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.IHustrirte Sonntags-Zeitung", .Juldaer 0esd)id)tsblätter" und rotterie-risfe.
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JS 191.
G Kulturkamps in der Schweiz?
Einigermaßen überraschend ist die Nachricht gekommen, daß der Bundesrach der Schweiz einer Anzahl von weiblichen Orden und Kongre gationen den weitern Aufenthalt in der Schweiz untersagt hat. Nach der einen Meldung soll es fid um elf, nach der anderen um zwölf Niederlassungen handeln — auf die Ziffer kommt es weniger an, als auf die Thatsache des Aufenthaltsverbotes. Die Frauenorden hatten sich in den Kantonen Wallis, Waadt und St. Gallen niedergelassen, die Regierungen der drei Kantone find mit der Ausführung des Ausweisungsbefehls betrau worden, und ohne Zweifel wird dieser Befehl pünktlich ausgeführt werden. Nur neunzig Tage Frist ist den Kongregationen zur Ordnung ihrer Verhältnisse gewährt worden.
DieseNachricht wirkte deswegen so überraschend, weil die Schweiz sich bisher um religiöse Fragen nicht gekümmert hat. Sie ließ wirkliche Freiheit auf religiösem Gebiete walten und kümmerte fich nicht weiter um die O cdensniederlassungen innerhalb ihres Gebietes; man hat noch niemals etwas davon vernommen, daß üble Folgen daraus für die Schweiz entstanden wäre«. Um «u« diese Ausweisungsbefehle genau beurtheilen zu können, muß man wissen, daß es fich hier um Orden und Kongregationen handelt, die im Laufe des letzten Herbstes aus Frankreich auf den Boden der freien Schweiz flüchteten, nich um ältere Niederlassungen. Man mußte annehmen, daß sie für immer in der Schweiz bleiben wollten, und da ist nun der Bundesrath der Schweiz mit seinem Ausweisunzs - Befehle dazwischen getreten. Dieser Befehl ist gestützt auf den 32. Artikel der Bundes-Verfassung: Danach soll die Errichtung neuer Orden vollständig verboten sein. Der Form nach ist also gegen den Ausweisung«. Befehl mit der Aussicht auf Erfolg kaum ein Widerspruch möglich, um so weniger, als der Beschluß einstimmig vom Bundesrathr gefaßt worden ist, also auch mit den Stimmen der katholischen Mitglieder der Bundesrathes.
Aber von anderen Gesichtspunkten aus ist Widerspruch nichtsdestoweniger am Platze. Die Republik Frankreich zeigt sich durch ihre brutale Behandlung der Schulschwestern innerhalb ihres Gebietes so unfrei wie möglich. Die Republik Schweiz hätte im wohlthuenden Gegensätze dazu ihren französischen Nachbaren zeigen sollen, was unter wirklicher Freiheit zu verstehen ist, und hätte die Flüchtlinge gelassen dulden sollen. Im Ernste kann doch Niemand behaupten wollen, daß rin Dutzend katholische Schwestern-Ntederlaffungen für die Republik Schweiz in irgend einem Sinne «ine Störung oder Gefahr bedeuten könnten; gerade well es sich hier in diesem Falle um die Opfer einer Gewalt-Politik handelt, die nicht nur von allen Katholiken, sondern auch von sehr vielen anderen Leuten verurtheilt wird, hätte die Schweiz beweisen sollen, daß in ihrem Gebiete wirklich Jedermann „nach seiner Foxon selig werden kann-.
Kngel' und Dämon.
Roman von Johann MariuS.
N ------ (Nachdruck verboten.)
Der Baron deutete auf Martha, die kein Lebenszeichen von fich gab.
„Helfen Sie, so gut Sie können-, sagte er gu der Alten. „Suchen Sie daö Blut zu stillen. Bleiben Vie bet ihr, und wenn ste die Augen aiifschläzt, so sagen Sie ihr, daß sie mich nie Wiedersehen wird. Fühlt ste sich stark genug, dieses Haus zu verlassen, doch darf diese- nicht vor acht Tagen geschehen, so hindern Sie sie nicht daran. Hier ist Geld, damit mache« Sie sich für ihre Mühe bezahlt. ES ist ebensoviel, alS Sie das erste mal von mir erhalte« haben.-
Sr ließ eine Anzahl Goldstücke tw ihre Hände gleiten.
„Werden Sie thun, was ich verlange?- setzte er hinzu.
„Ich, muß ja wohl, Herr Baron-, erwiderte sie, „da ich sie nicht für immer eingesperrt halten kann. Aber die Sache mit dem Freilaffen ist doch sehr bedenklich."
„Ah, ich verstehe. Sie befürchten, daß die Polizei
„Ja mH der ist nicht iu spaßen, Herr Baron. Kämmt man dahinter, daß ich hier ein geheimes Versteck habe, so eröffnet sich mir die Aussicht, ein Jahr lang hinter bee Gefängnißmauern Wolle zu zupfen/
„Ja, wie sie sich da heraus helfe« wollen, das ist Ihre Sache. Ich habe Sie reichlich bezahlt."
„Nicht mehr wie billig, junger Herr. Aber
Iuköa, Donnerstag, den 21. Augnst 1902.
29. Jahrgang.
Berlin, 20. August 1902.
X Ate Aaisertage iw Kose« bilde« «och immer den Gegenstand von Auseinandersetzungen und Verhandlungen. Zunächst ist hervorzuheben, daß der Herr Erzbischof an dem festlichen Empfange des Kaisers sich betheiligen, und daß der Kaiser möglicherweise dem Erzbischof einen Gegenbesuch abstatten wird. Sollte dieser statt- finde«, dann wird der Kaiser von der gesammten Domgeistlichkeit am Hauptportale des Domes empfange« werden. Uebrigens werden auch viele polnische katholische Vereine und kirchliche Bruderschaften an der Spalierbildung bei dem Einzüge des Kaisers in Posen theilnehme». Aber die fürstlichen Gäste des Kaisers bei den voraufgehenden Manövern werden den Einzug nicht mitmachen. Cs sind das Erzherzog Ferdinand Karl von Oesterreich, der Kronprinz von Rumänien und die Prinzen Leopold und Arnulf von Bayern Diese werden gleich vom Manöoerfelde aus ftdi verabschieden — das sieht fast so aus, als wollten sie ängstlich alles vermeide«, das irgendwie nachträglich mit der preußischen Polenfrage i« Zusammenhang gebracht werden könnte.
+ Nochmals der Depeschenwechsel. Daß der Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und dem bayerisch« Regenten gegen die Münchener Wünsche aufausdrücklichen Berliner Befehl veröffentlicht worden ist, hat die,Augsburger Abend, zettun«' in einer halbamtlichen Miltheilung festgestellt. Wer war er nun, von dem dieser Befehl ausging? Man kann doch nicht annehmen, daß der Kaiser persönlich dem Telegraphenbureau den entsprechenden Befehl gegeben habe. I« .Reichsanzeiger' standen die Telegramme nicht. Also kann der Befehl auch nicht vom Kanzler ausgegangen sein, aber auch nicht vom Geheim- rath von LucanuS, denn dieser ist gegenwärtig beurlaubt. Wer veranlaßte also die höchst bedauerliche Veröffentlichung? Die Frage bedarf drtngendst der Beantwortung.
* Ärieflsmittifie? v Kotzler soll, wie die .Tägliche Rundschau' aus sicherer Quelle erfahren haben will, nach den Manövern zurücktreten wollen. — Herr v. Goßler steht im Älter von 61 Jahren. Er ist seit dem Rücktritt des General« Bronsart v. Schellendorf im August 1896 Kriegsminister. Ein Rücktritt des Ministers ist vor einigen Jahren in einem kritischen Augenblick in Frage gekommen. Ein Grund, der gegenwärtig den Minister veranlasse« könnte, sein Abschiedsgesuch einzureichen, ist in der Oeffentlichkett bisher nicht bekannt geworden-
* Eine Aendernng des Kxerzier-N-gle- «ents für die Infanterie hat ver Kaiser auf dem Truppenübungsplatz Alten-Grabo« angeordnet. ES handelt sich um den Platz der Fahne. Bä der Entwickelung zum @e- fecht verbleibt die Fahne bei derjenige« Kompagnie, bet der sie fich befindet. Wird die
ich werde es schon fertig bringen, daß die Pol zei nicht entdeckt, wo diese junge Frau die acht Tage gesteckt hat. Ich glaube, si- kommt zu sich. Ich will frisches Wasser und Verband holen."
Di« Alte verließ das Zimmer. Der Baron trat «uf den Divan zu. Ein tiefer Seufzer entrang fich in diesem Augenblicke Martha'« Brust, aber ihre Augen blieben geschloffen.
E« «ar, als ob eine unsichtbare Macht, der er nicht zu widerstehen vermochte, die Kntee de« Elenden beugt«. Vor der Bewußtlosen nieder- inkend, murmelte er:
„Ich will Deine Vergebung nicht anflehen, Du reiner, unschuldsvoller Engel, denn ich bin ihr« nicht werth, aber der Himmel möge die Pläne »et Bosheit vereiteln, und taucht später da« Andenken an mich in Dir auf, so verdamme mich nicht."
Er faßte Martba'« Hand und drückte einen Kuß auf dieselbe. Dann stand er auf und ent- ernte fich mit gesenkem Haupte.
Die von dem heftigen Falle gegen die Wand »etäubte junge Frau hatte ihn nicht gehört. Schwer «thmend und leise stöhnend, lag ste noch »a, als die alte Bewohnerin dieser Räume wieder in da« Gemach eintrat.
Diese gab fich die möglichste Mühe, ihre Gefangene in'« Bewußtsein zurück,urufen und »eren Schmerz« durch kalte Umschläge und orgfälttgeS Verbinden der Stirnwunde zu lindern.
Martha ließ mechanisch Alles mit fich geschehen, und es dauerte lange, ehe ste ihre Sprache wiederfand.
Endlich vermochte sie die sanften, treuen Augen rotejer langsam aufzuschlagen. Sich mit Hilfe der Uten auf dem Divan emporrichtend, erinnerte re sich der schrecklichen Szene, welche hier stattgefunden hatte.
Kompagnie ins Gefecht eingesetzt, so geht die Fahne mit in die Feuerlinie, doch muß unter allen Umständen eine Sektion bei der Fahne bleiben.
* Gegen ben 5*elTit*f*e, zumal in der schweren Form der Säbelmensuren, hat der Rechtspflegeausschuß der Universität Göttingen nachstehenden Erlaß veröffentlicht: „Es ist wiederholt zu unserer Kenntniß gekommen, daß die grobe Unsitte der Säbelmensuren auch an unserer Hochschule bedauerlich im Schwünge ist. Wir find entschlossen, dem Leichtsinn energisch zu wehren, der geringfügige studentische Ehrenhändel der Entscheidung durch schwere Waffen unterwirft, und wir warnen die Herren Studirenden dringend vor den Folgen einer Handlungsweise, die sich mit der gesunden Ordnung akademischen Lebens nicht vereinigen läßt."
* den 75 deutscher, Eisenbahner», welche im Juli dieses Jahres mit einer Gesummt- länge von 45,252,43 Kilometer im Betriebe waren, wurden im genannten Monate ivsgesammt 154,828,731 Mk. eingenommen. Davon entfallen 59,959,229 Mk. (+ 2,843,752 Mk. gegen Juli 1901) auf den Personen- und 94,869.501 Mk. (+ 2,098,897 Mk.) auf bt« Güterverkehr. E r» öffnet wurden; am 1. Juli Bütow-PomeiSke 8,74 Kilometer (Direktionsbezirk Danzig), Paderborn-Sennelager 9,65 Kilometer (Direktionsbezirk Münster), Wechselburg-Chemnitz mit Zweig- linte Glösa—Fürth 25,04 Kilometer und die Verbindungsbahn Meuselwitz—Spora 1,60 Kilometer (sächsische Staatseisenbahnen); am 15. Juli Könitz—Lippusch 52.60 Kilometer und am 20. Juli Kulm—Althausen 6,43 Kilometer (Direktionsbezirk Danzig).
+ Aas Antomovik. Das unvernünftige Fahren mit Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Landstraßen verursacht eine so reichliche Menge von Unglücksfällen, daß man gar nicht begreifen kann, warum denn die Behörden durchaus nicht strenger 'gegen solche Mißbräuche einschreite«. Allei« während bet letzten Tage wurden im Gebiete des Mittelrhetnes und der Mosel drei Menschenleben auf diese Weife vernichtet: in Brohl wurde ein älterer Herr überfahren und starb alsbald nach der Verletzung; in Sinzig und i« Pünderich wurden Kinder überfahren und ge- tödtet oder tödtlich verletzt. Diese Unfälle ereigneten sich ohne Ausnahme innerhalb geschlossener Ortschaften. Warum sorgt man nicht dafür, daß nun wenigstens innerhalb der Ortschaften nicht so schnell gefahren werden darf? Dies zu erreichen ist doch sehr einfach!
* Nachdem rin Erlaß des Staatssekretärs deS Reichspostamtes die Anstellung weiblichen Personals im Post, und Telegraphendienst ein- geschränkt hat, find, bet .Schles. Ztg.' zufolge, die Behörden angewiesen worden, bei bet AuS- wähl Weiblicher Arveiteüräsie f»r den Nassdienst größere Vorsicht zu beachten. Anlaß zu blefer Verfügung hat bie Wahrnehmung gegeben, baß bei bem weiblichen Personal Erkrankungen in Folge bet Anforderungen des Dienstes sehr häufig vorkommen, namentlich stellt fich bet Telephonistinnen leicht eine Alternation ber Kopfnerv«, allgemeine Nervosität unb Blut-
Ihre"Blicke"i«ten"nach allen Seiten, al« fürchtete sie, ihren Verfolger aus irgend einem Winkel bes Gemaches her vor treten zu sehen.
„Ist er fort?" stieß sie endlich hervor.
„Ja, unb et wird auch nicht wieder kommen." „Gott sei gelobt!" rief Martha, „er hat mein seiße« Gebet erhört. So bin ich frei und kann ögleich zu meiner edlen Freundin und zu meinem Sohne zurückkehren."
Sie wollte sich vom Divan erheben, aber die Hand ber Alten hielt sie zurück.
„Sie müssen noch hier bleiben", sagte die- elbe. „Ich werde Sie pflegen."
Matth« sah die Sprecherin wie erstarrt an.
„Wie!" tief sie dann aus. Sie wollen mich auch ferner Gefangen halten? Himmel, erbarme« Sie fich einer Unglücklich«, die man mit teuflischer iiift entführt hat. Ich muß fort, und dar sogleich! Ich muß zu meinem Kinde!"
„Machen Sie mir keine Szene, meine Liebe", versetzte bie Alte unbitterlich, auf die flehende Martha niedersehend. „Sie müssen fich in Ihr r»oS finden. Ich habe versprochen, Sie noch eine Zeitlang hier in Gewahrsam zu behalten und darf mein Versprech« nicht brechen, «erhalten Sie ich ruhig. Ich werde Ihnen zu ess» unb zu rinken bringen."
Die Alte wandte fich bet Thüre zu. Martha aber hielt sie zurück und warf sich ihr zu Füßen.
„Hab« Sie Mitleid und geben Sie mir bie Freiheit wieder. Ich kann hier nicht bleiben!" tief sie verzweiflungsvoll aus.
„So leicht stirbt man in Ihren Jahren nicht!" achte bie Alte höhnisch, und mit herzloser Kalt- llütigkeit wandte fi- fich ab und verließ das Zimmer, bie Thür« hinter fich verschließend.
armuth ein; ebenso ist daS Bedienen ber Schreib- maschine jungen Mädchen vielfach unzuträglich. An einer Dienststelle mußten beispielsweise sämmt- liche mit bem Schreibmaschinendienst betraut« Beamtinnen wegen Ueberanstrengunz längere Zeit beurlaubt werd«, um Heilung für bie im Dienste erworbene Nervosität zu suchen. Derartige üble Erfahrungen finb nicht nur mit jungen Mädchen gemacht worden, bie schon schwächlich in d« Dienst traten, sonder« auch mit solchen, bie fich bei Uebernahrne der Stellung der besten Gesund- heit erfreuten.
* Mirlhschaftkiche Schäden der Merein»- meierei Wiederholt klare« sächsische Gewerbe- Inspektoren über bas Ueberhandnehm« beS Ver einswesenS, selbst auf bem Laube, eine Klage, bie sich nicht auf Sachsen beschränkt. Die Vereine schießen wie Pilze aus bet Erbe; unter welchem Namen ste auch gegrfinbet werben, ber Hauptzweck ber meisten ist ber, immer neue Gelegenheiten zum Vergnügen zu schaffen. Mancher Arbeiter unb kleine Gewerbetreibende ist Mitglied mehrerer Vereine zugleich unb es kommt vor, daß jeder Abend in der Woche von einer Vereins- „Verpflichtung" in Anspruch genommen ist. Vielfach tragen die Vereine Schuld, baß bas Familienleben vernachlässigt wirb unb bk Sparsamkeit leibet. Während manchmal ein Verein über einen großen Kassenbestand verfügt, bet meist Vergnügungen dient, drückt viele seiner Mitglieder bittere Noch, ste müssen sich Entbehrungen auferlegen und bleiben mit der Steuer im Rückstände. Für weich' unnütze Zwecke nicht selten erhebliche Summen ausgegeben werd«, mag man z. B. daraus ersehen, daß ein Pfeifen- Klub, ber in ber Hauptsache Arbeiter zu sein« Mitgliedern zählt, ein Vereinsbanner stiftete, für baS einschließlich bet Kosten für mehrere Tage „Weihe" gegen 1000 Mark aufgewenbet würben. Arbeiter, bie mehreren Vereinen angehören, finb kaum zu Ueberftuxbex zu bewegen, well ste Abends nicht rasch genug in ben „Klub" ob« zur „Sitzung" kommen können.
* Nachbildungen von Münze« verböte«. Der Justizminister führt in einem küqlich ergangenen Erlasse an bie Oberstaatsanwälte au?, daß bie Anbringung von Münznach- bilbungen auf Blechdosen, Staniol- papterumhül lungen unb aebere Maaren- Verpackungen als ei« bie öffentliche Ordnung schädigender Mißbrauch mit ben durch daS Strafgesetzbuch gegebenen Mitteln zu bekämpfen ist, unb ersucht bie Oberstaatsanwälte, gegen bie mißbräuchliche Nachbllbung von Münzen in geeigneter Weise einzuschreiten.
X Sie Mann-rklöst-r i* Kaden. Die badischen Nationalliberale« kämpfen ohne Unterlaß weiter gegen bie Zulassung von Männerorb« in Baben. Der a«gekündigt gewesene nationalliberale BertrauenSmänner-Tag in Baden-Bad« hat nun auch durch einen Beschluß „energisch« Protest" eingelegt gegen bie Zulassung; aber er findet dafür nicht einmal im eigenen Parteilager ungeteilte Zustimmung. Der liberale .Mannheimer Generalanzeiger' mahnt dazu, doch Maß zu halten mit diesen Kundgebungen und fügt hinzu: folger Protest müsse wirkungslos ver-
Es blieb bem armen Opfer ber schänblich« Jirtrizue nur Sin Mittel, fich vor ber grenzenlosesten Verzweiflung zu retten.
Sie nahm ihre Zuflucht wieder znm Gebet. In bie Knie finkend, flehte ste inbrünstig:
„Verlaß mich nicht, mein Herr unb Gottt Steh mir bet in meiner Angst! Habe ich geffinbigt, daß ich mich bet wUbesten Verzweiflung hingeb« wollte, so vergib eS Deinem arm« Kinde I-
Wunberbar gestärkt erhob sie fich unb erwartete das Wiederetscheinen ihrer Hüterin.
Diese kam aber erst nach einer halb« Stunde. Sie brachte in einem Korbe kalte Küche unb eine Flasche klares Quellwaffer. Den Tisch mit einer sauberen Serviette bedeckend unb bie Speise daraufsetzend, sagte sie:
„Sie müsse» sich sch« mit Wasser begnüg«, Madame. Wei« erhitzt das Blut, daS würde nicht gut für ihre Wunde sei«. Aber von d« kalten Speisen dürfen Sie genieße«. Sie find erschöpft u«b haben Stärkung nöthiq.
Um nicht ben Unwillen bei Beides, da- sie noch immer fürchtete, zu reiz«, versuchte Martha einige Bissen zu essen unb trank dazu baS SlaS Wasser, welches bie Alte ihr einschenkte.
„So ist et recht", sagte diese. Essen und Trinken hält Leib unb Se le zusammen. Später wirb Ihnen aber ber Schlaf gut thun. Ich mache Ihnen hier aus bem Sopha ein Bett zurecht, verbinde ihre Wunde nochmal« und bann mögen Sie fich niederlegen und Im Schlafe die Angst vergessen, bie ber junge Herr Ihnen verursacht hat."
„Wird ber Eiende auch nicht wiedetkehren?" ragte Martha hastig.
„Rein, ich sagte e« Ihnen schon."