FrüdaerMZeitung
M 209.
JuL^öa, Donnerstag, den 11. September 1902.
v«ranlw»»M-: Sür »i« SrteHton Jet Sleat |er Jnlerele J. perjeller in Suite.
Onur und ürrlag ter Anltecr UrtirnendtcM' pdereg«fl< Nr. 4 (Harmonie).
29. Jahrgang.
mit den Beilagen
Tllustrirte Sonntaqs-Zeituna", „äuldaer ßeschichtsbläfler" und fol!erie--[isfe.
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M England und die Buren.
Lis Buren find augenscheinlich auch bei den Friedensverhandlungen durch die schlaueren Eng. länder hinters Licht geführt worden. Man weiß ja längst, daß die Entschädigungen, die ihnen für die Zerstörung der Farmen bewilligt worden find, mit ihrer Geringfügigkeit in lächerlichem Mißverhältnisse stehen zu dem Ungeheuern Um» j fayge der Verwüstungen; aber Herr Chamberlain -war von Anfang an sehr harthörig, als die Frage . von der Erhöhung Vieser Gelder aufgeworfen wurde. Dann hat «an de« Burrn in der Ferne die Amnestie für die Kaprebellen gezeigt. Aber König Eduard ist gekrönt worden, ohne daß er der Kapholländer gedacht hätte, die ihren burischen : Landsleuten gegen die Engländer zu Hilfe ge« kommen waren. Außerdem aber hegen alle Buren den dringenden Wunsch, Lord Milner möge von feinem Souverneurposten abberufen werden, denn er »st ihr ausgesprochener und leidenschaftlicher -Wegner.
XVm über diese Punkte mit der britischen Regierung zu verhandeln, waren die Burengenerale Botha, de Wet und Delarey nach London gereist und eS habe» ausführliche Besprechungen zwischen ihnen und dem Chamberlain Lltgefunder^ d?ll?n ssstch Yord Kttchener bet« Echo» vorher ßSsi kö gereizte AuSein« < andersetzunge». Herr Chamberlain ließ den'Buren« , generalen bedeuten, daß er auf keinen Fall in . eine Nachprüfung des Frtedenkprotokolles willigen werde. Jetzt könnte es sich nur noch um Gr- , -suche handel», die britische Unterthanen an ihre ^Regierung richten. Diesen letzter« Grundsatz «ahmen die Burenvertreter für diesen Fall nicht an; sie erwiderten vielmehr, es handle fich nicht / um eine Veränderung der Friedensbedingungen, s so«t«n um eine Erläuterung derselben und ihre t Durchführung — woraus man eben schließen kann, daß der Friedensvertrag allerhand Zwei- deutigkeiten enthält, die nun die Engländer für sich ausnützen «ollen.
Leider ist nicht dürauf zu hoffe«, daß in Tüd- afrika alsbald eit angenehme« Brrhältntß zwischen Engländer und den Bure« fich entwickeln i wende, auch dann nicht« wenn dir Londoner Haupt« i «tzierung fich ehrliche Mühe gebe« wollte, au, rein solches Verhältniß hinzuwirken. Das hat i fich eben jetzt, bei dieser Gelegenheit der Unter« ' harrdlungen zwischen Chamberlain und den Buren« < Hkaeräle« herausgestellt. Bei de« Engländern in Wüdafrika ist der Haß gegen die Bure« so tief eingewurzelt, daß man dort schon die AuSzeich« mutigen sehr Übel ausgenommen hat, die den B«r^nge«erälen bei ihrer ersten Ankunft in Lsn« dv« z« Theil wurden. An der Spitze dieser Unzufriedenen steht natürlich die Rhodes« Milner« Partei, und man sagt, der Gouverneur Milner habe in London in aller Form und sehr dringend Gegenvorstellungen erhoben gegen die Ehrungen der Burenfeldhepren. DaS gibt nun dem britische« Kolonialministrr Chamberlain den allerbesten ^Vorwand, um fich de« Burengenerälen sehr zugeknöpft zu zeigen. Möglicherweise könnten ja auch die Vorstellungen Milner's so etwas wie bestellte Arbeit gewesen sein, um Herrn Chamberlain eine wirksame Waffe gegen die Buren« forderungen in die Hand zu drücken.
Gib -Rechenschaft.
Roman von Paul voM Wildbach.
4 ------(Nachdruck verboten.)
„Vielleicht darf ich noch ein Wort an Sie dichten, Herr Hauptmann," sagte Hohenthal.
„Bitte sehr," erwiderte dieser und trat mit Hohenthal in daS Zimmer zurück, während von Schlagberg im Vorzimmer verblieb und einstweilen die kostbaren Gemälde betrachtete, welche die Wänden zierten.
„Ich gedenke heute noch abzureisen," begann Hohenthal zu Scharfenegg, als ste allein waren, „und ich weiß nicht, ob mir Ihr Herr Bruder vorher noch die Ehre eines Besuches schenken will. . .
„Sie werden das Geld heute »och erhalten," fiel ihm der Hauptmann in die Rede, während eine dunkelrothe Blutwelle über sei« Gesicht glitt, denn thatsächlich wußte er nicht, woher sein Bruder und die auf eine spärliche Wittwenpenfion ange- wiefene Mutter auch nur den zehnten. Theil des Betrages hernehmen sollten.
„Davon wollte ich nicht sprechen," erwiderte Hohenthal. «Ich wollte mir nur erlauben, Ihrem Herrn Bruder einen guten Rath zu geben/'
Der Hauptmann verneigte sich leicht, wahrend Hohenthal fortsuhr: ,
„Ich glaube, dazu gewissermaßen ein Recht zu haben, denn auch ich bin früher ein leidenschaftlicher Mensch gewesen und habe mich im Eifer za manchem thörichten Schritte hmreißen
WaS die Buren wünschen und verlangen, ist nur gerecht. Sie wollen innerhalb zweier Jayre nach Beendigung des Krieges ihre vollen Bürgerrechte habe«. Ihr Land soll in selbständige Bezirke eingetheilt werden. Die Burensproche soll in den Volksschulen erhalten bleibe». Die Verpflichtungen, die die Burenregterung eingegangen war, sollen von der britischen Regierung anerkannt werden. Die Entschädigungen für die Verwüstung der Farmen sollen eine Erhöhung von drei Millionen Pfund erfahren. Gegen die Kap« rebellen soll ein mildesVerfahren beobachtet werden, und die berüchtigte Proklamation des Lord Kitchener soll aufgehoben werden, weil sonst viele Burrn durch dieselbe um ihr Eigenthum kommen würde«. Die Mehrzahl dieser Wünsche spielte schon bei den Frtedensoerhandlungen eine bedeutsame Rolle, und man glaubte damals eigentlich, daß sie bereits im Friedensprotokoll ihre Erledigung gefunden hätten. Jetzt muß man mit Bedauern sehe«, daß daS nicht der Fall ist, daß im Gegentheil die britische Regierung, d. h. also der Minister Chamberlain, allerhand Schwierigkeiten bei der Behandlung dieser Burenwünsche macht.
Ma« könnte auf den Gedanken kommen, alles Fordern jetzt nachträglich werde de« Buren gar nicht mehr nützen; denn fie seien ja nun vollkommen ohnmächtig gegen die Engländer. Aber ganz und gar trifft dieS doch noch nicht zu. Die Hauptregiermg in London wünscht sehr, daß mehrere angesehene Bärenführer in Zukunft ar! der Regierung des BurenlandeS theilnehmen, weil diese Regierung alSdan« eine weit leichtere und angenehmere sein würde, als wenn ihr gefliffentltch alle Burenelemente fern bleiben. DaS wiffen die Bure« natürlich auch sehr gut, und ix diesem Sinne haben Botha und Delarey erklärt, daß ste der Regierung nur dann beitreten würden, wenn ihre Wünsche Erfüllung fänden, sonst aber nicht. Jetzt muß man abwarten, ob sie mit dieser ihrer Haltung den gewünschten Eindruck heroorbringe« werden. Es kommt ihnen jedenfalls zu statten, daß Milner im Parlamente des Kaplander vor einigen Tagen wieder eine kräftige Niederlage gegen die holländische Partei, den Tfriksnderbond, erlitten hat. Damit ist die Einbildung, als habe Milner eine gute Mehrheit im Kapparlamente, yyn neuem gründlichst zerstört. Immerhin scheinen die BurengkMgle mit sehr schwachen Aussichten auf Erfolg aus London tvjeder abgereist zu fein. Ix der nächste« Zeit wolle« sie sich mit stnem Aufrufe an die Orffentlichkeit wenden.
Berlin, 10. September 1902.
X Lehre und ihre Ansüönn«. In dem sozialdemokratischen .VolkSblatt für Anhalt' wird kurzer Hand mit einer der Havptlehren der Partei aufgeräumt. DaS geschieht mit folgenden Worten: „Ist die Arbeit die Quelle des RetchtburnS, dann muß dos auch darin seinen Ausdruck finden, daß einer unterschiedlichen Arbeitsleistung eine unter- schiedliche Entlohnung zu Theil wird. Eine gegen« theilige, schablonenhafte Gleichheit wäre direkte
lassen. Inzwischen habe ich Welt und Menschen etwas mehr kenne« gelernt, und mein Urtheil ist über gar viele Dinge ein anderes geworden. Vielleicht hätte ich die Spielleidenschaft heute noch nicht abgelegt, wenn ich nicht einmal in einer glücklichen Stunde einen Vorsatz gefaßt hätte, an besten Erfüllung ich bis jetzt unverbrüchlich fest- gehalten habe und auch in Zukunft festzuhalten gedenke. Ich habe mir nämlich vorgenommen, niemals einen Heller Geld für mich zu behalten, welche- ich im Spiele gewonen habe. Aus diesem Grunde habe ich auch gestern meinen Gewinnst in die Armenkaffe geworfen, und mit dem Ehrenschein konnte ich ebenfalls nicht anders handel« als ich getha«. Eine Beleidigung Ihres Herrn Bruders lag mir dabei so fern als jemals, ich wollte ihn aber durch Sie noch bitten lassen, ebenfalls eint« kräftigen Vorsatz zu machen, und vor Allem sich um eines Phantoms willen, welches oft mit der Ehre verwechselt wird, nicht zu Schritten hi« reiße« zu lassen, die gerade bei mir das wenigste Vrrständniß finden würden."
„Es wird geschehen, was fich mit der Ehre verträgt," erwiderte von Scharfenegg.
„Einverstanden. — aber nur mit der wahren Ehre, nichts mit einem konventionelle« Zerrbilds derselbe»!"
Der Hauptmann erwiderte nichts. Er hätte so viel zu sagen gehabt, aber seine Gedanken waren noch zu wenig geklärt, und die Worte versagten ihm. Stumm reichte er Hohenthal die Hand und empfahl fich, während dieser ihm noch zurief: „ES würde wich aufrichtig freuen, wenn ich Ihren Herrn Bruder vor meiner Abreise noch
mals sprechen könnte. Bitte, wollen Sie ihm dieses gütigst auSrichten."
„Ich werde es ihm dringend an's Herz legen." erwiderte Scharfenegg und schloß fich seinem Begleiter an, um seinem Bruder und dem Re« gimente die Ergebniffe ihrer Mission mitzutheilen.
Kurt von Scharfenegg hatte fich, nachdem er vom Dienste »ach Hanse zurückzekommen, in seinem Zimmer eingeschloffen und der besorgte« Mutter sage» laffe«, er fühle sich nicht recht wohl, habe aber kein weiteres Bedürsniß, als Ruhe; man möge ihn deshalb möglichst ungestört laffen. Die beiden Brüder hatten der alten Dame weder von dem unglücklichen Spiele, noch von den in Ausficht stehenden Folgen Mittheilung gemacht. Wenn ein Unglück eintreten sollte, so erfuhr fie es ja noch frühe genug.
Jetzt hatte fich Kurt an seinem Schreibtische niedergelassen und versuchte, für den Fall, daß er die Mutter nicht mehr wiedersehen sollte, ein paar Abschiedsworte aufzusetzen und um Vrr« zeihung zu bitten, daß es durch seinen Leichtsinn so gekommen sei. Doch er konnte die richtigen Worte nicht finden.
So ost er einige Seilen geschrieben hatte, zerriß er de« Bogen wieder und warf die Fetzen mißmuthig zu Boden. .
Da ertönten hastige Schritte draußen, und als Kurt die Thüre öffnete stand Bruno vor ihm, beinahe außer Alhem, so sehr hatte er seinen Gang beschleunigt.
„Nun, wann gebt die Schießerei loS?" fragte Kurl mit einem Anflug von Galgenhumor, aber
Ungerechtigkeit.... DaS hieße einfach eine Prämie auf Gleichgiltigkeit, Faulheit und Dummheit setzen . . . Außerdem wär'S fürchterlich lanaweflig, wenn solche öde Gleichmacherei Platz griffe . . ." Das ist ja alles ganz richtig, verehrter Senoffe in Anhalt. Aber sozialdemokratisch ist das nicht, verehrter G-nasse, sondern kapitalistisch. So geht es aber immer mit de« Lehren der Sozialdemokratie. Sie find unausführbar.
X IreifiNAige n«d Sozialdemokraten. Dar V-rhältniß zwischen den Freisinnigen und den Sozialdemokkaten wird fortgesetzt interessanter, die Stimmung der Freisinnigen infolgedessen immer trüber. Erst hatten fie gehofft, durch die thrt- kräftige Hilfe der Genossen von der rothen Flagge bei den nächsten Neuwahlen in verstärkter Z-Hl in da« p'eußische Abgeordnetenhaus einzuziehen, und der schönen Reden gab es darum viele bei den Fceifinnigen, um die Sozialdemokraten bei guter Stimmung zu erhalten. Dann kam der Plan der Wahlobstruktion, dessen Ausführung am letzten Ende den Liberalen den meist-» Eintrag gcthan haben würde. Und schließlich ist es noch ganz anders gekommen: die Sozialdemokraten bean« fpruchen ganz einfach mehrere Sitze im Abgeord« netenhaufe unmittelbar von den Freisinnigen; fie wollen ihren Lohn ausbezahlt haben dafür, oaß fie freisinnigen Kandidaten zum Siege verhelfen; und so haben sie es bereits in Breslau und in Königsberg ganz offen ausgesprochen, daß in Zukunft von den Sitzen im preußischen Abgeordnetenhause je einer in jeder dieser Städte ihnen selbst zufallen müsse, nicht mehr alle Mandate den Freisinnigen. Der sozialdemokratische Abg. Haas« hat et in einer Versammlung in Königsberg offen ausgesprochen: Wenn er bei den nächsten Neuwahlen zum preußischen Abgcordnetenhanse zur Stichwahl komme, dann werde er dafür sorgen, daß die Sozialdemokratie den Liberalen nicht einfach Heereifolge leiste. Dann müßten zunächst die Freisinnigen ihr« Stimmen einem Sozialdemokraten geben, oder aber sie müßten „sich von den Konservativen auffceffen laffen". Dar kann ja recht interessant werden.
+ „Ir-ih-il die ich meine ..." Die sozialdemokratische Parteikonferenz für Berlin und die Provinz Brandenburg hat soeben eine« eigenartigen Beschluß gefaßt. Darin wird kurzer Hand bestimmt, daß die Herausgabe von neue« Parteizeitungen i« der Provinz Brandenburg nur unter Zustimmung bei beseitigten Kreise ui:£ des Brandenburger Provinzparteitages statt« sieden var, -Anerkannt" werde« für die Provinz Brander bara auu2 dem Berliner Z-ntralor-an nur zwei andere Organe — kurz und gut, die „Genossen" müssen lesen, was ihnen der Partei« vorstand vorschreibt, dürfe« auch nicht versuchen, sih neue Organe zu schaffen, wenn eS ihnen der hochwohllöbliche Parteivorstand nicht erlaubt. Das ist Preßzensur von Partetwegen in aller Form, eine Bevormundung der einzelnen „Genossen", wie fie in keiner ander« Partei auch nur i« entfernt ähnlicher Weise vorhanden ist. Man fürchtet sich augenscheinlich vor der Kritik im eigne« Lager und sucht dieser Kritik schon im Voraus den Mund zu stopfen. Und das «ennt man — „Freiheit" I
4- Anr Nachahmung empfohlen. Nach einer allgemeinen Verfügung der Regierung zu
Arnsberg in Westfalen ist den Lehrern und Lehrerinnen verboten worden, von de« Schulkindern irgendwelche Geschenke anzunehm n, beispielsweise an Geburtstagen oder zu Weihnachten, oder bei der Aufnahme und Versetzung der Schüler. Da« Verbot sollte überall «ingesührt werden, um endlich einmal reinen Tisch zu machen mit einer alten, schon so hävfij bekämpften und doch noch lange nicht beseitigten Unsitte.
+ Kirre ^ote«matzregel«»g. Vizemar- schall des ProoinziaöanotageS von Posen ist Graf Theodor Zoltowski; auch war der Graf Königlicher Kammerherr. Gleich den andere» polnischen Mitgliedern deS posensche» ProvinziallandtageS ist Graf ZoltowSki der Versammlung zu Ehren des Kaiser« fern geblieben, und dafür ist er nunmehr durch die Entziehung des Kammerherrntitels bestraft worden. Sollte daS die richtige Maßregel gewesen sein? Wir zweifeln. Die vornehmste Politik würde ein vollständiges Uebersehm der Abwesenheit des Grafen Zoltowski und seiner polnischen Landsleute gewesen fein.
+ Merficherrms gegen Arveitekosigkeil. Mehrfach ist daraus hingewtesen worden, daß di« Versicherung gegen Arbeitslosigkeit am besten durch die Arbeiterverbände selbst auSgefÜhrt werden würde. Mit gutem Beispiel in diesem Sinne ist der christliche Metallarbeiteroerband vorge« gangen, dieser bat soeben in seiner Generalversammlung zu Köln beschlossen, eine pflicht- mäßige Versicherung der Arbeitslosen einzuführen und zu diesem Zwecke den wöchentlichen Der- bandSbeitrag des einzelnen Mitgliedes von zwanzig Pfennigen auf dreißig Pfennige zu erhöhe«. Die Höhe und die Dauer der zu gewährende« Unterstützung hat im Bedarfsfälle der Zentralvorstand festzufehe«. Die Auszahlung solcher Unterstützungen soll vom Jahre 1904 ab erfolgen. Weibliche Mitglieder sollen die Hälft« deS Beitrages zahlen.
• Der 7. SadifHe Kandm-rk-rtag hat über den Befähigungsnachweis folgende Resolution angenommen:
Der Handwerkertag gibt dem Wunsche Ausdruck, daß es bald gelingen möge, die dem Handwerkergesetz noch anhaftenden Mängel »u beseitigen und die fort# währenden erneuerten Forderungen deS Handwerks — deS obligatorischen Zusammenschlusses unb deS Befähigungsnachweises — anzustreben. Es soll auch nur solchen Personen die Anleitung von Lehrlingen gestattet werden, welche die Meisterprüfung abgelegt habm, wie bet Submissionen nur Handwerker mit dem Meistertitel zugelassen werden sollm. Die Negierung wie die Hand, werkSkammeru werden ersucht, in diesem Sinne lhStig zu sein, denn darin liege die Gesundung deS deutschen Handwerks.
Zu der Frage deS „Bazar-, Wanderlager«, Haus ir. und Filialunwesens wurde folgende Resolution angenommen:
1. Sämmtliche genannten modernen Geschäftsarten sind dazu angethan, die Selbständigkeit des Mittelstände«, wozu der selbständige Handwerkerstand gehört, bestimmt unmöglich zu machen. Der Handwerkerstand betrachtet solche GeschästSpraxis als eine Unaerechtigkeit von Wenigen gegen Hunderttausende, welche die Untergrabung deS sozialen Friedens und des gesunden Staats- wesenS unzweifelhaft zum Gefolge hat. Die bislang dagegen angewandten Maßnahmen haben sich alS zwecklos erwiesen und darum ist eine Belastung derselben uoth- wendig, wodurch ste zur Aufgabe ihrer Sonderstellung gezwungen werden. Alsdann kann die Mehrheit der Staatsangehörigen wieder mit Muth und Kraft an die Arbeit gehen zur Hebung deS Gesammtwohtstandes deS
doch bleich bis in die Lippen und mit einem merklichen Zittern der Stimme.
„ES wird überhaupt richt geschossen," erwidert« der Artillerie-Hauptmann.
„Nicht geschossen - wie ist das möglich? Hat er Säbel gewählt?"
„ES findet überhaupt kein Duell statt!--
Und da« sag ich Dir, der Hohenthal ist der großartigste Mensch, de« ich überhaupt noch gesehen habe ..."
Bruno war. noch immer ganz aufgeregt und ging mit lange« Schritte« im Zimmer auf und nieder, während Kurt unbeweglich an dem.Schreib« tisch stand und seinen Bruder betrachtete, als fei er ihm selbst ein Räthsel geworden.
„Ich verstehe Dich nicht. .Der Ehrenrath hat doch ein Duell als nöthfg erkannt; — hat er denn abgelehnt . . . oder hat er demüthig de- precirt; so sieht mir Hohenthal doch auch nicht aus?"
„Eigentlich hat er weder das Eine noch daS Andere. Aber er hat seinem Verhalten eine Erklärung gegeben, daß von einer Beleidigung gar keine Rede mehr sein konnte und selbst dem in allen Händeln erfahrenen Schlagberg die Antwort versagte. Ja, wir Raufbolde mußten uns fast vor ihm schämen, so hat er uns mit seine« Zu- rechtweisungen abgeführt."
„Und was sagt daS Regiment dazu?"
„Wir erstatteten dem Ehrenrath natürlich sofort Bericht. WaS sollte er aber anders sagen, als waS auch Schlagberg und ich sagen mußten? Wir fühlten uns alle ein wenig befAämt vor dem Mann, der unzählige Mal dem Tode in« Auge gesehen hat, und dem wir jetzt bei der