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mit den Beilagen

Illustrirte Sonntags--Zeitung”, „Fuldaer 0e$d>id)tsblätter" und rotterie-Tisfe.

29. Jahrgang.

Iuföa, Mittwoch, den 6. August 1902.

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© Präsident Steijn.

In dem holländischen Seebade Scheveningen ist ein Main auf das Schmerzenslager gebettet, der seinem Lande und fernem Volke mit so auf­opfernder Hingabe gedient hat, wie selten einer: Steijn, der Präsident des Oranje-Freistaates. Unter allen den Männern, die dem gepeinigten Burenvolke als Führer voraus! anden in dem Kampfe gegen England, verdient Steijn daL größte Lob, die größte Bewunderung, und die Theil- nähme der ganzen gesittete« Welt gehört ihm in der Krankheit, die der Dienst für daS Vaterland als einzigen Lohn ihm gebracht hat.

Die Urtheile der Aerzte über die Natur feiner Krankheit lauten verschieden. Sie äußert sich in hochgradiger Lähmung der Gliedmaßen und einem schweren Augenübel, so daß im Anfänge an eine Erkrankung deS Rückenmarkes gedacht wurde. Aber einige Brsserusg hat dem Kranken bereits die Seereise gebracht, und nach dem Urtheile der europäischen Aerzte, die den P.äsisenten nunmehr untersucht haben, ist glücklicherweise diese An­nahme als falsch fallen gelassen worden. Man nimmt jetzt an, daß dir Lähmungen der Glieder und der Augenmuskeln nichts Anderes sind als die Folge der schrecklichen Entbehrungen und der übermäßigen Anstrengungen des Feldzuges. Nach einer andern S;?art soll ein Sonnenstich die oHauptquelle deS UtbJ< sein. Jedenfalls besteht begründete Hoffnung auf völlige Wiederherstellung der G'suvdheit Steijn'S.

Der ursprüngliche Beruf der Präsidenten ist der des Advokaten und Richters, Er war also gar nicht seldgrübt, noch wetterhart, als er gleich dem einfachen Bürger des Oranje-Freistaates mit der Büchse auf dem Rücken auszog, um sein Vaterland gegen die Angriffe der Bnten zu 'vertheidigen — treu dem Bündniffe, daS 1896 die Republiken Transvaal und Oranje Freistaat geschloffen hatten. Hier galt es, mit Transvaal entweder zu siegen oder unterzugehen. Auch dann würde es mit der Selbständigkeit deS Oranje-Freistaates zu Ende gewesen sein, wenn Transvaal besiegt worden wäre, ohne daß die Oranje-Buren an dem Kampfe gegen England theilgenommen hätten. Steijn mußte als kluger Mann, der die Lage übersah, unbedingt also mit Transvaal gemeinschaftlich zu Felde ziehen, um die Stegekmöglichkett gleichzeitig beider Staaten zu erhöhen und gleichmäßig für die Zukunft und für die Freiheit beider Länder so viel za thun, wie eben möglich war; und er siegte mit dieser klaren Auffassung der Dinge über die Zweifler und die Widerwilligen im Oranje-Lande. Die Schlußfolgerung war zwingend; Niemand konnte sich ihrer Gewalt entziehen, und dieselbe Macht über die G.müther seiner Landsleute hat Steijn während des ganzen Krieges aus grübt. Sie hat sich namentlich dann bewährt, als Krüger von Transvaal abreiste und in Holland Schutz suchte. Die kühle und klare Ruhe, mit der Steijn bis zum letzten Ende dachte und handelte, ohne über«

GngeL und Dämon.

Roman von Johann Marius.

18 ------ (Nachdruck verboten.)

Während Vernon am nächsten Morgen seine '.Wohnung verließ, um in der benachbarten Stadt Altona einzukaufen, was er brauchte, um das ver- bängnlßvolle Mittel zu bereiten, fuhr Sennora de Fontana — denn sie war die Besucherin bei dem Doktor Vernon gewesen — nach dem von ihr ge- mieteten Hause, besichtigte die Einrichtung und gab der von ihr angestellten Dienerin den Befehl, ein paar der schönsten und elegantesten Zimmer in einem besonders guten Zustande zu erhalten.

„Wenn ich hier einziehe", sagte sie, .bringe ich vielleicht eine Dame mit, die eine Zeitlang bei mir wohnen wird. Für diese Dame find die betreffenden Zimmer bestimmt."

Mittags nahm sie an der Table d'hote bei Hotels theil und entzückte alle Anwesenden durch ihre Schönhest und geistreich? Unterhaltung.

Mit einbrechender Nacht begab sie sich wieder zu Doktor Vernon.

Dieses Mal war ihr Besuch nur kurz. Vernon überreichte ihr ein Pulver und erklärte ihr, wie ei mit sicherem Erfolge anzuwenden sei. Sie händigte ihm dafür die versprochenen hundert Du­katen und den Solitär ein und verließ ihn dann mit den Worten:

„Nach vierzehn Tagen höchsten« hoffe ich Sie wiederzuseßen."

Der gewiffenlose ehemalige Arzt füllte mit dem

triebene Hoffaungen vorher, ohne jammervolles Zusammenbrecken hinterher, ist einfach bewun- dernswerth. Gerade Steijn war vor dem Aus­bruche des Krieges aufrichtig bemüht, eine Aus­söhnung, einen Ausgleich zwischen den Engländern und de« Buren herbeizusühren. Als er aber sah. daß alle diese Bemühungen vergeblich waren, zog er mit der größten Ruhe und erstaunlicher Kaltblütigkeit den einzig möglichen Schluß aus der bedauernSwerthen Lage der Dinge; und dieser Schluß lautete kurz und bündig: Krieg. Was Steijn nachher im Kriege leistete, haftet frisch in unser aller Erinnerung. Gekennzeichnet wird der Geist, von dem er beseelt war dabei, durch seinen flammenden Widerspruch gegen die berüchtigte Proklamation des britischen Ober­befehlshabers Kitchener vom 6. August 1901. Darin brandmarkt er die ganze Art der eng­lischen Kriegsführung so überwältigend, wie es überzeugender und überwältigender niemals ge­schehen kann. Sein offener Brief an Lord Kit- chener wird für jeden unparteiischen Geschichts­schreiber den leitenden Grundsatz für die Beur- theilung diese« ganzen Raubkrieges bllden.

DaS Burenvolk ist unterlegen, trotz seiner zähen Tapferkeit, trotz der H-ldenmuthes seiner Führer. Es mußte die britischen Friedensbe­dingungen annehmen. Aber daß es mit Ehren unterlag, daß es dem Feinde die Achtung vor ihm abzwang, die dieser ihm im Anfänge vor« enthielt, trotz des gegenseitigen leidenschaftlichen Haffes, das verdanken die Buren in erster Reihe dem Präsidenten Steijn. Aber seine Aufgaben sind noch nicht erfüllt.

Der Kampf mit der Büchse ist ausgekämpft. Nun beginnt der Kampf im Frieden um die Er­haltung der burischen Nationalität, und auch in diesem Streite gebührt dem Präsidenten Steijn der Platz an de: Sp'tze jeiner Landsleute. In diesem Streite wird gerade seine Eigenart un­entbehrlich und von allergrößter Wichtigkeit sein; und deswegen wünsche« wir Deutschen den Bure» nichts mehr und nichts dringender, als daß 8teij < recht bald als gesunder Mann in sein südafrikanisches Vaterland zmückkehren und in ihm noch lange Jahre wirken möge als bet berufene Führer seines Volkes.

Reich

Deutsc

Berlin, 5. August 1902.

+ Die .Nordd. Allg. Zig/ schreibt: „Se. Majestät der Kaiser und König wird während der nächsten Tage als chnst de« Kaiser» MKolem» in den russischen Gewäffern weilen. Durch diese neue Zusammenkunft der befreundeten Herrscher wird der Besuch erwidert, den Kaiser Nikolaus Im September vorigen JahreS unserem Kaiser bei den Flottenmanövern in der Danziger Bucht abgestattet hat. Im Laufe der damals gemeinsam verlebten Tage haben beide Monarchen den Wunsch ausgedrückt, sich in diesem Jahre an der russische« Küste in gleicher Weise zu begegnen. Zu unserer Befriedigung geht dieser Wunsch nun- Golde seine Taschen und begab sich noch um die zehnte Stunde in einer der Lokale, wo da« Rsu- leite und der König Pharao, ohne von der Polizei entdeckt zu werden, ihr Unvesen trieben.

Fortuna war ihm in dieser Nacht nicht abhold. Al« er lange nach Mitternacht seine Wohnung wieder aufsuchte, waren seine Taschen mit Gold gefüllt und die von der geh-imnißvollen Besucherin ihm gezahlte Summe war mehr al« verdoppelt.

Seine Geschicklichkeit al« Chemiker hatte ihm also gute Früchte getragen.

Sennora de Fontana begab sich am anderen Tage wieder nach P.

Der alte Diethelm empfing sie ziemlich gefaßt. Martha aber zerfloß in Thronen, al« die falsche Freundin ihr die Worte wiederholte, die Ernst beim Abschiede gesprochen und daß ste ihm gelobt habe, seiner Gattin, wa« auch geschehen möge, treu zur Seite zu stehen!

Die Sennora schloß die Weinende anscheinend tiefbewegt an ihre Brust.

„Ich gab Deinem Gatten mein heiligstes Ver­sprechen", versetzte ste, „und rufe den Himmel zum Zeugen an, daß ich es halten werde."

Ader es war nicht nur der Schmerz der Trennung von ihrem Gatten, der Martha's Augen mit Thränen gefüllt hatte. Noch ein anderer Kummer lag ihr auf dem Herzen.

„Die arme Mutter", sagte ste, „ist wieder kränker geworden, feit Ernst un« verlassen hat. Der Arzt ist jeden Tag zweimal ba gewesen, aber was er ihr verordnet, hat ihre Schwäche nicht be­seitigt. Mit tödtlicher Angsi erwartete ich Deine Zurückkunft. Die Mutter meinte, wenn sie ihre

mehr in Erfüllung. Für Se. Majestät den Kaiser ist es eine besondere Freude, den edle« russischen Herrscher, mit dem er sich durch Ge- (Innungen von wechselseitiger Herzlichkeit ver­bunden weiß, begrüßen zu können. Die Be - ziehungen Deutschlands zu Rußland habe« sich feit dem letzten Beisammensein der Souveräne so günstig fortentwickelt, wie eS der Abwesenheit jeder politischen ReibungSfläche zwi­schen beiden Reichen entspricht. Die allgemeine Lage kann einen abermaligen vertraulichen Ge­dankenaustausch zweier mächtige« Monarchen, deren Politik für die Erhaltung deS Friedens vor allem inS Gewicht fällt, nur willkommen er­scheinen lassen. Diese Aussprache wird durch die Uitertebusgen erzeugt, zu denen als Theilnehmer an der Begegnung ihrer Souveräne bet heutige Reichskanzler und der russische Minister deS Aeußern Gelegenheit haben werde«. Graf Hülow folgt einer von Kaiser Nikolaus gegebenen An­regung, wenn er wie im vorigen Jahre, mit dem Grafen Lamdorff, dem bewährte« Leiter der russischen Politik, in unmittelbaren Verkehr tritt. Wir zweifeln nicht, daß diese persönliche« Be­rührungen der Herrscher und Staatsmänner das durch keinerlei politische Streitpunkte verdunkelt? freundnachbm liche Einvernehmen zwischen Deutsch­land und Rußland befestigen und fördern werden."

X Kerr Löhning. Das verlegene Schweigen der Regierungspreffe hält noch immer an. Es bauert nun schon so lange, baß e« sich nicht mehr aus der Abwesenheit bes preußischen Finanz­ministers von Berlin allein erklären läßt. Wahr­scheinlich hat sich auch ber Kaiser, allermindestens der Reichskanzler Graf Bülow eingehend für den Fall Intereffirt und genauen Bericht eingeforbert; und man wirb nach einiger Zeit sicherlich noch mehr davon hören. Erstaunlich ist ba« Verhalten der oberosfiziöfen .Norddeuischen Allgemeinen Zeitung' — diese hat e« fertig gebracht, bi« zum heutigen Tage den ganzen „Fall LSHning" al» Luft zu behandeln. Er ist einfach nicht auf ber Welt für ba« Oberregierungsorgan. Daraus aber folgt allermindestens, baß e« nicht« zur Vertheibigung be« Verfahrens gegen Löhning zu sagen weiß. Rur bas .Posener Tageblatt' sagt etwas; unb bas verdient deswegen Erwähnung, weil man gewöhnt ist, in diesem Blatte die Ansichten de« Oberpräsi­denten v. Bitter in Posen ausgedrückt zu finden. Dieses Posener Blatt sucht nun darzuthrm, Löhning fei zum Rücktritte vom Amte gedrängt worben nicht wegen feiner Verheirathung, sondern wegen seiner abweichenden Anfichte« über die Polen- Politik. Da« ist aber unwahrscheinlich. Denn Herr LSHning hegte diese Ansichten schon immer unb Hai niemals ein Hehl daraus gemacht; unb dennoch wurde ihm die mehrfach erbetene Ver­setzung nach einem andern Posten mit dem Hinweise auf seine ersprießliche Amtsführung in Posen ab­geschlagen. Roch mehr: ber Obe» Präsident von Bitter hat dem Geheimrat h Löhning ausdrücklich gesagt, baß ihm nicht die Polenpolitik „ben Hals gebrochen habe", sondern bie Verlobung. Man hat e« in diesen Ausführungen des Posener Re­gierungsblattes also kaum mit etwa« anderem zu thun, al« mit leeren Ausflüchten, bie nichts weniger als geistreich erfunden siab. E« ist nicht anzunehmen, baß die Behandlung der Posener Steuerdirektor« nach dem Geschmeckt be« Reichs­

treue Krankenpflegerin wieder an ihrem Bette fitzen sehe, so würde dieser Anblick neue Hoffnung in ihrer Seele erwecken."

Martha's Bericht kam dem schlechten Weibe in hohem Grade erwünscht.

Je mehr die Krankheit, deren Urheberin sie war, sich steigerte, desto eher konnte sie, ohne bei dem behandelnben Arzte Verdacht zu erregen, die letzte Hand a» ihr verbrecherisch « Werk legen.

Sie begab sich sogleich mit Martha hinauf in's Krankenzimmer.

Frau Diethelm war eben au« einem betäuben­den, doch nur kurzen Schlafe erwacht.

Sie streckte mit Anstrengung der Sennora bie abgemagerte Hand entgegen.

„Gott fei gelobt, mein guter Engel ist wieder ba!" hauchte sie. „Für die arme Martha wurde e« zuviel bie letzten zwei Tage. Der Schmerz über ihre Trennung von Ernst hat ihre Kraft gebrochen. Wären Sie nicht wiedergekommen, ba« gute Kind hätte sich wohl selbst zu Bette legen müssen."

Martha protestirte, aber Sennora be Fontana gab Frau Diethelm Recht und hielt bie junge Frau möglichst von dem Krankenlager fern, um ihren nichtswürdigen Plan desto sicherer zur Aus­führung bringen zu können.

Jeden Tag suchte sie in den Tageblättern nach der Nachricht, daß ber „Neptun" von Cuxhafen au« in See gegangen fei. Ehe sie biefe Nachricht nicht empfangen hatte, wollte sie ihr Wer! nicht vollenden. Endlich am dritten Tage wurde ihr die so sehr erwünschte Nachricht.

Jetzt konnte sie ihr teuflisch erdachte« Werk nicht länger aufschieben.

kanzler« unb Ministerpräsidenten Grafen Bülow sei. Hoffentlich sorgt nun Graf Bülow dafür, daß seine richtigere Auffaffung wenigsten« noch nach­träglich zur Geltung unb auch zum öffentlichen Ausdrucke gelange — schon im Interesse der Ein­heitlichkeit innerhalb des preußischen Staats­ministeriums, die Graf Bülow mit Recht bei feinem Amtsantritte als eine ber wichtigsten Haupt­sachen für seine Amtsführung bezeichnet hat.

4- Nnsere Aktie« - Hesetzgeönng leibet an offenbaren Mängeln. Es handelt sich dabei nicht um leitende Grundsätze, die einer voll­kommene« Aeaderung bedürften, sonder« um ge« wisse Nebendinge, die aber nichts desto weniger recht wichtig find; und gerade deswegen würde es kaum eines umfangreichen gesetzgeberische« Apparates bedürfen, um die erwünschten Aenbe« rungen durchzuführen. Die neueste« Äankprozeffe haben von neuem unangenehme Schlaglichter geworfen auf gewisse Treibereien innerhalb do« Aktienbanken, die in ähnlicher Weise ficherlich auch noch anberwärts vorhanden sind; aber nach wie vor verhält man sich an maßgebender Stelle — wenn eine Information der .Natlonallib. Korresp.' zutrifft, ablehnend gegen Aenderunge« an der gegenwärtige« Aktiengesrtzgebung. DaS würde außerordentlich zu bedauern fein, wen« es wahr wäre. Jetzt ist auch die liberale und börsenfteundliche Presse zu der Einsicht gekommen, daß die Akilengefetzgebung einer Reform dringend bedarf. Man sollte meinen — so schreibt in diesem Sinne beispielsweise das »Berliner Tage­blatt' — daß es eines intensiver« Nachdenkens werth. wäre, ob sich nichts gegen solche skanda­lösen Schiebungen, wie sir in den genannten Prozessen zu Tage traten, thun läßt." Sehr richtig!

4- Die Zolltarif. Kommission arbeitet gegenwärtig mit fieberhaftem Eifer, um bie erste Lesung des Zolltarifs in dieser Woche zu Ende zu bringe«. Ts wird so ziemlich alles nach dem Entwürfe des BundesratheS angenommen. Sollte die erste Lesung am Freitag noch nicht beendet fein, fo wird die Kommission diesmal auch am Samstag sich versammeln, um bas ersehnte Ende herbeizuführert. Wie lange die nachfolgende Pause sei« wird, ist noch unbestimmt. Aber vier Wochen wird sie mindestens dauern, und eine solche Ferienpause ist sowohl den Mitgliedern der Kom­mission als auch den Rezierungsverttetern noch- wendig, die den Tarifentwurf in der Kommission zu vertreten haben. Von Mitte September bis zum Wiederbeginn der Plenarsitzungen des Reichs­tages t« der Mitte des Monats Oktober kann viel beraihen werden in der Kommission. Außer­dem besteht ja heute schon kein Zweifel mehr darüber, daß die Entscheidung gar nicht In der Kommission fallen wirb, sondern erst bei der zweiten Lesung hn Plenum.

X Orokfladl - AevölSe»««». Der Zu­nahme der Zahl derjenigen Schulkinder, die i« Folge von geistiger Schwäche dem allgemeinen Schulunterrichte nicht zu folgen vermögen, ent­spricht in Berlin die Vermehrung der geistes­kranken Personen von einem Jahre zum andern. Die städtische Irrenanstalt in Dalldorf, eine Der- hältnißmäßig noch junge Gründung und bereits mehrfach erweitert, entspricht längst nicht mehr den vorhandenen Bedürfnissen; in Berlin bestuden

Der Tag verging für Martha und ihren Vater in steigender Angst. Der Arzt hatte bei seinem Besuch ein sehr bedenkliches Gesicht gezeigt. Nur die stets trostreiche Zusprache der Sennora hatte Martha vor Verzweiflung bewahrt.

Die Sonne eines freundlichen Herbsttages ging eben auf, als Martha, welche bie Nacht über von ängstlichen Träumen gequält worden war, sich von ihrem Lager erhob uns sich rasch ar,kleidete, um nach ber Mutier zu sehen.

Aber sie gelangte nicht bl« zur Thüre des Krankenzimmers, denn Gabriele stürzte ihr, bie Hände ringend, entgegen unb hielt sie zurück.

Ein iödtllcher Schreck machte die gute Tochter so erbeben, baß sie fast zusammenfank.

Ihre Lippen stammelten:

„Um G»tte«willen, wa« ist geschehen?"

Ihre Freundin that, als wenn sie nicht zu sprechen vermöchte.

Martha aber flehte zitternd:

„Sprechen Sie, sprechen Sie, und machen Sie meiner Angst ein Ende!"

„Ich kann nicht, jetzt noch nicht", stöhnte die hinterlistige Freundin. „Gehen Sie und rufen Sie Ihren Vater I"

„Der alte Mann schläft noch", erwiderte Martha mit bebenden Lippe«. „Aber meine Mutter, was ist mit meiner Mutter? Lassen Sie mich zu ihr!"

Sie wollte an der Sennora vorbei. Diese aber hielt sie zurück.

„Nicht ohne Ihre« Vater, Martha. Gehe« Sie, rufen Sie ihn herbei!"

Martha wollte noch etwa- erwidern; doch bie