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29. Jahrgang.

Iuwa, Mittwoch, den 30. Juli 1902.

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BSJSSS®?1* „Tllustrirte Sonntags-Zeitung0, ,Juldaer Geschicbtsblätter" und £ofterie--n$fe.

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Landarbeilerunruhen in Galizien.

I» Galizien, namentlich in den östlichen Be« »irkea. ist eine Bewegung ausgebrochen, die wegen ihre« eigenartigen Charakters allgemeine Auf. me.ksamkeit verdien!. Augenscheinlich erfährt vian durch die vorliegenden Zeitungsmeldungen nur einen Theil der Vorgänge, die sich dort ab« spielen. Aber das, was man erfährt, genügt vollkommen, um die ganze Bewegung in einem recht bedenklichen Lichte erscheinen zu laffen. I« einige« Zeitungen ist von einem „Bauernstreik in Galizien" die Rede. Das ist natürlich eine gänz» lich thörichte Bezeichnung. Es handelt sich nicht um Bauer«, sondern um Feldarbeiter; und wen« auch einige Kleinbauern sich daran betheiligen, so thun sie das nicht in ihrer Hauptetgenschaft als Bauer«, sondern deswegen, weil sie nebenher auch Tagelohnarbeiten auf großem Gütern verrichten.

Die Leidenschaften haben augenscheinlich einen bedauerlich hohen Grad erreicht. Arbeitswillige Leute werde« mit der Anwendung roher Gewalt daran verhindert, Feldarbeit zu verrichten. Ge­treidefelder werden verwüstet; Gutshöfe werden überfallen und ausgeplündert; auch Brandstif­tungen anWirthsckaftsgebäude« sind vorgekommen, und die Gendarmen, die Ruhe und Ordnung wieder Herstellen wollten, haben kein Gehör, son­dern mehrfach thätliLen und sehr nachdrücklichen Widerstand bei den Ausständigen gefunden; wo­bei mehrfach Gendarmen schwer verletzt worden find. Die Regierung mußte also Militär nach den Bezirken entsenden, in denen der AuSstand herrscht.

Fragt man nach den Ursachen der Bewegung, so muß man augenscheinlich zwischen Ursachen von zweierlei Art unterscheiden: zwischen den Ursachen allgemeiner Art und älterer Herkunft und solchen, die erst jetzt zu wirke» angefangen haben. Zu jenen allgemeinen Ursachen gehört die leider unvestreitbare Thatsache, daß t« Galizien ebenso wie in Ungar« die Lage der Frldarbeiter nicht den Zeitoerhältniffen angepaßt ist. wie über­all bei uns in Deutschland. Die Entlohnung läßt vielfach ebensoviel zu wünsche« übrig, wie auch die persönliche Behandlung der Leute; und daß darau- Unzufriedenheit bei ihnen entsteht, ist nicht weiter zu verwundern. Auch in den allerabgelegensten Bezirken von Galizien und Ungarn weiß man jetzt, wie anderwärts die Feld- arbeiter gestellt stnd; und diese selbst haben längst ein ganz gutes llrtheil darüber gewonnen, ob sie das Opfer von Uaternehmerausbeutung werden sollen oder nicht. Daß also gerade in jene« ab« gelegensten Theilen von Galizien Unzufriedenheit unter den Frldarbeitern herrscht, ist ohne weiteres zu erklären.

Anders steht es mit den Aeußerungen dieser Unzufriedenheit. Solche Ausschreitungen zu be­gehen. wie sie jetzt dort begangen werden, liegt im allgemeinen gar nicht in dem Wesen jener Leute. Man kommt daher auf die Vermuthung, daß eine besondere, von außerhalb unter sie htneingetragrne Agitation ihre Gemüther plan­mäßig bis aufs Aeußerste erregt hat.

Die Schlachta, der polnische Grundbesitzer- adel, hat zwei Hauptgegner: die Sozialdemokraten auf der einen und die Nationalrvthenen auf der andere« Seite. Der ruthenische Stamm ist in

Kngel.' und Dämon.

Roman von Johann MariuS.

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»Wie hätte das auch möglich sei« können, Sennora!* entgegnete Ernst höflich. „Schon die Erinnerung an die angenehmen Stunden, die mir Ihre Gesellschaft auf der lange« Reise ge­währte. mußte Ihr Andenken in mir wachrufcn. Sie gaben mir. wenn ich nicht irre, daS Recht, Sie als Freundin zu betrachte», So werden sie denn auch dem Freunde die Bitte erfüllen, ihm und seinen Eitern das Vergnügen Ihres Besuche- auf dem Lande zu schenken. Meine Eltern werden Sie mit einfacher Herzlichkeit empfangen und Jh^en den kurzen oder längere« Aufenthalt dort behaglich zu machen suchen. Auch bin ich der U-berzeugung, daß die frische gesunde Landluft Ihnen wohlthun wird."

„O, gewiß, mein Freund!" sagte. die Sennora mit verbindlichem Lächeln. „Ich willige mit Freuden ein. Aber wollen Sie nicht Platz nehmen?"

Sie deutete auf den im Zimmer stehenden Diva«.

Ernst lehnte ab. Die Börsenzeit war nahe und er wurde von Herrn Gehring erwartet.

„Es thut mir lew. Sie so schnell wieder ver­lasse!, zu müssen", sagte er. „aber Geschäfte gehen bei einem Kaufmann selbst der anzenehmften Unter­haltung mrt einer Iteb-nSwürdigen Dam- vor. Zu weicher Zit darf ich Sie morgen abhole», grüdtge Frau?"

„Bestimmen Sie selbst die Stunde, mein guter Freund", erwiderte sie. „Mich hält hier nichts zmück."

„Gut denn, Punkt elf Uhr werde ich mit einem Wagen vor dem Hotel halten."

„Die solle» mich bereit finden."

E «st empfahl sich in der höflichste» Weise.

Ec hatte eb#n die Thüre hinter sich zugezoge», als Sennora de Fontana h lauten Jubel ausbrach.

„Es war Nacht um mich her", rief sie, „doch jetzt scheint die Sonne wieder. Und sie soll nickt untergeh rn, bis ich ihn mein nenne, mein für'S ganze Leben! Die Kunst des B-zrubern« habe ich oft genug m t Erfolg grübt, sie wird mich auch jetzt nicht tm Stiche taffe«. Ich bin meiner Sache um so gewisser, da er des Mädchens, deffen Bild er mir zeigte, mit keiner Silbe erwähnte. Ec liebt sie nur wie ein Bruder und ich habe von der jungen Dorfschönen «ich s zu befürchte«. Seine Elter« für mich zu gewinnen, wird ein Leichtes sei». Die Kunst, die Charaktere der Menschen zu studiren, habe ich oft genug erprobt. Ich werde bald alle für mich eingenommen haben. Das Alles soll mir ohne Schwierigkeiten gelingen, wenn ich nur keine Rivalin in dem junge« Mädchen, von dem er immer nur wie von einer Schwester sprach, zu befürchten habe. Und wenn selbst das der Fall wäre, ich will trotz alldem siegen. Der Mann, den ich liebe, soll der Meine werden; es wird eine Zeit kommen, wo er mich lieben wird wir ich ihn liebe — leidenschaftlich und heiß. Ich will dieses Ziel erreichen, koste es, was es wolle! Ich muß triumphiren uns sollte ich selbst zu feinem Dämon werden!"

früheren Jahrhunderten durch die polnische Schlachta allmählich aus dem adelige» Grund- >efitz herausgedrSngt, in aller Form zu einem Stamme der Unterjochten gemacht worde«; und wo nun heute die jungruthenifche Bewegung diesem polnische» Grundbesitzadel Schaden gü­tigen kann, thut sie es ganz gewiß. Die Mel« »ungen klingen darum ganz glaubhaft, daß ruthenische Studenten in jener Gegend umher­reisen, um die vorhandene Unzufriedenheit der Leute auszunützen zu der Anfachung dieser Arbeiterbewegung. Nach Meldungen Wiener Blätter find von Lemberg aus planmäßig ruthenische Studenten von jungruthenischen Politikern ausgesandt worden, um die Land­arbeiter aufzuwiegeln; und als die Bewegung einmal im Flusse war, haben sich auch die Sozialdemokraten dafür interesfirt und beschloffe», die Ausständigen zu unterstützen. Die Äuthenen rekämpfen die Grundbesitzer, weil sie Polen sind, )ie Sozialdemokraten aber aus allgemeiner Freude an solchen Wühlereien und Bewegungen und auch in der Hoffnung, in den fraglichen Bezirken neue Anhänger zu gewinnen. Daß die Bewegung theilweise gerade gegen das polnische Adelselement ihre Spitze richtet, geht daraus hervor, daß die Unruhen ihre gefährlichste Gestalt angenommen haben in den Gutsbezirken bekannter politischer Persönlichkeiten: so des Ministers Grafen Goluchowski, des Statthalters Grafen Pininski und feines Bruders und anderer mehr.

Unter allen Umständen aber bleibt die ganze Bewegung eine durchaus bedauerliche Erscheinung, und diejenigen haben eine schwere Verant­wortung auf sich geladen, die planmäßig die Verhetzung betrieben haben und noch betreiben. Selbst wenn die Regierung einsieht, daß die Unzufriedenheit der Feldarbeiter i« jenem äußersten Ostgalizie» zum Theil ihre Berechtigung hat, muß st« mit Waffengewalt gegen die Ausständigen vorgeyen, wen» diese zu Gew.rltthätigkeiten schreiten; und das Ende des Ganzen kann bann nicht mehr zweifelhaft sein: Die Bewegung muß unter solchen Umständen ein klägliä s Erde nehme», und auf jene Arbeiter fällt kann der Vorwurf, daß fie sich in dieser gew nlthätigen Weise gegen Eigenthum und Leben it^r Arbeit­geber vergangen haben. Auf solche W sse wird den Leuten nicht genützt, sondern geschadet. Die Handlungsweise der Hetzer und Wühler aber ist auch unter den gegebenen Umständen nur durch­aus zu verdamme«; denn ihnen kommt im Grunde genommen gar nicht auf die Besserung der wirthschaftlichen Lage der ostgalizischen Feld­arbeiter, sondern nur auf die Beitreibung be­sonderer politischer Sonderzwecke an.

Berlin, 29. Juli 1902.

He Minister von Aodvielssti «nd kein Knde. Die Stolper Rede der preußischen Land- wirthsckaftsrmnisters kann noch immer nicht zur Ruhe komme». Die frethändlerischen Blätter

haben zu viel zu thun. um durch allerhand Scheingefechte ihren Rückzug zu decke». Die Füh­rung hatte die freisinnige ,Voff. Ztg.' in Berlin bei dem ganzen Abenteuer. Diese hatte nun kürzlich noch behauptet, den Vorsitz bei dem Esse«, das die Veranlassung zu der Rede gebildet habe, habe der Oberst a. D. von Mitzlass geführt; und ihn habe der Minister v. Podbielrki gefragt, ob „wir unter uns" seien. Damit hat die gute „Tante Voß" einen neuen Hereinfall erlebt. In der 1 .Kreuz Ztg.'. letzte Sonntags­nummer, hat der genannte Oberst von Mitzlaff selbst eine Erklärung veröffentlicht, in der er u. a. sagt: „Ich bemerke hierzu thatsächlich, daß ich dem gemeinschaftliche» Mittageffen mit dem Herrn Minister nicht vorgeseffen habe. ... Es entspricht weder meiner Erziehung, «och meiner Gewohnheit, Tischreden in privatem Kreise einer öffentlichen Kritik zu Übergebe». Ich will aber bemerke«, daß die in verschiedenen Zeitungen freisinniger Richtung aufgenommene Berichter­stattung Über die angebliche Antwortrede des Herrn Ministers auf mich den Eindruck einer Arbeit gemacht hat, welche nach dreiwöchentlichem Hungern, in dieser Zeit der Hundstag?, vielleicht am Kaffeetisch einer alten Tante und ihrer be­jahrten Base« zusammengestoppelt sein kann." Die Erfinder dieser Berichte und die Zeitungen, die dieselbe» abdrucken, sind um diese Erfirdung und ihrer Folgen wirklich nicht zu beneiden.

U Aeichsa«gelege«Hettev «nd Ktnzek- La«0lage. I» der bayerische» Abgeordneten­kammer ist bekanntlich am letzten Freitag Über eine« sozialdemokrattschen Antrag verhandelt worden. Nach diesem Anträge sollten die Tage­gelder für die bayerischen Bevollmächtigten zum Bundesrathe so lange gestrichen werden, bis die Mitglieder des Reichstages ebenfalls Tagegelder erhalten. Die Sozialdemokraten haben nach kurzer Verhandlung, wie ebenfalls bekannt, ihren An­trag zurückgezogen. Sie waren befriedigt durch die Erklärung r» deS Finanzministers Freiherrn von Riedel und des Centrumsabgeordreten Dr. Schädler, au?i denen hervorgeht, daß die bayerische Regierung im Bundesrathe jeglicher Beschneidung M allgemeinen, gleichen und direkten ReichslagSwahlrechtes sich widersetze« wird; die ganz? sozialdemokratische Aktion ist doch also schon deswegen Nicht allzu tragisch zu nehmen. Nichtsdestoweniger regen sich mehrere liberale Blätter gewaltig darüber auf, daß wieder einmal Reichsangelegenheiteu in einem Einzel- Landtage behandelt worden seien; die Sozial­demokraten — so ruft ganz entrüstet die Berliner .National-Zeitnng' (Nr. 453, Dienstag Morgen) aus — hätte» ja sogar „verlangt", daß dir bayerische Regierung im BundeSrathe nach ihrer, der Sozialdemokraten Auffassung abfiimme usw. Die bayerische Regierung braucht diese Unter­stützung sicherlich ganz und gar nicht und wird sich auch nicht angenehm berührt dadurch fühle«. Außerdem aber handelt eS sich hier in der Haupt­sache doch gar nicht um eine Angelegenheit beil Reiches, sondern um einen Ausgabeposten im bayerischen Staatshaushalte. Wenn daS and noch keine bayerische Angelegenheit sein soll, dann gibt eS kaum noch eigene Angelegenheiten der Einzellandtage. Im Uebrige«, und das ist für andere Leute die erfreuliche Hauptsache dabei,

7. Kapitel.

Ernst Diethelm hatte seine Verlobung mit Martha der Sennora Fontana absichtlich ver­schwiegen. Er wähnte, daß die Bewunderung, welche sie dem Bilde des junge« Mädchens, das er aus der Fahrt noch seine Schwester nannte, zollte, aus ihrer Seele gekommen war. Er ge­dachte ihr dadurch eine angenehme Ueberraschun; za bereite», indem er ihr, ohne doß fie eine Ahnung davon hatte, Martha als seine Braut vor stellte.

Am nächsten Morgen holte er das schöne, dämonische Weib, das er in fdn Paradies führen wollte, zur festgesetzten Stunde ab. Die kurze Tour war vom schönsten Wetter bezüagstigt und wurde dem jungen Manne noch mehr verkürz durch daS geistreiche Geplauder der an seiner Seite sitz-nden Frau.

Die Maske, die das gefährliche Weib ange- nommen hatte, welches dem böse Dämon dieser Familie werden sollte, mußte Ernst'S Eltern so­gleich für fie etnnehmen. Mit der bezauberndsten Lächeln reichte fie dem alten Herr« die Hand. Fran Diethelm wurde von ihr mit einer Um­armung beglückt, als wenn fie mit derselben be­reits lange vorher befreundet gewesen wäre.

„Sir verzeihen, werthe Frau", sagte sie mit erheuchelter Herzlichkeit, „wenn ich die Mutt-r eines so edlen Sohnes wie eine liebe Bekannte begrüße Und in Wahrheit sind sie mir das auch! Was mir Ihr Sohn auf der Reise von Ihnen und Ihrem würdigen Gatten erzählt, hat mich mit Liebe und Ehrfurcht für Sie erfüllt."

Während Sennora de Fontana so sprach, war

läßt die Erklärung des Finanzministers v. Riedel die Hoffnung zu, daß in absehbarer Zeit trotz alle­rem und alledem die Frage der Reichstags diäten eine befriedigende Lösung im Bundesrathefinden werde.

+ Ialsche NnternehmergrvvdfStze. Der Zentraloerband der deutsche« Industriellen gibt viel zu häufig Gelegenheit, daß man sich mit ihm i« einer für ihn ungünstigen Weise beschäftige» muß. Jetzt hat er wieder an dr» Reichstag eine Eingabe gerichtet, die die abfällige Kritik in tattern Maße herausfordert: Diese Eingabet ichtet sich unmittelbar gegen die nicht nur obrnswerthen, sondern auch unbeding nothwendigen Bestrebungen, die Heimarbeit derjenigen weiblichen und männlichen Arbeiter u beschränken, die zugleich auch in den Fabriken »sschäftigt sind. Der Ginn dieser Eingabe liegt ganz augenscheinlich darin, daß der Zentral­verband möglichst billige Arbeit geliefert zu sehen wünscht; er richtet sich damit also unmittelbar gegen daS Interesse der Arbeiter. Der Zentral­verband verfällt damit wiederum in denselben Fehler, den — wenn auch in umgekehrter Rich­tung — ebenso die Sozialdemokratie macht: In den Fehler, nur ganz einseitige Interessen in verfolgen. Der Zenlralverband denkt immer und immer nur an den Geldbeutel des Unter­nehmers; die Sozialdemokratie erblickt das Heil des Arbeiters hauptsächlich in einseitiger und verbohrter Bekämpfung des Unternehmers, während leilfam für beide Theile nur gemeinsames Wirke» auf der goldene« Mittelstraße fein kann.

X Aröeits«Lchveis für enHaff-«e Mann­schaften. Die ,Berl. Rorr/ schreibt: Die Er- ahrungen des Vorjahres laffen es wünschens- werth erscheinen, daß für die in diesem Jahre aus Ostafien zurückkehrenden und zur Entlaffung kommenden Mannschaften der Besatzungsbrigade an den Auflösungsorten ein Arbeitsnachweis ein­gerichtet wird, um den Mannschaften, die wegen der großen Entfernung zwischen Ostafien und der Heimath und des dadurch erschwerten Schrift­verkehrs nicht selbst für sich sorgen können, das Ausfinden von Arbeitsgelegenheit zu erleichtern. Insbesondere erscheint dies sehr erwünscht für den erst im Oktober, also nach dem allgemeine» EntlnffungStag der Reservisten eintreffende» größten Transport, weil alsdann Arbeitsgelegen- beit schwerer zu erlangen sein wird als im Sommer und vor dem allgemeinen Entlassungs« termin der Reservisten. Es treffen vorausficht- lich ein: a) am 5. August 1902 Dampfer „Ham­burg" (Auflösungsort Bremerhavcn), b) am 19. August 1902 Dampfer „Prinz Heinrich" (Auf­lösungsort Bremerhaven), c) am 2 September 1902 Dampfer „Sachsen" (Auflösungsort Bre­merhase«), d) am 16. September 1902 Dampfer „Kiautichou" (AuflösungSort Brkmerhafe»), und e) am 7. Oktober 1902 Dampfer „Pisa" (Auf­lösungsort Truppenübungsplatz Münster in Han­nover). Der Umstand, daß die zur Entlassung kommenden Mannschaften aus allen Theilen deS Reiches stammen, spricht dafür, daß die Ermitte­lung von Arbeitsgelegenheit auf die ganze Mo­narchie ausgedehnt wird. Seitens des Kriegs - Ministeriums find die zuständigen Ministerien er­sucht worden, eine Nach Weisung etwa vorhandener Arbeitsgelegenheiten recktSzeitig den Auflösungs­kommandos zukommen zu lassen.

Ernst in's Haus geeilt. Er hatte Martha's Antlitz am Fenster «eschen. Nach der herzlichen Begrüßung bat er sie, mit hinauszukommen.

„Ernst," flüsterte sie ihm zu, „Du hast mir von Deiner Reisegefährtin nicht zu viel gesagt: sie ist so schön, so schön, daß ich neben ihr mir unbedeutend vorkomme. Ist fie auch ebenso gut wie schön, dann werde ich sie gewiß recht schnell lieb gewinnen."

„Bon ihrer Herzensgüte habe ich mich auf der Reise überzeugt." erwiderte der junge Mann. „Sie hat auf dem Schaffe die kranke Tochter einer Wittwe auf das sorg amste gepflegt. Nicht nur die Passagiere, auch der Kapitän und die Mann­schaft des „Neptun" waren begeistert von ihrem ebenso gemüthvollen wir a»mutbigen Wesen."

„Und Du wohl nickt minder?" fragte Martha mit einem leichten Anflig von Eifersucht."

Ernst lächelte.

„Natürlich, ich zählte ja auch zu de» Passa­gieren. Aber von dem Augenblicke an, als ich Dich wiedersah, da machte ihr Bild einem andern, für mich »och viel reizendere», Platz. Willst Du es sehe», brauchst Du nur i» de» Spiegel zu blicken. Jetzt komm, wir dürfen die Sennora nicht länger »arten lassen."

Er geleitete Martha in's Freie, wo die Fremde stch neben seinen Eltern auf einer Gartenbank niedergelassen hatte.

Martha erblickend, erhob sich die Sennora und warf einen prüfenden Blick auf das junge Mädchen.

„Sennora de Fontana", stellte Ernst ihr seine Braut vor, „das ist das junge Mädchen, dessen Bild ich Ihnen auf dem .Neptun' gezeigt habe!"