Zuckergefahr ist für uns in Deutschland nicht zu unterschätzen. Auf der anderen Seite dürfen wir doch unser» Bauernstand nicht ohne weitercs polittschen AuSlandsintereffen opfern. Das ist nun schon so oft dargethan worden, daß man stch wundern muß, stets und immer wieder dieselben Beweismitteln gegen gleich verkehrte offiziöse Darlegungen anwenden zu müssen.

X Weidlich« Kiseuvahnveamtc. Wer öfter Gelegenheit hatte, in großen Stätten die Thätigkeit der weiblichen Beamte» an den Ver- kaufSfchalkern der Eisenbahnen zu beobachten, hat ge­wiß auch mehrfach die Bemerkung gemacht, daß diese Damen eigentlich nicht an den richtige» Platz gesetzt worden sind. Dieselbe Beobachtung muß wohl der neue preußische Eisenbahnminister gemacht haben: nach seiner lebten Verordnung müssen nunmehr die weiblichen Effenbahnbeamte» von den Fahrkrrten-Schaltern zurückgezogen und im innere» Dienste verwendet werde». Diese Maßregel soll bald wie stich auSgeführt werden, sowie nur männliche Beamte» in aus­reichender Anzahl für den Schalterdienst ausge­bildet sein werde». Hoffentlich wird durch diese

Ausfall der Förderung können wir leicht wieoer beibringen, wenn wir nur die Streikbande richtig Lein gekriegt haben. Je länger wir ruhig sind, desto mürber muffen die Kerle werden."

Nun, ich meine, etwas könnte man auch nach­geben. Die Geschäfte waren in dm letzten Jchrerr nicht schlecht, da« beweisen ja unsere Nmanschaff- ungen. E« find doch wirklich kleine Paläste, die wir zu unserer B quernlichkrit al« Dienstgebäude neu hingestellt haben, da könnte man schließlich in der Lohnforderung etwas entgegenkommen. Und was die Klagen über die Behandlung an­geht, so kann man ja auch eine Versprechung ab» gehen. Es würde uns al« humanes Entgegen­kommen angerechnet, und an der Sache wird es doch nichts ändern."

Entgegenkommen?" rief Finding.Fällt mir gar nicht ein, wo untere Chancen so gut stehen ! Auf dem Bauche sollen die Kerle erst zu mir kriechen, dann wollen wir mit einander reden, eher nicht. Und wenn einer muckst, rufen wir Militär jur Hilfe. Man kann un« diese Forde­rung nicht versagen, dafür haben meine Berichte an die Zeitungen und die Behörden schon genügend vorgeardeitet."

Ecker schwieg stille. Die Ideen bei Direktor« gefielen ihm gar nicht. Er war eine derbe, biedere Natur, deren ganzes Sinnen und Trachten schon seit 30 Jahren in dem Betriebe der gräf­lichen Gruben aufging. Frau und Kinder hatte er, der alte Weiberfeind, nicht, und so war ihm denn der Stillstand der gewohnten Beschäftigung eine recht unbequeme Störung. Allein er fügte fich auch diesmal, wie immer, wenn fein Kollege etwas anordnete. Was tützte eS auch, wen» e