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Iu£öa, Freitag, den 29. August 1902.

29. Jahrgang.

(Nachdruck Verbote»)

anders, ist aber unter der Herrschaft deS Bürger«

einmal ein Trust, der auf künstliche Weise zum Eondervortheil der Mitglieder dieser Ausbeuter« ringer der verbrauchenden Volksallgemeinheit die nothwendige Fleischnahrung so sehr wie nur irgend möglich zu vertheuern sucht. Die Preissteigerungen des Fleisches find sogar in anderen Staaten noch erheblicher, als bei uns in Deutschland.

Bei uns herrscht auch nicht etwa Mangel an Schlachtvieh. Wer das nicht glauben will, lese einige Marktberichte nach; er wird dann finden, daß der Verlauf dieser Märkte nichts weniger al« ., — — —

lebhaft oder gar stürmisch zu sein pflegt, daß sogar früheren preußischen . Recht in gewissen Fällen meistens ein Rückstand von Schlachtvieh übrig anders, ist aber unter der Herrschaft deS Bürger« bleibt. Der Berliner Schweinemarkt ließ beispiel»- "dj«* Gesetzbuchs allgemein anerkannt, weise in neuester Zett weichende Tendenz in den — - - Preisen erkennen, entsprechend der geringen Kauf« lust, die herrschte; und nicht viel ander» lauteten die Berichte au» einer großen Menge anderer Städte, auch solcher, die jetzt die bereits gekennzeichneten Vorstellungen beim Reichskanzler machen «ollen.

Dritten» muß darauf hingewiesen werben, daß die Einfuhr von lebendem Rindvieh ja gar nicht verboten ist; und trotz dieser Einfuhr steigen die Preise für Rindvieh — der beste thatsächliche Beweis dafür, daß Preirhöhe und Einfuhr gar nicht mit einander in ursächlichem Zusammenhänge stehen. Und vierten« ist zum tausendsten Mal festzustelleu, daß die Einfuhr von frischem Schweine- j fleisch ja ebenfalls niemals unterbrochen worden ist. Statt lebender Schweine werden geschlachtete Schweine «ingeführt, und zwar in fortgesetzt steigender Menge. Gerade in allerneuester Zeit ist dies« Meng« de« eingeführten Schweinefleische» ganz ungemein gestiegen, hat sich nämlich um mehr al» da» Doppelte vermehrt, sodaß auch bei dem Schweinefleisch die Preisesteigerung nicht auf einem Mangel an Einfuhr beruhen kann.

Im Interesse der deutschen Viehzucht muß darum nach wie vor die Einfuhr lebenden Viehe» unterbleiben. Sie würde den Verbrauchern der Fleische« gar nicht« nützen, unser» eignen Vieh­stand aber von neuem verseuchen, und die schließ, liche Folge davon würde eine wirkliche Vermiude. rung der vorhandenen Fleischmenge und damit erst recht wieder eine Vertheuerung de« Fleisch«« fein.

Mit besonderem Interesse und größter Be­friedigung wird nicht nur der Fachmann, sondern auch der Laie, die von den Dekorationsmalern

I „Don de« Italienern, die in buntem Flitter an verschiedenen Stellen ihr „Dolce Napoli" erklinge» lassen, läßt sich nicht viel Neues berichten, ihr Rkpertoir ist recht beschränkt, waS aber auch wenig auSmacht, da sie ja doch meist Niemand versteht Die Leute hatten zur Ausstellung keine weite Reife zu machen, denn in der Ritterstraße zu Düsseldorf ist ihre Kolonie, wo sie aber ihr« italienische Art treu bewahren, nur der schöne Schmelz der Stimmen ist meist im rauhen Norden etwas stark verrostet. Diese Truppen finden mit Recht wohl die wenigste Beachtung, wenngleich eS auch bei ihnen ost Stimmen gibt, die einer bessern Sache würdig wären.

Ein hinreißendes Spiel bieten die beiden im ®flfe „Zur schönen Aussicht" und Weinrestaurant »Johannisberg" konzertirenden ungarischen Kapellen. Da ist alles echt und jeder Mann ein Künstler. Meist spielt dar Ensemble ohne Noten, daS Auge fest auf den Dirigenten ge­richtet, der in den gewagtesten Sprüngen von einem Musikstück zum andern überleitet. Wer die Streichmusik liebt, der wird bei diesen aller­dings etwas zivilisirt dreinschauenden Söhnen der Pußta glückliche Stunden verleben.

Doch genug von der Musik, für die, wie man sieht, nach jeder Richtung bestens gesorgt hat. Wir hatten uns heute noch einen Besuch in dem Gebäude der Düsseldorfer Handwerks­kammer vorgenommen.

An einem schönen Platze im Mittelpunkte des Verkehrs, zwischen Hauptfesthalle und dem Restau­rant der Dortmunder Aktienbrauerei, erhebt sich der von der Handwerkskammer Düsseldorf errichtete AuSstellungSpavillon. Unter der Gruppe mittelalterlicher Bauten auf der Ausstellung tritt dieser Pavillon in seiner malerischen Wirkung besonders hervor. Der Archttekt, hat es verstanden dem Gebäude durch hübsche Motive des Nieder- Rheines und der Mosel sowie durch eine malerische Sruppiruny und prächtige Farbenstimmung eine reizvolle Wirkung zu verleihen. In dem geräumi­gen und zweckentsprechend eingerichteten Gebäude, das einen Flächenraum von ca. 4400 Quadrat-

** Fleischtheuerung.

Au« vielen Städten erschallen Klagen über Theuerung de« Fleische». Mehrere Städte wollen Vorstellungen beim Reichskanzler machen in dem Sinne, daß die Einfuhr lebenden Viehes wieder gestattet werde; eine Abordnung der Stadt Posen ist in diesem Sinne bereit« beim preußischen Land- wirthschaftsminister vorstellig geworden. Minister von Podbieleki hat geantwortet, daß die Einfuhr lebenden Viehe» nicht gestattet werden könne, daß er aber in Verbindung mit der Centrale für Vieh- verwerthung für reichlichere Zufuhr von Vieh nach der Stadt Posen Sorge tragen werde.

Da« Schweinefleisch steht seit Jahresfrist hoch im Preise, und in neuerer Zeit find auch die Preise der Rinder und der Schafe in die Höhe gegangen; da« ist eine Thatsache, die natürlich nicht geleugnet werden kann. Aber damit ist doch nicht gesagt, daß die Oeffnung der Grenzen für lebendes Vieh dieser Theuerung steuern werde. Diese Grenz­sperren tragen an der Theuerung thatsächlich keine Schuld.

Ersten» handelt e» sich nicht nur um eine Theuerung in Deutschland allein. Alle europäischen Staaten und noch mehr die Vereinigten Staaten von Amerika haben eine ebenso starke Steigerung der Fleischpreise zu verzeichnen. In der nord- amerikanischen Staatenunton ist e» u. A. wieder

So sehr nun auch dieser Standpunkt, der durch das Gesetz geboten ist, dem Selbstbestirn- 1 mungsrecht der Vereine zu Gute kommt, so ge­fährlich kann er im einzelnen Falle dem be« troffenen Mttgliede werden. Wie bekannt, ist die schwerste, zugleich aber sich fast in allen Satzungen findende Strafe, welche !die Vereine zu vergeben haben, die Strafe der Aus­schließung. Was diese unter Umständen für den Einzelnen bedeuten kann, brauche ich nur anzudeuten: gesellschaftliche und moralische, so­ziale und wirlhschaftliche Schädigung, unter Um­ständen sogar Vernichtung find die Folgen, die fich anschließen können. Man denke inSbe- sondere an kleine Ortschaften oder an Ver- einigungen von großem Ansehen; jeder, der in solchen Fällen von der Ausschließung erfährt, der denkt sich seinen Theil und wird oft, selbst wenn er persönlich mit dem Betreffenden gerne noch wie früher leben und verkehren würde, durch die Derhältniffe gezwungen, ihn zu meiden. Hierzu kommt noch der weitere Umstand, daß sich in zahlreichen Satzungen noch die Bestim- mung findet, daß das ausschließende Vereins- organ keine Gründe für seine Entscheidung anzugeben brauche, so daß dem Ausgeschlossenen allerlei dunkle Gerüchte und Vermuthnngen folgen, wohin er seine Schritte lenkt, — während ihm I keinerlei Mittel und Wege zu Gebote flehen, jene „Gründe", die unter Umständen nur in der | Phantasie bestehen, nur auf Lüge, Ranküne und Verleumdung zurückzufübren find, zu widerlegen und die Wahrheit aus Tageslicht zu bringen.

Gerade in neuester Zeit haben fich solche Fälle mehrfach ereignet, und dies hat es mir vahe gelegt, auch die Leser der,Fuld. Ztg.' auf die nicht ungefährliche Erscheinung aufmerksam zu machen. Ein jeder möge an seinem Theil auf Besserung an diesem Zustande, der leicht zu einer Recht« und Friedlosigkeit Unschuldiger und zu ihrer ungerechtferttgten Aechtung führen kann, hinwirken. Das kann dadurch geschehen, daß jeder, der einem Verein angehört, darauf hin­wirkt, daß in den Satzungen den Gerichten auch feie materielle Nachprüfung deS AuSschließungs» beschluffes offen gehalten wird. Wo dies nicht angängig ist, da muß darauf hingearbeitet werden, daß die Satzungen wenigstens ein ge« 1 ete* schiedsgerichtliches Verfahren vorschreiben, mtt dem Grundsatz, daß daS Mit« glied unter allen Umständen gehört werden muß und daß ihm die Gründe bekannt zu geben find.

Keiner darf fich in Sicherheit wiegen. WaS heute dem einen, dem bei seinem Eintritt alles im rofigen Lichte entgegenstrahlte, pasfirt, stößt morgen feem anderen zn. Der alte Satz si ™

pacem, para bellnm (Wenn du den Frieden willst; so sei immer zum Krieg gerüstet) hat zu allen Zeiten unumstößliche Gütigkeit beseffen.

Bereiusrecht.

Bo» Arthur Brückmaun.

(Nachdruck »erbeten.)

Wir haben heute ein üppig blühendes Vereins­wesen. Dem Deutschen liegt der Satz „es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei" tm Blute. Von den nur gesellige uri> gesellschaftliche Zwecke verfolgenden kleinen und kleinsten Vereinen bis hinauf zu den gewaltigen sozialpolitische« und politischen Vereinigungen und tief in unser Wirth, schaftrleben schneidende Bedeutung habenden Ver­bänden gibt eS in Deutschland ungezählte Arten und Formen gesellschaftlicher Zusammenschlüffe. Wer heute in einen solchen Kreis hineintritt, der muß sich bewußt sein und ist fich in der Regel der Thatsache bewußt, daß er in diesem Augen- blick ein gut Stück Persönlichkeit, ein gut Stück Jndividualfreiheit aufopfert — auf dem Allare der Vereinigung, in die er eintritt, und zu ihrem Besten und Gunsten. Nach dem Dichterworte

„Immer strebe zum Saazea. Hub kamst du selber „ . kein SauzeS

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«rmt».: Set die Redaktion i. v. N-»l Schasse, 8» Monte X pojHUr m MMx

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Jti 198.

SjMlkftk LiMnzs-Mek.

Bon Jos. Granau.

meter bedeckt, haben die Erzrugniffe deS Hand­werks aus dem Bezirk der Handwerkskammer Unterkunft gefunden.

ES war ein glücklicher Gedanke des Vorstandes der ausstrebenden Handwerkskammer, den Hand­werkern in einem eigenen Pavillon die Be­theiligung an der Ausstellung zu ermöglichen. Sine Ausstellung dieser Art seitens de» Handwerks steht unseres Wiffenr bis heute vereinzelt und ihre Entstehung mag auch wohl allein dem Zu­sammenschluß der Handwerker in der Handwerks­kammer zu danken fein.

Die Ausstellung der Handwzrktkammer bietet viel des Interessanten und macht der Veranstal­terin um so mehr Ehre, je mehr man bedenkt, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatte.

Wenn wir die Ausstellung selbst ins Auge fassen, so verdienen in erster Linie, um ihrer Bedeutung willen, die drei in sich geschlossenen Betriebe unser« besonder« Aufmerksamkeit. ES find dies eine mit allen modernen Maschinen auS- stattete Bäckerei, eine Buchbinderei und Buchdruckerei. Sie sollen den Handwerkern eine mit Maschinerie ausgestattete Werkstatt vor Augen führen, ihnen überhaupt als Musterbetriebe gelten. Das sind sie denn auch ohne Zweifel.

Von Kollektivausstellungen sind in der Haupt« halle untergebracht die Ausstellung verschiedener Schneiderinnungen. In fünf recht geschickt eingerichteten und sehr umfangreichen AuS- stellnngsschränken find eine Anzahl Herrenan­züge aller Art, — vom einfachen Reise- bis zum feinsten Frackanzuge — ausgestellt, die wegen der Sauberkett der darauf verwandten Arbeit und der Eleganz des Schnittes, auch die Bewunderung deS Laien erregen. Besonders gerühmt wird von Fachkennern die Arbeit an den ausgestellten Offizieruniformen, tadelloser, den Vorschriften entsprechender Schnitt, verbunden mit höchster Eleganz. Erwähnenswerth sind auch die von einem Düsseldorfer Damenschneidermeister ausge­stellten zierlichen Damenkostüme, diese bekunden vornehmen Geschmack und äußerst sorgfältige Arbeit.

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Mit der wichtigste und fruchtbarste Zweig dieses VereinSrechtS ist daS Der eins straf­recht; aber an diesem Zweige hängen auch die gefährlichsten Früchte. Die Vereine haben sich heute fast überall in ihren Satzungen sehr wichtige und entscheidende Strafbefugnisse gegenüber ihren Angehörigen beigelegt, die sie in den mannig­fachsten Formen zur Entfaltung bringen. Segen die Festsetzung dieser Strafen steht nun den be­troffenen Mitgliedern fast ausnahmslos keinerlei Rechtsmittel bei den ordentlichen Gerichten zu; denn der betreffend« Theil der Satzung hat den Charakter eines Schuldv ertrag es, und ein solcher schließt bekanntlich den ordentlichen Rechts­weg aus; die betreffenden Organe, die die Strafen nach den Satzungen verhängen, (Generalversamm­lung, BeretnSversammlung, Ehrengericht, Vor­stand, Ausschuß, Vorsitzender u. s. w.) haben entsprechend die Funktionen eines Schiedsgerichtes. Unsere Gerichte halten in Uebereinstimmung mit dem Reichsgericht, das fich erst in den letzten Jahren wiederholt wieder in diesem Sinne aus­gesprochen, daran fest, daß lediglich im^Wrge der Zivilklage eine Nachprüfung der Formalien, d. h. des Verfahrens erreicht werden kann, daß aber, wenn alle Förmlichkeiten, welche die Satzungen vorschreiben (z. B. Ladung aller stimmberechtigten |

Son allem möglichen hat man nun schon ge- sproch». was fich dem Ausstellungsbesucher bietet, weshalb sollen wir uns nicht ein Weilchen auch I über die „ Musik' unterhalten. An Jnstru- ex bietet ja die Jndustriehalle einige in ihrer äußrrn Form, wie in ihrer Technik recht bemer­kens werthe Exemplare, aber das ist's nicht, waS wir heute meinen. Auch die täglichen, von den vortrefflichen Kapellen auSgeführten Konzerte und die sehr dankbar empfundenen Darbietungen ein- zelner wohlgeschulter Sesangvereise wollen wir unberührt lassen. Wie eS am Rheine nicht an­ders denkbar, wo das schlechteste Wetter den sprudelnden Humor nicht meistern kann, da sinat's und spielt s an allen Ecken und Enden. Was Wunder, daß es auf der Ausstellung, die so recht am Busen deS Rheines, so mitten drinnen in feinem Volksleben gebettet, nicht anders ist.

Hm, wird mancher denken, also kommt die Ausstellung deren Ernst man so zu rühmen be- "kbt' schließlich doch noch auf eine sangeslustige, rheinische Kinneß hinaus. Solch mißgünstigen Betrachtungen braucht man heute, wo das Lob der Ausstellung in der ganzen zivüifirten und namentlich industriellen Welt klingt, nicht mehr besonders entgegenzutreten. Die Vereinigung von I gediegenem Frohsinn und strebsamem Ernst macht 1° gerade die nachhaltige Schaffensfreude aus,

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(also z. B. ob wirklich daS Verhalten des Mit« tempel aufgeschlaaen haben meist 9re*t fern Grund für bie Aus. hier das Licht der Welt erblickt, aber das hindert Mungb.ldet, u. s. w.), von den Gerichten nicht, daß man das Wandervölkchen willkommen "S..5 IÄ bi-Sch-M-- Im K, hj.hr. Wer

ausgestellten Ar betten ihre» Gewerbefleiße» in Augenschein nehmen. DaS kunstvolle Düsseldorf ist schon immer auch eine Heimstätte für gute Dekorationsmalerei gewesen, aber in einigen diesen Ausstellungsgegenstände ist wohl daS Beste er­reicht, was auf diesem kunstgewerblichen Gebiete jemals geleistet wurde. Die ausgestellte« Arbeiten sind theilweise von einer Vollendung, wie wir solche an anderen Orten nicht gesunden haben.

Bemerk«n»w«rth ist bie Kollektion der au»« gestellten Kunstschmiede» und Schlosserar­beiten. Uneingeschränkt können wohl hier nicht

I durch die verschiedenen Gambrin und BacchuS geweihten Stätten eine kleine Rundreise macht — für einen Tag alle, wäre des Guten etwas «I'. der wird viel frohe Erinnerungen mit fich fort nehmen, daS sind fo die grünenden Kranze, die an den majestätischen Denkmalen un­serer Industrie und Kunst niedergelegt werden, die dem Auge, das fich am Großartigen sattge­schaut, die erwünschte Abspannung geben.

Daß eS über die Schönheit der Mufik ver« schiedene Ansichten gibt, beweist uns das Gedudel in Kairo, die näselnden Klänge der Klarinette, die dumpfen Schläge der Trommel, welche den arabischen Derwisch zum Entzücken, uns Europäer aber zur schleunigen Flucht bringen können. Gott sei Dank, gibt'S nur «in Kairo auf der Aus­stellung, sonst wär's ungemüthlich. Gott sei Dant, sind aber auch die sonst so netten Marine- schauspiele nicht immer in Aktion, die eS so meisterlich verstehen, ihre schrillen „Sirenen"töne | in die hübschen Konzertmelodien zu mischen, als ob «in junger Hund zum ersten Mal Musik hört. DaS ist abscheulich und sollte beschränkt werden. Es gibt auch eine andere, weniger lästige Reklame. Vor einem solchen Attentat auf die gesundesten Nerven sollte man bewahrt sein.

Wenn man im „AugustinevBräu" friedlich seinen teuren halben Liter trinkt, und in der halben Stunde zehnmal das „Profit der Semüth- lichkeit" hört, so ist daS gerade kein Ohren- schmaus, aber die allgemeine Fidulität, die putzi­gen Einfälle der Bauernkapelle erfassen schließ- lich doch den größten Sauertopf und versöhnen ihn mit de« abgedroschenen Melodie« bis zum „kleinen Cohn" herunter. Es würde übrigens Zeit, daß der arme Kerl endgültig gefunden und der mustkalische Jammer um ihn gestillt würde.

Eine hübsche Erscheinung bilden die ver- schiedene« andern Tyroler Sängertruppen, wie sie im Zillerthal, im Bürgerbräu, bei der Maschinenhalle täglich viele Hunderte um sich versammeln und recht herzlich erfreuen. Der veredelt« Volksgesang, wie er fich hier unS bietet, erquickt wie ein sprudelnder Felsbach. Allerdings auch hier leidet das natürlich urwüchsig« vielfach auf Kosten der angequälte» Kunst. Frei vom Herzen, so sollte es im Juchzer und Jodler klingen, grab wie draußen in den Bergen, das andere habe« wir i* unfern Gesangvereinen vielfach besser alle Tage. Wen» man nun gar besonder» in Solovorträgen hingeht und nach Art der Spezialitätenbühnen etwas anrüchige Kouplet» vorträgt, fo verdirbt man sich selbst das Renomer und uns den Appetit. Gott fei Dank find die Fälle letzterer Art selten und die Sänger werden an dem Beifall selbst merken, daß sie die meisten Erfolge in der schöne« Sigenart ihrer unvergleichlichen GebirgSmelodie« erziele».

ist das auch recht und in der Ordnung. Sofort umschlingt ih» das Band der VereinSsatzung. Unsere Gesetze, und insbesondere unser Bürger­liches Gesetzbuch, lassen dieser VettinSsatzung den weiteste« Spielraum. Nur ga«z wenige Normen zwingenden Rechtes hat es aufgestellt, deren Beobachtung es von be« Statute« der Vereine verlangt. Alles übrige stellt eS dem Ermessen der Vereine selber anheim, und auf dieser Grund­lage hat sich ein ebenso blühendes Vereinsrecht gebildet.

fllustrirtc Sonntags»Zeitung*, „Fuldaer Gescbicbtsbläftef® und £ofletfe«lj$$.