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etfouto.: Siir die Redaktion f. v. Barl Schaffer.

mit (kn benagen

MLttiNt Sonntags-Zeitung*, „5uldaer Gesd)id)f$blätief' und [otteffe-risfe.

JK 194.

Jutta, Montag, den 25. Augnst 1902.

49. Kem°Ims«m!«H dir LMEdea SmlWm-s;i Ainmheim 1902.

C. P. C. Mannheim, 24. August.

(Nachdruck verboten.)

Nachdem am Samstag Abend die diesjährige Katholiken - Versammlung, die noch nicht in Mannheim getagt hat, durch "feierliches Glocken* geläute eingeleitet morden war, fand am Sonntag, vom schönsten Wetter begünstigt und unter einem enormen Mensche« * Andrangs am Nachmittage nach einem kurzen Gottesdienste der Festzug der Arbeiter* und Geselleuver* eine statt. Welche Staaten Vertreter zu dem* selben entsandten, habe» wir bereits mitgetheilt. Einen so imposanten Festzug, wie ihn die Mann­heimer Katholikentagung aufzuweisen hat, haben wir bisher noch nicht gesehen. Die Zahl der Theilnehmer wird auf 20,000 geschätzt. Kein Wunder, daß ganz Mannheim rege ist wegen eines solchen Besuches. Den Besuch zu ehren hat die Stadt sehr reichen Schmuck, namentlich Flaggen* schmuck, angelegt. Dir Berheiligung an demsel* den muß als allgsmetn bezeichnet werden, denn nur wenige Häuser der Hauptstraßen weisen keinen Schmuck auf. Auch in den Nebenstraßen ist reicher Schmuck vorhanden. Da die Festhalle trotz ihrer geradezu riesenhaften Dimensionen mcht im S-rmde ist, die Zahl der Arbeiter und Geselle» zu fassen, mußte die Arbeiter-Versammlung in 4 Parallel* Versammlungen tagen.

In der Festhalle wurde die Versammlung begrüßt durch den Vorsitzenden des Lokalkomitees, der den Ruf: Golt segne die christliche Arbeit! der Arbeiterschaft als Merkzeichen und Bollwerk gegen den Umsturz empfahl. Erster Redner war der Abg. Prälat Dr. Schädlsr, welche dar- legte, daß es gerade die Kirche sei, der die Arbeiterschaft so vieles zu danken habe, da die Kirche die Sklaverei gebrochen und dis Arbeit geheiligt habe. Der Staat bekunde seine Für­sorge vielfach in Kanone» und Steuerzettel«. (Heiterkeit.) Eine so imposante Arbeiterversawm- lung hat man noch nicht gesehen. Schade, daß Bebel und Vollmar nicht zugegen find. Die Kirche habe der Arbeit Ehre und Adel verliehen. Auch in den Orden werde gearbeitet, und daher verlangten die Katholiken, daß die Orden ohne Ausnahme zurückkehrten. Die Kirchs habe Sozial­politik schon gekannt, ehe noch ein ehernes Lohn­gesetz bestanden. Wer dir katholische Kirche ver­lasse, sei kein Mann, sondern eine Memme. (Stürmischer Beifall.) Erzbischof Nörber* Freiburg bemerkt, unter dem Eindruck der Fuldaer Bischofskonferenz müsse er erklären, daß die Kirchs als ihre wesentliche Aufgabe betrachte, die Angelegenheiten des arbeitenden Volkes zu fördern. Wenn man allgemein zur christlichen Lehre zurückkehre, werde auch die soziale Frage gelöst werden. Der Erzbischof ertheilt der Ver­sammlung seinen Segen, den diese knieend ent­gegennimmt. Arbettersekretär Reinhardt- Freiburg weist auf die Arbeiter Er cyklika des hl. Vaters und die Thätigkeit des Centrums in sozialer Beziehung hi». Was die katholische» Arbeiter von den Sozialdemokraten zu erwarten hätten, sehe man in Frankreich. Redner betont die Nothwendigkeit der Organisation in Gewerk-

KngeL und Dämon.

Roman von Johann Marius.

83 —--- (Nachdruck verböte«.)

Die Sennora warf Martha ein Goldstück zu. Diese fing es aber nicht auf. Es rollte auf den Fußboden.

„Ich nehme nichts von einer Frau, die mich so lief gekränkt hat", versetzte Martha. „Gestatten Sie mir nur, mich umzukletden und mein Kind warm eivzuhüllen. Dann werde ich Ihr Hau« für immer verlassen."

Gabriele verneigte sich zum Zeichen ihres Ein­verständnisses. Dann verließ fie das Zimmer.

Eine halbe Stunde späte: hatte Martha, das Kind auf ihren Armen tragend, die Stadt bereits im Rücken und nach fünfstündiger, mühevoller Wanderung betrat fie da» Haus ihre» Schwieger­vaters.

Eine ältliche Frau, die dem Greise aufwartete, kam ihr in der Thüre entgegen. Diese kannte Martha nicht. Sie hatte früher in einem benach­barten Dorfe gewohnt. Herr Diethelm hatte sie erst vor wenigen Wochen zu seiner Pflege an­genommen.

„Was wünschen Sie, junge Frau?" sagte die Alte.

„Ich möchte mit Herrn Diethelm sprechen", sagte Martha. „Ist er auf seinem Zimmer?"

Die Frau verneinte.

„Sie finden ihn im Garten. Ec war in letzter Zeit recht unwohl. Der Doktor hat ihm den Aufenthalt in der fuschen Luft dringend empfohlen.

schäfte»: die Frage, ob christliche oder katholische, wolle er hier nicht berühren. Sodann begrüßt P. Bonaventura die Versammlung. Seine Ausführungen decken sich mit feiner Rede im Bernhardushof. (Siehe unten). Der Vorsitzende des Lokalkomitee» dankt de» Redner» und schließt die Versammlung mit Hoch auf Papst, Kaiser und Großherzog.

Im Apollotheater begrüßte die Versamm­lung Abg. Schmitt-Mainz, welcher meinte, daß die Arbeiterversammlung auf das Schlagendste die Behauptung widerlege, daß der Centrums­thurm zerfalle. Nachdem Fabrikant Neuhaus- Schwetzingen dos Präsidium übernommen, sprach Giesberts-M-Gladbach über die Pflichtendes katholischen Arbeiters. Die manchesterliche Richtung gönne dem Arbeiter nicht, was ihm zu­komme. Die Erfahrung habe gelehrt, daß die Sozialpolitik keine Schäügunz der Industrie inoolvire. Das Heil der Arbeiter liege nur in dem Glauben und der Organisation auf christ­licher Grundlage. P. Benno Auracher wider- legt die Behauptung der Gegner, daß die Katho­liken nicht aus der Höhe der Kultur ständen. Eine Religion für die Arbeiter, daß fie dem Geld* beutel gefügig sei« sollten, gebe es nicht. Protestirt müffr werden gegen dw Auffaffu«g, daß Deutsch­land seine Kultur dem Protestantismus osrdar.ke. Abg. Schmitt-Mainz sprach über die ckaritaüve Thätigkeit der katholischen Kirche. Mit dem Segen des Erzbischofs Nörber schloß dir Sitzung.

Im Bernhardushof bearüßt Stadtver- ordneten-Vorsteher König die Versammlung und betont in einer kurzen Ansprache, daß die Är* beiter stets in den Kämpfen des Lebens an das Wort denken müßten: „Sieh?, ich bin bei euch!" Dommikanerpater Bona Ventura-Berlin ver­breitet sich in einer sehr eindrucksvollen Rede über die Kirche und die Charitas. Beide seien eins. Die Liebe der Kirche umfaffe alle, nament- Üch die Bedrängten. Die Charitas sc i von Bade« ausgegancreN. Was di« Orgariscaio« be­deute, wisse der Arbeiter; daher ro:ff er auch, was die Organisation der Kirchs beb r und in dieser liegt seine Stütze. Freilich «erde die christlich- Charitas viel von Leute» er gegriffen, die einen sozialistischen Wechsel auf b: Zukunft für Haares Geld hielte«. Die sozialistische Gleich« beit sei indessen ein überwundener Standpurrkt. Zum Schluß gab der Redner als Badenser seiner Liebe zur Heimath, aus der dir Orden vertrieben seien, Ausdruck. (Lebh. Beifall.) Hierauf be­grüßt Prälat Dr. Schädler die Versammlung in dem Sinne wie oben, desgleichen Arbeiter* sekretär Giesberts. Nachdem Erzbischof Nörber die Versammlung begrüßt und seinen Segen ertdeilt, schließt dieselbe. Im Saalbau sprachen Rechtsanwalt Muth, Dr. Werth* mann und Reinhardt.

Im überfüllten Saale der große« Festhells begann um 8 Uhr die Begrüßungsfeier. Obgleich der Raum Über 15 000 Personen ausnrhmen kann, reichte er nicht aus für den ungeheueren Andrang der Festtheilnehmer. Nur mit größter Mühe konnten selbst die hervorragendsten Per­sonen Platz finden. Es ist unter solchen Um­ständen auch nicht möglich, auch nur einigermaßen vollständig die Namen der Notabel» des Geistes —I—IHM Hl.....■IIITTII MM—

Er läßt sich nicht gern sprechen, da ihm das Ant* Worten sehr schwer fällt.

„Armer, alter Mann", dachte Martha. „Der Frevel, den man an mir verübt, Ist auch auf Dein Haupt gefallen. O, wie zittere ich, Dich wieder- zuschen!"

Martha zögerte nicht, sie schritt durch das Haus und betrat de« Garten, mit ängstlichen Blicken umhe, spähend, wo der alte Mann in diesem Augenblicke weilte.

Sie halte ihn bald gefunden. Der Greis faß in der Laube, wo sein Sohn Martha gesunden, wo er so oft mit feiner Gattin und den Kindern gesessen hatte. Ein leichter Schlummer hielt seine Augen geschlossen. Martha blieb stehen und be­trachtete ihn. Ec hatte sich sehr verändert, seit sie ihn zuletzt umarmt hatte. Sein Antlitz war blaß, die Züge eingesallin und sein Haar war schneeweiß geworden. Zitternd aber thränenlo« — sie hatte in der letzten Zeit zu viele Thränen vergossen — blickte Martha in dar liebe Gesicht de» alten, treuen Mannes. Stumm und tobten- bleich stand die unschuldig Angeklagte da, ein Bild des tiefsten, grenzenlosesten Schmerzes.

Martha wartete geduldig, doch der alte Diet­helm rührte sich nicht. Er schien zu träumen, denn seine Lippen bewegten sich. Flüsterte er wirklich de» Namen Martha, ihren Namen, oder täuschte sie sich?

Nein, es war keine Täuschung; auf einmal sprach er ign ganz laut au«, fuhr zusammen, be­wegte sich, erwachte und sah die, von der er ge­träumt hatte, mit ihrem Kinde am Arm, vor der Laube fiehen. i

und des Geburtsadels anzuführen. Genannt seien die Grafen Droste Vischering, unter ihnen Erbdroste, Graf Weipperg sowie die Abgg. Dr. Porsch, Dr. Schädler, Dr. Bachem, Dr. Spahn, Herold, Cahensly, Dr. Ruegenberg. Insbesondere zahlreich waren die süddeutschen Landtagsabgeordneten an­wesend.

Fanfare«, geblasen vom Mannheimer Stadt­orchester, leiteten die Feier ein. Rathschrerber Emil Diebold bewillkommnete hierauf in einem begeisterten, poetischen Festgruß den Katholikentag.

Nachdem dann ein Chor von 300 Damen und Herren, gebildet aus Mannheims Kirchen­chören Gade's Frühlingsbotschaft zu Gehör ge­bracht hatte, hielt Landtagsabgeordneter Amts- gerichtsdirektor G i e ß l e r * Mannheim Namens des Lokalkomitees die Begrüßungsrede. Er erinnerte daran, daß bereits fünf mal im kleinen Bade« der Katholikentag getagt habe, sonst in den alten Bischofsftädten, diesmal im verhältnißmäßig jungen Mannheim, einer modernen, arbeitsreichen Stadt. Wenn sie eine so stattliche katholische Bewegung habe, so erzeige es die Wahrheit des Satzes des Abtes Schöler von Seckau: nicht das Christenthum sei zu moderntfiren, sondern „die modernen Ideen müßte« chrtstinisirt werden". Forschritt fei die Loosnng und Forderung unseres christlichen Glaubens, Fortschritt im Guten — aber nicht Fortschritt gegen Gott und Gottes Gebot. Dir Menschheit wird weiter schreiten bis ein Hirt und eine Heerde sein wird. Von diesem Sinne getragen werde man das Höchste für Kultur und Vaterland leisten. Nicht eine Gegendemon­stration g?gen andere sei der Katholikentag; der Brüderlichkeit und Einheit sei er gewidmet. Unser Herz erglühe gleich treu in Lied und Wort für Süd und Nord. Das Bekenntniß des Gekreuzigten in einer Welt der Verneinung durch das feier­liche Gelöbniß sss Kaisers fei ein hellleuchtender Stern; eine H nmelsfackel für alle religiösen wie sozialen und Wissenschaftlichen Fragen ist nach dem vropheliü ' Beiwort — ‘lumen in coelo — in Wahrheit <> heilige Vater Leo XIII. Den Gefühlen der T sue, Liebe und Verehrung gegen die Träger der s chliche« und weltlichen Autorität bitte er durch H -chrufe auf S. Heiligkeit Papst Leo XIII., «. M ijestät Kaiser Wilhelm II. und S. Königl. Hoheit Großherzog Friedrich auszu­drücken. (Dte Versammelten stimmen begeistert i« die Hochrufe ein.) (Forts, folgt).

Berlin, 23. August 1902.

+ Fürst Kulsvöttkg, deutscher Botschafter in Wien, bisher einer der Intime« des Kaisers, soll nach einer Meldung der .Deutschnationalen Korrespondenz' in Wir« amtsmüde fein. Die Nachricht würde, wen« sie sich bestätigen sollte, nicht gerade überraschen. AehnlicheS wurde er­wartet. Als muthmaßlicher Nachfolger auf dem wichtigen Wiener Posten wurde« genannt Fürst Lichnowsky, früher erster BotschastSrath in

War es Schreck oder Freude, was den alten Mann an allen Gliedern erzittern machte?

Ec starrte fie mit großen Äugen an, streckte seine Arme aus, zog fie aber schnell wieder zurück. Er murmelte unverständliche Worte und schüttelte den Kopf, als wollte er sagen: '

„Sie ist es nicht, sie kann ee nicht sei«; ich träume noch immer."

Martha's sanfte Stimme riff den Greis völlig in die Wirklichkeit zurück.

„Vater, lieber Vater!" rief sie, „ja, ich bi es, Deine unglückliche Martha. Meine Freundin hat mich verlassen, mich wie eine Verbrecherin aus ihrem Hause vertrieben. Ich habe keinen Zu­fluchtsort mehr, als Dein Haus. Du wirst mir und Deinem Enkel ein Asyl vergönnen, bis Ernst wiederkommt, um seine Gattin gegen die un­gerechte Welt zu vertheidigen."

Der Greis halte nach und nach seine Sinne völlig gesammelt, sodaß er zu antworten vermochte.

„Du nennst die Welt ungerecht", sagte er im Tone der Verwunderung. „Was ich über Dich erfuhr, hat mich anders belehrt. Die edelste der Frauen, die Wohlthäterin Deiner seligen Pflege­mutter, hat Dich eines schweren Vergehens an­geklagt, und die Damen, welche mit ihr hier waren, haben ihre Anklage bestätigt."

„Ich weiß das Alles, Vater, und doch ist er nicht Wahrheit", befeuerte Martha.

„Wie, Du leugnest noch, Unglückliche, und häusst so Schuld auf Schild? Hast Du nicht mit Deiner Handschrist selbst Deine Flucht ein- gestanden?"

„Das Schriftstück ist gefälscht, mein Vater",

29. Jahrgang.

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Wie«, jetzt Vortragender Rath, und @iaf MontS, jetzt preußischer Gesandter in München- — Der Berliner .National-Zeitung' zufolge soll die Mittheilung von dem bevorstehenden Rück­tritte de« Fürste« Eulenburg „unbegründet" sein.

X Immer »och Aerr Löhuiug. Nach­träglich ist »och ein Osfijiosus nachgehinkt ge­kommen mit einer Bemerkung zu dem Falle Löhniug, in der von neuem versichert wird, die „BeamtendiSziplin . . . könnte durch eine« Appell an das Publikum bei Konfliktsangelegen- heite» der Beamte« mit ihren vorgesetzten Be­hörde« einen arge« Stoß erleiden." Lediglich aus solchen Erwägungen habe der Finanzminister Frhr. von Rheinbaben „lange gezaudert, ehe er gegenüber de« Angriffen i« der Preffe das Wort genommen habe." Gezaudert hat der Finanz­minister freilich außerordentlich lange. Aber es würde für ihn besser gewesen sein, wenn dieser Osfijiosus i« der .Neuen Polit. Korrespondenz^ geschwiegen hätte; denn auch diese neuen Ver* stcherunge« tragen zu deutlich das Gepräge der Verlegenheitsredensarten, als daß sie auf irgend­wen einen ernstlichen Eindruck machen könnten. Ganz augenscheinlich kö-men eben die Anklagen nicht widerlegt werden, die Herr Löhning gegen die preußische Regierung erhoben hat, und des­wegen schweigt man, aus keinem andern Grunde, obwohl Herr Löhning in einer letzten kurzen Er­klärung auf die hochoffifiöse Darlegung in der »Norddeutschen Allgem. Zeitung' die Bezeichnung „unwahr" angewandt hat. Gehört das auch zur „Aufrechterhaltung der Beamtendisziplin", daß man sich derlei ohne Erwiderung einsteckt? Nebenher mag noch ein Züturgsgerücht erwähnt werden, das an die Stelle des Oberpräsidenten von Bitter in Pose« de« Grhelmrrath Con­rad setzen will, gegenwärtig Direktor der Reichs­kanzlei. Conrad solle aber nur der Platzhalter sein für den Grafe« Posadowsky, der nach­her Oberprästdent von Pose» werden solle — stillschweigend ist dazu gedacht: nachher, wenn der Zolltarif im Reichstage gefallen fei« wird!

X SmlmSach - Iorchtzetm. Das Schluß. Ergrdniß der Wahlen i« dem Wahlkreise Kulm­bach - Forchheim» Ebermannstadt laßt regelmäßig lange auf sich warten. Immerhin legen die letzten Meldungen aus dem Wahlkreise die Vermuthung nahe, daß als Sieger der nationalliberale Wahl­bewerber Faber auS der Stichwahl hsroorgehe« werde, denn sein Vorsprung vor dem Cr»trums- Kandidaten Zöllner ist ungemein groß. BiS SamStag Abend 10 Uhr wurden für Faber (natl.) 9298 und für Zöllner (Crntr.) 8159 Stimme« gezählt; nur 7 Orte mit etwa 800 Wahlberechtigten stehen noch aus. Um diese Wen­dung der Dinge verstehen zu können, muß man berücksichtigen, daß bei der Hauptwahl mehr als 10,000 Wähler daheim geblieben waren. Augen­scheinlich Pnd die 3520 Stimmen des Bundes der Landwirthe ihrem allergrößten Theile nach bei dieser Stichwahl auf den Nationalliberalen über­gegangen. Nimmt man weiter an, daß es den Liberalen gelungen ist, bei der Stichwahl noch bisher säumige Wähler heranzuholen, dann würde auf diese Weise ein nationalliberaler Wahlsieg erklärlich sein — oder genauer gesagt, der Sieg des nationalliberalen Fabrikanten Faber, ge­wählt durch die Hilfe von Leuten, die gar nicht ..............

rief Martha. Ich schwöre Dir bei dem Leben mein 8 Kindes, ich habe da« Billet nicht geschrieben!" „Ich kenne Deine Schrift wie meine eigene, und wurde vor Entsetzen fast ohnmächtig, al« ich den Jihalt las."

„Der Inhalt war die Eifindung eine« Elenden, der mich in Schmach und Schande stürzen wollte."

„Nein, nein, Du folgtest ihm freiwillig."

„Er entführte mich, als ich betäubt in einem todesähnlichen Schlafe lag."

„Und Niemand im Haufe Deiner Wohlthäterin hat das bemerkt? Wie konnte da« geschehen, da man doch bei Nacht alle Tzürcn zu verschließe« pflegt?"

„Es ist ein furchtbare« Rälhsel, Vater, da« nur Gott zu lösen vermag. Ich bin zu schwach dazu."

„Ein Räthsel, da« Du Dir selbst aurgesonne« hast", versetzte der Greis unwillig.

„Nein, Vater, bei Gott, nein! Ach, wenn Du mich nur ruhig anhören wolltest!"

„Ich habe genug gehört", sagte der Greis und wollte aufstehen.

„Bleibe, Vater, bleibe!" tief Martha Ver­zweiflung« voll. „Verschließest Du mir Dein Ohr, flößest Du mich auch von Dir, so wird der nahe Strom meine letzte Zuflucht sein. Sieh auf da« unschuldige Kind, da« Kind Deines Sohne«, und erbarme Dich seiner! Der Rickter sogar gestattet seinem Angeklagtkn, sich zu verteidigen Sei nicht härter, Vater, als die strafende Gercchtigkeit!"

Sie hatte sich auf di; Kniee geworfen; fie hielt das Kind, welche« erwacht war und leise weinte, zu rhm empor.