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> »Ä-t* »••><«« »«Moe „mustnrte Sonntags-‘Zeitung , „Fuldaer Gescbiditsblättef®* und Eofterfe-risft.

IuE-a, Freitag, den 19. September 1902.

JE 216.

29. Jahrgang.

• Zum Zolltarif.

Verschiedene Berichterstatter wollten wissen, die Unterkommission der Zolltarifkommisston der Reichstages werde nicht in der ursprünglich geplante« Weise zusammevtreten und berathen. Wir haben von diesen Meldungen nicht Notiz genommen, weil fie unmöglich zutreffend sein konnten; denn die Einsetzung der Untettommisfion, der Zeitpunkt ihres Zusammentretens und die Marschordnung für ihre Berathungen waren von der Gesammtheit der Zolltarifkommisston be- schloffen und bestimmt worden, konnten also gar nicht mehr der Gegenstand nachträglicher Der» Handlungen sein. Nur die Besetzung der Unter» koMmisston war nicht -vorher bestimmt, sondern den einzelnen Fraktionen überlaffen worden. Als Vertreter des Centrums nimmt Abg. Dr. Spahn an den Berathungen der Unterkommisston Theil, die nun am heutigen Donnerstag, Mittags 12 Uhr im Reichstagsgebäude zu ihrer ersten Sitzung zusammengetreten ist. Die angesehensten Führer der Parteien bilden diese Unterkommisston, der ja in der That eine sehr wichtige Aufgabe zugefallen ist.

Die Centrumsfraktion des Reichstages hat ihre Berathungen über den Zolltarif und über die Befchlüffe der Kommission darüber im Laufe von zwei Tagen zu Ende gebracht, diese Berathungen also Mittwoch Abend beendet. Schon daraus, daß dieselben einen so schnellen Verlauf nahmen, kann man mit Sicherheit darauf schließen, daß irgendwie ernstliche Zwiespältig­keiten nicht dabei hervorgetreten find. Daß alle Mtglieder einer so großen Fraktion über alle die beinahe tausend Zolltarifsätze eine und dieselbe Meinung haben können, ist natürlich von vorn herein ausgeschloffen. So etwas gibt es in keiner Partei. Aber die fteundlichen Voraus­setzungen der Gegner des Centrums, daß bei der Berathung des Zolltarifs innerhalb desselben ein wilder häuslicher Krieg entbrenne» werde, er. füllen sich nicht; das kann nach diesen Be- rathungen von neuem sehr bestimmt versichert werden. Diese Berathungen haben im Gegen, theil eine erfreuliche Uebereinstimmung innerhalb der Centrumsfraktion in allen wichtigen Fragen und auch in der allgemeinen Beurtheilung der politischen Lage ergeben; und namentlich die Besprechung der landwirthschaftlichen Zölle, die sehr eingehend fich gestaltete, ist in diesem Sinne besonders hervorzuheben. Daß die CentrumS- fraktio» für diese die Beschlüße, die die Rom» Mission bet der ersten Lesung deS Tarifentwurfes gefaßt hat, im Allgemeinen billigt, ist bereits berichtet worden. Dieser voraufgegangene kurze Bericht ist noch in einem besonderen Punkte zu ergänze», nämlich darin, daß nach dem Be- schlaffe der Centrumsfraktion auch in der zweiten Lesung unbedingt an dem Zollkompro- miffe der ersten Lesung sestgehalten werden soll. Daß daS Centrum ebenso festzuhalten eutschloffen ist an seinem Anträge über die Verwendung der

HW Mechenfchaft.

Roman von Paul vom Wildbach.

11 ------(Nachdruck verboten.)

6. Kapitel.

Gährungen.

Mehrere Tage waren seit der Abreise Hohen- thal's verflossen. Ostmark und seine Gattin hatten sich alle Mühe gegeben, um ihn noch zum Bleiben zu bewegen, allein er ließ sich nicht umstimmen und reiste, wie er er von vornherein fich vorge« nommen.

Es war noch in den ftühen Morgenstunden Gräfin Hildegard saß mit ihrer Stickarbeit an ihrem gewohnten Platze, «ährend ihr Gatte die neuesten Zeitungrblätter durchmusterte und dabei die bläulichen Wölkchen einer duftenden Havanna vor fich htnblies.

lieber dem Angesicht der jungen Frau lag eine heitere Ruhe. Ihre Gedanken weilten noch bet dem neuen Bekannten, dessen Anwesenheit eine so angenehme Abwechselung in ihr neue» Heim ge­bracht hatte. Wie schön wäre es doch, wenn er ihr dauernd näh-r treten würde. Auch ihr Gatte hatte einer Verbindnng Cora's mit Hohenthrl ganz emschieden das Wort geredet. Utber die Ansicht der jungen Schwägerin selbst hatte man zwar noch nickt« Bestimmtes erfahren können. Soviel stand jedoch ft ft, daß seit dem Besuche Hohrnthals eine auffallende Veränderung bet ihr vorging. Da« sonst allzeit zum Scherz und Muth- willen aufgelegte Mädchen war in den letzten

Mehrerträge aus de» Zöllen zu Gunsten einer Versorgung von Arbeiterhinterbliebenen, versteht sich eigentlich von selbst. ES braucht kaum be­sonders Erwähnt zu werden, daß es so ist; im Grundsätze hat daS Centrum mit diesem seinem Vorschläge ja auch bei der ersten Lesung eine» vollen Sieg erfochten. Rur über die Art und über die Möglichkeit der Ausführung des vor­trefflichen Gedankens konnte eine Einigung «och nicht erzielt werden. Ma» braucht auch nicht zu besorgen, daß etwa spätere Sitzungen der Crn- trumsfraktion des Reichstages sich in Widerspruch zu diesen Berathungen setzen würde»; denn gerade diese Berathungen waren vorzüglich und aus alle», auch aus de» allerentferntesten Theilen de« Reiches besucht. Gerade darum kommt dieser ausführlichen Aussprache innerhalb der CentrumS- fraktio« deS Reichstages eine ganz besondere Bedeutung zu.

Vielleicht hat auch diese Berathung der Cen- trumsfraklio» den Ausschlag gegeben Überdas ganze Schicksal dieses Zolltarifent- wurfes. Den« wenn nunmehr das Gros deS CentrumS sich bestimmt dazu eutschloffen hat, an dem Kompromiß der ersten Lesung über die land- wirthfchaftlichen Zölle festzuhalten, die Regierung aber etwa hartnäckig auf ihrem ablehnende» Standpunkte beharren sollte, dann würde damit das Schicksal dieses Zolltarifentwurfes bereits entschieden, das heißt, er würde einer Ablehnung sicher sein. DaS ist nun gewiß nicht von vorn­herein zu wünschen.» Aber wenn ein solches Schicksal dem Entwürfe nun durchaus durch den Eigensinn der Verbündeten Regierungen bereitet werden sollte, dann würde dieses Sreigniß von der zoll, reundlich eil Mehrheit des Reichstages nicht gerade mit Vergnügen, aber mit Gelaffen- heit ertragen werden.

Die Freisinnigen, so versichern ihre Blätter fortgesetzt, wollen der regelmäßigen Be­rathung deS Zolltarifes keine Obstruktion ent­gegensetze»; sie wünschen «ach diesen V.-rsiche- rungen vielmehr ebenso, wie die rechts n m ihnen stehenden Parteien, eine Beschleunigur r der Be­rathung. Bei den Sozialdemokraten ist man aber anderer Ansicht. Schon -Zerr von Vollmar machte vor einigen Woche« darauf auf­merksam, daß die Sozialdemokratie ihre Ob- struktionsabstchten durchaus nicht aufgegebe» habe. Am Mittwoch hat beim sozialdemokratischen Parteitage in München der sozialdemokratische Berliner Abgeordnete Rosenow eine Erklärung in demselben Sinne abgegeben; er erklärte, die sozialdemokratische Reichstagsfraktion werde den Zolltarifentwurf „mit allen Mitteln zu Falle zu bringe« suche» und zunächst auf gründlichster Berathung bestehen."

DaS ist die Obstruktion. Will dieser gegenüber die Regierung nicht de« einzig gesunde« und einzig möglichenAnschluß bei den zollfreundlichen Mehrheits­parteien suchen?

Denlfche* Keich«

Berlin, 18. September 1902.

* lieber die Kölner Krzvisch-f-mahl wurden jüngst von verschiedenen Seiten Gerüchte Tagen bedeutend stiller geworden, und manchmal betraf man fie sogar ganz in Gedanken versunken. Wie war e« anders möglich, als das nach den eigenen Plänen zu deuten?

Auch auf Ostmark hatte der kurze Besuch Hohenthal's sichtlich einen günstigen Einfluß aus- geübt. Wie oft war es der Gräfin geschienen, als habe sein Geist keine genügende Beschäftigung, al« langweile er fich und suche deshalb Unterhaltung in Gesellschaft und Spiel. Der beständige Aufent­halt im engen häuslichen Kreise konnte auch für seinen lebhaften Geist unmöglich genügen, und doch hatte er fich bisher zu einer regelmäßigen Arbeit noch nicht emporgeschwungen. Da hatte denn der kurze Vsrkehr mit Hohenthal, der einen so weiten Geist und eine fast weltumspannende Thatkcaft offenbarte, manchen Wink gegeben, von dem fie für die Zukunft die günstigsten Folge» er­hoffte. Wie eindringlich und doch wie taktvoll hatte er e« verstanden, auf die Nebensächlichkeit all' der großartigen Reformpläne hinzuweisen, denen ihr Gatte so gern nachhing; und wie wirkungsvoll hatte er dagegen den Werth der ziel- bewußten, regelmäßigen Arbeit in den Vorder­grund gestellt.

Die glänzenden Seidenfäden glitten der Gräfin bei all diesen Gedanken noch einmal so schnell durch die schlanken Finger, und ihre tiefgründigen braunen Augen leuchteten in einem warmen Glanze, wenn sie hier und da nach der vornehm stolzen Gestalt des Gatten hinüberflogen.

Dieser urthetlte ebenfalls, mit dem alten Universitätsfreunde recht angenehme Stunden ver­lebt zu haben, daneben aber hatte ihn wiederholt

verbreitet, wonach einer kanonischen Wahl des Metropolitankapitels ernste Hinderniffe im Wege stehe« sollten. Die.Germanin' ist nun in der erfreulichen Lage, demgegenüber mittheilen zu können, daß, nachdem die feste«- des Domkapitels eingereichte Kandidatenliste «ach Köln zurückge­langt ist, einer kanonischen Wahl demnächst nichts mehr im Wege stehen wird.

X s« Aelchetamke des Innen« ist der Poste« des UnterstaatSsekretärS erledigt in Folge des Ausscheidens des Unterstaatssekretärs Roth aus dem Amte. Dieser Posten gehört zu den wichtigsten innerhalb unserer Reich? ämter, kann also auch besondere Aufmerksamkeit beanspruchen. Nun wurde kürzlich in einige» Zeitungen — nicht in der ,Fuld. Ztg.'! — berichtet, daß ent­weder der Direktor Hopf oder Direktor Wer­muth, beide in demselben Reichsamte thätig, zur Nachfolge ausersehen sei. Voraussichtlich wird das aber nicht zutreffen. Wenigstens wird man durch eine Notiz, die augenscheinlich amt­licher Beeinflussung ihren Ursprung verdankt, darauf vorbereitet: Die Regierung wolle diesen wichtigen Platz nicht mit einem der dienst- ältesten Herren besetzen, eben weil er so ganz besondere Ansprüche stelle an die Arbeitskraft deS Inhabers, also weder mit Direktor Hopf, noch mit Direktor Wermuth. Möglicherweise soll diese Notiz auf eine Überraschung vorbereiten, auf die Berufung eines ManneS, an de», bisher noch Niemand gedacht hatte.

X Noch eine oder ReineInÄerkonferenz? Vor drei Tagen brachte» mehrere Zeitungen die telegraphische Meldung aus Brüffel, daß Deutsch­land, Frankreich, Italien und England den russischen Antrag, noch eine internationale Zucker­konferenz einzuberufen, abgelehnt hätte«. Wir gaben diese Meldung nur mit einigem Vorbe­halte wieder. Jrtzt zeigt es sich, daß diese Vor­sicht berechtigt war: die Ablehnung ist bisher nur von England aus erfolgt, «och nicht von den anderen genannten Staaten, jedenfalls noch nicht vom Deutschen Reiche und von Oesterreich- Ungarn. Mö^.n die Dinge nun liegen, wie sie wollen, so ist EtwaS ganz unstreUig richtig und wahr: der Beschluß deS Reichstages über die Brüffeler Zucker Konvention ist in übereilter Weise herbeigeführt worden. SS würde unter allen Um­ständen und für alle beteiligten Kreise genau ebenso wie für die Regierung beffer und ange­nehmer sein, wenn Rußland der Uebereinkunst der Mächte sich angeschloffen hätte. Daß Ruß­land Verhandlungen darüber wünscht, hat «S in seinem Rundschreiben an die Mächte ja klar und deutlich gesagt. Aber gerade dadurch, daß der Deutsche Reichstags nun schon Beschluß über die Brüffeler Konvention gefaßt hat, ist jegliche Anbahnung neuer Verhandlungen sehr erschwert, fast unmöglich gemacht worden. Wir waren eben wieder einmal höflicher und zuvorkommender gegen England, als wir eS nöthig hatten und als es unserem eignen Jntereffe entsprach.

X I«* Ileischuoktz-Irage. Die,Münchener Zeitung' will wiffen, daß die bayerische StaatSregierung entschlossen sei, in be» nächsten Tagen „unter gewissen Modalitäten die Grenze für die Vieheinfuhr au8 Oesterreich- Ungarn theilweise zu öffnen". Es ist schwer, sich etwa? Bestimmtes darunter zu denken, wenn

auch daS Gefühl einer gewissen Beschämung be­schlichen, wenn er einen Vergleich zog zwischen dem Freunde, der mit geringen Hülfsmitteln so weit gekommen war, und seinen eigenen bescheidenen Leistungen. Sobald fich eine Gelegenheit bieten würde, so nahm er sich fest vor, sollte aber auch von ihm gezeigt werden, was er könne.

Und siehe, da schien ja eine derartige Gelegen- heit schon gekommen zu sein. Scharf richteten sich die Augen des Grafen «och einmal auf die eben gelesene Stelle seines Zeitungsblattes, als wolle er fich vergewisser«, daß er recht gelesen.

Ei, ei, das scheint ja eine wette Geschichte werden zu wollen da unten i» Böhme». Und allem Anschein »ach werde auch ich in die Sache hinein- gezogen. Aber wir werden scharf auf der Hut sein.

Die Worte tönten mit einer so ungewohnten Energie von den Lippen des Grase«, daß seine Gattin erstaunt, fast erschreckt auffahr.

„Was ist geschehe«, Rudolf?" fragte fie, in­dem ihr Blick erstaunt zu ihm herüberglitt.

„Was geschehen ist — schon seit einiger Z-it ist eine verdächtige Bewegung unter den Berg­arbeitern bemerkbar gewesen. Sie hielte» Ver­sammlungen und hörten auf unnütze Rede». Endlich traten fie mit einer ganze» Reihe von »euen Forderungen hervor und drohten mit all­gemeiner Ntederlegung der Arbeit. I tzt scheint die Sache zum Kloppen gekommen zu sei«. Doch sie solle« mich kenne« lernen!"

„Die atmen Mensche«!" entgegnete die Gräfin unwillkürlich. „Sieh, da kann es ja schon von Borlheil sei«, daß Du die Verwaltung Deiner Güter selbst in die Hand genommen hast und

diese Grenzöffnung „theilweise" und „unter ge­wissen Modalitäten" vor sich gehen soll. Außer­dem ist es die Frage, ob die gekennzeichnete Meldung überhaupt zutrifft. Man muß stets von Neuem daran erinnern, daß es sich ja nur um die Einfuhr lebender Schweine handelt. Rindvieh wird fortgesetzt eingeführt, und für deffen Einfuhr find erst jüngst noch erleichternde Bestimmungen für den Münchener Zentralviehhof erlaffen worden. Einigermaßen lehrreich ist die Angst, die gewiffe freihändlerische und lanbwmh- fchaftsfeindliche Blätter vor sachgemäßen Dar­legungen über de» Stand der Vieh- und Fleisch­frage haben. Der Bund der Landwtrhe hat ein Flugblatt herauSgegebe«, das in voll­kommen ruhiger und sachlicher Weise aus Be­hauptungen und Ausstreuungen antwortet, die von der Berliner Fleischerinnung aus gegangen waren. Die Bundesleitung wollte gegen die übliche Bezahlung dieses Flugblatt alle» Berliner Zeitungen beilegen lassen; aber nur die.Vossische Zeitung und die »Berliner Aöisenzeitung' find von allen den vielen liberalen, demokratischen und sozialdemokratischen Blättern Berlins auf dieses Anerbieten eingegangen. Alle anderen Zeitungen haben abgelehnt und ihrem Stand­punkte in der Behandlung der Fleischnothfrage damit ein klarer und recht bezeichnendes Armuths- zeugniß ausgestellt.

X Die Kuren. Kommen sie, oder kommen sie nicht — nämlich die Burengenerale — nach Deutschland? Es sieht nun wieder fast so aus, «al« wollten fie, oder vielmehr sollten fie nicht kommen. In der engländerfreundlichen,Rational- Zeitung' lagert das Berliner Auswärtige Amt mit Vorliebe Notizen gegen die Buren und gegen solche burenfreundlichen Veranstaltungen ab, dis ihm unbequem find; und in diesem Blatte konnte man Mittwoch Abend lesen:

„Von dem Taktgefühle der Surengenerale darf erwartet werden, daß fie anti-englischen Kundgebungen in keiner Weise Vorschub leisten werden. Die deutsche Regierung ist . . . ent­schlossen, derartige Demonstrationen auf deutschem Boden nicht zu dulden."

Bi« jetzt hatte »och Niemand behauptet, daß die Reise der Burengenerale diesen Zweck haben sollte. Der Eifer in der Liebesdienerei gegen England ist also nicht vollkommen verständlich. Im übrigen haben ja die Generäle Botha, Delarey und Devet im Gegensätze zu Krüger, Reitz und Leyds bereit« ihre Absicht, die britische Regierung nicht zu reizen, deutlich genug zu erkennen gegeben; warum also diese Angst, unsere theuren Freunde in England könnten uns irgend etwa« Übel nehmen? Zunächst ist das Reiseprogramm der Burenftthrer in folgen­der Weise festgestellt: Freitag Ankunft in Ant­werpen, Abends Versammlung dort; Samstag Abend Ankunft in Brüssel, wo die Generäle Privatquartier nehmen werden. Von Brüssel aut würde, wenn überhaupt, die Reise nach Deutsch­land unternommen werden. Vom Festlande au« werden die Burenführer jedenfall« noch einmal nach England reisen, zu erneuter Rücksprache mit dem Kolonialminister Chamberlain. Sie hoffen angeblich auf ein unmittelbare« Eingreifen des Königs Eduard zu ihrem Vortheile und darauf, daß dieser ihnen einige tröstliche Verheißungen mit auf den Weg geben werde. Aber sicherlich

nicht der langweilige schriftliche Weg von Bureau zu Bureau eingeschlage« werde» muß, auf welchem die Reformen gewöhnlich eintreffe«, wenn nichts mehr zu verbessern ist. Hat Dir Dein Rent­meister «och nichts über die Angelegenheiten berichtet?"

„Sonderbarer Weise noch nicht daS Geringste, ja da sieht man schon den BureaukratiSmuS. AuS einer wildfremden Zeitung muß man sehen, waS auf feinem Eigenthum vorgeht. Gerade hier in der Hauptstadt könnte man doch am besten energische Schritte thun."

„Nun, dazu wird eS wohl auch jetzt »och nicht zu spät fein," meinte die Gräfin. „Ich freue mich wirklich, daß Du gerade jetzt selbst eingreifen kannst. Engherzigkeit und Befangen­heit untergeordneter Diener verderben ja so oft die besten Absichten ihrer Herren."

„Ich überlege ernstlich, ob ich nicht sofort zur Regierung gehen und veranlassen soll, daß Truppen in die ausständischen Gegenden gesandt werden," erwiderte Ostmark, als habe er die Worte seiner Gattin gar nicht vernommen.

„Aber um'« Himmels willen, Du willst doch die armen Leute nicht ohne Weiteres todtschießen lassen?" rief die Gräfin erschrocken auS. „Du hast ja noch nicht einmal gehört, was fie eigent. lich wollen, und ob ihre Forderungen nicht wenigstens theilweise berechtigt find und erfüllt werden können."

„Was fie wollen — nun, unzufrieden find sie. Wenn fie berechtigte Ausstellungen habe«, so mögen fie zu mir kommen und es wird Abhilfe getroffen werden."