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.Tffüstrirte Sonntags-Zeitung", „Suldaet Ge$d)idMlättef und rotten'e-risre.

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JV» 166.

Iu0-a, Dienstag, den 22. Juli 1902.

29. Jahrgang.

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O Die Buren unter dem englischen Regiments.

In diese« Tagen erschienen allerhand denn« ruhigen de Drahtmeldungen in englischen Zeitungen über Kundgebungen des Widerwillens der Bure» dagegen, sich der englischen Herrschaft unter,u« ordnen, über zahlreiche Weigerungen, den britischen Unterthaneneid zu leisten, und über planmäßige Umtriebe dagegen unter den Buren. Bermuth» lich hatte man es dabei mit starken Uebertrei- bungen und Aufbauschungen vereinzelter Bor« kommniffe zu thun. Die praktischen und ver­nünftigen Bure» müssen leider einsehen, daß eS augenblicklich gar keine andere Möglichkeit für sie gibt, als entweder sich zu fügen, so schwer ihnen das auch ankommen mag, oder aber den südafrikanischen Staub von ihren Füßen zu schütteln.

Erst sehr verspätet wird der Inhalt einer Rede bekannt, die am 21. Juni in Kapstadt der Burengeneral Herzog gehalten hat, seinem ur­sprünglichen Berufe nach ein Rechtsgelehrter und deswegen gewöhnlich von den Buren als „Richter- Herzog bezeichnet. Die Rede wurde vor einer Burenversammlung gehalten und galt der Ge. staltung der Zukunft der Buren und gleichzeitig der zukünftige» Gestaltung der Dinge in Süd- afrika. Der Krieg ist vorbei und auch verloren^ nicht deswegen, weil die bewaffneten Bure» bitrdi die englische» Soldaten besiegt wurden, sondern weil die vollständige Verwüstung des Landes durch die Engländer eine Fortsetzung deS Krieges unmöglich machte. Das Land befindet sich nach Schilderungen Herzog's in einem so entblösten und armseligen Zustande, daß es nicht eiuma sofort alle die Leute ernähren könnte, die jetzt in den Konzentrationslagern zusammengepfercht find. »Diese alle sofort zurückbringen würde heißen, sie dem Hungertode preiszugeben- — sagte darüber General Herzog. „Die Lebens­mittel find äußerst knapp. Es steyt nirgends mehr ein Haus, und nirgends mehr grünt ein Halm.- Diese Kennzeichnung der traurigen Lage der ehedem blühenden Burenkänder zeugt do» neuem in fürchterlicher Deutlichkeit von der wüsten und verwüstenden Art der englische» Kriegführung. Nicht durch die Gewalt der Waffen find die Buren zum Frieden gezwungen worden, sondern durch das Plündern, Sengen und Brennen und Verwüsten der englischen Soldaten.

Aber gezwungen sind die Buren dazu; des­wegen rieth ihnen ihr Führer dazu, sich mit den Zuständen abzufinden, wie sie nun einmal sind. Auch Präsident Steijn hat sich nach der Mit­theilung Herzog'« in diese Nothwendigkeit gefügt; und von den Beweggründen, von denen di« Ver­trauensmänner der Buren in Vereeniging sich leiten ließen, sagte Herzog: „Der Zustand und die Zukunft unsere« Lander, da« Loo« der Kriegs­gefangenen, das die Bundesgenoffen in den (britischen) Kolonien (Kapland und Natal) und da« Loos der Bewohner der Konzentrationslager sind unsere einzige Triebfeder gewesen. Die von den Engländern verheißenen drei Millionen Pfund Sterling waren eher eine Beleidigung, da mehr al« fünfzig Millionen vöthtg find, um aller nur einigermaßen wieder in den frühern Zustand zu setzen."

OngeC und Dämon.

Roman von Johann Marius.

6 ------ (Rachdruck verboten.)

„Da kommt Ernst", sagte Werner, nach der Dorfstraße deutend. „Sein Gesicht strahlt vor Fröhlichkeit. Wenn Sie mit ihm gesprochen haben, wird er ander« aussehen. Noch einmal, überlegenSie."

„Ich habe Alle« überlegt", sagte Diethelm. „Die Erinnerungen aus meiner Bergangerheit be­stärken mich in meinem Vorhaben."

Während dieser letzten Worte schritt der Knabe schon auf das Hau« zu uud bot beiden Herren freundlich die Hand.

Der fünfzehnjährige Ernst war das vollkommene Ebenbild feine» Vater« in der regelmäßig geschnittenen Form des Gesichtes, welches, etwas scharf markirt, Energie des Charakter« ausdrückte. So tiefbraun und glänzend, wie einst dos Haar seiner Vaters gewesen, wiesen sich die kleinen Locken, die unter seinem Strohhute hervor quollen. Nur das sanfte blaue Auge, das jede Regung seiner jungen Seele treu widerspiegelte, hatte er von seiner Mutter geerbt. So hatte die gütige Natur ihm einen wirksamen Empfehlungsbrief für die Welt verliehen.

„Komm' mit in’« Haus, Ernst", sagte Diet­helm. Und zu dem Greise gewendet, fügte er hinzu: „Sie verzeihen, Herr Werner, wenn ich Sie auf eine Stunde allein kaffe. Sie wissen, was ich mit meinem Sohne zu besprechen habe."

„Leider weiß ich das", bemerkte der Alte.

Diethelm ging mit Ernst in'« Hau«. In seinem Privatgemache angekommen, schritt der

Und dennoch gibt auch Herzog die Hoffnung für die Zukunft nicht auf. In seiner Rede in Kapstadt hat er sogar die Bereinigung von Trans­vaal und vom Oranje-Freistaat mit den britischen Kolonien Kapland und Natal unter britischer Herrschaft al« ein Ereigniß bezeichnet, da» auch der vollkommenen Vereinigung aller südafrikanischen Buren günstig ist oder doch werden kann — aber nur unter einer Bedingung: wenn alle Buren jetzt die Dinge nehmen, wie sie nun einmal nicht anders sei» können; in die Nothwendigkeit der britischen Herrschaft sich fügen und in Südafrika bleiben. General Herzog sagte:

Es ist Jemand aus Südamerika hierher ge­kommen mit verlockenden Anerbietungen, daß Ihr Euch dort niederlaßt. Brüder, ich muß Euch da­vor warnen. Der Krieg hat uns nicht gebracht, was wir erwartet haben. Es ist leider so. Aber laßt uns als Männer tragen, was nicht zu ändern ist. Der Kampf im Felde ist vorbei; ein anderer Kampf wartet unser. Es liegt in Eurem eigenen Interesse, zu bleiben. Männlich haben wir ge­stritten. Es würde unmännlich sein, nun weg- zulausen. Wir haben unserem stärker» Feinde und der ganzen Welt Achtung abgezwungen. Zeigt Euch dieser Achtung auch ferner würdig, bleibt Hand in Hand aufrecht .... Unser VoU muß hier bleiben und wachsen .... Südafrika muß doch für die Südafrikander sein... Unterwerft Euch als Unterthanen des Königs, er­weist ihm den schuldige« Gehorsam, und im übrigen bleibe» wir die, die wir find . . . Bleibt Euch selbst treu; kämpft um Eure Rechte als Männer. Die Pflicht gegen Euer Land ist größer, als die Pflicht gegen Euch selbst!"

Der Kampf auf dem Schlachtfelde also ist be­endet. Aber jetzt beginnt der nationale, ver­fassungsmäßige Kampf aller unter dem britischen Szepter i« Südafrika vereinigten Buren gegen die Verengläuderung an der Wahlurne und im Parlamente, in der Schule und bei der inner» Verwaltung des Landes. Deswegen ermahne» die Führer ihre Landsleute zum Aus haaren und -zur geschloffene», standhaften Shiigtst. Und wenn die Buren, um mit den Worte,, Herzog's zu rede», sich selbst treu bleiben, da ", kann in der Zukunft Südafrika trotz der drittle» Ober- Herrschaft doch «och einmal den Güda- ikander« gehören, auch wen« sie de» britischen König als ihre» Souverän anerkennen.

Berlin, 21. Juli 1902.

+ Der König von Atalie« wird sein en Besuch in Berlin zwischen dem 25. und 28. August mache». Der Minister des Aeußer», Prinetti, wird de» König auch auf dieser Reise begleiten. Das Schulschiff „Amerigo VeSpucci" wird gleich­zeitig nach Riet gesandt werden, wahrscheinlich auch das Panzerschiff „Liguria" unter dem Be- fehle des Herzogs der Abruzzen. Nach einer Meldung, die Über England kommt, soll während der Anwesenheit deS Königs von Italien in Ber-

erster^ wahrscheinlich ernsten Gedanken nachhängend, im Zimmer auf und ab.

„Mein Sohn", begann er plötzlich, vor Ernst stehen bleibend, „ich habe Dir Eröffnungen zu machen, die Dich unerwartet treffen werden. Aber e» muß fein! Setze Dich mir gegenüber und höre mich ruhig und gefaßt an. So schwer er Dir auch weiden mag, Deinen liebsten Wünschen zu entsagen, Du hast Herz und Verstand genug, um einzusehen, wenn Du Alle» erfahren haben wirst, daß Du den Wunsch Deine« Vater« erfüllen mußt, wenn es sich darum handelt, die Ehre seiner Namen» zu retten!"

„Die Ehre des Namens feint» Vaters retten?" Das waren Worte, welche Ernst Diethelm rächsel- haft und dpnkel klangen. Es war ja auch nicht anders möglich, den» niemals hatte Diethelm über seine in Hamburg verlebte Vergangenheit gegen seinen jugendlichen Sohn etwas anderes fallen lassen, als daß er früher Kaufmann gewisen und sich frühzeitig bei seinem alten Freunde Werner zur Ruhe gefitzt habe.

Ernst blickte seinen Vater fragend an.

„Ich verstehe dich nicht. Vater" erwiderte er.

„Du wirst eS, wen« Du dem, war ich Dir zu vertrauen habe, ein aufmerksames Ohr lähst."

Nach einer halben Seunde war der Knabe n das, was ihm bis dahin unbekannt, völlig eingeweiht.

„Mein Bankerott-, so schloß Diethelm, „war ein ehrlicher und nur durch meine zu groß; Kühn- heit im Geschäfte verschuldet. Leider reichte« meine Aktiva nicht hi«, alle Forderungen meiner Gläubiger zu decken, obgleich ich ihnen meine

li» die Spannung zwischen Italien und der Schweiz ausgeglichen werde». Minister Prinetti hätte be» reits die Vollmacht dazu. Nachher solle König Viktor Emanuel vo» Berlin auS seine» Rückwe über die Schweiz nehme» und i» Luzern seine Reise unterbrechen, wo ihm ein großartiger Empfang bereitet werde» solle.

+ „Na beim «ich — dann is et auch jut" — soll angeblich der preußische Landwirth- schaftsminister von Podbielski bei der ersten Fahrt des Dampfers „Kronprinz Wilhelm" vom Norddeutschen Lloyd einem freisinnigen Reichs- tagsabgeordneten geantwortet haben, als dieser dem Minister gegenüber die Arußerung that: „Exzellenz, die sechs Mark bekommen Sie nie und nimmer.- Gemeint sollten damit sechs Mark Setreidezoll sei». So erzählt der .Frän­kische Kurier' und zahllose Blätter drucken es ab. Auch wenn Herr von Podbielski diese scherzhafte Antwort gegeben haben sollte, laffen sich daraus nicht im geringsten ernsthafte Schlüffe ziehe». Herr von Podbielski mag wohl diese Form der Erwiderung gewählt haben, weil er nicht recht wußte, was er im Ernste antworte» sollte. Es ist kaum zu begreife», wie sich Jemand durch eine solche Redensart imponiren laffen kann. In dieser politischen Ferienzeit fliegen die politischen Enten bekanntlich dutzendweise umher, wie ja auch die Berichte freisinniger Blätter über eine Rede desselben Ministers in Stolp in Pommern glatt erfunden waren.

X Unsere polnische» Krieger. Nach der Mittyeilung eines hakatistischen Blattes sollte es neuerdings mehrfach vorgekommen sein, daß bei Kontrolloerfammlunge» in polnischen Gegenden auf drn ergangene« Namensanruf anstatt des vorgeschriebenen „Hier" polnische Antworten er­folgten. GS war die weitere Mittheilung darin geknüpft, daß solches Thun mit Arreststrafen bis zu zehn Tagen Hast belegt worden seien, wegen „Vergehens gegen den militärischen Anstand", Augenscheinlich beruhte diese Mittheilung nicht auf wirklich vo(gekommenen Thatsachen; denn man hat «och niemals etwas davon ver­nommen, daß solche Bestrafungen wirklich hätten vorgenommen werde» müffen. Und wenn das der Fall gewesen wäre, dann hätte die Bestrafung ganz anders aussa-le» müffen. Vor jeder Kontroll- Versammlung werüen die Leute darauf aufmerk, sam gemacht, daß sie bei dem Namensaufrufe mit dem Worte „Hier" zu antworten haben. Würde dieser Anordnung dann aus böswilliger Absicht nicht Folge geleistet, dann müßte eine weit strengere Strafe erfolgen wegen der absicht­lichen Verweigerung des Gehorsams, die alSdann vorliegen würde. GZ mag vorkommen, daß in ganz polnischen Gegenden mitunter aus Ver­sehe« polnische Antworten erfolge», z. B. „jestem" — ich bin; aber bis jetzt ist das in allen solchen Fälle» eben nur infolge eines Versehens geschehen und alsbald wieder in der vorgeschriebenen Form verb.ffert worden. Unsere polnischen Soldaten habe» bisher zu den aüerfolgsamsten und dabet auch anspruchslosesten Angehörigen unseres Heeres gehört. Noch niemals find Klage» im entgegen­gesetzten Sinne laut geworden, und die ganze Geschichte mit der Behauptung von den polnischen Antworten bei Kontrollorrsammlungen darf ohne weiteres als ein gänzlich verfehltes Manöver der

ganzen Habe überließ und arm und hilflos mit Deiner Matter und Dir mein einst so stattliches Haus verließ. War m r gerichtlich auch keine Schuld aufzubürden, so lastete sir doch moralisch auf mir. Mehrere kleine Firmen wurden in meinen Fall mithineingeriffrn und haben sich, wie ich weiß, von dem Sturze noch nicht wieder erholt. Vor All m wohnt in Hamburg es»e Familie, deren Haupt mir persönlich eng befreundet war. Dieser ist durch meinen Sturz in die tiefste Armuih gesunken und jahrelangem Leiden verfallen. Zum Unglück ist der Mann, der die Seinigen mit Abschreiben kümmerlich ernährte, vor einem Jchre gestorben und Hai seine Frau und ein kleiner Wäschen, rar jetzt fünf Jahre zählt, in größter Dürftigkeit hinterlassen. Da ich hier von der Güte meines Wohlthät-i s, Herrn Werner, lebe und diese nicht mißbrauchen darf, so bin ich nicht im Stande, da» Loos der armen Frau für die nächste Zeit zu erleichtern, vieliveniger aber noch die anderen meiner Gläubiger zu entschädigen. Ich bin nun zu alt und mittellos, um wieder ein Hau» zu gründen und de» Flecken, der auf dem Namen eine« bankerotte« Rauf mannt« haftet, auszulöschen. Und deshalb, mein Sohn, habe ich mein Auge auf Dich geworfen."

„AberVater, was kann ich, ein armer Knabe, der eben erst die Schule verlassen hat, zu der Herstellung Deine« Namen« thun?" fragte Ernst verwundert.

„Für den Augenblick nichts, mein Sohn, vielleicht aber doch in Zukunft. Wenigsten« muß der Versuch gemacht werden."

Er senkte schweigend den Kopf und starrte einige Sekunden vor sich hin.

hakatistischen Scharfmacherei bezeichnet werden. Ein wirklich wohlmeinender Rath kann nur der sei«, die Machthaber vor verkehrte» und über­scharfen Maßregeln gegen die Polen zu warne«, um in den bisher tadellos gehorsame« und aus« gezeichnet disciplinirten Leute» nicht künstlich die Neigung zur Widersetzlichkeit zu erzeugen. I» militärtschen Kreise« hat man sicherlich gar kein Derständniß für diese neue hakatistische Mache.

X Wie Ma« Sanitätrrath wird — oder auch nicht wird, erzählt ein Arzt in der Medi­zinischen Reform'. Eines Tages erhielt der Arzt eine Vorladung vor die Kriminalpolizei, ohne daß der Zweck der Vorladung angegeben war. Es war in der Vorladung nur bemerkt, daß eS sich um eine persönliche Angelegenheit handele. Der Arzt folgte der Vorladung. Der Polizeileutnant stellte in üblicher Weise die Personalien des Vorgeladenen fest und fragte diesen dann: „Zu welcher politische» Partei zählen Sie sich, oder welche politische Richtung verfolge« Sie?" Der Beamte erläuterte als­dann diese Frage dahin, daß es sich um Ver­leihung des Sanitätsrathtitels handele. Man wolle die gestellte Frage von ihm beantwortet haben, und da habe er es für beffer gehalten, den Arzt selbst zu befragen, als Andere. Mit der Beantwortung der Frage war das Verhör beendet. „Ich beantwortete — so erzählt der Arzt — die Frage, und damit war das Verhör beendet. Erst auf der Straße fiel mir dann ein, daß ich eigentlich eine Dummheit gemacht hatte, und ich wollte schon wieder zurück und lagen, ich hätte mich nicht so ganz richtig aus- gedrückt, in Wirklichkeit sei ich doch Sozial­demokrat oder auch Deutschfcoistnniger. Die ganze Haupt- und Staatsaktion fiel übrigens kläglich ins Waffer. Wahrscheinlich hatte irgend Jemand herausgefunden, daß mein politisches und öffentliches Verhalte« doch nicht so ganz rein und zweifelsohne sei, und auch für die Zu­kunft in der Art vielleicht nicht viel von mir zu erwarten sei . . ." Die Erzählung kennzeichnet in vorzüglicher und nicht wenig ergötzlicher Weise das politische Regierungssystem in Berlin uud auch anderwärts. Mehr als tausend Reden mit umständlichen Darlegungen in der Preffe ist sie eine neue Beruhigung darüber, daß sür alle ab­sehbare Zeit die Träume der Liberale» von ihrer „Regierungsfähigkeit" eitel Schäume sind.

+ Leichenschäudnug durch einen Arzt. Dr. Heb old, der Leiter der Berliner städtischen Anstalt für Epileptiker in Wuhlgaiten bei Beilin, hatte von der Leiche eine« sechzehnjährigen Mäd­chen«, das in der Anstalt verstarb, nach der Be­erdigung den Kopf abnehmen laffen zum Zwecke von Untersuchungen. Die Sache wurde ruchbar und Dr. Hebold wurde wegen Leichenschändung zu drei Tagen Gefängniß verurtheilt. Dr. Hebold richtete darauf ein Gnadengesuch an den Kaiser; diese« Gesuch ist jetzt aber abschlägig beschieden worden. Dr Hebold muß also die Strafe abbüßen. Davon hat man noch nicht« vernommen, daß er seiner Stellung al« Anstalisdirettor enthoben werden solle.

* I» Islge mehrerer Iuekke, die im letzten Mai in Döbeln cuSgesochten sind, haben nach den ,Dresdner Nachrichten' die beteiligten Offiziere, einerseits die Leutnants v. d. Decken,

„Du ant -vortest mir nicht, Ernst ?" sagte Diethelm. „Hat der Wunsch Deines Vaters keine Sympathie in Dir erweckt? Hältst Du es nicht für ei» Glück, den Name« Diethelm wieder zu Ehren zu bringen?"

„Gewiß, mein Vater erwiderte er. „Ich theile Deine Gefühle. WrS Du mir jetzt vertcaut, hat mich p'ötzlich um viele Jahre älter gemacht. So mag denn Dein Wille geschehen uud ein gütiger Gott möge geben, daß die Hoffnung, die Du auf mich setzest, richt eine leere bleibe. Ja, Vater, Du sollst Deinem Sohu niemals vorzuwerfen haben, daß et Deinen ehrenvollen Pta« vereitelt habe. Aber nun lass; uns keine Zeit verlieren Bleibe ich noch lange hier, so werde ich wieder in meine Träume zurückfallen. Laß mich fort, schon in den nächsten Tagen. Je eher der An­fang/ desto schneller kann die Erreichung deS Zieles «folgen."

Herr Werner saß »och auf dem vorerwähnte» Platze, als Vater und Sohn wieder vor ihn Hirt traten.

„Ich stelle Ihnen hiermit den künftige» Kauf­wan» vor", sagte Di thelm lächelnd, auf seinen Sohn zeigend.

„Wie, so schnell hat er sich anders besonnen!" rief der Greis erstaunt.

„ES ist meine Pflicht, meinem Vater zu ge« »orchen", verfitzte Ernst mit fester Stimme. „Sei» Vorschlag überraschte mich anfangs und that mir weh. Nun ab« bin ich gefaßt. Auch meine ich, eS bleibt dem Kaufmann noch Zfit übrig, in den > Stunde«, in welchen ihn fein Geschäft nicht in Anspruch nimmt, mit den Wissenschaften sich zu