Deutsch es Reich
Jutöa, Dienstag, den 9. September 1902.
Vtranlworliich: Für bte- Hebaftton 3 o I. Dium, für Inlerate 3. Par je Her in .Sulba.
Berlin. 8. September 1902.
X Kege« das Ke«tr«« wird sich bei den Mitte des nächsten Jahres zu vollzieheuden Reich«, tagrwahlen der Kampf der Sozialdemokratie in erster Hinte richten; welche Bedeutung man gerade diesem Gegenstände beilegt, davon zeugt der Um» stand, daß man die Frage, wie man dem Centrum künftig am besten be kommen könne, zum besonderen Programmpunkte auf dem bevorstehenden sozialdemokratischen Parteitage gemacht hat. Wie dir Tagesprcffe ferner bereit« mitgetheilt hat, beschäftigen sich von den 80 dem Parteitage vor- liegenden Anträgen nicht weniger wie 8 mit der Frage: Wie ist der Einfluß de« Centrum« zu brechen. Die Kölner Sozialdemokraten empfehlen al« geeignete« Mittel, daß der Parteivorstand Broschüren zu 10 P?g. herausgeben solle, in denen die Haltung des Centrum« namentlich zu den direkten Steuern und Zöllen, zum Ar beite, schütz, Militarismus urb Manntsmur »in entsprechender Weise beleuchte: wird". An einer derartigen »ent- sprechenden Beleuchtung* der Arbeiterpolitlk de« Centrums, die o n Verdrehungen und offenkundigen Verleumdungen ürotzt, fehlt es bisher noch nicht; vor zwei Jahren Hit bereits der sozialdemokratische Abqeoronete Gckav Hoch unter dem Titel: »Worte und T Haien de« arbeitersreund- lich en Centru »«" eine solche Schmähschrift herausgegeben, welche speziell unter'Anknüpfung an die neuere sozialpolitische Gesetzgebung bezw. die Stellung de« Centrum« hierzu so ziemlich alle« zusammenträgt, war die Sozialdemokratie zu gehässigen Angriffen auf das Centrum irgendwie verwerthen zu können glaubt. Wenn diese Schrift scheinbar manchen Sozial« demokraten noch nicht genügt, wird man sich denken können, welche Fluth von Verdächtigungen der CentrumSpolitik von einer neuen Schrift zu erwarten sein wird. Wir machen bei dieser Gelegen« heit darauf aufmerksam, daß eine Widerlegung der Hoch'schen Angriffe stottgefunden hat durch die Tagesfrage 26 de« Volktverein« für da« katholische Deutschland: „Ist da« Centrum arbeiterfeindlich?" Ein Sachregister am Schluffs derselben erleichtert die Widerlegung der einzelnen Angriffe. Da die letzteren ohne Z-oeifel bei den kommenden Reichs tag« wählen seitens der Sozialdemokratie von neuem gegen da« Centrum werden gerichtet werden, sollte die vom
Volkeverein für da« katholische Deutschland heraus« gegebene Widerlegung derselben in der Hand jeder in der Centrumtbewegung stehenden Person fein.
+ Zeitgemäße Merord»««z. Der «eue preußische Verkehrs-Minister, General Budde, bat seit seinem Amtsantritte bereits eine stattliche Reihe von Verordnungen erlaflen, im Unterschiede von seinemAmtSvorgänger Thielen, unter dem der ganze ministerielle Apparat recht bedenklich eingerostet zu sein schien. Ein Thril dieser neuen Veordnungen zeugt von einer wohlthuendenjRück- fichlnahmr aus das reisende Publikum, und so auch eine weitere, soeben ergangene Verfügung des Ministers. Danach sollm in»erhalt des Gebietes der preußisch-hessischen Eise-bahn«Gemeinschaft die Eisenbahn - Direktionen die Bahnhofs« Wirrhe veranlaffen, zur Erfrischung der Reisenden und der Bahnbediensteten auch frisches Obst in ausreichender Menge und zu angemeffenen Preisen feil zu halten. Sehr viele Reisende woll-n ja, namentlich während der warmen Jahreszeit, den Genuß von alkoholischen Getränken und auch Bier vermeiden.
+ Zur Sicher««« der Kauforderunge«. Bereits vor einigen Tagen wurde darauf hin- gewiesen, daß auch diesmal die deutschen Gewerbevereine bei ihrer Generalversammlung für die Forderungen der Bauhandwerker eiuzutreten willen» waren. Ja diesem Sinne ist ergänzend hinzuzufügen, daß die Generalversammlung in Kaiserslautern einstimmig auch eine Entschließung für die Sicherung der Bauforderungen angenommen hat. In dieser Entschließung wird „die bestimmte Erwartung" auigesprochen, daß auch in Preußen alsbald ein entsprechendes Gesetz zu Gunsten der Forderungen der Bauhandwerker geschaffen werden möge. Leider gehen alle solche Sachen bei uns den berühmten Schneckengang, namentlich in Preußen. Wenn e« sich um eine Verstärkung der Kriegsflotte handelte, würde es weit schneller vorwärts gehen. _ _ .
X Sy«d»«1- ««d Aröeiter. Der Au?« stand der Kohlenbergleute in dem nordamerikanischen Staate Pennsylvania dauert noch immer unverändert fort; von keiner der beiden streiten« bett Parteien ist bisher auch nur der Versuch za einer gegenseitige« A-inährrung gemacht worden, und namentlich die Unternehmer versteifen sich hartnäckig auf ihren ablehnenden Standpunkt. Diese Unternehmer sind natürlich auch in einem Trust, in einem Syndikate vereinigt, und gerade dieser Zusammenschluß scheint ihnen eine große Siegesgewißheit zu verleihen. Diese Tage wurde über eine Rede deS Präsidenten Roosevelt be» richtet, worin dieser zum Erstaunen Vieler seiner republikanischen Parteigenoffen eine sanfte Kritik an dem Gebaren der Trusts zu üben gewagt hatte, etn Unterfangen, das ein waschechter Repu« blikaner in den Vereinigten Staaten von Amerika bisher als unerhört berachtete. Herr Roosevelt sagte sehr richtig, man müffr erwägen, ob man die Trusts nicht unter eine gewiffe Staatsaufsicht stellen müffr; auch meinte er, die Trusts schadeten sich selbst durch die Gewaltsamkeit, mit der sie ihre Macht auSnütze«. Wenn er die Kühnheit zu dieser Rede aus Betrachtungen über den Streik in Pennsylvania hergenommen hat, würde daS nicht weiter auffallend fein. Denn gerade bei diesem Streik und seiner Behandlung durch die
Hohenthal erwiderte ruhig: „Es ist nicht m-ine Gewoheh.it, hier das Glück zu suchen."
„Haha," lachte Ostmark, ,fo kommst Du mcht durch. Im Donauklub gewesen zu sein, ohne ettie Karte zu berühren, solchen Tugendruhm^ sollst Du doch von hier nicht mitnehmen. Ich belege für Dich."
Ec griff in den vor ihm liegenden Goldhausen hinein und setzt« eine ansehnliche Rolle auf ein freies Kartenblatt.
Hohenthal war dis energische Einladung deS Freundes offenbar nicht angenehm, doch mochte er eS angesichts der herrschenden Aufregung fürS' Bests halten, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Er legte bte Grldrolle wieder zu dem Haufen deS Freundes zrrück und setzte ein ein- zslms Goldstück an deren Stelle.
Die Äitten wurden aufgelegt. Ostmark hatte verloren, der junge Ojfister, Blowitz und Hohen- thal gewann-n. Ihre Einsätze mußten ihnen vom Bankhalter verdoppelt werden.
Hohenthal ließ den Einsatz mitsammt dem Gewinn auf der Karte stehen, in der Absicht, sobald er verlöre, daS Spiel abzubrechen und auch Ostmark zum Nachhausegehen zu veranlasse». Aber er verlor nicht, sondern gewann abermals — ja drei-, vier-, fünfmal hintereinander, so daß die Summe sich reißend schnell vervielfachte. Um den Spielteufel der anderen nicht noch mehr zu reizen, nahm er endlich einen Theil dec Gold« stücke von der Karte.
Jndeß wurde damit der Zweck nicht erreicht. Auch der junge Offizier» welcher bisher stets ver-
denn die Nachfrage im Jnlande bleibe schwach, und die Ausfuhr finde zu sehr niedrigen Preisen statt usw. usw.
So ist es richtig. Diese Warnungen sollte niemand überhören. Im übrigen wird die Lage auch so lange fich nicht dauernd beffern, als die Nachfrage tm Jolande schwach ist. Und diese Nachfrage wird so lange nicht bester werden, als das landwirthschaftliche Gewerbe in der heutigen bedauerlichen Weise am Boden liegt. Wer der Landwirthschaft hilft, hilft durch diese am beste« und am nachhaltigsten der Industrie.
mit den Beilagen
Jllustrirte Sonntags-Zeitung”, Juldaer ßescbicbtsblätter" und üottene-üisfe.
• Freisinnige und Sozialdemokraten.
Der Ausschluß der sozialdemokratischen Konsumvereine aus dem GenoffenschaftSverbande freisinniger Richtung, wie er bei drr Versammlung in Kreuznach ersolgt ist, hat eine umfangreiche Auseinandersetzung in der TageSpreste veranlaßt.
Die.Fre isinnigeZeitung' des HerrnEugen - Richter setzt sich ix gewohnter Weise aus's hohe Pferd und sucht sich und ihre« Lesern vorzu« täuschen, daß der vorgexommene Ausschluß von den vortrefflichsten Folgen für den liberalen Verband sein würde. „Der Beschluß des Ver- bandStages — so schreibt sie — wird hoffentlich den sozialdemokratischen Zettelungen innerhalb desselben ein Ziel setzen . . . Wer die sozialdemokratische Liiteralur und die Reden in der Versammlung der Sozialdemokratie verfolgt, kann nicht int Geringsten darüber im Zweifel fein, daß dieselbe jetzt die Organisation der Konsumvereine und ProduktioriSgenoffenschaften benützen will, rm ebenso wie durch die sozialdemokratischen Gewerkschaften Vorstufen zu schaffen zu ihrer weiter« Ausbreitung und zur Verwirklichung aller ihrer ZukuvftSpIäne . . ." Diese Bmrtheilung der bezeichneten „Zrttelungen" ist intereffant, entspricht übrigens vollkommen den Anschauungen, die bisher in diesem Blatte über bie entsprechenden Dinge geäußert worden sind. Nur mit der Hoffnung auf bte dauernde Beseitigung dieser „Ztttelungen" wird wohl die .Freisinnige Zeitung' daneben geichoffen haben. Andere entskyieden liberale Blätter urtheilen darüber anders. So spricht u. A. die Berliner .National-Zeitung' die höchst wahrscheinlich sehr richtige Vermuthung aus, daß in bett folgenden Jahren weitere Senoffenschasten den Spuren derjenigen folgen werden, die jetzt ausgeschloffen wurden.
Zur Vervollständigung ist noch zu erwähnen, daß die ausgeschlossene« Vereine zusammen mit anberen sofort einen neuen Verbaub gegründet haben, den „Verband der Konsumvereine und Produktivzenoffenschaften Deutschlands". Dieser Verband ist sofort am Orte der Hauptversammlung, in Kreuznach, gegründet worden und ins Leben getreten. Ix der nächsten Versammlung des Allgemeinen N-rbandstages wurde diese Gründung angekündigt, worauf mehr als bie Hälfte der Versammelten unter lebhaften Hochrufen auf ihren neuen Verband den Saal verließ. „Nachträglich — so befürchtet auch das freisinnige.Berliner Tageblatt' — wird man aller Wahrscheinlichkeit nach noch von weiterer Absplitterung einzelner Vereine vom Verbände hören."
DaS Ereigniß ist durchaus auch von allgemeiner Bedeutung. Von welcher Bedeutung sagen bie freisinnigen Zeitungen selbst. „Damit — meint baS ,Berl. Tageblatt' — dürste . . . die Trennungsoperation zwischen bürger- lichen und sozialdemokratischen Genoffenschaften beendet fein." Und bie .Freisinnige Zeitung' bemerkt in der vorher bereits an gezogenen Darlegung sehr richtig daS Nachfolgende:
»Die rücksichtslose Art. wie die Sozialdemokratie in allen Organisatinen, in denen
Znfkküft- einspaltige Vetil» zeile oder deren Nauinl5Pfg..R« flamen die Petit- zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend, Rabatt gewähr«
sie angefangen hat Boden zu faffen, sie für ihre besondere« Zwecke die«stbar zu machen sucht, zwingt auch bie politisch neutralen Vereinigungen, schon bei dem erste« Anzeichen hiervon solchen Versuchen entschieden entgegenzutreten, wie dies auf dem Verbands- tage in Kreuznach geschehen ist."
Wo bleibt denn da die Theorie von der angeblichen Mauserung der Sozialdemokratie, von hrem Hineinwachsen in die Anschauungen der irstehenden bürgerlichen Ordnung? Die ,Frei- innige Zeitung' gibt mit dieser ihrer Erläute- rung drr Kreuznacher Vorgänge die berühmte MauserungS-Theorie aufs neue vollkommen auf, wie schon mehrfach vorher.
Q Warnung!
Manche Zeitungen gefalle« fich darin, die Vortresflichkeii und Sicherheit der wirihschaftlichen Lage unzupreise« und die Dinge, namentlich auf dem Gebiete der Industrie, fo darzustellen, als sei die voraufgegangene Krise überwunden und vergeffen. Gleichzeitig wird hingewiesen auf das Steigen gewisser Börsenkurse als auf ein sicheres Anzeichen für den Beginn eines neuen. Aufschwunges ... Es klingt aus alle« diesen schön- färberischen Berichte« und Darstellungen heraus wie die Aufforderung an bas Publikum: kauft Papiere, kaust, tauft!
In der That ist auf manchen einzelnen Wirth- schaftsgebieten eine kleine Befferung eingetreten. Aber dadurch sollte sich Niemand verlocken kaffen zu großem Vertraue« in die allgemeine wirth- schaftliche Lage. Es gibt auch andere, und zwar sehr maßgebende Stimmen, die ihre Warnungen ertönen Uffe« an Alle, die eS höre« wolle«. Soeben ist der letzte Jahresbericht der Handelskammer für ben Kreis Siegen erschienen, und dieser sagt über die Eisenindustrie und die Syndikate klipp und klar, daß der scharfe Rückgang der Eisenindustrie seinen tiefsten Stand noch nicht erreicht zu haben scheine. „Daß die ge- schäftltchen Resultate der Werke keine günstigen find, zeigen die offenkundigen Thutsach der verminderten Ausbeute und der Nothwer, -'.gleit der Beschaffung neuer Betriebskapitalien, um die durch Verluste entstandenen Ausfälle zu decken." So kann man es wörtlich in dem gekannten HaxdelSkammerberichte lesen. Eine noch deutlichere und kräftigere Warnung vor Vertrauensseligkeit aber kann man nicht verlangen.
Ja demselben Sinne ist eine Aeußerung der liberalen ,Weser-Ztg.' in Breme« zn verzeichnen, die dem Großhandel und der Börse so freundlich wie möglich gegexübersteht. Die,Weser>Ztg.' läßt dieselbe Warnung ertönen: man solle dem jüngsten Steigen des Börsenbarometers kein allzu aroßes Vertrauen entgegenbringen. In der verflossene« Woche sei zwar eine zuversichtlichere Stimmung über die nächste Gestaltung unseres WrrthschaftSlebens zum Ausdrucke gekommen, augenscheinlich gestützt auf die letzten Saaten- standrbenchte und die ProdukiioxSerhöhung des KokSsyndikates; denn aus dieser letztem habe man augenscheinlich geschloffen auf eine Befferung im Ersengroßgewerbe. Aber man möge sich von so'chen Schlußfolgerungen doch ja hüte«. Eine solche Besserung fei zunächst nicht zu erwarten, Laune befand und mit Vergnügen bald seine Einsätze hinzählte, bald mit verdoppelter Freude seine Gewinne an sich zog.
Gegenüber saß Graf Ostmark mit hochrothem Gesicht und aufgeregten Mienen. Die Einlätz; konnten ihm gar nicht hoch genug fei«, doch schien das G'ück rhm nicht besonders hold. Jndeß wcs machte das ihm. einem der reichsten Grundbesitzer des Landes? Viel Rücksichten zu nehmen, fand er sich geraoe j tzt nicht in Versuchurg.
Ganz anders war eS bei dem Nachbarn des Grafen, einem jungen Kavallerie-Offizier, dem schon der Schweiß von der bleich gewordenen Stftne rann, und der das Glück auf jede W-ise claubte zwinge« zu müsse-,. Zweimal schon hatte er von dem Bankhalter Löwenthal einen Vorschuß erhalten, der aber ebenso schnell wieder zusammen- geschmolzen war, wie vorher die von der Gage und dem kargen mütterlichen Zuschuß herrührenden Goldstücke.
Eben hatte er wieder einen Einsatz verloren, als Hohenthal in daS Zimmer trat. Ohne auf- zusehen theilte der junge Ofsizier — er wurde als Herr von Scharsnegg angeredet — die vor ihm liegenden Dukaten in zwei Theile und setzte die eine Hülste auf die nächste Karte. „Vorwärts!" tief er, „es kann doch nicht immer mißlingen."
Auch Blow tz leote mechanisch seinen Ersatz hin, aber bei Graf Ostmark gab e§ eine« kleinen Aufenihalt.
Er hatte das Nahen Hohenthal's bemerkt und rief lebhaft: „Aha, nufer Weltumsegler sucht auch nach »em Hasen des Glücks. Hier ist noch eine freie Karte, wohlan sitz' auf!"
tna und Vtriaa tn Urtltttittittw Ptter»i«8e Nr. 8 (barmonk).
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29. Jahrgang.
Roman von Paul vom Wildbach.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
In anregendem G-spräch verflossen die Stunden, und Hohenthal fühlte nach den Strapazen der Rüfe allgemach das Bedürfniß nach Rabe sich geltend machen; doch fei» Gastfreund erschien noch immer nicht, um ihn abzuholen, und al« Fremder mochte er nicht zuerst dar Zeichen zum Aufbruch geben.
Da trat ei« älterer Herr auS dem N benfaa herein und tagte zu Hohenthal leichthin: „Gra von Ostmark sitzt bet einer Parthie Makao — wollen Sie, Herr Baron, nicht einmal nach ihm sehe» ?"
Ein leichter Schatten flog über Hoher thal's Gesicht als er sagte: „Danke, ich spiele nicht!"
„Um so besser," erwiderte der Andere laut. Leise aber, so daß eS sonst Niemand hören konnte, setzte er hinzu: „Gras von Ostmark ist etwas leidenschaftlich veranlagt, wie Sie wisse« weroen. Vielleicht empfi-hlt eS fich da, ihn nicht ganz fich selbst zu überlass.'»."
Hohenthal verstand den Wink. Er erhob sich und ging mit dem altern Herrn nach dem Spiel« faaf, wo an einem großen Tisch die Spielgesell- schast Platz genommen hatte. Mitten vor der Tafel saß der junge Löwenthal, welcher anscheinend die Bank hielt und fortwährend mit gierigen Blicken di« Einsätze musterte. Za seiner Rechte« saß Herr von Blowitz, der fich in sehr guter
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loten, hatte feit dem Eintritt Hohenthals mehrmals gewonnen.
Beim Spiel ist alles abergläubisch, und,e mehr Leidenschaft vorhanden ist, desto mehr Aberglauben pflegt dabei zu fein.
„Sie find mein guter Stern!" tief Scharfenegg Hohenthal zu „Wenn es so weiter geht, hole ich alles wieder ein."
„Ich hoffte, eS sollte bald Schluß gemacht werden," erwiderte Hohenthal.
„Schloß? — mit einem solchen Resultat? Wo käme ich hin? Gerade, wo daS Glück sich mir zuwenset?" fragte Scharfenegg. „Doch wohlan, wir wsllen's beschleunigen," — und er verdoppelte seinen Einsatz.
Ader dis Rache blieb nicht aus. Er verlor mit einigen Zügen wieder fast die ganze Summe. Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn, als er mit krampfhaft fiebernder Hand die letzten vor ihm liegenden Goldstücke zusammenraffie und auf die Karte legte.
Abermals verlor er und zwar an Hohenthal, welcher, wie unangenehm eS ihm auch war, inzwischen die Bank hatte übernehmen müsse«.
Geisterhaft rollten die Auge« des jungen Spielers, während sie gierig nach dem Gold- hause« schaute», der fich vor Hohenthal fortwährend vergrößerte. Hastig riß seine zitternde Hand ein Blatt aus dem Portefeuille und kritzelte eine Zeile darauf. „Hundert Dukaten!" rief er, „gilt so viel das Ehrenwort eines Edel- mannes?"
Hohenthal richtete seinen ruhigen Blick einen Moment lang auf das blaffe Antlitz feines Gegen-