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0 Aus der Sozialdemokratie

ont en» Verla« der Fuldaer Xctitnlntfae pelrrialk« ar. « «Dar—»lel.

beiterztg.' gar nicht allein um diese einzigen beiden Ziff-rn. In demsrlben Artikel läßt dasselbe Blatt unter Nennung der Namen einer ganzen Reihe einzelner Aktien - Gesellschaften noch ein halbe- Dutzend weiterer falscher Z'ffrrn aufmarschiren; und da- Alle- zu demselben Zwicke, um den Ar. heitern in avshrtzerischer Manier einzureden, daß sie von dem Usternehmerthum in unrechtmäßiger Weise unter nicht unbeträchtlichen LohnvrrkÜrzun-

Berlin, 1. August 1902.

4- Am KraSe dse Kardtoato L-dochowsKi in Rom sollte Graf Matthias Mi-lzyiski im Namen und Auftrage der Posener Polen einen Kranz mit Schleifen niederleqen. N:ch einer Mitthrilang des Grafen selbst an den „Rutg-r Poznan ski" ist ihm die N-edertegung des Kranzes mit den Schleifen in Rom entschieden verboten worden. Der Gras hat darum die Schleifen ab­getrennt und diese dem Prälaten M-rzczynski übergeben. Was für Inschriften auf den Schleifen stehen, wird nicht mitgeth-iit. Nur diese können das Verbot veranlaßt haben.

* GtvtrnW rmd» Ssziatdemskratte. Der .Vorwärts' bringt zu dem bevorstehende» Partei­tage der Sozialdemokratie in München einen

anzefieht, ihrem Entschlüsse, bei der Mu!ter zurück- zublkibrn, nicht entgegen zu sein.

Eenst war zunächst in hohem Grade erschreckt gewesen. Sich wenige Wochen nach der Hochzeit schon von seinem geliebten Weibe zu ttennen, das war ein Gedanke, den er kaum zu fassen vermochte. Und doch konnte er nicht leugnen, daß der Absicht Marthas die edelsten, heiligsten Motive zu Grunde lagen. Es war die erste Stunde seines bis dahin vom Glück begünstigten Daseins, in der ihm die Erkenntniß werden sollte, daß keinem Sterblichen harte Prüfungen erspart bleiben, die nur Festigkeit des Charakters und Geduld zu überwinden vermögen.

Er schwankte lange, ehe er eine Gnt,cheidung traf. Von Marthas rührender Liebe zu seiner Mutter tirfbewegl. schwebten in einem Augen- blicke schon die Worte auf seinen Lippen, dte ihrer Bitte Erhörung versprachen. Im nächsten Augenblicke aber preßte sein Mund sich wieder zusammen. Nein, es war nicht möglich, die Gattin zurückzulaffeu. Die Sehnsucht na<t> ihr würde ihn verzehren, feine Kräfte lähme«, ihn zu allem untauglich machen. Er rang einen oer. zweifelte«, harten Kampf, während er die Flehende so fest umschlungen hielt, als wollte schon in dieser Minute eine feindliche Macht fit ihm entreißen.

„So sprich doch, Ernst, so sprich doch! Du ängstigst mich!" bat Martha nach einer minuten­lange« Pause bangen Schweigens.

„Meine Antwort kannst Du in meinen Augen

lesen," versetzte Ernst mit bewegter Stimme.

| „Ich sehe Tyränen darin, theurer Mann!"

lange« Artikel, der daraus ousgeht, zwei Frage« als die Angelpunkte hinzustellen, um die sich die Erörterungen drehen müßten. Diese Punkte sind: „Die Wahlrechtskämpfe in den Einzel- staaten" und „Das Centrum". Interessant ist e8. zu lesen, in welcher Weise daS sozial­demokratische Organ es begründet, daß gerade das Centrum in München daran glauben soll.

Es heißt da u. a.:

ES ist nicht zu leugnen, daß unsere Erfolge gegen daS Centrum noch verhältnißmäßig geringfügig find. ES gibt schwarze Wahlkreise, die gegen jeden Lichtstrahl undurchlässig scheinen. Andererseits gibt eS doch An­zeichen, daß die Politik des CeutrumS zu inneren Zer- rüttungSerscheinungen führt. Die CrntrumSarbeiter be­ginnen zu rebelliren. Dennoch zerfällt da? Centrum nicht von selbst. Ohne positive Arbeit der Sozial­demokratie würden die inneren Zwistigkeiten der Ultramontanen schließlich in nichts verpuffen. Wie aber mutz eS die Sozialdemokratie anfangen, um in diese Wahlkreise einzudringe». um Elemente zu ge­winnen, die ihrer proletarischen Natur nach zu ihr ge­hören? Welche AgitattonSmrthoden find anzuwenden, welche Form der Organisation ist zweckmäßig? Diese Fragen find aber nicht zu entscheiden ohne eine um­fassende Erörterung deS klerikalen Problems in seinem ganze» vielverzweigten Gebiet. Sowohl daS kirchliche, wie daS politische Centrum, seine geistigen wie seine materiellen Macht- und KampfeSmittel wären von Grund auf zu untersuchen. Der glückliche Umstand, daß der Parteitag diesmal in der Hauptstadt eines katho­lischen Landes stattfindet, wird zur Folge haben, daß eine größere Anzahl Parteigenossen zur Verfügung stehen, die Erfahrungen und Kenntniffe auf dem Felde der Agitation unter der katholischen Bevölkerung haben — eine Tharsache, die geeignet ist, die Diskussion frucht­bringend zu gestalte». ES bedarf wohl keiner werteren Begründung für unsere Anregung, die CeutrumSfrage auf die Tagesordnung zu setzen. .

Die ganze Ohnmacht der Sozialdemokratie gegenüber dem Cmtrum spricht aus diese« Aus- Ührungen des .Vorwärts'. Mag man von Seiten der Sozialdemokratie in München noch so sehr wetter« gegen das Centrum, die katho­lischen Arbeiter werden stch nicht auf die Leim- ruthe der Genosse« locken lassen! „Das Cen­trum zerfällt nicht von selbst" und auch die „positive Arbeit der Sozialdemokratie" wird cm Centrumsthurm „schließlich in nichts verpuffen".

• Der ehemalige Reichstagsabgeordnete Stadt- pfarrer TriKer, welcher als Mitglied des Centrums für den 3. Owpfälzischrn Wahl­kreis Neumarkt dem Reichstage von 1874 bis 1884 angehört hat, ist im Alter von 77 Jahren in Neumarkl gestorben.

* Schnup» i« deut scheu Ksks«ke«. Im letzte» Monatsheft der .Katholischen Miffto»en' ist zu lesen: „Seit Jahren überfluthm deutsche Großhändler die Kolonie (Togo an der west- afrikanische« Küste) aus niedriger Gewinnsucht mit dem Gifte des Branntweins. Wurden doch hauptsächlich aus Deutschland eingrführt i. I. 1892: 1402593 Liter Branntwein (Rum u«d schlechter Fase!), 1893: 1074343 Liter, 1894: 1092756 Liter, sowie 1899/1900 trotz aller Gegenbemühungen »och immer 1054543 Liter. Das macht für pbex Tag durchschnittlich 2889 Liter, und das in einem Lande von kaum zehn Stunden KÜstrnbreite. Von den Hafen- und Versandplätze« Lane, Porto. Segmo und Klein Popo aus wird der Schnaps durch Träger ins Innere weitergeschleppt. Die Folgen kant man sich denken. Kaum gibt es heute etwa«, was so das öffentliche Leben des Negers beherrscht als der Rum. Er begleitet ihn, man möchte sagen,

hatte Frau Diethelm so angegriffen, daß die alte Schwäche sie wieder überfiel. Martha sah, wie sie bläffer und bläffer wurde, und entfernte sich schnell, um bk Freundin he:beizurufen, die im Wohnzimmer bei ihrem Vater weilte.

„Meine Mutter bedarf Ihrer«, sagte sie. „Sie find am genauesten mit ihrem Zustande vertraut. Ich möchte indcffen mit meinem Gatten reden."

Gabriele nickte.

„Ich verstehe, meine Schwester. Suchen Sie Ihrem Manne mit Milde Ihre« Wunsch mitzu- tyeilen."

Sie flüsterte Ernst zu:

„Ihre Frau hat nothwendig mit Ihnen zu sprechen. Sie erwartet Sie im Wohnzimmer. Ich werde für Ihre Mutter sorgen."

Ernst entfernte sich mit leisen Schritten.

Die Senrora blickte auf die Kranke, die mit geschloffenen Augen schwerathmeud dalag.

„Nein, jetzt darf sie noch nicht sterben", dachte sie.

„Meine Mittel müsse« durch stärkende Tropfen des Arztes heute «»schädlich gemacht werden. Wen« das Meer zwischen ihr und ihrem Sohne liegt, dann erst, dann soll es geschehen, ab°r auch nur langsam, damit jede Entdeckung unmöglich bleibt."

Das ist ei« Verfahren, für das man parla- mentarische Ausdrücke nicht zur Verfügung hat. Außerdem ist das Verfahren außerordentlich wenig klug. Glaubt denn i ie.Sächs.Arbeiterztg.' wirk­lich, mit diesem plumpen Schwindel auf die Dauer vor der Okff.ntltchkeit bestehen zu können?

Interessant ist im Gegensätze dazu eine Ar- beit, die der „Genoffe" Eduard Bernstein in der letzten Ausgabe der .Sozialistischen Mo- nstshefte' veröffentlicht. Ec verleugnet darin geradezu die Lehre von der Unterdrückung und Ausbeutung der Mafien, und zwar im auSge- sprochenen Gegensätze zu der letzten, schon mehr­fach erwähnten Schrift von Karl Kautsky, die im Verlage des sozialdemokratischen Berliner Centralorgans unter dem Titel „Die soziale ! Revolution" erschienen ist. Der Behauptung Kautsky's, daß die Ausbeutung der Arbeiter in England wachse, sitzt Bernstein im unmittelbaren Widerspruche dazu entgegen, daß Kamsky nicht nur Unrichtiges behaupte, sondern damit auch sich selbst widerlege. Sein Urtheil faßt Bern- stein mit folgenden Worten zusammen:

„Wer das Gesammtbild der Entwickelung überschaut und nicht völlig den Blick für die Wirklichkeit verloren hat, dem kann und wird es unmöglich verborgen ble b «, daß die herrschenden Klaffen zwar langsam und mit geebnete« Unterbrechungen, aber doch bpmer merkbar von der abdrängenden Arbeiterbewe­gung Schritt für Schritt zurückmeiche«, ein Machtmittel nach dem andern au5 der Hand geben und sich zu immer weiter gehenden Zu- g-ständnifien bigaemen."

Herr Bernstein hat recht!

denden steigen."

Das klingt für den ersten Augenblick ganz annehmbar. Es würde in der That ehe wucherische Ausbeutung der beschäftigten Ärdeilk- kräfte sein, wenn man deren Löhne unter dem Vorwande eines verschlechterten Geschäftsganges berabmindern wollte, während tharsächlich der Reingewinn der Unternehmungen stiege. Wir würden die Ersten sein, die der .Sächsischen Arbeiterzeitung' in ihrer Verurteilung e n?S solchen Unirrnehmeroer fahrens bestimmen würden, wenn die Sachen wirklich stch so verhielten. Aber die,Sächs. Arbeiterztg.' hat geschwindelt. Sie hat nämlich ganz einfach die Gewinnzfffern von 1900 und 1901 umgewechselt: die Ziffer von 1901 für 1900 eingesetzt und umgekehrt, so daß die Wahrheit gerade entgegengesetzt sich ver- hält. Der Reingewinn jenes 53 Uktievgesell- fdhaftett im Bezirke von Plauen hat 7 598140 Mark im Jahre 1900 betragen, im Jahre 1901 dagegen nur 5 285683 Mark, so daß nicht eine Zunahme, sondern eine Verminderung des Rein- gewinnes um dieselben 2l/s Millionen Mark stattgefunden hat, von denen die.Arbeiterzeitung' Klauben machen wollte, daß sie durch Unter­nehmerausbeutung in widerrechtlicher und un­moralischer Weise den Arbeitern durch Lohn­kürzungen entzogen worden sei.

Man könnte nun sagen, daS sei gewiß nur rin Versehe« deS genanvten sozialdemokratischen BlatteS; es Habs sicherlich nur eine Verwechselung der beiöen JahreSziffsr« mit einander sich zu schulden kommen lafisn. Das darf aber erstens einem Blatte gar nicht zustoßen; außerdem han­delt es sich in den Darlegungen der .Sächs. Ar-

Inserat-: Dl«' einspaltige Petit»; zeile oder dere« RaumI5Pfg..Re- tlamen die Petit» -eile 25 Psg.; bet Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt

Daß doch die Sozialdemokratie immer und

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Sehende« Beispiel dieser Art hat die sozialdemo­kratische .Sächsische Arbeiterzeitung' Geliefert. (Nr.

163 vom 18. Juli) Sie will den Beweis dafür | erbringen, daß „um des Wohlergehens einiger' Kapitalisten halber Taufende und Abertausende in Roth und Elend gestürzt werden", und benützt, um diesen Beweis zu führen, den Jahresbericht der Handel«- und Gewerbekammer in Plauen.

Dieser Bericht enthält al» Anhang ein Ver- zeichniß der Akliengesellscha'ten de« entsprechenden Bezirkes, in dem gleichzeitig Auskunft gegeben ist über den Gewinn, den die verschiedenen Gesell­schaften erzielt haben. In der Besprechung dieser Ziffern schrieb die .Sächsische Arbeiterzeitung wörtlich: „

„Bei 53 Aktiengesellschaften betrug namlrch der Reingewinn 7,598140 Mark gegen 5,285 683 Mart im Vorjahre. Also eine Steigerung des Profites um 2 Vs M llio^en Mark, Man ficht, da« Unternehmerthum sicht in schlechten Zeiten schon zu, wo es bleibt! Auch wiederholt sich dasselbe Lied: die Arbeiterlöhne finken und werden oft wucherisch reduzirt und die Dlvi-

Sie flößte der bleichen Frau die derselben verordnete Medizin vorsichtig ein. Die Wirkung, die si- erzielen wollre, blieb nicht aus. Nach wenigen Mrnulen athmete dte Krm kr bereits freier.

Während dieses gescheh, hatte Martha im Beisein des alten Herrn Diethelm ihren Gatten,

„Sie mögen Dir sage», daß ich mich für Lberwur-den erkläre, aber auch, daß ich mit für lange zerstörten Hoffnungen in dir Ferne ziehe. Drin Wunsch ist mein Wille. Es sei, wie Du eS wllst." .

Martha schmierte stch tauig an ihn und küßte ihm die Thränen aus de« Auge«.

„Unsere Mutter weiß «och nicht, was ich be­schlossen habe," sagte sie dann. „O. die Nach­richt, die ich ihr bringe, wird eine Himmelsbot­schaft für sie sein!"

Martha entfernte stch mit rasche« Schritten.

Die fand Frau Diethelm aufrecht auf ihrem Lager sitz-nd, Gabriel- de Fontana saß ihr zur

„Mama, ich habe Dir etwas Wichtiger mit- zutheilen," sagte Martha.

Die Kranke horchte auf.

„WaS denn, meta liebes Kind?"

Ich gehe jetzt nicht mit Ernst «ach Lima. Ich bleibe bis zu Deiner Wiederherstellung bei Dir/ Martha hatte R-cht gehabt, als fie diese Mittheilung eine freudige für die Kranke nannte, den» die letztere breitete beide Arme nach der gelichtet, Tochter aus und ihre Züge verklärten sich.

„Und Ernst ist mit Dir einverstanüen?" flüsterte ste.

Ja, obgleich es ihm sehr schw-r wurde. Doch nun ist es entschieden."

„Aber diese Trennung wird Euch Beiden bitteres Weh bereiten", bemerkte die Kranke.

„Das ist nicht in Abrede zu All », Matter, doch unser einstiges Wtedcrsederi den Schmerz in namenlose F^-.Lr verwandeln."

Angel' und Dämon.

Roman von Johann Marius.

15 ------ (Nachdruck verboten.)

. 9. Kapitel.

Ernst Diethelm hatten an diesem Tage seine Handelsgeschäfte in Hamburg zurückgehalten. Am nächst?« Morgen in der Wohnung seiner Eltern ernrrkffend, hatte tr keine Ahnung, zu welchem Entschlüsse seine Gattin durch da« listige Ver- fahre« der Sennora de Fontana getrieben worden war. Aber auch der alle Herr Diethelm und die Kranke kannten denselben noch nicht, Martha hatte erst die Ankunft ihres Gatten abwarten wollen.

Ernst küßte sein geliebtes Weib und trat mit ihr an das Krankenbett der Mutter. Wie schwach die Matrone sich auch fühlte, ihren Sohn er- blickend. schien ste gleichsam wieder aufzuleben.

„Wie gcht es Dir heute, iheure Mutter?" fragte Ernst, sich zu ihr niederbeugend.

Sie wollte ihn nicht beunruhigen.

„Wenn Du bei mir bist oder Martha an meinem Sager weilt, so schöpfe ich wieder neue Hoffnung. Doch da« soll Euch die Trennung nicht erschweren, Ihr sollt glücklich sein und ich werde bald wieder genesen." Em Lächeln begleitete diese VersiLerüng der alten Frau. In ihrem Inner« aber flüsterte eine gcheimnißvolle Stimme, daß sie l sich niemals wieder von ihrem Krankenlager er« \ heben werde.

Die Freude des Wiedersehen« ihres Sohnes

jnustrirte Sonntags-Zenting“, „iuldaer geschichlsblätler" und Cotlene-Cis(e. ' Jutta, Samstag, den 2. August 1902.

28. Jahrgang.

von der Wiege bis zum Grabe. El« Schnaps» gelage begrüßt den Neugeborenen, mit Rum kauft sich der Bursche feine Braut, der Rum versöhnt den Häuptling und Fetischpriester, der Rum begetftert die Schwarzen zu ihre« wilden Totentänzen. Wer eS nicht gesehen, kann ti kaum glauben, welch magische« Zauber der Rum auf de« Neger auiübt. Wie besessen springt et in betrunkenem Zustande herum. Sein fast natürlicher Anstand verkehrt sich i« niedrige Ge­meinheit ; er wird viehisch und zu jedem V:r» brechen fähig. Wen« es schon so schwer hält, eine« christlichen Schnapsbruder zu bekehren, wie viel schwieriger erst eine« «och halbwilde« Neger« säufer. Und trotzdem, trotz aller Vorstellungen bei der Regierung und aller Versprechen landen täglich neue Rum-Dampfer und rollen zahllose Rurnfäffrr, oft ihre einzige Ladung, ans Land. Und daS nennt man kolomsiren.

* Sttternaf tonale Aöfftchlkett. Liberale Bllätter beben die Thatfache hervor, daß au8 Anlaß des Dampferunglücks bei Nienstedten kein fremdes Staatsoberhaupt dem Deutschen Kaiser eine Beileidsdepesche gesandt habe. Die .Rhein.. Wests. - Ztg.' knüpft folgende Be­merkung daran:

„Nichtsdestoweniger wird, wenn daS nächste Mcck im Ausland irgend eine Celebrität stirbt, ein kaiserliches Kondolenztelegramm abgeben, dazu noch in fremd« Sprache. Und die Zurückhaltung deS Auslandes ist für uns um so auffallender, alS gerade jetzt vorn „Rothe» Kreuz" das Resultat der unter dem Protektorat der Kaiserin inS Wer! gesetzten Sammlung veröffentlicht wird, die für die von der Katastrophe in Martinique Betroff-nen in ganz Deutschland unter amtlicher Reklame inS Werk gesetzt wurde- Es siad 60000 Mark! Wir wandten unS damals gleich gegen dieses übertriebene Entgegenkommen und sagten, daß für die tm Burenkrieg gefangenen Deutschen der Staat keine Sammlung eingerichtet hat. Hier mußten Private helfen. Aller­dings, eS handelte stch auch nicht um daS so karesfirte Ausland! Wo bleiben jetzt die Kondolenzdepeschen de» Königs von England, für deffen hungernde Jndmr bet Kaiser viele Hunderttausende sammeln »eß, wo bleibt der russische Zar, für deffen Abgebrannte M Wyschtyten der Kaiser selbst sorgte, wo der Präsident von Frankreick, sür deffen Kreolen auf Martinique daS Rothe Kteu, 60000 Mark sammeln ließ, wo d« Präsident der Bereinigten Staaten, der vom Kaiser mit Höflichkeiten geradezu überhäuft wird? ES ist die alte Sache, die „internationale" Höflichkeit rst eto- seitia „deutsch" - daS Ausland hätt stq zurück, nur wir. wir allein find die Zuvorkommenden, Höflichen, Gedenden."

4- As» nette bayerische Kttltttsnrimster. Freiherr von Podewils ist aus Wien nach Mün­chen zurückgekehrt. An seiner Ernennung zum bayrische« Kultusminister hat «irmand mehr ge- zweifelt; und diese Ernennung ist nun auch vom Prinzregenten während deffen kurzer Anwesen­heit in München vollzogen worden. Die Perfön- lichkett des reuen Ministers und ebenso seine Entwick lurig sind bereits ausführlich an dieser Stelle besprochen worden. Es ist also nicht noch- wendig, nunmehr nach seiner endgiltigen Gr» nrnnung nochmals darauf zurückzukommen. — NachMragen ist noch, daß Freiherr von Pode- wils. bevor er Gesandter in Wien wurde, sieben Jcchre laug bayerischer Gesandter cm italienischen Königshofe war. Daß er fein Parteimann ist, wurde ebenfalls mehrfach hervorgehoben. Immer- , hi« wird es ihm nicht möglich fein, die Geschäfte ; eines neuen Mtaisterawtes nur mit den Künsten und Kniffen der Diplomatie zu führen; er wird

> Fuldaer

Deutsches Reid).