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„lllustnrte Sonntags--Zeitung , „Fuldaer Gescbicbtsblätter" und tottem-tisfe. <***•». «
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Jt£ 201.
Jutöa, Dienstag, dm 2. September 1902.
29. JahrgMg.
O Sozialdemokratie und Landlagswahlen.
Daß dir Sozialdemokratie ganz besonder« ' Pläne hat für die preußische« Landtagsmahlen, ist berichtet worden. Die Pläne laufen auf einen Wahlkreis hinaus, der in einer Reihe von Wahlkreisen die Ausübung der Wahl nach Möglichkeit erschweren oder hoffentlich unmöglich machen soll. DaS soll augenscheinlich auch den bayerischen Genosse« vor Auge» führen, wie ein richtiger Sozi gegen LandtaqSwahlen in diesen verdammten bürgerlichen GesellschastSstaate« sich zu betragen hat — nicht mitthun an Berbeffrrungen deS bestehenden Wahlrechtes, sondern »ach dem Grundsatz« handeln: alles muß verunjtniert sein.
Run, der Plan ist da. Aber jetzt stehe» die Herren Genoffen vor dem Plane und wiffe» nicht recht, wie sie ihn aut führe» solle». Herr Eduard Bernstein läßt sich darüber in der Srp- tembernummer der .Sozialistischen Monatshefte' vernehmen; aber aus dem, waS er schreibt, ersieht man sehr deutlich, daß ihm die ganze Wahlangelegenheit sehr unsicher und problematisch vorkommt. Gerade diese Ausführungen Bern« stetn's zeige«, daß man al-bald nach den» Aus- Hecken dieser Wahlkreispläne wieder ganz erheblich« Zweifel daran bekomme» hat, ob denn der Plan überhaupt ausführbar sei; und so geht denn auch Bernstein wieder auf dir Uchcage zurück, ob nämlich die Sozialdemokratie positiv oder negativ a» Km preußischen LandtoHSwahlen sich bktbrssige« ssolle, also entweder nach hr Erlangung von fSitze« t« preußisch«» pchgeordneterchause streben, .od« aber es mit dem neu vorgeschlagene« Wahl- o'u versuchen. Nur daS Eine geht auS den geschiedenen Darlegungen in der sozialdemokra- tische« Presse hervor: die Sozialdemokratie »st fest entschlösse«, beim nächsten mal sich nachdrücklich auch an den preußischen La«dtagswahl«n zu betheiligen, wen« auch daS Wie der Ausführung «och unklar ist.
DeS schöne Streikplänchen findet nun in derselben Nummer derselben sozialdemokratischen ZeKsihrh» Eine rückhaltlose Verurtheilung durch den Genosst J-Bruhns Dieser beweist den Erfinder« deS ^anes, daß derselbe vollkomme« unausführbar r>- •*«[der Hand liegt - so schreibt der Verfasser — daß eine Obstruktion bei de« Urwahlen und auch den Abgeordneten- wählen unmöglich ist. Denn da» G«lt«gen derselben bei de« Urwahlen würde f« kbe« dem Grade, wie er erreicht wird, da» Gelinge derselbe« bei den Abgeordnetenwahlen verhindern. Wenn wir bei den Urwahlen in den Bezirke«, d deren Wähler in ihrer Mehrheit unS gehören, 'die Wahl der Wahlmänner durch die geschilderte Obstruktion vereiteln — und nur in solchen Bezirken sind wir doch dazu im Stande — dann fehlen unS zur Obstruktion bei der Abgeordneten- wähl die dazu erforderlichen Wahlmänner."
Natürlich bleibt nun noch die Frage übrig, wie es werden würde, wenn die Sozialdemokratie an den Urwahlen sich betheiligt, wie die anderen Parteien auch, und Wahlmänner wählt und dann erst bei den Abgeordnetenwahlen mit der Obstruktion einsetzt. Aber auch diese- Verfahren verwirft BruhnS. Er «eist ganz richtig darauf
Gngel' und Dämon.
Roman von Johann Marius.
40 ------ (Nachdruck verboten.)
Sie bemerkte feine Verstimmung und fragte ihn nach der Ursache. Warum hätte er ihre Frage nicht beantwoNe» sollen? WaS sie erfuhr, erfüllte sie mit der Furcht, daß sie, so nahe am Ziele, doch »och ihr Spiel oertierm könne.
„Er muß eine Zeitlang von Hamburg fort", sagte sie sich selbst, als sie wieder allein war. ..Der Einfluß des Vaters auf ihn muß auSge- glichen werden. Da» kann nur durch eine längere Entfernung geschehen. Ich w rd« versuche», ih» dahin zu bringen, irgend ein Bad z» besuchen mit dem Versprechen, ihm in wenigen Tagen Nachzufolgen. Dan» wird er ganz allein mir gehören und ich werde ih« endlich zu «einen Füßen sehn!"
Auch dieser Plan gelang dem schlauen Weibe. Ernst, der sich geistig niedergedrückt und auch körperlich nicht ganz wohl fühlte, ließ sich bereden, «in Bad zu besuche«, und zu dem Zwecke wurde da« reizend gelegene Hvmburg gewählt. Nachdem er vom Herrn Gehring Urlaub erhalten und seine Freundin ihm versprochen hatte, in Kurzem den dortigen Aufenthalt mit ihm zu theilen, reiste er ab, um bi« zum Ende der Badesaison vo« Hamburg fern zu bleiben.
Jetzt glaubte Gabriele ihre« Triumphe« sicher zu fein. Sie hatte die Karte auf'« Neue geschickt gemischt. In Homburg gedachte sie den letzten Trumpf aurzuspielen.
hi», daß daS nur i« sehr wenigen Wahlkreisen vo» Erfolg sein könne, »ach einer Berechnung nur i« elf preußischen Wahlkreisen mit 27 Abgeord- neten. ES kann keine Rede davo» sein, daß »as preußische Abgeordnetenhaus — so folgert der Verfasser in unzweifühast zutreffender Weise — funktionsunfähig gemacht werden könnte durch solche ObstruktionStattik: „bie gewählten Herren würde» ga»| vergnügt weiter tagen und um so vergnügter, als sie nun wahrscheinlich de« letzte» Rest, we»n auch schwächlicher bürgerlicher Oppo- fitio» loS sein würde«. Würde doch die Verhinderung vo« Abgeordnetenwahlen durch unsere Obstruktion unzweifelhaft in erster Reihe den Freisinnigen die Mandate vorenthalten... ."
Das ist das Spaßhafte an dem Obstruktions- plane, daß feine Ausführung fast allein die freisinnigen Brüder treffe« würde, die sich nun schon seit Jahresfrist gefreut haben auf die thatkräftig« Unterstützung durch die Sozialdemokratie bet den nächste« Neuwahlen zum preußischen Abgeordneten- hause. Herr BruhnS hat recht: WaS würde auS den letzten Freisinnigen werden, die noch im preußischen Abgeordnetenhause fitzen, wenn die sozialdemokratischen Senoffen ihnen die berühmten Krücken wegnehmen, ja sogar gegen die Wahl vo» freisinnigen Abgeordneten Obstruktion treiben würden? Sie würde« geräuschlos in daS Nichts versinken!
DaS Ende vom Liede wird fetw, daß die Sozialdemokratie wieder einmal von der Unmöglichkeit sich wird überzeugen müsse«, gewaltsam die Kreise dieser verhaßte» bürgerlichen «e- sellschastSord«üNg zu störe«, «och dazu bei Em- richtungen, die auch sehr viele andere Leute geändert sehen möchte«, wie bei den preußischen LandtagSwahlen und ihrem gänzlich veralteten und widersinnige« System. Da sich die Herren Genossen aber doch bestimmt an diese« Wah en betheiligen wolle«, so werden sie am letzten Ende alles ungebrrdige Strampeln aufgeben, mri: den anderen Urwählern und Wahlmännern in Reihe «nd Glied aufmarschiren müffe« und schließlich herzlich froh sein, wenn sie mit der Hilfe von freisinnige« Wahlmännerri «ta oder fünf der Ihrige« in das preußische Abgeordnetenhaus hinein bekomme« al» Hechte im Karpfenteich.
Die Karpfen, das steht fest, brauchen diese Hechte ganz und gar nicht zu fürchte». ES wird vielmehr recht interessant sein, zu beobachte«, wie diese Hecht« zu schwimme« versuchen werden.
Berlin', 1. September 1902.
X Ai- Kaisertage i« Kose«. Die mancherlei Gerüchte, die über den muthmaßlichen Verlauf der Kaisertage in Posen aufgebracht worden find, haben die Aufmerksamkeit auf diese erste Anwesenheit deS kaiserlichen Paares in Posen ganz besonders hingelenkt. ES hieß unter anderem, die Fenster und Balkone an der Fest- straße sollten nicht benützt werde« dürfen; davon ist aber nicht die Rede. Nicht nur den Besitzern
dieser Fenster und Balkone steht die Benutzung derselbe« vollkomme« frei, auch gegen daS Ser- miethen derselben ist nicht der geringste Einspruch erhoben worden. Alle diese übrigens von Anfang an höchst unwahrfcheinliche» Gerüchte haben sich also als durchaus unwahr erwiesen. Daß die lolntsche» Mitglieder deS Provinzial-LandtageS ich von der Begrüßung des Kaisers durch die genannte Körperschaft vollkommen fern halten wolle«, ist bekannt. Diesem Kommando «erden auch sicherlich alle polnischen Herren deS Provinz- Landtages Folge leisten, da sie jetzt gar nicht mehr anders handeln können. Aber vo» mehreren polnischen Zeitungen ist verkündet worden, man werde beim Einzüge des kaiserlichen Paares »kein polnisches Gesicht in den Straßen der Stadt Posen sehen*. DaS wird wohl falsch prophezeit fein. DaS polnische Volk im allgemeinen will ganz und gar nicht in Feindschaft mit dem deutsche« Volke leben, und da« alte gute Verhält- niß früherer Zeiten zwischen de» Angehörige« der beiden Völkerstämme würde niemals gestört worden sein, wenn nicht der GrwaltkurS gegen die Polen von oben her und die Hetzereien der Radaupolen vo« unten her die bedauerliche Aenderung i« den früher angenehme» Verhältnisse« hervargerufen hätten. Aber trotzdem ist Zehn gegen Eins zu wetten, daß die polnische Bevölkerung bei dem festlichen Einzuge genau ebenso zahlreich in den Straßen der Stadt Posen vertrete» sei« wird, wie die Deutsche«. Vor nicht langer Zeit feierte der deutsche Provinzial-Sängerbund in Pose» d»S Fest seines fünfzigjährigen Bestehens, und auch bei dieser Gelegenheit hatte die polnische Presse Enthalt- samkeit angerathen vor dem Beschauen des hübschen FrstzugeS. AIS aber der Festzug kam, besahen fich ih« ebenso viele Polen wie Deutsche. Leider aber wird dieser überwiegend versöhnliche und liebenswürdige Charakter des Durch- schnittSpolen durch das herrschende System künstlich und gewaltsam unterdrückt Lütz nach den Rezepten der - Batiste« allgeM-ch das Gegen. Mrl verwandelt. Wer Haß säet, kann nicht erwarte», Liebe zu ernte«.
« X N-richt-rKatte« M bett Manöver«. Anläßlich der letzte» Kaisermanöver hatten mehrere Vertreter auswärtiger Blätter fich das Vergnügen gemacht, ihre« Zeitungen allerhand taktlose Bemerkungen über diese Manöver zu senden. DaS war natürlich in Berlin Übel vermerkt worden, und eine Zeit laug hieß es, es sollte» diesmal ausländische Zeitungsschreiber nicht mehr zur Berichterstattung bei den Manöver« zugelaffen werden. DaS ist aber nicht richttg; die Saflfteiheit gegen dieselben soll vielmehr nach wie vor auSgeübt werden, durch den Generalstab sollen ihnen alle Materialien, die zum besser« Verständnisse und zur Erleichterung der Berichterstattung dienen können, zur Verfügung gestellt werden. Aber ma» erwartet natürlich auch, daß die Herren diese Gastfreundschaft nicht wieder durch solche taktlose Bemerkungen vergelte«. WaS fremde Berichterstatter, namentlich natürlich Engländer, fertig bekommen, geht auS einem Beispiele deS Vorjahres hervor. Der GeneralstabSosfizter, der de« Vertretern der Preffe zur Führung beigegeben war, halte eine Auseinandersetzung beendet, nm gew-ffe Truppenbewegungen zu erklären; daraus
wurde von dem anwesenden Vertreter eines e«g- ische« Blattes die Aufforderung an den Offizier gerichtet, seine Auseinandersetzung nun nochmals englisch zu geben . . . .!
* Der neueruannte französische Botschafter am Berliner Hofe, Mihoxrd, war bisher Gesandter in Bern. De» Ber»er Poste« bekleidet Bihourd feit Frühling 1900. Bihourd ist 1846 geboren, im deutsch-französische» Kriege von 1870/71 wurde er gefangen nach Deutschland geführt. Später wurde er Präfett in ArraS und Nancy, 1886 außerordentlicher Gesandter in Tonttug, 1890 in Lissabon, 1895 im Haag. Er vertrat Frankreich auf der Haager Friedenskonferenz. Obschon Bihourd Junggeselle ist, brachte er, wie die ,Franks. Ztg/ aus Brr» erfährt, viel Leben in die französische Botschafter- Villa „Favorite" in Bern.
+ Noberrvachmig polnischer Geistliche« i« Oose«? Nach dem.Wielkopolanin' solle« die Landräthe in der Provinz Pofen aufgefotbert worden sein, über die politische Thätigkeit der einzelnen polnischen und katholische» Geistliche« zwanzig bis dreißig Jahre zurück Bericht zu erstatten und staatsfeindliche Kundgebungen darin zu verzeichnen. Ganz genau wird diese Meldung wohl nicht zutreffen.
+ LSHniuz n«b immer wieder Löhning. Die ,Nrue Politische Korrespondenz', die man offiziös ansicht, hatte in diese« Tagen berichtet, daß „in der Löhning-Affäre die Entscheidung zu Gunsten des Oberpräfidenten von Bitter gefalle« fei." Das «Berliner Tageblatt' brachte eine Bestätigung btefet Nachricht in feinem Abendblatte vom SamStag. Danach sollte dies« Entscheidung von allerhöchster Stelle au8ge- gangen fei», nachdem der Posener Oberpräfident zum Berichte aufgefordert worden war und sich eingehend zur Sache geäußert hatte. Der Entscheidung deS Kaisers sollte auch eine Besprechung mit dem Grafen Bülow voraus- gegangen sei«, Ma» sollte die Verlobung Löhnings deswegen als bedeutungsvoll angesehen 6oi<n, vorwiegend polnisch sei u. s. w. ' gegengesetzte Behauptung, diesmal hoch offiziös hat wiederum nicht lange aus sich warten lasse«; den« durch daS Wolss'sche Telegraphenbureau ist am Sonntag eine Meldung verbreitet worden, in der die Mittheilungen der ,N. P. K.' und anderer Blätter als unzutreffend zurückgewiese« wird. Nach dieser allerneueste« offiziöse« Kundgebung solle« diese Mittheilungen „auf freier Kombination beruhm und auf keine maßgebende Stelle zurückzuführen sein". Die Verwirrung in de« obersten Staatsregionen in Berkin ist augenscheinlich wieder einmal nicht minder arg, als in den Zeiten des Fürste« Hohenlohe und des Grasen Caprivi.
+ „Mevauche". Der französische Kriegs- Minister Andr« hat am letzten Sonntag wiederum ein Kriegerdenkmal enthüllt, diesmal in Bourgoin, und wiederum etwas weniger mit dem Säbel geraffelt, wen» auch nicht so laut, wie neulich in Villesranche. Frankreich — meinte Herr Andrs m seiner Rede — wolle eine starke Armee, den« es müffe „künftig siegreich fein*. Es liegt nicht eine Spur vo» Beunruhigendem für unS bt diesem Auftreten deS Generals Andre. In«
20. Kapitel.
Dem Anscheine nach hatte Gabriele richtig kalkulirt. Die heilsamen Bäder de» berühmten Homburg wirkten wohlthätig auf feine Gesundheit ein. Die herrliche Umgebung der Stadt und die Spaziergänae, die er mit seiner Freundin am Fuße de« Taunusgebirges machte, entzückten ihn. War Sennora de Fontana ihm jemals liebenswürdig und begehrenswerth erschienen, so ft ff die sie sein Auge jetzt noch in hihrrem Grade. I» ihrer ausgesuchten Toilette, die ebenso geschmackvoll al« reich war, zog sie die Blicke aller Kurgäste auf fich und Jedermann behauptete, daß die Sennora in dieser Saison an Schönheit und nobler Hattung alle anwesenden Damen weit überrage. Wo sie am Arme de« jungen Hamburger« erschien, im Kursaal, In den glänzenden Salon«, in den prächtig geschmückten Spielhallen, in denen König Pharao und da« Roulette ihren Sitz aufgeschlagen, durchlief ein beifälliges Gemurmel die Gruppe der Anwesenden. Kurz, Ernst konnte mit vollem Rechte stolz auf seine Begleiterin sein, die Aller Augen auf fich zog, während sie selbst nur Augen für ihn hatte. Nach einem Aufenthalte von meh- reren Wochen fühlte er sich gleichsam neu belebt und da« Bild der armen unglücklichen Martha begann i» feinem Herz« immer mehr zu erbleichen. Er schien bereit» entschlossen, die Krone aller Frauen, Gabriele de Fontana, zu seiner Lebensgefährtin zu erwählen.
Da trat ein Eceigniß ein, welches alle schlau und verbrecherisch ersonnenen P'äne Grbrielens vernichten und das Gebäude all' ihrer Hoffnungen zerstören sollte.
Sennora de Fontana hatte fich auf einem Spaziergange im Taunus eine leichte Erkältung zugezoge», die sie veranlaßte, einige Tage das Zimmer zu hüten. Ernst machte nun feine Spaziergänge allein. Mit Vorliebe machte er lange Fußtouren am frühen Morgen. Auf diesen Gängen hatte er sich eines Tages ziemlich weit vo» der Stadt entfernt und war tief in eine der Holzungen der Anhöhen deS Taunus hinein- aeschritten. Plötzlich drang der Schall vo» Pistolenschüsse» aus einem nicht allzu fernen Dickicht an fein Ohr. Theils Neugierde, theils der Gedanke, daß sich ei» Selbstmord oder auch ei» Verbrechen ereignet habe» könnte, trieb ihn an, in den Theil der Waldung zu bringen, vo» wo er dir Schüsse gehört hatte.
Nach ungefähr fünfhundert Schritte« betrat sei» Fuß eine Lichtung, die von diesem Unterholz umschloffen war. Der Anblick, der fich ihm darbot, machte ihn erstarre«.
Auf dem glatte« Waldrasen lag, lang auS. gestreckt, ein feingekleideter junger Mann, dem daS Blut aus einer Stirnwunde riefelte. Seine Augen standen weit offen und auS seinen zusammengepreßten Lippen drang ein schmerzhaftes Stöhne« hervor.
Ernst suchte mit männlicher Fassung seinen erste» Schreck zu überwinden und kniete neben dem Unglücklichen nieder. Da derselbe ersichtlich das Bewußtsein noch nicht verloren hatte, so richtete er die Frage an ihn, ob irgend eine mörderische Kugel ihn verwundet habe.
Der Verwundete strengte fich an, zu sprechen und es gelang ihm.
„Kein Mord," stöhnte er, „ein Duell — ohne Zeuge» — wie es unter de» Spieler« häufig vorkommt."
„Und Ihr Gegner?" fragte Ernst weiter.
»Der Nichtswürdige entfloh — läßt mich hier verbluten," murmelte der Verwundete tit abgebrochenen Sätzen.
„So hat Gott mich Ihne« zu Hilfe gesendet," sagte Ernst, indem er ein reines Leinentuch her« vorzoz und dem Verwundeten die blutende Stirne verband, so gut er eS vermochte. Bei dieser Gelegenheit gewahrte er, daß der junge Man« vo« auffallender Schönheit war.
„Verzagen Sie nicht," fuhr Ernst fort. „Ist Ihne« noch zu helfen, so soll Ihnen geholfen werde». So bald als möglich bin ich wieder hier."
Er eilte hinweg und der Stadt zu, die er bi einer halbe» Stunde erreichte. Sogleich suchte er eine» Arzt auf. Er bat denselben, sein Verbandszeug mitzunehmen und ihm zu folgen. DaS Honorar für feine Bemühungen sicherte er ihm im Voraus zu. Ei» Wagen war leicht zu beschaffen. Beide Männer bestiegen denselben und in schnellem Trabe ging es der Waldgegend zu, wo das Duell stattgefunden hatte.
ein Glück für den Verwundeten war es, daß der Platz, auf dem das Duell stattgefunden hatte, sich nur zehn Minuten von einem befahrenen Landwege befand. Ernst führte den Arzt. Der Kutsch« schlang die Zügel seiner Pferde um einen Baum- siamm und ging ihnen nach. Sie trafen den Unglücklichen noch in derselben Lage, in welcher Ernst ihn verlassen hatte. Sein Bewußtsein war ih«