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29. Jahrgang

Iul-a, Montag, bett 18. August 1902.

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Deutsches Reich

Engel' und Dämon

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Berlin, 16. August 1902.

< Die diesjährige Generalversamm« lu«z des DolKdvereirrs für Vs» katholische Peatschlaad wird wir aljährlich mit der Tagung der Generalversammlung der Katholike« verbündet? werden und findet statt am Diens­tag. den 26. August. Vormittags t/,10 Uhr, in der Festhallr zu Mannheim, in welcher auch die Generalversammlung der Katholiken tagen wird. Der Eintritt tst für jedermann frei. Den Jahresbericht des RoMoereins wird der Generalsekretär desselben erstatten lieber die apologetischen Aufgaben drS Vo kSoereins wird sprechen Herr Abgeordneter La »gerichts- rath Gröber, über dir sozialen Ausgaben Herr Abgeordneter Jnsttzralh Karl T imborn. Die Schlußansprache wird der badische Lande-- verirrter deS Volksorreins, Hutt er-Fr-iburg, halten. — Die Generalversammlung des Volks- verein- ist stet» überaus stark besucht. Im vorigen Jahre vermochte die große Osnabrücker Festhalle bei weitem nicht alle Theilnehmer zu fassen, so daß in einem zweite» Saale eine Par allelversammlang gehalten werden mußte. Auch in diesem Jahre darf wohl ms Baden und den benachbarten Landestheilen, in welchen an der Ausbreitung deS Volksoereins besonders im letzten Jahre reae gearbeitet worden ist, aus Württemberg, Nsich-Lothringen, der Pfalz, den hessischen Länder» und dem südlichen Rheinlande eine zahlreiche Betdeili. ung erwartet werde». Die Volksoereins - G nrraloersammlung ist auf de» Vormittag verlegt, damit die Th-ilnehmer Nachmittags oie öffentliche Versammlung deS Katholikentages besuchen könne«. Jene» Katho- ltkea, weiche nur an einem Tage in Mannheim sein können, möchten wir daher empfehle«, dafür

„Sie hat den jungen Menschen mit ihrer er­heuchelten Sittsamkeit bethört", rief eine dritte.

„Ja, er tst weniger schuld als str", so ur- thetlren am Ende sämmlliche Sei: eine bauten.

Sennora de Fontana hütete stch, ihnen zu widerspreche«. Er konnte bald eine Zeit kommen, wo ste de« Zeugnisse« ihrer Freundinnen gegen Martha bedurfte. Ein Brief au« Peru von Eins Diethelm mußte schon unterwegs sein. Freilich war derselbe nach P. adrcssirt, da Ernst beim Absenden derselben mch nicht wissen konnte, daß seine Gattin in Hamburg bei seiner schön.» Reise­gefährtin thrrn Wohnsitz genommen hatte. Aber der alte Diethelm würde ihr das Schreiben so­gleich zusendcn, und dann wir sie ja vrrr sichtet, da Martha nicht mehr anreieab war, dasselbe zu beantworten und ihm dir Schande mitznthetlen, die Martha über ihn gebracht hatte. Ihre Freundinnen sollten dar Geschehene bestätigen.

E« verging nur eine Woche, da traf schon ein Brief ar.» P., von dem alten Herrn Diethelm an st« gesendet, bä ihr ein. Ein Bries von En. st an Martha war demselben beigrfügt. D..S Schreiben war offen Der Greis h:tte es erbrochen, da es nichts enthalten konnte, was er nicht w ssen durfte.

Sennora de Fontana las den Brief, der die höchste Zärtlichkeit alhmcte, anfangs mit vor Wut > funltlnben Augen. Als sie aber mit dem Lesen zu Ende war, flog ein Lächeln des Triumphes über ihr Antlitz.

„Wie jetzt an sein Weib, so wird er später auch an mich schreiben", murmelte sie,.„so über­schwänglich er sie lobt, wird er mich loben, erfährt er, was ich für seine Mutter und für sein Kind grthan habe. Nach zwei Jahren werde ich ihn

„Welche Schmach!" rief sie, das Papier den Händen der Dienerin entreißend und e« zusammen- drückend. „Wie hat die Eiende mich getäuscht. Ich hätte mein Leben für ihre Reinheit, für ihre -Unschuld hingegeben und ste — sie —"

Sie stockte einige Augenblicke und fuhr bann mit gesteigertem Zorne fort:

„Mich so zu hintergehen, ihren Gatten, den ebelsten Mann, ben ich auf Erben kenne, so nichts­würdig zu betrügen, ihr Kind, den holden Engel, zu verlassen und ihrem Geliebten zu folgen, das ist mehr als ich ertragen kann. Mein Vetter ist nicht minder strafbar. Mag Gott sie richten, ich werbe sie nicht verfolgen lassen!"

„Sie beugte sich über die Wiege, nahm das weinende Kind auf den Arm und drückte es an ihre Brust."

„Armes Kind", sagte sie, „Deine Mutter bat Dich verlassen, aber ich werd? für Dich sorge»!

Sie hieß die Mädchen das Zimmer verschließen und trug da« Kind, e« vor den Augen der Diere- tinnen mit Küssen bedeckend, hinunter tn's Wohn­zimmer. . „ , , ,,

Die Dienerinnen thaten, rote ihnen besohlen war, und begaben sich dann gleichfalls »ach unten.

Sennora de Fontana übergab dar Kind der Sorgfalt der Mädchen. Sie ließ eine Droschke boten und fuhr aus, um dem verlassenen Knaben eine Wärterin zu verschaffet:.

Roman von Johann Marin».

------ (Nachdruck verboten.)

Eine Vermirtherin von Dienstboten wurde leicht von ihr gesunden, und ehe noch eine Stunde vergangen war, befand sich eine junge Bäuerin im Hause der Sennora, zur Pflege be« zarten Kinde«.

Au demselben Tage, an dem Martha'« Flucht stattgefunden, besuchte Gabriele be Fontana noch verschiedene ihrer rvohlthätigm Freundinnen. In höchster Aufregung trat sie zu jeder derselben etr.

„Um« HimmetSwillen theure Freundin, was ist vorgefallen?" ii?f man ihr entgegen, „Sie zittern, Sie sind außer sich. Ist Jemand in Ihrem Hause gestorben?"

Die Arglistige nickte semzend.

„O, wäre e« nur der leibliche Tod, ich würde mich fassen und in den Willen be« Allmächtigen ergeben", sagte ste. „Aber es ist mir eine Seele verloren gegangen, die nicht wieder zu gewinnen ist."

Und nun erzählte sie in abgebrochenen Sätzen, in welcher entsetzlichen, schamlosen We.se sie von Martha und ihrem Cousin hiutergangen wor­den seil

Sämmttiche Damen brachen über Martha ben Stab und stimmten in dem Urtheil überein, daß die Frau, deren Tugend sie noch vor Kurzem ge­priesen hatten, den jungen Amerikaner durch ihre Verführungskünste umgarnt habe. Alle bezeigten Gabriele ihre Theilnahme und waren darin emfg, daß sie ihre Freundschaft an eine Unwürdige ver­schwendet habe.

„Ich habe oft bemerkt", sagte eine der Damen zu der Sennora, „daß die junge Frau Diethelm Ihren Cousin mit herausfordernden Blicken ansah "

„Ich sab sie »ft erröthen", vers.tzte eine zweite, „wenn der junge Mann in« Ammer trat."

den Dienstag zu wählen Von mehrere» Orte« sind auch für diesen Tag Sxtrazüge ge­plant.

X Noch chi«ige, vom Kaiser-Tele­gramm. Das offiziöse Drahtbureau suchte de» Anschein zu erwecken, als habe es die Weisung zur Veröffentlichung de« Depeschenwechsel« zwischen dem Kaiser und dem Prinzregenten Luitpold aus München erhalte». Von Anfang a» find in der Presse Zweifel darüber ausze- sprachen worden, ob dies sich wirklich so ver­halte. J-tzt bringt die .Augsburger Abend­zeitung' die ganz bestimmt gehaltene Meldung, daß die Veröffentlichung des Depescheuwechsels „von Berlin aus ohne weiteres Einvernehmen mit München erfolgt sei". Es wird i» dieser Münchener Mittheilung des genannten Blattes »och ausdrücklich hinzugefügt, daß von München aus jede Mtttheilung an die Preffe vermieden worden fei, da man die Sache als eine persön­liche Angelegenheit der beiden So"veräne be­trachte u. s. w." Rar ausgedrückt: I« München wußte man, daß die Veröffentlichung nicht empfeblenSwerth war, in Berlin aber kümmerte mau sich darum nicht.

X Kremer WafferSaate«. Die freie Hansastadt Bremen plant neue große Wasser­bauten, die allein ar. Grunderwerb «ach dem »un­mehr fertig gestellten Anschläge 3 650 000 Mark verlangen und etwa IS1/* Millionen in ihrer Ausführung kosten sollen. Es handelt stch in der Hauptsache um einen Kanal zur Verbindung der Oberweser und der Unterweser; aber das Merkwürdige ist dabei, daß der ganze Plan auf der Grundlage der Ausführung des Mtttelland- KanalS aufgebaut ist. Die Bremer Herren würden also gut und klug daran thun, mit der Aus­führung ihres Planes bis zur Genehmigung des Mittelland-KanalS im preußischen Landtage zu warten. Daß aeraüe für die einzelne Stadt Bremen solche Wasserbauten von großem Vor- theil sein mög-ir ist ohne Zweifel richtig. Auch der Kanal vom Rheine bis nach Dortmund könnte bereits vom preußischen Landtage genehmigt und auch schon in Ar-cmff genommen fein, wenn die preußisch? Staarsreaierunq nicht in unbegreiflichem Eigensinn gegen oiefe Theilbewilligung sich hart­näckig gesträubt hätte. Aus dieses Tbellstück kommt es gerade für Bremen an. Die Bremer können sich also bei der preußischen Staatsregie- runq dafür bedanken, daß nicht aller nach ihren Wünschen geht.

X Nie Stichwahl int Wahlkreisegerlm Sach Iorchheim soll am 22. August stattfinden, also ziemlich kurz nach der Hauptwahl. Man kann nur wünschen, daß die Zeiträume zwischen Hauptwahl und Stichwahl niemals allzu lang bemtffen werden möchten. — Wie diese Stich­wahl ausfaüen wird, ist schwer vorauszusagen, vorläufig sogar unmöglich, so lange man nicht weiß, wie die Wähler des Bundes der Land- wirthe stch verhalten werden. Eines steht am schon heute fest: das „Bündniß der Liberalen" hat eine jammervolle Niederlage erlitten. Bet der Hauptwahl i. I. 1898 wurden 6045 national- liberale und außerdem noch 3228 freisinnige Stimmen abgegeben. Diesmal bringt es ganz augenscheinlich — das amtliche Wahlergebniß

mit (kn Beilagen

Ulustrirte Sonntags •Zeitung”, „Fuldaer (fesdMtsblätter* und Eotlene-risfe

al« die übrigen christlichen Bekenntnisse, al« ein Sakrament und al« völlig untrennbar? Wenn nicht, läßt er sich vielleicht von einem bchulkinde darüber belehren.

Im übrigen wird in der Mittheilung gerade da« hervorgehoben, was die voraufgegangenen Vertheidigungsversuche abzuleugnen versuchten: daß nämlich die Heirath den Grund m der Verabschiedung Löhning'« abgab — die Heirath also mit der „Tochter be« Feldwebel«". Und da hier ausdrücklich der Finanzminister als Ur­heber der Verabschiedung genannt wird, sollte mm auch endlich der Finanzminister dafür Sorge tragen, daß die öffentliche Meinung in ausführlicher zuverlässiger Weise über diesen un­leidlichen Fall aufgeklärt würde.

Der widerwärtige Kastengeist, der auch in dieser Zuschrift be« .Reichsboten' sich breit macht, könnte sonst wirklich angesehen werben al« eine Geschmacksrichtung, die von der preußischen Re­gierung nicht mir geduldet, sondern sogar beschützt und gesördert wirb. Unb einen solchen Verbacht sollte die preußische Staatrrrgierung auf keinen Fall auf sich fitzen lassen.

G Zum Fall Löhuiug.

I» dem konservativen Berliner »Reichsboten' ist eine Mtttheilung erschienen, die aus Posen stammt und den Zweck hat, die Verabschiedung des Provinzialsteuerdirrktors Löhning zu oer- theidige».

Herr Löhning — so heißt eS darin — ist 58 Jahre alt und besitzt aus seiner erste» Ehe eine mindestens 30jährige Tochter, die ihm den Haushalt führte. Bei dieser Sachlage mußte die Art und Weise, i* welcher der an der Schwelle des Gretsenalters stehende Mann nach dem Tode seiner zweite« Frau in den letzten Wintern aus der Schlittschuhbahn und auch in Gesellschaften junge», wohlgebildete» Mädchen dm Hof zu machen pflegte, Lächeln und Kopfschüttei» hervor- rufe». Noch mehr Befremden erregte es, als allmählich die Art des Verkehrs des Herrn Löhning in dem hiesigen Verein deutscher Katho­liken bekannt wurde. Nicht als ob man es ihm verdacht hätte, daß er die Vergnügungen dieses überwiegend aus SubalterRbeamten, Volksschul- lehrern und kleinbürgerlichen Familien bestehenden Vereins überhaupt besuchte. 8ßd» die Art, in welcher der bald sechLzigjährige Mann dort mit hübschen Töchter» dieser Fam.lirn bis in die Macht hinein tanzte, wurde als mit den Rück­sichten, die et feint m Amte und feisern Alter schuldete, nicht verträglich empfunden ... Wer nach deutscher Art eine höhere Vorstellung von dem Wesen der Ehe hat, als gewiffr römische Moralthrologen, der kann eS nur als guten Eilten zuwiderlaufend ansehe», wenn ei» Mann in de» Jahren drS Herrn Löhning aus sehr durchsichtigen Beweggründen sich nicht scheut, 'feinet fein gebildeten dreißigjährige« Tochter in der Person eines hübsche» jungen Mädchens von 22 Jahren, das keinerlei höhere Bildung b. sitzt, eine dritte Mutter und Hausfrau zuzuführen. Es unterliegt mcht dem geringsten Zweifel, daß »ach dem allgemeinen Bekanntwerde» dieser Ver­lobung Herr Löhning bei dem ganz überwiegen- den Theil der deutschen Bevölkerung Posens . . nicht mehr die Achtung, das Ansehen und das Vertraue» besaß, die feine Stellung als Chef einer Provinzialbrhörde «forderte. Hieraus er­gab sich tüt den Finanzminister die unaus­bleibliche Nothwendizkeit eines disziplinären Ein­schreitens . . .

So wett die Zuschrift in dem genannten Blatte.

Die Wendung vou bet Vorstellung römischer Moraltheologen über da« Wesen der Ehe möge hier einstwetten auf sich beruhen. Dak Blatt, in dem die Mcktheilung steht, unb diese Wendung lassen beinahe darauf schließen, daß ein Eiferer von der Achtung be« Evangelischen Bunde« hier laut geworden ist. Unter diesem Gesichtswinkel versteht man auch die feindselige Gesinnung des Verfasser» gegen ben Verein beutscher Katholiken in Posen. Ist e« dem Herrn vielleicht unMannt, daß die „Römischen" die Ehe weit höher auff affen,

ehlt noch! — der nationalliberale Kandidat fader im ganzen genommen auf nicht mehr als 4000 Stimmen, obwohl die Nationalliberalen und die Freisinnigen aemeinschaftlich für ihn ein« fetteten sind. Höchst wahrscheinlich sind viele ;bernle Wähl' t daheim geblieben, weil ihnen tiefes Bündniß wider ben Strich ging. Was öll aber auch ein freisinniger Wähler sagen, wenn seine Preffe unaufhörlich gegen die Herr« chende Zollpolitik donnert, sei Parteivorstand ihm rber plötzlich vorschreibt, einen Mann zu wählen, )er auf dem entgegengesetzten Standpunkte steht? Die Stimmenzahl der Sozialdemokiatie scheint ich kaum verändert zu haben. Von Bedeutung st die große Stimmenzahl, die der Bund der Zandwirthe bei seinem ersten Auftreten in diesem Wahlkreise erlangt hat. Die Stimmen deS Erntrums find annähernd dieselben geblieben.

+ Ans de« Hstmarlle«. Jetzt erfährt man au« den ,Berl. Pol. Rachr/, was eigemlich gemeint war mit ben Andeutungen über bis Domänenpächter in den preußischen Ostmarken: nfolge de« Ankäufe» von Rittergütern burch bie Anfiebelmigrkommission gehen Virilstimmen für bie Kreistag« verloren. Deswegen will bie Re­gierung den preußischen Landtage gesetzgeberische Vorschläge machen über die Aenderunz der gelten­den Bestlmmunger:: im Kerne also Verleihung von Stimmrechten an bie Domänenpächter.

4- Sozialdemokratie und preußische Laudlagsmahke«. Die angekündigte Obstruktion der Sozialdemokratie gegen das Zustandekommen der nächsten Neuwahlen zum preußischen Abge« ordnetenhause soll in 115 Wahlkreisen versucht werden. Es handelt stch dabei um 51 liberale Mandate, von denen 22 den Nrtionallibetalen, 22 der freisinnigen Voikspartei und sieben bet freisinnigen Vereinigung an gehören, außerdem um 26 Abgeordnete rom Centrum, 24 konservative und 12 fre konservative Mandate. Das beab­sichtigte Wadlmanöoer der Herren „Genoffen" richtet sich also in erster Reihe gegen den Libe­ralismus — eine kostbare Antwort auf die jämmerliche Stimmenbettelei, die die Freisinnigen in Preußen seit einer Reihe von Jahren bei den Sozialdemokraten betreiben!

+ Der Zolltarif in der zienrtheilnng feiner Gegner. Die liberale» Gegner eines zeitgemäßen und wirksamen Zsllschutzes für un­sere heimischen Erzeugnisse lassin ihre Ansichten mit Vorliebe durch die.Korrespondenz des Han- delSoertrags-VeretnS' verkünden. Dieses Freihan­dels Organ schreibt nun in seiner letzten Nummer:

„Die zweite Lesung wird sich zi-mlich glatt vollziehen. Herr o. Vollmar war wohl etwas außer Verbindung mit seiner eigenen Fraktion, als et in München verkündete, auch die zweite Lesung (des Zolltarif'Entwurfes in der Kom­mission) werde 100 Sitzungen in Anspruch nehme». Wie man hört, besteht bei den Geg­nern des Zolltarifes ziemlich allgemein der Will-, die zweite Lesung ziemlich rasch vorübergehen zu Uff en. Fast alles, was sachlich im engen Kreise zu sagen war, ist in bet ersten Lesung gesagt worden, an Obstruktion denkt man nicht. Mau wünscht geradezu, daß das Volk mög­lichst bald Gelegenheit bekomme, durch die Ver­handlungen im vollen Lichte des Plenums sich

Wiedersehen. Br« dahin wirb er seinen Schmerz Übet bie Untreue seine« Weibe« bekämpft unb längst bie Scheidung von ihr erwirkt haben. Ihn vollends zu trösten, »st bar.n meine Aufgabe. Da« verstehe ich. Vergießt er noch Thränen um bie Verlorene, so werbe ich mit ihm »einer, bis seine Augen wieber hell werden. Er wird Mb ffnbe*, daß ich an Schönheit unb Geiste seine erste Gattin übertreffe, und in meinen Armen dar Glück seiner Zukunft suchen."

Die Antwort, die sie dem jungen Kaufmann fenben wollte, beburfte sorgfältiger Ueberlegung. Erst nach einigen Tagen ergriff sie bie Feder. Der Brief, ben sie schrieb, enthielt viele, viele Seiten unb wurde mit erstaunlicher Schlauheit entworfen. Sie g: ff darin noch einmal in die Vergangenheit zurück, erzählte ihm, wie sie am Krankenbette seiner iheuren Mutter gewacht, wie sie Martha mit Rücksicht auf deren Gtsundheit zu sich gerommen, wie innig sie seinen Knaben liebe, welch ein glückliches Leben sie eine geraume Zeit mit Martha geführt, bl« dann endlich, wie ein ; Blitz au« heiterem Himmel, die entsetzliche Kata­strophe eingetreten sei, bie blefe» Glück für immer zerstört habe. Sie war so klug, Martha nicht : gänzlich zu verdammen, jo, sie suchte da« Ver« । gehen derselben mit ihrer unerfahrenen Jugend und der Schönheit unb den Verführ ungekünstelt i der Manner, mit dem sie entflohen, zu entschuldigen unb flehte ihn an, derjenigen, bie er so zärtlich geliebt, zu ve> zeihen. Sie fügte endlich hinzu, baß bet kleine Ernst seine Multer nicht vrrmtffen sollte : unb ste für ihn wie für ihr eigenes Kinb Sorge । tragen würbe. Damit aber Ernst den Inhalt i ihres Briefe« nicht bezroeif-.ln konnte, mußten die

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