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Juköa, Montag, dm 18. August 1S0L
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Zweites Matt
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fmetewtn»; »H W* XetaliWe 3#l. Ml« Ur Jefcrik 3. P«i3<lltr in Jalta.
IHustrifte Sonntags-Ztilung", „Ackue SeschichMBM" und kotwWM.
25-jahrigr 3i6tlftitr des Verba,dis Kathslischrr lief«. Vereimz«gr« Sestfchlaabs ja Äiii?.
tNachdruck verboten.) c.P.C. Mainz, 15. Aug.
Während der Donnerstag der Arbeit gewidmet war, bildeten für den Freitag festliche Veranstaltungen das -Programm der Jubelfeier; die allgemeine Theil- nahme der Bürgerschaft an derselben wurde dadurch erleichtert, daß das Fest Maria Himmelfahrt auf den Freitag fiel.
Eingeleitet wurde der zweite Tag, der wiederum vom schönsten Wetter begünstigt war, durch ein feierliches Pontifikal-Amt im Dome. In schier endlosem Zuge, der an 50 Vereinsfahnen und mehrere Musikkorps aufwies, begab sich der Verband durch die festlich geschmückten Straßen zum Dome. Eine dichtgedrängte Volksmenge harrte dort des Zuges. Nachdem die VereinSfahnen zu beiden Seiten der Kom- «unionbank Aufstellung gefunden und die Festtheil- nehmer sich im Mittelschiff placirt, wurde der Hochw. Herr Bischof zum Altäre geleitet und daS Pontifikalamt, von ihm celebrirt, begann. Nach Beendigung desselben begaben sich die Kongreßmitglieder, wiederum im festlichen Zuge, nach der Stadthalle. Dichte Men- schenmaffen bildeten in den Straßen Spalier.
In der Stadthalle, die auf das herrlichste geschmückt war und wo auf den Gallerten ein bunter Flor von Damen sich eingefunden, wurde der Zug von den Vertretern der Stadt und Staat erwartet. Bald nach Einzug der Gäste erschien der Hochw. Herr Bischof, von der Versammlung mit einem dreifachen Hoch begrüßt. Nach einem Fanfarenmarsch trug der Mainzer Sängerbund den Pilgerchor aus Tannhäuser vor. Darauf begrüßte Domdekan Dr. Reich als Vorsitzender des Lokalkomitees die Anwesenden, an erster Stelle die kirchliche und weltliche Behörde. Eine große Ehre für den Kongreß sei die Antvesenheit derselben; für ihre Theilnahme und Sympathiebezeugung schulde der Verband ihnen Dank. Es sei angemessen, daß das Jubelfest des Verbandes in Mainz gefeiert werde, da in Mainz seine Wiege gestanden habe. Das Wort seines Begründers, daß der Mainzer Verein und der Verband keine Treibhauspflanze sein solle, haben sich bewährt. Ein blühender Baum erstrecke der Verband seine Aeste über ganz Deutschland und so vollziehe sich zum zweiten Mal, daß Mainz ein Hort des kaufmännischen Standes sei, denn vor Jahrhunderten sei der Rheinische Städtebund , der die Kaufleute geeint und geschützt habe, bereits aus Mainz hervorgegangen. Redner wünscht, daß die diesjährige Tagung dazu beitragen werde, das Ziel des Verbandes zu verwirklichen: Heranbildung tüchtiger Kaufleute und Basirung des Berufs auf Religion und Vertrauen auf Gott! (Lebhafter Beifall.)
Der Präsident des Kongreffes Bayczynski- Berlin legt dar, daß die Vereine gern nach Mainz gekommen seien, um ihren Dank zu bezeugen. Der Verband wolle am heutigen Tage den Bund erneuern, zu dem vor 25 Jahren der grifft. Rath Dr. Elz den Grundstein gelegt habe. Neben der Pflege der Religion habe es der Verband verstanden, kon» seffionell und politisch sich so zu halten, daß er Achtung gefunden habe und in sozialpolitischen Fragen seine Stimme bei den Behörden Geltung habe. Hieraus schöpfe er die Hoffnung, daß diejenigen, welche noch abseits vom Verband ständen, demselben beitreten würden. Besonderen Dank verdiene der Mainzer Verein und an seiner Spitze Präsident Reatz. Sodann gedenkt Redner des hl. Vaters und des Kaisers als Förderer der kaufmännischen Interessen nnd bringt auf beide ein Hoch aus, in das die Versammlung begeistert einstimmt.
Sodann ergreift das Wort, von der Versammlung mit Händcftatschen begrüßt, der Hochwürdigste Herr Bischof: Das mittelalterliche Wort: „Kleine Dinge wachsen durch Einigkeit" haben sich am Verbände der kath. kaufm. Vereinigungen bewährt. Er wünsche, daß der Segen Gottes weiter auf demselben ruhen möge zur Pflege des ehrlichen kaufmännischen Berufes, der in den heuttgen Tagen des Schwindels so noth thue, unb zur Pflege des religiösen Lebens, daS der menschlichen Thätigkeit erst die Weihe gebe. „Was von der Religion getragen ist, hat Werth für Zeit und Ewigkeit." Nicht nur wollen wir katholische Christen heißen, sondern es auch sein, nicht nur in Worten wollen wir Christum bekennen, sondern auch im Leben. Möge der Verein blühen nach außen durch die Zahl seiner Mitglieder, möge er blühen nach innen durch Erstarkung des religiösen Lebens. In diesem Sinne wünsche ich ihm Glück! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Als Vertreter des Staates ergreift sodann das Wort Provinzialdirektor Frhr. von Gagern. Redner dankt zunächst für die Ehre, daß man ihn ins Ehrenpräsidium berufen habe und ihm somit Gelegenheit geboten worden sei, mit der hochansehnlichen Versammlung in Verbindung zu treten. Als Mitglied des Ehrenpräsidium- und als Vertreter der staatlichen Behörde heißt er die Versammlung willkommen. Der KreiS der Aufgaben, die sich der Verband gestellt habe und dem politische Ziele fernstehen sollten, nehme ein großes Interesse für sich in Anspruch. Er wolle nicht über die religiösen und materiellen Bestrebungen des Vereins sprechen, noch auch über seine gesellschaftlichen Veranstaltungen, die den schönen Zweck hatten, die Gefahren von unserer Jugend ab- zuwehren, sondern als Verwaltungsbeamter und Vorsitzender der Schulinspektion begrüße er 3k Bestrebungen des Verbandes, die auf Hebung der allge
werthen, daS kaufmännische Geschäft zu lege«. Dr. Weilbächer-Kempen stellt eine« Unter- ««trag, nach welchem die Sonntagsruhe „möglichst weitgehend fei* soll". Heckhausen-Barmen zieht seinen Antrag auf namentliche Abstimmung zurück. Der Präsident theilt mit, daß Köln II sich der Abstimmung enthalte. Der Antrag wird, abgesehen von Köln n einstimmig angenommen. Der Präsident theilt mit, daß vom hl.Vater folgender Telegramm (die Versammlung erhebt sich) eingelaufen sei:
„Der hl. Vater hat mit Wohlgefallen die Huldigung der katholischen Kaufleute Deutschlands entgegen genommen und spendet dem Präsidenten sowie den Mitgliedern deS 25. Kongresses seinen Segen.
Kardinal Rampolla."
AlS Ort für den nächsten Kongreß wurde M.- Gl adbach in namentlicher Abstimmung mit 314 Stimmen bestimmt. Für Fulda wurden 144 Stimmen abgegeben. Ein Vertretervon M.- Gladbach spricht seinen Dank für die Wahl seiner Seimath aus. SS folgt daS Referat deS Herrn ckerSdorff über Familien - Kranken- kaffen. Der Schwerpunkt der Berichtes liegt in der Frage, ob auch Einzelpersonen Mit- glieder derselben werden können oder nur Familienversicherung stattfinde» soll und ferner, ob die Familien.Vorstände auf den Kranken- kaflenverband angewiesen bleiben sollen. Man möge aber zunächst den Anttag Frankfurt a. M. be- rathe», welcher der Generalversammlung empfiehlt, „daß im Jntereffe der bestehenden Kaffen von der Gründung neuer Hilfskaffen vorläufig abgesehen werde." H e ck h a u s e n will, daß die Kommission noch weitere Erhebungen anstelle« soll. Begründet wird der Frankfurter Antrag durch Reatz -Mainz; bevor man neue Gründungen treffe, müsse man die Lebensfähigkeit der andere« Kaffen prüfen. Schneider-Krefeld will vorläufig de» Ausbau der Bestehenden, erklärt sich daher für den Frankfurter »»trag. Opladen-Köln empfiehlt den Frankfurter Anttag, stellt aber be« Unterauttag, daß die Hilfökaffe für Stellenlose von dem Frank- furter Anttag nicht berührt werde. Schneider- Krefeld will de» Frankfurter Antrag dahin modifizire«, daß von der Gründung derFamilien- krankenkasfen abgesehen werde. I» Anschluß an eine Bemerkung deS Herrn Heckhause« spricht der Präside«t dar Verttaue« der Versammlung zu demselbe« aus mit der Betonung, daß der Frankfurter Anttag kein Mißtrauen gegen ihn involviren, und ersucht die Versammlung durch Erhebe» vo» den Plätzen ihr Vertta»en zu dem Herr» zum Ausdruck zu bringen. (Geschieht.) Ferner theilt der Präfident mit, daß et* Anttag eingegangen sei, welcher grundsätzlich die Famllienkrankenkaffen empfiehlt, aber vorläufig den Ausbau der bestehenden Kaffen wünscht. B e e r m a n n - Hamburg spricht gegen den Antrag bett, die HilfSkaffe für Stellenlose, da die Sesahr vorliege, daß man damit die Faulheit und Dummheit unterstützen werde. (Bravo!) Der Anttag Frankfurt wird zu Gunsten deS Kölner zurückgezogen. Reschke- BreSlau nimmt den Anttag Frankfurt wieder auf. W e i l b ä ch e r - Kempen beantragt, den Au- trag Frankfurt bis nach Klärung der Anstchte» über die Stellenlosenfrage zu vertagen. Opladen zieht seine* Antrag mit Rückficht hierauf zurück. Der A*trag Wetlbächer wird angenomme«. ES folgt die gemei*schaftliche Diskussion über Punkt 4 und 5. Antrag München will, daß nach Maß- gäbe bestimmter AuSführungSbestimmungeu Hilfs- kaffen für Stellenlose geschaffen werde« sollen. Sin Antrag Dortmund will Prüfung, ob die Unter- stützungSkaffe deS Verbandes zu einer Versicherung gegen Stellenlosigkeit auSgebaut werden oder ob sich die Neugründung einer solchen Versicherung empfehle; ferner soll derVrrband alljährlich einenBetrag für die zu errichtende Versicherung gegen Stellen- lofigkeit zurückzulege». Weilbächer-Kempm beanttagt, der Verband möge sich grundsätzlich für Errichtung einer Versicherung gegen Stellen- lofigkeit auSsprechen, de* einschlägige« A*- ttag Dortmund und München der Verbandsleitung zu überweisen, um in Verbindung mit de« beantragende» Berei» Erhebungen anzustelle« und die Resultate im BerbandSorgan zu publizirm. Held-Rege»Sburg will die Anttäge der sozialen Kommiffion in Verbindung mit der Verbands- leit«», überttagen. Nach eingehendem Referat der Herren Tenge, »ickhoff-Dortmund und Lauer-München »«d ausgedehnter DiSkuffion, bei der die Frage, ob fakultativ oder oküigatorisch, keine einheitliche Auffaffung sand, wurde der Anttag Weilbächer - Held angenomme». (Bravo!)
Der Präfident theilt mit, daß vom Kaiser folgendes Telegramm ei»gegangen ist (die An- wesende» erhebe« fich): »Se. Majestät der Kaffer «nd König laffe« für de» Ausdruck trauer Sr- aebrnheit danke». Auf Allerhöchste» Befehl i. V. v. Vakentnri." Der Präsident bringt ei« Hoch auf de« Kaiser aus, in das die Versammlung beg eistert einstimmt. Vom Hochwürdigste» Herr»
Berlin, 16. August 1902.
+ A-m Aräfidimrr im Kunde der Landnckritze. Nach Zeitungstelegramme» aus Danzig soll Kammerherr vo» ölbeebutfl* Januscha«, der Provinzialvorfitzeude desBimdes der Landwirthe in Westpreuße» und auchi »«• fitzender der weHmmßische» LandwirthschaftS-
meinen und der Fachbildung gerichtet seren. Diese Bestrebungen machten einen großen Theil des Programms deS Verbände- aus. „Wissen ist Macht" — das gelte auch vom Kaufmännischen Stande. Er kon- statire mit Genugthuung, daß der Mainzer Verein bezüglich der Fortbildungsschule den Intentionen der Behörden entzegengekommen sei. Er hoffe, daß die Jubelfeier für jeden Theilnehmer einen befriedigenden Verlauf nehmen werde. (Lebhafter Beifall.)
Hierauf begrüßt Oberbürgermeister Dr. Gaßner die Versammlung. Er daickte, daß man Mainz als Kongreßort für die Jubelfeier ausersehen habe, denn dies sei eine Ehre für Mainz und eine Auszeichnung der Bürgerschaft. Mainz verdiene daS allerdings, denn vor tausend Jahren habe es schon einen Namen gehabt als urbs nobilis et opulent», als Handelsstadt ersten Ranges. In Mainz habe sich der Main- und Rheinverkehr gekreuzt und den Rhein aufwärts habe fich über den Splügen die kaufmännische Sttaße nach Italien hingezogen. Der erste Kaufmann, der in der Geschichte einen Namen gehabt, sei ein Mainzer gewesen, nämlich Linffeld, der schon um 940 Handelsbeziehungen mit Konstantinopel gehabt habe. In Mainz habe immer ein solider strebsamer Handelsstand bestanden und bestehe noch, unterstützt von der Kammer und zielbewußten Vereinen. TW Bürgerschaft von Mainz erblicke in der Wahl von Mainz eine Auszeichnung; sie habe gern Besuch und kenne Gastfteundschaft! „Und wenn ein Mainzer Ihnen die Hand reicht, geben Sie ihm die Ihrige — er meint es ehrlich!" (Stürmisches Bravo!) Glückauf in Mainz! (Lebhafter Beifall, Händeklatschen.)
Namens des Vereins „Mainzer Kaufleute" wird durch Heim-Mainz dem Kath. Mainzer Vereine bezw. dem Verband eine Adresse überreicht; der mitteldeutsche Gauverband läßt durch den Verein Frankfurt a. M. dem Mainzer Verein eine Fahnenschleife überreichen, die sofort an der Mainzer Fahne befestigt wird. In schlichten, aber von Herzen kommenden Worten dankt der Präfident des Mainzer Vereins Herr Franz Reatz für den schönen Verlauf der Feier; er habe nicht vorgehabt zu reden, aber die Sympathien, die bekundet wurden, hätten ihn gezwungen, daS Wort zu ergreifen. In das von dem so verdienstvollen Herrn auf «den Landesfürsten, den Großherzog ausgebrachte Hoch stimmte die Versammlung begeistert ein. Nach Vortrag des „Todesritt von Mars-la-Tour" von Zöllner durch den Mainzer Sängerbund war der Festakt in der Stadthalle beendet.
Der Verband darf auch auf diese Feier wahrhaft stolz sein. Die norddeutschen Verbandsbrüder wird angesichts des herzlichen Empfangs durch die Behörden die Erinnerung schmerzlich berührt haben, daß Berlin im vorigen Jahre zu dieser Feier hinsichtlich der „offiziellen" Vertretung der Behörden ein betrübendes Pendant bildete. Nachmittags fand eine Rheinfahr nacht Bingen statt.
CPC. Mainz, be» 16. August 1902.
Der brttte Tag
würbe eiwgeleitet durch ein Requiem für die verstorbenen VrrüandSbrüber in bei St. Stephanus- kirche. Hm 9 Uhr wurden die Berathunge» fortgesetzt unb zwar beim Punkte: Sonntagsruhe. Referent Heckhause»-Barme« begründet eine« Antrag Barmen, welcher an be« Reichstag bar Ersuchen richtet, „bie ortsstatuarische Regelung bet Sonntagsruhe tm Handelsgewerbe für alle kaufmännische« Angestellten, die nicht zum Klein- handel gehöre«, aufzuhebe« und dafür die reichS- gesetzliche völlige Sonntagsruhe auSzuspreche«". Die dagegen gemachten Einwände seien nicht stichhaltig. Bedauerlich sei, daß die Ko»greMtio» älterer Herren im katholischen Köln gegen dieses Ziel seien. Er beantrage daher, über de» An- trag namentlich abzustimmen, um so den Katho- liziSmus gewisser Vereine zu bokumentire». In Elberfeld-Barmen sei bie Sonntagsruhe durch- «geführt; wen» dies in Jnbustriebezirken möglich sei, so sei eS doch an anbere« Orten ficher möglich. AuS bet Diskussion sei heivorgehobm, daß man bie Definition „Kleinhandel" den gesetz- geberische« Faktoren überlassen wolle. Weiß- mastel-Köln erklärt, daß Köln gegen die strikte SonntaDruhe sei. (Oh I) Er gönne gewiß gern den HMdlunaSgehllfe« die Sonntagsruhe, aber für einige Geschäfte wie Obstgeschäfte, Baumaterialiengeschäfte usw. sei bie Sonntagsruhe nicht durchführbar. In Köln sei «an mit dem Beschluß der Handelskammer, wonach an zwei Sonntage« iw Monat l1/* Stunden gearbeitet roetbe« müsse und an dem Leute aus dem eigene« Lager mstgewttkt hätten, zufMren. Die Bank, geschäfte könnten Sonntags geschloffen sein. Schmidt-Bingen entgegnet, der Verband könne fich nicht dar«« kümmern, warum man fich in KSl« festgefahren habe. Opladen-Köln! ist für strikte Durchführung der Sonntagsruhe und betont dem Vorredner gegenüber, daß also nicht behaWtet werden könne, daß daS Centrum in Köln die Karte verfahte« habe. Schneider- Kiefeld: Bei Durchführung hoher Kulturaufgaben würde« einzelne immer der Gefammthett Opfer zu bringen hab«. Et fei daher für die völlige Sonntagsruhe. Bick hoff-Dortmund hätte ge< wünscht, daß Ausnahmen überhaupt gemieden würde». Die Sache müsse einheitlich gemacht werde«. Sache der Soziale« Kommisfion sei eS, den Wirthen, die die Sonntagsruhe für fich ver-
29. Jahrgang.
Erzbischof Thomas vo« Freiburg ist folgendes eigenhändigesSchteiben eingegangen: „Eurer Hochwürde« bitte ich doch ganz ergebe»st, bei dem Festmahle für die silberne Jubelfeier der kaufmännischen kathol. Vereinigungen der Vermittler meiner herzlichsten Glückwünsche zu sei«. Diese katholische« l^ienvereinigungen find ganz offen- sichtlich Kinder der göttlichen Vorsehung und et« großer Trost in de« antireligiöse» Störunge» unsere Tage. Ich begleite Ihre Festfeier u»d Ihre Barathungen mit meinem Gebet und mei»em Segen." (Lrbh. Beifall.) ES folgen geschäftliche Angelegenheiten. Für de» Bericht bet Krank«- und Sterbekasse verweisen wir auf die ,Mer- kutia'. (Mittagspause.)
□ Eine wundersame Rede des Kriegsministers Andrö.
Der französische Kriegsminister Audrö hat in Villefranche eine wundersame Rede gehalle«.
Es handelte fich in dem genannten Orte um die Enthüllung eines Denkmals für bie Krieger von 1870.
„Wir wollen unsere Niederlage nicht verherrlichen" — sagte General Andrö. — „Wir kennen unb tragen noch heute unsere Folgen. Der Soldat, den das Denkmal darstellt, ist der Soldat bet Zukunft, der Frankreich seine materielle Größe wiedergeben wird. Er schuldet dem Lande, das zu vertheidigen er geschworen hat, aller, selbst dar Gpfer gewisser persönlicher Ueberzeugung«. Dieser Soldat der Zukunft wird der Rächer Frankreichs sein. Diesem Rächer bewahren wir unsere Palmen auf."
Rach der Feier der Denkmalsenthüllung fand ein Bankett statt, »nd dabei hielt Minister Andrä wiederum eine Rede. Er erwiderte auf mehrere Trinksprüche, namentlich auch auf einen Trink- spruch der Vertreter» von Belfort, und rieth darin der Stadt Belfort, „seine gloneiche Fahne von 1870 nicht früher heraurzutragen, bis an dem Tage, da das Vaterland alle seine Kinder zu den Waffen rufen werde".
Hätte bet französische Kriegsministet nut bei bem Gastmahle gesprochen, so hätte man beulen können, bet Sekt habe ihm baS Denkvermögen ei« wenig verwirrt. Aber erstens hat er schon gesprochen, bevor man fich zu Tische setzte unb zweitens ist seine Rebe auch geflissentlich unb planmäßig verbreitet worden; und man hat datum mit dieser Rede zu rechnen wie mit einet amtlichen Ministerkundgebung.
Man kann ja »im annehmen, baß bie Regierung deS Herrn CombeS bemüht fei, burch biefe Revanche-Töne bie Gemüther bet Offiziere sich geneigt zu machen, bie fich je länget desto mehr von ihr abwenbe«, unb überhaupt burch bie erneute Borfchiebung beS RevauchegedankenS bie öffentliche Aufmerksamkeit von bem Kulturkämpfe abzulenken, bet bem Ministerium EombeS sehr ernste Schwierigkeiten macht. Aber auch mtt solchen Annahmen bleibe« bie Worte Andres seht auffallenb u«b müssen unS von neuem als Mahnung bienen, nicht gar zu fest aufbiefrieb» liche Stimmung in Frankreich zu bauen. Wenn die Regierung in Paris glaubt, burch baS erneute Spielen mtt bet Revanche Stimmung für fich im Lande zu machen, muß fie fest davon überzeugt fein, daß noch starke Neigung zur Revanche vor- Händen ist, sonst würde dieses gefährliche Spiel ja gar keine« Zweck haben.
Möglicherweise klingt auS Andrö S Rede auch ein Aetget darüber heraus, daß zwischen dm Kaisem von Deutschland und Rußland ein steigend freundschaftlicher Verkehr sich anbahnt. Nach Mttthellunge« eines Berliner Lokalblattes, die dieses auS Petersburg erhaltm habe« will, hat diesmal, wähtmd der Tage von Reval, der Zar die bisher »och immer beobachtete Zurück- Haltung falle» gelaffen u»d fich verpflichtet, für die dauemde Aufrechterhaltung des Weltfriedens einzutrete« - die „Bürgschaft für diese Aufrecht- erhaltuna gegeben," heißt eS a» der betreffenden Stelle. Aber diese Bürgschaft ka«n doch auch der mächtigste Herrscher nicht leisten; auch er kan» nur thun, war eben In feine« Kräften steht. Sei dem, wie eS wolle, die europäische Diplo- matie wttd durch die Rede« t« Villefranche schwerlich in Aufregung gerathm.