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„TJlustrirte Sonntags-Zeitung", „iuldaer 6esd)id)tsblättef‘r und [oflerie-risfe.

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JuLöa, Freitag, den 8. August 1902.

29. Jahrgang.

Berlin, 7. August 1902.

* Der König vor» Italien wird, wie Polizeipräsident von Windheim dem Berliner Magistrate amtlich mitgetheilt hat, nach einer Mittheilung des Oberhofmarschallamts am Mit- woch 27. August in Potsdam eintreffen. Am 28. August begibt sich der Kaiser mit seinem hohen Gast nach Berlin, wo feierlicher Einzug stattfinden soll.

* Die diesjährige Hen-rakv-rsamml««- der Katholik-« Deatschkaud», die bekanntlich in der letzten Woche dieser Monate« in Mann­heim tagen wird, macht unseren lieben Gegnern schon im Vorau« viele Schmerzen. Wir find da« seit Jahren gewohnt und gehen mit Stillschweigen darüber hinweg. Festgenagelt zu werden ver­dient aber eine geradezu niederträchtige Hetze de« liberalen Badischen Korrespondenz-Bureau« in Karl«, ruhe. Dasselbe bringt einen längeren Artikel über die Katholikenversammlung, die al« die „Sonnen- finsterniß der sog. Katholiken Deutschland«" be­zeichnet wird. Der Schreiber de« Artikels hat Respekt vor dem fich überall regenden Eifer der badischen Katholiken, sich zu einem imposanten Besuch der Generalversammlung zu organtfiren. Dann aber gibt die ehrliche Haut ihren innersten Empfindungen folgendermaßen Ausdruck: „Ob aber die ultramontane Heerschau diesmal so ganz glatt wie in früheren Jahren und an anderen Orten von Statten geht, erscheint mehr al« frag- lich. Schon daß die Handelsmetropole Mannheim zum Versammlungsort auserwählt wurde, klingt wi,e eine Herausforderung an die über­wiegend protestantische Pfalz!" Warum nicht gar? Für diejenigen Bewohner der Stadt und Um­gegend, die den sachlichen Zielen de« Katholiken­tags fernstehen, hat der Besuch immer eine werth- volle geschäftliche Nebenbedeutung gehabt. Es bleibt eine ganz erkleckliche Summe Geldes am Platz und da heißt er eben auch: non ölet 1 Aber der Festzug, der Festzug! Tausende von Arbeitern, Handwerkern und Landwirthen, die sich öffentlich und mit Stolz als unbelehrbare „Ultramontane" bekennen, das ist kein schöner Anblick für Manchen. Und deshalb hat sich der liberale Mephisto Folgendes ausgeklügelt: „Welche Empfindungen müssen die (sozialistischen) Arbeiter angestchts de« ultramontanen Triumphzuges haben? Wie, wenn 88 dem Einen oder Anderen, oder gar ganzen Ärbeiterbataillonen einfallen sollte, gleich ihren Genossen in Paris auf dem Eintrachtsplatz am 24. August in den Straßen von Mannheim die Losung „Freiheit und Eintracht" (!!) aurzu- geben und den Festzug der „katholischen" Arbeiter zu veryohnigeln oder gar zu stören? Die Möglichkeit ist jedenfalls nicht aus­geschlossen, daß es da und dort zu Reibereien kommt." Als wirksame Gegen­demonstration wird dann für alle Fälle auf den 28 August eine Goethefeier in Mannheim vor­geschlagen. Nun, die gönnen wir dielen empfind­samen Seelen von ganzem Herze«. Er muß für

KngeL und Dämon.

Roman von Johann Marius.

20 ------ (Rachdruck verboten.)

„Ja, wenn Du mit mir nach Hamburg kommen wolltest, dann könnte ich mich vielleicht entschließen, mich dem Wunsche meiner edlen Freundin zu fügen, da fie doch nur mein Wohl im Auge hat."

„War sollte ich ander« bezwecken, theure Martha?" warf di« Sennora ein.

„Gutes Kind, Dein Wunsch kann nicht erfüllt werden", versetzte Diethelm mit einem Seufzer.

„Und warum nicht, Vater? Wenn ich Dich verlasse, was könnte Dich hier zurück halten?"

Der alte Mann deutete mit der Hand durch das Fenster nach der Gegend hin, wo der Fried- Hof lag.

„Das Grab meiner Sophie, dar Grab Deiner Mutter!" erwiderte er.

„Aber das könntest Du ja von Hamburg au, oft besuchen, lieber Vater", sagte Martha.

„Nein, Martha, das würde mir nicht genügen. Ich würde mich täglich nach der heil'.gen Stätte sehnen, wo die Hülle meiner getreuen Lebens- gefährtin ruht. Nein, ich will hier bleiben.

Martha's Augen wurden feucht.

Sennora de Fontana erheuchelte eine schmerz­liche Rührung.

Die jung« Frau wagte nicht, dem Greise ferner zu widersprechen. Doch erst nach längerem Zögern und nachdem ihr die Freundin nochmals eindring­lich vorgestellt hatte, daß ihr Gatte jedenfalls

fie doch bitter genug fein, daß die sozialdemo­kratische ,Volksstimme' in Mannheim den freund­schaftlichen Rath zu Pöbelkundgebungen un­zweideutig zurück weist. Erstens haben wir hier für Pariser Straßenkrawalle keine Pariser Polizei, zweitens wäre für die organifirte Sozialdemokratie em solcher Versuch ein zu ge­fährliche« Spiel mit Arbeiterrechten. Es ist also thatsächltch die Möglichkeit ausgeschlossen, daß der Festzug der Katholiken irgendwie beunruhigt wird. Aber eine Antwort sollten die katholischen Männer von ganz Baden und der Pfalz auf jene nichtsnutzige Hetzerei in Bereitschaft haben: der Festzug am 24. August in Mannheim muß an Umfang und Glanz eine katholische Kundgebung werden, wie sie bisher noch keine Generalversammlung der Katholiken Deutschland« aufzuweisen hatte!

* Iörd-r««g rvisse«lchaftkicher Aestre- vu»S-A im höhere« Lehre stavde. Der preußische Kultusminister macht folgendes bekannt: Durch den Staatshaushaltsetat für 1902 sind bei dem Fonds Kapitel 120, Titel 6, zur Förde­rung wissenschaftlicher Bestrebungen in dem höheren Lehrerstande 25 000 Mark berertgestellt worden. Als Verwendungszwecke habe ich zu­nächst in Aussicht genommen: 1. Beihilfen zu Studienreisen, mit Ausnahme solcher Reisen, sür welche bereits bei Kapitel 120, Titel 10, Mittel vorhanden find. 2. Beihilfen, um die Beurlau­bung eines Lehrers für wiffenschaftliche Zwecke zu ermögliche». 3. Beihilfe» um die Veröffent­lichung von wissenschaftlichen Arbeiten zu ermög­lichen. 4. Prämien für besonders der Aner­kennung würdige wissenschaftliche Arbeiten. 5. Beihilfen zur Theilnahme an Ferien- und Fort­bildungskursen. Außer den Oberlehrern können auch die Direktoren der höheren Lehranstalten, und außer de» an staatlichen auch an nichtstaat- lichen höhere» Lehranstalten angestellten Lehrer Berücksichtigung finden. Jedoch sollen Zuwen­dungen a» Direktoren und Lehrer höherer Unter- richtsanstalte», deren Unterhaltung leistungsfähigen Gemeinden obliegt, nur in einzelne» besonderen Ausnahmefällen stattfinden.

* Die K-fchSflig««- der Wilitärge- fa»Se«e« ist in sämmtlichen Strafanstalten der deutschen Heeresverwaltung allmählich einheit­lich geregelt worden. Früher bestanden t» den Militärgefängniffen die verschiedenartigste» Betriebe, wie Tischlereien, Schlossereien, Fabri­kation von Pappschachteln, Buchbinderwerkstätten und andere Handwerksbetriebe, die indeß fast ausschließlich für den Bedarf staatlicher Behörde« ihre Erzeugnisse zu liefern hatte». Alle der­artigen Betriebe find im Laufe der Jahre einge­stellt worden bis auf zwei, nämlich die Schneideret und die Schuhmacherei. Die Gefangene«, welche länqere Zeit zu verbüßen haben, werden soweit sie irgend dazu tauglich find, mit der Fabrikation von Uniformsachen sür die Korpsbegleitungsämter beschäftigt; nur diejenigen Sträflinge, die von Profession Schuh­macher sind, werden für militärische Zwecke in ihrem eigenen Handwerk mit Arbeit bedacht. Gefangene, deren Strafzeit nur nach Moneten zählt, erhalten in militärische» Anlagen, z B. de» Festungswerke», Artilleriedepots rc Außen­arbeit. Zur Verrichtung von Arbeiten für

ihren Entschluß billigen werde, sobald die Nach­richt zu ihm gelange, gab fie den vereinten Bitten beider nach.

„Aber ich besuche Dich ost, lieber Vater!" rief sie und schlang die Arme um seinen Hal«.

Der Greis küßte sie.

„Doch nur dann, wenn Dein leidender Zustand es Dir erlaubt, mein Kind. In den rauhen Wtntertagen erwarte ich Dich n'cht allzu häufig, im Frühling aber mußt Du desto öfter kommen und mich mit Deiner Gegenwart beglücken."

Die junge Frau barg ihr Antlitz au seine Brust.

„Dein Vater spricht weise", sagte die Sennora. „Die jüngste Vergangenheit streute Dornen in Dein Leben, in der Zukunft aber blühen die Ro­sen Deines Glücke«. Diese Himmelrgabe kannst Du mit reinem Herzen pflücken."

Kein fernerer Widerspruch erfolgte. Martha willigte in den Wechsel ihre« Aufenthalter. Der Gedanke an die Wiedervereinigung mit ihrem Gatten hatte ihre letzten Bedenken besiegt.

Sennora de Fontana ging nun entschlossen ans Werk. Noch an demselben Tage packte fie ihre Sachen, bezahlte ihre Wirthsleute, schickte dem Vogt de« Dorfe« ein beträchtliche« Geldgeschenk für die Armen zu — fie wollte ein gesegnetes An­denken in P. hinterlassen — und war somit zur Fahrt nach Hamburg bereit.

Dann eilte sie wieder zu Diethelm.

Martha fühlte fich sehr schwach und traurig. Die Freundin nahm ihr die Mühe ab, einen Koffer mit den nöthigen Garderobestücken zu füllen, welche Martha mitzunrhmen gedachte.

Al« sie mit dieser Arbeit fertig war, sagte

Privatpersonen «erden Militärgefangene nicht mehr hergegebe».

* Oege« 43/< Milliarde« Aoflse»drmge«. Die Gesammtleistunge» der Retchspost im Be- förderungsdienst weisen im vergangene» Kalender- jahr nach der im Reichspostamt gefertigte« Zu­sammenstellung wieder eine beträchtliche Steigerung gegen das Vorjahr auf. Die Gesammtstückzahl der aufgegebenen Postsendungen hat jetzt die Summe von 4s/4 Milliarden um mehr als 10 Millionen überschritten. Sie betrug 4,735,788,186 Stück. Es bedeutet dies eine Steigerung von 211 Millionen Stück gegen das Vorjahr. Wie rührig Handel uxd Gewerbe im Reiche sind, geht daraus hervor, daß etwa 211 Millionen Sen­dungen weniger eingehen, als aufgegeben werden. Die Zahl der eingegangenen Postsendungen mit nahezu 4515 Millionen Stück bedeutet aber jeden­falls eine Steigerung von 200 Millionen gegen das Vorjahr. Der Grsammtbetrag der aufge­gebenen wie eingegangenen Geldsendungen weist gegen daS Vorjahr einen kleinen Rückgang auf. Aufgegeben wurden 25,018 Millionen Mark, das find fast 159 Millionen weniger als 1900. Diese Beträge sind immer noch höher als im Jahre 1898, wo sie auf 21 Millionen zurückgegangen waren.

Pk. Mannheim, 7. Äug. 1902. Katho- likentag. Wir geben im Nachstehenden die Themata der Reden in den öffentlichen Ver­sammlungen (beginnend Sonntag, 24. August) bekannt. Bemerkt sei, daß für die Rede« die Reihenfolge, in der sie hier verzeichnet find, nicht maßgebend ist. 1. DaS 25jährige Papstjubiläum des hl. Vaters. 2. Die Kirche als Hüterin und Verbreiterin der höchsten Kulturgüter. 3. a) Was ist auf Grund der kathol. Prinzipien zur Lösung der heutigen sozialen Frage geschehen? b) Welche Aufgabe haben die christlichen Arbeiter­organisationen heute zu erfülle« ? 4. Die kath. Kirche und die christliche CharitaS. 5. Ansturm gegen die Kirche im 20. Jahrhundert. 6. Der kath. Glaube und die wiffenschaftliche Forschung. 7. Katholizismus und Autorität. 8. Der Katholizismus und die Volksbildungsbestrebungen. 9. Katholizismus und Kunst. 10. Der Katholik und das moderne Erwerbsleben. 11. Ausgabe des BonifatiuS-Vereins. 12. Werth und Be­deutung der kathol. Orden t» der Gegenwart. 13. Religiöser und politischer Katholizismus. 14. Antiduellbewegung. Zu den öffentlichen Versammlungen haben u. A. der Hochwürdigste Herr Erzbischof Dr. Thomas Rörber von Frei­burg und der Hochwürdigste Herr Bischof Ehrler von Speyer ihr Erscheinen zugesagt.

• Kemderrreem, 7. Aug. 1902. Heute Vormittag wuroe« die Schwestern aus dem Pensionat St. Julie« durch zwei Kommissare unter dem Schutze einer Kompagnie Infanterie und 3 Brigaden Gensdarmerie vertriebe». Die mehrere tausend Personen zählende Volks­menge beschränkte fich darauf, durch Zurufe zu

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fie: „So, meine geliebte Schwester, morgen Abend kannst Du schon in Hamburg, in Deinem neuen Schlafzimmer, Dich zur Ruhe begeben. Du wirst zufrieden damit sein. Ich habe es auf das Schönste und Bequemste für Dich ausstatten lassen."

Martha dachte an den Abschied vom Eltern- Hause und schreckte zusammen.

„Wie, morgen schon, thcuerste Freundin, morgen schon?"

„Und weshalb nicht morgen? Je eher Du den Schmerz des Abschiedes überstehst, desto besser."

„Ach nur noch ein paar Tage laß mich hier bleiben. Wer weiß, ob ich dieses Hau« jemals wiedersehe."

„Du kannst ja hierherkommen, so oft Du willst. Das ist ja schon zwischen uns verabredet."

„Es ist wahr «nd dennoch —"

Martha seufzte tief auf.

„Nun, bennocfc?* fragte die Freundin.

„Kann ich mich nicht so bald von meinem lieben Vater trennen", ergänzte Martha. „Es wird dem alten Ma»ne wohlthun, wenn ich noch einige Tage bei ihm bleibe."

„Wohl denn, noch zwei Tage!"

„Rein, bitte, theure Freundin, gewähre mir drei. Es würde meinem Vater schmerzlich sein, mich so schnell zu verlieren. Auch muß ich noch da» Grab der edlen Frau besuchen, die so treu Mutterstelle bei mir vertrat. Der Garten ist noch voller Blumen. Ich will selbst einige Kränze für ihr Grabmal winden, da« Deine Güte ihr aesetzt hat, und zu ihr beten, daß ihr verklärter Geist mir dorthin folge, wohin Du mich führst.

Die Sennora umarmte fie.

protestire«. Die Thore der Schule wurden ver­siegelt.

9 Aottdo«, 7.Aug. 1902. KönigEduard ist gestern Nachmittag o« Bord seiner Pacht kurz nach 2Uhr in Portsmouth eingetroffe». Die im Hafen liegende» Schiffe gaben Salutschüsse ab. Um halb 6 Uhr traf der König mit seiner Gemahlin auf dem festlich geschmückten Bahnhof der Vittoriastation in London ein. Ueber de« Empfang und die Fahrt zum Buckingham- Palast berichtet ,Wolss'S Bureau': Vor dem Königszimmer war eine Eskorte der LifeguardS aufgestellt. Beim Aussteigen reichte der König mehreren Eisenbahnbeamten die Hand und be­gab sich sodann zum Wagen. Der König ging leicht, aber etwas steif, was jedoch kaum bemerk­bar war. Seine ganze Haltung machte einen sehr günstigen Eindruck. Der strömende Regen hatte kurz vor der Ankunft aufgehört. Vordem Bahnhof begrüßte eine große Volksmenge jubelnd die Majestäten, die in einem offenen Wagen nach dem Bucktnghampalast im Schritt fuhren. An anderen Stellen war die Menge weniger zahl­reich, begrüßte den König aber ebenso enthusiastisch. Nach einem am Donnerstag ausgegebenen Aerzte- bericht hat der König die Reise nach Londo« ohne Ermüdung ertragen. Er hatte eine gute Nacht und ist bei ausgezeichneter Gesundheit. Die Wunde ist so gut wie vernarbt. DaS nächste Bulletin wird Sonntag ausgegeben. — Tine große Friedens feier wurde am Mittwoch Abend in London in Guildhall abgehalten. Un­gefähr 2000 Personen nahmen daran Theil, darunter zahlreiche Mitglieder des Kabinets, die Premierminister der Kolonien, indische Fürste« und viele Generale, die fich in Afrika ausge­zeichnet hatten. Lord Roberts und Kit- chener wurden Adresse« überreicht, beide warm Gegenstand großer Huldigungen. Sie sprachen fich sehr anerkennend über die Kolonialtruppe« aus. Kitchener erklärte, so lange der Geist, der die Kolonialtruppen beseele, fortbestehe, werde England befähigt sein, den ReichSgedanken auf­recht zu erhalte«. Die Führer müßten aber diesen Geist m einer Weise bilden und lenkm, daß er in wirksamer Weise dem Interesse der ganzen englischen Raffe diene. — Im englische« Unterhause richtete am Mittwoch Gibson Bowles, der die auswärtige Politik SaliSburyS einer scharfen Kritik unterzog und ihr die Iso- lirung Englands Schuld gab, an die Regierung die Anfrage, ob ein geheimer Vertrag zwischen Deutschland und England bestehe, der seiner Information nach auf eine Auftheilung der portugiesischen Besitzungen in Afrika zwischen England und Deutschland hinausgehe. Die Er­klärung CranborneS auf die Anfrage bewegte sich in den Wendungen der pythischen Orakel- fprüche: Gibson Bowles habe gesagt, es gebe einen geheimen Vertrag mit Deutschland. Wen« ein solcher Vertrag bestehe, so sei er eben ge­heim, woraus folge, daß er dem Hause darüber keine Aufklärung geben könne.

• Alev«l, 7. Aug. 1902. Segen 9 Uhr Vormittags begaben fich die Majestäten mit Gefolge non Nachte« nach dem russischen Flagg­schiff „Minin", worauf das Artilleriege­schwader die Anker lichtete und auf hohe See dampfte. Das Geschwader «ahm auf der Fahrt

„Einem solchen Wunsche darf man kein Hin- derntß in den Weg legen. Wohl, so bleiben wir noch Brei Tage hier. Aber Du sollst nicht allein da« Grab Deiner Mutter mit dem Zeichen Deiner Kinderliebe schmücken. Ich werde Theil an Deiner heiligen Pflicht nehmen. Die edle Frau wird meinem Andenken ewig werth bleiben."

„Ihr Geist wird auch Dich segnm, da fie ihre treue Pflegerin im Leben so herzlich geliebt hat."

Die Sennora mußte fich bezwingen, um ei« höhnische« Lächeln zu verbergen.

„Gehen wir sogleich in den Garten", sagte sie. „E« stehen Gewitterwolken am Himmel. Wir wollen die nöthigen Blumen pflücken, so lange noch kein Regen fällt."

Sie zog Martha mit au« dem Hause.

In einer halben Stunde hatten beide Frauen vollauf Blumen gesammelt. Sie setzten fich in die bekannte Laube. In der Anfertigung der Kränze war die Sennora fast noch geschickter al« die trauernde Pflegetochter. Nach kurzer Zeit lagen zwei prächtige Kränze vor ihnen auf dem Tische. In dem, den Martha gewunden, blitzten die Thauprrlen ihrer Thränen. .

Die Sennora trat au« der Laube und blickte zum Himmel empor.

„Dar Gewitter ist vorübergezogen", sagte fie. „Wir wollen uns sogleich auf den Weg zu de« Grabe der theuren Frau machen."

„Gern, liebe Freundin. Doch will ich zuvor meinen Vater benachrichtigen. Er ist schon so oft allein dahingegangen. Heute soll er un« begleiten."

Martha eilte in'« Hau« und kehrte nach kurzer Zeit in Diethelm'« Begleitung zurück.