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M 175.

Inwa, Freilag, den 1. August 1902.

29. Jahrgmg.

® Eisenzölle und Getreidezölle.

Die Entwickelung der Dinge in der Zolltarif. Kommission des Reichstages hat ohne Zweifel Manchen draußen im Lande Überrascht. Man hatte sich vielfach die Behandlung der Eisenzölle anders vorgestellt und nicht geglaubt, daß daS Alles so kurz und glatt nach de« Wünschen der Regierung abgehen werde. Es stehl so ou8, alS habe die geharnischte Ermahnung deS Grafen Posadowsky einen liefen Eindruck auf die Mit­glieder der Kommission gemacht, als habe diese in ihrer Mehrheit der hohen Regierunglöblich sich unterworfen-.

Im allgemeinen bringt man den Verhand­lungen der Kommission nicht mehr besonderes Jntereffe entgegen. Dir Einen meinen, es werde ja doch nichts zu Stande kommen; die Anderen find längst ab geschreckt worden durch die Lang­wierigkeit der Verhandlungen; und roch Andere haben «och gar nicht einsehe« gelernt, welche un­gemein hohe Bedeutung gerade dieser Zolltarif für unsere ganze rvirchschaftliche und national« Entwickelung hat. Aber gerade die beiden Zoll­gattungen, von denen jetzt die Rede ist, die Eisen­zölle und die Getreidezölle, erfordern durch ihre ganz besondere Wichtigkeit auch eine ganz be­sondere Aufmerksamkeit. Jr einer Versamm­lung in Fulda haben vor etlichen Monaten auch die Csnlrumsabgeordmten Herold und Müller-Fulda in allgemein sehr beifällig auf­genommenen Reden darauf aufmerksam gemacht: da es leider nicht möglich erscheine, die berechtigten Zollforderungen der Landwtrthschast durchzusetzrn, müsse tun auch dafür gesorgt werden, daß dir Landwirlhschüft wenigstens nicht nochmals belastet werde durch hohe Zölle für ihre Bedürfnisse an Geräthen und Maschinen und dergleichen mehr; deswegen müsse dafür gesorgt werden, daß die Einfuhrzölle für Eise« und Maschinen die ent­sprechende Herabsetzung erfahren.

Nun ist ein besonderer Umstand zu beachten. Nach den Wünschen der Regierung soll die zweite Lesung des Zolltarifentwurses in der Kommission gar nicht mehr so ins Einzelne gehe«, wie diese erste Lesung, die nunmehr ihrem Esde entgegen- geht. Nach dem Plane der Regierung sollen bei der zweiten Lesung nur noch einzelne Zollsätze genauer berathrn werden, nämlich die Getreide- und Viehzölle. Alles Andere soll dann in Bausch und Bogen nach den Beschlüssen der ersten Lesung erledigt werden. Wird nach diesem Plane bei der zweiten Lesung verfahren, dann gelange« die Eise« - und Maschinenzölle ohne Z vetfel genau in der Fassung der jetzt an­genommenen Ansätze zur Annahme, und danach würde dann die jetzige Voraussetzung zu ändern sein, daß es sich gegenwärtig nur um eine vor­läufige Beschlußfassung handele. Bei einem solchen Verfahren würden die Zollsätze für E sen und Maschinen in der jetzt beschlossenen Höhe aus der Kommission auch an das Plenum deS Reichs­tages gelangen und die maßgebende Grundlage bilden für die zweite Lesung der Zollgesetze im Plenum.

Wenn die Regierung wünscht, daß bei der zweiten Lesung in der Kommission die Zölle für Getreide und Vieh nochmals einer genaueren Einzelverathung unterzöge« werden, dann sollte «MSSSWSSSSWSSSSSSWSS^^SSSSS Kngell und Dämon.

Roman von Johann Marius.

14 ------ (Nachdruck verboten.)

Der Arzt untersuchte die Elkcankte, die so schwach war, daß sie ihm kaum eine Antwort zu geben vermochte. Sennora de Fontana war bei dieser Konsultation zugegen und zeigte eine Theilnahme, welche die junge Frau tief rührte.

Der Arzt schüttelt« den Kopf.

Er hatte Frau Diethelm noch vor wenigen Tagen gesehen. Diese so plötzlich gekommene Schwäche, welche mit einem fieberhaften Zittern verbunden war, erschien ihm räthselhaft, was er auch gegen den betrübten Gatten aussprach. Er verschrieb ihr eine Medizin, welche sofort au« der Apotheke besorgt wurde,

Gabriele de Fontana, die genau auf die Vor­schrift des Arzte» geachtet hatte, ließ er sich nicht nehmen, der Kranken die verordneten Tropfen all­stündlich «inzuflößen; sie bat Martha, di« untröst­lich war, und den alten besorgten Herrn, gegen Mitternacht zur Ruhr zu gehen.

Martha ist so aufgeregt, daß sie selbst vor Angst krank werden könnte", sagte sie,und &e, mein alter, würdiger Freund, bedürfen in Ihren Jahren auch der Ruhe. Ich aber bin gesund. Mir wstd die Nachtwache nicht schaden. Auch halte ich'e« für meine Pfl cht, Ihrer lieben trau beizustehen."

Am nächsten Morgen fühlte sich Frau Diet­helm, nachdem sie die Medizin pünktlich einge­

ma« annehmen, daß sie bereit wäre, Zugeständ­nisse auf dem Gebiete dieser Zölle zu machen. Aber alle bisher ergangenen Erklärungen der RegierungSoertrettr spreche« doch gegen eine solche Annahme. Und wen« es auch wahr wäre, waS jüngst in einigen liberale« Zeitungen berichtet wurde, daß nämlich die Regierung für die Gerste eine Erhöhung von 50 Pfg. Über be« ursprüng­lichen Zollsatz ihres Entwurfes hinaus zugestehen wollte, dann würde das ganz und gar nicht hin- reichen, um die allerbescheidensten Ansprüche der deutsche« Landwirthschaft zu befriedige«. Damit würde die Regierung noch ungemein weit entfernt fei« von dem Kompromiß Über die Getreidezölle, wie eS mit vieler Mühe unter der Führung des Abgeordneten Herold bei der ersten Lesung in der Kommission zu Stande gekommen ist. Die ganze Haltung der Regie- rung in der Frage, der Behandlung der land- wirthichoftlichen Zölle flößt auf jeden Fall nichts weniger als Vertrauen, sondern nur Mißtrauen ein. Ihre ganze bisherige Haltung geht daraus hinaus, der Industrie hohe Schutzzölle zu erhal­ten und gleichzeitig durch möglichst niedrige Be­messung der landwtrthschasllichcn Mindrstzölle die möglichst günstige« Bedingungen sich zu schaffen für den Abschluß von Handelsverträgen, die in der Hauptsache auf die industrielle Ausfuhr zugefchnitten find.

Solche Grundsätze entspreche« dem berüchtig­ten Grundsätze von der Umwandlung Deutsch­lands in einen reinen Industriestaat. Die Aus­führung solcher Grundsätze würde im schroffen Widerspruche stehen zu allen de« Gesichtspunkten, die von der zollfreundlichen Mehrheit des Reichs­tages bei der ersten Lesung der ZollgrfttzentmÜrft im Plenum desselben und in der Kommission als maßgebend aufgestellt worden sind. Man kann darum zunächst nicht annehmen, dsß es bereits zwischen der Regierung und dieser Mehrheit zu der erwünschte« Verständigung hinter den Kulissen gekommen sei. Man muß vielmehr der ganzen Sachlage, wie sie jetzt besteht, ein ausgesprochenes Mißtrauen entgegenbringe«.

Den Vertretern der zollsreundlichen Mehr- heiisparieien in der Kommission würde es ver- muthlich sehr erwünscht sein, während der Pause in den Berathunge« der Kommission die Ge­legenheit zu einer Aussprache mit ihren Fraktions­genosse« zu erhalte«, wie es in der CrnirumS- presse bereits angeregt wurde. Denn je breiter die Grundlage ist, auf der sie stehen, desto fester und desto besser wird ihre Stellung gegenüber der Regierung sei«.

Bietet nicht die bevorstehende Generalver­sammlung der Katholiken Deutschlands diese erwünschte Gelegenheit für da- Centrum?

Berlin, 31. Juli 1902.

+ Seelsorge -ei der Marine. Jetzt?um allererste« mal feit dem Bestehen unserer deutschen Kriegsflotte konnte ein katholischer Seelsorger an

itommen und bann ein paar Stunden geschlafen hatte, etwa« bester, und al« in der achten Stunde der Arzt wieder kam, sprach er seine völlige Zu­friedenheit mit ihrem Zustande au«.

Dem alten Diethelm fiel ein Stein vom Herzen. Martha'« Freude war grenzenlos. Sie küßte der Mutter die blaffen Wangen und um­armte bann die Freundin.

Sie haben unsere Mutter diese Nacht vor­trefflich gepflegt/ tief sie.Sie haben mehr ge- than al« ich, die ich in meinem einsamen Stübchen nur für die theure Kranke gebetet habe."

Die verlorenen Kräfte hatten sich bei Frau Diethelm so schnell wiedergesundeu, daß sie gegen Mittag sich von ihrem Lager erheben und, gestützt auf Martha und die Sennora, ein kurzen Spazier­gang unternehmen konnte. Al« aber die Sonne unterging und die Dämmerung eintrat, kehrten die Ohnmächten wieder und der Arzt mußte aus'S Neue herbeigerufen werden.

Er ist schwer zu errathen, roa« Ihrer guten Frau fehlt", sagte der Arzt zu dem Gatten.Es ist möglich, daß ein Fieber im Anzugs ist. Vorläufig heißt er Geduld haben und abwarten, wie sich die Krankheit weiter gestaltet. Die Tropft«, die ich ihr gestern verschrieb, müssen diese Nacht wieder in Anwendung kommen."

Gegen 10 Uhr Abends kam Ernst aus Ham­burg zurück. Martha fi-l ihm weinend t« die Arme und erzählte ihm, was vorgegargen war. Diese Nachricht war für den jungen Mann ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel. War die Mutter in Wahrheit schwer erkrankt, mit welche« Ge­fühle« mußte er dann die weite Reise antreten.

Bord eines der im Dienste befindlichen Schiffe kommandirt werden. Für die Pastorinmg der katholischen Mannschaften des ersten Geschwadrr- verbandes ist Marinepfarrer Keil an Bord deS LinienschiffesKaiser Wilhelm der Große" kom- mandirt worden.

X A-r» Lötzrring. Die Regierung? presse schweigt zu den Veröffentlichungen über den Fall Löhning. Und dennoch ist in diesem Falle die Vrrurtheilung der Maßregelung des Provinzial- fieuerdirektors von Posen so allgemein in der unabhängigen Presse und so vollkommen Über­einstimmend, wie das in ähnlicher Weise außer- ordentlich selten vorkommt. Die Regierung muß unbedingt eine sehr genaue Untersuchung dieses FalltS vornehmen. Es muß festgestcllt werden, von welcher Stelle diese allgemein verurthkilten Maßnahme« gegen Herrn LSHning aus gegangen si-ch, um so wehr, alS neuerdings in Posen das Gerücht umgeht, der Oderregierungsrath GesÄ solle ins Ministerium berufen werden. Dies ist der Beamte, auf den Herr Löhninz die Veran­lassem g 8'1 dem Verfahren gegen ihn zurück führt; denn Herr Gesch erstattete dem Fma»zministrr Bericht, und unmittelbar danach erfolgte die Maß­regelung. Eine Berufung dieses Beamten in das Minister irm würde aursehen wie eine ausdrück­liche Belohnung für feine That, und damit müßte man annehme«, daß der Finanzminister Frhr. von Rheinbaben persönlich die treibende Kraft bei der Dache war. Deswegen wird eine amt­liche Klarstellung doppelt nothwendiz.

X ß>ker!s»1«a«r KildeSrarrd SeWsdigt! Man hatte es ja wieder einmal richtig voraus- gesagt: Auch der Oberleutnant Hildebrand, der im Vorjahre im Zweikampfe den Leutnant Blaskowitz in Insterburg erschoß und zu einer Fistangsstrafe von zwei Jahren verurtheilt wurde, ist jetzt, wie schon kurz gemeldet^ b e - gnadigt worden, nachdem er kaum die erste Hälfte seiner Straft abgebüßt hat. Die Strafe an sich war nichts weniger als hoch. Nun ist auch ihm mehr als die Hälfte derselben im Gnadenwege erlassen worden, und alle durll- wüthigen Elemente in unserem Heere werden aufs neue Muth schöpfen und frisch? Neigung dazu bekommen, ihre Streitigkeiten auf barbarische Weise durch die Gewalt des Säbels und des Schießeisens zu entscheiden, als sich nach der Gepflogenheit gesitteter Leute auch nur so weit herabzulasftn, wegen gröblicher Beleidigungen Anderer auch nur ein Wort der Entschuldigung zu sage«. Kriegkminister v. Goßler hat bei der Besprechung des Insterburg» Duells im Reichs­tage ausdrücklich zu erkenne« gegeben, daß in diesem Falle den ureigensten Bestimmungen des Kaisers zuwider gehandelt worden sei. Nun wird der Oberleutnant Hildebrand begnadigt, nachdem et von 24 Monaten nur ganze sieben Monate abgebüßt hat. Das ist doch unter keinen Umständen die geeignete Wahrung der Autorität der Befehle des obersten Kriegsherrn; das heißt int Gegentheil diese Autorität gtflifsemlich unter­graben.

+ Der Wahlkreis FmlmSsH Iorchtzeim bietet ein recht interessantes Bild dar. Dort ist, wie berichtet, eineEinigung aller Liberalen" auf den nationalliberalen Fabrikanten Faber in Forchheim zu Stande gekommen, unv jetzt ist

Martha, die sich nicht zu fassen vermochte, hatte keinen Trost für ibn. Sein Vater sprach die Hoffnung, daß dir Mutter wohl bald wieder genesen werde, auch nur zweifelhaft aus. Da legte Gabriele ie Fontana sich wieder als guter Engel in's Mittel.

Ich habe in Chile als Mitglied eines wohl- thätige« Vereins für Krankenpflege einige Er­fahrungen gesammelt," sagte sie zu Ernst,und an manchem Krankenlager gestanden. Nach meiner Uebetzeugung ist für Ihre Mutter keine Gefahr zu befürchten. Jedenfalls soll ihr nicht die sorg­samste Pflege fehlen. Ich habe das Amt einer Krankenwärterin übernommen; daß ich dasselbe zu versehen im Stande bin, wisse« Sie von un­serer Reise her, wo ich das kranke junge Mäd­chen in meine Obhut «ahm. Ich habe die vorige Nacht bei Ihrer lieben Mutter gewacht und werde eS auch in der kommenden thuu. Ei« paar Stun­den Schlaf am Tage genügen mir."

Die erfahrenste und pflichtgetreueste barmher­zige Schwester hätte die Kranke nicht sorgsamer pflegen könne«, als die Freundin des Hauses es fortan that. Nicht nur, daß sie Alles, was der Arzt verordnete, aus'S pünktlichste ausführte, sie bewies dabei auch eine engelsgleiche Geduld, sie wußte die Leidende zu trösten und zu beruhigen, intern sie ihr eine baldige Genesung voraussagte.

Frau Diethelm selbst, ihr Gatte, Ernst und Martha sahen eine Botin des Himmels in ihr und der Arzt wünschte ihnen Glück, eine so liebe, aufopfernde Freundin zu besitzen.

Aber weder die Pflege dieser Freundin noch die Vorschriften des Arztes brachten eine B»ffe-

auch der gemeinsame Wahlaufruf dieserge» einigten Liberalen" erschienen. Er fordertbei Abschluß langfristiger Handelsverträge auf Grund bet derzeitigen Zollvorlage der Reichsregierung" also auch die Freisinnigen stelle« sich da­mit auf die Grundlage dieses RegiernngSent- wurfts. WaS sagt denn Herr Engen Richter dazu? Die freisinnige Parteileitung in Nürn­berg hat sich gegen das Wahlabkommen gesträubt, aber die Freisinnigen des fraglichen Wahlkreise- haben sich um diesen Widerspruch nicht weiter gekümmert. Und was trieb sie hauptsächlich dazu? Die Feindschaft gegen daS Centrum. Diese ist auch bei den Freisinnigen größer, al- alles andere. Sie werfen sogar ihre ganze Handelspolitik über Bord, um nur die Aussicht zu erlangen, dem Centrum einen einzige« Wahl­kreis zu entreißen ein ohne Zweifel äußerst lehrreicher Vorgang!

+ I« WzchkLreis- WontavE find bei der Ersatzwahl zum Reichstage «ach der «unmehr vorliegenden amtlichen Feststellung deS Wahl­ergebnisses für den C-ntruwskandidaten Dr. Dahlem 10,361 Stimmen abgegeben worden, d. h. etwa tausend Stimme« mehr, als i. 1.1898 abgegeben wurden. Die Kandidatur deS Guts­besitzers Brand, die von den Vertrauensmännern deS Bundes der Landwirthe aufgestellt worden war. bat der nationalliberalen Partei starken Abbruch getha«, deren Stimmen im Vergleiche mit dem Wahlergebnisse von 1898 einen beträcht­lichen Rückgang erkennen lasten. Die absolute Mehrheit des Crntrumsmarrnrs beträgt nicht weniger als 2770 Stimme« gegen drei andere Wahlbcwerber das Crntrum bleibt der alle feste Thurm, der trotz aller Anstürme nicht in feinen Grundlage« zu erschüttern ist.

* Die MrSf«mKeit de» Iürsorge- erzietznng»gefetze» im Kalenderjahre 1901, also in den ersten 9 Monate« der Geltungsdauer des Gesetzes ist viel größer gewesen, als es anfäng­lich schien und als bei Erlaß des Gesetzes ange­nommen wurde. Man nahm an, es würden etwa doppelt so viel Kinder in die Fürsorge­erziehung kommen, als früher in die Zwangs­erziehung tarnen. In letztere kamen in Preußen jährlich etwa 141500, im erste« Halbjahr kamen aber in Preußen in Fürsorgeerziehung schon 2885 und dabei ist zu berücksichtigen, daß in dem ersten Vierteljahr noch fast gar keine Be­schlüsse auf Fürsorgeerziehung gefaßt find. I« Westfalen allein find in den ersten 9 Monaten 552 Kinder dem Gesetz unterstellt worden, in bet Rheftprovinz sogar 1600, das müßte sür ganz Preußen eine Zafl von etwa 9000 FiftforgezöZ» linge in 9 Monaten und für ein volles Jahr 12,000 Fürsorgezöglinge ergeben, wen« das Ge­setz überall in gleicher Weise durchgeführt würde. Die Wirkung des Gesetzes wird also im ersten Jahre nicht 2 mal sondern 68 mal so groß sein als die des früheren Gesetzes über Zwangs­erziehung.

X Joseph Kürschner f. Bei einem ÄuS» fluZe von Windisch Matrei nach dem Venediger ist am 29. Juli Professor Joseph Kürschner in­folge eines Herzschlages gestorben. Mit ihm verschwindet eine ganz eigenartige, charakteristische und ohne Zweifel s hr sympathische Gestalt au8 den Kreisen der deutschen Presse und Litteral«,

rung in dem Zustande der Kranken heroor und die roch vor kurzem so rüstige Matrone blieb beständig an das Lager gefesselt.

Der Arzt war- rachlos, und Woche auf Woche verging, ohne daß seine Kunst^der Leidenden eine Hilfe zu gewähren vermocht hätte.

Es war nur noch eine Woche, bis Ernst und feine Gattin sich vom Vater Hause trennen sollten. Für ihn war die Reise unabänderlich, wollte er nicht seine ganze Zukunft in Frage stellen. Martha aber, welche die Pflegerin ihrer Jugend so liebte, wie nur je ein Kind feine rechte Mutter geliebt hatte, sie konnte im Nsthfalle zurückbleiben und später, wenn alle Gefahr vorüber war, ihrem (Satten auf einem andern Schiffe Nachfolgen.

Die arme junge Frau hatte einen schwere« Kampf zu bestehen. Sie sollte wählen zwischen ihrem Gatten, be« sie g enzenlos liebte, und der Mutter, an die sie nicht nur die Liebe, sondern auch die Pflicht der Dankbarkeit band. Sich von dieser jetzt zu trennen, erschien ihr wie ein Ver­brechen, das die Strafe des Himmels herabrufen würde. Von ihrem Gatten «ach einer monatlichen Ehe zu scheide«, das konnte sie ebenso wenig überwinde». Sie lag manche Nacht auf den Knieen und flehte den Himmel um Erleuchtung an, aber kein Weg zeigte sich ihr, den sie gehen konnte.

Gegen ihre« Gatten wagte sie ihre ganze Ver­zweiflung nicht auszusprechen. Sie wußte, daß er sich ohne sie recht unglücklich fühlen würde. Nur darum hatte er die Hochzeit so beschleunigt, um sie als liebe Begleiterin zur Seite zu haben. Auch fürchtete sie, wie ein guter Sohn er auch war, er körne ihr die Antwort geben, daß ihre