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;(ÄSSi’h* „Jllustrirte Sonntags-Zeitung”, Juldaer ßescbicbtsblättet" und Cottene-Dsfe

M 210.

JuLöa, Freitag, bett 12. September 1902.

29. Jahrgang.

X Industrie und Landwirthschast.

Seit mehreren Wochen schon war auf die Ver­sammlung hingewiesen morsen, die der Central- verband der deutschen Industriellen am letzten Mittwoch in Düsseldorf abgehalten werden sollte. Man wollte also auf diese Versammlung Hinweisen als auf eine Haupt- und Staatsaktion, und man hat damit nicht unrecht gehabt. Et handelt sich dabei um sihr wichtige Dinge, mög­licherweise um dar Schicksal der ganzen Zolltarif».

Die Entwickelung der Dinge in der Zolltarif- Kommission de» Reichstage« ist ja bekannt genug. Die Mehrheit der Kommisston hat ohne viele Um­schweife der Industrie fast alle Zölle bewilligt, vie sie verlangte, in dem Vertrauen darauf, daß di« Industrie Gleicher mit Gleichem vergelten und wenigstens denjenigen Zöllen für landwirthschaft- lich« Erzeugnisse zustimmen würde, die nach vielem Hin und Her von der Kommisston bei der ersten Lesung der Vorlage beschlossen worden sind, in der Hauptsache dem abgeschloffenen Kompromiß über die Getreidezölle und den Viehzöllen in der Faffung der Kommissionsbeschlüffe. Die Vertreter der Landwirthschast haben mehrfach darauf hin­gewiesen, daß die Kompromiß-Zölle den wirklichen Bedürfniffen der Landwuthschaft nicht entsprechen, daß die Landwirthschast aber im Interesse der Allgemeinheit auch mit diesem Kompromisse sich begnügen wolle. Viele landwirthschascltche Körper- schäften im Reiche, darunter auch christliche Bauern­vereine und der Bund der Landwirthe, haben bis in die neueste Zeit hinein in ihren Beschlüssen an dem Standpunkte festgehalten, daß di« Zollsätze de« Kompromisse« ungenügend seien. Es ist also unbedingt wahr, daß die Landwirthschast bei den Verhandlungen der Zolltarif Kommission bisher nicht bevorzugt worden, sondern im Gegentheil von ihren ursprünglichen Forderungen ganz erheblich zurückqewtchen ist. Der Industrie aber wurden ihre Zollforderungen unverändert bewilligt.

DaS, sollte man «einen, hätte bet dem Central- Verbände der Industriellen Anerkennung finden sollen. Der Cmtral-Verband hat aber der Land- wirthschaft diese durchaus gerechte und nothwen- dtge Anerkennung versagt. Seine Versammlung am letzten Mittwoch in Düsseldorf hat eine Entschließung angenommen, die gleich mit dem feindseligen Satze beginnt:

„DteersteLesungderKsmmisstons-Berathung stellt eine rein agrarische (!) Revision der Regierungs-Borlage dar, welche die Indu­strie unmöglich hinnehmen kann. Ihr gegenüber muß sie aus's entschiedenste die Äe- gierungs-Vorlage mit den von ihr selbst früher beantragten Abänderungen vertreten . . . Dre Kommisfions-Berathung erster Lesung hat die Regierungs-Vorlage verschlechtert, indem sie im Tarif-Gesetze die Mindestzölle für Getreide er­höhte und zu den vier Mtndestzöllen für Ge­treide noch fünf für Thiere und Fleisch hinzu« fügte, an deren Höhe aller Wahrscheinlichkeit nach unsere wichtigsten Handelsverträge schei­tern würden. . . ."

To weit die Düsieldorfer Entschließung, der man leider den Borwurf nicht ersparen kann, daß sie mit dem zuletzt angeführten Satze eine un­mittelbare Unwahrheit auispricht. Von einer Ge-

Kiö Wechenfchcrft.

Roman von Paul vom Wildbach.

6 ------ (Nachdruck verboten.)

3. Kapitel.

Aus neuen Bahnen.

Hohenthal begab sich nach Entfernung der beiden Osfizüre wieder in den Speisesaal, wo ihn Ost­mark mit fieberhafter Ungeduld erwartete. Aber aus den unverändert ruhigen Gesichtrzügen des „Afrikaners" war absolut nichts zu lesen, ob die kritische Angelegenheit einen günstigen oder un­günstigen Ausgang genommen.

„Nun, was hat er gegeben?" fragte Ostmark.

„D nichts besonderes, was sollte es auch," er­widerte Hohenthal mit seiner gewohnten Kalt­blütigkeit. „Waren die Offiziere denn nicht die Kartellträger von Scharfenegg?"

„Die beiden Herren haben mich nur um Auf- klärung wegen der gestrigen Vorgänge gebeten, und diese habe ich Ihnen gegeben, worauf sie sich für vollständig befriedigt erklärten " Hohenthal er- zählt« kurz den Hergang, während Ostmark wieder- holt den Kopf schüttelte und meinte: „Sonderbar, sehr sonderbar türwahr! Unter anderen Umständen wäre sicher Blut geflossen. Nun, Du bist so lange bei den Wilden gewesen, so wird man Dir wohl einiges nachsehen."

Die beiden Damen hatten zu der ganzen Affaire bi« jetzt nichts gesagt, indessen konnte man an ihren Mienen die Bestürzung sehen, welche Ihnen die Mittheilung Ostmark'« über ein in Aussicht

fährdung unserer Handelsverträge durch die Aus­führung der Kommissions-Beschlüsse ist im Truste bisher noch niemals die Rede gewesen. Regel­mäßig erwiesen sich vielmehr bisher alle die Be­hauptungen fretvändlrrischer Blätter in diesem Sinne als vollkommen unhaltbar Nun aber wird die Zolltarif-Kommisston des Reichstages die ent­sprechenden Schlußfolgerungen aus der Absage der Industrie ziehen und bei der zweiten Lesung der Zolltarif - Vorlage eine genaue Durchsicht und kräftige Herabsetzung aller Industrie-Zölle vornehmen müffen, um das Gleichgewicht zwischen Industrie und Landwirthschast wieder herzustellen, oder aber den ganzen Ent­wurf ablehnen. Die landwirthschaftlichen Zölle der Regierungsvorlage und auch deren Industrie- zölle unverändert anzunehmen, ist ein Ding der vollkommenen llnmöglichirst für Jeden, der Sonne und Schatten gleichmäßig auf die verschiedenen Erwerbsstände bei uns im Reiche vertheiien will. Dir Wirkungen eines solchen Zolltarifs würden geradezu verheerend auf die deutsche Landwirth- schäft einwirken, vor allen Dingen aber allmäh­lich den deutschen Bauernstand vernichten. Uad was würde Deutschland sein ohne seinen bisher unvergleichlichen, kernsesten Bauernstand? Deutsch­land würde von seiner Größe heruntersteige« müffen, wenn sein Bauernstand proletarisirt und dem Reiche gleichzeitig damit eines seiner besten und festesten Grundlagen entzogen würde. Das ist eine Wahrheit, gegen die niemand ankäwpfen kann. Wer es wohl meint mit Deutschland, mit unserem Vaterlande, der muß sich ihrer Beweis­kraft fügen und danach handel«. Wer das nicht thut, der Hilst bewußt oder unbewußt an der Unterhöhlung des GrundeS, auf dem daS Ge­bäude des Deutschen Reiches nicht nur, auf dem unsere ganze Wohlfahrt, unsere gesammte Gesill- schaftsordnung aufgerichtet find.

Die dazu berufen find, mögen danach trachte«, daß das öffentliche Wohl keinen Schaden erleide!

[] Das Handwerk und der Bolks- verein sür das kathol. Deutschland.

Als ein Verein, der die Gesamw hüt der Katholiken Deutschlands jeglichen Sta- ors um» süssen und deren Jntereffen im Rahm n des Gesammtwohles vertreten will, hat der Volks- verein für. das kath. Deutschland es an einer nachdrücklichen Förderung der Jntereffen auch des Handwerks nicht fehlen lassen. Für eine derartige Thätigkeit ist ihm der Boden erit besonders ge- ebnet worden, ieitdem durch daS Handwerkergesetz vom Jahre 1897 den Handwerkern die Möglichkeit einer Neuorganisation ihres Standes und des Ausbaues derselben geschaffen worden ist. Ent­sprechend seiner Aufgaben: Förderung der Sozial­reform durch Anregung und Schulung der Mit­glieder zu praktischer, wirthschaftlicher und sozialer Selbsthilfe, hat es der Volksverein sich angelegen fein taffen, mit Hilfe der ihm zur Verfügung stehend en Mittel die Handwerker über die Vor- ihrile des neuen Gesetzes aufzuklären, sie zur Benutzung desselben anzueifern und ihnen zugleich die Mittel zur praktischen Ausführung des Gesitz S an die Hand zu geben.

stehende« Duell verursachte. Auch waren sie mit der laxen Behandlung der Angelegenheit durch Ostmark gar nicht einverstanden. Die G äfin hielt e« jedoch bei der Stimmung ihres Gatten nicht für angebracht, jetzt eine prinzipielle Erörterung he»beizuführ en, und die lebhafte Cora, welche sich sonst gar nicht scheute, ihrem Bruder offen ent­gegen zutreten, mochte auch ihre Gründe haben, sich diesmal ihrer sanften und zurückhaltenden Schwägerin anzuschließen.

Die Erklärung Hohenthal'«, daß die Differenz beigelegt sei, nahm ihnen wirklich einen Stein irom Herzen, doch kam eine gemüthliche Unter­haltung nicht mehr zu Stande.

Nachdem das Frühstück beendet war, schlug Ostmark seinem Freunde einen Rundgavg durch die neue V lla vor, und mit Bewunderung schweiften dessen Blick« über die prachtvollen neuen Gebäude, Ställe, R mlsen und Bedientenwohnungen, welche den Hintern Hof der Villa umgaben, und auf welche Ostmark selbstgefällig hinwies.

„Du bist wahrhaft fürstlich eingerichtet," meinte Hohenthal. „Dein Vater muß ja ganz außerordentlich gut für seinen Stammhalter ge­spart haben. — Freilich, wer eine Gattin aus dem Haufe Audisstn heimführt, kann auch mit Fürsten wetteifern. In den belgischen Gruben- unb Eisenwerken soll daS Geld ja scheffelweise zu Tage kommen."

„Leider habe ich weder von dem einen, noch von dem anderen gar zu viel bemerkt," erwiderte Ostmark mit einer Miene, die mit der eben ge­zeigten Freude über seinen schönen Besitz nicht recht harmonirte. „Wer heutzutage etwas an­legen will, muß sich auf andere Weise zu helfen

Seit fünf Jahren hat der Volksverein durch seine jährlich in Via Millionen verbreitete Ver- einSzeilschrift die Nothwendigkeit der Reorgani- satton der Lehrlingshaltang im Handwerk vertrete». Dem gleichen Zwecke diente die .Sozialpolitische Korrespondenz', welche an 350 CentrumSblätter im ganzen Rüche wöchentlich versandt wird, Artckel über die Fragen bei Hand­werks bringt und gerne benutzt wird. Gerade mährend der Ausführung deS Gesetzes ist dir .Sozialpolitische Korrespondenz' den Handwerkern mit Rath an die Hand gegangen, und ferner hat die Soziale AuSkunftSstelle an der Centtalstrlle del Volksvereins jährlich mehrere hunderte Aus­künfte über zweckmäßige JnnungS- und Genossen- schaftsbildung, sowie sonstige Fragen des Haud- roetie unentgeltlich ertheilt. lieber Via Millionen Flugblätter über die Vortheile der Innungen und Genossenschaft«», die Aufgaben der Gesellrnauk- schüffe, sind als Aufmunterungsmittelff zur prak­tischen Arbeit verbreitet morde», und in mehreren tausend öffentlichen Versammlungen ist das ge- sprochkkie Wort an Stelle des geschriebenen ge­treten. Um mit Material für Vorträge das Handwerk zu versehen, hat der Volksverein dis T >gesfragen 5 und 16/18 heraus gegeben, die ebenfalls weitgehende Verbreitung g-funden haben. I« feiner ganzen Agitation für das Handwerk bewegte sich der VolkSverei» auf, dem Boden der altbewährten Centrumkpolitik, die noch kürzlich auf der Mannheimer Katholikenoersammlung in einer Resolution ihre Wünsche hinsichtlich des Handwerks zum Ausdruck brachte. In derselben wurde besonders verlangt, daß gesetzlich die Aus­bildung vor Lehrlingen in Zukunft nur mehr solchen Handwerkern gestattet sein soll, welche die Meisterprüfung in ihrem G-werbe abgelegt haben, und daß sür das Baugewerbe der Besähigungs- nachweis eivgrführt nrrie. Als eine wichtige Aufgabe der E'nzelstaaten wurde sodann mit Recht die systematische Förderung des Handwerks mit jenen M tteln (MaschinrnauSstt Hungen, Meisterkurse, Fö -erung des gewerbliche» Genossen- schastswesenS ec.) bezeichnet, wie sie kürzlich der Antrag des Ai j. Trimborn, des zweiten Vor­sitzenden bet BttkSvereins für das kath. Deutsch­land, für Preuß n verlangt hat.

Der Vollsverem hat sich in der Förderung der Interessen de« Hanoverk« stets von rein sach­lichen Gesichtspunkten leiten lassen; das Wohl des Handwerkerstandes mit allen gesetzlichen Mitteln zu fördern und zu deren regen Be­nutzung anzufeuern, war sein ausschließliches Ziel. Um so bedauernswerther ist es, daß in den letzten Wochen eine Richtung in der Hand- werkerbewegung, die sich in einem westdeutschen Handwerkerblatt kundgibt, systematisch au» rein persönlichen Rücksichten den Volksverein und da« Centrum dahin zu verdächtigen sucht, al« zeigten diese in der Vertretung de« Handwerk« ihren alten Eifer nicht mehr. Insbesondere sucht man bi« Ansichten einiger Handwerkskammersekretäre, die der erstgenannten R-chlung unbequem sind, mit dem Volksverein in Verbindung zu bringen, um dann auf Grund rein persönlicher Momente gegen den letzteren zu hetzen. Der Volksverein soll gegen diese Handverkskammersekretäre scharf machen. Wir wüßten nicht, woher der Volksverein bei

seinem Grundsätze, nur sachliche Politik zu treiben, und al« eine private Vereinigung, für sich da« Recht herleiten wollte, Beaute öffent' lich rechtlicher Handwerkerorganisationen zu­recht zu weisen. Ebensowenig hält der Volksverein sich für befugt, etwa die Politik von Handwerker­blättern von oben her einseitig bestimmen zu wollen, und wir glauben nicht zweifeln zu dürfen, daß ein dahingehender Versuch von dieser Presse gehörig zurückge diesen werden würde. Daraus ergibt sich schon der Widersinn de» Versuches, den Volks- verein für die eine ober andere Richtung in der Handwerkerbewegung verantwortlich machen zu wollen.

Das Centrum und der Volksverein werden un­beirrt durch systematische grundlose Vs öächiigungen in gleicher Weise wie bisher ihre reichen Mittel in den Dienst der Handwerkersache stellen; dafür bürgt ihre bisherige Thätigkeit, wie sie hinsichtlich des Volksvereins oben schon kurz gezeichnet ist, und ihre Vergangenheit. Die Handwerker können ver­sichert sein, daß ihre Interessen bei der weit­tragenden großen Organisation bei Volkrvereins, dis, wie auch von gegnerischer Seite anerkannt wird, immer größeren Einfluß auf die öffentliche Meinung gewinnt, gut aufgehoben sind. In der Anhänglichkeit an das bewährte Centrum werden sich die Handwerksmeister durch systematische Hetzer nicht beirren lassen.

Berlin, 11. September 1902.

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+ Irr vv« Warta-Lsich, Frei­herr von Stotzingen, sollte nach der Behauptung einiger Zeitungen der Kandidat des Kaisers sür den erzbischöflichen Stuhl in Köln sein. Die süddeutsche Reichskorresponde»,' bezeichnet das als „müßige Erfindung". Sie wird «okl recht habe». Abt von Stotzingen ist übrigens rod) lehr jung, er steht noch in de» dreißiger Jahren. — Geradezu großartig ist die neueste Melkung der.Post', die in Nr. 426 schreibt: „Unter den Kandidaten sür den Kölner Bischofs­stuhl wird neuerdings Generaloberst v. Los genannt." Diese Nachricht der .Post' wird im ganzen katholischen Deutschland die größte Heiter­keit erregen.

h „Wittelst«mdsr-tter-i." Der sozialdemo­kratische Aufruf zur Gründung einesVerbandeS der Konsumvereine" ist nunmehr erschienen. Klipp und klar heißt es darin: „Durch dieses inKi euz- nach zum ersten Mal ausgesprochene Prinzip der Mittelstandsretterei ist daS fernere Verbleiben von Konsumvereinen im allgemeinen (Ge»offenschasts>)Berbande unmöglich gemacht". Mit anerkennenswerther Offenheit gestehen auf diese Weise die sozialdemokratischen Konsumoer- eine zu, daß ihr Wirken gegen den Mittelstand gerichtet ist. Bei anderen ist es ebenso. Sie wollen es nur nicht einräume».

X Keine Heffaimg der Akeichsgrenze« für leSende Schweine. Nach einer ZeitungS- meldung mit offiziösem Anstrich (Berl. Lokalanz.

wisse«. Auf die mväterlichrn Truhen läßt sich ebenso wenig poche«, als mit einer Mitgift wirth- schäften, welche überkluge Rentmeister und Haus- Eynd'ci mit tausend Klauseln umgehen, daß dem glücklichen Ehemann nur ja kein Titelchen selb- ständizes V-rfügungsrecht bleibt."

Hohenthal fragte nichl weiter, denn der bittere Ton, mit welchen Ostmark über die Hinterlaff-nschast seines Vaters und über feine Ehe sprach, wollte ibm nicht gefallen. Wußte er doch, daß der Vater Ostmarl's mit der pein­lichsten Sorgfalt auf eine gute Winhschaft ge­halten hatte, und die junge G-äfi-, hatte er in den kurzen Stunden seines Hierseins als ein wahres Muster einer hin geben den Gattin kennen gelernt. Sie mochte au der übertrieben glanz­vollen Einrichtung allerdings ebenso wenig @e> fallen finden, als der alte Ostmark dieselbe ge« billizt haben würde, wenn er es hätte erleben sollen.

„Nein," fuhr Ostmark fort, „wer heute etwas machen will, muß es aus dem Eigenen thun, — muß sich auf die eigenen Füße stellen."

„Das ist richtig," erwiderte Hohenthal zu­stimmend. und um dem alten Grafen Gerechtig- kett zukommen zu laffen, fügte er hinzu: „Das Eigene kommt aber doch auch von Deinem Vater."

„Nun, doch nicht so ganz." entgegnete Ost­mark, indem er in ein halb gezwungenes Lächeln auSdrach. „Mein Eigenes ist das, was Du hier siehst, hauptsächlich insofern, als eS meiner Idee entsprungen ist. Die Mittel hat einstweilen der Löwenthal gegeben."

Hohenthal blickte erstaunt, beinahe erschrocken,

auf: „Löwenthal, — der, den wir gestern Abend kennen gelernt haben?"

„Dessen Vater, der Inhaber des ersten Bank­hauses in ganz Wien."

Hohenthal schüttelte leise den Kopf, ohne jedoch etwas zu sagen.

„Ha, ha!" lachte Ostmark weiter, „daS ist Dir wohl zu bunt, daß der Graf. Ostmark zum Bankier geht und Gels aufnimmt, um Häuser zu bauen? Ja, sieh', vor zwanzig Jahren hätte das auch zu den Unmöglichkeiten gehört. Aber die Welt ist anders geworden. Vor 40 Jahren da sprrlte unser alter Adel noch die erste Geige nicht allein bei Hofe und auf seinen Gütern, sondern auch in her Hauptstadt. Geh' aber durch die vornehmen B ertel und frage, wer die Eigenthümer der gewaltigen modernen Paläste sind — die Lmte, die das Geld in den Händen haben. Ja, unser Asel ist zurückgegangen in seiner Bedeutung — und warum? Nun, weil er nicht Schritt. gehalten hat mit der Neuzeit, mit Industrie und Ve kehr, mit Handel und Wandel!" .

„Und um hier in Konkurrenz zu treten, hast Du so großartig gebaut ?"

Ja, deshalb habe ich gebaut, und das Haus Ostmark soll wieder in daS Licht treten und die Rolle übernehmen, die ihm gebührt."

„Ich muß gestehen, daß mir der Zusammen­hang nicht recht klar ist," erwiderte Hohenthal, indem er einen zweifelnden Seitenblick auf den Freund gleiten lief?, der sich in eine gewisse Er- regtheit geredet hatte.

„Es wirb Dir schon klar werben; warte nur ab. — Siehe: Die Ostmarl'schen Güter bergen