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29. Jahrgang
IuLHa. Montag, den 8. September 1902.
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Oral und Perlag brr Jnlbarr IctlenbrsffeiW peitreaaife Nr. r (fcarmontd.
Lesezimmer eingerichtet war. schien Herr v. Blowitz endlich zu finden, was er suchte.
Ein junger Mann von etlichen zwanzig Jahren, mit einem ausgesprochen orientalischen Typu« int Gesicht und ziemlich abgelebten Zügen, lehnte da nachlässig in einem Fauteuil und blies die blauen Ringel einer Havanna in di« Luft, während sein« Augen über die Handelrnotizen hinweg ins Weite starrten.
„Nun, wie stehen di« Kurse, Herr Löwenthal ?" rief Blowitz mit leichtem Spott.
„Danke, danke, Herr Baron," rief der An- geredete, dessen angeborener Geschäftsgeist durch den plötzlichen Zuruf wach geworden war. „Unsere Werthe stehen vorzüglich. — Ja Südamerika scheint es wieder loszugehen, die Papiere fallen, wir kaufen auf und verkaufen wieder, wenn Friede gemacht ist, und die Papiere sich wieder konfoltdirt habe»! — ja, ganz vorzüglich für da« Geschäft."
„Doch eigenthümlich, daß die Einen immer gewinnen, wenn die Anderen sich todtichlagen!"
„Ja, wirklich eigenthümlich," pflichtete der junge Löwenthal bei, ohne den Spott zu merken, der in den Worten des Baron« lag.
Der Sohn des Parvenüs war überhaupt daran gewöhnt, in der Gesellschaft der Kavaliere etwas von oben herab behandelt zu werden, doch ent» schädigte ihn hierfür wieder das Bewußtsein, daß die Meisten von ihnen bei der Bankstrma Löwenthal hoch in der Kreide standen, und deshalb auch von ihm wieder abhtngen.
Je nach dem momentanen Stande dieser Abhängigkeit pflegt« sich auch der Ton zu richten, welche die einzelnen Klubmitglieder gegen ihn anschluaen.
Inserats: $4 einspaltige Peül« zeile oder bete# RuumlSPfa..Re» Hamen die Petit- zeile 25 Psg.; bet SBteberholungen wird entsprechend» Rabatt gewähr«
Roman von Paul vom Wildbach.
------(Nachdruck verboten.)
Erstes Kapitel. Im Klub.
Es war an einem warmen September-Nachmittage, in einer der engen Straßen Wiens.
Quer über den Bürgersteig kommend, schritt «in elegant gekleideter Herr auf die Thüre eines hohen Gebäudes zu, drückte die Klinke nieder und werfchwand in einem langen, dunklen Gange.
Dem Uneingewerhten erschien da» himmelanstrebende Hau» als eine der zahlreichen Mieth«- kasernen. wie sie jede Großstadt in bedrückender Menge aufweist. In Wirklichkeit war es eines der üppigsten Klubhäuser der Donaustadt, »essen Prunkvolle, in der Nibelungenstraße stehende Vorderseite einen großartigen, glänzenden Anblick bot.
Der Hintere, unscheinbare Eingang war nur für die „Seitrauten" bestimmt; — Herr v. Blowitz gehörte zu diesen. Dicke Läufer und Teppiche nahmen die Schritte des Eingetretemn auf. Nach einigen Biegungen wurde es Heller, und bald ver- riethen Spiegel und Bilder an den Wänden die «eitere luxuriöse Ausstattung, würdig der jeunesse storss, welche in den aneinander gereihten prächtigen Salons ihre Zusammenkünfte abhielt.
Hut und Paletot im Vorgemach zurücklaffend, schritt Herr ». Blowitz durch die Säle, welche zu dieser Stande — es mochte gegen 5 Uhr sein — «och recht leer und öde waren.
Nur hinten im letzten Gemach, welches zum
'Erscheint tiglich, «.Ausnahme der Sonn- und geier« tage. Dierteljährl.
f tfugtpreit ohne Bringerlohn enb Bestellgeld in ftulba und au«« Wirt» 1 »1.50
Jllusfrirte Sonntaas--Zeitlina”
Staats minist er. Das Telegramm de? Reichskanzlers lautet:
Tief ergriffen durch das Hinscheiden deS große»
-Gelehrte», welcher für de« Fortschritt der Wissenschaft
„Suldaer Gescbicbtsblätter" und Eottene-risfe.
X Die Dostfrage beginnt wieder in den Vordergrund zu treten mit der Thatsache, daß di« Mehrheitt Parteien sich demnächst in Berlin versammel« werden, um aufs neue über ihre Stellung zu dem Zolltarifentwurfe der Verbündeten Regierungen zu berathen. In einem Berliner Blatte, daS mitunter auS offiziösen Quellen ge- peist wird, findet sich eine wundersame Mittheilung Iber die Haltung der preußischen StaatSregierung. Dort kann man wörtlich lese«:
„Ist eS schon «ach den wiederholten bestimmte» Erklärungen, die der Reichskanzler Graf von Bülow durch seine Vertreter in der Kommiffion hat abgeben lassen, nicht anzunehmen, daß di« Verbündeten Regierungen ihren bisherigen Standpunkt wesentlich verändern werden, so dürfte eS insbesondere . . . auch ausgeschlossen sein, daß die preußische» Stimme» im Bundesrathe im Sinne einer Erhöhung der Zölle inßruirt werden könnten, es fet den«, daß eine andere größere Regierung einen dahin gehenden Wunsch äußerte."
„Ausgeschlossen ... es sei denn" — ist gut. Daraus werde nun Einer klug, auch wenn er fich sonst durch dieses einfach gräßliche Deutsch mit Erfolg hindurch gearbeitet hat. Aber eS kann ja sein, daß die Situation in den obersten Regionen dieser lächerlichen Zeitungskundgebung entspricht, nämlich vollkommen unklar ist. Frischerund fröhlicher geht die ,Rationallib. Korrespondenz' vor, in dem sie in einer gespreizten Auseinandersetzung mit dem Anscheine der Ermächtigung dazu von eben her den Konservativen dringend anräth, die Regirrungsvorlage unverändert anzunehmen, da es ja „völlig aussichtslos" sei, die Verbündeten Regierungen zu einer Aenderung ihrer Vorlage zu bringen. Die Konservativen werden ihre Haltung schwerlich nach den Wünschen der,Ratio- nallib. Korresp.' etnrichten. Im übrigen scheint daS angeblich leitende Organ der nationalliberal«» Partei ganz zu vergessen, daß eS mit solchem Vorgehen unmittelbar in Gegensatz sich stellt zu einem nicht unbeträchtlichen Theile seiner eigenen Partei. Man sagt, innerhalb der konservative» Partei würde man fich zufrieden geben, wenn die Mindestzölle für Getreide wenigstens um SO Pfennige über den Regierungsentwurf hinaus erhöht würde«. Ob das der Fall ist, wird man ja wohl nächstens erfahren.
X Urfpenn-szenguisse für Getreide. Kürzlich wurde bekannt gemacht, daß von der Zollbehörde in Hamburg Ursprungszeugnisse gefordert werde» sollen für daS Getreide, das auS Amerika eingeführt wird. Di« Maßregel ist an sich lobenSwerth, und ei war höchst nothwendig, daß endlich damit ein Anfang gemacht wurde; denn massenhaft ist während der letzten Jahre auS Kanaoa Weizen bei uns in Deutschland eingeführt worden zu dem niedrigen Zollsätze deS Meistbegünstigungsoertrages. dämlich auf dem kleinen Umwege Über die Bereinigten Staaten, während wir mit Kanada gar leinen solche» Vertrag haben in Folg? der schnöden Behandlung, die deutschen Erzeugnisse« in Kanada zu Thetl wird. Es wird aber schwerlich genüge«, diese Maßregel nur in Hamburg auSzuführe«. Amerikanisches und im besonder« kanadischeS Getreide kommt auch auf andere« Wege« zu unS, namentlich über Holland. Soll die Maß-
wie für den Ruhm deutscher Forschung Unvergängliches geleistet hat, spreche ich Ihnen und den Ihrigen mein herzlichste» Beileid au».
Sämmtliche Blätter widmen dem Verstorbenen warme Nachrufe. Der .Reichsanzeiger' würdigt eingehend die Thätigk.it Virchows als Forscher und schließt:
An Besonnenheit und kritischem Scharfblick ei» un« vergleichlicher Forscher, unablässig thätig bi» in die neueste Zett, entfaltete er, dem die Wissenschaft vom Leben so viel verdankt, in seinem immer gleichen, der Arbeit gewidmete» Handeln, zugleich die echte Lebenskunst . . . Wenn die Wissenschaft mit der ihm «»«- verbundene» Familie trauernd an seinem Sarge steht, so darf es ein Trost fein, daß die Früchte seine» Schaffen» erhalten bleiben und der Name Rudolf Virchows als eine Leuchte der Wissenschaft fortleben wird in ferne Zeiten.
Auch die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' geht deS Längeren auf die wissenschaftlichen Verdienste Virchows ein, gibt kurz die Date« aus seiner politischen Ttzätigkeit und bemerkt zum Schluß:
Ei» Mehrer der Wissenschaft, ein Wohlthäter der Menschheit ist mit Rudolf Virchow in das Grab gesunken. Sein Name strahlt in der vordersten Reihe der SeisteShelden, die das deutsche Volk auf seiner Ehrentafel zu verzeichnen hat.
• Ir-ih-r- v. Manteuffel sollte «ach voraufgegangene« B'.attermeldunge« die Abficht habe«, bei de« nächsten Neuwahlen zum Reichstage sich wieder als Kandidat aufstellen zu lasse«. Der.Schief. Ztg.' zufolge soll er aber „weder die Abficht «cch die Neigung" haben, das zu thu«. Ma« wird ja sehe«, welche Lesart von beide« richtig ist.
+ I-r Kaiser ««d der IaK LS-ning. Einige Worte in der Rede, mit der der Kaiser in Posen im Landständehause auf die Ansprache de» Landmarfchalls antwortete, schienen im Innern Zusammenhang« mit dem Falle Löhning zu stehen. Sie klangen so, als billige der Kaiser das Verfahren gegen den P.ovinzialsteuerdirektor und als nehme er nun Anlaß, Herrn Löhning al« warnendes und abschreckerdes Beispiel für die Beamten hinzustellen. Die Deulurg scheint garz richtig gewesen zu sein; wenigstens wird dies in einigen Blättern versichert, deren offiziös« Beziehungenjbe- lar.nt find. Der .Berliner Lokalanzeiger' hatte fich aus Posen telegraphiren lassen, daß der Kaiser in mehreren Aeußerungen den Provinzialsteuerdirektor Löhning al« reif zum Uebertritt« in den Ruhestand bezeichnet habe; nur sei man bei der Sache unaeschickt zu Werke gegangen, und namentlich dar Wort von der Feldwebelstochter sei bedauerlich. Dazu bemerkt die ,Köln. Ztg/ in einer augenscheinlich beeinflußten Notiz: man hab« „Grund zu der Annahme, daß der Kaiser im Falle Löhning auf einem Standpunkte stehe, der diesen Angaben entspreche". Im Gegensätze dazu ist es doch aber Thatsache, daß der Posener Oberptäsident von Bitter Herrn Löhning ausdrücklich gesagt hat, nicht seine Haltung zur Polenfrage „breche ihm da« Genick", sondern feine Heirath — also eben die „Fkldwebelrtochter". Man muß also nach wie vor annehmen, daß die verantwortlichen Regie- rungrstellen in ihren Berichten nachträglich die ganze Sache auf oen Kopf gestellt haben, um sich selbst au» der Affäre zu ziehen. Danach würv« der Kaiser also falsche, oder doch entstellte Berichte darüber erhalten haben. Es muß doch endlich gesagt werden, wer hier die Schuld trägt. Je
länger man darüber schweigt, desto unerquicklicher wird die ganze Sache für die preußische Staats« reglerung.
* Der Afäkzisch- Urat-ffanl-nv-r-i« hat am 2. d. i« Kirchheimbolanden sei« Jahresfest gehalten. Herr Seminardirektor Dr. Andreae sagte dabei «ach der.Pf. Presse':
Die Methode, wie unsere Gegner u»S bekämpfe», hinterlistig, auf Schleichwegen, beweist, daß unser Verein ein Bcdürfniß ist, er kann gelte» al» eine Art stillschweigend respektirter Garantie für die friedliche Entwickelung der Kirche. Wa» gewahren wir, wen» wir über die Grenzen der Provinz hivauSfchauen? Eine tiefe Gährung und an der Oberfläche das widerliche Schauspiel kirchlicher Machtentfaltung und Parade; einen blendende» Kirchen göhen will man aufbauen, vor dem dir Völker fich beugen sollen. Und blicken wir auf die protestantischenLandeskirchen, können wir uns da aufrichten an dem Gegensätze? Was wir gewahren, ist ein klägliches Anklamwern an da» lehrhaft Ueberkommene, man sucht da und dort in bekannter romanistifch-jesuitscher Weise kleine Geschäfte zu machen. Mau kann recht wohl verstehen, daß der abseits Stehende nur den Anfana vorn End» darin erblickt, die letzten Zuckungen religiösen, kirchlichen Lebens überhaupt. Wir aber sehen darin nur die Geburtswehen, nicht einer neuen Religion, aber einer neuen Form und Fassung christlicher Gedanken, und leben der Zuversicht, daß der dauerhafte Kern auch auS diesen Kämpfen siegreich hervorgehen wird. Diese lieber« zeugung zu festigen, fie in immer weitere Kreise zu tragen, daß christlicher Sinn und Opfermuth nicht gebunden an Dogmen und Bekenntnisse, bi» ist die vornehmste Aufgabe auch des Pfälzischen Protestantenvereins. Mit diesem Borsatze wollen wir inS neue BereinSjahr trete»! (Langanhaltender Beifall.)
Herr Andrea« sagt, wie man steht, feine Meinung frei und rund heraus. Sei« Unheil über die Katholiken werden diese mit gleich- müthiger Ruhe hinzunehmen wisse«. Desto mehr aber dürfte« feine Worte über die Zersetzung des protestantische« Landeskirchenthums Beachtung finde«, denn da muß er doch wohl Bescheid wissen.
* Soldat-« al» medizinische Mersuchs- oSjestte. Einem sozialdemokratischen Blatte wird mitgetheilt, daß an der Heidelberger Universität bei den Vorlesungen Über Anatomie Soldaten als DemonstrationS. und Versuchsobjekte Verwendung finden. So soll beispielsweise der Professor, wenn er de« Studirenden die Form eines Muskels am menschlichen Körper geigen will, die beiden Muskelenden so stark elettrlficen, daß der MuSftl sich krampfhaft zusammenzieht uns dadurch deutlich hervortritt. Daß solche Versuche für die Soldaten schmerzhaft sein müsse«, liegt auf der Hand. Dazu bemerkt die .Deutsche Tageszeitung': „Wir möchten zunächst annehmen, daß die Mittheilung unrichtig sei; sollte sie richtig sein, so würde eS sich selbstverständlich nicht um Rommanbirungen handeln, sonder« die Soldaten würde« sich freiwillig dazu hergeben. Aber auch dagegen würden wir die lebhaftesten Bedenken hegen. Wir habe« die Mittheilung übernommen, um die maßgebenden Behörden zur Untersuchung und eventueller Richtigstellung zu veranlassen.
* Als chenesungrheim kür H-fizi-r- hat der Kaiser die ihm geschenkte Billa in Arco nördlich vom Gardasee in Südtirol bestimmt. Es find 12 Stellen für Offiziere und SanitätS-Ossi- giere des aktiven Dienststandes singerkchtet, die später auf 25 erhöht werden sollen.
Herr v. Blowitz, «in alter Junggeselle ohne ernsten Beruf, als den, der ständige maitre de plaiair bei allen möglichen Gesellschaften und Festen zu sein, in ewiger Geldverlegenheit und doch mit stets offener Hand für alle nöthigen und unnölhigen Ausgaben des Sport» und des Spieler bereit, betrachtete es als eine Art Naturgesetz, bei dem reichen Juden stet« tief im Schuldbuch zu stehen, heute aber konnte ihm selbst der Anblick von Löwenthal jun. die gute Stimmung nicht verderben.
Das schien dieser auch selbst zu bemerken. Nachdem er den günstigen Eindruck de« Kourr- zettelS in seinem Gehirn etwa« überwunden hatte, fragte er: „Der Herr Baron ist heute ja sehr vorzüglich gelaunt? Wa« ist so Besondere« begegnet?"
„War begegnet ist? — Habe Requisition gemacht, vorzügliche Acqutsition."
„Sie haben eine «cquisition gemacht — etwa in der Lotterie gewonnen?"
„Lotterie. Gewinn?"starrte v. Blowitz den Frager an.
„Nun, ich dachte so, — wollte mich schon mit Ihnen fronen."
„Ha, ha — da haben Sie fich zu früh gefreut," lachte v. Blowitz. Ihr Herr Papa wird schon noch etwa« prolongiren müssen. Ader eine Requisition für da» Gemeinwohl habe ich gemacht, nicht für den eigenen engen Egoismus, verstehen Sie wohl, für die große Allgemeinheit, hier für unseren Klub; daß jeder daran seine Freude haben wird — d. h. natürlich jeder Kavalier, der so etwa« gebührend zu schätzen weiß."
Berlin, 6. September 1902.
* Di- Kr«ea«««r da» H»--pröstd-«t-« v. Aitl-r zum Wirklichen Geheimen Rathe mit dem Prädikate Exzellenz wird in der Presse mit dem Fall Löhning zusammen- gebracht. Man glaubt auS tta den Schluß ziehe« -u dürfen, daß dadurch daS Verfahren des Ober- präsioente« volle Billigung gefunden habe. Wir könne» immer nur wiederholen, daß der Fall damit noch nicht erledigt ist. UebrigenS wird der ,Bresl. Ztg.' aus Posen geschrieben: „Es fällt hier aüemein auf, daß bei dem Eerclr im Generalkommando die Unterhaltung des Kaisers mit dem Oberpräfidenten von Bitter im Gegensätze zu den langen Unterhaltungen mir dem Oberbürgermeister Witting und dim Erzbischof v. «tablewSki eine sehr kurze gewesen fein soll.
• ES taucht Überall das Gerücht auf, daß der den Reichskanzler begleitende Ches der Reichskanzlei Konrad, der als ehemaliger Regierungspräsident von Bromberg die Posener Verhältnisse durchaus kennt, in unmittelbarer Zeit der Nachfolger Bitter's werden wird. Die Position Bitter's hält man hier nicht allein wegen der Löhning- Affaire für erschüttert." ES entspricht preußischen Verwaltungsgrundsätzen, hohe Beamte, die etwas pecclrt baden, nicht sofort, sondern erst einige Monate später auS ihre« Stellungen zu entfernen, Hamit nicht bet Anschein erweckt werde, als habe - sich die Staatsregietung durch die öffentliche Meinung beeinflusse« lassen.
4- Asm T"d- Birchorv-. Die Nachricht von dem Tode deS große« Forschers wurde im . In- und Auslande mit tiefer Theilnahme auf- genommen. Bo» allen Seiten laufe« bei den Angehörigen Beileids - Telegramme ein. Dir Kaiser sandte ei« in warmen Worte« gehaltenes ..Kondolenztelegrumm, ebenso sämmtliche
11 > b
In Folge einer vor Jahren eingetretenen Spaltung standen in der Hauptstadt nämlich zwei Klubs mit wesentlich denselben Zielen neben einander. Der eine vertrat mehr die strengere Richtung und hielt starr an altem Herkommen und Gepflogenheiten, in dem anderen dagegen herrschte ein freierer Ton; ihm gehörte mit Vorliebe di- jüngere lebenslustig' Welt an, und auch der junge Löwenthal und einige andere Vertreter der hohen Finanz hatten darin Aufnahme gefunden. Zwischen beiden Klub« bestand eine gewisse Rivalität, welche sich besonders bann äußerte, wenn eine bedeutende Persönlichkeit am Horizont der vornehme« Gesellschaft auftauchte und für die eine oder die andere Seite gewonnen werden sollte.
„Eine Acqutsition für de« Klub", fragte deshalb mit ziemlicher Lebhaftigkeit der junge Löwenthal.
„Und da« wäre?"
„Der Graf v. Ostmark — begreifen Sie nun?" „Der junge Graf v. Ostmark? — Ich dachte, der fitze als getreuer Ehemann längst schon hinter'm Ofe« da draußen auf seinen Schlössern."
„Hinter'm Ofen auf feine« Schlösser«? — Je nun, jeder «och seinem spezielle« Begriff, verstehen Sie wohl! Aber hinter'm Ofen, da hält- ei« Kavalier von m ferm Schlag nicht lange auS. Aber mißverstehe« Sie mich nicht."
„Nun, er hat doch bei seinem Regiment Abschied genommen, um sich seiner jungen Frau und der Verwaltung seiner Güter widmen zu kö.inen."
„Abschied genommen vorn Regiment allerdings, aber nicht vom Leben — verstehen Sie