Fuldaer
Juwa, Samstag, den 26. Juli 1902.
29. Jahrgang.
Erstes
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festzuhalten: im Dreibundoertrage selbst ftsb militärische Berpflichtuigen überhaupt nicht nach bestimmte» Plänen festgelegt. Das geht auch ja gar nicht zu machen. Denn die Verhältnisse ändern sich mit dem Wechsel der Zetten; und wenn auch bestimmte gegenseitige Verficherungs- bedingungen in dem Veruag- sicherlich festgelegt find, so muß de-e« je nach den Umständen geeignetste Ausführung den Strategen der Dreibundsstaaten überlassen bleiben.
Daß der König von Italien in diesem Jahre nicht nach Parts reist, wird nunmehr durch eine römisch offiziöse Meldung von neuem in uh» zweifelhafter Weise festgestillt.
„Du hast mit den Wohlthaten, die Du der arme- Wittwe gespendet, den Anfang zur Sühnung meiner Schuld gemacht", verfitzte der alte Mann. „Ich segne Dich dafür mein Sohn. Der Himmel möge Dir Deine Tdatkrast bewahren und das Glück verleihen, früher oder
1 Lesung wenn irgend möglich bis zum 8. August zu beendigen. Da die Komm'sson in ihrer - heutig'« (91.) Sitzung bis zu den ersten Positionen des 16. Abschnitts (Eisenzölle) gekommen ist, so bleiben roch ungefähr 170 Positionen in 9 «jungen zu erledigen. Es darf als ziemlich bestimmt angenommen werden, daß am 8. August die Ferien rirrreren, die ungefähr drei Wochen mähren. Ueber die Dauer der Ferien wird in der letzten Sitzung noch diskutirt werden. Am 1. September dürste dann die 2. Lesung beginnen.
-r Das Karret! der Ai«»-« beschäftigt die Leute, die es etwas angeht, noch immer. Am Donnerstag Abend ist .ine ganze Versammlung des fortschrittlichen Vereins „Waldeck" in Berlin diesem Thema gewidmet gewesen; ma» muß aber anerkennen, daß auch dort die Redner, zwei jüdische R-chtsanwälte, den Gedanken eines förmlichen Wahlkartells zwischen Liberalen und Sozialdemokraten mit gelindem Spotte abthaten. Dafür sprachen die Herren desto eifriger für ein gemeinsames Vorgehen der Liberalen mit der Sozial- demokratie in allen gegebenen und dazu geeigneten Fällen, so namentlich bei de» nächsten Neuwahlen zam Reichstage und preußischen Landtage und vor allen Dingen in der Behandlung von Berliner Stadt»Angelegenheiten. Daß dir „Waldeck"- Redner an dte angebliche „Mauserung" der Sozialdemokratie glauben, versteht sich von selbst — wenn sie auch nicht selbst daran glauben, so müssen sie doch wenigstens so thun, sonst würden sie ihre bürgerlichen Parti ifreunde nicht dazu bringen können, mit de» Feinden unserer bürgerlichen Gesellschafts-Ordnung gemeinsame Sache zu machen. Einer der Redner sprach für ein Zusammengehen aller Liberalen: man steht es bei jeder Gelegenheit von neuem, daß die Verwirrung in dem politisch?« Lager, dem der Berliner Verein „Waldeck" angchört, unendlich groß ist. Im Wahlkreise Bayreuth stimmen die Freisinnigen bei der Stichwahl in Hellen Haufen für den Sozialdemokraten und gegen den Nationalliberalen; im benachbartenWahlkreiseKulmbach-Forchheim'Eber- mannstadt thun sich die beiden feindlichen Brüder zusammen, um die „klerikale Cmttums»Partei zu bekämpfen. Mehr an Verwirrung kann man wahrhaftig nicht verlangen.
X Irr «e«e dayerrsche Avll«»vrr«rster fchrttil nun doch Freiherr von Podewils- Durnitz sein zu sollen, gegenwärtig bcy.-rischer Gesandter in Wien. Er war von Anfang an Nachfolger des Herrn von Landmann in Aussicht genommen, lehrte zunächst aber ab. Neuerdings scheint er mehr Neigung zur Ueberriahme des Kultusministeriums zu spüren, so daß man wohl annehmen darf, er werde daS Ministerium nach der Rückkehr des Prinzregente« von Schloß Wiiden'warth nach München wirklich übernehmen. Es ist sicherlich eine nichts weniger als leichte Aufgabe, den festgkfahrer.en Karren wieder flott zu machen. Ob Fieiherr von Podewils dieser schweren Aufgabe gewachsen ist, muß die Zukunft lehren. — Zum Staatsrüth im Kultusministerium (auf preußisch „Unterstaatssekretär") ist Herr v. Wehner ernannt worden, bis fitzt Mintsterial- rath in demselben Ministerium.
+ Kerr Waldeck Ikonflea«, der frühere französische Ministerpkästient und muthmaßlich« spätere Präsident der Republik Frankreich, wird
an tuen di« ml» L-> Ps- SBieberhoii rotrbent(pri Äatatt
„Und Martha?' fragte Ernst
„Sie bleibt natürlich bei uns, mein Sohn. Du nennst sie Deine Schwester, so wollen wir sie denn als unser Kind anschen. Nicht so, Frau?"
Frau Diethelm willigte mit Freuden ein.
„Aber so laß mich die Kleine doch auch sehen, Ernst", sagte ft».
Ernst trat an's Fenster und rief Martha zu, in'S HauS zu kommen.
Gleich darauf stand si; vor ihm und feinen Eltern.
Ernst zeigte auf seine Mutter.
„Das ist Deine neue Mutter, Martha", und |u seiner Mutter gewendet, sagte er: „Hier führe ich Dir Deine künftige Tochter zu, meinen Liebling, meine Schwester."
Frau Diethelm konnte sich nicht satt an de« kleinen, hübschen Mädchen sehen und liebkoste ei wieder und immer wieder.
So war denn der heißeste Wunsch der jungen Mannes erfüllt. Martha hatte eine Heimstätte, eine Eltern einen Ersatz für den scheidenden Sohn gefunden, der ihnen die Trennung von ihm weniger raurig machen würde.
Ernst blieb bis zur Abenddämmerung im Kreise einer Lieben. Dann kam der Augenblick, wo er hnen für lange Zeit Lebewohl sagen mußte. Nach zwei Tagen sollte das von seinem Chef befrachtete Schiff in See gehen und ihm blieb keine Zeit, noch einmal nach P zurückzukebren.
Der alte Diethelm hirtt sich bei diesem Ab- chied standhaft. Die Mutter aber wollte den geliebten Sohn nicht aus ihren Augen lassen. Mit ihren Thränen mischte sich da« laute Weinen
st Die Armenier.
In Brüssel tagte eine Versammlung von Vertretern verschiedener Lander, um sich mit den Verhältnissen in Armenien zu beschäftigen und über Maßregeln nachzudenken, die die wenig beneidenswerthe Lage der Armenier verbessern könnte. Es handelte sich nicht um Vertreter der Regierungen, sondern um Männer, die aus freien Stücken in Brüssel zusammengekommen waren.
Die Tü-ken haben ein Sprichwort, das gar nicht schmeichelhaft für dir Armenier klingt. Neun Juden — so lautet der Spruch — sind gleich einem Griechen, neun Griechen gleich einem Armenier. Das will also sagen, daß die Armenier in den Augen der Türken die aller- schlimmsten Ausbeuter sind, die man sich denken kann; und wirklich pflegen die gewissenlosesten Geschäftsleute und die schlimmsten Wucherer in Korstantinoprl, Smyrna und dergleichen Städten Armenier zu sein. Die Türken sind als ur.« bholftne Geschäftsleute bekannt Deswegen fallen sie solche« AuSsaugern leicht zum Opfer, I und mit der Anwendung auf diese Sorte von Armeniern hat das türkische Sprüchlein ohne Zweifel seine Berechtigung.
Aber die entarteten armenischen Schwindler und Wucherer in kluigen türkischen Stätten stellen doch nicht das große Volk ter Armenier a!« Harakteristische Vertreter, als eigentliche Typen ihres Stammes dar. Die Hauptmasse der Armenier besteht aus kleinen, patriarchawch gesinnte« Bürgern, a«§ Ack--rbcurrn und Viehzüchtern, dir in ihren heimathlichen Städten und Dörfern in schlichter und rechtlicher Weise dahirr- leben und nicht im mindesten den bösen Vorwurf verdienen, der in jenem türkischen Sprichworte zum Ausdrucke kommt. Und gerade drese Haupt- maffe des armenischen Volkes ist es, die schwer zu leiden hat unter den räuberischen Einfällen und den Mißhandlungen der benachbarten kriegerische« Kurven, die nicht selten von türkischen Regierungssoldaten bei ihren Räubereien und Mordzügen in den armenischen Gebieten unterstützt worden sind. Zuletzt sand eine große Armenietverfolgung in de« Jahren 1895 «Ad 1896 statt; und einfach unbeschreiblich ft üb die maßlosen Greuel, die damals in scheußlicher, um glaublich barbarischer Weise gegen die Armenier verübt worden find. Die berufenen Vertreter der Regierung des Sultans aber schauten den Greuel« mit verschränkten Armen zu und wehrten nicht einmal den türkischen Regierungstruppen,
Aerrtsches Weich, Berlin, 25. Juli 1902.
* Die Zolltariskommiffiorr de» Ileichs- tage» ist bemüht, ihre Arbeiten in der ersten
»Märta,.: 3»i die Redaktion t. v. Karl Schalter.
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1 wenn diese an den verübten Plünderungen fich i beteiligtes».
1 Man sagt, demnächst stehe den Armeniern Aehnliches bevor. Die Frage, die i« Brüssel b>. sprachen wurde, ist also zeitgemäß und brennend. Und wenn man auch auf dem Standpunkte steht, daß die Brüffeler Berathungen schwerlich dem gewünschten Zwecke entsprechen dürften, so verdienen dteseloen durchaus nicht den offenbaren Hohn, » it dem augenscheinlich amtlich beeinflußte Aeußerungen deutscher Zeitungen den Kongreß verspotten. Dieser Spott zeugt ganz und gar nicht von dem rechten Verständnisse für die wahren Aufgaben einer Kulturnation, und er würde wahrscheinlich unterbliebe« sei«, wenn man sich die Sache ein wenig genauer überlegt hätte, bevor man darauf los schrieb.
Einfach a'bern aber ist »s und würdelos, die Sache so zu behandeln, wie die «Kölnische Zeitung' sie zu behandeln beliebt hat. Dort wird nämlich in geradezu kriechend höfl'chen Ausdrücken an--bte Gcoßmuth und a« die Herrscher-
lugenden des Sultans apprllirt ,u Gunsten der Armenier. „Der Mann, der heute auf dem türkischen Throne sitzt — so konnte man diese Tage in dem genannten rheinischen Blatte lesen — ist zweifellos im Besitze der Macht, das Mittel- alter uiner asiatischen Länder in eine Neuzeit üderzuführen. Auch an Erkeuntniß fehlt es ihm nicht . . . Mehr als Furcht vor Gefahr kann bei einem Willensstärke« Manne wie dem Sultan der Gedanke wirken, daß er nur zu wollen braucht, um einen großen Namm in das Buch der Ge- schichte einzutkügm . . . ." Einfach lächerlich! Einzig und allein die Gelehrten der «Kölnischen Zeitung' bringen es fertig, Abdul Hamid als eine« Willensstärken Mann üjk hoher Erkennte iß zu preisen und de« Armeniern zu rathen, ruhig ihre Hände im Schoße za falten und geduldig abzuwarten, was dieser erkemttuißreiche und Willensstärke „Beherrscher aller Gläubigen" über ihre Schicksale zu beschließe« gedenkt.
Dir geradezu greulichen Erfahrungen von 1895 und 1896 beweisen mit grauenhafte: Deutlichkeit. daß die Armenier unter der türkischen Herrschaft nicht sicher vor den entsetzlichsten Martern sind; und wenn fitzt deutsche Zettuneisn spotten und von „nur französischen Drahtziehern" sprechen, die in Brüssel an der Spitze standen, so beweisen sie damit einzig und allein, daß ihnen das rechte Verständniß und die nöthigs Kenntniß der Dinge fehlt, auf die eS hierbei ankommt. Außerdem ist auch diese Behauptung unrichtig. Denn es haben an de« Berathungen auch hrr- vorragknde deutsche Politiker verschiedener Parteien lheitgenommen, und es ist daran zu erinnern, daß der hl. Vater stets ein warmes Interesse für die Leiden und Schicksale der Armenier b> kündet hat.
Der Spott also ist höchst geschmacklos. Das Thun der Brüffeler Versammlung aber ist nur zu loben.
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mußt, mein Sohn", sagte Diethelm, während Martha sich an Ernst geschmiegt hatte.
„Sogleich, lieber Vater, doch muß die Mutter dabei sein."
Emst strich Martha über die glänzende« Locken.
„Hinter dem Hause ist ein hübscher ©arten", sagte er, „geh dahin, Martha, und besteh Dir die Plätze, wo Du künftig Blumen pflücken mußt. Ich habe mit meinem Vater allein zu sprechen."
Martha gehorchte und lief in den Garten.
„J-tzi zu meiner lieben Mutter", sagte Ernst. „Sie soll mit Dir zugleich erfahren, in welcher Al sicht ich das Mädchen hierher gebracht habe."
Vater unö Sohn gingen in das Haus. Frau Diethelm wurde aus der Küche gerufen. Nachdem Ernst die Mutter umarmt hatte, enthüllte er seinen Eltern das ihnen so lange verschwiegene Geheimniß, welches fich auf die verstorbene Fran Helmers und deren Tochter bezog. Er schloß mit den Worten:
„Ich glaube in Deinem Sinne gehandelt zu Haven. Den Grund, warum ich Dir mein Thun verheimlichte, habe ich Dir soeben erklärt."
Diethelm und deffen Frau zeigten tiefe Rührung.
In Martha's Antlitz leuchtete es auf wie Heller Sonnenschein.
„Deine Eltern!" rief sie lebhaft. „Ja, dann werde ich fie lieb haben, so lieb, wie ich Dich habe."
Unter stetem Geplauder mit der Kleinen langte Ernst in P. an. Er bezeichnete dem Kutscher die Wohnung seiner Eltern und dieser fuhr dort vor.
Herr Diethelm, nun schon ein Sechziger, saß auf feinem Lieblingsplatze cor der Thüre, fein Pfeifchen rauchend, während fich seine Frau in der Küche mit der Herrichtung des Mittagsmahles befdbäftifite.
Er stand auf, als er Ernst au» dem Wagen steigen sah, und ging ihm mit väterlichem Gruß entgegen. Sein Sohn reichte ihm die Hand und wandte fich wieder dem Wagen zu, um das in Trauer gekleidete, kleine Mädchen herauszuheben.
Der alte Herr blickte erstaunt auf das Kind, das ohne Scheu auf ihn zuschrttt, seine Hand er» faßte und mit lieblichem Lächeln „Guten Tag, lieber Vater" zu ihm sagte.
„Ernst", fragte Diethelm, „wer ist das hübsche Kind?"
„Meine kleine Schwester", antwortete Ernst heiter.
,T'!V,3>.elne Schwester, mein Sohn? Ich verstehe Dich nicht —"
Gngefi unö Dämon.
Roman von Johann Marius.
d ------ (Nachdruck verboten.)
(j/w Gehring hatte Ernst die letzten Tage vor seiner Abreise von de« Komptoir - Arbeiten suSpendirt. Ernst ordnete mit dem Hauswiithe der Verstorbenen Alles und beauftragte ihn mit Dem Verkaufe der hinterlassenen Möbeln. Der «leine Kanarienvogel, den Martha so sehr liebte, sollte mit «ach P. genommen werde«.
Am folgenden Tage mietete er in früher Morgenstunde einen Wagen, hi ß Martha von de« gntmüthigen Wirthsleuten Abschied und den Käfig, worin der lustige Sänger faß, in die Hand «ehmen. So bestieg er mit ihr den Wagen
„Wohin geht es, lieber Bruder?" fragte die neugierig gewordene Martha.
„Dahin, wo Du eine neue Mutter, eine« Vater und eine lieue, liebe Heimrth finde« wirst," antwortete Ernst.
Martha sah ihn fragend a«.
„Eine neue Mutter, eine« neuen Vater?"
„Ja, mein Schwesterchen; sie werden Dich sogleich liebgewinnen und auch Du wirst sie bald lieben lernen."
Das kluge Kind sann eine Weile nach.
„Werden sie ebenso gut sein gegen mich wie Du?" fragte sie.
„O, «och v,el beffer," antwortete er. „Liebe fie, wie Du Deine Mutter geliebt hast; diejenigen, welche Deine neue« Eltern sein werden, find auch meine Eitern."
mit Stil Beilagen
«nrnstrirte Sonntag$»Zeftung”, „Fuldaer ßescbicbtsblätter" und rotterie-Ijsfe
„Die ich in Hamburg adoptirt habe", fiel ihm Ernst in s Wort. „Sie hat ihre Eltern durch den Too verloren; ich habe ihr versprochen, fie werde hier in Dir und der Mutter Ersatz für den Ver- lust finden/' —......... ™
»Das sind Räthsrl, die Du mir erkläre» I später dir ganze Schuld zu tilgen.
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Weiteres vom Dreibunde.
Schon wiederholt ist in der «Fnld. Zig.' die Thatsache als sehr auffällig bezeichnet worden, daß die Vermuthungen, Meldungen und angeblichen Erläuterungen über den Dreibund gar kein Ende nehmen wollen. Die letzte und auffälligste Be- hauptung war die, daß Italien ehedem fich ver- Iragsmüßlg verpflichtet habe, im Kriegsfälle nicht nur eine Heeresmacht durch Tyrol und Süd- -deuischland an den Rhein zu senden, um Deutsch' 'land gegen Frankreich bebiiflich zu sein, sondern i ztin Armeekorps durch Ungarn an die untere Donau zu schicken, um zusammen mit österreichischen und rumänischen Streitkräften, gegen Rußland tt-ätig zu sein. Diese letztere Bedingung sollte angeblich in dem neuen Dreibund ar, trage weg- gefallen, der neue Vertrag also durch die Weglassung dieser Bedingung verändert worden sein. Diese Meldung haben wir ohne weitere Erläuterung in einer Form wiedergegeben, die darthun sollte, daß fie uns sehr zweifelhaft erschiene. Jetzt sind von amtlicher Berliner Stelle au« mehrere Zeitungsäußerungen veranlaßt worden, die die Vermurhung ausstellen, es möchten planmäßige Quertreibereien gegen den Dreibund im Werke sein. Die Vermuihung klingt nichts weniger als unglaubwürdig; e« würde nicht zum ersten Mal gescheh;», daß solche Quertreibereien veranstaltet würden, und die cknsouberen Geister, die -früher z-»r Vusügung standen, um die entsprechenden Press molizen ausflattern zu lassen, stehen auch beute noch zu derselben Verfügung.
Thatsache ist jedenfalls!, daß seit der Erneue, rang des Dreibundes die an scheinenden Vertrauen?!- | drüche über den Jrhalt des Dreibundoertrages in auffälligster Weise sich mehre«. Fragt man, wer etn Inten ff? daran haben könnte, in dieser Weise Aufsehen zu errege«, Mißtrauen zu säen und den Drerbundsretzierungen Verlegenhrite» zu bereiten, so lautet dir Antwort zunächst: tn Frankreich könnte man ein Interesse daran und auch Neigung zu solchen Quertreibereien haben, weil man sich, wir allgemein, bekannt ist,' sehr enttäuscht gefühlt hat durch das Verhalten .Italiens, von dem man mehr Annäherung an den russisch-französtschen Zweibund erwartet hatte. In der ,Fuld. Zig.' find während der letzten Tage auch andere Anzeichen verzeichnet worden, die auf Frankreich bb weifen: bte Bemühungen, den italienischen Botschafter in Paris unmöglich zu machen, den König von Italien unbedingt zu dem Besuche in Paris zu bewegen und anderes mehr Das Bombardement mit solchen falschen ZritungS- Meldungen, die das Aussehen von. Vertrauens- brüchen habe«, könnte den Zweck habe« sollen, eine Veröffentlichung des Dreibundvertrages her- vorzurufen, den man jenseits der Vogesen und anderwärts gar zu gern Zen neu lernen möchte. Der Hanplcoup bei diesem Beginnen sollte nun augenscheinlich die Hereinziehung Rumäniens in die militärischen Dreibuxdsverabredungen fein. ' Nach allen voraufgegangenen Feststellungen i find im Gegensätze die nachfolgende« Thatsachen i