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29. Jahrgattg.
MuLöa, Samstag, den 6. September 1902.
M 205.
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Deuts dksßeicb
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den Fall Löhning verursacht worden sein, dann ist onzuvehmen, daß sehr viele Leute mit dieser Gedankenverbindung nicht einverstanden sein wer« den. In diesem Falle hat sich die Regierung so grenzenlos ungeschickt benommen, daß an ihn eine solche Bemerkung mit Recht sich nicht knüpfen läßt. Voraussichtlich werden die Betheiligten den ganzen Fall dem Kaiser nicht in dem Lichte der ungeschminkten Wahrheit dargestellt, sondern ihn in ihren Berichten ein wenia „stisirt" haben.
Mit dankenswerthem Nachdrucke hat der Kaiser die Annahme zurückgewiesen, daß die Polen in der Ausübung ihrer Religion eingeengt, gebindert werden sollten: „Wer behauptet, daß meinen Unterlhanen katholischer Konfession Schwierigkeiten in der Ausübung ihres Glaubens gemacht oder sie gezwungen werden Hhllen, von demselben zu lassen, wacht sich einer schweren Lüge schuldig. Meine ganze Regierungszeit und meine Worte in Aachen beweisen, wie hoch ich Religion, das heißt das persönliche Verhältniß jedes Menschen zu seinem Gott, achte, und er beleidigt durch eine solche Verleumdung die Nachfolger des großen Königs, der erklärt hat, ein jeder solle auf seine Fo^on selig werden." Wen» doch »un alle Beamten und olle Leute, dte es etwas angeht, nach diesen Grundsätzen handeln wollte»! Leider ist dies bisher nicht immer geschehen. Das beweist Wresche», daS beweisen andere Fälle; und man kanx nur wünschen, daß endlich in diesem Punkte alle Bcnmten „unbedingt nach den Direktiven des Kaisers und gehorsam seinen Befehle» ohne Zaudern die Politik durchführen, die er für Wohl das der Provinz als richtig erkannt hat".
AlS zweiten Jrrthum hat der Kaiser die Annahme bezeichnet, daß die Stammeseigenthüm- lichkeiten und Ueberlieferunaen der Pole» „ausge« löscht werden sollen". Man scheint also auch hierin in den Ostmarken dir Absichten des Kaisers sehr falsch verstanden zu habe». Wenn man einem Polen verbietet, öffentlich sich seiner Muttersprache zu bediene»; wen» man es ihm nicht gestattet, auf Firmenschildern seine» Vornamen polnisch zu schreiben, so wir er es von seinen Eltern gelernt hat; wen» man rS ihm vorrnt- hält, im Religionsunterrichte mit seinem Gotte sich in seiner Muttersprache zu unterhalten; wenn man gewaltsam und ohne Noth alte polnische Ortsnamen so vollkommen verändert, daß »an sie nicht mehr wiedererkennt, verstößt man mit alle» diesen Dingen wirklich nicht gegen StammeSeigenthümlichkeite» und lieber» liesrrungen?
Würde aber dieses neue Programm deS Kaisers getreulich und in Wahrheit auSgeführt, dann würde Manches beffer in Pose» und West, preußen. Aber bestimmte Worte können sehr verschieden aufgefaßt werden; und so ist mit Bedauern auch die Thatsache zu verzeichne», daß die beiden noch lebende» Gründer deS HakatistenvereinS, eigentlich Ofimarkenmreins, dreH.'rrenKe»aema»n»Klenka und v. Tiedemann-Seeheim, mit dem Kronenorde» zweiter Klaffe ausgezeichnet wurden. Herrn Kennemann dankte Reichskanzler Graf Bülow noch persönlich für seine dem „Deutschthum in Posen geleisteten Dienste".
Wie reimt sich das zusammen?
nur daS Nöthigstr und vor Allem verschwiel ihr Gatte, daß feine Mutter gleichfalls dem dämonischen Weibe zum Opfer gefallen sei. Das sollte einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben, wo ihre Gesundheit durch eine tiefe SemüthSerschütterung nicht mehr gefährdet werde» konnte. Dann sollte daS Marmordenkmal auf dem Grabe seiner Mutter einem anderen weichen, da» die Liebe des Gatten und der K.nder ihr setzen würde.
Die ihrer vollkommenen Genesung emgegen- srhende junge Frau blieb zunächst noch in P. bei ihrem Schwiegervater. Erst wen» ihr Gatte sich in Hamburg eine Wohnung eingerichtet hatte, sollte sie ihm mit seinem Vater und dem kleinen Ernst dahin folgen.
Nach der Stadt zurückgekehrt, war es Siet» Helm s eifrigster Bestrebe», die verunglimpfte Ehre seiner Gattin auch vor der Welt wieder herzu- stellen. Er zeigte das in Homburg Vorgefallene dem Gerichte an. Dieses setzte sich mit den Behörde» dort ix Verbindung und viele schriftliche Verhandlungen fanden in dieser Dache statt. Der im Duell schwer verwundete lifländische Baron war bald nach Ernst'« Abreise gestorben, hatte aber kurz vor seinem Tode eine Gerichtsperson an sein Schmerzenslager rufen lasse» und dieser ein umfassender Geständniß seiner erst leichtsinnigen und dann verbrecherischen Handlung abgelegt. Die Habseligkeiten, welche Sennora de Fontana in Homburg hinterlasse» hatte, waren dort unter Siegel gelegt und dann Nachforschungen nach ihrer Persönlichkeit begonnen worden. Dasselbe geschah von dem Gerichte in Hamburg. E» wurde nach Valparaiso geschrieben, um über ihre
• Der Kaiser über die Polensrage.
Ei» wenig verspätet ist durch daS Telegraphenbureau, daS i» dem Dienste der Regierung arbeitet, der genaue Wortlaut der Rede verbreitet worden, die der Kaiser im LandeShause vor de» versammelte» Prooinzialstände» zu Posen gehalten hat. Aus dem Umstande, daß dte öffent- liche Verbreitung der Rede um eine» halben Tag verzögert wurde, ist die Annahme herzuleiten, daß die fragliche Meldung erst einer prüfenden Durchsicht durchzogen worden ist — «ine Se- pfiogenhrit, die nur gebilligt werden kann, die Richtigkeit dieser Annahme vorausgesetzt.
Diese Rede des Kaisers ist ganz besonders bemerkenSwerth. Einmal darum, weil sie sich überhaupt mit der Polensrage beschäftigt; dann aber auch aus dem anderen Grunde, wetl sie das in ganz 'anderer Weise thut, als die vtel besprochene Rede in Marienburg.
Von den Pole» unmittelbar hat der Kaiser überhaupt nicht gesprochen. ES war nur die Rede von „einem Theile meiner Unterlhanen nicht deutschen Stammes, der sich nur schwer in unsere Verhältnisse zu finden scheint". Dieses Letztere trifft unfehlbar zu. Aber leider muß man ja gerechter weise sagen, daß es de» Polen neuerdings recht schwer gemacht wird, in die Verhältntffe sich hineinzufinde«. Von den Radau: polen, die an bet gefl ssentliche« Aufhetzung ihrer Landsleute a beiten, soll dabei nicht die Rede sein. Daß diese Elemente ab und zu von der Hand der Regierung getroffen werden, ist vollkommen in der Ordnung. Aber die Polen im allgemeinen hatten fich in der That hinein- gefunden in den Gedanken, „brave Preußen zu sei»" — um auch dafür den Ausdruck deS Kaisers zu brauchen. Der Durchschnittspole hatte eS bereits verlernt, a» die Wiederaufrichtung eines selbständigen PolenreicheS zu denken; er hatte sich mit den Verhältnissen abgefunden und war mit ihnen zufrieden, da auch die wirthschaft» liche Lage der Ostmarken unter dem preußischen Regimente fortgesetzt fich besserte. Da auf einmal setzte der neue scharfe Polen kurs ein, der mit feiner Schärfe nicht nur die unruhigen Elemente der Radikalpolen, sondern dir Polen i» ihrer Allgemeinheit trifft; und daß dadurch aufs neue Unzufriedenheit unter den Polen entsteht, entstehen muß, ist klar. Die preußische Regierung sollte es den Polen leichter machen, in die bestehenden Verhältnisse sich zu finden; bann werden fie fich auch besser hineinfinden.
Ohne weiteres aber muß man dem Kaiser beipfllchten, wen» er verlangt, daß die Beamten „ohne Zaubern bie Politik durchführen, die bet Monarch, bie bie Regierung ihnen vorschreibt". Der Beamte kann Vorfiellunge» machen, muß sie sogar machen, wenn nach seiner Erfahrung und Ansicht manche Direktiven von oben her falsch gegeben werden. Aber baß bet Beamte im Übrigen Ordre parirt, ist durchaus nothwendig, nicht nur in Pose», sonder» Überall. Sollte indessen diese Stelle in der Rede deS Kaisers durch
worden. Dieselbe Gründlichkeit hat ihn auch überall da ausgezeichnet, wo es galt, sein reicher Wissen ist den Dienst lystenischer Aufgabe» zu stellen. Gerade die öffentliche GesundheitSpflegr verdankt ihm manche wesentliche Anregung und Förderung, und wenn Berlin heut zu Tage in hygienischer Hinsicht zu den erste» Städte» der Welt gehört, so verdankt es diese Stellung nicht zum geringste» Rudolf Virchow, de» es an seinem 70. Geburtstage durch Verleihung deS Ehre», bürgerrechts belohnte. Es sei nur an die riesigen E atwäfferuxgs- und Reinigungsanlagen der Stadt Berlin erinnert, die für zahlreiche andere Kommune» vorbildlich geworden sind; sie sind sei» eigenstes Werk. Als Mitglied der Baukuratorien übte er nachhaltigen Einfluß auf de» Bau der städtischen Krankenhäuser am Friedrichshain und in Moabit, sowie der Irrenanstalt zu Dalldorf; ebenso ist sein Name mit der Gründung beS Kaiser unb Kaiserin Friedrich-Kinderkrankenhauses eng verknüpft. DaS neue Krankenhaus im Norden der Stadl wird feixen Namen tragen. Ebenso bedeutungsvoll für die pathologische Anatomie und Hygiene ist Virchows Einfluß auf die Entwickelung der anthropologischen Forschung ge- wesen, welcher er jeder Zeit sein besonderer Interesse entgegenbrachte. — Weniger hervorragend find seine Leistungen auf politischem Gebiete, wenn auch bie freisinnige Partei allen Grund hatte, ihn als ihr bedeutendstes Mitglied zu feiern.
* Bei der I-ldarttS-ri- scheint schon wieder eine Neuerung zur Einführung gelangen zu sollen, und zwar besteht dieselbe aus drei Millrmeter dicken Stahlschilden, die zum Schutze der Mannschaft gegen Jnfanteriegeschosse unb Shrapnels bestimmt find. Es handelt sich um eine neue Erfindung, die Krupp u. Ä. auch in Düsseldorf ausgestellt hat und bezüglich deren er hofft, daß sie noch im Laufe dieses Jahres in der deutschen Armee eingeführt werde. — Wen» Krupp hofft, pflegt er seine Gründe zu haben, und so wird man sich demnächst wohl auf eine militärische Mehrforderung gefaßt mache» müssen.
4- Die Irakli-«-« u«d der Aolltarif. Die zollfreundlichen Mrhrheitsparteien beS Reichs- tages werden in Berlin zusammenkommen und nochmals über den Zolltarif berathen, bevor dieser in der Zolltaris-Kommisston der zweiten Lesung unterzogen wird. Die CmtrumSfraktion ist sür den 16. September einberufen, um mit ihren Berathuxgen fertig zu feix, bevor noch die Unterkommisston mit ihren Arbeiten beginnt. Die Konservativen unb auch die Freikonservative« werden sich am 20. September versammeln. Die zweite Lesung in der Kommission wild bekannt- lich am 22. September beginnen.
+ Konservativ- und Zolltarif. Auch daS offizielle Organ der konservativen Partei, die „Konservative Korrespondenz", ermahnt jetzt die Konservativen, in 'ber Zollfrage nicht vor bet Regierung und ihrem Drucke umzufallen. Um so mehr, so schreibt das genannte Organ (Donnerstag) _ müssen sie (nämlich die MehrheitSparteien im Reichtage) verlangen und werden fie verlangen, baß auch bie Regierung entgegenkommt und nicht den starken Mann spielt, um der Opposition, deren Kern die Sozialdemokratie bildet, in de» Sattel zu helfe» ... In dem Bewußtsein, von dem Standpunkte aus, allen PcodukÜvzewerbe« finden waren, verschiedenen Wohlthätigkeits« anftalten Überwiesen.
Den wärmsten Antheil an dem wieder her- gestellten Ehefrieden seines wackeren Kompagnons nahm der Kaufmann Gehring. Derselbe fuhr in seiner Equipage in Ecnst's Begleitung nach P. hinaus, um der jur gen Frau seine Glückwünsche zu überbringen. Auch der alte Pfarrer sand sich hocherfreut bei dem jungen Paare ein und beglückwünschte dasselbe ix der herzlichst» Weise. Er konnte aber doch nicht unterlassen, dem junge» Diethelm einen ernsten, vorwurfsvollen Blick zu« zuwersen. Ernst verstand ihn und bereute nochmals tief, was er gefehlt.
Noch ehe die Winterfiürme über Norddeutsch- land dahinbrausten, führte Ernst Diethelm seine Familie und seinen alten Vater ix sein Besttzthum ein, daS er in der Nähe der Hauptpromenade unfern deS Dammthores erworben und mit ein- facher Eleganz eingerichtet hatte. Die Pforten des Hauses, wie die Zimmer waren reich mit Blumen und Suitlandex geschmückt, als die neu- vereinte» Satten in ihr Heim einigen.
Es war nicht mehr eine Leidende, blaffe, sonder» eine blühende, junge Frau, bie am Arme deS Gatten, ihren Knaben an ber Hand, biefe dem Glücke geweihten Räume betrat. Wenn je ein weibliches Wesen ber Zukunft entgegensehen konnte, so war es Martha Diethelm, bie jetzt nach langem Leiben den Loh», ben jede wahre weibliche Tugend verdient, in vollem Maaße empfing.
DaS kleine Hau« in P. wurde an einen dortigen allen Freund des langjährigen Besitzers verkauft. Aber jedes Jahr, sobald ber Frühling
Berlin, 5. September 1902.
* Die K-«t-»ms- Ixakti-« b-s Deutsche« Aeich-tag-s ist von ihrem Vorsitzende» Herr» Abg. Gras Hompesch zum 16. September, Vormittags 10 Uhr, nach Berit» einberufen worbe», um bie Berichte ber Centrums - Mitglieder der Zolltarif - Kommission entgegenzunehmen unb beten Haltung für bie zweite Lesung bes Zolltarifes nebst Zubehör, die bekanntlich am 22. b. M. beginnen soll, zu bestimmen.
* Zfroseffor Wirchow ist heute Nachmittag 2 Uhr gestorben. Rudolf Virchow war am 13. Oktober 1821 in dem pommet'schen Städtchen Schieoelbei» geboren und bezog 1839 die militär- ärztliche Bilduxgsanstalt der Berliner Univerfität. Im Jahre 1843 wurde er zum Doktor promo- virt und gleichzeitig Unterarzt am königliche» Charitä-Kraxkenhause. Die erste Stellung, in welcher fich ihm Gelegenheit bot, für feixe Spe- zialwiffenfchast, bie pathologische Anatomie, bie Lehre oox bent Bau und der Beschaffenheit des krankhaft veränderten Körpers und feinet Theile, zu wirken, war die eines ProsektorS am Charis > !krankenhaufe, die er 1836 erhielt. Bach darauf begann er seine ersten Vorlesungen als Privatdozent. Von 1849—1856 war er an der u»t- versität Würzburg thäiig unb kehrte bann wieber nach Berlin zurück, wo er bis an sei» Sebe»Senbe gewirkt hat. Zahlreich und tief find die Spuren, die Virchows Geistesarbeit auf den mannigfachsten Gebiete» menschliche» Wiffens und Forschens hinterlassen hat. Was er als Schöpfer ser Cellularpathologie, als Hygieniker und Anthropologe geleistet hat, ist so umfassend, daß, wer Virchows Verdiensten auch nur aus einem Gebiete seiner. Wit verzweigten Thätigkeit gerecht weidest wollte/"'eine Geschichte -dieses ZweizeS menschlicher Thätigkeit seit de» letzten 50 Iahten schreiben müßte. Als hervorragende medizinische Gelehrte zur Feier von VitchowS 70. Geburtstag aufgeforbert wurden, ein Bild seines Lebens und Wirkens zu gebe», lehnte» fie diesen Auftrag ab mit dem Bemerke», daß die Aufgabe, ben Spuren Virchows in den einzelne» Wissenschaften nachzugehen und feixen ArbestSaxtheil festzuflelle», nicht von einem Einzelnen, sondern nur von einer Vereinigung von Fachmännern gelöst werde» könne, wie fie fich zur Schilderung von Alexander v. Humboldts Leben und Wirken zusammengefunden. Mit der Cellularpathologie, die den Bau ber lebenben Körper zu erforsche» trachtet, wirb VitchowS Name ewig oetbunbex bl-ibe«. Wie hier, so hat Virchow auch auf zahlreiche« anbeten Gebieten die wichtigsten Probleme an der Hand einet bis dahin ungekannten exakte« UntersuchungSmethode zu löse« gewußt. Die Lehre von der Entzündung, von der Verbreitung ber Krankheit im Körper, von den Geschwülsten, von ber Tuberkulose, ber Diphtherie und zahlreichen andere« Krankheiten — alles dies ist von ihm mit erstaunlichem Scharfsinn und mit einer bis ins Einzelne gehende« Gründlichkeit bargelegt
Vergangenheit Auskunft zu erhalten. Dte Antwort, die zurückkam, bestätigte, daß fie die Wittwe eine« dortigen steinreichen Privatiers wat, den sie geheiratet, al« er schon dem ®reifenalter nahe gestanden und bann, nach einem ungewöhnlich schnkllen ableben, beerbt hatte- Da sie von Europa au» bes Giftmorde« an der Frau de« Kaufmannes Diethelm beschuldigt wurce, so fand sspäter die Obduktion der Leiche ihre» i« einem prächtigen Grabgewölbe in Valparaiso beigesetzten Gatten statt unb bie Aerzte fanben, daß bet alte Herr durch Gift auS dem Leben geräumt worden fei. So bildete baS Leben biefeS schönen, dämonische» WeibeS eine Kette vo» Verbrechen.
Auch «ach Doktor Vernon forschte Ernst Diethelm. Et fand denselben aber nicht in dem Quartier, das ihm der verstorbene Ufländische Baton bezeichnet hatt;. Wie et von der alten Frau bei ber Vernon wohnte, vernahm, hatte er sein wüstes Leben im Jrrenhause beschlossen. Nun blieb »och übrig, die alte Kupplerin zur Rechenschaft zu ziehe», bie Martha einst gefangen gehalten hatte. Auf Ernst's Anklage würbe sie verhaftet unb zum Geständniß gebracht. So wurde Martha's Unschuld vor aller Welt offenbar und kam auch zur Kenntniß ber wohlthätigen Vereinsdamen.
Diese waren außer fich, bie fremde Abenteuerin in ihre Kreise eingeführt und mit Freundschaft Überhäuft zu haben und von ihr zum Deckmantel ihrer Schandthaten benützt worden zu fei«.
Was die in Homburg begrabene Sennora de Fontana dort an Vermögen unb Werthgegen- stände» hinterließ, wurde, da keine Erbe» zu
Engel' und Dämon.
Roman von Johann Marin».
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(Schluß.)
Es gibt Dinge, die sich mitfühlen, aber nur «»vollkommen schildern lassen. Wir fassen deshalb Alles, was »och an diesem und an den nächsten Tagen in dem kleinen Hause vorging, in die wenigen Worte zusammen: die Sonne des Himmels hat wohl noch nie glücklichere Mensche» beschienen.
E:nst blieb noch so lange daheim, als seine Geschäfte ihm dies gestatteten.
Mlt unaussprechlicher Wonne sah er, wie das blaffe Antlitz feiner Gattin wieder eine leichte Röche annahm, wie ihr Gang fester und ihre Sprache volltönender wurde. Sie hatte gedacht .zu sterben, und nun war ihr ein neues, schönes Leben aufgegangen, ein zweiter Liebesfrühling, der an Duft und Glanz den ersten fast noch übertraf.
Doch dieses neue Dasein erstreckte fich nicht nur auf sie. Auch der GreiS fühlte sich wie ver- jflngt. Ec hatte sich vor der Rückkehr seines Sohnes oft im Stillen danach gesehnt, eine baldige Ruhestätte neben feiner Gattin zu finden. Nun drang fein Seist neugekräftigt in bie Zukunft vor, die fo sonnig vor ben Neugeeinten dalag.
Von ben Umstände», welche Ernst über das heuchlerische Sebahren der Sennora de Fontana, sowie übet ihr verbrecherisches Tre ben dze Augen geöffnet hatte«, erfuhr Martha in der ersten Zeit
mit den Beilagen „ , K n , .
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