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Jutöa, Samstag, dm 19. Juli 1902.
164
29. Jahrgang.
mit (tat Beilagen
nrostrirte Sonntags •Zeitung*’, „Fuldaer 0esd)id)t$blätter" und rofterie-Cisfe.
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Vormittags 7 Uhr: Heilige Messen tentiou de« Bonifatius Vereins.
Vormittags 8 Uhr: 4. geschloffene sammlung iw der Festhalle.
Vormittags 10 Uhr: 4. öffentliche
Samstag, den 23. August:
Abends 6 Uhr: Feierliches Geläute.
Sonntag, den 24. August:
/Nachmittag« 2 Uhr: Gottesdienst in der Jesuiten« kirche. Festzug der katholischen Arvetter« und Gesellenvereine in die Festhall;; dort öffentliche Versammlung.
- Abends 8 Uhr: Begrüßungsfeier in der Festhalle.
Montag, den 25. August:
Vormittags V28 Uhr: Abholung d. Hochwürdigsten Herrn Erzbischofs.
Vormittags 8 Uhr: Pontifikalamt in der Jesuiten« kirche zur Anrufung des bl. Geiste«.
Vormittags 10 Uhr: 1. geschloffene Generalversammlung in der Festhalle.
Nachmittags 3 Uhr: Sitzung der 3 AuLschüffe im Realgymnafium.
Nachmittags 5 Uhr: 1. öffentliche Generalversammlung in der Festhalle.
Dienstag, den 26. August:
Vormittags 8 Uhr: Feierliches Rquiem für die verstorbenen Mitglieder in der unteren Pfarrkirche.
Vormittags 9 Uhr: Sitzung der Ausschüsse im Realgymnafium.
Vormittags 11 Uhr: 2. geschlossene Generalversammlung in der Fefihl-llr.
Nachmittags 3 Uhr: Sitzung der Ausschüsse im Realgymnasium.
Nachmittags 5 Uhr: 2. öffentliche Generalver- fammlung in der Festhalle.
Mittwoch, den 27. August:
Vormittags 8 Uhr: Feierlicher Gottesdienst der Mnnianifchen Sodalitäten und deS Priestervereins zur Anbetung in der Jesuitenkirche; hl. Meflen in der Intention deS hl. VaterS.
Vormittags 9 Uhr: Sitzung der AuSschüffe im Realgymnafium.
Vormittags 11 Uhr: 3, geschloffene Generalversammlung in der Festhalle.
Nachmittags 3 Uhr: Sitzung der AuSschüffe.
Nachmittags 5 Uhr: 3. öffentliche Generalversammlung in der Festhalle.
Abends 8 Uhr: Gartenfest mit Beleuchtung im Stadtpark.
Donnerstag, den 28. August:
Abends 81/» Uhr: Festveranstaltung der kathol. kaufmännischen Vereine im Saale des Bern- harduShofeS.
Abends 81/« Uhr: Festveranstaltung der kathol. Gesellenvereine im TesellenhauS K 1, 17.
Abends 8l/s Uhr: Begrüßungsabend der kathol Lehrer im großen Saale deS SaalbaueS.
Mittwoch, den 27. August:
Vormittags 9 Uhr: Versammlung kathol. Lehrer im Saale de« BrrnharduShosrS.
Vormittags 91/* Uhr: Versammlung des Priester- Vereins zu ewigen Anbetung in der Spital- ktrche Bit.: E 6, 1.
Vormittags 91/* Uhr: Versammlung der Mit- glteder der Marianischen Sodalitäten im oberen S> ale des Saalbaues.
Vormittags 91/a Uhr: Versammlung deS Verbände« geselliger Vereine „Omnee unum" im Realgymnasium.
Nachmittags 21/» Uhr: Generalversammlun g der Vincentius - Vereine im oberen Saale des Saalbaues.
Außerdem werden noch andere Vereine tagen, deren Versammlungsort und Zeit später, jedenfalls Kn F:stblatt bekannt gemacht wird.
Wocherr-Rrmdfcharr.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda. 19. Juli 1902.
Des Kaisers Jacht „Hohenzollern" schaukelt sich, ihrem kaiserlichen Herrn an Bord, auf den Ge-
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-er 49. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands in Mannheim 1902.
sammlung in der Festhalle.
Nachmittag« 1'/- Uhr: Festmahl im Bernhardus- Hof (katholisches Vereinshaus).
Nachmittag« 4 Uhr: Fahrt auf dem Rhein und Besichtigung der Haferanlagen.
Dkizrmn >. besoideker NttlmmlMM
Sonntag, den 24. August:
Vormittag« 10 Uhr: Auguflinus-Veretn General- versammiuvg im kathol. Vereinshaus K 1, 5.
Montag, den 25. August:
Abends 8*/z Uhr: Festkommers des Kartelloerbar des der katholischen Studentenverbindungen (farbentragend) in der Fchhalle.
Abends 8V2 Uhr: Frstkommns des Verbände« der Studeutenorretne „UnitaS" im oberen Saal« deS SaalbaueS.
Abends 81/2 Uhr : Fefkommer« der katholischen Studentenverbindung „Arminia".Freiburg mit Kartellangehörigen im Saal der .Zwölf Apostel", C 4, 11. "" '
Abends 8'/» Uhr: Festveranstaltung der Windt- Horstbunde im Saale des BernhardushofeS.
Dienstag, den 26. August:
Vormittags */»& Uhr: Sitzung des Gesammtvor- stände« des Volksvereins für das katholische Deutschland im Realgymnasium.
Vormittags 9*/s Uhr: Generalversammlung de« Volksvereins (Eintritt frei) in der Festhaüe.
Abends 81/* Uhr: Festkommers des Kartellverba«. deS der katholischen Studentenoereine (nicht farbentra-end) in der Festhalle.
Abends 8'/, Uhr: FestkommerS de- Verbände« der Süddeutschen Studevteovereine im oberen Saal« de« SaalbaueS.
8. Die Berichterstatter der Preffe werden ersucht, fich wegen Preßkarren MS spätestens 10. Au,uft, sowie in allen Sn,ele,euheiten der Preffe au die Preßkommis, sto» der 49. General-Bersammlun, der Katholiken Deutschlands z. H. deS Vorsitzende, Redakteurs Paul Feine, .Neues Mannheimer VolkSblatt', zu wende».
9. I, das Festblatt der General-Versammlung, welche« neun Mal in einer »ufla,« von mindestens 6000 Stück erscheint und für den Preis von 10 Pfg. verthetlt wird, sowie in de» Anhang zum stenographischen Bericht über die Berhandlunge» der Heneral-Versamm- lung. welcher in einer Auflage von mindestens 8000 Stück gedruckt wird, werden Anzeigen ausgenommen. Inserenten wollen sich mit der Firma Jean Stemm, .Neue« Mannheimer volkSblatt', in Verbindung setze».
Die sämmtlichen Nummern deS FestblatteS werden auf Bestellung gegen vorherige Einsendung von 1 Mark unter Kreuzband portofrei zugesandt, können aber auch bei der Post bestellt werden (Postpreisliste Nr. 2529 a, 12. Nachtrag).
Srmttlumßtrl zu km Programm.
1. Anfragen und Mittheilungen allgemeine» Jahalts, sowie Anträge find an den Vorsitzenden deS Lokalkomitees, AmtSgerichtsdirektor Stehler zu richte«. Anträge find mit Motivirung spätesten« bis zum 10. August d. IS. einzureichen.
2. Die Bureaux der Finanz- und Anmeldekommisfio». sowie der WohnungS - und Begrüßungskommtsfion, welche sich nebst dem AuSkunNSbureau im Lutfenschul- hauS, Seckenyetmerstraße, befinden, sind SamStag, den 2 8. August, von Nachmittags 2 Uhr, Sonntag, den 24. August, und an den folgende» Tage» von BormittagS 8 Uhr ab. jedenfalls biS */*9 Uhr Abends geöffnet. Daselbst werde» auch sämmtltche Karten auSaegeben.
a) Die Mitgliedskarten zu 7.E0 Mk berechtigen zur Theilnahme an alle» Sitzungen. Versammlungen und Unterhaltungen der Seneral-Bersammlung (mit alleiniger Ausnahme dc? Festmahles, beS CorcrrteS und der Fkstfahrt) sowie zum Bezüge des stero. graphische« Berichts über die Verhandlungen der General-Versammlung und zur Ausnahme in dre Mitgliederliste. Jeder Mitgliedskarte wird, sofern der Besteller nicht ausdrücklich verzichtet, die Festgabe zum ermäßigte« Preise von 8,50 Mk. beigefügt.
b) Theilnebmerkarte» zu 5 Mk. berechtigen zum Em- tritt in die Festhalle am BegrüßungSabend, sowie zum Besuch der vier öffentlichen Versammlungen. Zu a und b. Der reservtrte Platz wird mit 4 Mk. für die vier öffentliche» Versammlungen besonders bezahlt.
c) Die Tageskarte zu 1 Mk. berechtigt zum Besuch der am Tage der Ausgabe stattfindenden öffentlichen Generalversammlung. Zum BegrüßungSabend werden Tageskarten für Herren b 1 Mk., für Damen ä 1,50 Mk. ausgegeben. Zur Erlangung reservtrter Plätze für die einzelne Seneral-Bersammlung wie auch für de« BegrüßungSabend werden Zusatzkaitr» ausgegeben. Diese kosten für Herren 1,50 Mark und für Damen 1 Mk.
d) Für Damen werden Thetlnehmerkarte» zu 5 Mk. — für rrservirten Platz 4 Mk. mehr — und Tageskarten zu 1,50 Mk auSgegrben.
e) Die Karte zum Festmahl zu 4 Mk. — das trockene Gedeck — muß spätestens bis Di en Stag, den 26. August, AbendS '/-9 Uhr gelöst sei» Die Karte zu dem am Mittwoch Abend statt findenden Konzerte kostet 0,50 Mk. im Vorverkauf und 1 Mk. an den Eingänge». Diese Karte ist an allen BerkavsSstellen zu haben.
t) Studentenkarten werden auf Wunsch zu dem ermäßigte« Preise von 5 Mk. verabfolgt und geben dieselben Berechtigungen wie die Mitgliederkarten, nur nicht zum freien Bezüge des stenographischen Berichtes wie auch nicht zum Bezüge der Festgabe für den ermäßigten Preis.
3. Der Eintritt in die Festhalle am Sonntag Nachmittag ist für die Thetlnehmer am Festzug unentgeltlich.
4. ES wird dringend gewünscht, daß die Mitglieder und Tyeilnehmer ihre Karten gegen Einsendung deS entsprechenden Preises nebst Porto und Bestellgeld (40 Pf,.) oder gegen Postnachnahme schon vorher etn- löse«. Gesuche um Zustellung find au Herrn Kaufmann Christ. Helfsrich, Schwetzingerstraße 16 zu richten.
5. Um Reklamationen vorzubeugen und damit der später zu versendende amtliche Bericht über die 49. General-Versammlung an seine richtige Adresse gelangt, werden die fich «nmeldenden um Abaabe ihrer Visiten- karte oder eines sonstige» mit ihrem Namen und Wohnort versehenen Schriftstücks gebeten. Denn nur auf diese Weise kann dafür garantirt werden, daß , die Namen richtig in die Liften eingetragen werde».
6. WohnungSgesnche werden möglichst früh erbeten mit der Angabe, ob Hotel- oder Privatwohnung (bei letzteren ob kostenfrei oder gegen Zahlung) gewünscht wird. (Die üblichen Gasthofpreise bewegen sich zwischen 2 Mk. biS 6 Mk. für daS Zimmer einschließlich Frühstück.) Privatwohnungen stehe» von 2,50 Mk. an einschließlich Frühstück zur Verfügung. Die WohnunaS- gesuche find an Kaufmann Friedrich Wißler, Bit. E. 1, 3, zu richte». WohnungSgesuche können nur dann berückfichtigt werde», wenn die Mitglieds- oder Theil- nehmerkarte vorher gelöst wurde. Die Nummer der Mitglieds- oder Theilnehmerkarte ift mit- zuthetlen. Dringend wird gebeten, Wohnung«, beftellungen sobald als möglich, spätesten« bis zum 15. August zu machen.
7. Dem hochw. Llcrus werden Karte» mit der Ordnung für die Celebration bei der Anmeldung auS> gehändigt werden. Wegen etwaiger Wünsche »ende man fich an de» Borfitzenden der Altarkommisfio», Stadtpfarrer Bürck.
wässern an der romantischen Küste deS sagenumsponnenen Landes Norwegen. Aber auch dort ist es nicht ohne wichtige Politik abgegangen: Vor Odde hat Kaiser Wilhelm an Bord seiner „Hohenzollern" Herrn Waldeck-Rousseau empfangen, den früher« Ministerpräsidenten in Frankreich. Das ist nun freilich nur ein französischer Privatmann. . Aber in diesem Privatmanne sieht man allgemein den zukünftigen Präsidenten der französischen Republik, und deswegen haben die Franzosen der Zusammenkunft vor Odde sehr rege Aufmerksam- feit zugewandt. Mehrere nationalistische Blätter haben sich gewaltig darüber aufgeregt, und die bona- partistische.Autorit«' meinte, WaldechRousseau bereite augenscheinlich einen Besuch des Kaiser- in Paris vor . . . Damit dürfte es noch recht gute und lange Weile haben!
Nachttäglich ist von dem Bonner Aufenthalte des K a i f e r S noch ein hübscher und beherzigenSwerther Ausspruch bekannt geworden: In einem engem Kreise früherer und gegenwärtiger Mitglieder deS Korps Borussia hat sich der Kaiser in seiner Rede gegen die studentischen Trinkbräuche gewandt und namentlich die Korps dazu ermahnt, von dem Mißbrauche geistiger Getränke abzulassen. Die Mahnung gilt aber für alle Studenten, nicht nur für die Korps.
Mehr in daS Gebiet des Komischen, als des Tragischen, gehört ein „Steckbrief", der gegen den Kaiser im amtlichen Prager,Polizei-Anzeig er' erlassen worden ist:
„Kaiser Wilhelm, Sohn des in Charlottenburg „bei Berlin wohnhaften Kaiser Friedrich . . . . „ist von dort .... und wird seit dieser Zeit „vermißt .... Vor einigen Tagre wmde er „zu Marienburg .... gesehen. Nach dem- „selben ist eifrigst zu forschen und ein Resultat „anher bekannt zu geben. K. K. Polizeidirektion „in Prag —
so stand zu lesen int Prager .Polizei-Anzeiger'. Angeblich soll dieser „Steckbrief" in ganz amtlicher Form aus der galizischen Stadt Podwoloczyska an die Prager Polizeikommission gelangt und „aus Versehen mit abgedruckt worden sein — wer's glaubt, wird selig! Es ist indeffen lobend anzuerkennen, daß die preußische Regierung vollständig über diesen Bubenstreich hinweg gesehen und dessen Behandlung dem eignen Ermessen der österreichischen Regierung überlassen hat. Der betreffende Polizeibeamte ist von dieser einstweilen für sechs Wochen vom Dienste entfernt worden. Da von Marienburg die Rede ist, handelt es sich um den mehr als schlechten Scherz eines polnischen Hitzkopfe- in dem schönen Lande Galizien.
Die russische Hauptstadt hat während dieser letzten Tage einen seltenen Gast beherbergt: Den König Viktor Emanuel III. von Italien. Ueber Berlin und Wirballen ist die Reise von stattet» gegangen; unter den Herren, die den König auf der Reise begleitet haben, ist namentlich Herr Prinett; hervorzuheben, der italienische Minister de- Au-- toärtigen, der vom Zaren mehrfach ganz besonder- ausgezeichnet worden ist. Der Gipfelpunkt der Festlichkeiten war ein Prunkmahl zu Ehren deS italienischen Königsgastes im Schlosse Peterhof. In seinem Trinkspruche auf diese« sagte u. A. der Zar: „Ganz Rußland erblickt hierin (in dem Besuche) ein neue- Zeichen der Bande wahrhafter Freundschaft, die uns vereinigen . . worauf der König in einem anderen Trinkspruche erwiderte, in dem er Die Zusammenkunft als ein „neues Unterpfand des Frieden-" bezeichnete.
Unter allen innerpolitischen Ereignissen der letzten Woche hat am meisten Aufsehen erregt der Rücktritt deS bayerischen Kultusminister- von Landmann aus dem Amte. Dieser Rücktritt ist noch nicht amtlich verkündet. Zunächst war nur die Rede von einem „Urlaub auf unbestimmte Zeit". Aber an der Thatsache ändert das weiter nichts, daß die bayerische Regierung von der Ministerhetze der liberalen Partei zurückgewichen ist und Herrn v. Laud- mann in einem Augenblicke fallen gelassen hat, der es den Liberalen gar zu leicht macht, den Ministersturz triumphirend als einen Erfolg ihrer Minirar beit zu preisen, die einen Minister beseitigen sollte, der nach der Ansicht der Liberalen dem Zentrum zu weit entgegenkam. Das Centrum kann fich das unmöglich stillschweigend bieten lassen. Die Akten über den Fall Landmann werden somit noch lange nicht geschloffen werden. Sehr richtig bezeichnete die foxfer»
। vative, protestantische Berliner ,Kreuz-Zeitung' diesen Ministersturz als eine „schwere Erschütterung der Autorität der bayerischen Krone" — und fügte Hinz«: „Wohin käme man in einem monarchisch regierten Staate, wenn eine mit genügenden Lärminstru-nenten ausgestattete kleine politische Gruppe den Sturz der einen oder andere mißliebigen Ministers erzwinge« könnte". Sehr richtig: möge sich das die bayerische Regierung als eine sehr gute Lehre merken! Al- muthmaßliche Nachfolger werden genannt Freiherr von PodewilS, jetzt bayerischer Gesandter i« Wien, und Ritter von Lermann, jetzt Regierungspräsident von Schwaben. In der bayerischen Abgeordnetenkammer hat am Dienstag Ministerpräsident Graf Crailsheim versichert, der Rücktritt des Kultusminister- hänge weder mit beet Schulgesetze, noch mit dem Anstürme der Liberale», auch nicht mit einem Einflüsse des Geheimkabinets des Prinzregenten oder mit Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Ministern zusammen. Der Beweis, daß es so ist, würde dem Herrn Ministerpräsidenten schwer werden; der Schein spricht gegen ihn. Und da daS Volk im Allgemeinen nach dem Scheine urtheilt, muß er gerade in diesem Stalle amu besonders berücksichtigt werden.
Der württembergische Landtag ist rer« tagt. Seine beiden wichtigsten Arbeite« find ih Tarifreform und die Steuerreform. Die Tariftefe: «■ ist aber eine ziemlich bescheidene Arbeit. N»»ertliü- sehr zweifelhaft ist der eingeschränkte Beschluß: lets Zweipfennig-Tarif für die dritte Klasse einzrsührtt,, sobald die Finanzlage den vorübergehenden Au-fsv gestattet — darauf wird man recht lange warten können. Die Steuerreform hat eine progressive Einkommensteuer gebracht und außerdem auch eine pflicht- mäßige Waarenhaussteuer.
Bemerkenswerth ist die Thronrede, mit der der hessische Landtag geschlossen worden ist. Die Thronrede spricht ausdrücklich ihr Bedauern darüber aus, daß in Folge der Kürze der Zeit die Verhand» langen über die Aendernng des Landtag-Wahlgesetze« und namentlich über die Einführung direkter Wahlen nicht zum Abschlüsse gebracht werden konnten.
Im Großherzogthum Baden ist eine systematische Hetze gegen die religiösen Orden im vollen Gange. In Karlsruhe hat sich ein Ausschuß von 16 Herren gebildet, der in einem öffentlichen Aufrufe z« Massenkundgebungen gegen die Orden auffordert. De« Reigen der Versammlungen haben natürlich die Nationalliberalen in Karlsruhe eröffnet mit einer Rede des Professors Böthlingk, die von Unrichtigkeiten und Gehässigkeiten geradezu wimmelt. Die Kundgebungen gehen ganz einseitig von der Partei auS; wer weiß aber, ob nicht nachträglich die badische Regierung sich dennoch darauf berufen wird, um die Zulassung von Männerorden aufs neue zu verzögern. — Mtt Be« dauern ist auS unwidersprochen gebliebenen ZeitungL-- berichten zu entnehmen, daß der Geistliche Roth Wacker aus dem parlamentarischen Leben fich »urSck» ziehen will. Dem Centrum bleibt er natürlich tre«.
Die Stichwahl im Wahlkreise Bayreuth het dem nationalliberalen Wahlbewerber Hagen mit 8549 Stimmen den Sieg über den sozialdemorransche« Kandidaten Hügel gebracht, der mit 7600 Stimmen in der Minderheit geblieben ist. In der Hauptwahl erhielt er nur 5498 Stimmen; augenscheinlich find ihm bei der Stichwahl viele Stimmen ans der freisinnigen Volkspartei zugefallen. Der Sozialdemokrat hat diesmal etwa 2800 Stimmen mehr erhalten, al- bei der letzten Ersatzwahl vor zwei Jahren — ein bedenkliches Zeichen!
Im Wahlkreise Dr. Lieber's hat bei der Ersatzwahl zum preußischen Abgeordnetenhause der Centrumskandidat Dr. Dahlem mit 181 gegen 26 Stimmen des Landraths Schmidt gesiegt. Augenscheinlich wird der Sieg auch bei der Ersatzwahl zum Reichstage glänzend fein!
Apostolischer Nuntius in München wird Msg. Giuseppe Macchi werden, jetzt JnternuntiuS ifi Brasilien. Msg. Nicotra, bis jetzt Ge^chäftsttägke der Münchener Nuntiatur, ist zum ersten Ubitore ittk Nuntiatur in Wien bestimmt.
Der Ausgleich zwischen Oesterreich urfc Ungarn wird nun endlich bald zur Thatsache werden, da die ungarische Regierung schließlich doch ein« gesehen hat, daß sie ihre übertriebenen Forderungen unmöglich aufrecht erhalten kann, vielmehr auch in einigen Punkten nachgeben muß, wenn eine gegenseitige Uebereinstimmung erzielt werden soll.
Mit den „Alldeutschen" geht es bergab. Die DeutschbShmen werden ihnen untreu, wie eS ja bei anständigen Menschen nach allen den skandalösen Vorgängen der letzten Zeit kaum ander« möglich ist. Namentlich in Eger will man nichts von Schönerer, Jro und Genossen wissen, wie man diesen Helden sehr handgreiflich dargethan hat. Der Abgeordnete Jro wurde von der empörten Menge sogar mit Steinen beworfen.
Die erste, recht kurze Tagung der neuen französischen Abgeordnetenkammer ist geschloffen. Im Oktober soll alsdann die neue Tagung eröffnet werde«, die auch das Budget für 1903 berathen soll. Das Hauptkennzeichen der neuen Kammer und des neuen Kabinet« ist eine sehr erhebliche, leidenschaftliche Verschärfung deS Kulturkampfes. DaS sogen. Vereins- gesetz wird mit aller Schärfe durchgeführt, sodaß Hunderte von Ordensniederlassungen und Ordensschulen der gewaltsamen Auflösung anheim fallen werden.
König Eduard von England ist auf seine Jacht „Viktoria und Albert" verbracht worden. Man hat den kranken König aus der kurzen Bahnfahrt von London biS Portsmouth sehr sorgfälttg allen Zuschauerblicken entzogen, so daß die ganze Veranstaltung augenscheinlich einen recht trostlosen Eindruck gemacht hat. Die Seeluft» so hoffen die Aerzte, soll dem König Er»