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„ mit den Beilagen
«ranto.: 5»» Me Seoattion L V. larl 6»aff«r . vnick und Verla« der Inldaer Aetleudni««»
„fllustnrte Sonntags-Zeitung", Juldaer Gesdiicbtsblätter" und rotierie-risfe. pelerrzage Nr. r Cbarmonlel.
M 197.
JuLöa, Donnerstag, den 28. August 1902.
* I
29. Jahrgang.
49. Krimlmsmlilillllg dtt fialfcolikta SnüHlmdS sll Ullmhem 1902.
C. P. C. Mannheim, 27. August.
(Nachdruck verboten.)
Der vierte Tag der diesjährigen Katholiken- Versammlung wurde eingeleitet in der Intention deS hl. VaterS, sowie durch einen feierlichen Gottesdienst der Marianischrn Dodalitäten und des PriesteroereinS zur Anbetung in der Jesuiten« kirche.
Die 3. geschlossene Aersammlnrrg
wurde durch den Präsidenten Dr. Cardauns um IO1/« Uhr mit dem katholischen Gruß eröffnet. Nach Mittheilung einiger Begrüßungstelegramme tritt die Versammlung in die Berathung der Anträge et«. Graf Droste« Vischering, Erbdroste, befürwortet den Antrag, welcher den Bonifatiusverrin der Unterstützung empfiehlt. Die Einnahmen desselben sind im verflossene« Jahre um eine halbe Million in Folge der brfferen Organisation gestiegen. Im Jahre 1899 sind 140 Orte ausgestellt worder», wo unbedingt Miffionsstellen eingerichtet werde» müssen. Eine besonders große Aufgabe hat der Verein in den Gegenden, die der Los von Rom- Bewegung ausgesetzt siid. Redner zeigt an einer großen Reihe von Beispielen, wie in den sächsischen und schleüschen Grenzdtstrikten gegen Böhmen hin der größte Mangel an Religtons- lehrern und Kirchen besteht. Die Folge sei Unglaube, von Grand-Ry und Kaplan Rudolf.Dresden befürworten den Antrag. Derselbe wird «angenommen. Ferner werden angenommen rin Antrag betr. Bekämpfung des Duells, ein Antrag deS Aachener PiuS- vereinS, die Sammlung von PeterSpfennigen zu oraanistren. Sin Antrag auf Förderung der ZettungSpublikationen wird, da von der Presse im Ausschuß gewichtige Bedenken gegen ihn geltend gemacht worden stad, dem Augustinus- verein als Material überwiesen. Angenommen wird ein Antrag, der den AlbertuS-Magnusverein zur Unterstützung kathol. Studirender empfiehlt, ferner ein Antrag betr. Historische Behandlung der Säkularisation (Referent Erz« berger-Stuttgart), ein Antrag, der die Aufnahme deS obligatorisch -konfessionelle» Religionsunterrichts in dem Lehrplan deS Fort bil- dungsunterrichts empfiehlt, ein Antrag (Referent Msgr. Baumgarten)der die Noth- wendigkeit einer Förderung der geistigen Blldung de« BalkeS betont und daher verschiedene Mittel vorschläzt wie VolkSbibliotheken, Lesehallen, Volks« bildungsabende, sowie Rüsebuchhandlungen, sodann et» Antrag, der apologetische öffentliche Vorträge seitens geeigneter Gelehrten befürwortet, et« Anttag betr. die christlich« Kunst (Referent Dr. M. Pfeiffer-München), ein Antrag betr. Förderung der katholischen Presse (Msgr. Baumgarten empfahl hierzu, daß in die Wunschbücher der öffentlichen Bibliotheken die katholischen Defiderten eingetragen würden), ein Antrag, der die Aufmerksamkeit der Katholiken auf die Abhaltung von populärwissenschaftlichen Vorträgen und die dafür errichtete Geschäftsstelle in Bonn hinlenkt.
Kngel und Dämon.
Roman von Johann Marius.
86 ------ (Nachdruck verboten.)
Grnst Diethelm begab fich sogleich »ach bet Wohnung, die er fich gemiethet hatte, und setzte fich an seinen Schreibtisch, um einen Brief an seinen Vater abzufaffe,. Ihn besuchen wollte er zunächst noch nicht. Martha sollte ihm nicht vor die Augen ksmmen. Aber seinen Knaben wollte er sehe». Aus seinem Anblick mußte er Trost für die Zukunft schöpfen.
Das Schreiben a» seine» Vater war bald zu Stande gebracht. ES lautete:
„Ich bin vor Kurzkm in Hamburg ange. komme», kann Dich aber nicht besuchen, da ich meinem ungetreuen Weibe, das in Deinem Hause lebt, nicht brgegnen will. So mußt Du schon aus Liebe zu Deinem Sohne Dich entschließen, die kleine Reise hierher zu machen. Ich wünsche daß Du meinen Sch» mitbringst. Habe ich ihn an mein Herz gedrückt und geküßt, so kannst Da ihn wieder mitnehmen und so lange bei Dir behalten, bis der Prozeß, denn ich gegen Martha anstrenges werde, entschieden ist. Später wird das Ki-rd jedenfalls unter meine Obhut kommen und seine Mutter nie Wiedersehen. Ich erwarte Dich in den nächsten Tagen. Meine Adresse siedest Du unten beigesügt." *
Noch in derselbe» Stunde brachte er den Brief selbst fu- Post und begab fich dann in das Komptoir des Herrn G.hring.
ein Antrag betr. G>Ladung Katholisch-technischer Vereine nach dem Muster deS Kartellorrbandes der katholischen Studentenvereinigunge» (der An- trag ersucht u. a. die katholischen Ettern, dahin zu wirken, daß die studirenden Söhne den katholischen Vereinen beitreten). Nach einer kurze» Ankprache der Fürsten Löwenstein schließt die Sitzung.
Al- dritte össenttiche Oeneralver sammln«g wird wiederum unter großer Betheiligung um 5 Uhr durch den Präsidenten Dr. Cardauns eröffnet. Erster Redner ist Lycealprofrssor Dr. Endres.Regensburg, welcher über das Thema spricht: „Katholizismus und Kunst". Redner führt aus, es habe gegolten, einer handwerksmäßige» Kunst vor den Thoren unserer Kirche Halt zu gebieten. Die katholische Kirche sei nicht kunstfeindlich, habe fie doch das ganze Kulturleben der Welt auf eine neue Grundlage gestellt. Daher sei die Kunst auch gerade in Rom am reichsten entwickelt gewesen. Gerade die Orden hatten sick auf dem Gebiete der Kunst ein großes Verdienfi erworben; er erinnert an den Orden des heiligen BenedikluS, an die Franziskaner und Dominikaner. Mit Unterstützung der deutschen Regierung werde ein Werk über die Sixlina hrrauSgegebe» und von ihr werde gesagt, daß fie wegen ihrer künstleri. scheu Ausstattung zum Wallfahrtsort aller Nationen Europas geworden sei. Dir Kirche habe die Kunst zu einem Gemeingut des Volkes ge- macht. Der geg-nwärtige Stand der Entw cklung in der Kunst bedeute für die Kunst nichts anderes als das Aufgeben der ideale» Auffassung, die unerläßlich sei für die Kunst größeren Stiles. Nur die äußere Welt biete dem Künstler «och Objekte; ein Zeichen vom Jenseits bemerke man rn der modernen Kunst nicht mehr. Ihr Charakter sei die Emanzipation des FleisLeS. Gefährlich fei das für die Heranwachsende Jugend, wie auch zahlreich die Schulmänner bezeugten. Dem gegen- Über müsse der Ruf erhoben werden: Zurück zu de« alten Idealen. Steige der Künstler in den Rinnstein hinab, so werde die Kunst zu einem nationale« Schandfleck! (Lebh. Beif.) Präsident Dr. CardaunS theilt der Bersam a«g mit, daß Abg. Dr. Frhr. v. Heerewan sein siebenzigstes Jahr vollendet habe und spricht i» beredten Worten im Namen der Versammlung demselben die besten Glückwünsche auS. Abg. Dr. Frhr. o. Heereman dankt für diese Auszeichnung. die er nicht verdiene. Sodann verbreitete sich Skmiuarpräses Lausberg über die „Aufgaben des BonifatiuSoereiuS". Hebung der Katholikenversammlungen sei: niemand wehe, allen gut zu thun. Die Aufgabe deS Bonifatius« Vereins sei die Mission. Redner schildert zunächst die FriedenSthät-gkeit des hl. Bonifatius. Diese friedliche Aufgabe habe auch der Bonifatiusoerein. Er gehe nicht agttatorisch durch dar deutsche Land, sondern wolle nur im eigenen Hause wirken. Wenn Andersgläubige durch ihn gewonnen würden, die au« freien Stücken kamen, so habe man keinen Grund, diese Leute zurückzuweisen Aber eine Proselytenmacherei sei dem Verein nicht eigen. Seine Mittel dienten dazu, den Katholiken in der Diaspora zu helfen, denn noch nicht sei der Stand der Seelsorge im Verhältniß zur Bevölkerung wieder erreicht, den
Der alte Herr Diethelm erhielt den Brief am nächsten Morgen.
Daß fei« Sohn wieder in seiner Nähe weilte, erfüllte das Herz des Greises mit großer Freude, aber zugleich schmerzte eS ihn, die Stütze seines Alter« in so erbitterter Stimmung wieder an die Brust drücke« zu solle«. Indessen blieb ihm nichts übrig, als dem Wunsche Ernst's nachzukommen, und zwar schon am nächstfolgende» Tage.
Sehr schwer wurde es ihm, de« Inhalt des Schreibens Martha mitzutheile«, die er zwar noch immer für schuldig hielt, aber doch sehr bemitleidete.
Martha weilte mit dem Knaben in ihrem Zimmer, als der Brief aulangte. Nachdem der Greis ihn gelesen, begab er sich zu ihr. Erfand fie mit einer weiblichen Handarbeit beschäftigt.
Trotz ihres unverschuldeten bitteren Leidens war fie eine echte Mutter geblieben. Der kleine, jetzt nahezu vierjährige Ernst spielte zu ihre« Füßen mit de« Blumen, die Martha sür ihn im Gurten gepflückt hatte.
Es war ein liebliches Bild, das dem alten Herrn Thräne« in die Augen lockte.
„O, daß die Mutter nicht schuldig märe!" murmelte der alte Man« vor sich hi«, „ich würde mit Freude« den Rest meines LebeuS darum bin- geben."
Gr trat langsam auf Martha zu.
„Ich habe Dir eine wichtige. Dich betreffende Nachricht arzukündigen," sagte er.
»Für mich gibt eS jetzt nur Eines auf der Welt, waS mir wichtig erscheint," erwiderte
wir anfangs der 70er Jahre gehabt hätten. In den Gegenden der Los von Rom-Bswegung sei eine Seelennoth, die zum Himmel schreie. Die Zahl der gemischten Ehen nebme überall zu. Am höchsten »ehe Baden mit 28%, Elsaß-Lothrlngen weise 27% auf, Bayern r. d. Rheins 23%, die bayerische Pfalz 24%, Heffsn 17% und Preußen 12% Die Kmder aus diese» Ehen gingen der katholischen Kirche häufig verloren. (Lebh. Blfall ) Hierauf spricht Oberbürgermeister Dr. Antoni- Fulda über die Antiduellbewegung. Ausgehend von dem Fall v. Bennigsen betont Reoner den Widerfinn, der im heutigen Duellunwesen liege. Da« Duell sei nichts als eine Art Faustkampf. Nichtig sei der Einwand, daß es für gewisse Bor- kommnlsse keine andere Sühne gebe. Ein guter Bürger auf der Höhe der Sittlichkeit beobachte unter allen Umständen die Gesetze. Auch in protestantischen Kressen werde da« Duell vielfach verurtheltt. In gleicher Weise widerspreche ea dem staatlichen wie dem göttlichen Gesetz Die Ausnahmestellung de« Duells in der weltlichen Gesetzgebung sei nicht zu verstehen. Warum fotie es anders beh indelt werden als andere Verbrechen gegen die Integrität des Körpers? Bedauerlich fei, daß der Duellant nur mit geringe« Strafen belegt, dann weist begnadigt und zuweilen int Triun phzug ei«geholt werde. (Stürm. Beifall.) Das Volk verstehe das nicht! (Hehr richtig!) Im weiteren legt Redner dar, daß das Duell auch der Der- nunft widerspreche, denn die Ehre werde durch dasselbe nicht wieder hergestellt. Redner richtet zum Schluß einen warmen Appell a« die katholische« Männer, die katholischen Frauen und Jünglings, die Antiduell-Liga thatkräftig zu unterstützen. Im Glauben werde« wir (legen! (Stürm. Beifall.) Letzter Redner ist Rechtsanwalt Bitter- Kiel, welcher über Katholizismus und Volks- bildungsbestrebungen spricht. Die neue Zelt stelle erhöhte Anforderungen an daS Volk. Darum hatten sich V lkS freunde zusammengethan, um VolkSbibllotheker: und Lesehallen zu gründen, um Fortbildungsschulen zu errichten und Unterhal- tnngSabende zv oeranstalten. Bildung veredele und an dieser Bildung müßten heute auch die arbeitenden Klaff r. theilmhmen. Aber diese Volksbildung könne nur beruhe« auf der Basis der Religion. Damit schließt die Sitzung.
Ae« Aentsche Meret» vom (jeitigett Lande brachte i« der 1. geschloffenen Generalversammlung eine von Justizrath CustodiS (Köln) begründete und mit stürmischem Applaus begrüßte Rtsolution vor, in welcher Se. Majestät dem deutschen Kaiser, sowie dem AuSwärtiae» Amte und dem Kaiserlich Deutschen Konsul in Jerusalem der innigste Dank der deutschen Katholiken für den thatkrästlgen den deutsche« Franziskanern anläßlich deS Attentats der Grieche« gewährten Schutz ausgesprochen wird.
Um 3 Uhr versammelte« fich die ehemaligen Jerusalempilger im groß?« Saale deS Saalbaues, wo fich außerdem 300 Mitglieder und Gönner des deutschen Vereins vom heiligen Lande unge. fanden hotten.
Herr Justizrath CustodiS berichtete über de« Fortschritt der Bauten auf dem Berge Sion md auf d-m Paulusplatze und theilte der Vrrsamm-
Martha, „Du weißt es, Baler — vie Ankunft meines Gatten.*
»Gr ist angekommen," sagte Diethelm. „Ich erhielt soeben einen Bries von ihm."
Martha sprang Überrascht auf.
„Gott fei gedankt!* rief fie au#, „dann wird mein Elend sein Ende erreichen."
Sie stürzte auf de« Stets zu, ergriff feine Hände und preßte sie in die ihrigen.
„Wann weroe ich ihn sehen, Vater? Warum ist er noch nicht hier? Und 'wenn die ganze Welt mich verdammt, er wird an mich glaube», wenn er mir in’« Gesicht steht und wenn ich ihm bei dem Leben meines Kindes schwöre, daß ich schul,- los bin."
„Du irrst Martha", sagte der GrelS betrübt.
„Er wird nicht hierher tommer.*
Die Arme bebte erschrocken zurück, ein heftige« Zittern ergriff fie.
• „Richt hierher kommen, Vater?" stammelte fie.
„Ich — kann e« nicht glauben."
„Und dennoch ist e« so. Hier, lies selbst, wa« er mir schrieb."
Er reichte ihr den Brief hin. Ihre Augen Iber flogen die Zeilen, und einer Ohnmacht nahe aut fie auf ihren Srffrl zurück.
Der alte Dtetbelm bat fie, fich zu fassen.
„Willst Du Drin Schicksal nicht noch ver- chllmmern", sagte er, „so mußt Du ihm gehorchen und Dich auf einen Tag von dem Knaben trennen."
„Nein, nein", lief Martha, neben Ihrem Kinde niederknleend, „nicht einen Tag, nicht eine Stunde! Er wird mir das Kind nehmen. Er hat In seinem ;
lung mit, daß bei der Sionskirche die Krypta bis zum nächsten Herbste vollendet und man am neue» deutschen Hospiz bereits mit der Fundamentlrnug eines Hospizflügels begonnen habe. Mit großer Begeisterung wurde die Mitlhellung Über die am Morgen gefaßte Resolution der geschloffenen Versammlung entgegen genommen. Herr Dominikaner Hütte« (Kö!n) berichtete soda»« eingehend über die Gerichtsverhandlung gegen die Angreifer der Franziskanerin Jerusalem und zeigte, wie Frankreich aus Rücksicht auf feinen orthodoxe« Alltirten feine Pflicht oernachläffigt und allein Deutschland die Inter« fft« der deutsche« Katholiken erfolgreich geschützt. Es sei Pflicht, die Bestrebungen des deutsche« VrreinS zu unter stützen einerseits aus nationalen Gründen, andererseits aber auch auS apologetische« Gründe«. Wenn bet Unglaube das Chr stenthum als Sage und Myhle hinstelle» wolle, dann trete der Verein hin uno sage, das Christ-nthumist Wirklichkeit, hier ist der Ort, wo sein Richter gelebt, am Kreuz gestorben, von den Tobten auferstanden ist. Oberbürgermeister Dr. Antoni (Fulda) widmete Worte der dankbaren Anerkennung den Franziskanern und namentlich dem treuen Wächter des hl. Landes Sr. Exc-llenz dem lat. Patriarchen Msgr. Piavi zu Jerusalem, an den die Versammlung folgendes Telegramm sandte:
„Die deutsche» Jerusalempilger in Mannheim versammelt entsende« unter dem Ausdruck der tiefsten Verehrung dem treuen Hirte« drs hl. Landes ehrfurchtsvollsten Gruß mit oer ergebensten Bitte um den Apostolischen Segen."
G Viktor Emanuel III.
König Viktor Emanuel von Italien ist als Gast des Kaisers in Potsdam eingetroffen. Am heutigen DormrStag hielt er seinen festlichen Einzug in Berlin und stattete damit gleichzeitig seinen Besuch auch dem Volke ab. Der junge König wird fich schwerlich über Mangel an Freudigkeit und Freundlichkeit in diesen Empfängen zu Beilagen habe«. Denn bei uns in Deutsch- land gibt es kaum noch Gegner deS Dreibundes. Der Dreibundgedanke ist dem deutschen Volke in Fleisch und Blut übergegangen; und wer dorn Rechte die Anerkennung zollt, die ihm ge» bührt, und demgemäß daS Unrecht verurtheilt, das durch das moderne italienische Könlgthum dem Apostolischen Stuhle angetha« worben ist, verwirft damit durchaus nicht de» Dreibund, sondern erkennt gern an, daß die politischen Rücksichten am besten durch diese Staats- gruppirung gewahrt werden. Mit einem THelle der habsburgischen Monarchie find wir außerdem verbunden durch die gemeinsame Ratio- nalität. Aber obwohl diese Blutsverwandtschaft zwischen Deutschland und Italien nicht besteht, wird der Gedanke der Freundschaft mit dem Lande jenseits der Berge bei uns nicht minder hoch gehalten, und deswegen ist jeder Italienische Herrscher eines guten Empfanges bei uns in Deutschland sicher.
Viktor Emanuel ist nicht zum ersten Mal nach Berlin gekommen. Er kennt die norddeutsche Hauptstadt bereits aus mehreren voraus- gegangenen Besuche«, deren letzter bei der Feier der Großjährigkeit deS deutsche« Kronprinzen stattfand. Nur als König kommt er zum ersten
Briefe mein Todesmthe'l ausgesprochen. Es heißt Scheidung von seinem Weibe, das ihn mehr als ihr eigenes Leben liebt. Man bat ihm den Glauben an mich geraubt und ich muß verzweifeln und sterben."
Wäre der @rel« nicht zu fest von Martha'« Schuld überzeugt gewesen, in dieser Minute hätte er seine Meinung gewechselt, so aber mußte er aus den bestimmt ausgesprochenen Willen feines Sohne« zuröckkommen.
Er redete der Verzweifelnden sanft zu und versprach ihr, dafür zu sorgen, deß da« Kind nicht bei seinem Vater bleibe. Er konnte das um so eher, da er wußte, sein Sohn würde das in seinem Schreiben gegebene Wort nicht zmücknehme«.
Aber Alles war umsonst.
Martha verharrte in ihrem Widerstände. Sie umschlang den «naben, heiße Schmerzensthränen vergießend. Der Kleine sah die Mutter meinen und meinte mit.
„Nein, das Herz will ich ihr nicht brechen", dachte der atte Herr. ,,Jch will allein zu Ernst gehen. Vielleicht kann ich ihn überreden, hierher zu kommen, um, wenn auch nicht seine Frau, doch sein Kind zu sehen. „Ja, das will ich thun."
Er wandte sich dem schluchzenden jungen Weibe zu.
„Beruh'ge Dich", sagte er. „Ich werde mich allein nach Hamburg begeben und mit Ernst Über die Angelegenheit sprechen. Er mag dann bestimmen, was geschehen soll."
Dabei blieb es. Am nächsten Tage fuhr der alte Diethelm ohne den Knaben nach der Stadt, die er seit vielen Jahren nicht betreten hatte. F, f.)