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0 Bom sozialdemokratischen Parteitage.
Die sozialdemokratische Presie macht eS sich alljährlich zum ganz besonder« Vergnüge», die große deutsche Katholiken'Versammlung herunter zu reiße», auch mit dem vollen Bewußtsein dabei, mit der Wahrheit nicht gerade allzuängstltch umzugehen. Die sozialdemokratischen Zeitungen brauchten sich also nicht gerade sonderlich arg darüber zu verwundern, wen« eS aus demCrntrumS- walde herausschallen würde, wie er von links her in ihn hinein geschallt war. Aber im allgemeinen krittstrt die katholische Presie die sozialdemokratische» Parteitage weit sanfter, unendlich Iviel sachgemäßer, alS die Sozialdemokraten eS mit den KatholikrN'Vrrsammlungen machen; und sie .wird sich von dieser löblichen Gepflogenheit auch schwerlich abbringen lassen. Tin Centrumrblatt ahmt nicht daS Tadelns« erthe »ach, das ihm von Jenen vorgemacht wird.
Diesmal indessen ist eS ganz unmöglich, des sozialdemokratischen Parteitages in München ohne eine gewisse spöttische Heiterkeit zu verfolge» — ohxe heitern Spott, wenn man daS lieber hören will.
Bevor dieser Parteitag begann, war der Sozialdemokratie gar nicht wohl. Man befürchtete, bei der bevorstehenden Streiterei würden die Späne hageldicht fliegen. Man suchte darum vorher »ach Möglichkeit abzuwiegeln: wesentliche Streitpunkte lägen ja gar nicht vor, der Parteitag würde ungewöhnlich still und ruhig verlaufen und wahrscheinlich nur unter dem Zeichen des berühmten „BrodwucherS" stehen — Gras Caprivi konnte das nicht besser mache», alS er einmal sagte: unter ihm werde die Politik fürchterlich langweilig werden. Sie wurde aber recht wild unter dem Grafe« Caprivi, und ähnlich bockig ist auch daS Roß des Parteihaders unter dem Sattel dieser neuesten sozialdemokratischen Heerschau geworden. Der häusliche Zwist zwischen den beiden Richtungen, den Zahmen und de» Wilden, ist beinahe noch stärker und noch heftiger hervorgetreteu, als in den Jahren vorher; und wenn der Riß augenblicklich auch wieder noch verkleistert worden ist, so frißt er im Innern deS sozialdemokratische» Parteihauses dennoch nn- entwegt weiter, und eines schönen TageS wird daS dieselbe Wirkung habe», wie in Belgien und Frankreich auch: die eine Partei wird in zwei von einander gesonderte Parteihaufen zerfallen. Und dabei suchte der gute alte Herr Auer in seinem Geschäftsberichte die Aufmerksamkeit der „Genossen" vom eigenen GlaShause abzulenken auf angebliche Schwankungen deS unerschütterten CentrumSthnrmeS. „Wir dürfen nicht vergesse», Genosse», i« Centrum rnmort'S! Und in eine Zeit innerer KrifiS hinein, die daS Centrum jetzt betroffen hat . . . usw. ufro/ — Na, uns kann es recht sei«. Bermuthlich werden die Herren Genossen »ach den nächsten Wahlen zum Reichstage von neuem am eigenen Leibe es verspürt haben, daß der angeblich berstende Centrumsthurm noch immer die allerfesteste und allergefährlichste Mauer für die anflürmenden Geister der Sozialdemokratie ist.
OiS Rechenschaft.
Roman von Paul vom Wildbach.
13 ------(Nachdruck verboten.)
7. Kapitel.
Im Land« der schwarzen Diamanten.
Kohlstetten, wo die Verwaltung der Ostmark- scheu Gruben ihre» Sitz hatten, war ein mäßig großes Städtchen im Mittelpunkte des böhmischen Kohlenreviers.
Früher mochte der Ort wohl kaum 2000 bis 3000 Seelen gezählt haben, und dieser ursprüngliche Kern war heute »och genau zu unterscheide« vo» dem, waS sich später angeglie-ert hatte. Tort waren enge, winkelige Gaffen und Gäßchen mü meist recht sauber auSsehrnden, mannigfach von einander abstrchrnde» Häuschen, in denen hauptsächlich Krämer und kleine Handwerker nach althergebrachter Weise ihre Schätze zum Verkaufe auSboten. Hier im neuen Theile, der sich wie ein breiter Gürte! ringS um jenen älteren Kern hinzog, sah man nur breite, gerade Straßen mit Häusern von ermüdend gleichmäßigem und rin- tönigem Aeußern, welche alle mehr oder weniger den Eindruck von wohlbrsetztr» Mtechskasrrnen machten.
Nur einige wenige Gebäude machte« hiervon eine Ausnahme. Sie lagen oillrnartig inmitten von große«, üppig gepflegte» Gärten und zeigten, daß ihre Bewohner eS sehr gut verstanden, die Güter dieser Welt sich zu Nutze zu machen. Es waren dies die Wohnungen der Eigenthümer und höheren Beamten der umliegende» Grube« und
Iutöa, Montag, den 22. September 1902.
Tatsächlich ist es den Obergenoffen ein unheimliches Gefühl, wenn von Gegensätzen und von einer Möglichkeit der Trennung gesprochen wird. Herr Auer meinte ängstlich: «an solle doch lieber von solche« Dingen nicht reden; das sei schädlich! Einen Kampfhahn hat man sich vo« Halse geschafft, den berüchtigten Schreckensredner Stadthagen, indem man ihn nach Berlin entsandte, um die Sozialdemokratie in der Unterkommisfion der Zollkommisston des Reichstages zu vertreten. „Das ist der freche Kerl, der Stadthagen! Berliner Großschnauze! Unverschämter Kerl! Sump!" — alle diese Ehrentitel bekam Herr Stadthagen, als er in einer der ersten Münchener Sitzungen einem „Genoffen" die Liebenswürdigkeit ins Gesicht sagte, er werfe mit „unverschämten Redensarten" u« sich!
Ganz ergötzlich ist und bleibt die Polenfrage bei der Sozialdemokratie.
Man denke doch nur daran, daß die Sozialdemokratie „die Proletarier aller Länder vereinige« will" in Frieden und ewiger Freundschaft; und sie ist nicht einmal im Stande, die „Genoffen" der verschiedenen Völkerstämme innerhalb der Grenzen des deutschen Reiches in einem Parteirahmen bei einander zu halten. Die deutschen Sozialdemokraten und die polnischen Sozialdemokraten lassen sich nicht zusammenspannen vor den Parteiwagen; alle Vertreter der Sozialdemokratie aus den östlichen Theilen des Reiches mußten bekennen, daß sie mit den polnischen Gesinnungsgenossen nicht zusammen an einem Tische fitzen könnten. Die „Internationalen" müssen ohne weiteres einräumen, daß ihre Völkerumschlingungs- lehre in dem allerersten praktischen Versuche, fie in die That umzusetzen, vollkommenen Schiffbruch erleidet!
Zum Schluffe das allerbeste: Zum erste» Male ist es bei einem sozialdemokratischen Parteitage klar und zweifelsohne zum Ausdruck gekommen, daß die Sozialdemokratie zugestehen muß: i» der Behandlung der Gesetze über die Arbeiter-Fürsorge habe» wir, wir Sozialdemokraten, ehemals unrecht gehabt, indem wir Opposition im Reichstage gegen jene Gesetzentwürfe trieben, die von dieser elende» bürgerliche» Gesellschaft uns vor- gelegt wurden; wir müffen zugeben, daß diese verrottete Kapitalisten - Bande der Arbiter schäft wirklichen Segen mit diesen ihre« Fürsorge-Gesetzen gebracht hat, und wir müssen nun danach trachten, unser eigener Programm i« dem Punkte der Arbeiter-Versicherung beffer und sorgfältiger als bisher auszubauen! Diese Fürsorgegesetze verdanke« ihre Ausgestaltung tm wesentlichen dem Centrum. Weiß jetzt die Sozialdemokratie, warum sie ihren politischen Kampf hauptsächlich gegen daS Centrum richten muß und doch dabei nichts auS- richten kann?
Berlin, 20. September 1902.
+ Der ,Nordd. Allg. Ztg/ zufolae ging dem
Reichskanzler vom Hstastattfche« Meret« mit
industriellen Werke, insbesondere der gräflich Ost- mark'schen Verwaltung.
Trotz dieser verschiedenartigen Ausstattung der Kohlstetter Behausungen waren diesÜben doch in einem Punkte alle gleichgestellt: jahraus j»hrein lag über ihnen eine dunkle Rauchwolke, welche allem, was da lebte und webte, binnen kurzer Zeit eine grauschwarze Decke überbreitete, und selbst das Grün der Bäume und die Angesichter der Menschen nicht verschonte; schon die Kinder auf den Armen ihrer Mütter trugen düsen düster« Sklavenstempel der modernen Industrie, auf ihren bleiche» Stirnen.
Mitten in Kohlstetten selbst, die hohen Fabrik- schlote noch um «tu Bedeutendes Überragend, stand die Kirche, und dicht dabet lag das Pfarrhaus, wo soeben Herr Pfarrer Kappner in seinem Sludier- zimmer auf und abschritt uub sein Brevier betete.
Pfarrer Kappner mochte wohl ein Siebevziger sein, sein Haar war schneeweiß und der Oberkörper etwas gebeugt, doch sein Schritt war noch sicher und fest, und die im jugendlichen Feuer glänzenden Augen bewiesen, daß in der hageren arcetischen Gestalt ein reger Geist und ein ungebrochener Wille herrsche.
So war es auch in der That; ein gutes Gewissen und ein fröhlicher, arbeitsamer Geist hatten den hochwürdigen Herrn die Beschwerden seines Alters so glücklich überwinden lassen, daß er immer noch den schweren Anforderungen feines Priesteramtes in der großen Gemeinde völlig gewachsen war und ihnen auch mit stets gleicher Pünktlichkeit und Berufitreue nachkam.
Heute aber drückte ihn doch etwas mit ganz besonderer Schwere, und gar manchmal flog sein
Beziehung auf die Befriedigung der deutschen Entschädigungsansprüche aus den chinesischen Wirre« ein Dankschreiben zu, nach dem bisher 39 pCt. Schadenersatz gezahlt find und weitere Theil- zahlungen zum Jahresende in Ausstcht stehen. Es heißt dann weiter: Wen« auf diese Weise für die deutschen Kaufleute erreicht wurde, was unter den obwaltenden Umständen erreichbar war, so ist das in erster Linie dem wohlwollende« Verständniß zuzuschreiben, welches die Reichsregierung den Bedürfnissen und Wünschen der beteiligten Kaufmannschaft entgegengebracht hat, sowie der zielbewußten Energie mit der fie diese Wünsche vertreten hat. Die deutsche Kaufmannschaft empfindet freudigen Stolz über diese- kraftvolle Eintreten ihrer Regierung für die Interessen des deutschen Handels und wird hierin einen Ansporn zu immer weiterem Vorwärtsstreben im friedlichen Wettbewerb mit andere« Völker« erblicken.
+ Deutsche Curuvereiue i« de« Hst- marke». Der Ausschuß der deutschen Turnerschaft hatte sich mit einer Eingabe an den Reichskanzler Grafen Bülow gevandt und um Unterstützung von Turnhallenbauten in den polnischen Gebieten deS Reiches gebeten. DaS Reich geht die Sache natürlich nicht- an. Aber die Eingabe hat dennoch Beifall gefunden, und so hat der Ausschuß der deutschen Turnerschaft den Bescheid erhalten, er möge sich in dieser Angelegenheit an die zuständigen Oberpräsidenten wenden. Dem Ober- Präsidenten wäre eS erwünscht, eine Nachweisung derjenige« Vereine in der Provinz Postzl zu erhalten, die an die Deutsche Turnerschaft angeschloffen find. Dieser Bescheid ist unterzeichnet von Vertreter» des preußischen Ministeriums des Innern, des Kultus- und des Finanzministeriums. Rach diesem Vorgänge der Turner und dem von ihnen erzielte» Erfolge werden nun wohl noch manche andere Vereine fich an die Regierung wenden, um «"ter der Flagge deS DeutschthumS Unterstützung durch Staatsgelder zu erhalten. Es ist nur die Frage, ob das Deutfchthum dadurch wirklich 4t*örbett wird.
X Aanki-rlag »«d KSrseugesetz. Nun haben auch die veutschen Bankiers ihren „Tag" gehabt, und zw rc an eine« recht paffenden Orte, in Frankfurt am Main. Warum auch nicht? WaS Andere» nribt ist, muß den Bankiers billig fein. Aber natürlich, und daS ist von oll- gemeinem Jntereffe, hat man fich alsbald auch mit der sogenannte» „Reform" des Börsengesetzes beschäftigt. DaS Volk hat zwar soebe» erst unendliche Summen an die berufsmäßige» Börsenspekulanten verloren in Folge der Hochtreiberei und der natürlich darauf folgenden Tiefbewegung der industriellen Papiere; aber «ach der A«ficht der berufsmäßigen Börsenkreise muß «och viel mehr verloren werden. Deswegen wünsche« fie, wie man ja weiß, daß die wohlthätigen Schranken, die die letzte Börsengesetznovelle gegen daS Umsichgreifen der Seuche der Börsenspielerei errichtet hat, wieder eingeriffen werden, und der preußische Herr Handelsminister hat sich dazu hergegeben, diese sogenannte „Reform" unter seine Fittiche za nehmen. Vorläufig ist ober nicht- aus dem Plänchen geworden, und nun ist großes Leid ausgebrochen unter denjenigen, die wiederum einige Schafe mit dem Börsenspiele gründlich rupfen
Ange unwillkürlich über das Buch hinweg zum Fenster hinaus, wo drüben die Schornsteine der Ostmarkschen Gruben in die Lüfte ragte», und zugleich horchte sein Ohr gespannt nach dem Thor des Pfarrhofes, als ob er einen Besuch erwarte.
Endlich klappte er bas Buch zu und wollte sich gerade in seinen Sessel niederlaffen, um eine andere Beschäftigung vorzunehme», als die Schelle des Hofthorks ertönte und sich zwei Bergleute mit er»st-n Mienen dem Hause näherten.
Einen Augenblick später standen die beiden vor ihrem Pfarrherrn, der sie nach kurzer Begrüßung sofort anredete:
„Nun wie stehen die Sachen, wie ist die Versammlung von gestern Abend verlaufen?"
„Ja, das wird der Erfolg zeigen müssen," erwiderte der ältere der beiden Männer, der den Wortführer machte.
„Kam es zu einem Beschlüsse — und wie nahm ihn die gräfliche Verwaltung auf?"
„Ja, di« Grubenverwaltung!" — seufzte der Sprecher. „An ihr wird es liegen, ob die Dinge schließlich noch einen gut«» Verlaus nehme», oder ob es zum Schlimmsten kommen wird."
„Was sagte denn der Grubendinkor, als Ihr ihm gestern Mittheilung von Eure» Plänen und Vorschläge» macht, t?"
„Ach, das war nicht viel. Er ließ unS gestern gar nicht vor; die Theilnahmr an der Versammlung schlug er rundweg ab und meinte, mit einem solchen zusammengelaufenen Hausen unterhandele er nicht."
„Nun, wie wünscht er den», daß die Verhandlung geführt werde?"
________________29. Jahrgang.
wollten: in Frankfurt hat man gemeint, die Novelle zum Börsengesetze „müffe irgendwie in einem Reichsamte hängen gebliebe» sein". Sie wird wohl noch länger dort hängen bleibe« — oder aber vom Reichstage wieder dorthi» zurückgeschickt werden, woher fie komme« würde, wenn die Verbündete« Regierungen e- wirklich nicht ohne eine Verschlechterung der Börsengesetzes an-« halten zu könne« glauben. Natürlich würde» fie dadurch auch ihre Stellung im Reichstage im allgemeinen schädige». Aber da- wußte» fie ziemlich genau auch beim Zuchthausgesetze und beharrte« dennoch etgenfinnig darauf bis zur erlittenen vollständige» Niederlage. Werden fie diesmal vorsichtiger sein?
+ Aimmelschreierrdk Der bei un- herrschende RechtSbrauch, Betrunkenheit bei Straf« ihate» al- „mildernde« Umstand" anzurrchne«, führt mitunter zu einfach himmelschreiende» Ur« theilen. Ein Kaufmann in Potsdam hat einen Tag hindurch in wüster Weise gezecht. Er hat Vormittags Weinsund Schnaps getrunken! nachmittags hat er diese» »eite» Lebenswandel fortgesetzt, indem er mit einem Bekannte« zusammen vier Flasche» Sekt und zwei Flaschen Rothwei» geleert und fich damit in einen Zustand versetzt, vo« dem er sagt, daß er dabei „völlig unzurechnungsfähig" gewesen sei. I« diesem Zustande aber hat er fich in unsittlicher Weise an einem Kinde vergangen, wie unzweifelhaft klar ihm «achgewiesen wurde; und nun ist er von dem Gerichtshöfe, der Über ihn zu urtheilen hatte, freigesprochen worden — eben wegen dieser angeblichen „völligen Unzurechnungsfähigkeit", in die er durch daS wüste Saufen den ganze» lieben langen Tag hindurch fich versetzt hatte. W» bleibt da die Moral des Rechter? Ein Mensch, der in der Trunkenheit auf solche Abwege geräth, darf doch nicht ohne weiteres straflos auSgehen. Ihm gebührt umgekehrt die doppelte Strafe, sonst werden wir noch mit dieser Art der Handhabung mildernder Betrunkenheitsumflände mitten in rechtliche Anarchie hineingerathe». Oder aber eS muß dafür gesorgt werden, daß Trunkenbolde, die im Zustande der Berauschtheit solche Hn« thaten begehen, zwangsweise in Trinkerheilstätten untergebracht werben, und weiterhin noch an andere« Orten, wenn auch die Einwirkung von Trinkerasylen vergeblich versucht worden sein sollte. Dieser freigesprochene Unhold in Potsdam wird bei der nächsten Gelegenheit wahr» scheinlich wieder ähnliche Gemeinheiten aussühren, denn er ist mit dem erhebenden Gefühle von dem Gerichtshöfe geschieden, daß man bei un8 in Deutschland derlei ungestraft thun kann, wenn man fich nur vorher den entsprechenden Rausch angetrunken hat. Himmelschreiend!
* Die konservative Aeicholago-Iraktio» hat am SamStag Nachmittag ihre Berathang der Beschlüffe der Zolltarts - Kommission in erster Lesung beendigt. Wie verlautet, hat fie fich von Neuem auf den Bode« deS „ausreichenden Schutzes der gesammten nationalen Arbeit" gestellt, die Zolltarif-Borlage der Verbündeten Regierungen verworfen, auch die Kommisfions« Beschlüsse erster Lesung alS ungenügend in Bezug auf die Erfüllung der berechtigten Wünsche der Landwirthschaft bezeichnet, sie Hütt die Ge-
„DaS sagte er leider auch nicht. Es schien fast, alS gefiele ihm der gegenwärtige Zustand ganz gut, und er wolle gar keine Aenderung."
Der alte Pfarrer schüttelte de» Kopf. Der Bergmann mochte, wie er den gräflich Ostmark'sche« Grubendirektor Finding kannte, schon Recht haben, den« dem Mann war jedes Mittel zu seinem Zwecke gut genug. Und doch durfte er als Pfarrer eS nicht aussprechen, um nicht neues Del ins Feuer zu gießen.
„DaS Beste wird wohl zunächst sein, daS Ihr einige von Euren Kameraden förmlich beauftragt, für die Grfammtheit zu unterhandeln," sagte der Pfarrer nach einigem Bedenken. „(88 ist ja ganz natürlich, daß nicht alle zugleich sprechen können. Also wählt zunächst drei ober vier ober auch sechs Mann, die für die Gesammt« beit das Wort führen. Sodann müßt Ihr auch Euere Wünsche in eine bestimmte Fassung bringen, damit Klarheit in die Sache kommt und nicht zu viel nutzlos hin- und her geredet wird. Wenn dann der Direktor nicht mit Euch verhandeln will, so muß mass weiter gehen a« die Hauptverwaltung in Wien ober im Nothfall an den Herr» Grafen selbst. Der wird schon zeigen, daß er für seine Leute ei« Herz hat."
„Das habe ich auch schon gedacht," erwiderte der alte Bergmann. „D'e gestrige Versammlung hat deshalb auf meinen Vorschlag auch schon einen Ausschuß gewählt, der die ganze Mannschaft vertrete» soll Auch unsere Forderungen haben wir, so gut es unsereiner kann, zusammengefaßt und wollen bitten, daß Hochwürden dieselbe« noch einmal durchsetzen möchten."
(FvrtsktzunLifolgt.)