Fuldaer
29. Jahrgang.
Iutöa, Donnerstag, den 7. August 1902.
OtU «» Drrlaj in JaUocr X(tlen»ri*M lXtcr»««S< 0». 1 (bcnwoUk
haben; und drinnen in der prächtigen Kajüte der Kaiserjacht unterhalten sich dieselben Monarchen über die Abrüstung ihrer Völker und aller europäischen Staaten — ein hübscher, ein erfreulicher Gegensatz I Aber gerade darum, weil es sich um so starke Gegensätze zwischen Gedanken und Thaten handelt, ist auch die Wahrscheinlichkeit sehr gering, daß auS den Gedanken wirklich Thaten hervorgehen sollten — vorausgesetzt nämlich, daß die erwähnten Gedanken wirklich vorhanden seien. Die Wünsche find schön; aber zunächst werden es eben fromme Wünsche bleiben, schöne Lichtgebilde der Phantasie, entsprungen einem guten und sehr lobenswerthen Willen, aber einstweilen noch zu schön .für diese Welt des Wettrennens zwischen der Gewalt der Geschütze und der Widerstandskraft der Panzerplatten dagegen.
Wenn der Beherrscher aller Reußen und der jugendliche König von Italien in allem Ernste daZ Friedens werk fördern wollen, dann sollten sie vor allen Dingen den Versuch machen, den papiernen Beschlügen der Haager Frttdensvsr- samm'urg Geltung und thatsächlichen Einfluß zu verschaffen. Das würde unter den gegebenen Umständen das einfachste Verfahren sein, um zu den gewünschten und wirklich herrlichen Friedens- zielen zu gelangen.
frftfirinl »glich, m. »«»nähme der Horm-and Feier«
solle, mit gewiffen überlieferten Gewohnheiten »ei Anstellungen von Beamten in den Ostmarken ; u brechen, da leider nicht in Abrede gestellt werten kösne, daß manche Maßnahmen der Regierung zur Sicherung der Durchführung einer !räfti«en Pslenpolitik durch dir Ämeaukcatie in >er Provinz Posen bekämpft und in ihrer Wir« !ung abgestzwächt worden sind." Die armen Zeser der Kretsblätter könnten einem leid thun, wären fie nur auf amtliche ZritungSlrktüre angewiesen und sorgten nicht andere Blätter für ihre Aufklärung — bemerkt dazu daS Blatt Eugen Richters.
* Im Neichrl-legr-ph engeSi-te haben stzt 15,155 Orte Fernsprechanstalten. Die Bequemlichkeit der Fernsprecher steht also rereits den kleinen und kleinsten Orlen zur Ver« ügung. Auf diese Orte verthrilen sich nahezu 300,000, genau 291,835 Sprechstellen, von denen 231,000 Haupt- und 58,000 Nebenanschlüffe tfib. Von de« Hauptanschlüffen zahlen 167,055 Bausch- und 63,968 Grund« und Gesprächsgebühren. Oeffentliche Sprechstrllen in Otten ohne VermittslungSanstalten gibt es 12,203, Um« chaltestellen 428, „Stadtfcrnsprecheimichtungen", d. h. Vrrmittelungsanstalten 2024, d. s. 474 mehr als im Vorjahr. Von diese« hat eine, Berlin, mehr als 20,000 Theilnehmeranschlüffe, 5 mehr als 5000, 24 mehr als 1000. Von 501 bis 1000 Anschlüsse haben 19 Anstalten, 201 bis 500 67, 101 b 3 200 96, 51 bis 100 171 und 5 bis 50 A« chlüffe 1641 Anstalten. Sämmtliche Vermlttelungsanstalten hatten im Jahre nahezu 700 Millionen Gespräche zu ver- mittel«, täglich also mehr als 2,2 Millionen.
x zrußlavd «vd der Ancker. Geheime, rath von Körner, Direktor im Auswärtigen Amte, hat wiederholt im Reichsrage versichert, baß die Brüffeler Zuckerkonvention nicht gegen den Handelsvertrag mit Rußland verstoße. Danach müßte es sich Rußland also gefallen laffen, daß sein Zucker auch von denjenigen Brüffeler Vertragsstaaten mit einem besonder» Sperrzölle belegt würde, die im Verhältniffe der Meistbegünstigung zu Rußland stehen. Rußland denkt aber nicht daran, sich das gefallen zu laffen. Nach einer halbamtlichen Petersburger Erklärung erwartet dir russische Negierung von den Mächte» eine ablehnende Antwort zu erhalten auf ihr Rundschreiben in Sachen des Zuckers. Nach dem Empfange dieser ablehnenden Bescheide aber wird sie nach der vorliegenden Kundgebung „von neuem erklären, daß sie die Erhöhung des Zolls auf russischen Zucker für eine Verletzung der Verträge erachtet, und darum wird sie, so bald eine solche Erhöhung stattfinden sollte, sich nicht für verpflichtet halten, die Bestimmungen der Handelsverträge in Fällen zu beobachte», wo sie in der Abweichung von denselben ihren Vortheil sehen wird". Also Handelskrieg! Deutschland braucht ihn nicht zu fürchten. Aber darauf kommt es hier weniger an. Die Hauptsache dabei ist die falsch- Brurtheilung der bestehenden Verhält- ntffr und Bestimmungen durch einen berufenen Vertreter des Bundesrathrs im Reichstage, der außerdem den Jmmediatoortrag über solche Angelegenheiten bei dem Kaiser hat. — Ein österreichisches Regierungsorzan, das
W Fromme Wünsche.
Es kann nicht leicht einen befferen Wunsch als den geben, daß es möglich werden möchte, die schweren Lasten zu erleichtern, die der Bewaffnete Friede den Völkern auserlegt. Von einem Jrhre zum andern vergrößern sich die Milliardenlasten der Kriegs- und Marinebudgets. Wichtige Kulturaufgaben müffen unerfüllt bleiben, weil der Kriegsmoloch in unersättlicher Weise Unsummen über Unsumme« verschlingt, und das Ende vom Liede ist überall ein unleidliches Wachs- thum der Staatsschulden.
Dem Zaren Nikolaus kommt Has unbestrett. bare Verdienst zu, in allem Ernste für den Gedanken des allgemeinen Friedens und der Abrüstung der Völker auf den Plan getreten zu sein. Aus jener Anregung des russischen Herr- schers heraus entstand die internationale Friedens' Versammlung in der holländischen Restde»-z, daß deren Brschlüffe nur Prpier geblieben sind, ein tobt geborenes Kind, ist nicht die Schuld des Zaren. Dieser meinte er augenscheinlich aufrichtig mit seiner allgemeinen FrtedenSidee. Daß er damit gleichzeitig seinem eignen Lande einen Vortbeil verschaffe« wollte, ist selbstverständlich, daS G-gsntheil davon würde ja durchaus unnatürlich sein. Das schließt die Aufrichtigkeit der Wünsche nicht aus.
Aber gerade das Schicksal der internationalm Friedensversammlung im Haag hat mit großer Deutlichkeit gezeigt, daß vorläufig an die Verwirklichung des an sich vortrefflichen Abrüstungk- gedankms nicht zu denken ist. Und deswegen stößt eine Nachricht, die von London aus ver- breitet worden ist, allenthalben auf Zweifel und offenen Spott: daß nämlich die neueste« Monarchenzusammenkünfte zum Hintergrundewiederum einen Adrüstungsplan haben sollen. Danach soll auch König Viktor Emanuel et« aufrichtiger Anhänger des allgemeine» Völkerfriedens sein, und seine Anwesenheit in Petersburg soll diesem Gedanke» auch dort wieder neues Lrben eingeflößt und den Zaren von neuem darauf gebracht haben, einen solchen Versuch zu wagen. Die europäische» Länder sollte» sich zum ewigen Frieden verpflichten und eine Kriegsrüstung nur in dem Umfange beibehalten, wie er für ihre überseeischen Unternehmungen nothwendig ist.
Noch mehr: der König von Italien soll bereits im Besitze eines fertig auSgearbeitete» Planes zur Ausführung des Abrüstungsgedankens •fein. Danach solle die Friedensstärke des italienische» Heeres um »icht weniger als 100 000 Mann herabgesetzt werden, denn man sei in Italien zu der Ueberzeugung gelangt, daß die italienische» Staatsfinanzrn nur bann wieder dauernd gut werden könnten, wenn in diesem Umfange die vorhandene Kriegsrüstung vermindert würde. Alle diese Dinge sollen bei der Zusammenkunft deS Zaren und des Königs von Italien zur Sprache gekommen fein und nun auch zwischen dem deutschen und dem russische» Kaiser besprochen werden.
Draußen vor Reval donnern die Geschütze der schwimmende« Panzerkoloffe. Ei« Monarch zeigt dem andern, zu welcher vorher ungeahnte« Vollkommenheit seine Kriegswerkzeuge es gebracht
einigung aller Liberalen. Sie find getrennt und werden stets von einander getrennt bleiben.
* Au« „JaK Aöhuiug". Die Berliner ,Volksztg/ läßt sich aus Posen melden: „ES ist von den verschiedenste» Seite» behauptet worden, daß in der Affäre Löhning zahlreiche anonyme Briefe an Herrn Löhning als Bräutigam, sowie an den Minister gelangt sein sollen. Nun, es ist festgestellt — wenn es in der Oeffentlich- feit bisher noch nicht bekannt war, so darf es -tzt nicht länger verschwiegen werden — daß jwei Packete anonymer Briefe, die Herr Löhning erhalten, eine verblüffende Aehnlichkeit mit den Handschriften der Gemahlinnen eines höheren Beamten und eines höheren Offiziers ausweisen. Die Bombe dieser anonymen Briesschreibereien ist — um einen kühnen Ausdruck zu gebrauchen — bisher noch nicht geplatzt. Sollte, was nicht unmöglich ist, die Explosion noch erfolgen, so würde Posen einen Skandal erleben, gegen den die Affäre Löhning nur ein Präludium ist." — Der,Brest. Ztg.' wird aus Posen geschrieben, daß auch ein Sohn Löhnings, der Leutnant ist, aber nicht in Posen garnisonirt, in Folge der Verlobung feines Vaters Sticheleien seiner Kameraden ausgesetzt war. Ein Zweikamps stand bereits bevor, doch wurde die Sache ehrengerichtlich beigelegt. Herrn Löhning wurde gleich «ach seiner Pen- sionirung von einem großen Jndustriewerke in Berlin eine Direktorstrllr angeboten, die er wahrscheinlich schon bekleidet. — Interessant ist auch folgende Mittheilung der ,Freis. Ztg.': „Der frühere Provinzialsteuerdirektor Löhning hat bekanntlich in seiner Darstellung des pege« ihn beliebten Vergehens berichtet, daß das Verfahren gegen ihn auf Grund vo« Mittheilungen des Oberregierungsraths GeschimMinisterium vom FinanMinister beschlossen worden sei. Löhning beruft sich ferner darauf, daß Ober- regierungsralh Gesch mit dem Oberst des 6. In« fanterieregirnerkS, bei dem der Vater der jetzigen Frau Löhning früher Feldwebel gewesen, in Posen in einem Hause wohnt, und daß Gesch er« erzählt hat, dir Offiziere des 6. Regiments hätten ihn höhnend a; f seine demnächftige „neue Che- feufe", „die Tochter eines früheren Feldwebels", hingewiesen. — Es müßte überraschen, wenn gerade Gesch sich durch den Hinweis, daß feine „neue Chefsuse" die Tochter eines Feldwebels sei, hätte verletzt fühlen sollen; denn der Stiefvater deS Herrn ist ein — früherer Feldwebel. Wie uns nämlich von durchaus zuoer« lässtger Seite berichtet wird, hrirathete, nachdem Oberregierungsrath Gesch seinen Vater früh verloren hatte, seine Mutter einen Feldwebel Nrßler, bet den jetzigen Oberregierungsrath Gesch erzogen hat. Später hatte der Feldwebel Neßler in Be lin die Stelle eines Subaltern-Bramten in einem Ministerium inne." Dasselbe Blatt schreibt: Der Fall Löhning muß ben amtlichen Kreis- bl fittetn recht unangenehm fei«. Nachdem fie alle stch bis dahin Über diesen Fall völlig aus- geschwiegen Haden, berichtet das .Landshuter KreiSblatt' seine» aufhorchenden Leser» in Nr. 90, daß „zum Fall Löhning.Posen" noch bemerkt wird, „in unterrichteten Kreisen werde angenommen, daß der Fall Löhning den Anlaß bieten
Gabriele sagte sich, daß sie vor allem den alten Diethelm gewinnen mußte, wollte sie ihren Zweck erreichen. Sie theilte ihm deshalb eines Tages ihn« Plan mit, daß sie nach Hamburg Überzusiedeln gedenke.
Der alte Herr sah sie traurig an.
„Ich verdenke es Ihnen nicht, Sennora, daß Sie nach der Stadl ziehen wollen. Der Herbst hat schon bep.onnefy und wie schnell wirb d:r Winter mit seinen Stürmen Nachfolgen. Wenn man keine Farnrlie um sich hat, so ist es um diese Zeit sehr einsam und traurig auf dem Lande. Wir werden Sie nur mit schwerem Herzen scheiden sehen. Ach, und wa» wird Martha sagen? Zaerf die Trennung von meinem Sohne, darin der Verlust der Mutter — o, si; wird e» sehr bitter fühlen. Sie find noch das einzige Wesen, welches ihr Trost zu verleihen vermag, und das soll fie jetzt auch noch verlieren?" r „
Das schlaue Weib drückte dem Greise die Hand. Sie triumphirte im Stillen.
„Wenn Martha wirklich mit so ganzer Seele an mir hängt, so braucht sie stch nicht von ihrer Freundin zu trennen", versetzte sie.
Der alte Mann verstand den Sinn dieser Worte nicht.
„Nicht von Ihne» trennen?" fragte er.
„Nein, vorausgesetzt, daß ihr Vater Liebe genug für seine Tochter besitzt, um sie, wenn er ihr Wohl erheischt, auf einige Zeit entbehren zu können."
Der Greis nickte.
„Jetzt verstehe ich, Smnora. Sie wollen Marths mit nach Hamburg nehmen?"
„3a, Herr Diethelm. Die Pflicht der reinsten
Mio eil»-
mit den Beilagen
„Fuldaer GesdMtsblättef" und £otterie;n$rt
Freundschaft bestimmt mich dazu. Martha's Gemüth leidet unsäglich seU dem Tode ihrer guten Pflegemutter, und ich würde alles aufbieten, ihr in meinem Hause ein freundliches Heim zu bereiten und sie den traurigen Verlust weniger schmerzlich empfinden zu laffen."
Der alte Mann sah lange schweigend vor sich nieder, bevor er auf dar Anerbieten Gabriele«- eine Antwort gab.
Endlich erhob er den gesenkten Kopf.
„Wenn ich- Ihren großmüthtgen Vorschlag, freil'ch mit schwerem Herzen, annehme", erwiderte er, „so sehen Sie darin die große Liebe, die ich für das treue Kind hege."
„Da« ist edel, das ist groß gedacht!" rief bte Sennora. „Der Geist ihrer entschlafenen Gattin segne Sie für diesen Entschluß!"
Sie vermochte kaum die Freude des Triumphes in ihrem Innern zu verbergen.
Der Greis war tiefgerührt über die erheuchelte Theilnahme Gabrielens.
„Meine Zustimmung haben Sie, Sennora, sagte er, sich die Augen trocknend, „aber Martha, was erwiderte fie Ihnen?"
„Bis jetzt noch nichts, Herr Diethelm! entgegnete Gabriele.
„Wie?"
„Nein, fie konnte nicht — ich wollte erst mit Ihren sprechen, da es sich um das Glück ihrer Zukunft handelt."
„Und wenn fie sich nun weigert?
„Das sürchte ich; deshalb wandle ich mrch zuerst an Sie. Sie müffen vereint mit mir sie zu bereden suchen, diesen ländlichen Aufenthatt mit dem in der Stadt zu vertauschen.
Kngell und Dämon.
Roman von Johann MariuS.
19 ------ (Nachdruck verboten.)
Diethelm hatte durch die Abreise seines Sohnes und den V:rlust seiner langjährigen treuen Lebensgefährtin die letzten Stützen seiner Alters verloren. Er war tief niedergebeugt, aber Martha hatte der furchtbare Schlag nicht weniger getroffen. Schon das Gefühl, von dem geliebten Mann aus Pflichtgefühl sich trennen zu müffen, hatte ihre Nerven erschüttert. Und nun war alles, was sie gethan und gelitten, vergeblich gewesen. Der geliebte Mann auf den Wogen des Meeres, das war zu viel für die schwache Seele der jungen Frau. Eine namenlose, wenn auch nicht in laute Klagen mehr ausbrechende Verzweiflung hatte Martha erfaßt und sie litt schwer.
Am Tage nach dem Brgrfibniß fuhr Gabriele nach Hamburg. Sie sagte nicht weshalb. Sie wollte einen Denkstein bestellen, der sich auf dem Grabe der theuren Tobten erheben sollte. Acht Tage spater traf sie in Begleitung von kunstverständigen Arbeitern mit dem aus Marmor gefertigten Andenken, auf dem der Name der Verstorbenen uns ein trostreicher Wiedersehensspruch zu lesen war, in P ein. Was sie zu thun beabsichtigte, hatte sie dem allen Diethelm und Martha verschwiegen. Erst als der Grabesschmuck aufgestellt, der Platz umhegt und mit Blumen bepflanzt war, bat fie den Greis und die trauernde junge Frau, ihr zu folgen, und führte dieselben an die Stätte des Friedens.
Berlin, 6. August 1902.
X WatiimaMVerake rmd I »eifinnrge. Beinahe in jedem Sommer, wenn oer andere politische Stoff ausgeht, tauchen die Schwärmereien auf von der „Vereinigung aller Liberalen". Dies« mal ist eS wiederum so. Diesmal aber haben die Schwärmereien wenigstens eine handgreifliche Veranlaffung, nämlich das thatsächlich ex folgte Wahlbündniß der Freisinnigen und N tt ünallibe- ralen in dem Wahlkreise Forchheim -kulmbach. Daß dort die Freisinnigen sogar für d a national- liberalen Fabrikbesitzer Faber stimm ' wolle», der gänzlich auf dem Boden des Zolltm's :utwurfes der Regierung steht, ist in diesem Blaue bereits berichtet worden. Derselbe Herr Faber hat i» einer Wählerversammlung zu Streitberg die Parole ausgegeben: Vereint gegen Sozialdemokraten und Centrmn! Gegen das Crntrum maschire« schließ, lich alle Freisinnigen, das ist durchaus glaubhaft, obwohl es auch schon oft genug vorgekommen ist, daß freisinnige Wähler bei der Auswahl zwischen einem Nationalliberale» und einem Centrums« manne lieber diesem Letztem ihre Stimme gaben. Aber wie die Freisinnigen auf die Parole eingeschworen werden sollen, mit den National« liberalen zusammen gegen die Sozialdemokratie aufzumaschiren, ist vorläufig vollkommen unklar. Nur durch die Hilfe der Sozialdemokratie können die meiste« Freifinnigen ihre Eitze im Reichs- tage erhalten und behaupten. Sie würden also Selbstmord an stch selbst begehen, wenn sie aß- gemein nach bet Kulmbacher Parole handel« wollten, und schon deswegen wird niemals etwas werden aus der Träumerei von der Ver-
E« waren lindernde Thränen, die jetzt den Augen Diethclm'S und Martha's entflossen. Sie knieten am Grabe nieder zu einem inbrünstigen Gebet. Nachdem sie sich wieder erhoben hatten, sank die junge Frau mit innigen Dankesworteu der edlen Freundin und Schwester an die Brust. Der Greis aber breitete segnend seine Hände Über sie aus.
„Gott hat uns doch nicht ganz verlsflen", sagte er mit vor Wchnmth zitternder Stimme. „Er hat uns die liebe Gattin und Mutter genommen, aber als Ersatz in Ihnen eine Freundin gesandt, wie fie wohl nur selten Unglückliche» vom Himmel geschenkt wird."
Mit allen diesen Beweise« ihrer erheuchelten Achtung und Liebe für die Trauernden hatte da« rfinkevoöe Weib ihr Netz enger um ihre atmen Opfer gezogen. Von nun an, diese Ueberzeugung stand fest bei ihr, konnten sie sich ihrer Macht nicht mehr entziehen. Da» Gelingen ihrer Pläne, die sie zu dem ihr unablässig vorfchwebenden Zielen führen sollten, konnte nicht ausbleiben — jetzt mußte fie siegen.
11. Kapitel.
Martha's Verzweiflung, welche dieselbe »m den Verlust der geliebten Mutter ihre» Gatten erfaßt hatte, kam der Sennora de Fontana nicht wenig gelegen. Sie hatte die Absicht, nun, da sie die Mutter, welche ihr zu ihrem Vorhaben im Wege gestanden, befeitigt wußte, in kürzester Zeit nach der Stadt überznsiedeln. aber sie war auch zugleich entschlossen, Martha nicht wieder aus ihrer Macht zu lasse», und zu diesem Behuse mußte sie erreichen, daß die junge Frau sie nach Hamburg begleitete und dort mit ihr dauernd Wohnung nahm.
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