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fllustrirte Sonntags-Zeitung"

Jutta, Samstag, den 30. August 19VL

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Druck and vrrlar der jfntMtf AalendruLtM peteregefle llr. r CbarmonleL

geringen Abfall die katholische Kirche Front machen, obwohl sie ja eigentlich nur solche Leute verliert, die ihr im Herzen ohnehin nicht mehr angehörten.

Den großen Manöver» in Westungarn wird als Gast des Kaisers Franz Joseph der deutsche Kronprinz anwohnen. Der Kronprinz wird aus i liefern Anlasse am 10. September in Schloßberg in Ungarn eintreffen und bis zum 16. September dort verweilen.

Von neuen schrecklichen Ausbrüchen des Vul­kans MontPelö ist die Insel Martinique betroffen worden. Da wieder beide Kabel gerissen sind, hat man bisher noch keine genaueren Nachrichten über den Umfang der neuen Ausbrüche erhalten können.

keine kleine Strapaze.

WaS nun dre anderen öffentlichen Versamm­lungen angeht, so sehe ich für die Zukunft kein anderes Heil, als ts der doppelten oder nöthigen- falls dreifachen Garnitur von Lokalen und von Rednern. Die sog. Parallel-VersammluRgeu dürfen nicht improvifirt werde» und man darf demselben Redner nicht einen zweimaligen Vor­trag zummheu. Aber man kann für jedes Thema von vornherein zroci oder drei Redner bestellen, die gleichzeitig dieselbe Frage behandeln. Dieses Doppeltstem würde nebenbei die streng« Durch­führung des Paragraphen erfordern, wonach jede Rede zwanzig Minuten und nicht mehr dauern soll. Usb das wäre von großem Vsrtheil. Der vortreffliche Inhalt mancher Reden käme noch viel bester zur Geltung, wenn die Reden sich allzumal an die alte derbe Regel halten wolltsn: Tritt dreist auf, sperr's Maul auf,».' bald auf!

Aus dem Festesten meinte rin Redner: Wenn nicht der berechtigte Wettbewerb der anveren Städte in's Spiel tarne, io könnte man Mann­heim zur fortwährenden Residenz beS deutschen Katholikentages erkläre«. In der Thal, die Stadt hat alle Erwartungen übertroffen. Auf dem Bilde steht Mannheim in Folge der schachbrett­artigen Anlage etwas langweilig au8; aber der erste Schein trügt. Die Stadtverwaltung arbeitet mit Wasser- und Gartenkünsten, als ob sie kein Geld kosteten. Die Blumenbeete auf den Plätzen und Straßen habe ich kaum in einer anderen Stadt so zahlreich und so gut gepflegt gefunden wie hier, und der Friedrichsplatz am Waffer- thurm mit seinen Kaskaden re. ist eine wahrhaft majestätische Anlage. Der Zug am Sonntag konnte keine herrlichere Triumphstraße finden.

Die Hauptsache ist aber, daß Wasterthurm und Jesuttenkirchr sich recht gut miteinander ver­tragen. Inalten Chroniken- steht bekanntlich

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Erscheint täglich, m. Ausnahme der Evnn- und Feier- ragk.Viertetjährl.

gtiugepreis 0hneBring«rtohn und Bestellgeld in Fulda und aus- «LrtriMchOPH

Wochen-Nmndschan.

(Nachdruck verboten.) j

X Fulda, 30. August 1902.

König Viktor Emanuel von Italien ist zum : Besuche des deutschen Kaisers am Mittwoch in Pots- dam eingetroffen und hat am Donnerstag seinen fest- ; kicken Einzug in Berlin gehalten. Auf der Reise ist er in G ö s ch e n e n von einer Abordnung des Schwerzer 1 Bundesrathes empfangen und begrüßt worden. Bei - dem Mahle, das dieser Begrüßung folgte, entbot . Bundespräsident Zemp dem Könige die Gruße des Schweizer Volkes und sprach die Hoffnung aus, day die guten Beziehungen zwischen Italien und der Schweiz sich festigen und fortgesetzt bessern würden. Der König antwortete in entsprechender Weise, womit der voraufgegangene kleine Diplomotenzwist zwischen Rom und Bern endgiltig begraben war. Nach zwei­stündigem Aufenthalte reiste der König nach Berlm weiter. In Potsdam und Berlin waren umsassende Vorkehrungen für seinen Empfang getroffen worden, und der König kann sicher sein, daß dieser Empfang nicht nur auf äußeren Formen beruhte, sondern von dem aufrichtigen Sinne der Bevölkerung getragen wurde. Der amtliche ,Reichsanzeiger' brachte zur Be­grüßung des hohen Gastes eine Kundgebung, bte tn aanz besonders herzlichen Ausdrücken gehalten ist und namentlich auch auf die Bedeutung des Dreibundes von neuem hinweist mit den Worten:Der Dreibund beruht auf dem gemeinsamen Bedürfnisse der Erhal­tung des mitteleuropäischen Besitzstandes. Er bürdet keinem seiner Mitglieder eine Last auf, die nicht jeder einzelne Staat im eigenen Interesse freiwillig über­nehmen müßte." Kaiser Wilhelm.hat noch vor der Abreise des Königs von Rom diesem angezeigt, daß er den Besuch erwidern werde, wenn das Göthedenk- n,al enthüllt werden würde, das er, der Kaiser, der Stadt Rom schenkte. .

Das württembergische Königshaus ist von einem schweren Verluste betroffen worden: Die jugend­liche Gemahlin des muthmaßlichen württembergischen Thronfolgers Albrecht, Margarethe Sophia, ge- borene Erzherzogin von Oesterreich, ist am letzten Sonntag an Herzschwäche in Gmunden gestorben. Vorher mußte sich die Verstorbene einer schweren Operation unterziehen, deren späteren Folgen sie nun­mehr erlegen ist. Margarethe Sophia war dreißig Jahre alt und hinterläßt drei Söhne und vier Töchter.

Die katholische Heeresschau in Mann­heim erfreute sich einer Theilnahme, die augenschein­lich auch noch alle voraufgegangenen Generalversamm­lungen der Katholiken Deutschlands an Zahl der her­beigeeilten Theilnehmer in Schatten stellt. Und in vollkommenster Einmüthigkeit weilten sie alle der ein­ander, Norddeutsche und Süddeutsche, Arbeiter, In­dustrielle und Landwirthe, und was an Unterschieden sonst noch erinnern mag: diese Veranstaltungen haben in Mannheim aufs neue bewiesen, daß sie einzig da­stehen in ihrer Art und in ihrer Machtentfaltung, und daß nichtsdestoweniger kein Wort verräth, daß die Versammelten sich dieser ihrer Macht auch wirklich bewußt sind. Denn mit größter Sorgfalt wird alles, aber auch alles vermieden, das wie eine Verletzung anderer Volkstheile, anderer Glaubensbekenntnisse von diesen empfunden werden könnte. Die Katholiken zeigen, daß sie stark sind, stark in ihrer Sache und stark in ihrer unerschütterlichen Einigkeit; aber sie er­proben diese Stärke nicht in Angriffen gegen Andere, sondern lassen die Thatsachen als solche wirken. Her­vorzuheben ist der warme Ton, mit dem der Groß­herzog von Baden für die Huldigung der Versamm­lung sich bedankte. Wollte der Großherzog andeuten, daß er keinen Thcil haben will an der Hetze, die die Nationalliberalen seines Landes gegen die Mänuer- klöfler veranstaltet haben? .

Einen unerwarteten Ausgang hat die Ersatzwahl zum Reichstage in dem bayerischen Wahlkreise Kulm­bach-Forchheim-Ebermannstadt genommen. Bei der Hauptwahl erhielten Zöllner (Centr.) 6099, Faber (natl.) 3946, Weilnböck (B. d. L.) 3520, Deinhardt (sozd.) 1766 Stimmen. Das bedeutete eine Mehrung der Centrumsstimmen gegen 1898 um rund tausend Stimmen und einen Zusammenbruch des Liberalismus, wie er nicht ärger gedacht werden konnte. Denn die Liberalen brachten i. I. 1898 zusammen mehr als 9000 Stimmen auf. Bei der Stichwahl am 22. August hat aber Faber mit 9400 Stimmen aber Zöllner gesiegt, der nur 8498 Stimmen er­halten hat, und das ist davon hergekommen, daß nach­träglich die Liberalen noch viele Stimmen herangeholt haben, die bei der Hauptwahl mit ihrer sehr schwachen Wahlbeiheiligung gänzlich fehlten; hauptsächlich aber davon daß die Stimmen des Bundes der Landwirthe und sicherlich auch viele sozialdemokratische Stimmen bei der Stichwahl auf den nationalliberalen Kandi­daten übergegangen sind. Daß unter solchen Um­ständen von einem eigentlichen Siege des Liberalismus nicht die Rede sein kann, versteht sich von selbst. Außerdem darf man aber auch diesen Wahlaussall ganz und gar nicht als ein allgemein gütiges Kenn­zeichen für die nächsten Neuwahlen auffassen; dre Zu­kunft wird es ja lehren. Es darf auch nicht uner­wähnt bleiben, daß das Verhalten der Agrarier m dem Kulmbacher Wahlkreise in den leitenden Organen ihrer Richtung keine Billigung gefunden hat. Am lächerlichsten bei der ganzen Wahl aber ist die That- sache, daß die Freisinnigen und Sozialdemokraten dem Schutzzöllner Faber zum Siege verholfen haben. Hier bei dieser Wahl handelt es sich ja nur um Schutz-

mit den Beilagen

Juldaer Oescbicbtsblätter" und rotierie-Eisfe.

zu lese«, daß e8 vor 37 Jahren in Mannheim etwas anders zugegangen sei und bte eintuffen- den katholischen Gäste von kulturkämpferischen Radaumachern über die Rheinbrücke getrieben wurdn. Man sollte fast glauben, das sei ein Schauermärchen, das in die Mythologie gehöre. Jedenfalls kommt uns die Geschichte im Lichte der befferen Gegenwart ganz unglaublich vor. Schwamm drüber! Jetzt war auch der anders» gläubige Theil von Mannheim nicht blos tolerant, sondern gaftsreundiich ohne Fehl und Tadel.

Es gab noch etwas fehl- und tadelloses, wo> von bei manchen geistreichen Leuten nicht gesprochen werden soll: das Wetter. Das Wetter ist für solche Veranstaltungen von der erheblichsten Be­deutung, bei derartigen Masten«Versammlungen sogar ein wesentlicher Faktor. Und mit R^cht konnte der Präsident in seiner Schlußrede über Wrttermacheret scherzen, wir hatten nämlich stets dasjenige Wetter, was gerade paßt: Sonnenschein bei den Aufzügen und bei der Hasenfahrt, einen molligen Abend beim Gart nsest, bedeckte Himmel bei den Sitzungen und einige Spritzer zum Staub» lösche«, wen» sie nicht schadeten. Mehr hätte uns kein Fa'.b verbeißen können.

Das Gartenfest ein riskantes Glücksspiel war in Folge besten diesmal ein großer Treffer. Mein Freund, ein echter Spreewaster» tävfling, konnte sich über zwei Dinge nicht genug wundern: erstens über die Unmasten von Men­schen, die es in der Provinz gibt, und zweitens über das Feuerwerk, das nach seinem wehmüthigen Zugeständnisse alle Feuerwerke im Berliner Zoolo­gischen, in der Hasenheide und in Weißenser wüt übertraf. Dec Feuerwerker arbeitete nicht bloß mit Pulver, sondern auch mit Ideen.Uwb die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen" ; dieser Grund» und Ecksteinspruch wurde durch ein ful­minantes Schlachtfeuerwerk über der strahlenden Tiara in der herrlichsten Weise feuerkünstlertsch verkörpert. Sogar ein Eiferer, der die »verpul­verten" Tausendmarkscheine lieber zu höheren Zwecken verwendet miste« wollte, mußte diese verpulverte Idee" als mildernden Umstand gelten lasten. Ich meinesthetls halte die Augen» weide eines schönen Feuerwerks für ebenso be­rechtigt und nützlich, als die Ohrenweide der Musik und die Kosten find durch das befoxbete Ein­trittsgeld der 1520 000 Besucher des Gartenfestes gewiß aufgekommen. Die mastenhaften Zaungäste haben auch ihr Theil abbekomm-n, und das ist auch gut. So verdient es auch alle Anerkennung, daß sowohl zu den Sonntags-Versammlungen, als auch zu der Volksoereins-Tagung der Zu­tritt frei ist, man muß auch für die Leute sorge«, die nicht gerade das nöthtge Kleingeld für Em« trittskarten übrig Huben.

Den Mannheimern möchte ich gern nichts al, Schmeicheleien sagen. Aber al, Z-Hlenmensch kann ich doch nicht verschweigen, daß mir ihre Art der Häasernummerirung in der inneren ' Stadt nicht gefallen will. Diese Altstadt tst näm­lich nach der Zerstörung vor 200 Jahren plan­mäßig wieder aufgebaut worden in regelmäßigen Quadraten, und man bezeichnet die HavSlage nicht nach Straßrn, sondern nach den Häuserblocks, und zwar in der Weise, daß zunächst jede Reihe von Häuserblocks mit einem Buchstaben des Alphabets bezeichnet und dann die et- zelnen Blocks in jeder Rühe durch Nummern unterschieden roersen. Also wenn z. B. Jemand das Haus B 2,5 suchen Mll, so muß er sich nach der zweiten Häuserreihe vom Schloß ab wenden, dort den zweiten Block auf- suchen und fick dann zu Nr. 5 in diesem Block wenden. Die schwache Seite diises schön aus­geklügelten Systems liegt nun darin, daß der Block B 2 soa vier Straßen umgeben ist und das ge­suchte Haus allo in vier verschiedenen Straßen liegen kann. In anderen Städten weiß ich bei der Adressenangabe sofort, in welcher bestimmten Straße dar Haus liegt. Ferner kann mir mit Hilfe dec Straßennamen der Weg zu dem be- litffen-en Hruse besser bezeichnet werden. Die mathematische Th orte tst grau, die Piaxi» geht ihre eigener: Wege. Darum ist auch in Mann­heim in den Ecwetterungsvierstln schon da« ge­wöhnliche Straß-nsystem eingeführt, und in dem schachbrettartigen Kern gibt es schon zahlreiche nicht-amtliche Straßennamen, die mit der Zeit auch offiziell werden sollen. Die Natur der Dinge treibt uns darauf hin, daß wir unsere Wohnung nach der Straße orientiren, an der die Haur- thüre liegt, und nicht nach dem Häuserblock, in den unser Haus nach hinten zu sich einschiebt. Aber darum keine Feindschaft! Auch das quadra­tische Mannheim kann sich nach jeder Richtung

zöllner, abgesehen von dem sozialdemokratischen Wahl- | bewerber Deinhardt. , . ,

Am 26. August hat ein Centrumsveteran einen be­deutungsvollen Lebenstag zu verzeichnen gehabt; denn an dem genannten Tage hat Abg. Frhr. v. Heere- man sein siebzigstes Lebensjahr vollendet. Seme parlamentarische Thätigkeit begann bereits i. 1.1870 im Abgeordnetenhause, im Jahre danach auch im Reichstage. 1875 nahm er seine Entlassung aus dem > Staatsdienste und seitdem ist sein ganzes>en und fast seine ganze Arbeit dem parlamentarischen und politischen Wirken gewidmet gewesen. Außerdem hat sich der Jubilar hervorragende Verdienste, um die

Im sächsischen Ministerium hat sich em Wechsel vollzogen: an Stelle des verstorbenen Frhrn. von der Planitz ist als Kriegsminister Frh^ von Hausen getreten, bisher kommandirender General des zwölften Armeekorps. ..

Der Fall Löhning beschäftigt noch immer bi Presse. Neue Gesichtspunkte sind dabei aber nicht mehr hervorgetreten, und die Organe der Regierung hüllen sich wiederum in vollständiges Schweigen gegen­über allen Auseinandersetzungen in den übrigen Zei­tungen. Aber der preußische Finanzmimster wird keinen leichten Stand haben, wenn er im ^dgeordneien- hause das Verhalten der Regierung gegen den Posener Provinzialsteuerdirektor zu vertheidigen haben wird.

EineWeltkonferenz der evangelischen Vereine" hat während der letzten Tage zum ersten Mal in der norwegischen Hauptstadt Chnsftama ge­tagt. Im ganzen sind etwa 2000 Theilnehmer bei­sammen gewesen; im Allgemeinen hat man aber wenig und nichts von dem Verlaufe der gepflogenen Verhandlungen erfahren.

Nach Jahre langen Verhandlungen ist nun end­lich in Belgien vom König das Gesetz unter­zeichnet worden, das alles öffentliche Glücksspiel ver- bietet. Der Widerstand dagegen war bekanntlich sehr lebhasi; denn die Bäder Ostende und Spaa hatten eine sehr große Einnahme durch die Spielbanken, zum Theil auch zu Gunsten der königlichen Zivilliste. Es war hohe Zeit, daß diesem Unwesen em Ende gemacht wurde.

Die neuen Mackithaber in Frank«eich bereiten einen allgemeinen Wechsel in ihren ausländischen diplomatischen Vertretungen vor. Es heißt, diese Posten sollten nun auchdemokratistrt" wer.-en, und wirklich sollen alle Diplomaten aus altadeligen französischen Geschlechtern verschwinden und durch bürgerliche Demokraten ersetzt werden. B -q-r glaubte man immer, die Tüchtigkeit müffe bei der Besetzung solcher Stellen zuerst entscheiden; aber letzt belehren uns die Herren Combes und Genossen eines andern. Nach Berlin soll Herr Bichourd als Botschafter kommen, bisher französischer Gesandter in Bern. m , .

Der Revanche-Rede des Krtegsministers Andre tn Villefranche ist eine weitere Rache-Kundgebung auf oem Schlachtfelde von Mars la Tour gefolgt. General Cuny namentlich that sich dabei hervor. Seine Rede bei der Gedenkfeier endete mit den Worten:Die Mitkämpfer von 1870 sind hierher gekommen, um über die Mosel und die Vogesen hin­weg denen, deren Seele französisch geblieben ist, ihren Brudergruß zu senden und ihnen zu sagen, daß die Hoffnung auf eine Zukunft, die die Nieder­lagen der Vergangenheit ausgleichen soll, niemals ersterben wird." Die Generäle mögen getrost reden; es schadet weiter nichts. m .

Etwa 180000 Kinder werden beim Beginne des neuen Schuljahres in Frankreich in Folge der gewaltsamen Schließung der Kongregationsschulen ohne Unterricht sein das ist die Folge der über­eilten Gewaltpolitik der neuen französischen Macht­haber. Vermuthlich sehen diese Letzeren bereits em, daß sie sich selbst mit ihren Gewaltmaßregeln eine große Verlegenheit bereitet haben. Im Uebrigen steht noch alles aus dem alten Ficke.

Auch in Italien wird demnächst die moderne, kirchenseindliche Gesetzgebung Fortschritte machen. Der Entwurf zu dem neuen Ehescheidungs­gesetze ist im Justizministerium fertig gestellt worden und wird im November dem Parlamente zugehen gleichzeitig mit einem neuen Gesetz? Uber die Ermitte­lung der Vaterschaft.

Von großem Interesse ist eine Aeußerung der päpstlichen Zeitung ,Voce della Verrta' über die Nationalbewegungen der Iren und der Polen. Die ,Voee della Verita' kommt am Schluffe ihrer Darlegungen zu dem Satze: Eine nationale Agitation, die über den Rahmen der Landesgesetze hinausgeht, hat in keinem Falle die offene oder geheime Unter­stützung der Kirche zu erwarten. Das mögen sich Diejenigen merken, die es etwas angeht.

Die Los von Rom-Bewegung in O.-ster- reich erscheint geringfügig, wenn man ihre Erfolge vergleicht mit der Unsumme von Mühe und Geld- Mitteln, die für sie aufgewandt werden. Der Evan- ; gelische Oberkirchenrath in Wien hat in diesen Tagen i eine genaue Zusammenstellung veröffentlicht über die 1 stattgefundenen Glaubenswechsel während der ersten , Hälfte des Jahres 1902. Danach sind aus der römisch-katholischen Kirche während dieser Zeit über» : getreten 900 Männer 816 Frauen und 404 Kinder unter sieben Jahren zu der evangelischen Kirche Augs- burgischen Bekenntnisses und 88 Männer, 100 Frauen ; und 31 Kinder unter sieben Jahren zum Helvetischen l Bekenntnisse. Alle Kinder, die älter als sieben Jahre i; sind, werden also alsMänner" undFrauen" ge- ;! rechnet eine naive Art und Weise! Werden alle ; ; Hinzugekommenen und Ausgetretenen . mit einander l zusammengestellt und verglichen, dann ergibt sich für :! den Protestantismus insgesammt ein Zuwachs von ' 1956 Personen. Natürlich muß auch gegen diesen

Inserate: Dia einspaltige Petit­zeile oder bere» Rauml5Pfg..R«» klamen die Petit»1 »eile 25 Pfg.; bd Wiederholung«» | wird entsprechende Rabatt gewährt.

hin sehen lassen.

Zum Schluß noch ein ernsteres Wort über Theorie und Praxis. Was da in Mannheim ge- le art und befchloffen tst, muß man nickst bloß hören oder beim Frühstück lesen, sondern üben. Jeder an seinem Theil! Die Hand aus der Tasche, um sofort zum Weik zu schreiten, wo sich Gelegenheit zur Verwirklichung der schönen Wort« findet!

verantw.: 3M die Keoattion t. v. Lari Schass-» |ur Jnferale 3. Parzelle» in Suita.

Unpolitische Zeitläuse.

Machdruck »erbeten.)

O Mannheim, 28. August 1902.

Großartig! Einige sage» sogar: zu großartig! Wo soll man die wachsende Menge unterbringen? Namentlich die Kölner Herren haben Angst und Sorgen. Wenn, der sonntägliche Festzug alle Jahre um 10,000 Köpfe zunimmt, so «u - man nächstes Jahr in Köln für 30,000 Co» tags - Zuhörer argen. Dir Festhalle von Mannheim läßt fich aber leider nicht t» Holzwolle verp rcken und ver­schicken. Und eine solch; Riesenhalle würde auch noch nicht genügen; man könnte für den Wochen­tags-Bedarf noch eine zweite und für den Sonn­tag Nrchmlttag noch eine briite bauen.

' Ich weiß nicht, rote es gemacht «erden kann; aber eins weiß ich, daß der Prrademarsch der Arbeiter', Gesellen- und Handwerker - Bataillone am Sonntage beibehslten und weiter gepflegt werden muß, koste es, was eS wolle. Di« älteren Besucher der Katholikentage erinnern fich, daß cm Sonntag weiter nichts los war, als die Be­grüß irngs - Sitzung am Abend. Schüchtern und klein fing die Nachmittags-Versammlung von Ar- britern cm, dieeigentlich" nicht in de« Rahmen der General-V Sammlung gehört. Das unregel­mäßige Zweigt in am Spalierbaum wuchs und wachs, bis es dicker wurve, als die geschäftsord- nungsmäßigen ^ste. Da« erklärt sich aus zwei Gründen: erste: s haben die breiten Schichten «es erwerdsthatigei Volkes aus dem Umkreise der Feststabt gerade cm Sonntage Muße zu einer Pilgerfahrt, und zweitens übt der imposante Zag mit wehenden Fahren und geschloffenen Rethen einen großen Anreiz aus. Für die Theilnehmer wie für die Zuschauer ist das gleicherweise er- baulich und angenehm, und darum soll man den sonntagnachmittäglichen Auftakt zur Gsneral-Vn- sammlnng ja ungeschmälert bestehen und voll sich ausklinge« lasten.Theile und herrsche!" Es müffrn so viele Versammlungs-Räume bereit ge­halten werden, daß alle katholischen Vereine ihr sicheres Unterkommen finden, zweckmäßig vertheilt auf Grund der vorher auszegebenkn Quartier- zettel. Die geeigneten Redner lasten sich ja nach Bedarf dutzend- oder schockweise bereit halten. Für die Verpflegung muß überall auch gehörig vorgesorgt werden; denn ein Marsch von mrh- reren Stunden iro Sonnenhitze und Gedränge ist

29. Jahrgang.