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FuldaerMIertung

mit den Beilagen

BS

29. Jahrgang.

Jutöa, Freitag, den 5. September 1902.

M 204

Cnur m» Verla» der Arldae» HdKnftrafge Pete regale Nr. t Cbarmenlel.

WrschM UM. ». «usnahme btt Eon»« «ab Feier- dae-Lierteljährl.

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•"liTSak 3.?a” a'u,"„JUustrirte Sonntags--Zeitung”, „Suldaer Gescbicbtsblättef" und Eoftene-n$fe.

• Der Kaiser in Posen.

Aus Posen wird geschrieben: Am Mittwoch Abend war die ganze Stadt zu Ehren des kaiser- lich?n PaareS glänzend tllumtnirt. Unter anderen öffentliche« Gebäuden prangten, so glaubt Wolffs Telegraphisches Bureau besonders heroorheben zu sollen, im herrlichsten Schmuck das erzbischöfliche Palais, das Priesterseminar, sämmtltche Häuser der Domherren. Um 91/» Uhr fand vor der Kommandantur großer Zapfenstreich statt. Heute Donnerstag Morgen um 10*/« Uhr empfing der Kaiser den Herrn Erzbischof von Stablewski. — Zur Enthüllung des vom Bildhauer Böse- Charlottenburg geschaffenen Kaiser Friedrich- Denkmals trafen der Kaiser und die Kaiserin, der Kronprinz, die hier anwesenden Prinzen, der Reichskanzler, die drei KabinrtschefS und das Gefolge Vormittags 11 Uhr am Wilhelm-platz ein. Die Herrschaften nahmen unter dem Kaiserzelt Aufstellung. Zur Feier fanden sich ferner ein: Finanzminister v. Rhein­baben, Kriegsminister von Gotzler, Minister des Inner« Frhr. von Hammerstet«, Kultusminister Studt, die Spitzen der Ctoilbehörden, die Gene­ralität, dir Fürstlichkeiten, darunter Fürst Ferdi- nand von Radziwlll und die Geistlichkeit beider Konfessionen. Auf den Tribünen und angrenzen­den Straßenzügen hatte sich das Publikum zahl­reich angesammelt. Nach herzlicher Begrüßung des Oberbürgermeisters Witting schritt der Kaiser die Front der Ehrenkompag«ie ab. Hiesige Sänger intonirten darauf Beethovens „Die Himmel rühme« des Ewige« Ehre". Hierauf hielt Bürgermeister Witting die Festrede. Auf einen Wink des Kaisers fiel die Denkrrals- hülle. Der Vorsitzende des Ds»kmalkomsteeS, Oberpräfideut v. Bitter, brachte ei« Hoch auf de« Kaiser auS, das von der Festversammlung und den Tausende«, welche die Fenster u»d Dächer der umliegende« Häuser besitzt hatte«, ausgenommen wurde. Der Kaiser besichtigte das Denkmal und zog den Künstler und viele An­wesende i« ei« Gespräch

Ntch der Enthüllung des Kaiser Friedrich- Denkmals b/gabe« sich daS kaiserliche Paar, der Kronprinz, die Prinzen, der Reichskanzler und die Minister «ach dem LandeShause, wo die Prooinzialstände versammelt waren. Pro­vinzial- La«dtagSmarfchall Freiherr v. Wilamowitz- Möllendorf hielt die Huldigungsansprache und bot dem Kaiser den Ehrentrunk. Der Kaiser antwortete auf diese Ansprache mit folgenden Worten:

Die patriotische» Worte, durch welche Sie Mir und der Kaiserin die Gesinnung der Provinz Posen entgegen­gebracht haben, erfüllen unsere Herze» mit Freude und Dank. Sie finde» ihre Bestätigung durch den patrio­tischen Empfang seitens der hiefigen Bevölkerung. Wir befinden Uns hier in einer treuen deutschen Bevölkerung. Wir befinden U»8 hier in einer treuen deutschen Stadt, und treu ist die Arbeit, welche die Deutsche» zur Hebung deS Landes hier vollführen. Soll diese Arbeit, deren Endziel die Hebung von Land und Volk ist, zum Nutz und Frommen des Ganzen gelingen, so ist »othwendig einmal, daß die Deutsche» ihren Erbfehler deS Partei« haderS ablegen, daß der Einzelne das Opfer seiner aus­geprägten Individualität zu bringen bereit ist, um in Angel' und Dämon.

Roman von Johann MariuS.

43 ------ (Nachdruck verboten.)

21. Kapitel.

Ein schöner Herbsttag war der Welt bkschiede». Der Himmel, der sich über dem freundlichen Dorfe wölbte, in dem der alte Diethelm mit seiner Schwiegertochter und seinem Enkel lebte, wirde do« keiner Wolke verdunkelt, so daß die So«ne ihre Strahle» ungehindert auf den Garten hinabsenden tonn.tr, in welchem sich in der vierten Stunde deS Nachmittags die kleine Familie befand.

Der Greis und Martha saßen in der Laube, wo sich die Herzen Ernst's und Martha's einst grfundcn hatten.

Drr Knabe saß auf dem Schooße seiner Mutter. Sein Kopf lehnte a« ihrer Brust. Er hatte sich nach Tische lange int Garten umher- getummelt, war endlich müde geworden und sanft eingeschlafen. Martha sah zärtlich aus ihren Liebling nieder. Diethelm laS in einem Buche, daS die Beschreibung deS überseeischen Landes enthielt, in dem sein Sohn sich mehrere Jahre aufgehalte« hatte. Ernst hatte es ihm bei seiner ersten Rückkehr nachHambmg zum Gescher k gemacht.

Aber diele L,klüre schi-m den athn Man« in dieser Stunde nicht so zu ft ff ein, wie in früheren glücklichen Tage«, denn er sah oft von dem Buche auf und nach sei« r Schwieget lochte« hinüber, deren Blicke auf dem rosigen Antlitze ihres Kaeben mit dem rührendsten Ausdruck der Mutterliebe hasteten. Ohne doß Martha es bemerkte, hoben leise aber tiefe Seufzer die Brust deS Sni-eS.

der Gefammtheit mit allen vereint zu wirken, wie einst die Ritter des Deutsche» Ordens auf perfb»liche Unge­bundenheit und Bequemlichkeit verzichtend, sich zu dem festen Gefüge deS Ordens zufammenfchaarteu, um in anhaltend harter Arbeit die deutsche Kultur zu verbreiten. Zum andern versteht es sich von selbst, daß Meine Be­amten unbedingt nach Meinen Direktiven und gehorsam Meinen Befehlen ohne Zaudern die Politik durchführen, welche Ich für daS Wohl der Provinz alS richtig er­kannt habe. DaS Zusammenwirken von Bolk und Be­amtenschaft unter der Leitung der Krone wird nicht ermangeln, im Laufe der Jahre die segensreiche Ent­wickelung der Provinz zu sördern. Ich beklage tief, daß ein Thetl Meiner Untertanen nichtdeutschen Stammes sich nur schwer in unsere Berhältniffe zu finden scheint. Der Grund dazu dürfte in zwei Jrrthümern zu suchen sein. Einmal wird in ihnen wachgehalten die Besorgniß vor Antastung ihrer Konfesfio». Wer behauptet, daß Meine» Unter« thane» katholischer Konfession Schwierigkeiten in der Ausübung ihres Glauvens gemacht oder sie gezwungen werden sollen, von derselben zu lasten, macht sich einer schweren Lüge schuldig. Meine ganze Regterungszeit und Meine Worte t» Aachen beweisen, wie hoch ich Religion, daS heißt daS persönliche Berhältniß jedes Mensche« zu seinem Gott, achte, und er beleidigt durch eine solche Berleumdung die Nachfolger des großen Königs, der erklärt hat, ein Jeder solle auf seine Fagon selig werden. Der zweite Jrrthum ist der, daß die Be­sorgniß wach erhalten wird, daß die Stammeseigen- thümlichkeiten und Ueberliefernnge» auSgelöscht werden solle«. Dem ist nicht so. Das Königreich Preußen setzt sich auS vielen Stämmen zusammen, welche stolz sind auf ihre frühere Geschichte und ihre Eigenart. DaS hindert sie jedcch nicht, vor alle» Dingen brave Preußen zu sein. So soll eS auch hier sei». Ueberliefernnge» und Erinnerungen könne» ruhig bestehen, allein sie find Geschichte, der Bergangenheit angehörig. Jetzt kenne Ich hier nur Preußen, und Ich bin eS der Arbeit Meiner Borfahren schuldig, dafür zu sorge», daß diese Provinz unauflöslich mit der preußischen Monarchie verknüpft, daß sie stets gut preußisch und gut deutsch bleibe. Diesen Becher, gefüllt mit dem Saft der Rebe», die an de» Usern des schönen RheineS gewachsen, leere Ich auf daS Wohl der Provinz Posen und ihrer Haupt- stadt an der Warthe.

Nach dieser Rede nahm der Kaiser b tt Ehren­trunk an. Sodann wurden die La wesenden oorzestellt. Das Hoch auf den Kaiser brachte das älteste Mitglied des ProvinziallandtageS, LandeS-Orkonomirath Kennemann aus.

Um 121/* besuchten das kaiserliche Paar, der Kronprinz und die anwesenden Minister, die Generalität und die Spitzen der Behörden daS Rathhaus. Der Kaiser und die Kaiserin wurden am Fuße der Treppe des alten RathhauseS vom Oberbürgermeister Witting und dem Stadtoer- ordnetenvorsteher empfangen und ins alte Rath­haus geleitet. Sodann begaben sie sich nach dem Ständehause h den StadtverordnetensitzungSsaal, woselbst der Magistrat, die Stadtverordneten- versammln»g mit Ausnahme der polnischen Mit­glieder, anwesend waren. Das Kaiserpaar de- fichtigte die neuen Stadterweiterungspläne, welche von Oberbürgermeister Witting erläutert wurden. Alsdann trug sich der Kaiser, die Kaiserin und der Kronprinz in das goldene Buch der Stadt ein, worauf sie «ach erfolgter Verabschiedung

namentlich von Oberbürgermeister Witting, das StändehauS verließen. Auf dem Hin- und Rück­weg wurde« sie von einem tausendköpfige« Publi­kum jubelnd begrüßt.

Die Kaiserin besuchte Nachmittags 3 Uhr die Krankenanstalt der Barmherzigen Schwestern, dar Diakoniffenhaus und die HauShaltungSschule.

Der Kaiser ernannte den Oberbürgermeister Witting zum Geh. RegierungSrath, den Ober- prästdente« der Provinz, vo« Bitter, zum Wirkl. Geh. Rath mit dem Prädikat Exzellenz und den Präsidenten der AnstedeluugSkvmmiffion, von Wittenberg, zum Wirkl. Geh. OberregierungSrath mit dem Range der Räthe erster Klaffe. Ferner verlieh der Kaiser eine große Reihe von O rdens- auszeichnungen, darunter dem Landesoekonv- mierath Kennemann de« Kronenorden zweiter Klasse mit dem Ster«. Die Bürgermeister Knobloch- Bromberg und Wolff-Schnetdemühl wurde« zu Oberbürgermeistern ernannt.

Die oben im Wortlaut wiedergegebene Rede des Kaisers wird ohne Zweisel zu vielfachen Er­örterungen t« der Preffe Anlaß geben. Die .Germania' bemerkt dazu:

„Der Kaiser beklagt es, daß ein Theil seiner Untertanen nicht deutsche« Stammes — das Wort Polen ist hier wohl absichtlich ver- mieden — sich nur schwer in „unsere Verhält­nisse" zu finde« scheine. DaS ist allerdings eine Thatsache, deren Gründe nicht unbekannt find. Als einen dieser Gründe bezeichnet der Kaiser die Furcht der Polen vor der Antasturg ihrer katholischen Konfession. Daß der Kaiser oder die Regierung die katholische Konfesfio« selbst direkt „antasten" könnte, fürchten die Polen allerdings nicht; aber man erinnere sich dabei doch auch einmal an die ErtHeilung deS Religionsunterrichtes und an das Bestreben der Anfiedelungskommission, den ka­tholischen Besitzstand in der Provinz Pose« durch Ansieselung evangelischer Fa­milien zu al.-Uren.

Generell heißt es dann in der Rede des Kaisers, seinen Ü terthanen katholischer Konfesfion würden in der Ausübung ihres Glaubens keine Schwierigkett-n gemacht. Wenn dsS zu­trifft, so dürfen wir wohl hoffen, daß der Kaiser bereits seine Zustimmung zur Aufhebung deS Jesuitengesetzes gegeben hat, welches bekannt­lich deutschen Ordensmännern die Ausübung ihres Glaubens und ihres priesterlichen Be­rufes unmöglich macht, wenn fie dem Jesuiten­orden angehören. Im Uebrigen freut eS unS auch, daß der Kaiser hier nicht nur aus seine Aachener Rede verweist, sondern auch Ne Toleranz proklamirt — waS für die Zustim- mung zu dem Toleranzantrage deS Een« trums günstige Aussichten eröffnet. Dan« wird auch die weitere Versicherung des Kaisers, daß die verschiedenen Stämme im preußische« Staate die Erinnerungen ihrer früheren Geschichte und ihre Eigenart beibehalten können, ein versöh­nendes Moment auch für die Polen bilden."

„Wie blaß sie heute wieder ist", dachte er. „Mit jedem Tage wird fie matter, und die Un­glückliche will die Hilfe keines ArzleS. Wie heiß sie auch ihr Kmd liebt, fie scheint sich nach dem Tode zu sehnen, der ihrem Schvldbewußtsein ein Ende macht. Ihrem Schuldbewußtsein? O, cs ist er tsetzlich für mich alten Mann, daß ich ihren Schwüren keinen Glauben schenken darf. Was sie auch UrbleS gethan, die alte L ebe zu ihr lebt einmal in meinem Herzen und läßt sich nicht Hin­wegbannen, wenn ich mir auch tausendmal sage, daß si; diese Liebe nicht verdiente."

Es verging «och eine halbe Stunde, da schlug der kleine Ernst die Augen auf.

„Mama", rief er, „liebe, gute Mama, ich habe meinen Papa gesehen."

Martha schreckte zusammen und blickte ihren Schwiegervater ängstlich frage»d an. Wie kam das Kind dazu, so zu sprechen?"

„Der Kleine hat geträumt", sagte der Greis, „achte nicht darauf."

Der Knabe aber fuhr fori:

Er hat mich auch geküßt, Mama. Du weißt, wie schon einmal. Uab Du warst dabei. Dich hat er auch geküßt."

Die Unglückliche begann heftig zu zittern. Ueber ihre bleiche« Wangen perlten Thräaen. Die Worte des Kindes erfüllte sie mit »heißem, heißem Wrh. Ja, in dem Traume ihrer Lieb­lings lag für ihn eine Prophezeiung seines zu- Künftigen Glückes, für fie aber eine Fluth von Schmerze«, die erst mit ihrem Tode enden konnten.

„Wann kommt denn mein Barer wieder?" fragte der Knabe.

„Wenn es hier im Garten keine Blumen mehr gibt", flüsterte die Mutter.

„Ach, im Wirter, wenn es kalt ist und der weiße Schnee fällt?"

„Ja mein Ernst, dann — dann —"

Sre stockte. Ihre Gedanke« waren: „Dann lebe ich nicht mehr, dann wirst Du Deine« Vatn wiedersehen."

Ein F östeln durchfuhr ihre zarte Gestalt. Bor ihr inneres Auge trat ein Bild der Trauer. Si- sah sich im Sarge liegen. Der alte Man« und der Knabe weinte an der Bahre. Ihr Gatte aber stand thränenlos, mit finsteren Blicken, dabei. Selbst der Todten hatte er »och nicht ver- aeben — der schuldlosen, schmählich verleumdeten Todten.

Der Greis bemerkte, daß sie vor Zittern den Knabe« karm noch auf dem Schooße zu halten vermochte.

„Es wird kühl", sagte er. Die Sonne neigt fich gegen Weste«. Wolle« wir nicht in's Haus gehe«, Martha?"

Sie schüttelte den Kopf.

„Jn'S HauS? Nein, lieber Vater, jetzt noch nicht Drinnen ist es so dumpf. Meine Brust fühlt sich so beklommen. Hier at(me ich freier. Diese Laube ist mit lieb undMeuer. Dort durch die Zweige kann man die Sonne unter gehen sehen. Ich sah fie oft, an seine Brust gelehnt, untergehe« und war bann so froh, so selig —"

S^e brach ab. Thräne« erstickt n ihre Stimme. Sie trocknete ihre Augen, wähnnd der Knabe ihr vom Schooß; sprang und einem Schmetterling nachlief, der über eine« nahen Rasen flatterte.

Berlin, 4. September 1902.

* Gegenüber den Beschlüsse« von Metz­gerinnungen auf Arhöhnng der Ileisch- »reise führt in den.Gießener Neueste« Nach­richten' Profeffor 8ierntet aus, daß diese Beschlüffe unzweifelhaft Kompetenzübetschtütunge« datstelle«. Die Aufgaben der Innungen sind in der Gewerbenovelle vo« 1897 umschrieben, u«d darin seien Preiskonvrvtionen nicht inbegriffen, vielmehr.bestimme § 100q, daß die Innung hte Mitglieder in der Festsetzung bet Preise nicht beschränken darf und entgegenstehrnde Be­schlüffe um gütig sind.

* Die neue AkeHtschreiönng soll am 1. Januar 1903 von den Beamten oller Behörden angewendet werden. Zeder Dienst­stelle find die Regeln hierzu geliefert worden oder werde« in der nächsten Zeit geliefert, damit die Beamten Zeit habe«, fich mit ihnen vertraut

zu macke«.

* Hebet die wiederholte Zulassung zur Prüfung für den einjährig-freiwilligen Dienst machen der Krtegsminister und der Minister des Innern Folgendes bekannt: Der Herr Reichs­kanzler hat vorbehaltlich der Abänderung der Wehr­ordnung genehmigt, daß bei Anträgen von Be­werbern auf wiederholte Zulassung zur Prüfung für den einjährig-freiwilligen Dienst vor de« Prüfungrkommisfionen schon jetzt nach folgenden Grundsätzen zu verfahren ist: „Besteht ein Be­werber die Prüfung vor der PrüfungSkommisfion nicht, so ist eine einmalige Wiederholung zu­lässig. Ist auch diese erfolglos, so darf der Be­werber von der Ersatzbehörde 3. Instanz nur in ganz besonderen Aurnahmefällen zum dritten Male zur Ablegung der Prüfung zugelassen werden. Die Bestimmungen der Anlage 2 § 16 der Wehrordnung, wonach a) für die wiederholte Zulaffung Voraussetzung ist, daß di« Prüfung noch vor dem 1. April des Kalenderjahre» erfolgen kann, in welchem die Bewerber das 20. Lebens­jahr vollenden, b) die Prüfung fich in jedem Falle auf fämmtliche PrüfungSgegenstände der §§ 1 und 2 der Anlage 2 erstreckt, bleiben auch ferner in Kraft. In dem Gesuche des Bewerbers um Zu­laffung der Prüfung ist anzugeben, ob, wie oft und wo fich der Betreffende einer Prüfungskom­mission bereits unterzogen hat." Die königlichen Generalkommandos haben in Gemeinschaft mit der in Betracht kommenden Civilverwaltnngsbehörde die in ihrem Bezirk befindlichen Piüsungikom« Missionen mit Weisung zu versehen.

* Die nkerseeische Auswanderung au« dem deutschen Reiche war im Juli d. I. erheb­lich größer als im entsprechenden Monat de« Vorjahres. Es wanderten nach der amtlichen Zu­sammenstellung 2409 Deutsche aus gegen 1643 im Juli 1901 und 1374 im Juli 1900; es hat also gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um 766 ober 47 o. H. statt gesunden. Vo« den Au«. Wanderern gingen über Bremen 1195 (1901: 699),

„WaS der Kleine vorhin sprach, hat Dich trübe gestimmt, Martha", sagte der Greis.

De bleiche Fan n'ctte.

„I,, aber ietn Traum hat ihn glücklich ge­macht. Ach könnte ich doch auch einmal so glücklich träumen! Freilich sehe ich Ernst auch manchmal im Traume, aber sein Arm umfängt mich «ie — nie könnte das auch geschehen, da er mich schuldig glaubt. Ich schuldig?" setzte fie hinzu. „Ich, die ihn so unendlich liebt, mehr alS Alles auf Erden, ja mehr selbst als das Kind, da» ich ihm geböter habe!"

Sie batte tm m diese Worte g« sprachen als die alte Migd au 5 der Hirtterlhüre des HauseS trat. Sie n bitte ih em Herr« Dieser stand auf und trat an fie bet an.

„Drinnen ist ei« Herr, der mit Ihne« zu sprechen wünscht," tagte fie.

„Hat er Dir feinen Namen nicht genannt?" fragte Diethelm. ,

„Nein, den will er ihnen selbst sagen," fügte fle hinzu. „Er muß fie in einer wichtigen An- gelegenheit sprechen."

„Gut, ich komme sogleich."

Er ging nach der Laube zurück.

„Martha, ich bi« in wenige« Auge«blicken wieder bei Dir."

„Eine wichtige Angelegenheit," murmelte er, ixbem er ins Haus ging, „was kann das feine Sollte mein Sohn fich schon wieder in Hamburg befinde« und einen Boten an mich geschickt haben? Nun, ich werde es ja sogleich erfahren.

In das Wohnzimmer tretend, fuhr er erstaunt zurück. Emst selbst stand vor ihm und breitete ihm seine Arme entgegen.