Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer

gtftmti».: Mr dir Redaktion i. v. »arl Schalter.

I ** «Jk

4r(<6#<nt tLgNch, ge. »»»nahmt btt $«B> Mltb 9«i«*

jfUbeä

«eil* ober ber*<

Damen die Prtw, teile W Pf-.; W

D» **** * *ujHUt * MM

Mucöa, Samstag, den 26. Juli 1902.

29. Jahrgang.

Da der zur Zeit unserem Throne am nächsten stehende Agnat des Gesammthauses Hessen dauernd verhindert ist, die Regierung des Großherzogthums persönlich zu führen, so findet, im Falle sie auf ihn übergehen sollte, eine Regentschaft statt."

Gemeint ist damit der Landgraf Alexander Friedrich von Hessen, geboren zu Kopenhagen im Jahre 1863 als Sohn des Landgrafen Friedrich.

Eine wichtige internationale Berathung findet gegenwärtig in Paris statt: Der internationale Kongreß zur Bekämpfung des Mädchen­handels. Es hat schon einmal eine solche Ver­sammlung stattgefunden, im Jahre 1887 in London. Auch sind damals ganz wackere Entschließungen ge­faßt worden. Aber sie find zum größten Theile auf dem Papier stehen geblieben und haben wenig oder gar keine praktischen Erfolge gehabt. Dieser schmach­volle Handel mit Menschenfleisch kann nur durch einen überall gleichmäßig gestalteten Ueberwachungs- drenst und durch eine in allen Ländern gleichartige Strafgesetzgebung erfolgreich bekämpft werden; und dies nothwendig sei, wird von allen Mitgliedern der neuen Konferenz anerkannt. Dieselbe ist von allen europäischen Staaten beschickt, sodaß möglicher Weise gute und wirklich handgreifliche Erfolge Licht ausgeschlossen sind.

Herr Dr. White, lange Zeit hindurch der Ver­treter der Vereinigten Staaten von Amerika in Ber­lin, wild am bevorstehenden 7. November 70 Jahre alt und gedenkt, gleichzeitig mit diesem Geburtstage in den Ruhestand zu treten. Dr. White erfreut sich innerhalb des deutschen Reiches allgemeiner Sym­pathien. Sein Nachfolger soll Dr. David I.Hill in New.Aork werden, der auch schon den Prinzen Heinrich von Preußen aus dessen letzter Rundreise durch die Vereinigten Staaten begleitete.

Die Zolltarif-Kommiss ion des Reichs­tages wird im Laufe dieses Monats mit der ersten Lesung des Zolltarifs nicht fertig. Aber allzu weil in den August hinein wird diese erste Lesung nicht dauern. Bis jetzt sind von den 946 einzelnen Zoll­sätzen des Tarifentwurfes etwa 700 durchberathcn. Nachher sollen die Berathungen der Kommission durch eine kurze Pause von etwa vierzehn Tagen unter­brochen werden.

katholischen Rechten unter der Führung der Herren Graf de Mun und Piou haben ebenfalls öffentlich protestirt und die Bevölkerung durch Maueranschläge zum Anschlüsse an diesen Protest aufgefordert. Mit vollem Rechte weist der Ausruf auf den Eingriff in die Menschenrechte und die Fre heit französischer Bürger hin, den die französische Regierung sich ge­stattet. Gleichzeitig aber ermahnt der Ausruf zum strengen Einhalten der öffentlichen Ordnung.

Eine allgemeine Katholiken-Versammlung für Spanien hat in Santiago stattgefunden. Sie hat nach dem Vorbilde der Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands eine Entschließung angenommen zu Gunsten der Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes. An e fier Stelle war als Mitglied der Versammlung eingeschrieben Herr Silvela, ehedem und wahrscheinlich bald wieder konservativer Minister- präfident. Es ist kaum anzunehmen, daß sich das liberale Ministerium des Herrn Sagasta noch lange am Ruder erhalten werde.

Die Königskrönung in England ist nun­mehr bestimmt auf den 9. August festgesetzt worden. Aber ste wird ohne Zweifel viel einfacher verlaufen, als dres von Anfang an für die Krönungsfestlichkeiten beabpchügt war. Auch der Gottesdienst soll aus Rück­sicht auf den leidenden Zustand des Königs erheblich verkürzt werden. Von den auswärtigen Gästen, die sich beim erstenmal zur Krönung eingefunden hatten, werden sich vermuthlich auch nur einige Wenige ein- sinden.

rauf hingewiesen werden, daß man bisher die Kongre­gationen in dem Glauben gelassen hatte, alle die einzelnen Schulen unterlägen nicht der Anzeigepflicht, wenn nur die Kongregation im ganzen die Ämächti- gung zur Niederlassung in Frankreich erhalten hätte.

in Russisch-Polen aus altgräflichem Geschlechte geboren, kam im Alter von 18 Jahren nach Rom, empfing i. I. 1845 die hl. Priesterweihe und wurde bereits im Jahre darauf von Papst Pius IX. zum Haus­prälaten ernannt. Seine diplomatische Laufbahn führte ihn an die Nuntiaturen von Madrid und Lissa­bon, brachte ihm die Verwaltung der Delagatur der südamerikanischen Republiken und die Nuntiatur in Brüssel. Erzbischos von Posen-Gnesen wurde der nun­mehr Verewigte i. I. 1866 was er als solcher in der Zeit des Kulturkampfes zu erdulden hatte, ist bekannt: er mußte seine Pflichttreue als Bischof mit zwei Jahren Gefängniß in Ostrowo büßen. Noch im Gefängnisse wurde er vom Papste Pius IX. zum Kardinal erhoben, und seit 1876, seit der Entlassung aus dem Gefängnisse, hat er Rom nicht mehr verlassen. Leo XIII. ernannte ihn i. I. 1892 zum Vorsteher der Kongregation der Propaganda. Bei Kaiser Wilhelm II. stand Kardinal Ledochowski in gutem Vertrauen. Bei einer Anwesenheit des Kaisers in Rom wurde er von diesem in besonderer Audienz empfangen und durch das Geschenk einer goldenen Tabaksdose ausgezeichnet.

In diesen Tagen wurde vom Papste die außer­ordentliche Gesandtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika empfangen, die kam, um die Regelung der Dinge auf den Philippinen zu er­örtern. Es handelt sich um den Ankauf der Liegen­schaften der Männerorden auf den Philippinen durch die Regierung der Vereinigten Staaten; und nach einer Mittheilung des päpstlichen ,Osservatore Romano' ist in glücklicher Weise ein gutes Einverständniß er­zielt worden. Die angebahnten Verhandlungen sollen in Manila selbst durch den apostolischen Delegaten in Gemeinschaft mit dem Gouverneur der Philippinen beendet werden.

Die gewaltsame Schließung der Kongregations­schulen in Frankreich hat dort zu einer lebhaften Gegenbewegung geführt. Es sind in Frankreich da­durch nicht weniger als 150 000 Kinder und 5000 Lehrer und Lehrerinnen auf die Straße gesetzt worden wo diese Alle jetzt unterzubringen sind, weiß vor­läufig Niemand. Es muß dabei stets von neuem da­

rin un genuin thätiges und hoch geschätztes Mitglied verlieren. Herr Pfarrer Langer will in einen Orden eintreten; und daraus ergibt sich die Niederlegung seiner parlamentarischen Mandate ganz von selbst.

Die apostolischeNuntiatur in München ist jetzt endgiltig besetzt. Zum Nuntius in München ist, wie vorher angekündigt, ernannt worden Msg. Macchi, bisher apostolischer Nuntius in Brasilien.

In dem altehrwürdigen Dome zu Gnesen ist nach altem Brauche auch in diesem Jahre wieder der Schlacht bei Tannenberg gedacht worden, in der die deutschen Ordensritter von den Truppen des Königreiches Polen besiegt wurden. Das ist eine alte kirchliche Vorschrift, die noch aus den Zeiten des Königreiches Polen stammt und der Abänderung be­darf. Die Gedenkfeiern, die an demselben Tage aus demselben Anlasse in Galizien abgehalten wurden, sind wenig geräuschvoll verlaufen. Man hat damit, um einen recht volksthümlichen Ausdruck zu gebrauchen, einen recht kräftigen Hereinfall erlebt. Die Polen im Reichstage wollen es jetzt den Sozialdemokraten nachmachen und eine Diätenkasse bilden, um da­raus ihren Reichstagsabgeordneten Tagegeldern zu ge- währen. Man möge daraus von neuem ersehen, daß j die D'ätenlosigkeit gerade am ehesten von denjenigen | Parteien umgangen wird, bei denen das den Regie-! rungen am wenigsten angenehm ist.

In R o m starb am Dienstag im Alter von fast | 80 Jahren Kardinal Mieczyslaw Halka Graf von Ledochowski, der Vorsteher der Propa-1 ganda-Kongregation. Er war am 29. Oktober 1822 i

es thun, »ämlich die Armen und Kranken aufzu­suchen und ihnen mit Rath und That beizustehen, [öraoo! Und ganz besonders für die Waisen- rinder sorge», bei vorgerücktem Alter vielleicht sogar unmittelbar Waisenmutter werden ] Darum verehrter Unpolitischer, schilt weniger auf die Frauen [tfdbfttnS auf die unartigen!]; die Männer sollen und können wählen und sucven, aber viele sind zu b quem dazu, [llnb die Mädchen sollen sich suchen und wählen lassen, aber viele sind zu hosfähittg, zu eigenfi»nig oder zu räppsch oazu!]

aber zugleich die praktische Naturwissenschaft in Küche, Keller, Waschraum, Nähstube und Kinderzimmer. Verkäufliche Waare? Gerade das vermögende Mädchen braucht sich doch nicht anders zuverkaufe«", als wenn Herz für Herz eingehanoelt wird, was für beide Theile das beste Geschäft , ist.s ES gibt aber noch ein reiches Feld, wo unabhängige, vermögende Dame« segens­reich wirken können, und es gibt dann viele, die

Der Schreiber derUnpolitischen Zeitkäufe" bat gewiß in vieler Dingen sehr recht; aber ein Kenner deS weiblichen Herzens ist er nicht [Hm, hm!] Die Mädchen heirathen alle soergl. Zu- schnst II ] gerne, wenn ei« Mann, den sie lieben, achten und hochschätzen, ste zur Frau begehrt, i Aber die Liebe, die Poesie der Ehe, die wie I der Sonnenschein das Dasein verklärt, wollen die I meisten nicht entbehren; den« eine Ehe ohne Liebe muß noch viel trauriger sein, als ein einsames I Lede«. [Braucht aber keine Roman-Liebe zu sein, I derenholder Wahnsinn" meist schon eher ab­läuft als die Rückfahrkarte zur Hochzeitsreise.] Wahrlich, die Beweggründe, die die Frauen zum Wettbewerb im Erwerbsleben des Mannes zwingen, sind nicht unendel. [Theils so, thetlS I anders.] In erster Linie ist eS doch meisteutheils [aber nicht immer] eine Rothwendigkeit, und die schlechtesten find es nicht, die ihren weiblichen Stolz darin setzen, lieber ihren Lebensunterhalt zu erwerben, als durch alle möglichen Mittelchen die Männer heranzuziehen. Wie oft hört man dseselbe« spötteln darüber, wenn die Mädchen oder auch nur Angehörige sich Mühe «eben, einen HeirathS - Kandidaten zu angel«. [Hebet junpe Männer, ditzangeln" gehen, wird auch gespöttelt, wenn die nun in ihremmännlichen Stolz" sich einkapseln, so gehör,« die Trauringe in's Altrrchums-Maseuw.] Ein echtes Märchen soll sich suchen laffen, sagt Jean Paul; aber du lieber Himmel, wen» ein Mädel kein Geld hat und nicht gerade von hervorragender Schönheit ist, bleibt ste eben »»gesucht, denn Mühe geben sich die Männer nur dann, wenn ein Mädel

Die Ersatzwahl zum Reichstage im Wahlkreise Forchheim-Kulmbach soll am 13. August statt- sinden. Im Anfänge wurde wieder einmal allerhand geschwärmt von einerEinigung der Liberalen"; aber sehr bald sind die Freisinnigen und National- liberalen wegen der Zollfrage in den alten Zwist zurückgefallen. Es ist ganz und gar nicht anzn- nehmen, daß nachträglich noch eine Einigung auf «inen gemeinsamen Kandidaten zu Stande komme.

Die Centrumsfraktionen des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses werden demnächst in -em Pfarrer Langer aus Wortha in Schlesien

Herr Balfour, der neue britische Ministerpräsi­dent hat in einer konservativen Versammlung in Tul- ham eine Rede gehalten und darin die Versicherung gegeben, dag die Politik des vom Amte zurückgetretenen Lord Salisbury weiter geführt werden soll. Nebenbei

Unpolitische Zeitläuse.

G Berlin, 24 Juli 1902.

(Nachdruck verboten.)

Wenn ich mal über das Heirathen schreibe, gibt es Briefe von zarter Hand. Da brenniS bei Viele«. SUfeSmai habe ich zwei Zuschriften erhalten, die sich recht hübsch ergänze« over theil- w-ise berichtigen. Die eine Dame tritt für die Kämpferinnen" ein, die lieber sich eine selbstän- dize Lebensstellung verschaffen, als auf die Jagd »ach dem Manne zu gehen. Die andere Dame klagt über die Ehesckeu ihrer Tochter, die sich spröde verhält, weil sir sich nichtin die Launen drs Mannes fügen will".

Ich glaube, das Echo der Wirklichkeit ist intel-ssanter und lehrreicher als mein Schreib­tisch-Phonograph Darum lass; ich die Zuschriften hier mit einigen Randglossen tn Klammern folgen.

Also erst dieKämpferin", die den Haupttheil ihres Briefes sckon im März geschrieben hatte, als damals die Frauen- und HeirathSfrage ange­schnitten war:

Verhältniffe«. [Hört, hört!] Wie mancher möchte in seiner Jagens ein Mäscye». das er gern hat, hettnsühre», aber die Verhältniffe gestatten er ihm nicht. [Ober er bekommt einen Korb, weil er noch in bescheidenen Verhältniffe» steht; daS Mädchen oder seine Eltern warten auf etwas Feineres", i*nb eS bleibt manchmal aus.] DeS echten WeibeS höchstes Lebensglück wird immer und allezeit in der Ausübung ihrer natürlichen Pfl.chten als Gattin und Mutter bestehe«, trotz vieler Mühseligkeiten. Nur der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, ist sie Mitkämpferin geworden, daß fie sich ein reicheres Arbeitsfeld erringe, um nickt im Alter dem Sporte und de« Mitleid ihrer Mitmenschen ausgesetzt zu sein. Auch eine Kämpferin.

Nachschrift: Der Bries war schon längst geschrieben, aber nicht abgesandt worden. Da ich jedoch aus der neueste« Sonntags-Nummer sehe, daß derUnpolitische" noch immer der Meinung ist, es seien zumeist überspannte Idee« und Hoch­muth schuld, wenn Mädchen nicht heirathen, be­schloß ich den Brief noch abzu ende», um die einzelnen, sowie die öffentliche Meinung, wenn möglich, umzustimme«. In Eile!"

Alle« Relpekt vor denKämpferinnen, die ohne Schuld den Anschluß verpaffen und nun tapfer den Kampf um ein befriedigendes Dasein aufnehmen! Solche habe ich nichtgescholten" und will ich nicht schelten. Aber ein Doppeltes ist festzuhalten: Erstens, daß eS auch Frauen gibt, die aus Hochmuth und überspannten Ideen ihrem natürlichen Berus untreu werden, und zweitens, daß der Wettbewerb der Frauen im Erwerbsleben den Männern die Erringung einer gesicherten Lebensstellung erschwert, also die Zahl der Freier vermindern, die Zahl der Sitzen­bleibenden vermehren hilft.

Auf einen anderen Ton ist die zweite Zu­schrift gestimmt; dieKämpferin" ist da eine Wittwe vom alten Schrot und Kor«, die ihr modernes Töchterlein nicht recht versteht. Der Brief an denUnpolitischen" lautet:

Bitte, es mir nicht übel nehmen zu wolle«, wenn ich mich in einer Verlegenheit an Sie wende. Ich habe nämlich eine Tochter, die liest so gerne ' Ihre wöchentlichen unpolitischen Zeitläufe, schneidet

schäft, von Jedermann sehr gern gelitten, gerade so siebhaft, wie meine Tochter. Sie kann ihn auch gut leide», aber sagt sie ihn hei­rathen, daran denke sie nicht; fie wolle sich nie in die Gewalt eines Mannes geben. [Ob der Mann nicht vielleicht in ihre Gewalt tarne!] Nu« macht mir das doch so Sorge :wsnn ich mal nicht mehr bin (der Vater ist auch schon 19 Jahre tobt), was soll au« ihr werden bei ihrem leb­haften Temperament? Ich hab' auch schon ge­sagt: Geh' doch in's Koster, so allein zu sei« ist doch nicht gut! Na, davon mag ste auch nichts wiffen. [Glaub' ich gern, der Eigensinn muß sich im Kloster noch viel tiefer beuge», als in der Ehe!] Ich bitte Sie, verehrter Herr, daher recht inständig, ihr doch die Sache mal recht derb auszulegen. Aus Bequemlichkeit thut fie es auch nicht; si; ist arbeitsam und auch ordnungsliebend, sie will sich blos nicht in die Launen eines Mannes fügen. Sie sagte schon vor acht [jetzt 14] Tagen zu mir:Mutter, ich dächte, wenn du de« Herrn Unpolitischen känntest, du hättest ihm de» heutigen Artikel eingegeben!" und da tarn mir der Gedanke, einmal ax Sie zu schreibe». Daher wiederhole ich nochmals meine Bitte, wenn es dem Herrn mal paßt, noch­mals einen tüchtigen Puffer an diese Sorte Faul­pelze abzugebe». Es würde Ihnen sehr dank­bar sein und es grüßt Sie hochachtungsvoll

N- N."

Wat soll ick dorbie dauhn?" sagt Jung-John. Wenn das Fräulein «,cht auf den Rath und die Bitten ihrer sorgsame« Mutter hört und auch

Mochen-Rnn-schau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 26. Juli 1902.

Die Erörterungen über den Dreibund und namentlich über die Verpflichtungen Italiens gegen­über Deutschland wollen noch immer nicht zur Ruhe kommen. Die Franzosen zerbrechen sich ohne Unter­laß die Köpfe darüber, wie es wohl damit stehen mag, obwohl ihnen schon vor vierzehn Tagen von einem italienischen Regierungsblatte gesagt worden war, daß Italien unbedingt verpflichtet ist, dem Deut­schen Reiche mit Truppen zu Hilfe zu kommen, falls dieses von Frankreich angegriffen werden sollte. Nun wollten sie gern noch wissen, wie diese Operation im erforderlichen Falle ausgeführt werden sollte. Man hatte etwas läuten hören von einer bestimmten Ver­tragsabmachung ; aber daraus hat nun ein ungarisches Regierungsblatt geantwortet, daß der Plan, von dem die Rede war, längst aufgegeben worden ist, nämlich die italienischen Hilfstruppen über den Brenner und durch Süddeutschland und die deutsche Westgrenze marschiren zu lassen. Das war nur ein italienischer Vorschlag gewesen, keine vertragsmäßige Abmachung. Aber wie man sich den Operationsplan jetzt denkt, wird natürlich Niemand den wißbegierigen Herren jenseits der Vogesen erzählen; und außerdem liegt ja die Möglichkeit eines solchen Krieges jetzt ferner als jemals vorher seit dreißig Jahren.

Nach Berlin wird der König vonJtalien zwischen dem 25. und 28. August kommen, wie nun­mehr bestimmt ist. Er wird, ebenso wie bei seiner Reise nach der Haupistadt des Zaren, von Herrn Prinetti, dem italienischen Minister des Aeußern, be­gleitet fein. Nach vorliegenden Zeitungsmeldungen aus Rom soll bei dieser Anwesenheit des Königs Viktor Emanuel in Berlin auch die Spannung zwischen Italien und der Schweiz ausgeglichen werden, worauf der König seinen Rückweg über die Schweiz nehmen soll. Es find Gerüchte entstanden von einem entdeckten anarchistischen Attentat auch gegen Viktor Emanuel; aber die Behörden haben jegliche genauere Auskunft darüber verweigert. Von einer Zusammenkunft zwischen dem König tio» Italien «nd dem Kaiser von Oesterreich ist noch immer nichts bekannt.

Die Thronfolge im Großherzogthum Hessen wird geregelt durch ein Gesetz, das in diesen Tagen im Darmstädter .Amtsblatt' veröffentlicht worden ist. Der erste Artikel des Gesetzes lautet wie folgt:

fte heraus und sammelt alle sorgsam zusammen Äm besten ist die Registratur im Kops]. Nun habe» Sie doch auch schon viel über das Heirathen geschrieben. [Ach ja!] Möchten Sie nicht so reundlich fern und nochmals so einen recht üchtigen Rüffel an dir Helrathsscheuen richten. Stiebte Tochter ist nämlich auch von dieser Sorte. Aber Frärilei»!] Sie ist 22 Jahre [da wird'S Zeit!] gesund an Leib und Seele, wohlgebildet und einfach und christlich erzogt«. [So ganz einfach" scheint eS in dem Köpfchen und Herz­chen doch nicht herzugehen!] Ich hatte ste von 8 bis zu 14 Jahren im Kloster der ehrwürdigen Schulschwester», weil str als Kind zu sehr leb- haft war; jetzt ist ste ja Gott Lob anständig, aber höchst lustig und Hüter, hat jedoch vor dem ieirathen einen heillosen Wind. Bis jetzt hat te auch schon viele Freier sbgewiese«; da hatte ch auch nichts dagegen. Aber jetzt wirbt wieder en junger Mann um sie, auS gut katholischer Familie, höchst anständig und tüchtig im Ge-

nrastrirte Sonntags-Zeitung",Tuldaer Gesdndttsblätter' und lottetie-fisfe

viel Geld hat. [Halb so wild! Die Männer sehen nicht blos auf Bildhauer-Schönheit, sondern im Allgemeine« mehr aus Asmuth, Frische und Gemütblichkeit, und ringsum sieht man Mädchen

Mehrere Bischöfe haben Widerspruch gegen biefe harten | Amme^^Äa? »U^ck^b-iÄÄ!!?

Maßregeln erhoben. Mehrere Abgeordneten von der i.e» 1 w.nzig^i .Rtttel«

- - - - - 1 und große Einbildung bei geringer Tüchtigkeit

schreckt natürlich ab.] Uad wenn dann vermögende Mädchen mitunter vorzieyen, ein Studium zu er­greifen, wenn wirklich Begabung vorliegt, dann geschieht es weniger aus Ruhmsucht oder Ehr- aeiz, als aus dem Grunde, fich nicht wie eine käufliche Waare hinzugeben und um nicht unnütz ihr Leben zu friste»; denn die Milch wird gewiß am ehesten da sauer werden, wo Langeweile sich einnistet. [Letzteres stimmt. Möge ste studiren, meinetwege« Griechisch und sphärische Astronomie,

von der Bewerbung eine- tüchtigen uwo äugen eh-

. . . . . rr men jungen Mannes ganz ungerührt bleibt, dan«

Allerdings liegt es auch mit a« de» sozialen! wiro auch m ine Betedtsarnkeit wohl ablaufen, wie

, M 170

hat er sich das Vergnügen folgender Aeußerung ge­macht: England sei während des Kriegestheilweise erstaunt, theilweise empört gewesen über die An­schauungen verschiedener Völker d s Festlandes gegen­über dem englischen Volke und den englischen Truppen". Herr Balfour wird in Wahrheit gar nichterstaunt" gewesen sein. Aber Klappern gehört zum Hand­werk!

eiM n» Orttat kl, Ptktetofl« 01.