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Julöa, Montag, den 21. Juli 1902.
Deutsches Reich
Berlin, 19. Juli 1902.
Daraufhin sei sogar ein besonderer
Gngel' und Dämon
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□ Die Aktiengesellschaften.
Die neuesten Bankprozeffe haben das allgemeine Augenmerk von neuem auf das Leben und Dreiben in den Aktiengesellschaften gelenkt — genauer gesagt in den Aktiengesellschaften einer gewissen Art. Das Urtheil, da« den ehemaligen Leiter der Preußischen Hypotheken-Aktienbank ge- troffen hat, den viel besprochenen Eduard Sanden, ist nach dem Urtheil der Allgemeinheit mit sechs Jahren Gefäugniß und 15,000 Mark Geldstrafe durchaus nicht zu hart; es gibt im Gegsntheil sehr viele Leute, die der Meinung stnd, die Strafe würde auch dann nicht zu streng ausgefallen fein, wenn sie noch ein wenig kräftiger gewesen wäre. Aber da« mag auf sich beruhen. Wahr ist es jedenfalls, daß Sanden nicht ganz so schlecht gehandclt hat, wie nach den ersten Mittheilungen über die Inneren Vorgänge des Bankkraches im Großen und Ganzen wohl angenommen wurde — daß er sich dessen wenigsten» nicht vollkommen bewußt war. Die Bemühungen seiner Vertheidiger zwar, ihn al« „Ehrenmann", als ein .Beispiel unermüdlicher Treue und Rastlosigkeit" hinzustellen, waren ebenso geschmacklos wie dreist. Aber manche von Sanden's Handlungen finden eine theilweise Erklärung in gewissen Gebräuchen, die in der Geschäftswelt leider nur zu häufig sind oder geworden find. Durch neue Geschäfte sollten die alten Verlust« gedeckt werden, und man achtet« n°cht weiter darauf, daß dabei die Wahrheit mitunter entstellt wurde.
Es kann sein, daß Sanden und Genossen wirklich .nichts weiter dabei gefunden haben". Aber wenn es so sich verhielt, dann macht das den ganzen Prozeß «»st recht interessant. Dann standen vor den Schranken der Gerichtes nicht nur Sanden und Genossen, sondern mit ihnen stand ein ganzes System vor Gericht; und e« war hier bei diesem ganzen Prozesse eine der Hauptfragen, wie weit eine Aktiengesellschaft gehen darf in der „Wahrung ihrer Geschäftsgeheimnisse" — der Ausdruck 'wurde
nicht zufällig ein Ereigniß eingetreten, das feine einsame Häuslichkeit zu beleben vermochte.
An einem Wintertaßs hatte Werner in einem Hamburger Blatte gelesen, der an der Börse wohl akkreditirte Kaufmann und Bankier August Diethe-m habe mit circa einer halben Million Mark Manko fallirt.
Diese Nachricht hatte bei dem alten Werner
♦ Minister v. Sodöiekski sollte nach der Meldung freisinniger Blätter bei einer Rundreise in den Ostsee-Provinzen eine Rede gehalten haben, die der deutschen Laudwirthschaft ein sehr schlechtes Zeugniß auSstellte und u. A. auch den Satz ent- halten haben sollte: .Bilden Sie sich nicht ein, daß die Regierung auch nur um einen Pfiffer- ling über ihre Zollsätze hinauSgehen wird." Im, „_________ vtll
«ach Aufklärung der Angelegenheit zu erkennen
? b snllebilche Rede gegeben. ,ri ru, vr,onorrrr
desLandwirth^chaftS-MimsterS v.PodbrelSki gar Kurier nach Berlin entsandt worden, um diese
zu Zeit klaren Wein eingeschenkt erhalten über.nicht gehalten worden ist". - Eine ge- die Lage der Gesellschaft, ohne Rücksicht darauf,1----— “ r"" ~ .....- ■ - ”
daß die Papiere einer Aktiengesellschaft infolge einer solchen Wahrheitsentschleierurrg etwa im Kurse fallen könnten, und wenn nun diese Leiter einer solchenGSsellschast mÜUeberlegung und System Wagniß auf Wagniß häufen auf die Gefahr ihrer Akrionäre, ohne daß diese jemals Gelegenheit erhalten, sich genauer über den Stand der Dinge zu unterrichten, alsdann verstoßen die Macher schon damit gegen den klaren Sinn unserer Aktiengesetzgebung. Der Einwand, daß sich viele Aktionäre niemals um die innere« Verhältnisse einer Gesellschaft kümmern, ist vollkommen hinfällig. Denn was Viele thun, ihun «och lange nicht Alle; und hier handelt es sich um die unumgänglich noth- wendige Wahrung eines Grundsatzes, der als unantastbar in unserer Gesetzgebung angesehen und erhalten werde» muß. Kommt nun gar noch hinzu, daß die Geschäftsleiter einer Aktiengesellschaft die Dinge anders darstellen, als sie wirklich sich verhallen, dann verdienen sie eine <xrm- plarische Strafe.
* Aorms»« - Schum««», der aus dem Tausch-Prozeß bekannte Freund der Polizei, darf unbeanstandet in Luzern verweilen, obwohl er das im deutsch > schweizerischen Niederlaffungs- Vertrage vorgesehene Z ugniß des unbescholtenen Leumunds nicht besitzt, das t fe deutsche Gesandt- schäft in Bern auszustelle» hat. Die konservative« »Basler Nachrichten" deute« an, daß Normann- Schumann sehr einflußreiche Protektoren schweizerischer und deutscher Nationalität haben mvß. In dem Blatt heißt es: „Im Uebrigen scheint der Vielgenannte «och immer Anhang in hohen deutschen Kreise« (!) zu besitzen. Da und dort scheint man von ihm diese oder jene Ent Hüllungen (!) zu befürchten. Normann behielt von den ihm zugegangenen Briefen das kleinste Papierfetzchen, um eS jederzeit nach Brdürfntß verwenden zu können. Wie Luzerner versichern, die in der Nähe seiner Villa wohnen, sieht man zuweilen wahrend der Fremdensaison hochgestellte deutsche Persönlichkeiten zu Normann gehen."
st Die Novelle zam Nörsengesetze zu Gunsten einer erneuten Erweiterung der Börsenspekulation nach dem Sinne des preußische« Handelsministers Möller liegt bekanntlich dem ÄundeSrathe bereits seit längerer Zeit vor. Es gilt aber, wie einem Hamburger Blatte auS Berlin berichtet wird, als unwahrscheinlich, daß der Entwurf dem Reichstage vor Erledigung der Zollfrage zugehen werde. Dieses Verfahren würde nur zu loben fein, vorausgesetzt, daß die Hamburger Meldung den Thatsachen entspricht.
+ Der Hf-ag-r Steckbrief spielt noch immer eine Rolle in den Zeitungen. Die »Narodni Lifly', ein alS Hetzblatt bekanntes Prager Tschechenorgan, wollte behaupten, der „Berliner Hof" habe sehr dringlich den Wunsch
_ Ji Im Wahlkreis« Asrchheim Knlmvach sind die „Geeinigten Liberalen" schon wieder im schönsten Widerstreite mit einander. Die Frei- finnigen hatte« von den Nation alliberalen verlangt, diese sollten gewisse Zusicherungen im frei- händlerische« Sinne geben; bi Nationalliberalen verweigern aber die Abgabe einer solchen Erklärung. Neuerdings ist übrigens auch der Bauer«, bund mit einer eigene« Kandidatur hervorgetrete«, so daß es sich bei der Hariptwahl vermuthlich um eine recht stattliche Anzahl von Wahlbewerbern handel« wird.
«auere Aufklärung bet Angelegenheit ist dringens »u wünschen. An und für sich sah eine solche Rede dem Herrn Minister gar nicht ähnlich.
+ Inr bayerische« Krise. Justizminister Freiherr von Leonrod sollt« angeblich ebenfalls vom Amte zurücktreten. Nach überein- stimmenden Meldungen liberaler Blätter ist diese Meldung unrichtig. Der Justizminister ist von einem Augenleiden befallen worden und begibt sich in einen längeren Sommerurlaub. Nach der Beendigung desselben wird er in fein Minister- Et zurückkehren/ Das -hohe Alter des Herrn Ministers ließ die voraufgegangene Meldung von dem beabsichtigte« Rücktritte desselben nicht unwahrscheinlich erscheinen.
sich unerbittlich und ihm blieb auch nicht die ge- ringste Hoffnung, sich jemals wieder von seinem, allerdings selbstverschuldeten Sturze erholen zu können.
Als Ferdinand Werner in Hamburg ankam und das Haus des «och im rüstigsten Mannes- alter stehenden Fr-undes betrat, kam dieser ihm i« einer Stimmung entgegen, die an Verzweiflung grenzte.
„Nicht nur Hab und Gut, auch die Ehre ist verloren!" jammerte der unglückliche Man«. „Wo- hin ich mich wende, treffen mich Blicke der Verachtung. Stände ich allein in der Welt, ich wüßte wohl ein Mittel, mich diesem elenden Zustande rasch zu entziehen. Aber ich besitze Weib und Kind. Sollen diese in ihrer Armuth noch das schmachvolle Andenken an eine« selbstmörderischen Gatten und Vater mit sich Herumschleppen?"
Der alte Freund Diethelm'« erschöpfte seine ganze Beredtsamkeit, den Unglücklichen zu trösten und aufzurichten, ja, er bot ihm sogar einen Thetl seine« ersparten Vermögen« an, wenn er glaubte, sich dadurch au« seiner traurigen Lage befreien zu können. Dieser großmüthige Anerbieten wurde aber von Diethelm entschieden zurückgewiesen. Er wollte lieber mit Weib und Kind in einer Dach- st.ub« leben und sich al« Schreiber ernähren, al« die neue Schuld auf sich laden, einen edlen Freund, d-r schon in vorgerückten Jahren stand, um da« Seine zu bringen.
Ein kurzer, ernste« Nachdenken genügte bei dem alten verständigen Mann, um Hilfe für seinen unglücklichen Freund au^ufinnen.
„Die Summ-, die ich Ihnen anbot", sagte er zu Diethelm, „haben Sie aurgeschlagen, aber da«
Asyl, welche« ich Ihnen nebst Weib und Kind zur Verfügung stelle, können Sie, ohne sich etwa« zu vergeben, annehmen. Also hier meine Hand, schlagen Sie ein. Sie gewähren mir altem Manne da» schöne Bewußtsein, dem Sohne meines Wohl- thäteis eine ruhige Zukunft geschaffen zu haben."
Der bankerotte Diethelm war dem edlen, alten Freunde tiefgerührt an die Brust gesunken. Dennoch willigte er nicht sogleich in den Vorschlag Werner'S. Sich von dem alten Ma««e ernähren zu lassen, ohne Ersatz dafür bieten zu könne«, das widerstrebte dem noch vor kurzem über große Mittel gebietende« thättgen Manne.
Diethelm kämpfte noch mehrere Tage mit sich elbst. Dem Flehen seiner vor Kummer erkrankten Frau und dem liebevollen Drängen seines alten Freundes vermochte er am Ende doch nicht u widerstehe«. So geschah es den«, nachdem Sophie das Zimmer oerlaffen konnte, daß er eines schöne« Tages mit Frau und Kind in den von Herrn Werner bereit gehaltenen Wage« stieg und mit ihm nach P. hinaussuyr, wo sich ihm ein freundliches Heim eröffnete, das er erst «ach langen Jahren wieder verlasse« sollte.
In diesem Stilllebe« wäre« ihm und seiner Gatti« nebst seinem Sohne Ernst 10 Jahre fried- ich verflossen.
Als Ernst, ein geistig hochbesähigter Ätiabe, die Schule verlassen sollte, handelte es sich darum, welche Karriere er wählen sollte, um sich eine Zukunft zu begründen.
Doch darüber waren die Meinungen der rnäan- l chen Mitglieder verschieden.
Herr Werner, der an dem gutgearteten Knabe« fast mit gleicher Liebe, rote seine Eltern fu für
Roman von Johann Marius.
------ (Nachdruck verboten.)
TIFüsfrirte Sonntags»Zeitung*, „Fuldaer Gescbicbtsblätter" und fofterie-risfe.
Der Name des ältere« Mannes war Ferdinand Werner. Derselbe wohnte schon feit zwanzig Jahren t« diestm Dorfe. Er hatte dem Kauf- manrsstande angehört, doch war er nie selbstständig etabmt, sondern in einem große« Handels- 9eroefenambUt6 * ttpet Buchhalter beschäftigt
In dieser Stellung hatte er sich bei hohem Salotr, in de« damals noch billige« Zeiten, bei ihm angeborener Bedücfmßlostgkeit, soviel Ber- mögen erworben, um mit sechzig Jahre«, nachdem <9*1 eine Augen schwäche befallen, seine Beschäftigung aufgebe« zu können.
Nachdem er dem Handlungshause Valet ge- sagt, war ihm der Entschluß g«kommen, wozu lisch das traurige Ereigniß bettrug, daß seine beiden Kinder,- zwei kleine Mädchen, kurz nacheinander am Scharlach starben, nach dem sreund- «3m ®otfe P. zu ziehen und dort in ländlicher Sülle mit seiner ihm im Alter gleichstehenden Fttru dem Ende seines Daseins in Ruhe entgegen-
Nu« handelt es sich hier noch um etwas Anderes: nämlich um die Ausübung der vorge- schriebe»«« Staatsaufsicht. Man begreift es einfach nicht, wie solche Dinge vorkomme« konnten trotz einer wirklich gewissenhaft und genau aus- geübten staatlichen Aufsicht. Ohne Zweifel gibt dieser Prozeß die Lehre, daß eine Reform dieser Aufsicht unbedingt nothwendig ist; man wird sehr genau zu erwägen haben, ob diese Aufsicht auch künftig noch nur im Nebenamte von einzelnen Beamten ausgeführt werden darf, oder ob nicht vielmehr auf Koste« der Gesellschaften ganz bestimmte Beamte« von Staats wegen für diesen Zweck angestellt werden müssen. Die Aussichts- beamten sollen nicht nur Atrappe fein, nicht nur eingesetzt werden, um einet vorgeschrirbene» Form zu genügen; sie sollen vielmehr gewissenhaft und ganz genau zu Werke gehen. Dazu gehört ausschließliche Beschäftigung mit der Sache und außerdem durchdringende Kenniniß aller Ge-
A» Sache« 6er kaufmännische« Schied«- S-richte schwirrten in letzter Zeit vielfach die widersprechendsten Meldungen durcheinander. Jetzt berichtet daS Centralblatt der Walzwerke: „Das Reichsamt des Innern drängt auch mit aller Energie auf Fertigstellung der Vorlage. Allerdings sind die Schwierigkeiten, die der Angelegenheit, namentlich in einigen preußische« Refforts, auf Grund der dort gepflogenen Erwägungen entgegen stehe«, »och nicht vollständig gehoben, und eS läßt sich zur Zeit «och nicht bestimmt mittheilen, wann dies der Fall sein wird."
X Ao« Kongresse gegen de« Mädchen- handel. Die Dauer des Kongresses zur Bekämpfung des Mädchenhandels wird im Ganzen genommen auf etwa vierzehn Tage abgeschätzt. Die Leitung der Verhandlungen ist einem Manne übertragen worden, der sich in hervorragender Weise dazu eignet: dem französischen Senator Bor eng er, der sich mit diesen Dinge» bereits vielfach in thätiger Weise beschäftigt hat. Eine Art Programm hat der Schweizer Gesandte in Paris, Herr Lardy, in einer Rede entwickelt, die er, wie schon gemeldet, bei dem Empfange der Kongreßmitglieder durch de» Präsidenten Loubet hielt. Herr Lardy. den man zum Vizepräsidenten gewählt hat, betonte dabei die Noth- wendigkeit einer internationalen Strafgesetzgebung gegen den Mädchenhandel; und diese Gesetzgebung soll nicht Geldstrafen, sondern Kerker- und Ge- fänguißstrafe» vorsehen. Herr Lardy hob außerdem hervor, daß eine internationale Polizei eingerichtet werden müsse zur Ueberwachung der Mädchenhandels, und daß alle Kulturländer einander helfen müsse« bet der Bekämpfung desselben. Der Präsident der französischen Republik hat in seiner Erwiderung Herrn Lardy beigepflichtet — nu» bleibt nur zu hoffen, daß auS den schönen Worten auch Thaten werden möchten. Es hat
die lebhafteste Theilnahm« erweckt. Mit Diet- helm's Vater hatte er von frühester Jugend an in den herzlichsten Beziehungen gestanden, ja, er war demselben im hohen Grade verpflichtet gewesen, denn dieser hatte ihn, den Sohn eines arme» Speicher - Arbeiters, erziehe« lasse« und I ihm die kaufmännische Karriere eröffnet.
Scho« über 40 Jahre ruhte der alte gütige Herr im Grabe, aber Ferdinand Werner hatte ihm stets ein dankbares Andenke« bewahrt. Um |o mehr mußte ihn die Kunde erschrecken oo» dem Sturze dieses so angesehenen Handlungshauses, dessen Chef er gleichfalls seinen Freund nannte.
Scho» am nächsten Tage war er nach Hamburg gefahren, um seinem Freunde womöglich mit Rath und Tyat beizustehen. Leider fand er die Verhältnisse der Firma Diethelm so, daß an keine Rettung derselben zu denken war. Der einst so reiche Kaufmann und Bankier hatte sich durch gewagte überseeische Spekulationen so ruinirt, daß Aber Mm* .. ,, I er im buchstäblichsten Sinne der tiefsten Armuth
tteue &beäfAa<? s-chr Jahre« war ihm seine verfallen war. Aber er hatte nicht nur das eigene de« To? eÄ N'"n «ach kurzer Krankheit durch Vermögen der Spekulationswutb geopfert, son- vereinsamt 2 feln auJ ^mal j Ser« auch einige Familien des Mittelstandes ge- für denÄen M D-s war ein trauriger Fall z schädigt, weiche chm ihr Ecspartes anoertraut <hm wodl duser harte Schlag hatte hatten. Die ganze Börse hotte sich mit Entrüstung
9 oeÄ W ft»er Tage verkümmert, wäre | von ihm abgewendet. Seine Gläubiger zeigten
wiederholt angewandt, aber entspricht natürlich ..... .......................„ —. ÖV.
nicht ganz der Wahrheit, auch wenn man davon schäftSgebahrungen, wie sie bei solchen Bank- abfieht, daß (di« Handlungen der Angeklagten zu gesellschaften vorkommen.
einem T-eile dem unter allen Umständen ver- Daß die Papiere solcher Hypothekenbanken urtheilenswerthen Beweggründe entsprangen, sich keine Mündelstcherheit bieten, ist endlich ebenfalls selbst unrechtmäßige Vorteile zu sichern. von neuem erwiese« worden.
Wenn ein einzelner Kaufmann immer «eue waghalsige Unternehmen anfängt, um die Verluste auszugleichen, die ihm voraufgegangene Unternehmen gebracht haben, dann kann man ihm das Recht zur Geheimhaltung solcher Wagnisse nicht absprechen. Er wagt nur sei« eigener Vermögen, und nirgends ist ihm durch irgend ein Gesetz die Verpflichtung vorgeschriebe», die Leute, mit toten er Geschäfte macht, in alle seine Praktiken einzuweihen. Ob diese Praktiken fein oder nicht fein find, das stehl auf einem andern Blatte; und werden Gläubiger geschädigt, so kann ein möglicherweise eintretendes Konkursverfahren ihm ebenfalls Strafen bringen.
Aber bei Aktiengesellschaften liegen die Dinge ganz anders. Bei ihnen handelt es sich um da» Verwögen vieler Leute, für die dir Direktoren und Aussichtsräihe nicht als Vormünder eingesetzt sind. Das Gesetz will es ja auch geradezu, daß die Aktionäre und auch die Gläubiger von Zeit
29. Jahrgang.
Aufklärung zu geben. I« diesem Blatte ist be- reitS darauf hingeroiesen worden, daß man sich in Berliner amtlichen Kreisen ganz und gar nicht um den Steckbrief gekümmert, sondern ihn von der heiteren Seite aufgefaßt hat. Jetzt wird halbamtlich nochmals festgestellt, daß „in der ganzen Erzählung des genannten Prager Blattes jedes einzelne Wart auf Erfindung beruht".
.. + Sie Genosse« unter einander. Daß ote polnische» und die deutschen Sozialdemo, kratm stch nicht sonderlich gut mit einander vertragen, ist eine alte Sache. Aber bisher hatte doch wohl niemand erwartet, daß die polnischen „Genossen" bei de« bevorstehenden Neuwahlen zum Reichstage die offiziellen Kandidaturen der Sozialdemokratte offen und unmittelbar bekämpfen würden. Das soll für Oberschlefien bereits be- schloffen« Sache sein. Nach vorliegenden ZeitungS- Meldungen haben in Oswiecim Vertrauensmänner der polnischen Sozialisten OberfchlestenS einen geheimen Parteitag abgehalten und be- schloffen, unbekümmert um die deutschen Parteigenoffen in acht von zwölf oberschlefischen Wahl- kreisen eigne Kandidaten für die Neuwahl zum Reichstage aufzustellen. „International" nennt fich die Sozialdemokratie. Dabei können sich nicht einmal die verschiedene« Nationalitäten n einem und demselben Lande mit einander vertragen!