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Jt£ 192.

£ Eine Wendung in der Zoüfrage?

Vor einigen Tagen hatte sich die »Schlesische Ztg.' als Versuchsball von den Offiziösen gebrauchen lassen. Sie ist nicht eigentlich ein konservatives Parteiblatt, steht aber der konservative« Partei unter allen Parteien am nächste«; deswegen machte eS einigen Eindruck, daß in diesem Blatte zum Rückzüge in der Zollfrage geblasen wurde: „Die Verbündete« Regierungen/ so hieß eS da, „könn­ten in der Getreidezollfrage nicht anders handeln, als auf de« Sätzen ihres Gesetzentwurfes zu be­stehen; nun sollte« die Konservativen »achgebe« und diese Sätze unverändert annehmen, da auch fie eine ganz wesentliche Hilfe für die Landwirth- schaft bedeuten- und dergl. mehr.

Die Antworten, die i« leitenden konservativen Parteiblättern auf diese Anzapfungen gegeben wor­den sind, lauten verneinend.

Zuerst erschie« die Berliner .Kreuzztg.' auf dem Plane und bemerkte, fie „glaube nicht, daß diese Anregung bei de« Ksnseroatioen auf Erfolg zu rechnen habe.- Diese verträte« vielmehr. . . mit Entschiedenheit die Auffassung, daß die Be­schlüsse (der ersten Kommisfions - Lesung) daS mindeste dar stellen, das für den Schutz der land- wirthfchaftlichen Erzeugniffe verlangt werden kann, und daß der Zolltarif-Entwurf abzulehnen sei, wen« dieses Minimum (also die Zollsätze des Kompromiffks) nicht za erreiche« sei."

Aehnltch äußerl sich das schlesische Partei- Organ, die .Schles. Morgenztg.'. „Die »Schief. Ztg.'," so stchl öarirr zu lesen, „arbeitet mit Hoch­druck darauf hinaus, dre Konservatiorn möchten sich in dem Kampfe um den Zolltarif auf die Regierungs-Vorlage zurückziehe«. Wir find i« der Lage, zu versichern, daß man in den Kreisen der schlesischen Abgeordneten weit entfernt ist, diesem Ansinnen zu folgen ... I« diesem Sinne wird sicherlich auch die Stellungnahme der Ge- sammt-Fraktion auSfallen . . . Die Herren Libe­ralen und Offiziöse« wiegen fich in Täuschungen, wenn sie a« eine« Umschlag der Konservativen glauben

Nach allem Boraufgegangenen sollt« man ja eigentlich annehmen, daß die konservativen Partei- blütter recht behalten müßten. Aber leider habe» wir es mit der Partei zu thun, die von dem Fürsten Bismarck schon als die „Partei der Streber" bezeichnet wurde; und trotz der straffe« Haltung, die die Konservativen im preußischen Abgeordnetenhause in neuerer Zeit einnehmen, wird man gut thun, wen« man noch leine poli­tischen Häuser auf diesen Versicherungen konser­vativer Parteiblättrr aufbaut. Vor allen Dinge« ist es einigermaßen verdächtig, daß von anderen konservative« Zeitungen eine Zusammenkunft der konservativen ReichStagSfraktton zu dem Zweck der erneute« Aussprache über den Zolltarif vor dem Begin« der zweiten KommisfionSlesung alS überflüffig bezeichnet wird. Eine solche Zusammen- tun ft ist ganz gewiß nicht überflüssig. Wer genau das Zurückweichen deS konservative« Abgeordnete« Grafen von Schwerin-Löwitz in der Zollkommission der Reichstages beobachtet hat, muß dieselbe im Gegentheil für sehr rothwendig halten, wie ja auch innerhalb des CentrumS der Wunsch nach Veranstaltung einer solchen erneuten Aussprache innerhalb der Kommission sehr klar und deutlich

Kngel.' und Dämon.

Roma« von Johann MariuS.

81 ------ (Nachdruck verbot«,.)

„Haben Sie nur Geduld", sagte fie dann, „was Sie wünschen, wird kommen, «he fie er vermuthen "

Und so geschah es auch. In einer milden Herbstnacht saß eine junge, leichtgekleidete Frau mit einer Binde um die Stirne auf einer Haus­treppe im alten Stadtthelle Hamburg'». Sie lehnte mit dem Rücken an die verschlossene Thüre. Ihre Augen waren geschloffen. Ein fester Schlaf schien dieselben zugedrückt zu haben.

Es war Martha Diethelm, welche, von einem Schlaftrunk betäubt, um Mitternacht, al» gerade kein Wächter die Straßen pasfirte, von den Helfers­helfern des alten Weibes dorthin gelegt worden war.

Erst als im fernen Osten der Morgen däm­merte und einen schwachen Lagerschein in die enge Straße warf, erwachte fie, aufgerüttelt durch einen alten' Wächter, der seine» Rundgang für diese Nacht soeben beendigt hatte.

Einige Stunden zuvor war er mehreremale an ihr vorübergegangen, ohne fie zu bemerken. Jetzt beim anbrechenden Tageslicht war fie durch die Helle Farbe ihres Kleide« seinen Augen sichtbar geworden.

Er versuchte e», fie wachzurütteln und fragte:

„Wie kommst Du hierher? Weißt Du denn nicht, daß es nicht erlaubt ist, unter freiem Himmel

Irrtöa, Freitag, den 22. August 1902.

ausgesprochen worden ist. Die Verhältnisse der Agrerzölle und der industriellen Einfuhrzölle zu einander verlangen eine solche Aussprache innerhalb der zollfreundliche« Parteien ganz dringend, und es würde deswegen außerordentlich zu bedauern fein, wen« man sie unterlassen wollte. Die,Kreuz.Ztg/ schrieb in diesen Tage»: Die Mehrheit der Kommission sei „hinter die Zölle, die von de» Kennern der Verhältnisse für einen ausreichende« Schutz der Landwirthschaft als nothwendig erachtet worden find, nicht un­wesentlich zurückgega««en". Wenn nun inner­halb ihrer Partei Bestrebungen fich geltend machen, um noch weiteres Zurückweich«« zu ver- anlaffen, dann erscheint eine gegenseitige erneute Aussprache als unbedingt nothwendig. Ober soll der Bauernstand wieder und wieder dazu gemißbraucht werden, seine Haut zu Markte zu trage» zu Gunsten der anderen Berufsstände? Es muß doch Jedem sein Recht werden!

Nu« ist dieser Tage von der Münchener »Allgemeinen Zeitung' berichtet worden, daß auf den Wunsch des Reichskanzlers Grafen Bülow im Oktober eine erneute Berathung der bundes- staatlichen Minister ftattfinden solle, um „etwa noch vorhandene Meinungsverschiedenheiten in den Zoüfragen auszugleichen". Tine solche Be­rathung der Minister zwischen den Arbeiten der Kommlsfion und den erneuten Bei Handlungen im Plenum des Reichstages ist sicherlich ebenso »öthig, wie «ine Aussprache innerhalb der zoll­freundlichen Parteien. Namentlich aber sollten die Herren Minister endlich ihren ablehnenden Standpunkt in der Behandlung der Getreidezölle aufgeben, dessen Beibehaltung den Zolltarif ein­fach unannehmbar machen müßte. Ob Graf Bülow aber mit seiner Anregung auch diese be­sondere Zollsätze im Auge gehabt hat, kann man aus der Ferne freilich nicht bemtheilen.

Berlin, 21. August 1902.

Hc Die Nachricht, Krieg-Minister v. O'ssler beabsichtige, nach den Manövern von seinem Ministerposten zurückzutreten — so will es die »Tägliche Rundschau' bekanntlich aus angeblich sicherer Quell« erfahren haben — wirb in der Presse vielfach besprochen. Da man von einer Amismüdlgkeit b« Ministers bisher nicht« ver- Kommen hat, erscheint bie Nachricht fürs erste ein wenig problematisch. Aber wen« man bedenkt, daß Herr v. Goßler er war, der im Reichstage sagte, die Vorgänge bei dem bekannten Duell Blaskowitz-Hildebrandt in Insterburg hätten nicht den kaiserlichen Wünschen entsprochen, und wenn man nun weiter bedenkt, daß derselbe Oberleutnant Hildebrandt nach kaum sechs Monaten Festungs­haft begnadigt und im Triumphe von Offizieren und Truppen in Paradeuniform aus der Haft nach dem Bahnhose geleitet worden ist, dann kann man doch wohl Gründ« entdecken, bie dem Minister sein Amt verleiden könnten. E« würde aber sehr zu bedauern sein, wenn Herr v. Goßler nicht mehr

zu schlafen? Bist Du zu arm, um ein Nachtlager zu bezahlen, so hättest Du Dich in Schutzhaft be­geben sollen."

Martha, die sich die Augen rieb, hatte nur die Worte „unter freiem Himmel" gehört. Das verlieh ihr die Kraft, sich von her Steint«pp« zu erheben. Sie wandte ihr Gesicht nach beiden Seiten und sah die Straße hinab. Dann richtete fie ihre Augen nach oben. Sie sah bie tiefe Bläue des Morgenhimmel«, st« fühlte bie frische Morgenluft ihr Antlitz umwehen. Ein lauter Freubenruf entrang fich ihren Lippen. Sie be­fand fich nicht mehr in der dumpfen Kerker­zelle. Sie war der Freiheit, ihrem Kinde, ihrer Freundin Gabriele zurückgegeüen.

Sie faltete die Hände und rief laut:

„Ich danke Dir, mein Herr und Gott, ich danke Dir!"

Der Wächter blickte fie verwundert an. Er wußte nicht, was er aus ihr machen sollte. Dem Mitleid, da« fie ihm einflößte, nachgebend, fragte er freundlich:

„Wohin gehörst Du, mein Kind, soll ich Dich nach Haufe führen?"

„Nein, «ein, ich danke," erwiderte Martha schnell, „ich habe mich schon erholt und kann allein gehen. Doch ich bitte, nennen Sie mir die Straße, in welcher ich mich befinde."

Der Wächter nannte ihr dieselbe. Sie befand fich wohl über eine halbe Stunde von der Gegend entfernt, wo Gabriele wohnte.

Es fi'l ihr ein, daß der Wächter eine Be­lohnung dafür erwarten würde, daß er fie ge» geweckt hatte. Geld hatte fie nicht bei fich und

in der Lage sein würde, im künftigen Winter auf die unzweifelhaft aufgeworfenen Fragen wegen de» Falle» Hildebrandt im Reichstage zu beantworten. Der Minister steht im 61 Lebensjahre.

X Hrrno Klopp wird am 9. Oktober dieses Jahres sein achtzigstes Lebensjahr vollende« — «ach langem, arbeitsreichem und verdienstvollem Leben ein geistig jugendfrischer Man» und Ge­lehrter! Onno Klopp ist ein Sohn der friesischen Erde: seine Wiege stand in Leer in Ostfriesland. Er war eigentlich für den kaufmännischen Berus bestimmt; aber seine lebhafte Neigung zu wissen- schaftliche» Studien siegte über die Wünsche seines Vaters, und so widmete er fich der GeschiLts- forschung, in der er, wie alle wisse«, Hervor­ragendes geleistet hat. Daß er in hannoverschen Diensten stand und mit König Georg V. in die Verbannung ging, ist ebenso bekannt. Nach dem Tode des Königs Georg unterrichtete er mehrere Mitglieder des habsburgischen Hauses in Ge­schichte. Im Jahre 1873 legte er in Penzing bei Wiex, wo er noch wohnt, sein kathol. Glau- bensbekenntniß ab.

* Key. Höerfinanzraty AöHnisg erläßt in Berliner Blätter» nachfolgende Erklärung:

Die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' vom 17. d. M. enthält an der Spitze veS politische» Tagesberichts eine von der ffinanzverwaltung, also wohl dem Finanz« Minister v. Rh-tnbaben insp.rirte Erklärung dahrn, daß für meine Bersctzung in de» Ruhestand meine den In­tentionen der StaatSregierung direkt zuwiderlaufende Haltung in der Polenpolitik entscheidend gewesen sei.

Diese beweis lo seBehauptu ng de rFt»a»z« Verwaltung weife ich, gestützt auf die in meinem Expos« enthaltene» Thatsachen, alS unwahr zurück.

Berlin, de» 20. August 1902.

Löhning,

Teh Oberfinanzrath u. Provinzial-Steuerdirektor a. D.

X An» der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokrat?« habe« bisher weit mehr schlechte, als guteErfahru^ae» mit ihren Vertrauensmännern gemacht. Ma - braucht nur an die ungezählte« durchgebrannte sozialdemokratischen Kaffirer zu bexten. um eis e« tiefen Einblick in biefe Ver­hältnisse zu ihn»; aber die Sozialdemokraten haben noch anbe« Klagen gegen diese Vertrauens­männer: sie wer kN ihnen zu üppig. Zum erste« mal find diese B schwerden in einem bestimmten Beschlüsse jetzt ist Düsseldorf zum Aus­drucke gekommen. Dort wurde eine Wahlkreis- Versammlung der Sozialdemokratie abgehalten und dabei nach langer und lebhafter Debatte mit großer Mehrheit ein Antrag angenommen, der daS zur Zeit bestehende System der Vertrauens­leute abgeschafft haben will. Nach der Begrün­dung des Antragstellers führt dieses System leicht zur Urberhebung derjenigen Personen, die das Amt bekleiden und zu diktatorischen Maßnahmen derselben; die Mißhelligkeiten zwischen den Pari ei­genoffen in Düffelbors führte der Anttagsteller in der Hauptsache auf die Thätigkeit der beide« Dortige« Vertrauensleute zurück. Aber der Ber­liner Parteivarstand wird wohl anderer Anficht sein. Daß übrigens die Vertrauensleute in sehr großer Anzahl durch ihr Geschäft alS Kaeipwirthe auch vv» Dem lebe« waS Dte „Genossen" bei ihnen thörichterweise in alkoholischen Grtränkm anlegen, ist ja hinlänglich bekannt. Ein sehr trauriges Ende hat, gleich viele« anderen sozial­demokratischen Gründungen, der sozialdemokratische

den Namen ihrer Freundin wagte fie ihm nicht zu nennen. Sie erinnerte fich, daß das Tuch, welches fie um d-n Racken geschlungen hatte, vorn mit einer kleinen goldenen Brache zusammenge­halten wurde. Ohne fich zu besinnen, überreichte sie dieselbe dem Wächter.

Der Gedanke, ihr Kind und ihre Freundin, welche, wie fie glaubte, wegen ihrer unbegreif­lichen Entführung durch Alvarez in Verzweiflung sein mußte, wiederzusehen, verlieh ihr Die Kraft, bie Straße mit schnellen Schritten hinter sich zu loffen und dem Hause zuzueilen, wo fie inniges Mitgefühl «.Nb Trost für die auSgestanbenen Leiden zu finden hoffte: ahnte sie doch nicht, daß fie damit immer nur noch tiefet i« ihr Verderben rannte.

17. Kapitel.

Es war schon ziemlich Heller Tag, als Martha ihr Ziel erreichte, aber im Häuft der Sennora regt« fich noch {eine S>ele. Die Heimgekehrte mußte lange und heftig pochen, ehe die Thür geöffnet wurde. Am Eingänge trat ihr, noch halb schläfrig, daS Dienstmädchen Anna entgegen und sah sie höchst verwundert an.

„Mein Himmel, wie kommen Sie denn wieder hierher?" sagte fie. „Die Sennora glaubt fie längst in weiter Ferne!"

I« ihrer Aufregung verstand Martha das Mädchen nicht. Sie wollte an ihr vorbei und die Treppe hinaufeilen. Doch die Dienerin hielt fie zurück.

„Halt, Madame, so geht das nicht," versetzte fie keck. „Uitfere Herrin schläft »och und ich maß

29. Jahrgang.

Saalbau-Verein in Fürth genommen. Vor einem halben Jahre wurde ein Konkursoerfahren da­rüber eröffnet; es werden dabei, wie jetzt fest- steht, nur 31/« v. H. zur Vertheilnng kommen. Die Wirthschast, die dort geführt wurde, soll ganz arg gewesen sein. Die Geschädigten gehören natürlich überwiegend der sozialdemokrattschen Partei an.

* Nach dem Reichsgesetze über die Me- ISmpfnn, eemeingefäyrlicher Krankheiten vom 30. Juni 1900 ist jede Erkrankung und jeder Todesfall an AuSsatz, asiatischer Cholera, Fleckfieber oder Flecktyphus, Gelbfieber, Pest oder orientalischer Beulenpest und Pocken oder Blattern, sowie jeder Fall der den Verdacht einer dieser Krankheiten erweckt, der zuständigen Polizei­behörde mündlich oder schriftlich anzuzeigen. Zur Anzeige ist insbesondere der zugezogene Arzt, der Haurhaltungsvorstand, der Krankenpfleger, der Leichenschauer verpflichtet. Die Polizeibehörden haben diesen Personen auf Verlangen Melde­karten für schriftliche Anzeigen unentgeltlich zu verabfolgen. Eine Verfügung deS Reichs-Post­amts ordnet jetzt an, daß für Postkarten, die zu diesen Meldungen benutzt werde», das für un» frankirte Sendungen vorgeschrieben« Zuschlags- porto nicht erhoben wird, wenn sie unsrankirt eingeliefert werde». Voraussetzung Dabei ist, daß bie Anzeigepflichtigen unfrantirte Postkarten benutzen, die im voraus von der Polizeibehöcbe mit dem Abdruck ihres Dienstsiegels ober Dienst­stempels und dem Vermerk „Portopflichtige Dienstsache" versehen find. Die Vergünstigung bezieht fich nur ans Anzeigen über dir eingangs aufgeführten Krankheiten.

X Kirre Iahrordrmrrg für Kr-fkfahr- zenge hat die Polizeibehörde in Hamburg er« taffen. Danach müsse« die angewandten Kraft­fahrzeuge betriebssicher sein, ohne übermäßige- Geräusch, lästigen Rauch, Dampf ober übelm Geruch zu erzeugen. Die Fahrgeschwindigkeit muß jrderzeit vermindert und dauernd eine Ge­schwindigkeit ei« gehalten wer den könne«, die dem Schritt-Tempo gleichkommt. Außerdem mAffen die Fahrzeuge vollkommen leicht lenkbar sein: Sie müffe» nach den ganz gerechtfertigten An­sprüchen der Hamburger Polizeibehörde solche Lmkoorftchtunge« haben, daß sie auf Straßen-- dämmen von zehn Metern Breite wenden können. Jeder Kraftwagen muß zwei Bremsvorrichtungen haben, von denen jede stark genug ist, de« Wagen bei einer Geschwindigkeit von 15 Kilo­metern in der Stunde auf eine Streck.» von acht Metern zum Stillstände zu bringen. Die Führung eines Kraftfahrzeuge- ist abhängig von der Er- thellung eines polizeilichen Befähigungsscheines, und niemals darf bei Dunkelhrtt und in fiättisch angebauten Straßen eine größere Geschwindig­keit alS 15 Kilometer in der Stunde gefahren werden. Beim Durchfuhren enger Brücken und Thore und an Stellen mit lehr lebhaftem Ver- k-hr muß aber auch diese Geschwindigkeit «och erheblich eingeschränkt werden u. s. w. Warum ist das, was in Hamburg angeordnet wird, nicht auch überall anderwärts möglich? Die zahl­reichen Unglücksfälle, die durch unvernünftiges Automobilfahren v-rursacht werde«, erfordern solche allgemeinen Verordnungen durchaus und in dringender Weise.

fie zuvor melden und fragen, ob ich Sie vor- kaffen soll."

Martha fuhr erstaunt zurück.

„Was soll das heißen, Anna? Die Sennora wird in Todesangst um mich sein und sich freuen, mich wiederzusehrn."

„Weinen Sie?" fragte das Mädchen spöttisch. „Ich glaube dos kaum. Madame war sehr böse aus Sie und ist es «sch. Ich denke, fie hat auch Ursache dazu. So mitten in der Nacht heimlich davon zu gehen mit Dem fremden Herrn und Ihr hilfloses Rtnb im Stiche zu lassen, das ist eine Schande, die Ihnen Niemand zugetraut hätte.

„Aber das ist ja eine nichtswürdige Lüge!" rief Martha heftig.

„Das wiffen wir besser," erwiderte Anna;

„Sie selbst haben es ja eingestanden."

Die so ungerecht Beschuldigte gerieth außer sich vor Empörung.

„Wie, ich selbst — ich hätte

„Ja, Madame. Wir haben den Abschieds­brief gelesen, den Sie auf dem Tische haben liege« lassen."

Martha war im Begriffe, dem Mädchen einen hesttgen Verweis zu geben, aber sie zwang fich zur Ruhe.

„MU Ihnen habe Ich weiter nichts zu reden, ich will zu meiner Freundin und zu meinem Kinde."

Eie versuchte daS Mädchen zur Seite zu drän­ge«, aber Anna war kräftiger als fie.

„Warten Sie hier auf dem Flur, Madame, btS die Sennora erlaubt, daß ich Sie zu ihr führe. Ich will es wagen, fie zu wecken."