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Jutöa, Mittwoch, dm 23. Juli 1902.

29. Jahrgang.

Kardinal Ledochowski f.

Wiederum ist, wie schon gestern in der ,Fuld. Ztg.' mitgetheilt wurde, einer der Bekenner« Bischöfe aus den Zeiten des preußischen Kultur­kämpfe- aus dieser Zeitlichkeit abberufen worden. AuS Rom kam die Trauerkunde, daß dort der frühere Erzbischof von Posen-Gnesen, Kardinal­priester der heiligen römischen Kirche @ra Mieczyslaw Halka Ledochowski, Präfek der Propaganda-Kongregation, im achtzigsten Lebensjahre gestorben ist. In ganz Deutschland und darüber hinaus wird diese Trauerbotschaft inniges Beileid wecken. Ist doch in Kardina Ledochowski ein Bischof dahingegangen, der im engsten Anschluß an seine Amtsbrüder vom preußischen Episkopat gegenüber dem Titanen Bismarck mit unerschütterlicher Festigkeit die Freiheit der Kirche vertheidigt und in langer Ge­fangenschaft die Folgen seiner ktrchlich-treuen Ge- finnung freudig auf sich genommen hat. Neben den vom katholischen Volke mit dankbarster Verehrung genannten Namen des Kardinals Melchers und des unvergeßlichen Mainzer Oberhirten Wilh. Emanuel v. Kettel er wird Kardinal Ledochoswkt in den Annalrn der Kirchengeschichte als der opfermuthige und un­beugsame Erzbischof von Posen-Gnestn stets rühmend genannt werden.

Den erzbischöflichen Stuhl bestieg Ledochowski bekanntlich im Jahre 1866. Es war keine leichte Aufgabe, welche der neue Oberhirte bei Antritt seines Amtes in der Prooinz Posen vorfand. Die Regierung drängte vor Allem, daß der Erz- bischof den untergebenen Klerus von der Be­theiligung an den politischen Dingen zurückhalten solle, im Volke zitterte aber noch lange das An­denken an die Ereigniffr des Jahres 1863 nach. Mit Klugheit nnd feinem politischen Takte hielt Erzbischof Ledochowski die richtige Linie ein. Wie es sich für einen katholischen Bischof ziemte, be­tonte er vornehmlich die religiösen Aufgaben der Geistlichkeit und drang energisch auf die geistige Erneuerung der ihm anvertrauten Heerde. Es konnte nicht ausbletben, daß ein solches Vor­gehen nicht allerorten gefiel, in Wahrheit diente der Erzbischof jedoch den höchste« kirchlichen In- tereffen, wie er denn auch bei der Regierung sich eines wohlverdienten Vertrauens erfreute. Nach außen trat letzteres am markantesten im Jahre 1870 hervor, als der Erzbischof zur Ausführung einer politischen Misfion an den hl. Vater ins königliche Hauptquartier nach Versailles berufen wurde und dort am 8. November die berühmte Unterredung mit Bismarck hatte. -

Der Umschwung in der preußischen Politik ist bekannt. Wegen Vornahmeungesetzlicher Amtshandlungen" mehrfach mit hohen Geld­strafen belegt, wurde Erzbischof Ledochowski am 3. Februar 1874 verhaftet und nach Ostrowo zur Abbüßung einer zweijährigen Gesängnißstrase aboesührt. Bereits am 15. April desselben Jahres erfolgte seineAmtsenthebung durch den Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten". Pius IX. gab die Antwort auf all' diese Ver­folgungen, indem er den heldenmäßigen Dulder am 15. März 1875 zum Kardinalpriester ernannte und in sie ewige Stadt einlud, wohin

Kngel und Dämon.

Roman von Johann MariuS.

6 ------ (Nachdruck verboten.)

3. Kapitel.

Die Zeit war mit schnellen Schwingen über Ernfl's Lehrjahr« hinweggerauscht. Aus dem hübschen Knaben war ein hochgewachsener schlanker Jüng­ling geworden. Die Jahre der Lehre in einem Komptoir, wo ein zahlreiches Personal thätig ist und der Prinzipal ein strenges Regiment führt, find stets eine Prüfung für den Charakter eines jungen Menschen. Ernst Diethelm hatte diese Prüfung bestanden. Der Wunsch seines Vaters, daß er einst als Kaufmann eine hervorragende Stellung in der Handelswelt einnehmen solle, war noch außer dem ihm angebornen Pflichtgefühl der Antrieb gewesen, sich schon in seiner Lehrzeit aus- zuzeichnen und die Gunst seines Chef« zu ge­winnen. Inzwischen hatte er häufig Besuche bei seinen Eltern und dem alten, würdigen Wvhllhäter abgestattet, von denen er stets aus's neue er» muthigt und heiter nach Hamburg zmückkehrte.

Aber diese frohen Stunden, dte er in P. ver­lebte, sollten wenige Tage, nachdem er nach dem abgelaufenen dritten Lehrjahre zum Kommis mit einem angemeffeneu Gehalt ernannt worden war, eine traurige Unterbrechung erleiden.

Eines Tages erhielt er einen Brief seines Vaters. Der hochbttagt.' Greis, dem seine Eltern und er so unendlichen Dank schuldeten, lag im Sterben und wünschte Srnst noch einmal wieder zu sehen.

sich der neue Kardinal nach der Entlastung aus dem Gesängniß im Februar 1876 unverzüglich begab.

Nunmehr war Ledochowski jenem Wirkungs­kreise wiedergegeben, den er drei Jahrzehnte vor­her verlaffen hatte, und in dem er die höchsten Ehrenstelle« nächst dem Papstthum einzunehmen berufen war. Im Jahre 1885 wurde Kardinal Ledochowski, beste« theologische und kanonistische Kenntniffe in den Verhandlungen der päpstlichen Kongregationen berechtigtes Aussehen erregt hatten, von Leo XIII. zum Sekretär der Breven und im Jahre 1892 zum Präfekten der Kongregation der Propaganda ernannt.

Das Amt eines Präfekten der Propaganda bringt seinen Inhaber naturgemäß mit mancher­lei politischen Angelegenheiten in Verbindung. So hat denn auch Kardinal Ledochowski wieder­holt an der Lösung wichtiger kirchenpolilischer Fragen mitgewirkt, welche das Deutsche Reich hervorragend interessiren, wir nenne« nur die Frage des Protektorats über die Misstonen im Orient. Rühmend ist dabei der Unparteilichkeit gedacht worden, mit welcher Kardinal Ledo­chowski, uneingedenk der vielen früher erlittenen persönlichen Kränkungen, die deutsche« Interessen wahrgenommen und im hohen Kollegium der Kardinäle vertrete« hat. Als Symbol des persönlichen Vertrauens, besten der Verstorbene beim gegenwärtigen Kaiser fich dieserhalb er- freute, ist das Geschenk des Letzteren an den Kardinal, die goldene Tabaksdose, ebenso berühm geworden wie die Flasche Steinberger Kabine! des Fürsten Bismarck.

In den letzte« Jahren war Kardinal Ledochowski von einem schweren Angenübel heimgefucht, das ihn in Ausübung feiner vielseitigen Thätigkeit arg behinderte. Zu verschiedenen Malen ver­breitete fich das Gerücht, der nahezu Achtzig­jährig« wolle das Amt des Präfekten der Pro- paganda in di« Hände des heiligen Vaters zmücklegen. Immer aber wurde diese Nachricht durch di« Thatsache« Lügen gestraft und bis zum Augenblicke seines Hinscheidens ist Kardinal Ledochowski in dem hochangesehenen Zimte der Leitung der Propaganda geblieben.

Nun hat der unerbittliche Tod allem irdischen Wirken ei« Ende gesetzt. Möge betllgüttge Gott feinem treuen Diener, der so vielfache Be­weise kindlich-frommen Glaubens, inniger An­hänglichkeit an den Stuhl zu Rom und treuester Pflichterfüllung gegeben, im Jenseits reichlich lohnen, was immer er hieniede« zu Gottes Ehre und dem Heile der Seele« gewirkt hat. R. i. p.

Berlin, 22. Juli 1902.

X Di« preußische Kaust. Politik findet in ihrer bedauerlichen Verbohrtheit auch bei aus­gesprochene« Kanal-Schwärmer« abfällige Be- urtheilung. Um einen Druck zu Gunsten des Mittellandkanals auszuüden, hat die preußische

Da galt es kein« Zeit zu v.rlieren. Ernst theilte seinem Prinzipal die traurige Nachricht mit, bat für mehrere Tage um Urlaub und erhielt die Zustimmung dazu Am Morgen hatte er die Nach­richt erhalten, des Nachmittags befand er fich schon in P. neben dem Sterbelager seines Wohlthäters.

Der Greis, obschon seinem Ende nahe, ließ noch einmal sein treues, halbgebrochene» Auge auf seinem Liebling ruhen.

Führe mir die Hand, mein Freund", murmelt« er dem an seinem Lager weilenden Diethelm zu. Ich vermag st« nicht mehr zu erheben und Du, mein Ernst, lege Dein Haupt an meine Brust!"

Vater und Sohn traten, was der Sterbende wünschte. Die letzte« Worte des alten Herrn, von einer segnenden Handbewegung begleitet, wurden den Trauernden nicht mehr verständlich. Sie sahen nur noch feine Lippen fich bewegen, rann zuckte er zusammen und feine Augen brachen. Ernst legte sanft di« Hand bar an f. Der edle Greis war für immer entschlummert.

Dem ruhig und schmerzlos Geschiedene« wurden noch lange heiße Thränen nachgeweint. Seine Großmuth argen die Familie Diethelm satte sich noch über das Grab hinaus erstreckt.

Die Hälfte des von Werner hinterlassenen Vermögens hatte er Diethelm und dessen Erbe« vermacht. Der andere Theil, in Staatspapieren bestehend, fiel entfernten, selbst wohlhabenden Verwandten zu, die sich niemals um den olt-n Mann gekümmert hatte«. Von einer Erb- schleicherei von Seiten Diethelms konnte demnach nicht die Rede fein.

Der verstorbene Buchhalter war keineswegs reich gewesen. Außer dem Häuschen in P das

Regierung bekanntlich mit der ursprünglichen Kanalvorlage allerhand Dinge verquickt, die ganz und gar nichts damit zu thun haben. Dazu ge- höre« namentlich ganz nothwendige Verbefferungs« arbeiten an verschiedenen Flußbetten, deren Unter« laffung den Anwohner« schon ganz erheblichen Schaden zugesügt hat. Dennoch find bisher alle Vorstellungen und Ermahnungen, von dieser Ver- ranntheit abzulafsen und diese dringendst noth- wendigen Verbesserungen von dem Mittelland­kanal abzulösen, vollkommen eindruckslos an Sem Eigenfinne der preußische« Regierung abgeprallt; und nun beginnen auch durchaus kanalfreundliche Blätter, die Regierung an daS U«geeignete eines solchen Verfahrens zu erinnern. Im Gebiete der ober« Spree sind Wehre vom Hochwaffer zerstört worden niemand kümmert sich darum. Der Wiederaufbau bildet einen Theil SerKanalvor­lage". Die Schifffahrt auf der ebene Ober leidet schwer unter der vollständig verunglückten Anlage gewiffer Schleusen, weil bei jedem Hochwaffer der Zugang zu den Schleusen vollständig ver­sandet aber alle Hilferufe der Schifferei ver­hallen ungchört, weil der Kanal im rheinisch- westfälischen Jndustriebezirk keine Mehrheit im preußischen Abgeordnetenhaufe fand. Gegen diese nicht nur durchaus unbegründete, sondern auch geradezu ungerechte und gehässige Verkoppelung vollkommen verschiedenartiger Dinge mit einander wendet sich jetzt beispielsweise auch die national- liberale Berliner , National-Zeitung' mit folgenden Worten:

Die Berkoppeluuz der »erschiedensten W-fser- baupläne, welche nichts mit einander zu schaffen haben . . . haben wir immer bekämpft und geben ohne weiteres zu, daß die Wiederauflösung dieser natür­lichen Fusion eine Nothwendigkeii ist . . ."

Darauf kommt es an. Wirkliche Nothfiände dürfen nicht bestehen bleiben, weil für einen nicht durchaus nothwendigen Kanalplan eine parla­mentarische M hrheit nicht zu haben ist. Daß dieselbe .National-Zeitung' gleichzeitig die unver­zügliche Wiedern^bringung der Vorlage über de« Mittellandkanal fordert, ist eine besondere Sache für sich, die auch nicht verkoppelt werden darf mit der Beseit g ng jener Nothstände.

X I» siöuude. Das Verhältniß und die Verpflicht«, g-n Italiens innerhalb des Drei­bundes bilden noch immer den Gegenstand von allerhand Auseinandersetzungen in der Presse. Die französischen Blätter können sich durchaus nicht darüber beruhigen, daß der Dreibunvver- trag in unveränderter Form erneuert worden ist und rufe« durch ihre meist falschen Behauptungen stets von neuem Auseinandersetzungen darüber hervor. Natürlich interesfirt man sich in Frank- reich vor allen Dingen dafür, waS Italien zu thun haben würde bei einem Kriege Frankreichs gegen Deutschland. Italien müffe vollkommen neutral bleiben dabei, sagt man in Frankreich. Darauf hat bereits vor einiger Zeit, wie damals berichtet, eine halbamtliche Kundgebung in einem italienischen Blatte geantwortet, daß das nicht der Fall sei: Italien würde vielmehr dem ihm verbündeten Deutschen Reiche mit bewaffneter Macht zur Seite stehen, wenn Frankreich einen Revanchekrieg gegen Deutschland beginnen sollte. Aber auch diese wohlthälige Ausklärung hat den Franzose« noch nicht genügt. Sie wollten «och

er längst als fein Etgenthu« erworben, bestand fei« ganzer Nachlaß aus vierzigtaufend Mark. Also blieben der Familie Diethelm nur eine freie Wohnung und zwanzigtausend Mark. Bei spar­samer Haushaltung konnte sie von den Zinsen dieser mäßigen Summe leben. Das Kapital durste aber nicht angegriffen werden, daS hatte Werner seinem Liebling, Sem Sohne Diethelms, bestimmt.

Daß Diethelm und feine Gattin sich jetzt einsam fühlten, läßt fich begreifen. In dem alten Manne war ihnen im vollen Sinne ein »weiter Vater gestorben. Was sie aber i« ihrem Kummer wieder aufrichtete, mar dte Gewißheit, daß ihr Sohn auf der von ihm gewählten Lauf­bahn unverkennbar rasche Fortschritte machte. Halts doch der Kaufmann Gehring, der sonst nicht leicht seinem Personal ein lautes oder christliches Lob zollte, seine vollkommene Za- riebe*beit mit Ernst gegen dessen Beter brieflich ausgesprochen und ihm die Versicherung gegeben, > es in der Hand des talentvolle« junge« Mannes liege, fich dereinst eine glänzende Zu- 'unft zu gründen.

Ein Jahr nach Werners Ableben sollte sich etwa- ereigne«, was, wie der Verfolg unserer Geschichte lehren wird, einen mächtigen Einfluß auf das Schicksal des jungen Mavnes üben würde.

Ernst hatte sich auf den Wunsch seines Vaters nach der Wohnung der Winwr H-lmerS er- !undigt. deren Mann, wie scho, früher erzählt, durch DiethelmS Fallissement fein kleines Ver­mögen eingebüßt hatte. Er hatte die Frau in einer ärmlichen Wohnung der Altstadt Hom-

mehr wiffen; und jetzt ist ihnen auch dieses WiffenSdrang befriedigt worden. Ein ebenfalls ausgesprochenes Regierungsorgan, diesmal ei« ungarischer OffiziosuS im »Pester Lloyd', hat die Aufklärung gegeben, die übrigens ihrem Inhalte nach unterrichteten Leuten kein Geheimniß mehr war. Früher war es italienischer Wunsch, für den Mobilmachungsfall italienische Truppen a« di« westliche Grenze Deutschlands zu senden, und eS war auch für diese« Fall der Weg vorgezeich­net worben, den diese italienischen Hilfstruppen nehme« sollten. Die italienischen Truppen sollte« über de« Brenner gesandt werde« und durch Tyrol und Süddeutschland nach deS Reiches Westgrenze weitergehen. Dieser Weg war aber nur italienischer Wunsch, nicht Verpflichtung im Dreibundoertrage; und nach der weiteren Mit­theilung des genannte« Budapester Blattes ist man schon lange vor der Erneuerung des Drei- bundoerttages anS praktischen Gründen militäri­scher Natur von diesem Plane zurückgekomme«. Im Dreibundvertrage habeniemals eine Ver­pflichtung Italiens zur Entsendung von Truppen durch Tyrol nach Deutschland bestanden.. Daß damit die Verpflichtung Italiens Überhaupt nicht geleugnet, sondern vielmehr auf Umwege« bestätigt wird, versteht sich von selbst. Es kommt weniger auf die Marschroute italienischer Hilfs­truppen, als vielmehr darauf an, daß sie Über­haupt kommen.

X 3er öabifefjeM Kloflerfrage. Mit de« badische« Kulturkämpfe» auS dem Lager d-s Liberalismus mache« badische konservative Poli­tiker gemeinsame Sache. Der badisch« Konfer- vative Freiherr v. Göler wendet fich gegen die Klosterzulaffung in einem Artikel der «Badischen Post'. Er meint, der Abg. v. Stockhorner, der i« der Zweiten Kammer für die Resolution des Crntrums zu Gunsten der Männer Klöster stimmte, stehe unter den badischen Konservativen ganz allein damit da; in der Ersten Kammer würde die Resolution deswegen keine Mehrheit gesunden haben. Freiherr v. Göler malt einen neuen Kulturkampf an die Wand für den Fall, daß ein badischer Kultusminister einmal eswagen" sollte, dem Wunsche des Centrums nachzugeben und Klöster zuzulaffen rc. re. Der Herr Kultus­minister hatte bei der Besprechung der vom Centrum beantragten Entschließung gesagt:Die Regie­rung werderecht ge»* die Wünsch« b»8 katho­lischen Volkes berücksichtigen; aber vorläufig feien die Erwägungen darüber noch nicht zum Abschluffe gelangt* Sollte nun vielleicht die badische Re­gierung ihre ferneren Erwägungen «ach den Wün­schen der nationalliberalen und konservativen Kultur- kämpfer einrichten? DaS bleibt abzuwarten. Es würde kein Beweis eines besondere« S.ärkegefühles der badischen Regierung sein, wenn sie vor de» Drohungen dieser Kulturkämpfer zmückwiche. Frei« i,err v. Göler aber wird schwerlich in de« kon­servativen Parteilagern der anderen deutschen Bundesstaaten viele GestrnungSgenoffen für seine kulturkämpferischen Neigungen finden.

X Die Pflastersteine sp ielten eine besondere Rolle in der Zollt«, ifkommissio« deS Reichstages, die am Montag ausnahmsweise nicht in den Morgenstunden, sondern erst Nachmittags tagte. Der Etwurf des BundeSrathes schlägt eine«

burgS ausgefunden, wo sie ein Leben ter bittersten Armuth mit ihrem Töchterchen von vier Jahren führte, indem sie fich kümmerlich durch Stick­arbeit ernährte.

Er war im Winter, kurz vor Weihnachten, al« Ernst die Bekanntschaft der Wittwe machte. Er mußte zu seinem ersten Besuche die Abendstunden benützen. Denn den Tag über war er an da« Komptoir gefesselt.

Zu seinem Erstaunen fand er die kleine Stube an btefem ziemlich kalten Dezembertage so uv ge­nügens geheizt, daß d.e Fenster mit Eisblumen bedeckt waren. Die Wittwe, auf deren blaffen Wangen die gewissen hektischen, rothen Flecken lagen, saß dicht an dem lauwarmen Kachelofen und arbeitete an einer Buntstickerei, die sie für einen Ladeninhaber au«führte. Auf dem Tische vor ihr stand eine Lampe, welche nur einen chwachen Lichtschein verbreitete. Im übrigen war >a« niedrige Zimmer mit den wenigen Mobilien egr reinlich gegolten. Weiße, saubere Gardinen singen vo: dem Fenster und auf einem kleinen Tische in einer Eck« sah man in einem grün­angestrichenen Käfig einen goldgelben Kanarienvogel.

Ernst Diethelm wagte e< nicht, sich Frau Helmers unter dem Namen feines Vaters vor­zustellen. Er fürchtete, dsß er damit in dem Herzen der Armen eine bittere Erinnerung an den Verlust ihres Vermögens durch den Bankerott eines Vaters wachrufen könnte. Er stellte fich ihr deshalb unter dem NamenErnst Walter" vor u ö entschuldigte sein Kommen zu so später Stund« mit einem Auftrage seiner in der Neustadt wohnen­den Matter, eine Stickerei zur Verzierung einer Wandkorbes bei ihr zu bestellen.