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M 187.

Zum 17. August.

«VN H. Eltester.Fulda.

Selten hatte Fulda ein so schönes Festgewand angelegt, wie heute vor 60 Jahren! Galt es doch voraufgegangrnen Mühen und Kämpfen einen feierlichen Abschluß zu geben, nämlich das feit Jahren fehnlichst erhoffte Bonifatius-Denk- mal zu enthüllen! Nrch dem Höchsten Orts ge­nehmigten Festprogramm war die Feier auf Mitt­woch den 17. August 1842 festgesetzt.

Schon am frühen Morgen verkündeten Kanonen­salven den Beginn der Feier. Das Wetter war heiter und warm und so kam es, daß die Theil- nähme der Einwohner und der Zufluß Fremder ganz gewaltig war.

Se. Hoheit der Kurprinz und Mitreger t von Heffen, auf dessen Erscheinen beim Feste gerechnet war, hatte in einem an den damaligen Ober­bürgermeister Mackenrodt gerichteten Schreiben zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen, daß et an der Teilnahme verhindert sei.

Um 9 Uhr war der Hochwürdigstr Bischof von Fulda, Johann Leonard, in der Domkirche er­schienen, wo sich bereits die städtischen und viele Landgeistlichen, Militär- und Civtlbehörden, sowie viele Teilnehmer an der Feier versammelt hatten.

Während der Herr Bischof seine Pontifikal- kleidung anlegte, sang die Schuljugend in dem Chore der Kirche ein besonder« verfaßtes Lied, worauf der Herr Bischof vor de« Hochaltars da» „Veni creator* anstimmte, da» von der Gemeinde fortgesetzt wurde.

Hierauf begann sich unter dem Läuten der Osanna-Glocke und Gesang der Festzug zu sor- mire», der dann die Hauptstraßen der Stadt (Kanal-, Karl-, Markt- und Friedrichstraße) durch­zog, wobei die Bürgergarde die Ordnung aufrecht hielt. In dem Zuge selbst befand stch der Künstler, Professor Henschel, begleitet von dm Herren der damaligen Ausschusses, nämlich Obermedizinal-Rath Dr. Schneider und Oberbürgermeister Mackenrodt. Stadtvorstand Rath Kepler, welcher ebenfalls dem Ausschuß angehörte, war e» nicht mehr vergönnt ge oesen, der Enthüllung beizuwohne«. Hatten doch die Vorarbeiten nicht weniger al« 14 Jahre gewährt. Am 30. März 1828 »ar der erste Aufruf zur Sammlung von Geldbeiträgen an dis Bewohner Buchenlaud», an alle Hessen, Thüringer, Sachsen und säwmtliche Deutschen erfolgt, am 17. August 1842 erst konnte da« Denkmal enthüllt werden. Rath Kepler war verstorben; Medizinal- Rath Dr. Schneider war Obermedizinal-Rath und der Stadtsekretär Mackenrodt inzwischen Ober­bürgermeister geworden.

Doch kehre« w'r wieder zu dem Festzuge zurück. Al§ dieser am Denkmale Aufstellung genommen hatte, gab der Hoch». Herr Bischof von einem erhöhte« Platze au« da« Zeichen zur Enthüllung. Sogleich ertönten alle Glocken und Kanonensalve« verkündete«, daß dir Hülle gefallen war. Hier­auf fand die Weihs- de« Denkmal« nach kirchlichem Gebrauche statt, welcher die Festrede des Hoch«. Henn Bischof« folgte. Im Dome schloß dann da« Te Deum die Feierlichkeit. B« allen Orte« der Stadt fanden Festeffen statt, am Abend war große Illumination, wobei da? Denkmal beson­der« sest.ich beleuchtet wurde.

So hatte Fulda ei« neue# Andenken an den Man», dessen apostolischem Eifer ei seine Grün­dung zu. verdanken hat — ein Denkmal heimi­scher Kunst, eine Zierde der Stadt, ein Wahr­zeichen 6ei Kampfe« christliche« Glauben« gegen heidnische Umnachtung. So wie unsere Vorfahren es nach schweren Mühen fettig stellten, so sehen wir es heute noch stehen — doch halt, fertig ge­fielt ist ei eben nicht!

Der kleinliche, engherzige Krämerstnn bet da­maligen Zeit hatte für alles, was deutsch hieß, wenig Vrrständniß. (Bin Apostel™ Germanorum, d. h. ein MisfionSprediger, der de» deutsche« Völkern da« Evangelium gebracht hatte, hatte wenig Interesse gefunden. Trotz vierzehnjäh­rigen mühevollen Sammelns, wobei übrigen« ge­krönte Häupter die größte» Summen gespendet hatte», war e« nicht gelungen, die gesommten Kesten für de» Künstler zusammenzubringe». Schwere» Herzen« mußte dieser daher sein Werk »»vollendet bet Oeffentlichkeit übergeben. Meister Henschel ist dahingegange», ohne den vollen Dank für sein Werk zu erhalten. Sollte es da nicht wenigsten« Pflicht der Nachwelt fein, da« Werk im Sinne Henschel'« endlich zu vollende» ? Der Künstler wollte durch vier Sock-.l-Relies« seine Auffassung in der Darstellung Winfrieds erklären, er wollte durch die Bilder auf den Bronzetafeln das Leben und Wirken des Apostels dem Ber- ständniß des Volke« näher gerückt wissen, damit

Iuköa, Samstag,

die durch die Statue geschaffene Darstellung Win« flieh« besser verstände» wird.

Auf Sockel-Reliefs sollte dem Beschauer vor- geführt »erde», wie Winfried in Deutschland an­kam, wie er bei Geismar die dem heidnischen Donner­gotte geweihte Eiche fällte, wie er den «rund zu einem Gotteshause legte und dann als Opfer seiner Mission den Martyrertod fand — kurz, alle« Ereignisse seiner Thätigkeit als Apostel, au« seinem Wirken unter den Heiden, deren er mit dem roh zusammengefügten Kreuze in der Rechten, dem ungeordneten Haare und dem einfachen Ge­wand entgegentrltt und ihnen zuruft: Laßt ab vom Unglauben, folget dem Kreuze! So zeigt ihn das Denkmal, durch die Sockel-Reliefs wollte der Künstler diese Auffassung erklären. Diese Relief« fehle»!

Wohl wäre die schöne Idee Meister Henschels der Vergessenheit anheimgefalle», wen« nicht rechtzeitig ei» Mahner erstanden wäre. In seinem Buche: „Werner Henschel — ein Meister bet Romantik" weist Dr. Gerland auf diese« Mangel unseres schönen Denkmals hin. Mahnend erhebt er seine Stimme — noch sind die Relief« erholten —, noch ist es Zeit, sie anzubringen. Auch der letzte Schüler Henschels, ein hoch­bejahrter Meister, weilt unter uns, um die Modelle, wie sie zum Guß erforderlich strd, her- zufielle?!.

Scharr einmal in diesem Jahre ertönte der Ruf, die Mahnung Otto Grrlands nicht ur> gehört zu lassen. Mit R-cht wohl ist zu hoffen, daß nicht wie weiland vor 60 Jahren jedes gemein­same Werk durch kleinlichen Zwiespalt scheitert. Mit Recht ist wohl Heuer von deutschem Kunst- stn» mehr zu ereatter, als zu unserer Väter Zeiten, und so mag der heutige 60. Jahrestag der Enthüllung des Bonifatius-Denkmals nicht vorübergehen, ohnefestzustelle», daß die Vollendung des Denkmals bevorsteht. Unter dem Ehren- vorfitz der Hoch«. Herrn Bischofs Adalbertus bat sich ein Ausschuß gebildet, der sich die künstlerisch« Vollendung de« Denkmal? zur Aus- gäbe xemückt hat. Die vier Reliefs si o bereits beft-Lt. Dir Umgebung des Denk als wird unter Fortfall de« ohnehin schon le'chädigten Gitter« wesentlich verschönert. Durch - nchherzige Spenden Einzelner ist bereit« die Hälft" der et« forderlichen Summe zusammengebracht. Möge es dem Ausschuß zur Vollendung des Denkmals vergönnt sein, nicht vergeblich an die Thür derer zu klopfen, die zu den Reiche» dieser Welt ge­hören, um auch noch de» Rest der erforderlichen Summe zusammenzubringe»! Hoffentlich bringt dann da« kommende Frühjahr eine Nachfeier zu dem Feste, welches die Väter und Großväter heute vor 60 Jahren feierten!

Mochen-Rrrndschair.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, .16 August 1902.

Der Kaiser ist am Montag von seiner Fahrt nach den russischen Gewässern zurückgekehrt, mit ihm der.Reichskanzler Gras Bülow. Eine halbamtliche Kundgebung spricht sich über den Besuch des Kaisers beim Zaren mit folgenden Worten aus:

Der Gegenbesuch, den Kaiser Wilhelm dem Zaren auf der Rhede von Reval abgestattet hat, ist durchaus harmonisch und zufriedenstellend ver­laufen. Nicht nur die Herrscher, sondern auch die leitenden Staatsmänner Deutschlands und Rußlands haben Gelegenheit zu intimer Aus­sprache und Annäherung gehabt, und man darf ohne jeden Ueberschwang sich der Hoffnung hin­geben, daß die Zusammenkunft den beider­seitigen Beziehungen und dem Weltfrieden nütz­lich gewesen ist . . .

Zusammenkünfte von Monarchen darf man in ihrer Wirkung nicht überschätzen. Aber dieser Auffassung, wie sie hier durch die vorher angeführten Worte kund gethan werden, kann man ohne Weiteres beipflichten.

Bei den voraufgegangenen falschen Autstreuungen über den Dreibund ist mehrfach mit sichtbarer Ge- flissentlichkeit Rumänien genannt worden als ein Anhängsel des Dreibundes, das mit einbezogen sein sollte in die strategischen Dreibundspläne. Neuerdings ist behauptet worden, Rumänien habe wenigstens ganz bestimmte militärische Verabredungen mit Oesterreich-Ungarn. Der König von Rumänien weilte kürzlich in Wien und Ischl, und dabei sollten solche Fragen auf'S neue besprochen und entschieden worden fein. Der wiederum falschen Meldung folgte ober auch wiederum die Berichtigung aus dem Fuße: Da« .Wiener Fremdenblatt', daS Organ des Aus­wärtigen Amtes in Wien, verwies diese Erzählungen über angebliche Militärvereinbarungen zwischen Oester­reich und Rumänien al-bald „in die Kategorie der müßigen Kombinationen der Hochsonnnerzeit".

Der Zolltarif hat die erste Lesung in der Kommission des Reichstages nunmehr durchgemacht. 102 Sitzungen sind nothwendig gewesen, um diese erste Lesung zu bewältigen; eS würden weit weniger Sitzungen genügt haben, wenn e» immer in der Kommission so zugegangen wäre, wie in der letzten Zeit. Allerdings find auch die Zollsätze der letzten Abschnitte deS Entwurfes fast unverändert nach den Vorschlägen des BundeSratheS angenommen worden.

den 16. August 1902.____________

Die zweite Lesung soll am 16. September beginnen. In der Zwischenzeit werden vermuthlich innerhalb einzelner Parteien Auseinandersetzungen über die weitere Behandlung der Zollfrage stattfinden. Konser­vative Blätter haben bis in die neueste Zeit hinein an der Hoffnung festgehalten, die verbündeten Regie­rungen würden in der Festsetzung der Einfuhrzölle für Vieh und Getreide der Mehrheit entgegenkommen und auf diese Weise eine Verständigung herbeisühren. Staatssekretär Graf Posadowsky hat nun freilich ge­sagt, die Regierung habe für die zweite Lesung in der Kommission noch viele Erklärungen sich vor ge­nommen zu dem Kompromisse zwischen Industrie und Landwirthschaft. Aber welchen Sinn diese Erklärungen etwa haben könnten, ist auch nicht entfernt zu ber« muthen. Nur das ist klar, daß ohne ein solches Entgegenkommen der Verbündeten Regierungen eine Verständigung über den Zolltarif unmöglich ist; denn die Getreidezölle des Regierungsentwurfes haben in ihrer ursprünglichen Fassung keine Aussicht auf Annahme.

Die bayerische Ministerkrise ist beendet: Herr von Landmann ist aus dem Kultusministerium nunmehr endgiltig ausgeschieden, und daraus ist die Ernennung des Freiherrn von Podewils zum Kultus­minister in amtlicher Form erfolgt. Gleichzeitig haben nun auch die Würzburger Professoren ihre Antwort von der Staatsregierung erhalten: Das Verhalten des Rektors und des Senates der Würz­burger Universität gegen den Kultusminister v. Land­mann hat ihnen die ernstliche Mißbilligung der Regierung zugezogen. Ihre liberalen Freunde jubelten erst, als Herr« von Landmann der Minister­stuhl vor die Thür gesetzt wurde; auf einmal ist nun ihr Jubel arg abgekühlt worden, und die Würzburger Professoren haben erwünschte Gelegenheit erhalten, Betrachtungen darüber anzustellen, daß Luch sie nicht dazu berufen sind, die Rolle einer Nebenregierung im Königreiche Bayern zu spielen.

Nach einer Tagung von länger als zehn Monaten ist nun auch der bayerische Landtag geschlossen worden. Von den vielen und wichtigen Arbeiten des Landtages sind namentlich hervorzuheben das Gesetz über die Schuldotation, und die Gesetze über die Zwangserziehung, die Ausbesserung der Geistlichen und die Entschließung über die Aenderung des Land­tagswahlrechtes. Ob diese letztgenannte Reform zu Stande kommen wird, kann sich erst im Laufe der nächsten Tagung zeigen. Daß die bayerische Staats­regierung bereit ist, eine Aenderung in diesem Sinne vorzunehmen, hat Ministerpräsident Gras Crailsheim ausdrücklich erklärt.

Dieselbe Wahlrechtsfrage wirft auch ihre Schatten voraus auf den nächsten sozialdemokratischen Parteitag, der bekanntlich in München abgehalten werden soll. Nun hatte eS des Obergenossen Bebel allerhöchstes Mißfallen erregt, daß die Sozialdemo, traten in der bayerischen Abgeordnetenkammer mit für die Entschließung zu Gunsten einer Aenderung des Wahlrechtes gestimmt haben. Nach Bebels Ansicht sollten sich Sozialdemokraten an derlei gar nicht be­theiligen. Aber ein Parteitag der bayerischen Sozial­demokratie, der bald danach in Ludwigshafen abge­halten wurde, stellte sich vollkommen auf die Seite der bayerischen Kammergenossen, und ganz neuerdings hat sich eine sozialdemokratische Wählerversammlung in München wiederum einstimmig zu Gunsten der Haltung ihrer Abgeordneten ausgesprochen. Herr von Vollmar tritt also auf dem bevorstehenden Parteitage mit einer festgeschlossenen Schaar von Anhängern Herrn Bebel und seinen Trabanten entgegen. Die Sache kann interessant werden, wenn sie nicht etwa wieder hinter verschlossenen Thüren abgehandelt werden sollte.

In Baden tobt der Klostersturm unentwegt weiter — gegen die Klöster, die gar nicht da sind. Aber es könnten doch am Ende Klosterniederlassungen gestattet werden, und das jagt den Liberalen heillose Angst ein. Auch die Professoren der drei badischen Hochschulen haben dem Großherzoge eine Kundgebung unterbreitet, in der sie bitten, keine Männerklöster zu gestatten, weil sie — die Professoren — sonst „ernst­hafte Besorgnisse für das öffentliche Leben hegen". Wie schwach muß eS mit den Standpunkten dieser Herren bestellt sein, daß sie den Boden, auf dem sie mit ihren Anschauungen stehen, erschüttert fühlen allein durch die Möglichkeit, daß im Großherzogthum Baden in absehbarer Zeit einmal Männerklöster errichtet werden könnten!

Eine interessante Aeußerung der Königs Georg von Sachsen machte in diesen Tagen dir Runde durch di: Presse. Die Räthe deS Königs legten ihm einige Erlasse zur Vollziehung vor, Die er »bznändern für nöthig hielt. Dies wurde aber für unmöglich er- klärt, well die Erlasse schon inS Land gegangen, ja sogar bei den amtlichen Blättern schon im Drucke seien. Darauf hat König Georg seine ernsthafte Miß­billigung ausgesprochen. Er hat den Räthen ein für allemal erklärt, daß daS nie mehr vorkommen dürfe, denn er wolle nie und nimmer als bloßer Jasager seinen Namen unter die Arbeiten seiner Räthe setzen, sondern selbst die Entscheidung treffen in allen wichtigen Fragen.

Rudolf v. Bennigsen ist auf seinem Familien- Sute Bennigsen am 8. August gestorben. Der Ver- orbene hat ein Alter von 78 Jahren erreicht. Mit ihm ist der letzte der drei PoMker und Parlamentarier hingegange», die Preuh» mit der Annexion deS Königreiche« Hannover überkommen hat. Zuerst von den Dreien starb Windthorst. Ihm folgte Johannes von Miquel. Nun ist auch Rudolf von Bennigsen heimgegangen. Er war ein Liberaler vom Scheitel bi« zur Sohle; und als solcher hat er viel dazu bei­getragen, das Zedlitz'sche Bolksschulgesetz zum Falle zu bringen. Aber da« muß rühmend anerkannt wer­den, daß er kein Freund der unaufhörlichen kultur- kämpferischen Klopffechterei war. Rudolf v. Bennigsen !

29. Jahrgang.

hatte sich bekanntlich bereits vor vier Jahren auS dem parlamentarischen Leben zurückgezogen.

Der Ausstand der Feldarbeiter in Galizien ist noch nicht beendet. Fast schien es, als sollte es noch zu heftigen Kämpfen mit den ausgesandten Truppen kommen, die sich augenscheinlich nicht überall so benommen Wen, wie es ihre Pflicht gewesen wäre. Aber der katholische Klerus hat sich inS Mittel gelegt, hat, weil Gefahr im Verzüge war, beruhigend auf die Bevölkerung eingewirkt, und so kehrt allgemach wieder Ordnung in dem bedrohten Lande ein.

.Desto unruhiger geht es in einigen Theilen Frank­reichs zu: Die gewaltsame Schließung der Ordens­schulen und die rohen Austreibungen der Schulschwestern haben das gut katholische Volk in der Bretagne und in der Vendse dermaßen aufgeregt, daß es mehrfach hart am Blutvergießen war und die Vertreter der Regierung es für geraden hielten, die Ausführung ihrer Verfügungen ein wenig zu verlangsamen und gütliche Auseinandersetzungen zu versuchen. Die ge- waltthätigcn Maßregeln des Ministeriums Combes erregen überall im Auslande ernstes Mißfallen. So­gar die »Tägliche Rundschau' in Berlin, ein Organ des bekannten „Evangelischen Bundes", hat mit ihrem heftigen Tadel der französischen Gewalthaber nicht zurückgehalten. Und das will gewiß viel sagen.

König Eduard von England ist am 9. Ang. in London gekrönt worden, und dem Anscheine nach hat er die Anstrengung, die ihm diese Feierlichkeit auferlegte, gut überstanden. Neuerdings ift sogar die Rede davon gewesen, er wolle dem Zaren in Rußland einen Besuch abstatten.

Von den tapferen Burenführern ist nach dem Präsidenten Steijn auch der General Lukas Meyer nach Europa gekommen, um Heilung von einem Herz- übel zu suchen, das er sich durch die Ueberanftrengungen des harten Feldzuges zugezogen hatte. Leider hat ihn der Tod ereilt, bevor er seine Kur beginnen konnte. Er ist in Brüssel in Folge eines Herzschlages ver­storben. Von dem Präsidenten Steijn hofft man nach wie vor, daß er allmählich ganz von seinem Leiden hergestellt werden kann. Mehr noch als andere Burenführer ist gerade er seinem Vaterlande noth­wendig.

o Zur Bekämpfung der Lungen­schwindsucht,

die als Berufskrankheit namentlich unter den in­dustriellen Arbeitern jährlich Tausende dahinrafft, haben sich i« neuerer Zeit die Lungenheil­stätte» als ein besonders geeignetes MittelMd eine Wohlthat für die Kranke» erwiesen. Sollen diese Anstalten aber ihren vollen Zweck erfülle«, so müssen namentlich zwei Momente, auf welche in bemerkenswerther Weise ein Aussatz in der Zeitschrift .Arbeiterwohl' 190» Heft 3—5 hin­weist, in Zukunft mehr berücksichtigt werden, die Auswahl der Kranken und dann die Fürsorge »ach der Entlassung.

Dauererfolge in der Bekämpfung der Lungen­schwindsucht lassen sich nur erzielen, wenn die Patienten bereits in frühen Stadien in de» An­stalten untergebracht werden; doch das ist, wie dort auSgrführt wird, namentlich i» Folge der Schwierigkeit der Diagnose leider sehr oft nicht zu erreichen. Habe der Arzt aber auch schließ­lich die sichere Diagnose gestellt und mache den Vorschlag zu einer Kur in einer Heilanstalt, so kö»ne er oft erst dann auf Befolgung feines Rathschlages rechnen, wenn die Krankheit auch äußerlich bedenklich in die Erscheinung trete, wo es dann aber meistens zu spät sei. Es läßt sich hier nur Abhilfe schaffen durch Aufklärungs­arbeit, wenn durch populäre Schriften über das Wesen der Tuberkulose mehr Verständ- niß inS Volk gebracht wird, fa daß die Patienten möglichst frühzeitig sich dem Arzt zur Untersuchung stellen und die Möglichkeit einer genauen Untersuchung und längeren Beobachtung, am beste» durch eisens geschulte Aerzte geschaffen ist. Thrilwriss existiren derartige Eincichtungen schon, z. B in der Poliklinik für Lungenkranke in Berlin und der llntersuchungsanstalt der Han­seatischen Versicherungsanstalt i» Hamburg. Pa- Heuten, bei denen der Krankheitsprozeß schon zu weit vorgeschritten ist, find absolut von der Auf­nahme auSzuschließen, M sie nur den auf Hoff­nung Berechtigten die Plätze in de» Anstalten nehmen und durch Vergrößerung der Sterblich- keitSztffer das Vertrauen auf die Anstalten ver- rtngern.

Es ist ja recht hart, solche» Kranken die Aufnahme zu verweigern; für derartige Patienten kann jedoch durch eigene Krankenhäuser für Schwindsüchtige oder eigene Stationen in all­gemeinen Krankenhäusern noch Fürsorge getroffen werden, wozu Vorschläge ja auch schon oft ge­macht find.

Sehr wichtig ist dann aber noch die Für­sorge iür den Kranken nach der Entlassung. Die Heilung bei der Lungentuberkulose ist immer nnr eine relative; das einmal erkrankte Organ kann niemals wieder vollständig gesund gemacht werden. Das Zurücktreten der Kcankhettsrr- scheinungen erfolgt bei der Heilstättenbehandlang manchmal ganz überraschend schnell, aber der Körper hat dann trotzdem noch nicht dir noth.