einberufer. Die Verhandlung«« mit dem Batiks» nähmen Hxc» außerordentlich langsame« Fortgang. Wenn sie im Oktober nicht beendet seien, werde dir Regierung andere Entschlüsse faste», vagasta bemerkte schlirßlich, ein Bündniß wäre jetzt eine Last für Spanien. — In Spanien hat die letzte Volkszählung für das Jahr 1900 für das Sefammtgrbiet einschließlich der Balearen und der kanarischen Inseln eine ortSanwesende Bevölkerung von 18,618,086 Personen, wovon 9,530,265 weibliche» und 9,087,821 männlichen Geschlechtes, ergeben. DaS Ueberwiegeu des weiblichen Geschlechtes um 442,444 Seelen ist zum Theil dadurch zu erklären, daß der letzte Krieg über 100,000 Männer hingerafft hat (und daß sich vornehmlich das männliche Geschlecht der Auswanderung zuwendet. Bei der Volkszählung im Jahre 1897 wurde eine Einwohnerzahl von 18,132,475 ermittelt.
© Aoudem, 28. Juli 1902. Heute wurde folgendes Bulletin ausgegeben: Der Zustand des Königs ist fortdauernd ausgezeichnet. Die Wunde heilt rasch. Der König konnte vom Liege« stuhl auf einen Rolllehnstuhl gebracht werde». Der König hat gestern einige Stunde» im Roll« lehnstuhl verbracht. — In Beantwortung einer Anfrage erklärte Premierminister Balfour im Unterhause, es bestehe keine Möglichkeit, daß die Regierung in der Lage sein werde, eine Er« klärungüber den atlantischen Schifffahrt-- trust vor Vertagung des Hauses am 8. August abzugebe». Wenn ei» Abkommen mit dem Trust abgeschloffen würde, das irgend eine finanzielle Vereinbarung enthalte, so würde ei» solches Abkommen «othwendig der Zustimmung des HauseS unterlieaen.
0 Aden, 28. Juli 1902. Die englische Expedttio» gegen de« tollen Mullah konnte, wie hierher gemeldet wird, in Folge Waffer- mangels nicht weiter durch den Haud-Distrikt vorrücken; fie marschirte daher in das Nogal« Thal und verfolgte den Feind auf 80 Meilen. Es wurden auf feindlicher Seite 150 Mann ge- tödtet. Die Expedition erbeutete ferner 4000 Kamele und 17,000 Schafe. Die Engländer ver» loten 8 Mann an Tobten und Verwundeten. Die Hauptkolonne marschirt jetzt nordwärts, um die aufständische» Stämme vom Mullah abzuschneiden, der sich noch i» Hand aufhalten soll.
Aus Kirche und Schule.
? Iuld«. 29. Juli 1902. Wir werden gebeten, unter Bezugnahme auf unsere frühere Notiz daran zu erinnern, daß der Anme<de-Trrmin zu dem erste» Turnus der diesjährige« Priester- Exerzitien im hiefigen Btschöfl. Seminar (10. bis 14. August) mit Beginn der nächsten Woche abläuft, etwaige Anmeldungen also noch im Lause dieser Woche bewerkstelligt werden mögen.
S Salmünster, 29. Juli 1902. Am Sams- tag, den 2. August wird das Portiunkula- Fe st in hirfiger Kloster-Pfarrkirche feierlichst begangen werden. Hoffentlich wird auch in diesen wie in den oerfloffenen Jahren dieses Fest seine alte Anziehungskraft bewähren und die Gläubigen veranlaffen, recht zahlreich durch de» Em- pfang der hl. Sakramente sich selbst und ihren theueren verstorbenen Angehörige« die unerschöpfliche« Guadenschätze dieses große» Ablaßtages zu verdienen. Ganz besonders werde« es die Milglieder des dritte» Ordens sich angelegen sein laffen, hierin de» anderen Gläubigen mit gutem Beispiele voranzugehen. Am Vorabend, den 1. August, Nachmittags 2 Uhr, Eröffnung des Portiunkula-Ablaffes mit feierlicher Vesper, darauf Beichtgelegenheit. — Um 71/* Uhr Abends die übliche feierliche Sühnandacht zu Ehre« des göttlichen Herzens Jesu. — Samstag, den 2. August, do« 4x/a Uhr Morgens hl. Meffen und wiederum Beichtgelegenheit; um 9 Uhr Festpredigt, darauf feierliches Amt; um 2 Uhr Nachmittags feierliche Vesper.
* Ilrankfm-t ». M., 28. Juli 1902. Der Religions- und Oberlehrer am Progy mnafium und Realgymnasium zu Limburg, Herr Ludwig Abt ist vom 1. August ab zum Direktor der
fach irgend einen Einfuhrartikel mit einem höheren l Zolle belegt. Dabei kann also von einem irgend-! wie gut üb-rlegtk« Schutzzölle ganz und gar nicht die Rede sein. Die neueste rumänische Maßnahme auf diesem Gebiete ist die nachfolgende: Die deutsche Kohle wird mit einem besondern Einfuhrzoll belegt. Man cheilt die Steinkohle kurzer Hand in zwei Rubriken: Englische Kohle und deutsche Kohle. Nur die eng« lische Steinkohle ist richtige Steinkohle. Die deutsche Steinkohle aber ist eigentlich gar keine Steinkohle, sondern Braunkohle, und »Braunkohle" wird nun in Rumänien mit einem besondern hohen Einfuhrzölle belegt. Und dabet sichert uns der Handelsvertrag mit Rumänien in unzweifelhafter Weise das Meistbegünstigungsrecht! — man hat trotzdem noch nicht daS Geringste davon gehört, daß die deutsche Regierung , in irgend einer Weise um diese unerhörte Behänd- Iu«g eines deutschen Artikels sich gekümmert habe.
+ Arvetterwähl. Die diesjährige General- Versammlung des Verbandes katholischer Industrieller und Arbeiterfreunde »Arbeiterwohl" wird in Düsseldorf tagen und zwar Dienstag, den 5. August Nachmittags von 31/« Ubr ab im Oberlichtfaale der städtischen Tonhalle (Ecke Schadow- und Tonhallenstraße). Zur Verhandlung wird kommen als Hauptthema: „Die geistige Bildung deS Arbeiterstandes." Nach der uns vorliegende« Tagesordnung wird zunächst Herr Profeffor Dr. Hitze über diesen für die Förderung der religiösen, sittlichen und materiellen Jatereffen des Arbeiterstandes so überaus wichtigen Gegenstand ein Referat halten; im Anschluß hieran soll es in der angesetzten freien Diskussion zu nähere« Besprechungen und zum Austausche der Erfahrungen der Theil- »ehmer über Mittel und Wege zur Hebung jener geistigen Bildung kommen, wobei vor allem die Aufgaben der Arbeitgeber, der Arbeitervereinigungen und besonders der Gemeinden berücksichtigt werden sollen. »Förde« rung der Bildung" ist heute in aller Munde. Berufene und Unberufene glauben ihre Rathschläge dazu geben zu sollen. Vielsacb ist das Ziel dieser Forderung unklar, hier sind die Mittel nicht richtig gewählt, dort die Methode verkehrt. Von dem Verbände Arbeiterwohl, der zwei Jahrzehnte hindurch, wie allgemein anerkannt, in vortrefflichster Weise Arbeitgeber und Arbeiterfreunde zu praktisch-sozialer Wirksamkeit angeregt, das soziale und charitative Vereinswesen aufS Beste gefördert und erfolgreich bei der Vorbereitung und Durchführung der sozialen Gesetzgebung mitgewirkt hat, darf man auch die Aufzeichnung allgemein gütiger Richtlinien für die geistige Hebung des Arbeiterstander erwarten, insbesondere bezüglich der Probleme der Vortrags- und Bildungsabende, der Vor« IragS- und Unterrichtskurse für Arbeiter, der öffentlichen Bibliotheken und Lesehallen, der Führung durch Museen u. s. w. Die Freunde sozialer Bestrebungen mögen darum zahlreich an der diesjährigen Generaloeriammlung theilnehmen. Die Wichtigkeit des vornehmsten VerhandlungS- gegenständes wird auch manchen aus der Ferne zu dem Opfer der Reise bewegen, baf übrigens allein schon der Besuch der Ausstellung belohnt. Zumal dürften die katholischen Industriellen, die Vorstände katholischer sozialer Vereine, speziell der Arbeitervereine, Geistliche, Lehrer, Beamte, Juristen, überhaupt alle, welche an der geistigen Bildung deS Volkes beruflich oder anßerderuflich Mitarbeiten, den Verhandlungen Jntercffe entgegenbringen.
+ Kester rheinisch < westfälischer Aemd wugsgehilfeutag Düsseldorf 1902. Unter den zahlreichen Kongreffen, welche zur Zeit der Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung in Düffeldorf stattfinden werden, wird auch zum ersten Male, und zwar am 17. August, Morgens 11 Uhr, rm Rittersaale der städtische« Tonhalle ein solcher der rheinisch-westfälischen Handlungsgehilfe« tagen. Der Zweck dieser Veranstaltung, die von dem deutsch-nationalen HandlungSgehtlfen- Verbande auszugehen scheint, soll fein, Leben und Bewegung zum Zuscmmrnschluß in die Reihen
Beide ginge« Hand in Hand hinein. Das Gedenkkreuz, welches der j«nge Diethelm der armen Wittwe einst hatte setzen laffen, stand noch unversehrt, nur war der Name auf demselben etwas verblichen..
Martha kniete vor dem Kreuze nieder und verrichtete andächtig ein Gebet, indem ihr Blick sich »ach oben richtete. Ihrer fromme«, kind- lich-n Phantasie schien sich der Himmel über ihr zu öffnen und der verklärte Geist ihrer verstorbenen Multer segnend die Hände über sie und den Erwählten threS Herzens auSzustrecksn.
Zurück in die Stadt führte fie der Weg durch den Jungfernstieg. Zufällig fiele» die Blicke deS jungen Kaufmannes auf die vergoldeten Buchstabe» des vor dem Hotel prangen- den Schildes, wo, wie er wußte, Sennora de Fontana abgesttegen war.
J-tzr kam ihm das Versprechen wieder in den Sin«, das er bei seiner Ankunft in Bremen feine rschönen, interessanten Reisegefährtin gegeben halte. Daß er es bisher oergeffen hatte, durfte er seinen vielen Geschäften und der Unruhe seines Innern zuschreiben, die ihn bei seiner so schnell entflammte» Liebe zu Martha ergriff n hotte.
Jetzt aber dachte er daran, die Sennora in feine Familie einzuführen und wollte sie zu diesem Behuse bereits i« den nächsten Tage« in Hamburg aussuche«.
Erst gegen renn Uhr kam das Brautpaar wieder nach P zurück, vollständig von dem befriedigt, waS es an diesem Tage erlebt hatte.
der Handlungsgehilfe» hineinzubringm und fie aufzurufen, ihre Standes-Interessen zu wahren, anderseits soll dieselbe eine machtvolle Kundgebung an die Adreffe der Behörden und gesetzgebenden Körperschaften darstellen. DaS Programm steht u. A. folgende Borträge vor: Die amtlichen Erhebungen über die Arbeitszeit in de« Kontoren; kaufmännische Schiedsgerichte; die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe.
* Iwei Aussätzige befinden sich gegenwärtig in der Koch'schen Anstalt für Infektionskrankheiten: der au« Finsterwalde gebürtige, 47 Jahre alte Cigarrenmacher Leiter und seine Ehefrau, die 40 Jahre alt ist. Die Leute wurden zuerst in der Klinik für Hautkrankheiten zu Breslau behandelt, durften aber dort nicht bleiben, al« man ihre Krankheit erkannte. Auf Veranlaffung de« Medi- zinalministeriums wurden sie dann unter de« strengsten Vorfichttmaßreqeln nach Berlin gebracht. Hier werden fie voraussichtlich auch nur vorübergehend behandelt und später dem Memeler Lepraheim übergeben werden. Wie fie fich die furchtbare Krankheit zugezogen haben, ist »och nicht bekannt.
0 28. Juli 1902. Beim Ministerium
de« Innern eingegangene Berichte stellen fest, daß in über 50 Departement« alle kongreganistt- scheu Niederlassungen fich freiwillig auflösten. Die Verwaltungsbehörden haben daher keinen Anlaß zum Einschreiten. — Der ,Figaro" veröffentlicht einen Artikel de» ehemaligen Ministers der öffentlichen Arbeiten, Bau bin, über den Ozeantrust. Baudin legt dar, daß durch den Trust die englische Flotte geschwächt und die deutsche gestärkt werde. Ferner ermögliche der Trust den Deutschen und Amerikanern die französische Flotte zu ignoriren. Baudin betont dann namentlich die Gefahr, welche die Verstärkung der deutschen Flotte zur Zeit des Krieges dank dem Trust für Frankreich mit fich bringen würde. Es fragt fich, welches wohl die Haltung der Syndikats-Gesellschaften im Kriegsfälle sein würde. Der Trustvertrag scheine ihm eine höhere Bedeutung zu haben, als die gewöhnlichen Fragen, welche zwischen den Völler» verhandelt würden. Es srage fich, wie die Diplomatie einen solchen Trust verhindern könne.
• Hfari», 28 Juli 1902. Frauen, die Frau Soubet um eine Audienz ersuchten, aber nicht empfangen wurde«, veröffentlichen in den konservativen Blättern ein offenes Schreiben an Frau Soubet, worin es heißt: „Madame! Wir wollte» heute bei Ihnen im Namen der fran- zöfische» Mütter gegen die schwere« Angriffe auf ihre Freiheit Einspruch erheben. Wir waren überzeugt, daß keine Frau de» Handlungen der Tyrannei gegenüber, die sich in diesem Auaenblick« vollziehen, gletchgiltig bleiben könnte. Man hat uns abgewiesen. Sie befürchteten ohne Zweifel, Madame, von uns das Gefühl des Schmerzes und der Entrüstung zu erfahre», welche die Seele deS Volkes bewegen. Wir hoffte», daß, da auch Sie Ihre Kinder christlich erziehen, Sie mit uns gemeinsame Sache machen würden, und daß Sie nicht für sich und die Ihrigen ein Vorrecht zu behalten wünschte», daS kaum mit dem Programm der republikanisch?» Freiheit verträglich ist. Wenn Sie sich wie wir dieser Tage unter die Menge gemischt hätte«, so würden Sie die Urberzeugung gewonnen haben, daß man nicht ungestrast die Gewisse»» vergewaltigt. Wir haben unser» Einspruch nicht bis zu Ihnen gelangen laffen können, wir behalten uns aber das R-cht vor, ihn allezeit zu wiederholen. Alle Frauen, reich und arm, bleiben künftighin eng verbunden für die Freiheit ihres Glaubens, und die Regierung, die eS wagt, die Hand auf ihre Kinder zu legen, wird fie überall gegen sich finden."
0 Madrid, 28. Juli 1902. Saga ft a sr- klärte einem Berichterstatter, die Kammern würden in der zweiten Hälfte seS Monats Oktober .......Jl .........
6. Kapitel.
Wir verließen die in Deutschland gebotene Frau mit dem spanischen Namen, wie si; in dem geräumige« Zimmer auf- und abschrill.
Seit einer Reihe vo» Tagen hatte Sennora de Fontana sich in einer Aufregung befunden, wie ihr eine solche, bevor sie Ernst Diethelm kenne» gelernt, gänzlich fremd geblieben war. Ihre Stirne glühte, fieberhaft, ihre Pulse tobten tn der wilde» Leidenschaft, die fie für den jungen Kaufmann gefaßt hatte. Sie verzehrte fich in ihrer Ungeduld, ihn wiederzusehe».
Was mochte ibn abgehalten haöm, ihr seinen Besuch zu machen? E« mußte etroafr ganz Ungewöhnliches sein. Sie hatte ihm durch Wort und Blick deutlich zu verstehen gegeben, welchen Eindruck er auf ihr Herz gemacht hatte. Und er — war er auf dem Schiffe nicht stets an ihrer Sette gewesen? Hatte er ihr nicht mit einer Verehrung gehuldigt, welche fie für eine im Entstehen begriffene Siebe nehmen konnte? Noch mehr, daß er fie zu seinen Eltern führen wollte, mußt« ihr bei der grenzenlosen Selbstliebe, dir einen Theil ihres Charakters bildete, die Ueberzeugung einflößen. er habe die Absicht, die Bekanntschaft fort zufttzen, bis der Augenblick käme, wo er zu ihren Füßen um ihre Hand werben dürfe.
Und noch war er bis jetzt nicht bei ihr erschienen l
Ein triftiger Grund mußte vorhanden sein. Sie errieth denselben ober wähnte ihn zu errathe.«.
Sie dachte an da» schöne Mädchen, da» er Schwester nannte und welche» doch nicht seine Schwester war. Wenn seine sogenannte btäoer» liche Liebe zu derselben sich in eine zärtlichere verwandelt, wenn er sie zur Braut, zur Gattin gewählt hätte — si: sühte ihr Herz bei diesem fie vernichtenden Gedanken still siehe«.
Endlich sollte der Augenblick kommen, in dem fich ihre bangen Zweifel lösten
Ein laute» Klopfen an der Thüre wurde hörbar.
Sie bebte zusammen und die Röthe verschwand von ihren Wangen.
„Wenn er es wäre — er! O, bann könnte ich noch mein Ziel erreichen", murmelte fie. „Doch Faffung, er darf nicht wissen, war in mir vorgeht."
Sie rief laut: „Herein!"
Die Thüre wurde geöffnet. Sennora de Fontana'» Ahnung erfüllte fich. Der Eintretende war in der That Emst Diethelm.
Nach einer tiefen Verbeugung küßte er ihre Hand, die fie Ihm entgegenrerchte. Al« er die Dams aber näher anblickte, bemerkte er ihr blaffe» Aussehen.
„Sie scheinen krank gewesen zu fein, gnädige Frau", sagte er, „ober find e» vielleicht noch; komme ich ungelegen, so habe ich nm Verzeihung zu bitten."
Die Sennora versuchte zu lächeln.
„Nur ein leichtes Unwohlsein, das bald vor« übergryt", erwiderte si;. „Seie« Sie mir herzlich willkommen, Herr Diethelm! Es freut mich, daß Sie Ihre Reisegefährtin doch nicht ganz vergesse» haben." (F. f)
ehemaligen DeutschordenSkirche dahier ernannt- worden. — Herr Kaplan Joseph Link an der Domkirche ist vom 1. August ab zum Verwalter der Pfarrei Kirchähr ernannt und mit demselben Termin Herr SubregenS Franz Perabv zu Hadamar als Kaplan an die Domkirche versetzt worden.
♦ MSrMrg, 28. Juli 1902. Gestern ist der hochw. Domkapitular Dr. Paul Gabriel Schmitt gestorben. Geboren am 28. November 1840 zu Nrctarswiesen wurde der nunmehr Verstorbene am 3. Dezember 1863 zum Priester geweiht und in Folge seiner außerordentliche« Be- fähigung »um bischöflichen Kommissar sür daS königliche Schullehrerseminar und das Erz-Jnstitut in HeidingSfeld ernannt. Außerdem «ar er noch Synodalexaminator und Direktor der Diözesan- Kongregation der Töchter vorn hl. Erlöser. Am 28. April 1891 wurde er von seinem Oberhirte« in» Domkapitel berufen. R. L p.
Fulda, 29. Juli 1902.
[!] Im Stadlsaare wird am Donnerstag Abend ein Große- Militär-Konzert des MufikkorpS deS König!. Bayerische» 6. Cheoaux- leger-RegimentS: Prinz Albrecht von Preuße» aus Bayreuth unter Leitung des Stabstromprters Herr» C. Kahl gegeben. Am Freitag folgt dann, wie schon gemeldet, ein einmaliges Gastspiel des Residenztheaters auS Darmstadt, wobei „Alt-Heidelberg", Komödie in 5 Akten vo» Meyer Förster, zur Aufführung kommt. Für nächste» Sonntag ist vorgesehen ein Elite- Konzert des berühmten New-Yorker Komponisten Mcx Gabriel mit seinem auS 45 Künstlern bestehenden Orchester in Uniform der Nord- amerikanischen Armee.
A „Doktor Klaus" hatfichgestern Abend im Sommeelssealer wieder sehen laffen. ES ist eines der beste» Tendenzstücke: Arbeit ist deö Lebens Würze. Dr. Klaus (Herr Herrn. Niemeck) drängte seinen adlige» Schwager de» Baron Mox von Bode» (Herr Karl Stemmer«) aus den Bahnen des Vergnügens in ein Leben voll Schaffensfreudigkeit und glücklicher, ehrlicher Gemeinschaft. Herr Nirmeck wußte die Titelrolle mit der ihr zukommenden Würde geschickt durch- »ufübten, was um so mehr anzuerkennen ist, als sein Spiel zu Verschiedenenmalen an das Gefühl der Zuhörer appellirt und nicht leicht von Affektirt- heil freizuhalten ist. Herr Karl Remmers gab zwar be» lebenslustigen und nachträglich zum a'.bsitslusttgen Manne gewordenen Baron ziemlich einwandfrei; ein wenig mehr Natürlichkeit hätte ihn noch mehr hervorgehoben. Auch Frl. Bergö a!8 Baronin löste ihre Aufgabe in anzuerkennender Weise; fie lehrte ihren Gatte», daß die geschäftige Hausfrau und die Repräsentantin zwei Dinge find, die fich gegenseitig nicht ausschließen. Ihr Papa Griesinger (Herr Wilh. Karsten) ließ fich mit einem lieben, jovialen Philister vergleichen,, der fich nicht so leicht aus dem Gleichgewicht bringen läßt und dem jeder Tag nur Rosen bringt; ihm wie auch dem Kutscher LabowSki (Herr Rob. Herrmann) fiel es'natürlich zu, de» Ernst der Situationen durch heitere Intermezzos abwechslungsreich zu gestalten, waS beiden vortrefflich gelungen ist. Auch die „in Ehren grau gewordene" Haushälterin Griesingers (Frau Selma Herrmann) vermochte die ihr olS alter Jungfer zustehende Würde und fittliche Entrüstung ungekünstelt zur Scheu zu tragen. Allerliebst nahm: sich das Spiel von Frl. Anna Herrmann als Tochter des Dr. Klaus aus. Da- Backfischnaturell stand ihr köstlich und es war eine Lust zu sehe», wie sie ihre welterdrückenden Sorge» nach Mädchenart so schnell durch den nächste» Sonnenstrahl weglache» ließ; ihre Prinzipienwechsel ist gerade nicht »achahmenSwerth, aber in diesem Falle ungefährlich und nur non angenehme« Folgen begleitet: warum sich auch durchaus auf einen Arzt versteifen, wen» der Affeffor zu haben ist? — Am Donnerstag Abend hat die erste Soubrette der Theatergesellschaft Frl. Grete Bastü ihre Benefizvorstellung. Zur Aufführung kommt „Der Königrleutnaut" von Gutzkow, wobei die Benefiziantin die Rolle deS Wolfgang v. Goethe spielen wird. Frl. Baflö erfreut sich wegen ihres frischen, flotten Spieles bei dem hiesigen Theaterpublikum mit Recht einer großen Beliebtheit. Wir wünschen ihr an ihrem Ehrenabenbe ein volles Haus I
(*) Äm Sonntag Morgen tagte in Kassel eine vonVerbandSdirektorRexerobteinberufene Versammlung zwecks Gründ»«q einer Kin- und Berka«f»ge»osse«sch»fl. Die Versammlung, welche vo» den größeren Landwirthen HeffenS zahlreich besucht war, jdjritt nach eingehender Prüfung der Ziele bes geplanten Unternehmens zur Konstituirung der Genoffenschaft unter dem Namen „Hessische An- und Verkaussgenoffenschast, e. G. m b. H." mit dem Sitz in Kassel.
O Aom Fände, 28 Juli 1902. Wen» man tue Flure« deS Kreises Fulda durchwandert, kann man sich der Beobachtung nicht verschließen, daß die Felder mit ihren Früchte«