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JuLöa, Mittwoch, den 20. August 1902.

29. Jahrgang.

fflustrirte Sonntags-Zeitung*, »Fuldaer ($e$d)id)t$blätter und rotterU^Cisfe.

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ficht gestellt wäre. Auf grobe Verfehlungen würde dieses Moment allerdings nicht gerade schließen lassen. Es ist unter solche» Umstände», fährt die .Post' fort, „da fich eine öffentliche Weiterdiskus- sion deS Falles doch nicht unterbinden läßt, immer« hin bedauerlich, daß die Finanj. Verwaltung nur die Erklärung abgegeben hat, entscheidend für die Versetzung Löhnmgs in den Ruhestand sei seine den Intentionen der Staatsregierunq direkt zuwider« laufende Haltung in der Polen-Politik gewesen, ohne gleichzeitig die näheren Belege für diese Be­hauptung beizubringe» . . . Auch bei mildester Auslegung wird man auS der offiziöse« Notiz das Bekenntniß herauSlesen, daß regierungsseitig Ungeschicklichkeit und Fehler gemacht worden find, welche die Rechtfertiqung des Vor­gehens gegen Löhning vor der öffentlichen Mei­nung erschweren.

von Wangenheim dafür Dank schuldig ist, daß der Bund die Bahnen deS Patriotismus nicht verlassen hat," so erscheint es erst recht unbegreiflich, daß Abg. v. Wangenheim uktet den heutigen Verhältnissen sein Amt niederlegt. Bemerkenswerth ist daS offene Eingeständniß, daß der Bund der Land- wirthe anscheinend nur mit großer Mühe zurück« qehalten werden konnte, wegen Festsetzung der Zölle um eine Mark höher oder niedriger die Bahnen deS Patriotismus zu verlassen.

Roman von Johann Marius.

------ (Nachdruck verboten.)

Berlin, 19. August 1902.

* Einen Ietzlvetrag von 48 422,783 MA. 83£ffc. weist die Rechnung deS Reichshaus« Halles für dos Jahr 1901 auf. Nach einer Mittbeilunq deS,R ichsanz.' find an Einnahmen

27,393 413 Jt> 40 weniger eingezangen, als der Etat hatte, während die Ausgaben den Etat um 21,029,370 J6. 44 3? überschritten haben.

* Uetm Mnnde bet Lavdwirtße ist nach der »Elbing. Ztg.' die Verlegenheit augen­blicklich groß, wer Nachfolger des Aba. von Wanaenheim werden soll. „Schon aus Rückficht des Portemonnaies" sei die Zahl der Nachfolger des Fahrn. von Wangenheim sehr klein. Für „lediglich" 6000 Mk. jährlich wird es schwer sein, einen Nactzfotger zu finden. Abg. v. Wangen- Heim tritt naib der »Elbing. Ztg.' aus gefundheit- ltche« und peku räriu Gründen zurück, weil man — wie er fich ausdrückte — nicht von ihm ver« langen könne, dcß er sich auf diesem undank­baren Postet- -Uten im Frieden fürs Vater­land opfere. — Würde ein dem Bunde fern stehendes Blatt ei» ähnlicher Molio als Grund für de» Rücktritt deS Abg. v. Wangenheim auch nur angedeutet habe«, so würde die Bundespreffe sicherlich über schnöde Verdächtigung und Ver- leumdung fich beschwert haben. Der Bund der Landwirlhe lebt doch ficherlich nicht mitten im Frieden, sonder, steht in erbittertem Kampfe. Wie die .Deutsche Tagesztg', daS Organ des Bundes der Landwirthe, über eine Fahnenflucht in grgenkärttger Zeit denkt, hat fie am Sonn­abend in einem Lettartikel wie folgt ausgedrückt:

.Wer j.tzt die Flinte inS Rom wirft, der versün­digt sich nicht nur an sich und den S inen, nicht nut an feinem Stande, sondern auch an seines Volke» Zukunft." Es ist möglich, ja otelleicht wahrscheinlich, daß wir trotz aller Mühe unterliegen; aber lie Schuld unserer Niederlage darf nicht bei uns liegen: „man soll uns nicht löfliger Stumpfheit uni! thatenloser Feig, heit zeihen können".

Wenn die ,Elbing. Ztg.' zum Schluß ihres Artikels schreibr:

.Die Zukunft wird noch mancherlei anS Tageslicht bringen und der Regierung beweisen, daß sie dem Frhr.

„Geben Sie mir Antwort", sagte fie. „Wo bin ich und wie bin ich hierhergekommen I"

„Das sollten Sie loch am besten wisse», mein Kind. Ich denke mit Ihrem Entführe-!"

Martha taumelte zurück. Auf's Neue be­stürmte fie der Gedanke, daß Wahnsinn ihre Sinne verwirrt habe.

„Mit — meinem — Entführer?“ stammelte sie.

„Nun ja, S.e sind ihrem Manne entflohen und "ihr Galan hat sie hierherpebracht, wo Sie in Sicherheit vor Ihrem rifersüchligen Gemahl sird. Dieses Z mmer liegt nach Hirten hinaus. Selbst die Polizei kann Sie hier nicht auffindeu. Aber da höre ich den H-rr» Baron kommen."

Sir schritt zur Thür« und öffnete dieselbe.

„Kommen Sie nur herein, Herr Baron, die Dame ist schon aufgestauden."

Martha glaubte vor Schrcck in die Erde finke» zu müffe», als plötzlich bet Cousin ihrer Freundin, Carlos Alvarez, vor ihr stand. Dann aber ermannte sie sich rasch wieder.

Auf ihn zuspringend und seine Arme er« greifend, ries sie:

„Sie sind es! Rette» Vie mich! Diese Frau lütt, Sie find nicht mein Entführer! Bringen Sie mich fort von diesem fürchterlichen Orte!

Der vermeintliche Coustn der Sennora sprech anstatt aller Antwort zu der alten Frau:

Entfernen Sie fich. Ich wünsche mit der Dame allein zu sein."

Die Frau that, wie ihr befohlen war.

Der Verbündete der Sennora trat auf Martha zu uxb wollte ihre Hand ergreifen. Doch die

4~ Der neue bayerische Kultusminister Irhr.

Aodewit» ist am 17. Januar 1850 ge«

Der Fall Löhning । taxn nicht zur Ruhe kommen. Die in der Mon« tagsnummer der ,Fuldaer Zeitung' besprochene Posener Zuschrift des orthodoxen .Reichsboten' hat in den zunächst bethetligten Kreisen mit Recht die größte Entrüstung heroorgerufen. Herr Geh. Oberstnanzrath Löhning erläßt in der.Germania' nachstehende Erklärung:

Wie ich erst jetzt erfahre, hat der ,ReichSbote' eine Zuschrift eines sauberen Herrn auS Posen veröffentlicht, der eS heißt: „Herr Löhning ist 58 Jahrx alt unv besitzt au8 seiner ersten Ebe eine minoeftenS 80jährige Tochter, die ihm den Haushalt führte. Bei dieser Sach­lage muhte die Art und Weise, in welcher der an der Schwelle des SreisenalierS stehende Mann nach dem Tode seiner zweiten Frau in dem letzten Winter auf der Schliitschuhbahn und in Gesellschaften jungen wohl- gebildeten Mädchen den Hof zu wachen pflegte, Lächeln und Ropfschütteln Hervorrufen. Noch mehr Befremden erregte eS, als allmählich die Art deS Verkehrs deS Herrn Löhning im Verein deutscher Ratholiken bekannt wurde .... Die Art, tn welcher der bald Mjährige Mann dort mit hübschen Töchtern dieser Familien biS in die Nacht hinein tanzte, wurde alS mit den Rück­sichten, die er feinem Amt und seinem Liter schuldete, nicht verträalich empfunden--Diesem auS leicht

erkennbarer Quelle stammenden Schmähartikel, welchem sich ähnliche der seit einiger Zeit nicht mehr unabhängi­gen »Posener Zeitung' anreihen, entgegenzutreten, konnte nicht angebracht erscheinen; doch will ich hier Folgendes ansühren:

Die Schlittschuhbahn habe ich nicht nur nach dem Tode meiner zweiten Frau, sondern auch bei ihren Leb­zeiten, und zwar seit meiner Jugend jeden Winter regel­mäßig besucht. Jungen nchlgebildeten Mädchen habe ich auf dem Eise in Posen niemals den Hof gemacht. Den Eissport treibe ich für mich allein. Ebensowenig habe ich in Gesellschaften in Posen jemals jungen Mädchen den Hof gemacht. Den katholischen deutschen B rein habe ich im Ganzen dreimal besucht und zwar bloß auf Betten und Wunsch meiner erwachsenen, noch lange nicht 30jährigen Tochter. Ich bin kein Mitglied deS Vereins gewesen und bin auf wiederholte Einladung als Gast daselbst erschienen. Bei dem ersten Besuch im September v. I. schloß eine bei mir zu Besuch weilende Nichte Bekanntschaft mit einem jungen Arzte tn Pose»; einige Tage darauf sand die Verlobung statt. Getanzt habe ich nicht. DaS zweite Mal besuchte ich den Verein und zwar wiederum nur auf Bitten meiner Tochter im November v. I Getanzt habe ich nicht. Das dritte Mal im Januar d. I. und zwar wiederum auf Bitten meiner Tochter. Dieses Mal habe ich eine einmalige Runde mit den Töchtern einer mit mir an einem Tische sitzenden Steuerraths und des Gyrnnastaldirektors Schroer getanzt und — einmal mit meiner jetzigen Frau Dies mag genügen zur Abferti­gung eines Bubenstücks. Es ist bedauerlich, daß an­ständige Zeitungen solche Schmutzartikel aufnehmen.

Berlin, den 19. August 1902.

Löhning,

Geh. Oberfinanzrath und Prooinzial-Steuerdirektor a. D.

Von dem Vorsitzenden des geselligen Vereins deutscher Katholiken in Posen und Umgegend, Herrn Schulrath Brandenburger, aeht der »Germania' ferner mit der Bitte um Veröffent­lichung folgende Erklärung zu, welche die An­gabe» des Herrn Geheimen Rath Löhning, soweit sie sich auf den genannte» Verein beziehen, völlig, bestätigt. Die Erklärung lautet wörtlich:

Der Artikel: „Zum Fall Löhr.in«" in Nummer 189, drittes Blatt der .Germania' vom 17. d. M. hat eine dem Reichsboten aus Posen zugegangene Korrespondenz mitgetheili, die eine derartig geringschätzige Beurtbeilung deS hiesigen „Geselligen Vereins deutscher Katholiken" durchblicken läßt, daß ich mich zu fol­gender Erklärung veranlaßt sehe:

1. Der Verein umfaßt nur katholische Deutsche besserer Stände.

2. Dem Verein gehören die höheren Beamten, Geist­liche und Lehrer minoeftenS in demselben Verhältniß zu

ihrer Gesammtzahl an wie die Subalternbeamten, Pfarr­geistliche und Bolksschullehrer. Katholische deutsche Großkaufleute wohnen nicht im BereinSgebiete; von i iabrikherren nur einer, und der ist BereinSmitglied.

infere Raufleute und Meister, die der Artikelschreiber kleinbürgerlich nennt, haben alle den Vorzug, wohl- achtbare Leute zu fein.

8. Ist eS dem Verein gelungen, Familien auS höheren und mittleren Gesellschaftsklassen zusammen- zuführen und zur Pflege deutscher Ideale anzueifern, dann betrachtet er das als eine anerkemunswerthe Seite seiner Thätigkeit.

4. Der Verein ist zwar ein geselliger, aber weder ein Spiel-, noch Trink-, noch Tanzverein. Er pflegt nur edle Geselligkeit und ist fich stets der hohen ethischen und sozialen Aufgabe unserer Gesellschaft bewußt. Auf !wölf Herrenabende kommt ein Festabend, und zwar die t reier deS Geburtstages Seiner Majestät, und von füuf- i eha gamtlienabenben gelten nur drei dem Vergnügen. Allein selbst bei diesen Festen wurde ein großer Theil der Zeit den höheren Zielen (durch Ansprache, Gesang, Musik, Haustheater) und nur der Rest dem Tanze ge­widmet. So oft fich aber Tauzgelegeuheit bot, vollzog le fich in den Formen einer vornehmen Gesellschaft.

5. So weit die Pflicht des Gastgebers es erheischt, muß ich auch der persönlichen Angelegenheit deS Ge- betmrathS Löhning gedenken: Er folgte dreimal meinen Einladungen zu den BereiuSfesten und soll bei dem dritten Feste auch getanzt haben.

boren. Das Geschlecht der Podewils ist pommcr« schen Ursprungs, ein Ahn des jetzige» Kultus­ministers, Heinrich Graf von Podewils, war unter Friedrich dem Große« von 1730—60 (618 zu seinem Tode) preußischer Minister des Aeußern; 1741 ist er wegen seiner Verdienste in den Grafen­stand erhoben worden. I» Boyern find die Podewils schon seit 1611, und zwar zu Schöneich in der Oberpfalz ansässig. Der Onkel deS Ministers war der Erfinder des Podewilsgewrhres, das von 1858 bis zum Eintritt ins Reich i» der bayerischen Armee im Gebrauch war; er war General der Artillerie und Chef der Gewehr« fabrik in Amberg. Clemens Freiherr von Pode­wils hat 1881 als Sekretär der bayerischen Ge­sandtschaft seine erste Stellung in der Diplomatie erhalten. Im Jahre 1883 wurde er bayerischer Gesandter am italienischen Hofe, 1896 nach dem Rücktritt deS Grafen Brey in Wien.

• Die Hviederhoknrrg der SMfitttS für Kinjährig-IreimiMge soll eingeschränkt weroen. Nach den i» Preußen gemachten Er­fahrungen melden sich bei den Prüsung^kom- miffione» für E:r jährig -Freiwillige zahlreiche junge Leute zur Prüfung, ohne auch rur an« nährrud genügend oorbereitet zu sein. D - § 16 der Anlage 2 zur Wahlordnung die Wieder­holung der Prüfung in jedem Termine bis zum 1. April des Kalende jihres gestattet, in welchem der Bewerber daS 20. Ledenijahr vollendet, so kommt es oor, daß junge Leute wiederholt, sogar drei, vier- ober mehr Mal ungenügend vorbe« reitet cor. de» Prüfungskommissionen erschienen. Um die Kommissionen von der hiermit ver­bundene» Arbeit zu entlasten, und auf die baffere Vorbereitung der Prüflinge im Allgemein hinzu« wirken, haben dis preußische» Raffortminister vorgeschlagen, dir Bestimmungen über die Wieder« —H. --------- _jiii—■■■ i------1

Geängstigt zog dieselbe heftig zurück; eine furcht­bare Ahnung durchzuckte ihr Her».

„Berühren Sie mich nicht!" rief fie gebieterisch aus.

Der L fländer richtete fl.hende Blicke auf daS Opfer der schändlichen Jntrtgn-, in der er eine Hauptrolle übernommen hatte.

„W r stad allein, theure Martha", sagte er. „Sahen Sie mich nicht angstvoll an! Ist es denn ein Verbreche««, daß ich Sie liebe?"

Die Arme erbebte und fuhr zurück, als wenn eine glänz nde Schlage ihr mit giftigem Athem ertgegenzischte.

„Sie liebten mich?" rief sie auS, fich sto'z emporrichtend und ihn mit verächtlichem Blick avsehend. „Sie lügen, mein Herr! Eine Fra», die man wah>haft lieb«, entführt man nicht im Dunkel der Nacht! Denn das ist geschehen. Wie, daS weiß ich nicht und vermag eS auch nicht zu errathe», welche Mittel Sie angewendet haben, um mich dem Schutze meiner edlen Freundin, welche Sie so schmählich hintergangen haben, zu entziehen. Sie wird Sie verachten, erfährt fie, daß ihr Verwandter du Elender ist."

Martha'S Ertführer lächelte.

„Sie irre» sich, schöne Frau", verfitzte er ruhig. „Meine Cousine hat keine Ahnung, daß ich Sie entführt habe. Sie glaubt, ich sei schon vor mehreren Tagen abgereist. Wie ich eS mög« ltch gemacht habe, Sie hierher zu bringe», werden Sie von mir nie erfahren. Genug, Sie sind hier in einem Haufe, aus dem Ihnen jede Flucht ver« wehrt ist, oa ich die Eigenlhümerin mit schwerem Gelbe erkauft habe."

Posen, den 18 August 1902.

Der Vorsitzende des Geselligen Vereins deutscher Ratholiken in Posen und Umgegend.

Brandenburger, Schulrath.

Mit diesen Erklärungen ist die Po'rner Meldung des ,Reichsbote»' endgiltig abgethan. Mit Recht sagt die.Nat.-Zlg.': „Gegenüber der­artige» Abschweifungen bet öffentlichen Diskussion st immer wieder der eine Punkt zu betonen, auf den es allein ankommt. Wäre Herr Löhning rm Dirnst geblieben, und hätten dann Assessoren mit Ko«ptPrinzipien oder „Spitzen" mit sitzen- gebliebene» Töchtern dem Provmzialdirektor gesellschaftliche Schwierigkeiten gemacht, so hätte es sich vielleicht frage» können, ob nicht, zumal unter den Verhältniffe» der Ostmarken, eine aufgeklärte Regierung hätte eingreifen sollen — aber nicht gegen den Gallen der Felbwebelstockter, sondern zur Belehrung der rückständigen Elemente der Pdsener Gesellschaft durch Versitzung derselben, soweit möglich, nach recht stillen Orte- wo ihrer Empfindlichkeit kein Anstoß drohen lömte . . . Es gibt keinerlei Entschuldigung fü- ein Ver­halten der Vertreter der Staatsgewalt, welches als Parteinahme für leere Anmaßung gc.^^n Ver­nunft und Sittlichkeit und gegen ein undestreit- bares Recht zu erachten wäre. Dies muß wiederholt werden' gegenübrr der Erklärung der Finanzverwaltnng, da diese nicht besagt, daß die Verlobungsangelegenheit ohne Einst.ß auf die obenein ungesetzliche Prnstonirung war."

Sogar die .Post' weist darauf hin, daß Aeußerungrn, die Herr Löhning im prinnten Kreise im Verkehr mit Beamten über einzelne R;- gierungS- Maßnahmen gethan hat, unnözlich so schwer tn's Gewicht fallen lönnten, um eine Pen- stonirung zu rechtfertigen. Die Konsequenz eines solche»Vorgehens wäre ja eine unerträgliche Mundtodtmachung der Beamte», gegen die fich wohl auch daS Abgeordnetenhaus ent­schieden verwahre» dürste. In diesem Zusammen­hänge müffe doch auch darauf hingewtese» wer­den, daß Herrn Löhning, wie er wenigster s selbst erzählt, für de» Fall, daß er freiwill g feines Abschied einreichen würde, die evintmlle Ver« letoung dkS Rothen Adlerordens 2. Klaffe in Aus' die Zeit verblichen und wiesen eine graue Färbung auf.

Die Thüre schien von starkem Eichenholz zu sein.

Ein Zitter» durchlief die Gestatt der junge» Fran. Verzweflunqsvoll rang str die Hände.

„Das ist kein Traum, daS ist Wirklichkeit", klagte sie. „Was ist mit mir oorgegangen? Bin ich denn wahi sienig geworden? Nein, «ein, ich bin es nicht, denn ich erinnere mich, ich wurde bei Gabriele plötzlich so müde, daß mir die Auge» zufiele», und dann bin ich zur Ruhe ge­gangen. thb nun b. finde ich mich an einem unbekannte» Ort! O, mein Gott, am Ende bin ich wähl siinig und man hat mich in der Nacht hierhergeßrachl!'

Sie wankte z«r Thüre und versuchte die­selbe zu öffnen, doch sie war von außen ver- schloffen. Sie sank auf bi» Knie und flehte:

„Hilf mir, mein Gott! Erbarme Dich meiner! Hilf mir, wenn ich nicht verzweifeln soll!"

Endlich erhob sie fich wieder und pochte an die Thüre, erst leise, dann stärker und stärker, so daß die Knöchel ihrer zarten Hand anschwollen.

Es währte eine geraume Zeit, ehe draußen Schritte hörbar und die Thüre aufgeschloffeu wurde.

Ein alteS Weib von auffallender Häßlichkeit kam ihr mit einem höhnische» Lachen entgegen.

„Guten Morgen, schöne Frau!" sagte sie mit heiserer Stimme. Et, Sie habe» ja recht lange geschlafen!

Mariha starrte sie entsetzt an. Der Anblick der Eingetretene» flößte ihr Schrecken ein, aber ft- suchte sich gewaltsam zu soffen.

16. Kapitel.

An demselben Morgen, an welchem Sennora de Fontana in Segenwat t ihrer Dienerinnen die Thüre des Schlafzimmers ihrer jungen Freundin hatte öffren taffen und deren Lager unberührt gesunden halte, lag Martha Diethelm in einem hohen geräumigen Zimmer, auf einem weich­gepolsterten Divan ix einem bleischweren Schlafe, der erst um die Mittagsstunde von ihr wich.

Tie Augen der jungen Frau öffneten fich lang­sam. Sie fühlte fich matt an allen Gliedern und vermochte fich nur mit Anstrengung aufzurichten.

Erst blickte fie verwundert um sich. Er war ihr, al» ob noch ein Traum ihre Sinne umfangen hielt. Dann aber schweiften ihre Blicke erschreck umher und ein Schrei de» Entsetzen» ertönte von ihren Lippen.

„£>, mein Gott, war ist da»? Wo bin ich? Da» P nicht mein Gemach!" rief fie. „Und rote komme ich hierher? Und mein Kind, ko i mein geliebte« Kind?"

Ihre Augen schweiftr» in dem nur mit wenigen Mobilien versehenen Raum umher. Auf einem runden, mit einer schlichten Decke überzogenen Tisch brannte eine Lampe. Alfs mußte e» Abend oder Nacht sein. Sie sah, daß die Stube nur ein Fenster hatte, vor dem ein dunkler Vorhang hing. Die roetßgetünchten Wände waren durch