Jutöa, Donnerstag, den 4. September 1902.
29. Jahrgang.
Weranlwortllch: Aür die Redaktion 3ef. Bäum, für Znlerale 3. p-rzeller in Suita.
Onur und Verlag der Auldaer AeliendruSeso Peteregaffe Nr. i iDarmoutei.
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mit den Beilagen
inusfrirte Sonntags--Zeituna", „Fuldaer Gescbicbtsblätter" und tottme-tisfe
® Dte Unruhen in Kroatien.
Die Kroate« sind im Allgemeinen zutmüthige M«b umgängliche Leute. Aber man weiß es aus früheren häufigen Auftritten im kroatische« Landtage, daß die Kroaten, wie viele andere Slaven, möglichst heftig werden können, wenn ihre politischen Leidenschaften aufgeregt werden. Das ist nun wieder einmal ringetreten, und zwar in recht eigenthümlich kennzeichnender Weise: Es handelte sich im Grunde genommen um eine von Alters her tief eingewurzelte Abneigung zwischen Slaven und Slaven, nämlich zwischen den Kroaten und de» Serben.
I« der kroatische» Landeshauptstadt Agram haben sich verhältniß-näßtg viele Serben angr- siedelt; ihr Organ ist die serbisch geschriebene Zeitung ,Srboban‘. Diese Zeitung hat den unglaublich thörichren und außerdem unverschämten Streich begangen, mitten in der kroatische« Landeshaupt- stadt Ag>.am mehrere kroatenfeindliche Aufsätze zu veröffentlichen. Natürlich antworte!ea die kroatischen Zeitungen in heftigem, theilweise leidenschaftlichem Tone; bet ,8rboban‘ antwortete daraus noch heftiger, und damit war das Gesäß der nationalen Feindschaft wieder einmal zum Ueber- laufen gebracht. Die kroatische Bevölkerung war aus's äußerste erregt. Zum Unglück befinden sich auch gegenwärtig viele Arbeiter in Agram im AuSlande, und als nun unruhige Studenten'Elemente den Ton zu einer „S-rbenHetze" angaben, war kein Halten mehr. Du Unruhen brachen am Sonntage aus und beschränkte« sich vorerst auf einige Raufereien, arteten dann aber bald zu ausgesprochenen Straßenkämpsen aus, als die Polizei in vermuthlich etwas übereifriger Weise eingriff.
Dazu kam noch ei« besonderer Umstand. Der 31. August ist so etwas wie ei« kroatischer Nationalfeiertag. Am 31. August 1872 starb ein nationaler kroatischer Vorkämpfer P.ter Preradowitsch; und dte dreißigste Wiederkehr dieses Tages sollte von den Kroaten ohnehin in besonderer Weile hervorgeboben werden. Ja diese gehobene Nationalstimmung hinein kam der .Zwist mit dem .Srboban'., und es ist zu erklären, daß unter solchen Umständen die kroatische Bevölkerung doppelt lebhaft darauf reagirte.
Die Geschäftsräume des SerbenblatteS wurden Ws erste Opfer der aufgereizten Menge. Man warf ganze Wolkenschauer von faustgroßen Steine» hinein, die unsäglichen Schade» anrichteten; und als damit die Leidenschaft erst entflammt war, wehrte man sich aus's heftigste gegen die anrückrnden Polizeiwannschaftei», so daß zwischen Polizei und Publikum ein wilder Kampf entstand, der Stunden lang währte.
Am Montag wurde die Lage noch ernster. Viele serbische Geschäftshäuser und andere Institute wurden überfalle«, erstürmt, geplündert; namentlich auch die Serbische Bank und die Palais einiger vornehmen Serben, und Montag Abend mußten die Truppe« in Thätigkeit treten, da die Polizei als vollkommen ohnmächtig gegen die »üthende Menge sich erwies. Die Stadt Agram war thatsächlich im vollen Aufruhr, und da i« Folge der Manöver auch nur sehr wenig Militär in der Stadt Agram vorhanden war, konnte auch dieses zunächst nicht die Ordnung wieder Herstellen, Man mußte Truppen aus dem Manöver zurückberusen, die dann erst am a—WMi 1—inn.wa— um...........
Knged' und Dämon.
Roman von Johann Marius.
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Der verwundete Spieler lag in die Riffen zurückgestreckt, al« Ernst und Gabriele in das Zimmer traten. Er hatte seinen Kopf der Wand »»gekehrt, so daß die Sennora nicht sogleich sein Gesicht sehen konnte.
Ernst beugte sich über ihn.
„Richten Sie sich empor", sagte er, „wenn Ihre Kräfte es zulassen. Hier ist Die wohltyätige Dame, nach deren Bekanntschaft Sie sich sehnten. Eie fühlt das tiefste Mitleid mit Ihnen, wie mit allen Leidenden und Unglücklichen."
Der Verwundete thal, wie Ernst ihm geheißen hatte. Mit Hilfe feines Retters gelang es ihm, in eine sitzende Stellung zu gelangen. Plötzlich wandte er fein Gesicht Gabrielen zu. Diethelm war, sie beobachtend, zur Seite getreten.
Das Amlitz der Jntriguanti« überflog eine fahle Blaffe, als sie das Werkzeug ihres an Martha begangenen Verbrechens so unerwartet vor sich sah. Aber ihr Erschrecken mehrte sich noch, als der Kranke, zu ihr gewendet, die ver- hängnißvolle« Worte sprach:
„Ich habe diesem edlen Manne meine und Ihre Schuld reumüthig einzestande«. Mir, dem Sterbenden, verzieh er. Flehen auch Sie seine Gnade an, daß er auch Ihne» verzeihen möge, wenn er dazu im Stande ist."
Ernst gerieth außer sich.
2. September die geeignete» Straßenabsperrungen vornehmen konnten.
Das Beispiel in Agram hat gleichzeitig Nachahmungen draußen im kroatischen Lande gefunden. Ja vielen Ortschaften haben ganz ähnliche Kundgebungen und Unruhen stattgefurden, so namentlich in Karlstadt, Vinkooc;, Ogulin, Gosp'cs, Gorica u. a. m.; und überall kam eS zu blutigen Straßenauftritten. Augenscheinlich war eine Art Feldzugsplan gegen die übermülhig gewordenen Serben ausgearbritet, nach dem alsdann gehandelt worden ist. Daß auch sozialistische und anarchistische Elemente die Sache für ihre besonderen Zwecke ausbeuteten, kann man sich ohne weiteres denken, das ist augenscheinlich auch in nicht unbeträchtlichem Umfange gefchrhen. Vermuthlich wird nun auf diese wüsten Straß rnauftritte ein allgemeiner Boykott aller srrbifchrn Geschäftsleute folgen.
Diese wüsten Straßenaaftritte sind also erklärlich, wenn auch natürlich nicht zu entschuldige«. Die Behörden aber werde« eine« schweren Stund haben gegenüber diesrrBewrgung, um so schwieriger, als sie sich der Einsicht nicht verschließen können, daß das Karnickel, das anfing, die Serbenzeitung ,Drboban' war.
Berlin, 3. September 1902.
+ Seda«tag rmd Sayerksche chesaudt- schaft. In den ,Brrl. Reuest. Nrchr.' (Nk. 140) ist Folgendes zu lesen:
Dir bayerische Gesandtschaft in Berlin flaggt am Sedantage nicht mehr. Wir haben die gleiche Wahrnehmung bereits im vorigen Jahre gemacht, jedoch nahmen wir Anstand, damals auf diese auffällige That- sache hinzuweisen, da, wie wir glaubten, zufällige Umstände die Unterlaffung der Flaggenhiffung veranlaßt hatten. Heute habe» wir uns überzeugt, daß die Gesandtschaft den nationalen Festtag wiederum unbeachtet läßt, obwohl andere in der gleichen Straße belege«« deutsche Gesandtschaften ihre Theilnahme daran durch die hoch gezogene Fahne bekunde». Hiernach ist anzunehmen, daß das eigenthümliche Verhalten der bayerischen Gesandtschaft auf generelle Weisung zurück- zuführen ist.
Von der widerliche« Tonart, deren das genannte Berliner Blatt sich befleißigt, soll hier nicht weiter die Rede fein; das hieße zu viel Ehre dem Blatte a«thu», das augenscheinlich eine Denunziation damit beabsichtigt. Zur Sache kann man nur sagen, daß das Unterlasse»! der Flagenbiffung, die vorhandene Absichtlichkeit vorausgesetzt, allen Andere» zum gute» Beispiel dienen möge. Mit der Dreißigjahrfeier des Sedar.tagks könnte dessen alljährlich wiedrr- kchrende festliche Begehung i« geeigneter Weise ab schließe« und übergeleitet werden in eine Feier alle 10 und später alle 25 Jahre. Lebhaftes nationales Empfinden im Volte zu wecke» und zu erhalte», ist ein durchaus lobenswerthrs Beginnen. Aber dieser Zweck wird durch die fortgesetzte alljährliche Sedanfestlichkeit sicherlich nicht erreicht.
Die Hände drohend gegen die Mörderin seines Glückes ausstceckend, rief er aus:
„Nie, nie habe ich für solch' eine Schuld eine Verzeihung! Fluch über die Verworfene, die mir und meinem atmen Weibe so unsäglich qualvolles Leid zugefügt hat!"
Gabriele erbebte wie vom Fieber geschüttelt, aber ihre Geistesgegenwart verließ sie auch jetzt nicht.
Sie richtete sich mit dem Stolze einer beleidigten Königin empor.
„Nehmen Sie de» Fluch zurück, Verblendeter", sagte sie. „Er trifft ein schuldloses Haupt. Der Mensch da lügt, lügt selbst noch am Rande des Grabes. Ich habe fein Antlitz nie gesehen. Womit will der Elende beweisen, daß er mich kennt?"
Der Spieler antwortete nicht. Unter sein Kopfkissen greifend, zog er eine Brieftasche hervor und nahm ein beschriebenes Blatt heraus.
„Hier lesen Sie, mein Herr, dar Zeugniß ihrer und meiner Mtffethat. Gott hat verhindert, er zu vernichten."
Ernst ergriff es, la« und schrie laut auf:
„Allmächtiger! Das ist — Martha's Handschrift."
„Der erste Entwurf", sagte der Leidende, „der mir noch nicht ganz gelungen erschien. Die Kopie wird sich i» Ihren Händen befinden."
Diethelm hielt dar Blatt der Sennora vor die Augen.
„Verlangen Sie »och weitere Beweise? Wagen Sie jetzt noch, Ihren Bundeigenoffen zu verleugnen?"
X Der Kro»prie»z von Sachse« al» AorpsSomma«-e»r. Kronprinz Friedrich August von Sachsen ist wie bekannt, zum tomtnanbkenbe»; General des XII. (sächsischen) Armeekorps ernannt worden. Das Korps wurde bisher geführt von dem General von Haufe», der jetzt als Nachfolger des Generals von der Planitz KriegsNinifter in Sachsen geworden ist. Die amtliche Mittheilung von der Ernennung des Kronprinzen zum kommandirende« General enthielt de« Zusatz: „Dem Wunsche Sr. Maj. des Königs von Sachse« entsprechend", was in einigen Zeitungen eine abfällige Kritik erfahren hat, aber ganz mit Unrecht. Dieser Zusatz entspricht vollkommen de« Bestimmungen der preuß'sch - sächsischr« Militärkonvention vom 8 Februar 1867, die unverändert in dir RrichS- verfaffnng übergegange» ftub. Es heißt darin ausdrücklich:
„. . . Die Ernennung des Höchstkomman- dirende« des Armeekorps selbst erfolgt auf Grund der Vorschläge des Königs von Sachse« durch dr« König von Preuße« . . ." Außerdem brachte die .Frankfurter Z itung' eine Mittheilung aus Sachse», in der behauptet wird, daß der verstorbene Kriegs Minister E)l«r von der Planitz sich einem solchem Wunsche deS Königs Georg nicht zugänglich erwiesen habe und den Abschied genommen haben würde, wenn er om Leben geblieben wäre." Man wird dadurch an eine Mittheilung erinnert, die kürzlich die »Deutsche Tageszeitung' brachte: Danach hat sich König Georg grrröchigt gesehen, seinen Ministern zu sage«, daß sie sich nicht ungehörige Eingriffe erlauben sollen in das Bestimmungsrecht des Königs, indem sie Verordnungen, die der Unterschrift des Königs bedürfen, ausführen, bevor diese Unterschrift ertheilt ist. In diesem Stile scheint also auch der verstorbene Krisgsministrr „regiert" zu haben i« seinem Reffort an Stelle der Königs. Absolutes Herrscherthum wollen wir gewiß nicht haben; aber noch weniger absolutes Ministerthum, wie es ganz augenscheinlich zuletzt unter dem vortrefflichen König Albert im Königreiche Sachsen am Ruder gewesen ist. Die demokratische .Frankfurter Zeitung' hat sich ganz sicherlich kein Verdienst und keine« Ruhm dadurch er- worben, daß sie sich zur Veröffentlichung dieser Korrespondenz aus Sachsen hergegeben hat.
X K«gl««d ««d De«tschta«tz. Die Engländer schweben in fortgesetzter Angst vor dem Unternehmungsgeiste der Deutschen, namentlich auch vor deutsche» Unternehmungen in Kleinasien. Neuerdings wußte die .Birmingham Post' zu berichten, daß Deutschland wahrscheinlich bald eine sehr wichtige Konzession für die Anlage von Hafen und Eisenbahnen in Palästina erhalten weide; der deutsche Botschafter in Konstantinopel unterstütze die Sache sehr. Die ganze Meldung syll aber wobl nur ein „Versuchsballon" sein. Den ,B-rl. Reuest. Nachrichten' zufolge ist von solche« Utternkhmunge« nichts im Werke.
+ HSerleut«a«t Kildevraudt soll nicht verabschiedet sein, so behauptet dir »Köln. Ztg.', da „ihn an den in Gumbinnen zu seiner Ehrung getroffenen Veranstaltungen keine Schuld treffe". Das ist seine wundersame Logik. Bisher nahm man immer an, daß Jemand auch theilnimmt an Kundgebungen, die sür ihn veranstalret und aus-
Gabriele d« Fontana preßte die Lippe» fest aufeinatiber. Sie fühlte sich verloren und ver- nichtet, unv mußte sich an dte Lehne eines Stuhle« halten, um nicht umzusinken.
„Ich werde Sie dem Gerichte überliefern", sagte Ernst nach kurzem Schweigen. „Da mögen Sie sich verantworten, warum Sie so gegen das Glück schuldloser Menschen gehandelt haben. Ich kehre nach Hamburg zurück, ich werde Doktor Vernon aussuchen und finden. Ihr Verbrechen wird an's Licht kommen und Sie dem Gesängntß überliefern."
Die Sennora raffte sich mit Anstrengung empor. Ihre Züge verzerrten fich, Flammen schossen aus ihren Augen.
„Es bedarf nicht des Gerichtes", erwiderte fie tonlos. „Ja, ich that Aller, dessen Sie mich beschuldigen. Und ich würde es wieder thun, wäre es noch nicht geschehen. Ich that er, weil ich Sie liebte, lieble mit einer Gluth, die mich Erwiderung finden lassen mußte, wen« sie mich nicht verzehren sollte. Hätte ich mich Ihnen zu Füßen geworfen und um Ihre Liebe gefleht, Sie würden mich al« eine Wahnsinnige zurückgewiesen haben, denn Ihr Weib war Ihnen damals noch Alles. So konnte ich Sie nur durch ein Verbreche» erringen und scheute nicht davor zurück, diese» Schritt zu thun. Aber Sie kennen noch nicht meine ganze Schuld. Ich habe nicht nur Ihre Gattin in Schmach und Schande gestürzt, ich that noch mehr. Ehe es dazu kam, habe ich Ihre Mutter durch Gift aut dem Leben geschafft, weil ich Sie lieble. Sie drohen mir mit dem Kerker!
drücklich von ihm gutgeh-ißen und angenommen werden. Das aber ist durch de« Oberleutnant Hildebrandt geschehen, indem er fich in den Wage» setzte, den ihm die Gumbinner Offiziere besorgt hatten, um ihn feierlich und öffentlich zum Bahnhofe zu eSkortire«. Hildebrandt muß doch unbedingt gesehen naben, bevor er diese« Wagen bestieg, was für ihn und mit ihm beab« sichtigt war. Und damit hat er sich mit als Hauptperson an der tadelns werthe« Veranstaltung betheiligt.
+ politische WätisLett btt polnische« Aker«». Unsere Zweifel an die Richtigkeit der Meldung von der Berichterstattung der Land- räthe Über die politische Thätigkeit der polnischen katholischen Geistliche« bis auf 20 und 30 Jahre zurück erweisen sich als durchaus berechtigt: die Meldung wird von Posen aus als unzutreffend bezeichnet.
♦ Eine Hochpolitische Krüläenng hat der holländische Premierminister vom Haag aus er- kaffen, nachdem er fosben von seiner Auslandsreise dorthin zurückgekehrt ist. Minister Kuyper bementirte auf das Bestimmteste die Gerüchte von einem Anschlüsse Hollands an den Dreibund und von der Abtretung einer Kohlenstation an Deutschland. Seine Unterredungen mit den amtlichen Stellen in Wie«, Berlin und Rom hätte« ausschließlich wirthschastlichen Fragen gegolten, insbesondere der projektirten Post- Union zwischen Deutschland, Oesterreich und Holland.
X Da» Kartell i« Sachse«. Im Königreiche Sachsen soll bei de» nächsten Wahlen zum Reichstage ein allgemeines Kartell der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie helfen, wie mehrfach schon berichtet worden ist. Solche Kartelle an sich fub im Allgemeine« zweifelhafte Experimente, wie man kürzlich erst wieder bei der Ersatzwahl in dem bayerischen Wahlkreise Forchheim-Kulmbach beobachte« konnte. Viele Wähler könne« sich nicht für solche Kandidaten erwärme», die ihrer eigenen Partei nicht an gehöre«; so blieben beispielsweise in dem eben genannten bay-rischen Wahlkreise die freifinnigen Wähler sammt und sonders bei der Hauptwahl daheim, weil sie zunächst von dem nationalliberalen Fabrikanten Faber nichts wisse» wollten. In Folge dessen fehlte gar nicht viel daran, daß dort der Kandidat des Bundes d er Landwirthe mit dem Centrums- manne in die Stichwahl gekommen wäre, so daß alsdann der Nationalliberale vollkommen ausgefallen sein würde. Aehnliche Erscheinungen könnte man im Königreiche Sachsen hier und da auch erlebe«, und es ist recht erklärlich, daß in der sächsischen Presse der bürgerliche« Parteien neben den kartellfreundliche« Stimmen auch andere Stimmen taut werden, die gegen de« Abschluß dieses allgemeine« Kartells allerhand Einwendungen zu machen haben; so neuerdings in dem nationallibe- raten,Lripz. Tagrbl.'. Dort ist es der Vorsitzende des „Jungr.ationallkberalknVereins", derdie Ueber« zeugung ausspricht, d..ß die Nationalliberalen in Gackle« sich d >rch dieses Kartell „viele Wähler »ntsrewde« worden, uz.b gerade die überzeugt nationalliberalen". Es wird dort ganz mit Recht gesagt: „Es ist gewiß, daß zwei Gruppen verschiedener Parterrichtur-gea von je 1000 Mann, die man um einen Ku* di raten vereinige« möchte, nicht 2000 Wohler geben. Die Politik hat hier
Ich verachte btefe Drohung, denn es gibt Mittel, die rntch bim G setze der Menschen entziehen, und diese sind noch in meinen Händen."
Bevor Ernst, welcher durch dieser fürchterliche Beki'nntniß de« bämomften Weiber sich gleichsam gelähmt fühlte, sich erholen konnte, war sie au« dem Zimmer vrich wurden, hatte sich wie rasend in den vor dem Hause h stienden Wagen geworfen und war zurück nach ihrem Hotel gefahren. Erst als sie fich so hastig entfernt hatte, wich die Erstarrung von Diethelm. Schnell rief er den Wärter herbei und übergab den durch die aufregende Szene gänzlich erschöpften Verwundeten dessen Obhut.
Mit schnellen Schritlen begab er sich sodann nach dem Hotel, in welchem die Sennora wohnte. Ihre Worte hatten in ihm die Ahnung erweckt, daß sie es versuchen würde, fich der rächenden Nemefis zu entziehen. Er aber wollte ihr jeden Weg zur Flucht abichneiden. Das Weib, welches fein und Martha's Glück so grausam zerstört halte, sollte ihre That büßen und durch irdische Gerechtigkeit die verdiente Straft empfang'n.
„Ist Sennora de Fontana anwesend?" fragte Ernst, im Hotel angekommen, de» Portier.
„Sie kam vor wenigen Minuten noch Hause", antwortete dieser. „Sie finden die Dame auf ihrem Zimmer, mein Herr."
Ernst eilte zornglühend nach der ersten Etage hinauf. Er wollte in die von Gabriele bewohnten Gemächer stürmen, fand jedoch die Thüre verschlösse«.
„Oeffnen Sie, oder ich breche die Thüre ein!" rief er mit donnernder Stimme.